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Ancient history

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Studienseminar Münster

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2,5, Prof. Smarczyk

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Veranstaltung: Caesar - Dozent: U. Huttner Hausarbeit Die Ermordung Caesars Gliederung: Einleitung Das Verhalten Caesars vor seiner Ermordung Die Verschwörer 3.1 Der Beginn der Verschwörung 3.2 Die wichtigsten Mitglieder der Verschwörung und deren Motive Die Ermordung Die Folgen Fazit Quellen- & Literaturverzei­chn­is 7.1 Quellenverzeich­nis 7.2 Literaturverzei­chn­is Einleitung Gaius Iulius Caesar wurde im Jahr 44 vor Christi Geburt blutrünstig ermordet. Seine Mörder stachen 23 Mal mit ihren Dolchen auf den Tyrannen…
Caesars Ermordung Motive der Verschwörer und Caesars Verteidigungsma­ßn­ahmen Inhaltsverzeich­nis 1.Einleitung 2.Gründe für Caesars Ermordung 2.1.Hochmut Caesars 2.2.Rücksichtsl­os­igkeit gegenüber republikanische­n Werten 2.2.1.In der Organisation des Staates 2.2.2.Vergöttli­ch­ung Caesars 2.3.Persönliche Feindschaften 2.4.Ablehnung der Alleinherrschaf­t 3.Persönliche Verteidigungsma­ßn­ahmen 3.1.Die Szene am Lupercalienfest 3.2.Anticato 4.Fazit 5.Quellen- und Literaturverzei­chn­is…

HAUSARBEIT

Analyse der Wirkungsbereiche Julius Caesars

Thema: Waren Caesars Maßnahmen zur Stabilisierung Roms nach dem Bürgerkrieg ein geplantes Gesamtkonzept oder nur Stückwerk?


Inhaltsverzeichnis

1.      Einleitung

2.      Die Situation während des Bürgerkriegs 49-45 v.Chr.

3.      Maßnahmen Caesars zwischen Oktober 45 –März 44 v.Chr.

3.1. Caesars Divinisierung

3.2. Maßnahmen in der verfassungsrechtlichen Ordnung

3.3. Änderungen in der Sozialpolitik

3.4. Handlungsweise im Bereich Reichspolitik

4.      Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis


1. Einleitung und Fragestellung

„ Alles mußt einzig und allein du, Gaius Caesar, wieder aufrichten, was notwendigerweise durch die Gewalt des Krieges, wie du siehst, am Boden liegt: Die Gerichte müssen (neu) konstituiert, der Kredit wiederhergestellt, die verderblichen Leidenschaften zurückgedrängt, für die Vermehrung des Volkes gesorgt, alles, was sich aufgelöst und schon verflüchtigt hat, durch strenge Gesetze neu befestigt werden.“1 Diese Worte richtete Cicero in einer Senatsrede im September 46 v.Chr. unmittelbar an Caesar.

Er machte es ihm öffentlich zur Aufgabe, einerseits die traditionelle Werte und Ordnungen der „res publica“ (Vgl. Meier 2002) wieder herzustellen, andererseits sollte er diese auch optimieren und für die Zukunft verbessern. Nun stellt sich offenkundig die Frage, ob es überhaupt in Caesars Interesse lag, diese einstige Lebensordnung wiederherzustellen? Welche(s) Ziel(e) verfolgte Caesar mit seinen Amtshandlungen vor allem nach dem Bürgerkrieg in den Jahren Oktober 45 v.Chr. – März 44 v.Chr.? In der folgenden Hausarbeit möchte ich mit der Fragestellung auseinandersetzen, ob Caesars Maßnahmen nach dem Bürgerkrieg vor allem ein politisch geplantes Gesamtkonzept seinerseits zur Erhaltung und Stabilisierung Roms waren oder ob diese Handlungen mehr oder weniger nur Stückwerk und aus einer Art Willkürlichkeit Caesars heraus entstanden sind? In der Forschung findet man diesbezüglich eine diametrale Meinungshaltung.

