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Bindungstheorie und Bindungsstörung nach John Bowlby und Mary Ainsworth: Studienarbeit: Wie Kinder sich an Bezugspersonen binden
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Pedagogy

University, School

Universität Koblenz-Landau

Grade, Teacher, Year

1,3, B. Wolf, 2012

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Entwicklungspsy­cho­logische Ansätze nach Bowlby und Ainsworth Inhaltsverzeich­nis­ 1. Einleitung 2 2. Ethologischer Ansatz von Bowlby zur Erklärung des 3 Bindungsverhalt­ens­ von Kindern 2.1. Die Mutter als sichere Basis .3 2.2. Bindungsverhalt­en und das Knüpfen affektiver 4 Banden zwischen Heranwachsenden und Bindungsperson, wie auch unter Erwachsenen 3. Die empirische Theorieprüfung von Bowlbys‛ Bindungstheorie 5 durch Mary Ainsworth 3.1. Erste Längsschnittstu­die­ in Uganda 5 3.2. Zweie Längsschnittstu­die­ in Baltimore .6 3.2.1. Der Fremde Situations Test 6 3.2.2. Auswertung des Fremde Situations Test 7 4. Die Bindung bei Erwachsenen- das Adult Attachment Interview .8 5. Das STEEP™ Programm .10 5.1. Der Hausbesuch 10 5.2. Der Gruppentermin .11 5.3. Das Programmkonzept 11 5.4. Der „Seeing is Believing“­ Ansatz: SIB™ 12 5.5. Die therapeutische Beziehung und die charakteristisc­he 12 Haltung der STEEP™ Beraterin 5.6. Wichtige Themen des STEEP™ Programm .14 6. Schlussteil .16 7. Literaturverzei­chn­is .17 1. Einleitung In meiner Hausarbeit möchte ich den Bindungstheoret­isc­hen Ansatz von John Bowlby vorstellen, den er aus der Ethologie ableitet. Ethologie bedeutet übersetzt die Verhaltensbiolo­gie­ und erforscht tierisches, wie auch menschliches Verhalten vom Sichtpunkt der Biologie und ihrer Methoden ( Dabei lege ich besonderen
2. Die Bindungstheorie 2.1 Die Entstehung und Entwicklung der Bindungstheorie 2.2 Die internalen Arbeitsmodelle in der Kindheit 2.1 Die Entstehung und Entwicklung der Bindungstheorie Eine vielmals aufgeworfene, von zahlreichen namenhaften Therapeuten diskutierte und behandelte Kontroverse in den Jahren von 1930 bis 1950 stellt die kindliche Persönlichkeits­en­twicklung unter dem Einfluss der unmittelbaren Umgebung dar. Insbesondere unter den Aspekten des kontinuierlich wechselnden Bezugs zu Institutionen, in Form von Heim- und Klinikaufenthal­ten­, sowie der wechselnden Mutterfigur wurden weitreichende Studien geführt. Ausgebildete Analytiker wie Mary Ainsworth, Lauretta Bender, Anna Freud, David Levy und nicht zuletzt auch John Bowlby - um an dieser Stelle nur einige von ihnen zu benennen - prägten den Forschungsstand nachweislich. Dem englischen Psychiater und Psychoanalytike­r John Bowlby, der an der Londoner Tavistock Klinik tätig war, ist die erstmalige Formulierung der Bindungstheorie in den 50er Jahren zu verzeichnen. Unter dem Druck zunehmend aufgekommener Forderungen nach konkreter Besserung der frühkindlichen Umgangsweise im Rahmen von Heim- und Klinikunterbrin­gun­gen und in Anlehnung an bestehende Studien (Provence/ Lipton 1962 oder Heinicke/ Westheimer 1966), sowie experimentellen Untersuchungen (Harlow/ Harlow 1965 oder Hinde/ Spencer-Booth

