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Walther von der Vogelweide - Si wunder wol gemachet wîp: L 53,25
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German studies

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Karl-Franzens-Universität Graz - KFU

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Walther von der Vogelweide, Poetologische Strukturen und Bewegungen in ‚Si wunderwol gemachet wîp‛ Inhaltsverzeich­nis­ 1 Einleitung Legere cum cupiditate oculorum 02 2 Analyse „Si wunderwol gemachet wîp“ 2.1 Infixum cum attentione 03 2.2 Curiositas e conversio waltherinensis 05 2.3 Solus creator est deus 08 2.4 Inopia scriptoris est virtus illii 09 2.5 Nihil sub sole novum – sed multus inter nihilum 10 3 Problematisieru­ng 13 4 Anhang 4.1 Textausgaben 16 4.2 Literatur 16 1 Einleitung legere…
Walther von der Vogelweide Si wunder wol gemachet wîp L 53,25 Formale Analyse Inhalt und Aufbau Die folgende Textanalyse und anschließende Interpretation des Liedes Si wunder wol gemachet wîp Walthers von der Vogelweide basiert auf der Strophenanordnu­ng der Edition Thomas Beins1, die sich jenen von Lachmann/Cormea­u wie auch Günther Schweikle in mehrerlei Hinsicht unterscheidet. Auf die inhaltlichen Konsequenzen dieser unterschiedlich­en Editionen und entsprechenden Strophenabfolge­n wird im späteren Verlauf dieser Arbeit…

Karl-Franzens-Universität Graz WS 08/09

Walther von der Vogelweide

Si wunder wol gemachet wîp

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung. 2

2. Überlieferung und Textgestalt 2

2.1. Strophenanordnung. 4

2.2. Vergleich der Textfassungen von Lachmann/Cormeau, Lachmann/Kuhn, Kasten und Schweikle. 5

3. Metrum und Strophenschema. 6

3.1. Metrische Transkription der 1. Strophe nach Lachmann / Cormeau. 6

4. Inhalt und Aufbau. 8

4.1. Inhalt nach der Strophenreihung von Lachmann / Cormeau, Lachmann / Kuhn, Kasten und D, N 8

4.2. Inhalt nach Strophenreihung von C und Schweikle. 10

5. Rhetorische und stilistische Analyse. 10

5.1. Topoi und Motive. 10

5.2. Tropen und Figuren. 11

6. Gattungszuordnung. 12

6.1. Minnelyrik. 12

6.2. Frauenpreis / Preislied. 13

7. Interpretation. 13

8. Zusammenfassung. 16

9. Literaturverzeichnis. 18

1.          Einleitung

In dieser Arbeit wird versucht, das Lied si wunder wol gemachet wîp (Lachmann / Kuhn 53,25) zu analysieren. Der Darstellung der Überlieferungssituation und der Unterschiede zwischen den Handschriften folgt ein Vergleich der Editionen von Lachmann / Kuhn, Lachmann / Cormeau, Kasten und Schweikle. Der nächste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der metrischen Analyse, dem Metrum und Strophenschema.

Anschließend wird auf den Inhalt des Liedes eingegangen, wobei die Wiedergabe und Interpretation nach der Strophenreihung von Lachmann /Cormeau, Lachmann / Kuhn, Kasten und den Handschriften D, N, die auch in der Sekundärliteratur die vorherrschende ist, vorgenommen wird. Fortgeführt wird die Arbeit mit der weiteren Analyse des Liedes anhand von stilistischen und rhetorischen Kriterien.

Nach dem Versuch der Gattungszuordnung folgt die eigentliche Interpretation und schließt mit einer Zusammenfassung der vorgestellten Inhalte ab.

Die Literatur wird nur eingangs mit vollem Titel zitiert, danach folgen Kurztitel. Zitate aus dem Lied werden mit der Lachmann-Nummer angegeben.

