<
>
Bindungstheorie und Bindungsstörung nach John Bowlby und Mary Ainsworth: Studienarbeit: Wie Kinder sich an Bezugspersonen binden
Download
buy for 10.36 $
Document category

Term paper
Pedagogy

University, School

Universität Koblenz-Landau

Grade, Teacher, Year

1,3, B. Wolf, 2012

Author / Copyright
Text by Oriella Kahn ©
Format: PDF
Size: 0.60 Mb
Without copy protection
Rating [details]

Rating 5.0 of 5.0 (1)
Networking:
6/0|24.2[1.0]|2/51







More documents
Entwicklungspsy­cho­logische Ansätze nach Bowlby und Ainsworth Inhaltsverzeich­nis­ 1. Einleitung 2 2. Ethologischer Ansatz von Bowlby zur Erklärung des 3 Bindungsverhalt­ens­ von Kindern 2.1. Die Mutter als sichere Basis .3 2.2. Bindungsverhalt­en und das Knüpfen affektiver 4 Banden zwischen Heranwachsenden und Bindungsperson, wie auch unter Erwachsenen 3. Die empirische Theorieprüfung von Bowlbys‛ Bindungstheorie 5 durch Mary Ainsworth 3.1. Erste Längsschnittstu­die­ in Uganda 5 3.2. Zweie Längsschnittstu­die­…
2. Die Bindungstheorie 2.1 Die Entstehung und Entwicklung der Bindungstheorie 2.2 Die internalen Arbeitsmodelle in der Kindheit 2.1 Die Entstehung und Entwicklung der Bindungstheorie Eine vielmals aufgeworfene, von zahlreichen namenhaften Therapeuten diskutierte und behandelte Kontroverse in den Jahren von 1930 bis 1950 stellt die kindliche Persönlichkeits­en­twicklung unter dem Einfluss der unmittelbaren Umgebung dar. Insbesondere unter den Aspekten des kontinuierlich wechselnden Bezugs zu Institutionen,…

Bindungstheorie und Bindungsstörung
nach John Bowlby und Mary Ainsworth

Studienarbeit
Wie Kinder sich an Bezugspersonen binden

Universität Koblenz-landau


Inhalt

1.        Einleitung. 4

2.        Terminologie. 5

3.        John Bowlby und die Ursprünge der Bindungstheorie. 6

3.1.     Der Werdegang John Bowlbys 6

3.2.     Die Entstehung und Entwicklung der Bindungstheorie nach Bowlby 8

4.        Grundlagen der Bindungstheorie. 10

4.1.     Definitionen. 10

4.2.     Definition des Begriffes „Bindung“. 11

4.3.     Das Bindungsverhalten. 12

4.4.     Innere Arbeitsmodelle in der Kindheit 14

4.5.     Feinfühligkeit 17

4.6.     Die Mutter als sichere Basis 18

5.        Die Fremde Situation nach Mary Ainsworth. 20

5.1.     Die empirische Theorieprüfung von Bowlbys Bindungstheorie durch Mary Ainsworth. 20

5.2.     Zweite Längsschnittstudie in Baltimore. 21

5.3.     Bindungsrepräsentation:  Das Erwachsenen-Bindungs-Interview. 26

5.4.     Weitere Faktoren für die Bindungssicherheit 28

6.        Elterliches Pflegeverhalten und kindliche Entwickung. 29

7.        Ungünstige Bindungserfahrungen und spätere Psychopathologie. 36

8.        Bindungsstörung - Diagnostik von Bindungsstörung im ICD-10. 37

8.1.     Typologie der Bindungsstörungen im Kindesalter nach Brisch. 38

9.        Kritik an der Bindungstheorie. 40

9.1.     Ursprung und Hintergrund der Bindungsqualität 40

9.2.     Kontinuitätsannahme. 40

9.3.     Die Bindungshierarchie. 41

10.      Modere Praxisanwendung der Bindungstheorie:  Das STEEP™ Programm von Byron und Erickson. 43

11.      Fazit 49

12.      Literaturverzeichnis 51

  

1.        Einleitung

„Bindung kann definiert werden als das gefühlsmäßige Band, welches eine Person oder ein Tier zwischen sich und einem bestimmten anderen knüpft, ein Band, das sie räumlich verbindet und das zeitlich andauert.“ (Ainsworth 1974, zit. n. Grossmann& Grossmann 2003, S.243) Die Verbundenheit eines Menschen mit anderen Menschen ist eines der zentralen sinnstiftenden Motive innerhalb unseres gesamten Lebens.