Beispielsweise sprach Rudolph (2004) ihm jegliche Fähigkeiten als Staatsmann ab, in seinen Augen beruhten seine Entscheidungen auf der eigenen Interessenshaltung, wobei sein Handeln nur reagierenden Charakter hatte.2 Gelzer (2004) widerspricht dem wiederum. Seines Erachtens müsse Caesars Handeln vielmehr in Bezug zu den Handlungszwängen der politischen Gegenwart gestellt werden, wodurch man seiner Meinung nach erkenne, dass er keineswegs in „reichspolitischer“ Absicht handle.3 Christian Meier (2004) geht noch einen Schritt weiter und bemerkt, dass Caesars Maßnahmen und Verdienste nur in Bezug auf die Möglichkeiten und Bedingungen seiner Zeit zu beurteilen sein.4 In seinen Augen verfolge Caesar keine „institutionalisierte monarchische Ordnung“, sondern nur die eigene Etablierung in der Römischen Republik.5 Dahlheim (2004) geht davon aus, dass Caesar jedoch „ein in die Zukunft gerichtetes staatsmännisches Ziel“ beabsichtigte.6


01 Zit. nach: Cicero. Bringmann, Klaus: Geschichte der Römischen Republik, Seite 359.

02 Bleicken, Jochen: Geschichte der Römischen Republik, Seite 237.

Anmerkung RP: die folgenden Meinungen der Autoren über Caesar sind alle von Jochen Bleicken gesammelt und aufgeführt wurden. Für die Darstellung des Forschungsstandes wurden diese aufgelistet und verwendet.

03 Vgl. Ebd., Seite 237.

04 Vgl. Ebd., Seite 237.

05 Vgl. Ebd., Seite 238.

06 Vgl. Ebd., Seite 238.

Generell lassen sich die Absichten Caesars in der Zeit von 45 v.Chr. – 44 v.Chr. nicht genau konstruieren, da die Zeit nicht vollständig überliefert ist. Gerade für die Jahre der Alleinherrschaft Caesars bis hin zu seinem Tode findet man schon eine Vielzahl von aussagekräftigen Primärquellen, zum einen natürlich durch Cicero, in Form etlicher Briefe, seiner drei gehaltenen Senatsreden unter der Herrschaft Caesars und natürlich die Philippischen Reden gegen Marcus Antonius.

Ansonsten erhält man noch einen Einblick in die Zeit durch das „bellum civile“ (Vgl. Bleicken 2004) von Caesar, kleinere Autorenberichte über die Kriege in Ägypten, Afrika und Spanien und ein Sendschreiben von Sallus an Caesar nach 49 v.Chr.7

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Diese Hausarbeit soll herausfinden, welche(s) Absichten Caesar verfolgte und Motiv wirklich hinter seinem Reformdrang stand. Dabei habe wird die Aufgabe angestrebt, die Quellen nach den signifikant wichtigsten Maßnahmen in den Augen der Autoren zu filtern, damit eventuell ein Muster in Caesars Handeln erkennen kann.

Für das primäre Material rückt dazu Cicero in den Mittelpunkt der Betrachtung. Seine Senatsreden, die Philippischen Reden bzw. auch vereinzelte Briefe sollen mir bei der Rekonstruktion des Geschehenen und der Absichten Caesars helfen. Als Sekundärliteratur werden vor allem die beiden Texte „der Staat des Diktators Caesar“ und „Nach dem Sieg: Das Problem der Konsolidierung“ von Christian Meier (2002/1970) verwendet, da es ihm gelungen ist, Caesar und sein Wirken in Bezug auf die Zustände und Möglichkeiten der Zeit darzustellen, ohne dabei den Blick für dessen Größe zu verstellen.8 Des Weiteren findet für meine Analyse eine Bearbeitung des Abschnitts aus dem Buch von Ernst Baltrusch (2011) „Caesar und Pompeius“ und „Julius Caesar: Die Ehre des Kriegers und die Not des Staates“ von Werner Dahlheim (2007) statt, da beide Autoren vor allem auf die Diktatur an sich, Caesars Stellung darin und dessen Möglichkeiten und Maßnahmen eingehen.

