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Latin

University, School

Georg-August-Universität Göttingen

Grade, Teacher, Year

2.0, Egelhaaf-Gaiser, 2014

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Text by Colin T. ©
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Urbanitas und Humanitas in der praktischen Anwendung

14

Inhaltsverzeichnis



Seite

1 Einleitung

2

2 Kontextualisierung

2

3 Textkritik

3

4 Übersetzung

5

5 Kommentar

6

6 Interpretation

6.1 Theoriekapitel: urbanitas, humanitas und convivium

6.2 Gliederung des Textes

6.3 Charakterisierung Caesars

6

6

7

13

7 Fazit

13

8 Literaturverzeichnis

14

1 Einleitung

In dieser Arbeit möchte ich die Werte humanitas und urbanitas in Bezug auf ihre praktische Umsetzung untersuchen. Dazu dient ein Brief von Cicero an Atticus aus dem Jahr 45 v. Chr., in welchem er ein convivium zwischen ihm und Caesar während der Saturnalien beschreibt.1 Dabei werde ich auch das Verhältnis der beteiligten Personen und insbesondere Ciceros Bild über Caesar analysieren.

Nach dieser Einleitung folgt eine Kontextualisierung des Textabschnittes, wobei besonders das Verhältnis zwischen Caesar und Cicero sowie Cicero und dem Adressaten Atticus beleuchtet werden soll. Es folgt ein Kapitel zur Textkritik sowie die Übersetzung der Passage und eine kurze Kommentierung der wichtigsten Stellen. Anschließend werde ich mit der Interpretation fortfahren.

Dieser Brief wurde bereits von EGELHAAF-GAISER 2005, VÖSSING 2004 und STEIN-HÖLKESKAMP 2005 analysiert. Dabei gehen VÖSSING und STEIN-HÖLKESKAMP im Rahmen ihrer Untersuchungen nur auf den Aspekt der Gesprächsthemen ein,2 EGELHAAF-GAISER betrachtet den Brief als Ganzes unter besonderer Berücksichtigung der Inszenierung des convivium und seiner Teilnehmer. Der textlichen Interpretation ist ein Theoriekapitel über urbanitas, humanitas sowie das convivium vorangestellt und eine Charakterisierung Caesars durch Cicero nachgestellt.

Die Arbeit schließt mit einem Fazit, in welchem ich die Ergebnisse meiner Interpretation zusammenfassen werde.


2 Kontextualisierung

Im Folgenden möchte ich das Verhältnis zwischen Cicero und Caesar sowie Cicero und Atticus unter Bezugnahme des historischen Kontextes beschreiben. Caesar ernannte sich im November des Jahres 49 v. Chr. zum dictator und veränderte damit die politische Landschaft Roms so stark, wie es Cicero während seines Lebens nicht erlebt hat. Bei Ausbruch des Bürgerkrieges entschied sich Cicero trotz Werben Caesars für die Seite von Pompeius und wurde nach dessen Niederlage von Caesar begnadigt.

Dort zeigt sich, dass Caesar und Cicero politische Gegensätze vertraten: Auf der einen Seite stand Caesar, der gerade die res publica nach Jahrhunderten aufgelöst und sich selbst zum ersten dictator seit Tarquinius Superbus ernannt hatte, auf der anderen Seite Cicero, der als Verfechter der res publica galt und auch unter der Herrschaft Caesars immer noch auf die Wiederherstellung der alten Ordnung hoffte.

Außerdem begegneten sich hier keinesfalls zwei Personen, deren politischer Einfluss in Rom gleich groß war: Wenn der dictator Roms mit einem von ihm begnadigten Politiker zusammentrifft, ist das Machtgefälle zwischen beiden offensichtlich sehr groß.3

Ein völlig anderes Verhältnis zeigt sich zwischen Cicero und Atticus, dem Adressaten dieses Briefes. T. Pomponius Atticus stammte aus einer reichen Familie des Ritterstandes und genoss eine gute Erziehung. Er war seit dieser Zeit einer der engsten Freunde Ciceros und blieb dies bis zu seinem Tod. Anders als Cicero entschied er sich gegen eine politische Karriere und vermehrte sein durch Erbschaften hinterlassenes Vermögen, sodass er zu Lebzeiten als der reichste Mann Roms galt und Cicero auch finanziell unterstützte.4 Die gemeinsamen Interessen beider waren insbesondere die Literatur und Kunst.5 Cicero wusste Atticus Rat bei politischen Fragen wie bei privaten Angelegenheiten immer zu schätzen.

