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Interpretation
German studies

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Gymnasium Casimirianum Coburg

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Szenenanalyse: Iphigenie auf Tauris Akt II, Szene 1 (V.680-761) Ausschnitt aus Akt II, Szene 1 (V.680-761) Ordnen Sie die Textstelle in den Handlungszusamm­enh­and ein (auch nach der Theorie des Dramas nach Gustav Freytag). Erarbeiten Sie am Text, wie Orest und Pylades jeweils ihre Abhängigkeit von den Göttern definieren und erläutern Sie den Satz Du mehrst das Übel/und nimmst das Amt der Furien auf dich (V. 756). Ergänzen Sie Iphigenies Position zwischen Determination und Freiheit bezogen auf ihre Handlungsoption­en bis einschließlich…
Hausaufgabe 04.10.2011 Der Textauszug , V.220-306 (erster Aufzug, dritter Auftritt), aus dem Drama „Iphigeni­e auf Tauris“, geschrieben von Johann Wolfgang von Goethe handelt von einem Dialog zwischen Iphigenie, Tochter des Agamemnon und Thoas, dem König von Tauris, in welchem Thoas um Iphigenies Hand anhält und ihre Vergangenheit hinterfragt. Nachdem Thoas seinen Sohn im Krieg verloren hat und nun den Fortbestand seiner Familie fürchtet, schickt er Arkas, um Iphigenie seine Heiratswünsche zu überbringen.…

Dramenanalyse „Iphigenie auf Tauris“


Das Theaterstück „Terror-ihr Urteil“ stellte im großem Rahmen, dem des ZDFs der deutschen Öffentlichkeit eine Ethische Frage. Eine nach der Rechtsmäßigkeit des Abschießen eines Passagierflugzeugs, welches von Terroristen entführt auf ein volles Fussballstadion zusteuert.

Als Interaktiver Fernsehfilm der den Gerichtsprozess bebildert lässt man per Abstimmung den Zuschauer als Schöffen auftreten und hält zwei mögliche Enden bereit: den Freispruch sowie die Verurteilung. Mit dem Fragen nach dem korrekten Handeln als treibende Thematik reiht sich dieser Film hinter viele andere Werke der deutschen Kulturlandschaft, man sollte demnach meinen die Öffentlichkeit ist im Umgang mit solchen Fragen versiert.

Eines dieser anderen Werke ist Goethes Iphigenie auf Tauris, ein Werk aus der Weimarer Klassik, welches von dem Zweispalt zwischen Pflichterfüllung und Leidenschaft handelt. Die Antworten die Goethe auf Problematiken, die dem des Fernsehfilms nicht unähnlich sind, gibt sind demnach heute noch aktuell.


Die Szene beginnt mit einem, nach einem Gespräch Iphigenies suchenden Pylades. Dieser verkündet dieser das ihr Bruder unerwartet von seiner Verfolgung durch die Furien geheilt sei und somit auch sein Gemüt. Iphigenie zeigt sich glücklich über die Nachricht der Genesung.

Pylades erzählt dieser weiter von dem gelungene Fortschreiten ihres Fluchtplanes, die Gefährten der Brüder haben das Schiff versteckt und sind zur Flucht von der Insel bereit, er drängt nun zum Diebstahl der Statur der Diane aus dem Tempel. Pylades erkennt die Zweifel Iphigenies und beginnt diese über die, von ihm geplante und von ihr auszuführende, Verleumdung des Königs auszufragen.

Iphigenie erzählt daraufhin von Arkas, dem Boten des Königs, welcher für das, die Opferung der Gefangenen Brüder herauszögernde und somit fluchtermöglichende Ritual, eine Genehmigung durch den König verlangte. Pylades weist Iphigenie auf eine Rechtfertigung des Rituals durch ihre Machtposition als Priesterin hin, diese erwidert das sie jene nie für solche Zwecke missbrauchte.

Pylades zieht ein Scheitern ihrer Flucht durch Iphigenies Hang zur Moral in Betracht während diese alle Schuld über die potentiell vereitelte Flucht auf sich nimmt und ihr Einverständnis Arkas gegenüber durch dessen guten Motive rechtfertigt. Die Flucht wird jedoch weiterhin für möglich gehalten und soll durch ein Beharren auf das Ritual Iphigenies gedeckt werden, falls der König Einwände zeigen sollte.