Solch eine innere Verbundenheit entsteht bereits in der Schwangerschaft und wird hier durch die Gefühle der Mutter maßgebend geprägt. Die Einstellung der Mutter gegenüber dem sich entwickelndem Kind im Mutterleib ist entscheidend für die späteren Verhaltensweisen. Die Art und Weise der frühkindlichen emotional-affektiven Erlebnisse entscheiden darüber, ob sich bei einem Kind das Urvertrauen oder Urmisstrauen ausprägt.

Das Neugeborene kann seine Bezugsperson nur über den körperlichen Kontakt, den Geruchs- und Tastsinn, wahrnehmen. Die emotionale Zuwendung erzeugt beim Kind eine Atmosphäre der Geborgenheit und Sicherheit. Durch Verhaltensweisen, wie Saugen, Anklammern, Nachfolgen, Weinen/Schreien und Lächeln tritt der Säugling in eine Kommunikation mit seiner Bezugsperson ein. (vgl.  Schmidt-Denter, 1993).

Damit sich ein Dialog entwickeln kann, muss die Bezugsperson die Bedeutung der Signale wahrnehmen und adäquat darauf reagieren können. Das Bindungssystem muss demnach auf der Grundlage angeborener Verhaltensweisen durch Kommunikation und Interaktion aufgebaut und weiterentwickelt werden. Wird dieses grundlegende Bedürfnis befriedigt, können sich Vertrauen und Bindungssicherheit entwickeln.

Diese Bindungssicherheit bietet im frühen Kindesalter Schutz und die Unterstützung der Erwachsenen gegenüber dem Kind, damit es sich die Erkundung seiner Welt zutraut. Bedürfnisse und Fähigkeiten des Kindes und der Eltern oder anderer Personen, die diese Verbundenheit ermöglichen, sind das zentrale Thema der Bindungstheorie und dieser Hausarbeit. Zu Beginn dieser Ausarbeitung, werden als Einstieg im ersten Kapitel grundlegenden Fachtermini definiert.

Im Anschluss wird in den folgenden Kapiteln auf die starke Bindung zwischen Kind und Bezugsperson eingegangen. Hierbei wird vorrangig auf die Beiträge von John Bowlby und Mary Ainsworth, als Begründer der Bindungstheorie und Bindungsforschung, Bezug genommen. Anschließend daran wird das Thema Bindungsstörungen näher erörtert und auf die spezifischen Typen der Bindungsstörungen eingegangen.

Im letzten Kapitel wird versucht die Bindungstheorie kritisch zu beleuchten.


2.        Terminologie

Um die Thematik der Bindungstheorie und Bindungsstörung angemessen einleiten zu können, werden zum Einstieg zunächst sechs Fachtermini kurz .....[read full text]

Download Wie entstehen Bindungsstörungen zwischen Menschen? Bindungstheorie und Bindungsstörung nach John Bowlby und Mary Ainsworth
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis
This page(s) are not visible in the preview.
Please click on download.
Download Wie entstehen Bindungsstörungen zwischen Menschen? Bindungstheorie und Bindungsstörung nach John Bowlby und Mary Ainsworth
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis

Anschließend begab sich Bowlby nach London, wo er sein Medizinstudium beendete und sich u.a. von Melanie Klein zum Erwachsenenpsychiater ausbilden ließ. In den folgenden Jahren war er als Psychiater an der Tavistock Clinic beschäftigt und baute dort zusammen mit Esther Bick ein Ausbildungsprogramm für Kinderpsychotherapie auf. Im Jahre 1951 wurde John Bowlby der Auftrag zugewiesen, im Name der World Health Organisation (WHO) einen Bericht „über die Situation der vielen heimatlosen und verwaisten Kinder in der Nachkriegszeit zu verfassen“ (Brisch 1999, S.32).

Durch die Auswirkungen des Krieges waren die Kinder von ihren Eltern separiert worden und wiesen teilweise ausgeprägte Persönlichkeitsstörungen auf, für welche zunächst keine zufriedenstellenden Erklärungen gefunden wurden. Bowlby publizierte die Ergebnisse der Untersuchung in einer eingängigen Fassung als Buch unter dem Namen „Mütterliche Fürsorge und seelische Gesundheit“.