Deshalb begegneten sich mit Atticus und Cicero zwei Männer auf Augenhöhe, deren geistige, literarische und politische Bildung gleich hoch anzusetzen ist und die gegenseitig kein B.....[read full text]

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Der Herausgeber entscheidet sich für die Konjektur von Ernesti. Mit Barba Cassius mihi subvenit folgt auf sum commotus ein Satz, den man nicht erwartet hätte. Diese Wirkung erzielt die Konjektur at.8 In Zeile 10 überliefert Ω die Lesart tum, die Handschrift Z1 wiederum die Lesart dum. Der Herausgeber entscheidet sich für die Lesart von Ω. Cicero reiht an dieser Stelle Caesars Handlungen, die er im Laufe der dritten Saturnalien macht, asyndetisch aneinander und deshalb passt mit tum ein weiteres Aufzählen seiner Tätigkeiten besser in den Kontext.

Weiterhin überliefern die Handschriften Z1 und Zb sowie c = Notizen im Text der Ausgabe Cratandrus (1528), die zuerst veröffentlicht wurden, die Lesart vultum, welche der Hyparchetyp Ω ausgelassen hat. Der Herausgeber entscheidet sich für die Lesart vultum. Es stellt sich die Frage, ob es im Lateinischen aus dem Kontext heraus klar war, was er nicht veränderte oder ob dies noch zu ergänzen ist.

Da es Handschriften gibt, welche die Lesart vultum überliefert, spricht nach meiner Meinung nichts dagegen, dies in den Text einzufügen. In den Zeilen 13 und 14 übernimmt Cicero ein Zitat aus dem Werk Saturae des Autoren Lucilius, herausgegeben von dem Gelehrten Marx, und zwar die Verse 1122-1123.

Im zweiten Paragraphen des Briefes überliefern die Handschriften b und s in Zeile 2 die Lesart libertis, der Archetyp Ω die Lesart libertus Da libertus sich nicht grammatikalisch auf das Subjekt des Satzes nihil beziehen kann, hat sich der Herausgeber für die Lesart libertis entschieden. In Zeile 3 überliefert der Archetyp Ω sowie λ die Lesart accepi, die Handschrift b hingegen die Lesart accepti.

Der Herausgeber entscheidet sich für die Lesart accepi. In Zeile 4 überliefert der Archetyp Ω die Lesart qui, der Altphilologe Victorius schlägt dagegen als Konjektur cui vor, die syntaktisch besser passt. Deshalb entscheidet sich der Herausgeber für die Konjektur von Victorius. Ebenso überliefern die Handschriften R und s die Lesart amabo, Δ überliefert dagegen die Lesart ambo. Mit der Lesart ambo fehlt dem Hauptsatz ein Prädikat.

Zusätzlich ergibt für mich der Satz ambo te keinen Sinn, weshalb sich der Herausgeber meiner Meinung nach richtigerweise für die Lesart amabo entschieden hat.


4 Übersetzung

Was für ein mir so lästiger Gast, den ich aber nicht bereut habe. Er war nämlich bei bester Laune. Als er aber am zweiten Tag der Saturnalien abends zu Philippus9 gekommen war, war sein Landhaus so von Soldaten besetzt, dass das Speisezimmer, in dem Caesar selbst essen sollte, kaum noch frei war. Denn dort hielten sich 2000 Menschen auf. Ich war in der Tat beunruhigt, was am nächsten Tag passieren würde; aber Barba Cassius10 kam mir zu Hilfe und stellte mir Schutzwachen.

Das Lager wurde auf einem freien Feld aufgestellt, mein Landhaus wurde abgeriegelt. Jener hielt sich am dritten Tag der Saturnalien bis zur siebten Stunde bei Philippus auf und ließ dabei niemanden zu; ich glaube, er beriet mit Balbus11 geschäftliche Angelegenheiten. Von dort ging er an der Küste spazieren. Nach der achten Stunde ging er in das Bad. Dann hörte er von Mamurra, veränderte seine Miene aber nicht.