Bindungstheorie und Bindungsstörung
nach John Bowlby und Mary Ainsworth

Studienarbeit
Wie Kinder sich an Bezugspersonen binden

Universität Koblenz-landau


Inhalt

1.        Einleitung. 4

2.        Terminologie. 5

3.        John Bowlby und die Ursprünge der Bindungstheorie. 6

3.1.     Der Werdegang John Bowlbys 6

3.2.     Die Entstehung und Entwicklung der Bindungstheorie nach Bowlby 8

4.        Grundlagen der Bindungstheorie. 10

4.1.     Definitionen. 10

4.2.     Definition des Begriffes „Bindung“. 11

4.3.     Das Bindungsverhalten. 12

4.4.     Innere Arbeitsmodelle in der Kindheit 14

4.5.     Feinfühligkeit 17

4.6.     Die Mutter als sichere Basis 18

5.        Die Fremde Situation nach Mary Ainsworth. 20

5.1.     Die empirische Theorieprüfung von Bowlbys Bindungstheorie durch Mary Ainsworth. 20

5.2.     Zweite Längsschnittstudie in Baltimore. 21

5.3.     Bindungsrepräsentation:  Das Erwachsenen-Bindungs-Interview. 26

5.4.     Weitere Faktoren für die Bindungssicherheit 28

6.        Elterliches Pflegeverhalten und kindliche Entwickung. 29

7.        Ungünstige Bindungserfahrungen und spätere Psychopathologie. 36

8.        Bindungsstörung - Diagnostik von Bindungsstörung im ICD-10. 37

8.1.     Typologie der Bindungsstörungen im Kindesalter nach Brisch. 38

9.        Kritik an der Bindungstheorie. 40

9.1.     Ursprung und Hintergrund der Bindungsqualität 40

9.2.     Kontinuitätsannahme. 40

9.3.     Die Bindungshierarchie. 41

10.      Modere Praxisanwendung der Bindungstheorie:  Das STEEP™ Programm von Byron und Erickson. 43

11.      Fazit 49

12.      Literaturverzeichnis 51

  

1.        Einleitung

„Bindung kann definiert werden als das gefühlsmäßige Band, welches eine Person oder ein Tier zwischen sich und einem bestimmten anderen knüpft, ein Band, das sie räumlich verbindet und das zeitlich andauert.“ (Ainsworth 1974, zit. n. Grossmann& Grossmann 2003, S.243) Die Verbundenheit eines Menschen mit anderen Menschen ist eines der zentralen sinnstiftenden Motive innerhalb unseres gesamten Lebens.

Solch eine innere Verbundenheit entsteht bereits in der Schwangerschaft und wird hier durch die Gefühle der Mutter maßgebend geprägt. Die Einstellung der Mutter gegenüber dem sich entwickelndem Kind im Mutterleib ist entscheidend für die späteren Verhaltensweisen. Die Art und Weise der frühkindlichen emotional-affektiven Erlebnisse entscheiden darüber, ob sich bei einem Kind das Urvertrauen oder Urmisstrauen ausprägt.

Das Neugeborene kann seine Bezugsperson nur über den körperlichen Kontakt, den Geruchs- und Tastsinn, wahrnehmen. Die emotionale Zuwendung erzeugt beim Kind eine Atmosphäre der Geborgenheit und Sicherheit. Durch Verhaltensweisen, wie Saugen, Anklammern, Nachfolgen, Weinen/Schreien und Lächeln tritt der Säugling in eine Kommunikation mit seiner Bezugsperson ein. (vgl.  Schmidt-Denter, 1993).

Damit sich ein Dialog entwickeln kann, muss die Bezugsperson die Bedeutung der Signale wahrnehmen und adäquat darauf reagieren können. Das Bindungssystem muss demnach auf der Grundlage angeborener Verhaltensweisen durch Kommunikation und Interaktion aufgebaut und weiterentwickelt werden. Wird dieses grundlegende Bedürfnis befriedigt, können sich Vertrauen und Bindungssicherheit entwickeln.

Diese Bindungssicherheit bietet im frühen Kindesalter Schutz und die Unterstützung der Erwachsenen gegenüber dem Kind, damit es sich die Erkundung seiner Welt zutraut. Bedürfnisse und Fähigkeiten des Kindes und der Eltern oder anderer Personen, die diese Verbundenheit ermöglichen, sind das zentrale Thema der Bindungstheorie und dieser Hausarbeit. Zu Beginn dieser Ausarbeitung, werden als Einstieg im ersten Kapitel grundlegenden Fachtermini definiert.