Hiermit wurde er schnell zu einem bekannten und fachlich anerkannten und geschätzten Mann. Das Buch ließ sich allein in englischer Sprache 500 000 Mal verkaufen und wurde in zehn Sprachen übersetzt. Bowlby beschreibt in dieser Monographie die „nachteiligen Folgen, die entstehen, wenn Kinder ohne ihre Mütter in Institutionen aufwachsen, in denen ihre emotionalen und kognitiven Bedürfnisse nur unzureichend befriedigt werden“ (Dornes 2000,S.41).

Das Resultat, welches aus diesem Bericht hervorging, ermutigte ihn, seine Theorie weiter zu verfolgen und zu differenzieren (vgl. Brisch 1999, S.31 f.). Bowlby stand in gleicher Weise den physikalischen Erklärungsversuchen des Behaviorismus, für den sich jedes beobachtbare Verhältnis in ein Reiz- Reaktionsschema einordnen lässt, kritisch gegenüber, wie auch den empirisch, nicht verifizierbaren Vermutungen der Psychoanalyse (vgl. Schleiffer 2007, S.17).

Angesichts mangelhafter Antworten entwickelte John Bowlby die Bindungstheorie, „ein Konzept der personenbezogenen tiefen emotionalen Beziehung des Kleinkindes an (zunächst) seine Mutter bzw. Hauptpflegeperson“ (Stahlmann 2007, S.50).


Mary Ainsworth

Neben John Bowlby haben sich auch weitere Wissenschaftler mit der Bedeutung von Bindungsbeziehungen auseinandergesetzt und sind daher ebenfalls mit der Bindungstheorie in Verbindung zu setzen– unter anderem Mary Ainsworth. Zunächst studierte sie unter Leitung John Bowlbys in London, bis sie seine langjährige Arbeitskollegin wurde. Sie setzte sich für geeignete empirische Umsetzungen der Ideen seiner Theorie ein. (vgl. Wilkening/Freund/Martin 2009, S.68) Ainsworth trug durch die Berücksichtigung individueller Unterschiede und den Begriff der sicheren Basis wesentlich zur Erweiterung Bowlys Theorie bei.


3.2.   Die Entstehung und Entwicklung der
Bindungstheorie nach Bowlby

Eine vielmals aufgeworfene, von zahlreichen namenhaften Therapeuten diskutierte und behandelte Kontroverse in den Jahren von 1930 bis 1950 stellt die kindliche Persönlichkeitsentwicklung unter dem Einfluss der unmittelbaren Umgebung dar. Insbesondere unter den Aspekten des kontinuierlich wechselnden Bezugs zu Institutionen, in Form von Heim- und Klinikaufenthalten, sowie der wechselnden Mutterfigur wurden weitreichende Studien geführt.

Ausgebildete Analytiker wie Mary Ainsworth, Lauretta Bender, Anna Freud, David Levy und nicht zuletzt auch John Bowlby - um an dieser Stelle nur einige von ihnen zu benennen - prägten den Forschungsstand  nachweislich.

Dem englischen Psychiater und Psychoanalytiker John Bowlby, der an der Londoner Tavistock Klinik tätig war, ist die erstmalige Formulierung der Bindungstheorie in den 50er Jahren zu verzeichnen. Unter dem Druck zunehmend aufgekommener Forderungen nach konkreter Besserung der frühkindlichen Umgangsweise im Rahmen von Heim- und Klinikunterbringungen und in Anlehnung an bestehende Studien (Provence/Lipton 1962 oder Heinicke/ Westheimer 1966), sowie experimentellen Untersuchungen (Harlow/ Harlow 1965 oder Hinde/ Spencer-Booth 1971) widmete sich Bowlby den theoretischen Aspekten, welche die zentrale Kontroverse implizierte.

In diesem Zusammenhang ist ebenso hervorzuheben, dass trotz der damit aufgewiesen Wege zur Erforschung und zugleich bestätigten Hypothesen viele strittige Fragen unbeantwortet bleiben mussten: „Durchweg berechtigte Fragen, deren Beantwortung bestimmte Missverständnisse weiter erschwerten: Wer für nur eine Hauptperson votiere, denke dabei ja wohl immer an die leibliche Mutter, räume also den ‚Bluts.....

Download Wie entstehen Bindungsstörungen zwischen Menschen? Bindungstheorie und Bindungsstörung nach John Bowlby und Mary Ainsworth
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis
This page(s) are not visible in the preview.
Please click on download.
Download Wie entstehen Bindungsstörungen zwischen Menschen? Bindungstheorie und Bindungsstörung nach John Bowlby und Mary Ainsworth
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis

Entgegen der existierenden Anhängigkeitstheorien, wie der von Melanie Klein vertretenen primären Objektbeziehungstheorie, beruft sich der Analytiker auf Verhaltensbeobachtungen.