Dafür wird zuerst ein kurzer Blick auf die Zeit während des Bürgerkrieges, und die „wegweisenden“ Entscheidungen, die Caesar für seine Alleinherrschaft dort schon getroffen hat, geworfen. Danach widmet sich diese Hausarbeit im Wesentlichen seinen Maßnahmen auf den vier Handlungsfeldern Divinisierung, verfassungsrechtliche Ordnung, Sozial- und Reichspolitik, um abschließend zu einem Fazit zu kommen.


07 Vgl. Ebd., Seite 234.

08 Vgl. Ebd., Seite 241.

2. Die Situation während des Bürgerkriegs 49-45 v.Chr.


Schaut man auf die Zeit, welche Caesar zwischen dem Ausbruch des Bürgerkrieges 49 v.Chr. und seiner Ermordung in Rom verbrachte, kommt man effektiv auf ein paar wenige Monate Aufenthalt. Im Jahre 49 v.Chr. hielt er sich ab dem Oktober bis Anfang Dezember in Rom auf, im Jahr 46 v.Chr. vom 25.Juli bis Anfang November und letztlich vom 3.Oktober 45 v.Chr. bis zum 15.März 44 v.Chr.9 Aus diesen Teilaufenthalten ergibt sich eine Gesamtzeit von etwas mehr als einem Jahr.

Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass Caesar in dieser zeitlich voneinander getrennten Zeit ein bis dato nicht da gewesene Herrschaft in Rom errichtete. Schon während des Bürgerkrieges, ein Zeitpunkt, in dem Caesars Möglichkeiten bei Weitem noch nicht die Dimension erlangt hatten wie einige Jahre später, leitete er schon wichtige Maßnahmen ein. Eine erste wichtige Anordnung nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges war die Verleihung des Bürgerrechts an die Transpadader in Norditalien und die Gades in Spanien.

Gerade die Transpadader, die während des Gallischen Krieges exorbitant unter Caesars Entscheidungen leiden mussten, fungierten durch diesen Verleih als eine zusätzliche Klientel für Caesar. Das Ziel, was sich Caesar persönlich mit der Ernennung zum Konsul in Folge des Bürgerkrieges gesteckt hatte, erreichte er am Ende des Jahres 49 v.Chr. Während seiner elf Tage Aufenthalt in Rom 49 v.Chr. visierte er ein weiteres Problem an: Die Rüstung des Bürgerkrieges nahm eine große Summe des umlaufenden Münzgeldes in Anspruch, was gleichzeitig viele Gläubiger dazu veranlasste, ihre Schulden einzufordern.

Generell löste das Problem der Verschuldung noch zwei folgende Staatsnotstände aus, da die Maßnahmen weder für die eine, noch die andere Partei befriedigende Wirkung hatten. Durch den Sieg über Pompeius am 9.August 48 v.Chr. in Thessalien setzte eine erste Welle der Ehrungen und rechtlichen Zugeständnisse durch den Senat für Caesar ein.


09 Vgl. Bringmann, Klaus: Geschichte der Römischen Republik, Seite 353-354.

10 Vgl. Ebd., Seite 355.

11 Vgl. Ebd., Seite 355.

12 Vgl. Ebd., Seite 356


Nach dem Vorbild der „lex Trebonia“ (Vgl. Meier 2002) bekam er das Recht übertragen, über Krieg und Frieden zu entscheiden, das Konsulat für die fünf folgenden Jahre zu bekleiden und des Weiteren legte man ihm nach dem Vorbild der „lex Valeria“ (Vgl.

Meier 2002) das Schicksal der Besiegten in die Hände.12 Eine zweite Welle setzte nach seinem erfolgreichen Feldzug in Nordafrika am 25.Juli 46 v.Chr. ein. Hier bekam er eine Hülle von Vollmachten zugesprochen, mit denen er bereits zu diesem Zeitpunkt eine hiesige Entscheidungsgewalt zu gesprochen bekam. Den größten Stellenwert hat die Übertragung der Diktatur auf zehn Jahre.