Im Anschluss wird in den folgenden Kapiteln auf die starke Bindung zwischen Kind und Bezugsperson eingegangen. Hierbei wird vorrangig auf die Beiträge von John Bowlby und Mary Ainsworth, als Begründer der Bindungstheorie und Bindungsforschung, Bezug genommen. Anschließend daran wird das Thema Bindungsstörungen näher erörtert und auf die spezifischen Typen der Bindungss.....[read full text]

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3.        John Bowlby und die Ursprünge der Bindungstheorie

Die Bindungsforschung gehört dem jüngeren Forschungsfeld der Psychologie an. Das Bindungsverhalten und die daraus resultierende Bindungsqualität, die ein Säugling zu seiner direkten Bezugsperson (Mutter oder Vater) entwickelt, ist das ist zentrale Thema der Bindungstheorie.

Das erste Lebensjahr des Säuglings gilt als der fundamentale Zeitraum, in dem sich die Bindungsqualität ausprägt. Nach Vollendung des ersten Lebensjahres, kann bereits das Bindungsverhalten eines Säuglings als sicher, unsicher oder desorganisiert eingestuft werden. Obwohl der Auftakt der Bindungsforschung mittlerweile einige Jahrzehnte zurückliegt, hat sie in ihren Anfängen ihr Dasein auf der langen Bank fristen müssen.

Erst in den letzten Jahren hat sie sich auch in der Psychoanalyse wachsendes Interesse erregen können. Diese Entwicklung wird von Dornes auf ein „Gefühl der Desorientierung in einer unübersichtlich gewordenen Welt“ (Dornes 2000, S.37) zurückgeführt, welche Begriffe und Zustände wie Bindung und Sicherheit wieder in das Zentrum der Aufmerksamkeit rücken lässt.

Dahingehend scheint nach Dornes die Bindungstheorie einen „zentralen Affekt und eine zentrale Besorgnis des heutigen Menschen zu thematisieren“ (ebd., S.38).


3.1.   Der Werdegang John Bowlbys

Als Urheber und einer der bedeutendsten Vertreter der Bindungstheorie gilt John Bowlby (1907- 1990). Er begann in seinen jungen Jahren ein Medizinstudium, welches er aber binnen kürzester Zeit, zugunsten einer Hospitation an einer Schule für verhaltensgestörte Kinder, abbrach.

An diesem Ort machte er seine ersten Erfahrungen in der Beobachtung von Kindern und Jugendlichen, die maßgeblichen Einfluss auf seinen weiteren Lebensweg ausübten. Er erforschte, dass frühkindli3che Deprivation nicht zwangsläufig eine Persönlichkeit endgültig prägen musste, sondern das, ungeachtet der frühkindlichen Erfahrung, eine divergente Persönlichkeitsentwicklung möglich war.

Anschließend begab sich Bowlby nach London, wo er sein Medizinstudium beendete und sich u.a. von Melanie Klein zum Erwachsenenpsychiater ausbilden ließ. In den folgenden Jahren war er als Psychiater an der Tavistock Clinic beschäftigt und baute dort zusammen mit Esther Bick ein Ausbildungsprogramm für Kinderpsychotherapie auf.

Im Jahre 1951 wurde John Bowlby der Auftrag zugewiesen, im Name der World Health Organisation (WHO) einen Bericht „über die Situation der vielen heimatlosen und verwaisten Kinder in der Nachkriegszeit zu verfassen“ (Brisch 1999, S.32). Durch die Auswirkungen des Krieges waren die Kinder von ihren Eltern separiert worden und wiesen teilweise ausgeprägte Persönlichkeitsstörungen auf, für welche zunächst keine zufriedenstellenden Erklärungen gefunden wurden.

Bowlby publizierte die Ergebnisse der Untersuchung in einer eingängigen Fassung als Buch unter dem Namen „Mütterliche Fürsorge und seelische Gesundheit“. Hiermit wurde er schnell zu einem bekannten und fachlich anerkannten und geschätzten Mann. Das Buch ließ sich allein in englischer Sprache 500 000 Mal verkaufen und wurde in zehn Sprachen übersetzt. Bowlby beschreibt in dieser Monographie die „nachteiligen Folgen, die entstehen, wenn Kinder ohne ihre Mütter in Institutionen aufwachsen, in denen ihre emotionalen und kognitiven Bedürfnisse nur unzureichend befriedigt werde.....