2.          Überlieferung und Textgestalt

Das Minnelied Walthers von der Vogelweide ist in den Handschriften A, C, D und N überliefert worden. Die Kleine Heidelberger Liederhandschrift A ist ca. 1300 im Elsass entstanden und C, die Große Heidelberger (Manessische) Liederhandschrift ist ebenfalls um 1300 in Zürich verfasst worden. Zur Handschrift N ist folgendes relevant:

„Die 1975 vom Herausgeber aufgefundene Handschrift n hat ursprünglich zusammen mit dem einzigen überlieferten Text von »Alpharts Tod« und einer Fassung des »Wilhelm von Österreich« von Johann von Würzburg mit anderen, verlorenen Teilen eine Sammelhandschrift gebildet.

Als Schreiber nennt sich ein Johannes Lang, er datiert die Fertigstellung der Handschrift auf Palmsamstag 1449. Das Auftreten einer heldenepischen Sammelhandschrift im südhessischen Raum um die Mitte des 15. Jahrhunderts setzt einen neuen Akzent.“[1]

Das Lied si wunder wol gemachet wîp stammt vom „größte[n] Lieddichter des Mittelalters“[2] Walther von der Vogelweide und ist wie bereits erwähnt in den vier Handschriften A, C, D, N überliefert. Es weist den gleichen Strophenbestand (I-V) auf, zwischen den Handschriften gibt es jedoch Unterschiede in der Strophenreihung.

Die erste Strophe ist in allen vier Handschriften gleich. Bereits bei der zweiten Strophe gibt es einen Unterschied in A. Ab der dritten Strophe sind dann mehrere Abweichungen feststellbar. Das Lied ist insgesamt in drei verschiedenen Strophenfolgen überliefert. Die Handschriften D und N sind in der Reihung identisch.

Hervorzuheben ist, dass die beiden Fassungen D und N enger zusammen gehen, weil ihre Strophenfolge als die schlüssigste gilt. Von ihr weicht die Reihung der Handschrift C nur durch Umstellung der Endstrophe von D und N an 3. Stelle in C ab. Wiederholt wird darauf aufmerksam gemacht, dass alle vier Fassungen mit derselben Strophe beginnen und darüber hinaus die beiden Strophen 4 und 5 (nach C: C189, 190) aufeinander folgen.[3]

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x | x x | x x | x x | x Λ 4 c mv

doch habe ich mir dise ûz erkorn.

x | x x | x x | x x | x Λ 4 d mv

ein ander weiz die sînen wol,

x | x x | x x | x x | x Λ 4 c mv

die lobe er âne mînen zorn;

x | x x | x x | x x | x Λ 4 d mv

habe ime wîs und wort

x | x x | x x | x Λ 4 e mv

mit mir gemeine: lobe ich hie, sô lobe er dort.

x | x x | x x | x x | x Λ 6 e mv

Anmerkung zu Form und Reimschema:

Formal betrachtet folgt das Lied einer 10-zeiligen Stollenstrophe aus Viertaktern und einem Sechstakter zum Schluss. Die Kadenzen sind männlich und der Aufgesang ist gekennzeichnet durch zwei Stollen. Es liegt ein doppelter Kreuzreim vor (abab cdcd) und wird durch ein Reimpaar (ee) abgeschlossen.

Abweichungen:

In den anderen Strophen des Liedes gibt es einige Abweichungen. Beispielsweise werden in der zweiten Strophe bei den Zeilen 5 und 7 die Viertel-Pausen durch eine Mora ersetzt, wodurch eine weiblich volle Kadenz entsteht. In den Zeilen 6 und 8 tritt eine männlich zweisilbige Kadenz auf, da der Vers auf Hebung und Senkung endet.