Darüber hinaus verlieh ihm der Senat noch die Rechte, dem Volk außerordentliche Magistrate vorschlagen zu dürfen und er konnte im Senat zwischen den Konsuln sitzen und es war ihm vorbehalten, als erste Person ein Votum abzugeben.13 Hier erkennt man einerseits immensen Zuwachs an politischer Handlungsgewalt für Caesar aber auch die Tatsache, dass der Senat ihm diese Zugeständnisse machte.

Das bedeutet, es war in allererster Hinsicht nicht das Hauptaugenmerk Caesars, all diese Titel und Rechte zu bekommen. Meier (2002) geht sogar noch einen Schritt weiter und beschreibt den Bürgerkrieg nicht als eine Art Racheakt, sondern eine Wahrung der Stellung und Person Caesars. 14 Für Meier (2002) wird das auch in den unzähligen Begnadigungen der Feinde Caesars deutlich und der Art und Weise, wie er seine Rechte gebraucht.

In diesem Punkt stimme ich zu, da Caesar auch jederzeit die Möglichkeit gehabt hätte, seine Feinde zu beseitigen. In meinen Augen stand hinter dieser erheblichen Aktivität des Senats der Ruf nach Widerherstellung der alten Ordnung und Lebensbedingungen der res publica. Warum sollte sonst ein Senat, der sowohl mit Opportunisten als auch Anhängern Caesars gespickt ist, ihm eine solche Fülle an Rechten und Titeln verleihen? Insgesamt jedoch hatte die Zeit der Ehrungen bei Weitem noch nicht ihr Ende erreicht.


3. Caesars Maßnahmen zwischen Oktober 45 – März 44 v.Chr.

3.1. Caesars Divinisierung im Rahmen der politischen Verfassung     

Nach den Siegen von Thapsus und Munda setzte eine riesige Welle der Ehrungen ein, deren Ende nicht zu sehen war. Zusätzlich wurde Caesar mit Titel und Rechten gar überschüttet. Generell muss man auch unterscheiden in die eigens von Caesar vorangetriebene und die durch den Senat zu Teil gewordene Divinisierung.


13 Vgl. Ebd., Seite 357.

14 Vgl. Ebd., Seite 357.

An dieser Stelle werden nur einige und vor allem wichtige Beispiele genannt, da die gesamte Aufzählung dieser Ehrungen den inhaltlichen Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würde. Zu Ehren Caesars wurde ein fünfzigtägiges Dankfest beschlossen, als Teil seines Namens bekam er den Titel des Imperators zum Ausdruck der Verbindung zum Heer, er durfte Triumphalgewand und den Lorbeerkranz bei allen festlichen Veranstaltungen tragen und er hatte fortan das Recht sich urkundlich als „Befreier“ (liberator) titulieren zu lassen.15 Als Symbol des Friedensschlusses zwischen Senat und Caesar wurde ein „Freiheits-Tempel“ errichtet, die ihm geehrten Machtinsignien wurden erweitert und er durfte die abgenommenen Beutestücke im Romulus gestifteten Tempel des Jupiters Feretrius weihen.16 Er erhielt den Titel eines „Vaters des Vaterlandes“ und war in der Lage sich erstmals als noch lebender Politiker auf Münzen abbilden lassen.

Eine eigene Statue wurde ihm auch zusätzlich zu Teil und zwischen dem 9.-15.Februar 44 v.Chr. ernannte der Senat ihn zum Diktator auf Lebenszeit. „Der hier ist der Held, der oft und oft dir verheißen, Caesar Augustus, der Sproß des Göttlichen. Goldene Weltzeit bringt er wieder für Latiums Flur, wo einstens  Saturnus herrschte; er dehnt sein Reich, wo fern Garamanten und Inder wohnen, und weiter – dies Land liegt außerhalb unserer Sterne, außer der Sonne jährlicher Bann.“17  So frenetisch beschrieb Octavian, Caesars Adoptivsohn, den neuen „republikanischen Helden“.18  Jedoch nicht nur die eigene Verwandtschaft, sondern auch der Senat und die Bürger Roms sahen in Caesar eine Art heiligen Retter.