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Ausgebildete Analytiker wie Mary Ainsworth, Lauretta Bender, Anna Freud, David Levy und nicht zuletzt auch John Bowlby - um an dieser Stelle nur einige von ihnen zu benennen - prägten den Forschungsstand  nachweislich.

Dem englischen Psychiater und Psychoanalytiker John Bowlby, der an der Londoner Tavistock Klinik tätig war, ist die erstmalige Formulierung der Bindungstheorie in den 50er Jahren zu verzeichnen. Unter dem Druck zunehmend aufgekommener Forderungen nach konkreter Besserung der frühkindlichen Umgangsweise im Rahmen von Heim- und Klinikunterbringungen und in Anlehnung an bestehende Studien (Provence/Lipton 1962 oder Heinicke/ Westheimer 1966), sowie experimentellen Untersuchungen (Harlow/ Harlow 1965 oder Hinde/ Spencer-Booth 1971) widmete sich Bowlby den theoretischen Aspekten, welche die zentrale Kontroverse implizierte.

In diesem Zusammenhang ist ebenso hervorzuheben, dass trotz der damit aufgewiesen Wege zur Erforschung und zugleich bestätigten Hypothesen viele strittige Fragen unbeantwortet bleiben mussten: „Durchweg berechtigte Fragen, deren Beantwortung bestimmte Missverständnisse weiter erschwerten: Wer für nur eine Hauptperson votiere, denke dabei ja wohl immer an die leibliche Mutter, räume also den ‚Blutsbanden‘ Vorrang ein.

Andererseits war zu hören, wer für ‚eine enge, dauerhafte Beziehung zur Mutter‘ (oder zu einer entsprechenden Ersatzfigur) plädiere, verlange damit, die Mutter habe nur für das Kind da zu sein. In einem letztlich uns alle angehenden, derart emotionsgeladenen Bereich finden klare vernünftige Argumente nicht immer auf Anhieb gehör.“ (Bowlby, 2010).

In den Vordergrund seiner Theorie ist, wie hieraus ersichtlich wird, die besondere Beziehung eines Kindes zu seinen Eltern, beziehungsweise zu beständigen Bezugspersonen gerückt.

Der Grundgedanke der Bindungstheorie zielt auf ein umfassendes Konzept ab, welches die bereits Freud eminent erschienenen Phänomene „Liebesbeziehungen, Trennungsängste, Trauer, Abwehr, Wut, Schuldgefühle, Depressionen, traumatische Erlebnisse, affektive Abwendungen und frühe sensible Phasen“ (Bowlby, 2010) einbezieht.

Dank der Verknüpfung von „entwicklungspsychologischem, klinisch- psychoanalytischem und evolutionsbiologischem Wissen“, ist es Bowlby gelungen, die Bedeutung der Bindung eines Kindes an seine Mutter (bzw. an seine primäre Bezugsperson) herauszuarbeiten (Stahlmann 2007, S.50).

Bowlby integrierte in seine Theorie Beobachtungen von René Spitz und Ergebnisse eines bekannten Experiments von Harry F. Harlow. Spitz Erkenntnis, dass eine alleinige Befriedigung von körperlichen Bedürfnissen bei der Versorgung von Kindern im Krankenhaus nicht für deren Überleben und Wohlergehen ausreicht greift Bowlby in seiner Theorie ebenso auf, wie Harlows Experiment, dessen Rhesusaffen die Wichtigkeit der emotionalen Bedürfnisbefriedigung zeigten, indem sie in Versuchen die weiche Mutterattrappe der Versorgungsattrappe aus Me.....

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4.1.   Definitionen

Der in der vorliegenden Ausarbeitung gewählte Zusammenhang zwischen den Grundzügen der Bindungstheorie und der frühkindlichen Entwicklung veranlasst an dieser Stelle die das Konstrukt Bindung sowie das das daraus resultierende Bindungsverhalten des Kindes zu definieren.