Die Betonung im bindungstheoretischen Kontext liegt grundsätzlich darauf, den Begriff der “Bindung” von jenem der “Beziehung” abzugrenzen.

Unterschiedliche Termini, wie z.B. die „sichere Basis“ oder die „Feinfühligkeit“ sind eng mit der Bindungstheorie verbunden und werden in dieser Arbeit noch genauer erläutert. Des Weiteren wird auf das das innere Arbeitsmodell eingegangen, um ein besseres Verständnis von John Bowlby und Mary Ainsworth entwickelte Bindungstheorie, zu bekommen.


4.        Grundlagen der Bindungstheorie

Um die Bindungstheorie konkreter zu veranschaulichen, werden im Folgenden die fundamentalen Kernpunkte dieses Konzepts vorgestellt. Nach einer kurzen Definition des Begriffes „Bindung“ werden die Grundlagen der Bindungstheorie und die damit verbundene Terminologie dargelegt.


4.1.   Definitionen

Der in der vorliegenden Ausarbeitung gewählte Zusammenhang zwischen den Grundzügen der Bindungstheorie und der frühkindlichen Entwicklung veranlasst an dieser Stelle die das Konstrukt Bindung sowie das das daraus resultierende Bindungsverhalten des Kindes zu definieren.

„Eine (passive oder aktive) Bindung setzt ein durch spezifische Faktoren gesteuertes starkes Kontaktbedürfnis gegenüber bestimmten Personen voraus und stellt ein dauerhaftes, weitgehend stabiles und situationsunabhängiges Merkmal des Bindungssuchenden dar. Zum Bindungsverhalten gehören hingegen sämtliche auf ‚Nähe‘ ausgerichtete Verhaltensweisen des Betreffenden.“ (Bowlby, 2010).

Bindung als solche ist begleitet von straken Gefühlen und verbindet das Kind mit einer anderen Person, die nach seinem Ermessen ein besondere Stellung einnimmt. Nach Ainsworth ist die Bindungsbeziehung zu einem bestimmten Menschen nicht dyadisch, sondern im Sinne eines individuellen Merkmals in der internalen Organisation des Kleinkindes dargestellt (Ainsworth, 1989).

Der menschliche Säugling hat, entsprechend den Ausführungen von John Bowlby, die angeborene Tendenz, die Nähe vertrauter Personen zu suchen. Aufgrund der Tatsache, dass der erste Kontakt in der Regel mit der leiblichen Mutter, beziehungsweise auch die zwischenmenschliche Interaktion weiterhin mit einer Vaterfigur erfolgt, setzt die Bindungsbezi.....

Download Wie entstehen Bindungsstörungen zwischen Menschen? Bindungstheorie und Bindungsstörung nach John Bowlby und Mary Ainsworth
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis
This page(s) are not visible in the preview.
Please click on download.
Download Wie entstehen Bindungsstörungen zwischen Menschen? Bindungstheorie und Bindungsstörung nach John Bowlby und Mary Ainsworth
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis

4.2.   Definition des Begriffes „Bindung“

Bindungen einzugehen gilt, neben der Nahrungsaufnahme und Sexualität, als primäres, angeborenes Grundbedürfnis eines Menschen. Der Begründer der Bindungstheorie John Bowlby äußert sich wie folgt dazu:

„Die Ethologie betrachtet Neigung, starke emotionale Bindungen zu spezifischen Individuen aufzubauen, als eine grundlegende Komponente der menschlichen Natur, welche im Keim bereits beim Neugeborenen vorhanden ist und die bis zum Erwachsenenalter und hohen Alter bestehen bleibt“ (Spangler/Zimmermann 2002, S.20f.)

Gemäß der Anschauung Bowlbys ist Bindung „jede Form von Verhalten, das durch das Suchen oder Aufrechterhalten von Nähe zu einer Person entsteht, die in der Lage zu sein scheint, besser mit der Welt zurecht zu kommen“ (Bowlby 1988, S.26 f., sinngemäß übersetzt).

Somit repräsentiert Bindung, den Trieb eines Menschen, enge, von tiefen und intensiven Gefühlen getragene Beziehungen zu anderen spezifischen Personen zu suchen und beizubehalten, die ihm persönlich zu einem Gefühl von psychischer und physiologischer Sicherheit verhelfen.