Die scheinbare Flut von Siegen hatte ihn wohl davon überzeugt, dass er scheinbar wirklich eine Art Gott sei, jedenfalls ließen seine Taten darauf deuten. Beispielsweise ließ er sich eine eigene Leibwache dekretieren, er führte einen Schwur „Bei Caesars Tyche“ ein und er ließ schon im Voraus alle seine späteren Maßnahmen bestätigen.21


15 Vgl. Baltrusch, Ernst: Caesar und Pompeius, Seite 131.

16 Vgl. Ebd., Seite 131-132.

17 Vgl. Baltrusch, Ernst: Caesar,  Seite 218.

18 Vgl. Ebd., Seite 218.

19 Vgl. Ebd., Seite 218.

20 Vgl. Ebd., Seite 218.

21 Vgl. Baltrusch, Ernst: Caesar und Pompeius, Seite 132.

Ihm wurde ein eigener Tag bei allen Gladiatorenspielen geweiht und man sollte ihn fortan mit „Jupiter Julius“ ansprechen. Dahlheim (2007) erkennt in der ganzen Art und Weise des öffentlichen Auftretens Caesars, dass er nicht mehr mit irdischen Maßstäben gemessen werden wollte, was auch an seinem äußeren Erscheinungsbild deutlich wurde.22 Seine Schuhe und der goldene Kranz waren Symbole vergangener Könige.

Dies feierte das Volk frenetisch. Mit den Worten „Ich bin Caesar und nicht König“ machte er dies nochmal deutlich.23 Über eine Inszenierung dieser Aktion herrscht jedoch in der Forschung kein Zweifel.  Er erkannte, dass das Streben nach dem Diadem mit dem Tode einherging. Außerdem hoben ihn die bereits zu Teil gewordenen Ehrungen in eine Art göttliche Sphäre.

In diesem Punkt sieht man, dass Caesar jede Möglichkeit nutzte, um Anerkennung und völlige Hingabe in Volk und Senat zu erlangen. Er stellte es sich als eine Art übermenschlichen Retter dar. Durch ihn hatte, seines Erachtens, Rom wieder die Freiheit errungen und das sollte jeder Bürger sehen. Ob eine geplante Strategie hinter dieser Vergöttlichung steht, kann man nicht genau ergründen, lässt sich meines Erachtens doch bezweifeln, da in meinen Augen Caesar vor allem auf die Stilisierung der eigenen Person abzielte.

Neben den Ehrungen und Titeln bekam Caesar noch weitere Rechte eingeräumt, durch welche seine Macht ins scheinbar Unermessliche stieg. Was er mit diesen Rechten in Rom an Maßnahmen einleitete möchte ich in den nächsten Punkten beleuchten.   



Gerade auf dieser Ebene lässt sich, wie im vorangegangenen Punkt schon erläutert, Caesar Ämter, Gewalten und Rechte übertragen, welche ihm ein(e) überaus hiesiges Machtpotenzial und Entscheidungsgewalt verliehen.24 Caesar nutzte jede Gelegenheit, zur Legitimation seiner Alleinherrschaft, wobei er gegen sämtliche Regeln verstieß.

Seit 48 v.Chr. ließ er sich immer mehr Machtbefugnisse übertragen und hielt sich auch wenig an die zeitliche Befristung dieser Ämter. Er übte gleichzeitig verschiedene Ämter aus bzw. reihte sie aneinander, was zu dieser Zeit eigentlich rechtlich unmöglich war.