Anschließend wurde er gesalbt und legte sich zu Tisch. Er wollte ein Brechmittel einnehmen. Deshalb aß und trank er sorglos und mit großem Appetit, und dieses Gastmahl war nicht nur äußerst reichlich und prächtig zubereitet, sondern auch „gut gekocht und gut gewürzt, mit einem guten Gesprächston und, wenn du s.....

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Z. 6/7 Puteolis, Baiae: Berühmte antike Badeorte am Golf von Neapel.


6 Interpretation

6.1 Theoriekapitel: urbanitas, humanitas und convivium

In diesem Kapitel sollen die Werte urbanitas und humanitas sowie deren praktische Umsetzung erläutert werden. Der Begriff urbanitas lässt sich im Umfeld von Cicero laut Ramage am besten mit „Kultur“ oder „Kultiviertheit“ beschreiben. Dieser Ausdruck beinhaltet zwar auch das Wissen über Kunst und Kultur, der eigentliche Charakter der urbanitas besteht aber in dem Sinn für Höflichkeit, Geschicklichkeit, das angemessene Auftreten sowie charmanten Witz.

Ein eleganter Humor sowie eine sorgfältig gewählte Aussprache, mit der er sich von einem nicht in Rom lebenden Menschen unterscheidet, kennzeichnen den Witz eines urbanus homo. Cicero hält die urbanitas für das Leben in Rom und unter gebildeten Römern für einen der wichtigsten Faktoren.17

Eine ähnliche Definition wie Ramage über die urbanitas gibt Haffter über die ciceronische humanitas18: Cicero nimmt beim Betrachten des humanitas-Begriffes besonders die Vorzüge des mitfühlenden und klugen Menschen in den Blick. Dabei zeigt sich die humanitas in der „Feinheit in jeder Äußerung, geistvolle[r] Plauderei, Entspannnung zu Scherz und Humor, Geschmack in künstlerischen Belangen, Umgang mit geistigen Dingen, Beschäftigung mit Literatur und Wissenschaft.“ 19 Diese Umschreibungen charakterisieren genau das, was Ramage mit urbanitas definiert hat.

Also kann man humanitas erreichen, indem man sich in der urbanitas beweist.

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Dies verdeutlicht dem Leser zugleich, dass das convivium zwar nicht perfekt verlaufen ist, Cicero es aber nicht als vollkommen misslungen betrachtet. Dass Cicero einen Gast einerseits als lästig beschreibt, andererseits seine Anwesenheit genossen hat, scheint für seinen Freund Atticus so außergewöhnlich zu sein, dass er dies, wenn auch kurz, begründen muss (fuit enim periucunde).

Nun beginnt Ciceros Darstellung über den Aufenthalt während der Saturnalien: An den 2. Saturnalien kam Caesar mit seinem gesamten Gefolge (2000 Mann) zu Philippus, aufgrund dieser Anzahl an Personen war es nicht einmal für den Feldherren Caesar möglich, ein triclinium zum Speisen zu finden. Dies beunruhigte Cicero sehr, aber Barba Cassius sorgte dafür, dass sein Landhaus abgeriegelt und das Lager auf einem freien Feld aufgeschlagen wurde (§1,2-7).

Hier zeigt sich bereits, wie die Macht im römischen Staat inzwischen verteilt ist: Obwohl Caesar nur einen Bekannten besucht, folgt ihm dennoch ein ganzes Heer, welches dann im Ganzen am convivium teilnehmen möchte. Dass für diese Personenzahl das Haus von Philippus oder Cicero nicht ausreicht, ist offensichtlich. Diese Machtkonzentration unterstreicht Cicero mit zwei Hyperbata: Das erste (completa a militibus est) ist geradezu ironisch, da die Soldaten, die das Landhaus fast vollständig besetzen, hier von completa est eingeschlossen werden.