In Korrelation zum Bindungsverhalten stehen die komplementären Bedürfnisse eines Kindes nach Exploration und autonomen Verhalten. Auf die Wirklichkeit bezogen bedeutet dies, dass sichere Bindungen mit Bezugspersonen eine wesentliche Vorbedingung für Kinder sind, um sich von diesen lösen und selbstständige Erkundungen unternehmen zu können (Spangler/Zimmermann 2002,S.21).


4.3.   Das Bindungsverhalten

Um den besonderen Charakter seiner Bindungstheorie zu betonen und um sie von der Abhängigkeitstheorie der Psychoanalyse zu distanzieren, weist Bowlby dem Bindungsverhalten verschiedene Merkmale zu.

Wie aus zahlreich durchgeführten Studien nachgewiesen ist, sind Kinder in der Lage ihr Bindungsverhalten situations- und personenabhängig zu differenzieren. Dies bedeutet, dass sie ihre Gefühle vorwiegend gegenüber derselben Bezugsperson verbalisieren oder anderweitig zum Ausdruck bringen. In Abwesenheit dieser Person vertrauen sie sich vereinzelt gut bekannten Menschen an, seltener jedoch sympathischen Fremden.

Sind Kinder nicht in der Lage eine solche Unterscheidung vorzunehmen beziehungsweise jegliche Versuche misslingen, so kann dies ein erstes Anzeichen für die Entwicklung psy.....

Download Wie entstehen Bindungsstörungen zwischen Menschen? Bindungstheorie und Bindungsstörung nach John Bowlby und Mary Ainsworth
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis
This page(s) are not visible in the preview.
Please click on download.
Download Wie entstehen Bindungsstörungen zwischen Menschen? Bindungstheorie und Bindungsstörung nach John Bowlby und Mary Ainsworth
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis

Durch den Kontakt zur Mutter und /oder durch Interaktion mit ihr können diese wieder beendet werden (vgl. Grossmann/Grossmann 2003, S. 23ff)

Die Äußerungsformen des Kindes sind „austauschbare, funktional äquivalente Verhaltensmuster, die den gleichen vorhersagbaren Effekt haben“ (Bowlby, 1969, 1982). Durch die darin bestehenden Regeln wird das flexible und auch dynamische Reagieren auf die äußeren Reize, beispielsweise Umweltmodifikationen gewährleistet – die Auswahl, Aktivierung und Beendigung des kindlichen Verhaltens in Anlehnung an internale und externale Begebenheiten gesteuert.

Die internalen Faktoren sind gemäß den Ausführungen Bowlbys, durch das Individuum nicht beeinflussbare und gleichsam situationsunabhängige Auslöser wie Erkrankung, Ermüdung, Schmerz oder Hunger. Dem gegenüber stehen die externalen, also kontextgebundenen Faktoren, die durch die Interaktion mit der Umwelt vom Kleinkind als bedrohlich aufgefasst werden. In nahezu gleicher Weise erfüllen sie eine Warnfunktion, die auf eine Gefährdung der erwünschten, eingeforderten Nähe und Sicherheit verweist.

An dieser Stelle bedarf es der Darstellung weiterer, von John Bowlby angenommener Verhaltenssysteme. Neben beziehungsweise in enger Verbindung zu dem erläuterten Bindungsverhaltenssystem existieren das Explorations- und Furchtsystem (Bowlby, 1969, 1982). Ferner ist ebenso das Sozialbeziehungssystem zu benennen (Ainsworth, 1990).

In Anbetracht der vielseitigen Beiträge, Ergänzungen und Erweiterungen der von John Bowlby erstmals formulierten Theorie über die Bindung sowie den damit einhergehenden Aspekten der frühkindliche Entwicklung, ist festzuhalten, dass über diese Theorie sowohl episodisch auftretendes Bindungsverhalten, als auch die Entstehung dauerhafter Bindungen erklärt werden kann.

Zudem lassen sich durch die Bindungstheorie pathogene Familienstrukturen verstehen, die aus dem Kontext der nachfolgenden Darstellungen ersichtlich werden.


4.4.   Innere Arbeitsmodelle in der Kindheit

Im Rahmen der Bindungsforschung und in Hinsicht auf eine Erforschung des kindlichen Sozialverhaltens, sowie den damit verbundenen psychischen Störungen oder letztlich auch Reformen in der Umgangsweise mit Kindern, wurde der Auseinandersetzung mit den frühkindlichen Interaktionserfahrungen stetig mehr Bedeutung zu Teil.