„Eine (passive oder aktive) Bindung setzt ein durch spezifische Faktoren gesteuertes starkes Kontaktbedürfnis gegenüber bestimmten Personen voraus und stellt ein dauerhaftes, weitgehend stabiles und situationsunabhängiges Merkmal des Bindungssuchenden dar. Zum Bindungsverhalten gehören hingegen sämtliche auf ‚Nähe‘ ausgerichtete Verhaltensweisen des Betreffenden.“ (Bowlby, 2010).

Bindung als solche ist begleitet von straken Gefühlen und verbindet das Kind mit einer anderen Person, die nach seinem Ermessen ein besondere Stellung einnimmt. Nach Ainsworth ist die Bindungsbeziehung zu einem bestimmten Menschen nicht dyadisch, sondern im Sinne eines individuellen Merkmals in der internalen Organisation des Kleinkindes dargestellt (Ainsworth, 1989).

Der menschliche Säugling hat, entsprechend den Ausführungen von John Bowlby, die angeborene Tendenz, die Nähe vertrauter Personen zu suchen. Aufgrund der Tatsache, dass der erste Kontakt in der Regel mit der leiblichen Mutter, beziehungsweise auch die zwischenmenschliche Interaktion weiterhin mit einer Vaterfigur erfolgt, setzt die Bindungsbeziehung hier primär an.

Nichtsdestotrotz entstehen Bindungen nicht nur zu den biologischen Eltern, sondern auch bezüglich solcher Personen, die sozial die Stellung der biologischen Eltern einnehmen. Äußerungen oder spezifische Verhaltensweisen des Kindes gegenüber seinen engsten Bezugspersonen, die ein Indiz für Bindung sein können sind:

·         Anschmiegen

·         Blickkontakt

·         Festklammern

·         Weinen

·         Schreien

In diesem Zusammenhang hervorzuheben ist, dass die „Gebundenheit“ eines Individuums an eine andere Person nicht gleichsam im Umkehrschluss vorliegt. Zu erkennen ist dieser eindimensionale, geradlinig verlaufende Sachverhalt an der zentralen Eltern- Kind- Beziehung. Die Bindungsbeziehung ist auf diese Weise durch ein asymmetrisches Gefälle gekennzeichnet, welches durchaus auch qualitative Unterschiede aufweist.

Wie naheliegend die beiden Konstrukte Bindung und Beziehung zueinander sind – obgleich eine klare Trennung im Rahmen der Bindungstheorie unabdingbar ist – zeigen die folgenden Aspekte: Bindung kann aufgrund der bereits aufgeführten Merkmale als „Spezialfall der übergeordneten Gruppe der affektiven Beziehungen angesehen werden“ (Mai.....

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In Korrelation zum Bindungsverhalten stehen die komplementären Bedürfnisse eines Kindes nach Exploration und autonomen Verhalten. Auf die Wirklichkeit bezogen bedeutet dies, dass sichere Bindungen mit Bezugspersonen eine wesentliche Vorbedingung für Kinder sind, um sich von diesen lösen und selbstständige Erkundungen unternehmen zu können (Spangler/Zimmermann 2002,S.21).


4.3.   Das Bindungsverhalten

Um den besonderen Charakter seiner Bindungstheorie zu betonen und um sie von der Abhängigkeitstheorie der Psychoanalyse zu distanzieren, weist Bowlby dem Bindungsverhalten verschiedene Merkmale zu.

Wie aus zahlreich durchgeführten Studien nachgewiesen ist, sind Kinder in der Lage ihr Bindungsverhalten situations- und personenabhängig zu differenzieren. Dies bedeutet, dass sie ihre Gefühle vorwiegend gegenüber derselben Bezugsperson verbalisieren oder anderweitig zum Ausdruck bringen.

In Abwesenheit dieser Person vertrauen sie sich vereinzelt gut bekannten Menschen an, seltener jedoch sympathischen Fremden. Sind Kinder nicht in der Lage eine solche Unterscheidung vorzunehmen beziehungsweise jegliche Versuche misslingen, so kann dies ein erstes Anzeichen für die Entwicklung psychischer Störungen sein.