Folgende Darstellung ergibt sich:

II, 5 Dâ liuhtent zwêne sternen abe,

x | x x | x x | x x | x x 4 wv

II, 6 dâ müeze ich mich noch inne ersehen

x | x x | x x | x x |uu Ù 4 mv

II, 7 - daz sî mirs alsô nâhe habe! -,

x | x x | x x | x x | x x 4 wv

II, 8 sô möhte ein wunder wol geschehen:

x | x x | x x | x x |uu Ù 4 mv

In der letzten Verszeile der angeführten Strophe bleibt zwar eine männlich volle Kadenz erhalten, doch ändert sich der Rhythmus innerhalb eines Taktes:

II, 10 und wirt mir gernden siechen seneder sühte baz.

x | x x | x x | x x | xuu | x x | x Ù 6 mv

Männlich zweisilbige Kadenzen weisen außerdem noch folgende Verse der dritten Strophe auf:

III, 5 Obe ichz vor sünden tar gesagen,

x | x x | x x | x x |uu Ù 4 mv

III, 7 dan himel oder himelwagen.

x | x x | x x | x x |uu Ù 4 mv

Auch in der vierten Strophe findet man Abweichungen hinsichtlich der Kadenzen sowie des Rhythmus:

IV, 5 Swâ sî daz an ir wengel leget,

x | x x | x x | x x | x x 4 wv

IV, 7 ez smecket, sô manz iender reget,

x | x x | x x | x x | x x 4 wv

IV, 8 alsam ez allez balsame sî.

x | x x | x x | xuu | x Ù 4 mv

IV, 10 sô dicke sô si ez wider will || sô gib ich ez ir.

x | xuu | x x | x x | x Ù || x x | x x | x Ù 6 mv

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In der ersten Strophe bewundert und bedankt sich das lyrische Ich für die wundervoll geschaffene Frau. („Si wunderwol gemachet wîp,/ daz mir noch werde ir habedanc!“ 53,25-26). Er preist ihren Körper in seinem Lobgesang. Er würde gerne allen dienen, aber er hat sich diese eine Frau ausgesucht. („doch habe ich mir dise ûz erkorn.“ 53,30) „Jeder sagt der Dichter, möge sein eigen Lieb preisen, wenn auch in entlehnten Weisen.“[5]

In der zweiten Strophe spricht der Sänger den schönen Kopf der Frau an, den er mit dem Himmel vergleicht. („ez hât doch himeleschen schîn.“ 54,30) Hätte er doch die Möglichkeit, sich in den zwei leuchtenden, herabhängenden Sterne, Ihre Augen, zu ersehen bzw. zu spiegeln, dann würde seiner Meinung nach ein Wunder geschehen.

Er würde verjüngen und als Liebeskranker frei von Liebessehnsucht sein. („ich junge, und tuot si daz, / und wirt mir gernden siechen seneder sühte baz.“ 54,35-36)

Die dritte Strophe beschäftigt sich mit der Beschreibung der Wangen, die Gott „hôhen vlîz, / er streich sô tiure varwe dar.“ 53,35-36) mit kostbarer Farbe daraufgemalt hat; ein reines Rot, wie Rosenrot und ein reines Weiß, wie das einer Lilie. Der Dichter sähe die Wangen lieber an, als Himmel und Himmelswagen, wenngleich er Gefahr laufen würde sich zu versündigen. („owê, waz lob ich tumber man? / mache ich sie mir ze hêr?“ 54,4-5).

Lobt er sie zu sehr, fragt er sich, so sei er ein Narr und es würde durch das Loben ein Leiden im Herzen werden.

In der vierten Strophe fährt er mit der Beschreibung des Mundes fort, indem er von einem „küssen“ spricht, das rot ist. („Si hât ein küssen, daz ist rôt.“, 54,7) Der Sprecher meint, er wäre von der Liebeskrankheit geheilt, wenn er davon für seinen Mund gewinnen könnte. („gewünne ich daz für mînen munt, / sô stüent ich ûf dirre nôt.“, 54,8-9) Er stünde auf aus dieser Not und wäre für immer gesund.

Der Dichter vergleicht den Geschmack des Kusses von der Frau mit einem Balsam. Er wünscht sich solch einen Kuss, indem er vom Leihen spricht und ihn ihr aber auch wieder zurückgeben würde. („daz sol sie lîhen mir / sô dicke sô sie ez wider wil, sô gib ich ez ir.“, 54,15-16)

Die Schlussstrophe V schließt mit der Beschreibung ihrer Körperteile Hals, Hände und Fuß ab. Schließendlich merkt er an, sie schon einmal im Bad nackt gesehen zu haben und nur ungern hätte er gerufen, sie solle sich bedecken. („Ich hêt ungerne >decke blôz!< / gerüefet, dô ich sie nacket sach.“ 54,21-22) Der Liebende erzählte, dass ihn die Erfahrung schmerzte nicht von der Angebeteten gesehen worden zu sein, als .....

