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Specialised paper
Literature

University, School

Amandus-Abendroth Gymnasium, Cuxhaven

Grade, Teacher, Year

09 Punkte,2013

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Text by Chris K. ©
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Die Soldaten - Jakob Michael Reinhold Lenz Buchreferat Inhaltsverzeich­nis 1 Einleitung 2 Personen 3 Charakterisieru­ng 4 Inhalt 5 Konflikt 6 Interpretation 7 Textausschnitte 8 Fazit 1 Einleitung Ich begrüße Sie zu meinem Vortrag über Die Soldaten von Jakob Michael Reinhold Lenz. Lenz wurde am 12. Januar 1751 im heutigen Lettland geboren. Er war russischer Staatsbürger und der Sohn eines Pfarrers. Er besuchte die Lateinschule in Dorpat und veröffentlichte schon mit 15 Jahren sein erstes Gedicht. 1768 begann Lenz in Königsberg…
Gedichtanalyse „An das Herz“ von Jakob Michael Reinhold Lenz Das Gedicht „An das Herz“ von Jakob Michael Reinhold Lenz aus dem Jahr 1776 thematisiert die Qualen und Schmerzen, die das Herz mit sich bringt. Zeitlich, sprachlich und inhaltlich ist das Gedicht der Epoche „Sturm und Drang“ zuzuordnen. Das schmerzhafte Erleben des lyrischen Ichs spielt eine große Rolle und kann als Ausdruck persönlichen Erlebens gelesen werden. Formal betrachtet fällt an diesem Gedicht sofort auf, dass es aus vier Strophen mit gleicher Zeilenzahl…

16


Amandus-Abendroth-Gymnasium Cuxhaven

Abendrothstraße 10

27478 Cuxhaven


Facharbeit im Rahmen des Seminarfaches

sprachliches Profil“

Im 2. Halbjahr des Schuljahres 2012/2013


Semesterthema:

Rollenbilder im bürgerlichen Trauerspiel bzw. im naturalistischen sowie sozialen Drama


Am Beispiel von „Die Soldaten“

Von Jakob Michael Reinhold Lenz


Verfasser:

Fachlehrerin: Frau Siemers

Abgabetermin: 12.03.2013

Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung 3

2. Biografie von Jakob Michael Reinhold Lenz: 4

3. Historischer Hintergrund: 5

4. Inhaltsangabe: 6

5. Thematische Schwerpunkte: 9

6. Bürgerliches Trauerspiel: 9

7. Rollenbilder im bürgerlichen Trauerspiel: 11

Marie Wesener: 11

Vater Wesener: 12

Karl Stolzius: 13

Desportes: 15


  1. Einleitung


In dieser Facharbeit beschäftige ich mich mit dem Thema „Rollenbilder“ im bürgerlichen Trauerspiel bzw. naturalistischem sowie sozialem Drama am Beispiel von Jakob Michael Reinhold Lenz „Die Soldaten“.


Ich werde mich zuerst mit Jakob Michael Lenz beschäftigen und mich mit den gegebenen sozialen Umständen zu seiner Zeit auseinandersetzen und sein Leben biografisch darstellen.

Nachdem gehe ich genauer auf „Die Soldaten“ ein, indem ich die genaueren historischen Hintergründe erläutere, die Lenz dazu bewegt haben das Stück zu verfassen.

Es folgt der dritte Teil, die Inhaltsangabe, um einen Überblick über die Handlung sowie über die Figuren zu verschaffen. Im vierten Teil wird der thematische Schwerpunkt sowie die Kritik am Adel verdeutlicht.

Der darauf folgende fasst die wichtigsten Aspekte eines bürgerlichen Trauerspiels zusammen anhand der wichtigsten Personen des Stückes.

Zum Schluss widme ich mich dem Hauptteil meiner Facharbeit den Rollenbildern, indem ich das Verhalten der Protagonisten beschreibe und an diesem aufzeige, welche Rolle sie in dem gesellschaftskritischen Stück einnehmen.

Am Ende werde ich noch auf Parallelen zu Schiller „Kabale und Liebe“ verdeutlichen.


  1. Biografie von Jakob Michael Reinhold Lenz:


Jakob Michael Reinhold Lenz ist ein deutscher Schriftsteller, der in der Epoche des „Sturm und Drang“ aktiv war und einige bekannte Werke wie die Tragikkomödie „Der Hofmeister“ (1774) oder das zwei Jahre später erschienende bürgerliche Trauerspiel „Die Soldaten“ (1776) verfasste.

Er wuchs in Livland (heute Litauen) auf und stammte wie die meisten Autoren des Sturm und Drang aus kleinbürgerlichen Verhältnissen.

Sein Vater war Pfarrer der Gemeinde und ein strenger Pietist.

Deshalb stand Lenz schon sehr früh unter dem Einfluss seines Vaters und trat im Jahre 1768 ein Theologiestudium an.

Nachdem Lenz einige Vorlesungen von Immanuel Kant hörte, begann er, Interesse für sein Studium zu zeigen, denn die aufklärerische Art Kants1 „führte ihn in den Ideenkreis Rousseaus2 ein; er trug wesentlich zur Entwicklung der realistischen Seite seines Talents bei und weckte in ihm den Geist der Kritik und der Analyse“.