Das zweite Hyperbaton (cenaturus ipse Caesar esset) zeigt noch einmal ganz klar die Machtposition Caesars: Obwohl er mit 2000 Soldaten anreist, ist sein selbstverständlicher Anspruch, ein gesamtes triclinium für sich zu verlangen. Er steht - wie in dem Hyperbaton – im Mittelpunkt.

Des Weiteren ist dies die einzige Stelle in dem Brief, wo ausdrücklich der Name Caesar (§1,4) fällt, und dies im einzigen Nebensatz 2. Ordnung. Er lässt dadurch die Anspannung, mit wem er die Saturnalien verbracht hat, förmlich ins Unermessliche ansteigen: Zuerst beschreibt er einen Gast, der lästig und gleichzeitig nicht unangenehm war, dann besetzt dieser mit seinen Soldaten die gesamte Villa von Philippus inklusive aller triclinia, und verrät erst jetzt den Namen seines Gastes. Es ist weiterhin auffällig, dass Cicero die Anzahl der Personen als Bemerkung elliptisch an den Satz anfügt, als ob dies nichts Außergewöhnliches wäre: Genau dadurch, dass wir wissen, wie sehr Cicero diese große Anzahl an Teilnehmern förmlich geschockt hat, und durch die Tatsache, dass die Bemerkung an der letzten Stelle des Satzes steht, bekommt sie eine besondere Brisanz. Dagegen entscheidet sich Caesar bei der Wahl des Termins für die Ausrichtung eines convivium geschickt für die Saturnalien, die in diesem Fall nicht nur Rang-, sondern auch Machtunterschiede der beteiligten Personen aufheben.

Caesar suggeriert damit dem Gastgeber, dass hier zwei gleichgestellte Personen zusammentreffen.26

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Die durchaus negative Eigenschaft des Erbrechens mildert Cicero an dieser Stelle aber ab, indem er statt eines lateinischen einen griechischen Ausdruck verwendet.28 Er legt ihm das Verhalten also nicht negativ aus. So beschreibt Cicero, dass Casear αδεως et iucunde, also sorglos und mit großem Appetit, isst und trinkt. Insbesondere αδεως scheint hier positiv konnotiert: Das α privativum negiert das Substantiv δεός, welches mit „Angst“ oder „Furcht“ übersetzt werden kann. αδεως bedeutet also ohne Grund zur Furcht.

Das ist genau die Eigenschaft, die ein gutes convivium zwischen zwei urbani homines auszeichnet: Es ist also ein Gastmahl, weit entfernt von dem politischen Treiben Roms und ohne Sorgen behaftet. Besonders auffällig ist an dieser Stelle der häufige Gebrauch von Adverbien: Einerseits beschreibt Cicero Caesar als αδεως et iucunde, andererseits wird auch das Mahl selbst mit den Adverbien bene cocto et condito, libenter beschrieben.

Durch die genannten Adverbien kennzeichnet Cicero das Gastmahl als ein „ideales convivium29. In diesem convivium zeigen die teilnehmenden Personen, insbesondere Caesar, mit feinem Geschmack sowie mit einem prachtvollem Mahl (opipare sane et apparate), dass sie Witz, Eleganz sowie einen guten Gesprächston besitzen und sich damit in der urbanitas bewährt haben.30

Allein mit der Tatsache, dass Cicero an dieser Stelle ein Zitat aus den Satiren des Lucilius verwendet, zeigt er dem Leser und vor allem dem Adressaten Atticus, wie lustig (libenter, §1,14) das Mahl gewesen ist. Das Trikolon sowie die gleichzeitige Steigerung bene cocto et condito, bono sermone, libenter (§1,13-14) zeigt hier noch einmal sehr gut die drei Ebenen des convivium: Das Essen selbst ist bereits optimal, dazu schlagen alle Teilnehmenden den richtigen Gesprächston an und zuletzt ist das convivium für alle auch noch lustig und zufrieden.31 Aber wir erfahren hier auch, dass Atticus ohne Weiteres die Würde hätte, an diesem Mahl teilzunehmen: Erstens durch die Tatsache, dass Lucilius aus dem Blickwinkel von Cicero das convivium geschildert bekommt und somit fast neben ihm am Tisch Platz nimmt.