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Topoi und Motive, aber auch Tropen und Figuren sind wichtige Stilmittel, die folgende stilistische Analyse des Liedes ermöglichen:

5.1.              Topoi und Motive

Im Frauenpreis-Lied kommt ein Diskretionstopos vor. Die intimen Körperteile mussten mit diesem Topos belegt werden, da es im Bezug auf eine Körperbeschreibung im Mittelalter verbindliche rhetorische Regeln gab. Diese verbindliche Technik wird als descriptio pulchritudinis bezeichnet. Ihre Wurzeln sind in der Antike und in mittellateinischen Rhetoriken zu finden.[7]

Walther spricht in seinem Lied vielfach von verschiedenen Körperteilen der Frau, die er auch beschreibt. Es wird ihr houbet, ihre Augen als zwêne sterne, ir wengel, kel, hende und itweder fuoz beschrieben und er macht auch eine Andeutung auf das enzwischen Liegende.

Als spezifisches Minneverhältnis wird die sinnliche Minne angeführt. Es finden sich sexuelle Komponenten, wie beispielsweise die angesprochene Nacktheit der Frau, die der Dichter ebenso lobenswert findet, wie ihren restlichen Körper. Weiters wird auf das Kussmotiv („Si hât ein küssen, daz ist rôt.“ 54,7) zurückgegriffen, das wird mit Hilfe eines Symbols - als Kissen – umschrieben wird.

Weiters ist im Preislied deutlich das Motiv der Krankheit bzw. Liebeskrankheit durch Minne zu erkennen. Der Dichter selbst spricht das Leid an, dass er empfindet, wenn er sie zu sehr lobt („vil lîhte wirt mins mundes lop mîns herzen sêr.“ 54,6). Klage- und Leidmotive sind zu erkennen und wird zu einem Liebeskrieg-Topik zusammeng.....

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5.2.              Tropen und Figuren

In dem Minnelied begegnen uns zahlreiche Tropen und Figuren. Schon zu Beginn des Liedes greift Walther auf die Metonymie zurück, in dem er ihren lîp (53,27) als Umschreibung für die ganze Person verwendet. Er vergleicht ihr Haupt mit dem Himmel (54,27-28), man kann von einer Himmelsmetapher sprechen. Weiters vergleicht er ihre Augen mit den Sternen (54,31).

Diese Hyperbel wird noch durch eine rhetorische Frage verstärkt („wem solde ez anders sîn gelîch?“ 54,29). Außerdem findet sich in der zweiten Strophe eine Wiederholung, da zwei Mal das Wort ‚Himmel’ als himel und „himelischen partiell rekurriert wird. Zum Abschluss dieser Strophe taucht noch eine Parenthese auf, da der Satz „und tuot si daz“ (54,35) eingeschoben wird.

Zur Intensivierung taucht die Wortfigur einer Wiederholung in der dritten Strophe auf, wenn das lyrische Ich ihre roten und weißen Wangen lobt (53,37). Im Zuge dessen, dass er sich versehen könnte, seine Dame zu sehr zu preisen, baut der Dichter einen Ausruf (exclamatio) ein, in dem der Lobende ein kurzes owê von sicht gibt, gefolgt von einer rhetorischen Frage („owê, waz lob ich tumber man?“ 54,4).

Als Abschluss der Strophe wird noch eine rhetorische Figur der revocatio verwendet, indem der Dichter das zuvor Gesagte widerruft („mache ich sie mir ze hêr, / vil lîhte wirt mins mundes lop mîns herzen sêr.“ 54, 5-6) In der vierten Strophe wird gänzlich auf das Küssen der Frau eingegangen, das mit Hilfe eines Symbols bzw. Wortspiels umschrieben wird (54,7). Hier wird mit der Doppeldeutigkeit von küssen gespielt, die Homonyme Kissen und küssen betreffend, da es einerseits das ‚Wangenkissen’, andererseits das ‚Kissen des Munde’ bedeuten kann.