22 Vgl. Baltrusch, Ernst: Caesar,  Seite 219.

23 Vgl. Ebd., Seite 221.

24 Vgl. Baltrusch, Ernst: Caesar und Pompeius, Seite 134.

Des Weiteren erhielt er etliche Sonderrechte: die Sittenaufsicht als „praefictus morribus“ (Vgl. Baltrusch 2011) für 3 Jahre, das Recht Patrizier zu ernennen, weitreichende Kompetenzen im Bereich Militär und Finanzen, gerade die öffentlichen Finanzen wurden in seine Hand gelegt und nur er sollte über Soldaten verfügen.25 Auch bei den Beamtenwahlen wurden ihm weitreichende Rechte zu Teil.

Somit lag die Entscheidungsgewalt, eigentlich schon vorher, nun allein in seinen Händen. Dieses Handeln zog sich wie ein Muster fort. Gerade Beamtenstellen und Priesterämter wurden erhöht, Geschworenengerichte wurden z.T. mit Soldaten und Rittern besetzt und auch Wahlkämpfe existierten unter Caesar nicht.26 Man erkennt hinter diesen Maßnahmen eine klare Linie: Caesar überließ nichts dem Zufall.

Die Handlungsgewalt wurde in bestimmten Ämtern entweder auf zu viele Schultern verteilt, als das sinnvolle Entscheidungen das Resultat wären oder Positionen wurden mit Menschen besetzt, welche sich in der Anhängerschaft Caesars befanden bzw. politisch gesehen nicht würdige und einflussarme Personen waren. Alles zielte auf eine Nichtgefährdung der Alleinherrschaft Caesars ab.

Jedoch wirkten diese Maßnahmen auch alles andere als zukunftsorientiert. Das mag auch daran liegen, dass Caesar im eigenen Interesse handelte und dies für richtig hielt, was in seinem Ermessen das Beste für Rom war. Dabei nahm er wenig Rücksicht auf den Senat, eher im Gegenteil, mit der Aufnahme von Personen eher niederen und unwürdigen Ranges verschlechtere er die politische Entscheidungsgewalt des Senats und vor allem der Nobiles ungemein.

Insgesamt gesehen missachtete Caesar durch seine Entscheidungen und deren Art und Weise die Republik und deren Organe völlig.


25 Vgl. Ebd., Seite 136.

26 Vgl. Ebd., Seite 138.

27 Vgl. Ebd., Seite 138.

Das Einhalten der äußerlichen Form von Senatsbeschlüssen und Volksgesetzen war nur eine lose Fassade.28  In einem Brief Ciceros, der an einen Freund gerichtet war, wird noch einmal deutlich, mit welchen Mitteln Caesar jede Möglichkeit nutzt, Gesetze zu erlassen: „Glaubst du vielleicht, daß es nicht mehr so viele Senatsbeschlüsse geben werde, wenn ich mich in Neapel aufhalte? Wenn ich in Rom bin, […], und wenn es ihm in den Kram paßt, werde ich zu den Protokollzeugen gestellt, und ich höre dann, daß ein Senatsbeschluss, von dem es heißt, er sei auf meinen Antrag hin ergangen, nach Armenien und Syrien gelangt ist, bevor hier irgendeine Erwähnung der Angelegenheit erfolgt.“29 Der politische Kurs Caesars wird hier noch einmal verdeutlicht: Gesetze werden beschlossen wann und wie er es will, wobei es noch den Anschein erwecken soll, dass die gegnerische Partei, hier in Form von Cicero, eine Persönlichkeit, welche nichtsdestotrotz Caesar ein gewisses Maß an Respekt zollte, voll und ganz hinter seinen Absichten steht.



„Würde man Caesar selbst fragen, was er in Rom und als Staatsmann geleistet habe, so würde er antworten, er habe zahlreiche gute Gesetze gegeben.“30 Diesen Satz, welchen Cicero in seiner ersten Philippischen Rede über Caesar äußerte, wird vor allem in den folgenden beiden Punkten der Sozial- und Reichspolitik überprüft.

Gerade hier versucht die Analyse herauszufinden, inwiefern die Maßnahmen geplant bzw. beabsichtigt waren. In diesem Bereich zielte Caesar vor allem darauf ab, seine Klientel zu vergrößern, aber auch Freunde aus der Oberschicht zu gewinnen. Die meiste Überzeugungskraft musste Caesar dabei beim Senat anwenden: Dieser war von Anfang an Caesars stärkster Gegner gewesen.