Bindungen erstrecken sich meist über einen längeren Zeitraum. Frühe Bindungen bestehen oft bis ins Erwachsenenalter, können sich aber auch ändern oder ersetzt werden. Prozesse, die mit Bindung korrelieren, wie Trennung oder Wiedervereinigung sind häufig mit intensiven Gefühlen wie Trauer, Wut oder Freude verknüpft.

Während sich dauerhafte Bindungen nur zu sehr wenigen, ausgewählten Menschen erschließen, besteht grundsätzlich die Tendenz, dass sich das Bindungsverhalten kleiner Kinder auf mehrere Personen richtet, unter ihnen besteht indes eine klar definierte Rangfolge.

Der gezielte Einsatz bestimmter aktiver oder passiver Verhaltensweisen, wie oben bereits aufgezählt, erfolgt in Verbindung zu bedrohlichen Situationen, in denen sie als Schutz- und Sicherheitsmechanismen dienen. Der von John Bowlby geprägte Begriff der „attachment behavioral systems“, zu Deutsch „Bindungsverhaltenssysteme“, impliziert die Organisation des kindlichen Verhaltens in ein Systemgefüge, welches der Erreichung eines spezifischen Ziels dient: die emotionale und physische N.....

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Die internalen Faktoren sind gemäß den Ausführungen Bowlbys, durch das Individuum nicht beeinflussbare und gleichsam situationsunabhängige Auslöser wie Erkrankung, Ermüdung, Schmerz oder Hunger. Dem gegenüber stehen die externalen, also kontextgebundenen Faktoren, die durch die Interaktion mit der Umwelt vom Kleinkind als bedrohlich aufgefasst werden. In nahezu gleicher Weise erfüllen sie eine Warnfunktion, die auf eine Gefährdung der erwünschten, eingeforderten Nähe und Sicherheit verweist.

An dieser Stelle bedarf es der Darstellung weiterer, von John Bowlby angenommener Verhaltenssysteme. Neben beziehungsweise in enger Verbindung zu dem erläuterten Bindungsverhaltenssystem existieren das Explorations- und Furchtsystem (Bowlby, 1969, 1982). Ferner ist ebenso das Sozialbeziehungssystem zu benennen (Ainsworth, 1990).

In Anbetracht der vielseitigen Beiträge, Ergänzungen und Erweiterungen der von John Bowlby erstmals formulierten Theorie über die Bindung sowie den damit einhergehenden Aspekten der frühkindliche Entwicklung, ist festzuhalten, dass über diese Theorie sowohl episodisch auftretendes Bindungsverhalten, als auch die Entstehung dauerhafter Bindungen erklärt werden kann.

Zudem lassen sich durch die Bindungstheorie pathogene Familienstrukturen verstehen, die aus dem Kontext der nachfolgenden Darstellungen ersichtlich werden.


4.4.   Innere Arbeitsmodelle in der Kindheit

Im Rahmen der Bindungsforschung und in Hinsicht auf eine Erforschung des kindlichen Sozialverhaltens, sowie den damit verbundenen psychischen Störungen oder letztlich auch Reformen in der Umgangsweise mit Kindern, wurde der Auseinandersetzung mit den frühkindlichen Interaktionserfahrungen stetig mehr Bedeutung zu Teil.

John Bowlby brachte das Konzept des inneren Arbeitsmodells – des „internal working models“ – in den Kontext der Bindungstheorie ein, mit dem Ziel, die Auswirkungen früher Interaktionserfahrungen des Kindes auf seine soziale und emotionale Entwicklung zu ergründen.

Mit dem Begriff der internalen Arbeitsmodelle werden Repräsentationsstrukturen beschrieben, unter deren Nutzung das Individuum einen optimalen Verhaltenseffekt erzielt. Das Konzept der inneren Arbeitsmodelle ist „derzeit das plausibelste Erklärungsmodell“ dafür, „dass sich frühe Bindungsstrategien im weiteren Entwicklungsverlauf von Kindern in ihrem Erleben und Verhalten fortsetzen“ (Ziegenhain 2003, S. 106).

Dieses Konzept geht davon aus, dass die Entwicklung des Bindungsverhaltens eines Kindes primär durch vertraute Bindungserfahrungen mit seinen Hauptpersonen geprägt wird. John Bowlby charakterisiert die Entstehung von inneren A.....

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