John Bowlby brachte das Konzept des inneren Arbeitsmodells – des „internal working models“ – in den Kontext der Bindungstheorie ein, mit dem Ziel, die Auswirkungen früher Interaktionserfahrungen des Kindes auf seine soziale und emotionale Entwicklung zu ergründen. Mit dem Begriff der internalen Arbeitsmodelle werden Repräsentationsstrukturen beschrieben, unter deren Nutzung das Individuum einen optimalen Verhaltenseffekt erzielt. Das Konzept der inneren Arbeitsmodelle ist „derzeit das plausibelste Erklärungsmodell“ dafür, „dass sich frühe Bindungsstrategien im weiteren Entwicklungsverlauf von Kindern in ihrem Erleben und Verhalten fortsetzen“ (.....

Download Wie entstehen Bindungsstörungen zwischen Menschen? Bindungstheorie und Bindungsstörung nach John Bowlby und Mary Ainsworth
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis
This page(s) are not visible in the preview.
Please click on download.
Download Wie entstehen Bindungsstörungen zwischen Menschen? Bindungstheorie und Bindungsstörung nach John Bowlby und Mary Ainsworth
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis

„Kinder entwickeln – je nach Lebensalter elaborierter oder weniger elaboriert – auf der Grundlage ihrer Interaktionserfahrungen mit ihrer zentralen Bezugs- und Betreuungsperson Vorstellungen darüber, wo diese Bezugsperson anzutreffen ist, wie sie in Not-Situationen reagiert, wie verfügbar und zugewandt sie ist und wie sie selbst – d.h. das einzelne Kind, um das es geht – in dieser Beziehung einzuordnen und zu bewerten sind.“ (Hopf, 2005)


Dementsprechend konstruieren Kinder flexible Modelle der Beziehung zwischen ihnen und ihrer unmittelbaren Umgebung, folglich ihrer engsten Bezugsperson, die ein Verstehen, Interpretieren und Vorhersagen des Zusammenwirkens gewährleisten (Marvin & Britner, 1999).

Ohne jedoch bei Erklärungen der Verarbeitung bindungsrelevanter Informationen auf psychoanalytische Theorien zurückgreifen zu müssen, stützt Bowlby diese auf Ansätze der kognitiven Psychologie. Überdies erfolgt auch die Theoriegenerierung bezüglich der „Fremden Situation“, auf die im weiteren Verlauf der Ausarbeitung in Kapitel 5 ausführlicher eingegangen wird.

Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei dem Konzept der internalen Arbeitsmodelle um ein hypothetisches Konstrukt handelt, sind Interpretationen und generelle Erklärungen von Zusammenhängen nur in Ansätzen wissenschaftlich fundiert. Jegliche Fakten können nur über das Verhalten des beobachteten Individuums, seinen verbalen und emotionalen Äußerungen, über Mimik und Gestik erschlossen werden.

Im Kontext der Bindung und dem Bindungsverhalten kann eine Unterteilung der internalen Arbeitsmodelle bezogen auf die Kindheit oder das Erwachsenenalter vorgenommen werden.

Die Grundlagen der „internal working models of attachment“ nach Bowlby (1969, 1982) bezogen auf die Kindheit, implizieren die entscheidende Tatsache, dass die Heranwachsenden über bedeutsame Entwicklungsschübe verfügen. Es wird davon ausgegangen, dass Kinder bereits im Alter von etwa 12 Monaten über einfache Arbeitsmodelle verfügen. Innerhalb dieser ersten Monate erfolgt eine Herausbildung und Erweiterung der kindlichen kognitiven Fähigkeiten, so auch das Vermögen über Objektpermanenz.

Dies hat die Repräsentationen von der jeweiligen Bindungs- oder Bezugsperson unabhängig von ihrer unmittelbaren Wahrnehmung zur Bedeutung. Innerhalb der geistigen Wiederspiegelung sind emotionale Aspekte verankert die sich entsprechend nach der Bindungsfigur richten - und soziale Erwartungen die sich an di.....

This page(s) are not visible in the preview.
Please click on download.
Download Wie entstehen Bindungsstörungen zwischen Menschen? Bindungstheorie und Bindungsstörung nach John Bowlby und Mary Ainsworth
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis

Legal info - Data privacy - Contact - Terms-Authors - Terms-Customers -
Swap+your+documents