Zweitens setzt Cicero das Luciliuszitat an dieser Stelle ein, ohne darauf zu verweisen. Er muss also davon ausgehen, dass der Adressat eine so hohe Bildung besitzt, um dieses Zitat zu erkennen. Damit besitzt Lucilius dieselbe urbanitas wie Caesar und Cicero.32

Die Caesar Nahestehenden wurden vorzüglich an drei Tischen vorzüglich aufgenommen. Dabei fehlte den Sklaven und Menschen von geringerem Ansehen nichts. Um die Menschen mit höherem Ansehen kümmerte sich wiederum Cicero (§2,1-3). Nun zeigt sich Cicero als besonders guter Gastgeber: Er gestattet Caesars Gefolge sogar drei triclinia zu. Wenn man bedenkt, dass die meisten römischen Landhäuser überhaupt nur ein triclinium besaßen, kann diese Tat bereits als große E.....

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Cicero stellt also auch hier, wie zu Beginn des Briefes, ein geteiltes Fazit vor: Er war sehr angetan von dem Gastmahl mit Caesar (homines visi sumus), würde sich aber aufgrund der Mühen des vorausgegangenen Tages nicht auf ein erneutes convivium mit Caesar einlassen (semel satis est). Die geradezu prägnante Formulierung homines visi sumus, semel satis est verdeutlicht diese Aussage stilistisch.

Dabei umfassten die Gesprächsthemen während des convivium keine Politik, sondern viel Literatur. Insgesamt genoss Caesar aber den Aufenthalt sehr (§2,5-6). Hier würdigt Cicero nochmals die urbanitas bzw. humanitas Caesars: Es ist a priori klar, dass bei Tischgesprächen nie über ernste Themen, sondern stets über Themen mit Unterhaltungswert wie z.B. Literatur gesprochen wurde.

Diese Etikette des convivum hat auch Caesar beherrscht. Im Übrigen nimmt auch an dieser Stelle Caesar durch die Wahl, Cicero während der Saturnalien zu besuchen, politische Themen vom Tisch, da während der Saturnalien eher Themen, weit entfernt vom Treiben Roms, besprochen werden.33 Dass Cicero an dieser Stelle die griechischen Ausdrücke σπουδαιον und φιλολογα den lateinischen vorzieht, kann wiederum als Wertschätzung Ciceros gegenüber Caesar betrachten werden.

Außerdem erkennt Cicero an, dass Caesar ihm mit der Themenwahl entgegenkommt, da Cicero zum einen als belesen gilt und Caesar zum anderen durch Verzicht auf politische Themen einen weiteren Streitgrund, dem ein gelungenes convivium im Weg gestanden hätte, beseitigt hat.34 Durch die rhetorische Frage quid quaeris? mahnt er den Leser dennoch dazu anzuerkennen, dass auch Caesar an den Gesprächsthemen während des convivium große Freude hatte.

Dabei hebt er mit dem Adverb libenter ein letztes Mal den urbanen Charakter des convivium hervor.

Caesar wollte in den nächsten Tagen noch Puteoli und Baiae besuchen, Cicero dagegen noch ein Weilchen hier bleiben, anschließend nach Tusculanum aufbrechen (§2,6-9). Hier beschreibt Cicero, dass die Wege von ihm und Caesar, die sich während der Saturnalien gekreuzt haben, wieder auseinandergehen. Dabei beobachtet man völlig verschiedene Ziele: Cicero hält sich sowohl hier als auch in Tusculanum an Orten auf, die ihm vertraut sind, es ist seine eigene Welt.

Caesar entscheidet sich dagegen mit Puteoli und Baiae für eine Gegend, in welcher sich die gehobene Schicht mitsamt ihren reich ausgestatteten Villen vergnügt. Dies ist auf jeden Fall als Kritik an Caesar zu verstehen. An den Orten verbringt Caesar jeweils nur einen Tag (unum diem fore, alterum), es geht nur um das reine Vergnügen. Im Vergleich dazu legt sich Cicero nicht auf einen genauen Zeitplan fest, er beschränkt sich auf die rein zeitliche Abfolge, eine Zeit lang (paulisper) hier zu bleiben und anschließend (deinde) weiter nach Tu.....

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