Pylades gelangt erneut in das Schwärmen über das Gelingen der Flucht und eine anschließende, vermeintlich durch den Diebstahl des Götterbildnisses eingeleiteten Erlösung von dem Fluch, welcher auf ihrer gemeinsamen Familie lastet. Iphigenie befindet sich nun im Zwiespalt zwischen Pylades Heilvisionen und ihrem durch Zweifel getrübtem Gewissens.

Download Szenenanalyse: Iphigenie auf Tauris - Vers 1568-1682 - Pylades Dialog mit Iphigenie zur Flucht
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Sie fühlt sich schlecht da sie den König, welcher sie wie eine Tochter behandelte, nicht verleugnen möchte.


Pylades hält dies aber für situationsbedingt unvermeidlich, um ihrer dreier Leben und eine Flucht von der Insel zu ermöglichen. Die Szene Endet mit einem an Iphigenie appellieren Pylades, der von ihr erwartet die als ungewissenhaft empfundene Aufgabe, mit der Begründung selbst Götter hätten sich dem Schicksal, der Notwendigkeit zu fügen, auszuführen.


Betrachtet man den Gesprächsverlauf sprachlich zeigt sich ein Kontrast vor allem in Iphigenies

metaphorischen Beschreiben ihrer Gefühle, gegenüber Pylades pragmatisch und wiederholten Ausfragen Iphigenies. Seine dominante Haltung im Gespräch mit ihr wird hierdurch sichtbar, denn dieses Ausfrage veranlasst Iphigenies erst zu dem bereits erwähnten Mitteilen ihres gespaltenen Gewissens und ist somit Treibende Kraft der Szene.

Auf dieses und dessen Beeinflussung zielen Pylades Fragen, wie in Vers 1665 „Brauchts Überredung wo die Wahl versagt ist?“, was grundsätzlich eine gewisse Dominanz ausstrahlt. Besonders Eindrücklich wird diese wenn auf jene Fragen wie im Vers 1568 „Sag an!“, eine Aufforderung zur Antwort folgt.


Iphigenies Unsicherheit die hierzu den Gegenpol bildet findet sich in einer fortlaufenden Metapher, in Vers 1619-1628 sowie Vers 1635, als Reaktion auf Pylades utopischen Vorstellungen von Flucht und Erlösung. Sie vergleicht seine vorangegangenen Beschreibungen von Genesung, Flucht und Erlösung, mit Sonnenlicht nach welchem sie sich, in Form einer Blume, richtet.

Welche sich, sollten sich wie dann auch im bereits vermerkten Vers 1635 ff, Wolken zwischen Sonne und Blume schieben und so dieses System stören, zeigt. Weiter werden diese Wirkungen des Sinnbilds unterstrichen durch eine Exklamation in Vers 1619 „o Teurer“ sowie durch den, in einen Ausruf verpackten Wusch nach Verzeihung in Vers 1635. Beide stehen für eine impulsive Ehrlichkeit Iphigenies, was die blumige Metapher glaubwürdig erscheinen lässt.


Die Flucht in eine solche, bei einem gleichzeitigem weil es die Situation erfordert dominant ausfragendem Pylades bebildert den anfänglich beschriebenen Kontrast.


Über die sprachliche Unterschiede hinaus finden sich in dieser Szene auf mannigfaltige Weise Repräsentationen des Menschenbildes der Weimarer Klassik welche sich im Gespräch und in Konfliktsituationen beweisen müssen.


Hier zeigt sich das Hauptmerkmal der Weimarer Klassik, die Verbindung von Sinnlichkeit und Moral, Iphigenie ist ihrer nie endenden humanistischen Selbsterziehung weit genug vorangeschritten um ein amoralisches Handeln sinnlich stark wahrzunehmen. Diese bekennt sich selbst zu diesem, ihrem Wesen, im Vers 1650 „Ich untersuche nicht, ich fühle nur“.


Sie ist gewissenhaft genug ihre emotionalen Zweifel als Anlass zur einer geistigen Reflektion zu sehen, in einer Situation welche über den Tod ihrer beider Brüder entscheidet. Eine Entscheidung macht sie jedoch nicht allein von dieser abhängig, genau wie sie auch nicht ihre moralischen Prinzipien moralisch unterschiedlich gewichtet.


Anders bei Pylades, der dieses Dilemma überhaupt nicht als solches wahrnimmt, da er allein seinen Gefühlen folgt, welche er im Vers 1645 mit „Not“ oder im Vers 1682 mit „Oberstes Gebot“ betitelt. Eine Frage die als mögliche Antwort, seinen und den Tod seines Bruders hat, stellt sich für ihn nicht, denn für ihn gibt es nur einen erträglichen Ausweg: die Flucht von der Insel.