Der Dichter versucht mit einer Prise Ironie der Beworbenen einen Kuss herauszulocken und drückt gleichzeitig damit aus, dass er immer bereit ist, ihr diesen zurückzugeben. In der letzten Strophe wird mit den Tropen Periphrase und Metapher gearbeitet. Erstere besteht darin, dass der Dichter den Intimbereich der Dame nicht direkt nennt, sondern in Form einer Periphrase ausdrückt („obe ich dâ enzwischen loben muoz.“ 54,19).

Im Anschluss daran macht das lyrische Ich mit „Ich hêt ungerne >decke blôz!< / gerüefet“ (54,21-22) ein rhetorisches Eingeständnis, da er zugibt, sie lieber nackt zu sehen, als bekleidet. Zum Abschluss des Liedes hebt eine Metapher das erotische Ausmaß hervor. Der Dichter wird bildhaft von einem Pfeil der Liebe getroffen und diese Wunde schmerzt ihn noch heute. („si sach mîn niht, dô si mich schôz; / daz stichet noch, als ez dô stach.“ .....

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6.2.              Frauenpreis / Preislied

Walther von der Vogelweide gestaltet mit dem Lied si wunderwol gemachet wîp ein
(Frauen-)Preislied und zugleich ein indirektes Werbelied. Das hohe Minnelied, von Walther selbst als hôhen sanc (53,28) bezeichnet, bricht jedoch mit den strikten Regeln der Minnetradition, da sich die Beschreibung der Frau nicht auf tugent oder güete bezieht, sondern auf ihren (nackten) Körper.[9] Das Werk bedient sich dem descriptio-Verfahren, da der Dichter seine Dame von Kopf bis Fuß beschreibt, und obwohl Schönheitsbeschreibungen normalerweise die Geschlechtsteile aussparen, so nennt Walther hier auch das enzwischen Liegende.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass das Lied in Opposition zu Reinmar einen rechten Frauenpreis vorführt. [10]

7.          Interpretation

Walther von der Vogelweide, gegen 1170 geboren und um 1230 gestorben, verstand sich vor allem als Minnesänger, wurde jedoch nach dem Tode seines Gönners Herzog Friedrich I von Österreich, der ihn am Wiener Hofe aufgenommen hatte, notgedrungen zum Spruchdichter. Er widmete sich vor allem der Minnelyrik, dem Minnesang.

Dass die Frau, um die es geht, mit wîp (also Frau allgemein) und nicht wie im Minnesang häufig mit frouwe (Herrin) bezeichnet wird, lässt vermuten, dass Walther bewusst die besungene Frau aus dem höfischen Kontext nehmen wollte. Diese Anführung ist jedoch strittig, wie später noch zu erkennen ist. Dafür spricht, dass an späterer Stelle des Liedes noch unkonventionelle, unhöfische Beschreibungselemente auftreten und gleich zu Anfang der minneclîche lîp (53,27) der Frau in den Mittelpunkt des Lobes und der Beschreibung gerückt wird.

Zutreffend ist auf jeden Fall, dass Walther in 53,25 die Tugend der Frau außen vor lässt und sich auf ihre Schönheit fokussiert. Für den höfischen Gesang galt aber eigentlich die verbindliche Regel, dass die Schönheit einer Frau nicht als einzige Ursache der Liebe dargestellt werden darf, sondern ihre Tugendhaftigkeit miteinbezogen werden muss. Während Walther in seinen anderen Liedern, wie beispielsweise in L 49,25, diese Regel peinlich genau befolgt, bricht er sie hier, da er die Tugenden der Frau nicht erwähnt.

Er kreiert damit die „Erste rein sensualistisch angelegte Beschreibung der Frauenschönheit in der mittelhochdeutschen Lyrik“.[11]

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