Aus diesem Grund musste er diesen davon überzeugen, dass er vor ihm in keinster Weise etwas zu befürchten hat und er auch als weiterhin führende Schicht dienen würde.31 Vor allem zwei Mittel spielten dabei eine wesentliche Rolle:„Wohltat und Kontrolle“.32 Weitreichende Beschlüsse in dieser Hinsicht waren: die Amnesie und Milde für politische Gegner und deren weitgehende Integration in die Gemeinschaft, was als bewusstes Versöhnungszeichen gesehen werden konnte.33 Des Weiteren erleichterte er seinen „Feinden“ den Übertritt zu ihm mit Wohltaten und einer standesgemäßen Behandlung.34


29 Zitat nach Cicero. Ebd., Seite 362

30 Zitat nach Cicero. Cicero: Philippische Reden gegen M. Antonius: Erste und Zweite Rede, Seite 21.

31 Vgl. Baltrusch, Ernst: Caesar und Pompeius, Seite 140.

32 Vgl. Ebd., Seite 140.

33 Vgl. Ebd., Seite 140.

34 Vgl. Ebd., Seite 140.

Generell wusste Caesar, dass ihm eine breite Akzeptanz im Volk viel Sicherheit verschaffen würde. Durch seine Zuwendung in der „ples urbana“ (Vgl. Baltrusch 2011) bewirkte er einen hohen Grad an Zufriedenheit. Getreideversorgung, Gladiatorenspiele, Geldgeschenke aber auch Miet- und Schuldennachlässe waren, um nur einige Maßnahmen zu nennen, ergiebige Mittel zur Befriedigung des Römischen Bürgers.

Daraus lässt sich erkennen, dass es der ples urbana bis dato noch nie so gut ging. Gerade nach dem Bürgerkrieg waren die Zustände katastrophal und Caesar stellte eine scheinbare Ordnung wieder her. Gleichzeitig unterwarf er sie aber auch einer strikten Kontrolle, indem er die Magistratswahlen mehr oder weniger leitete und eigene Gesetze verabschiedete, ähnlich wie schon bei den Konsulwahlen.35 Auch neu gegründete Vereine wurden verboten.

Er ließ Tempelbauten für seine Götter Venus unter anderem, aber auch politische Bauten wie die saepta errichten.36 Doch dies war nicht das Einzige, was Caesar plante. Er verfolgte die Umsetzung einiger Konzepte: Unter anderem sprechen wir hier vom Bau von Straßen, der Trockenlegung von Seen bzw. Sümpfen und der Bändigung mit Hilfe von Begradigung bezüglich des Tiberflusses.37 Daraus lässt sich die Absicht erkennen, die Versorgung der Stadt zu sichern und die Infrastruktur der Stadt zu optimieren.

Ein weiteres Projekt sollte die Bebauung der Marsfelder nördlich des heutigem Largo Argentina“ (Vgl. Baltrusch 2011) sein. Hier wollte er eine neue Bibliothek, ein Stadion und ein Theater schaffen.38 Vor allem die letze Maßnahme hat, meines Erachtens kaum etwas mit einem geplanten Konzept zu tun bzw. trägt wenig zur Stabilisierung Roms bei. Meines Erachtens ist das wieder ein weiteres Zeichen zum Ausdruck seiner Macht.

Man muss zwar zugeben, es war nur ein Konzept und wurde auch nicht durchgeführt aber der Gedankengang Caesars in dieser Hinsicht deutet nicht auf  politische Weit-bzw. Absicht hin. Jedoch hatten die Baumaßnahmen auch einen Vorteil für Rom: Der Arbeitsmarkt wurde entlastet, was natürlich gerade nach dem Bürgerkrieg, welcher eine wirtschaftliche Stagnation zur Folge hatte, wesentlich wichtig war.





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