In dem hier die Szene einen Gegenentwurf zum humanistischen Menschen stellt und in all seiner nachvollziehbaren Verblendung zeigt, gewinnt die Beschreibung des Menschenbildes der Weimarer Klassik diesen als Kontrast zu Iphigenie, sowie die Frage nach der Umsetzbarkeit einer humanistischen Erziehung einer jeden Person.


Diese gegensätzlichen Prinzipien präzisieren sich im Dialog zwischen Iphigenie mit Pylades auf eine Form, die schließlich auch der fehlbaren Iphigenie die Ansichten Pylades attraktiv erscheinen lassen wie sie in Vers 1665 „Fast überredest du mich zu deiner Meinung“, mitteilt.

Letztlich ist es jedoch die Situation die Iphigenie zu solchen Aussagen treibt und nicht Pylades Argumentation die auf Gefühlen beruht die sie ebenfalls empfindet. Ihr Versuch das Ideal der Klassik, die Edle Einfalt und die stille Größe im Gespräch unter großem emotionalen Druck zu realisieren mündet in der bereits in der Sprachanalyse untersuchten Unsicherheit.


Eine Szene aus einem Werk der Weimarer Klassik, die wie diese sich mit der Frage nach dem richtigen Handeln beschäftigt eignet sich gut um sie von Werken und Ansichten der Aufklärung zu vergleichen, denn gerade in dieser Epoche ist sind solche Ethische Frage von zentraler Bedeutung.


Der Aufsatz der Aufklärers Immanuel Kants „Von dem vermeintlichen Recht eines Menschen zu lügen“, setzt sich mit der selben Frage auseinander die auch in der bereits untersuchten Szene Iphigenie auf Tauris auftritt. Die Frage ob es Situationen gibt die dem Menschen das Lügen gestattet und moralisch nicht zu verurteilen ist.

Er stellt seine Ansicht im Groben wie folgt dar: Er gibt dem Leser seines Aufsatzes ein Gedankenspiel vor, ein Freund wird von einem Mörder verfolgt weshalb dieser an des Lesers Tür kommt und um ein Versteck bittet. Dies gewährt man ihm auch, allerdings klopft es später ein zweites mal an der Tür, es ist der Mörder der fragt wo sich der Gejagte befinde.


Als Prinzipienethiker für den das Lügen prinzipiell falsch ist verneint er diese Frage. Der Mensch sollte sich gegen das bewusste Fehlverhalten stellen und muss demnach dem Mörder die Wahrheit sagen und so das Leben seines Freundes gefährden.


Bei Iphigenie auf Tauris findet sich die gleiche Problematik und auch eine gleiche Beantwortung einer solchen Frage. Auch Iphigenie hält ihr Lügen für falsch und sie entscheidet sich am Ende für die Wahrheit, die möglicherweise das Leben ihrer Brüder gefährdet.

Im Gegensatz zu der Moral Kants hingegen entstammt dieser Entscheidung nicht allein einer Denkaufgabe, es ist ihr Gewissen welches durch humanistische Erziehung mit diesen Idealen beladen eine Entscheidung trifft. Hier findet sich der große Unterschied zwischen Klassik und Aufklärung: es ist ein unterschied der Form in welcher die Prinzipen ausgedrückt werden.


Schussendlich sollte man nun noch den Ausgang des Anfänglich Fernsehfilms betrachten: die deutliche Mehrheit Entschied sich für einen Freispruch und stellte sich damit gegen das Grundgesetz.


Betrachtet man diese Entscheidung alleine könnte man behaupten das die Weimarer Klassik mit ihrer humanistischen Erziehung der deutschen Öffentlichkeit versagt hat. Dieses Urteil ist aber nicht korrekt, die Abstimmung ließ zur Wahl nur zwei Möglichkeiten zu welche sich in ihrer radikalität nicht mehr unterscheiden hätten können.

Völlige Schuldfreiheit stellen einer absoluten verfassungspatriotischen Verurteilung der Tat gegenüber und werden als einzige juristische Lösung Angeboten. Das ist unhumanistischer als die Wirklichkeit, denn ein echtes Gericht hätte den Spielraum und die Pflicht eine Tat zu verurteilen die gegen das Grundgesetz verstößt, gleichzeitig aber nicht zu strafen.



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