Trotzdem brach Lenz sein Studium ab, da er sich nicht mehr von seinem Vater einschränken und in einen „schablonenhaften Rahmen“ einzwängen ließ.

Ein Abbrechen dieses Studiums war für den strengen Vater Grund genug, den Kontakt zu seinem Sohn zu meiden.

Lenz ließ sich dadurch nicht einschüchtern und reiste nach Straßburg3 mit zwei adligen Offiziersanwärtern, bei denen er als Bediensteter fungierte.

Er beendete seine Arbeit für die beiden, da Lenz zu der Zeit schon eine starke Arroganz aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung bemerkte und des Weiteren keinen festen Lohn von ihnen erhielt.

In Straßburg lernte er wichtige Dichter & Denker wie Goethe kennen, mit dem auch eine Freundschaft entstand.

Die Stadt diente Lenz auch als Inspiration, da er unter ihr im Jahr 1774 sein erstes berühmtes Werk „Der Hofmeister“ veröffentlicht.

Trotz seiner Neigung zu der Stadt verließ er sie aufgrund einer gescheiterten Liebe zu Frederike Brion und zog mit Goethe weiter nach Weimar.

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Kurz vor dem Verlassen veröffentlichte er 1776 zunächst anonym sein Werk „Die Soldaten“.

Als Lenz 1776 in Weimar ankam, residierte er dort nicht lange, da er im Dezember desselben Jahres auf Goethes Veranlassung hin ausgewiesen wurde.

Ab diesem Zeitpunkt ging es drastisch für Lenz nach unten, da er nach seiner Ausweisung bei verschiedenen Freunden weilen musste.

Hinzukommend wurde eine psychische Erkrankung festgestellt, unter welcher er sein restliches Leben litt.

Als sich sein geistiger Zustand immer mehr verschlimmert, wird Lenz von seinem Bruder aus Hertlingen wieder zurück zu seinem Vater gebracht.

Dieser bemüht sich vergebens, eine Tätigkeit für seinen Sohn zu finden.

Lenz begibt sich nach Sankt Petersburg und fungiert zuerst als Hofmeister, bis er sich 1781 nach Moskau begibt.

Dort arbeitet er bei einem Historiker und übersetzt unter anderem russische Texte ins Deutsche.

Am 3. oder 4. Juni 1792 wird Lenz tot in einer Moskauer Straße aufgefunden.


  1. Historischer Hintergrund:


Lenz verfasste das Buch in Straßburg, wie zuvor erwähnt war ihm die Stadt eine Art Muse.

Anfangs gab es Probleme bei der Veröffentlichung, da Lenz Angst hatte, dass die realen Personen auf die sich das Stück bezieht, sich wieder erkennen.

Das Stück basiert nämlich auf Erfahrungen die Lenz in seinem Leben gemacht hat und beruht auf der wahren Beziehung von der Juwelierstochter Susanne Cleophe Fibich und dem Baron Friedrich Georg von Kleist.4

Diese hatten vor zu heiraten, doch der Baron von Kleist sah sich trotz schriftlicher Einwilligung nicht dazu verpflichtet.

Lenz konnte all diese Geschehnisse beobachten und verarbeitet diese in seinem Stück.

Es sind deutliche Parallelen zwischen dem Baron Kleist und Desportes und zwischen Fibich und Marie zu erkennen, da die jeweiligen Handlungsweisen sowie der gesellschaftliche Stand übereinstimmen.


  1. Inhaltsangabe:


Das Buch „Die Soldaten“ wurde im Winter 1774/75 von Jakob Michael Reinhold Lenz in Straßburg verfasst und im Jahre 1776 veröffentlicht. Das Stück ist ein in fünf Aufzüge unterteiltes bürgerliches Trauerspiel aus der Epoche des „Sturm und Drang“.


Der Handlungsort des Buches beschränkt sich auf die französische Grafschaft Flandern.

Die eigentliche Hauptperson des Buches ist Marie Wesener, die Tochter eines Galanteriewarenhändlers in Lille.

Marie ist mit Karl Stolzius, einem Tuchhändler aus Armentieres, verlobt und tauscht des Öfteren Briefe mit diesem aus5.

Trotz ihrer Bindung lässt Marie sich auf eine Affäre mit dem Offizier und Edelmann Desportes ein.

Er gehört zu einer Gruppe Soldaten, die gerade in Lille stationiert sind.

Ihr Vater, der nicht möchte, dass man über seine Tochter redet, erteilt Marie sogar ein Verbot mit Desportes auszugehen, da Beziehungen zwischen einfachen Bürgern (Marie) und dem Adel (Desportes) nicht gerne gesehen werden und es nur rufschädigend ist, sich auf solch eine Beziehung einzulassen.

Um Marie zu imponieren und sie für sich zu gewinnen, macht Desportes ihr Präsente und schmeichelt ihr.

Derweilen ist Maries Vater auch immer mehr davon überzeugt, dass dieser Adelige das perfekte Mittel sein könnte, damit seine Tochter einen gesellschaftlichern Aufstieg genießen kann.

Parallel dazu unterhalten sich die anderen Soldaten, unter anderem Mary, der später noch eine wichtige Rolle spielen wird, über den Ruf der Mädchen, die sich auf Soldaten eingelassen haben und welche verheerenden Folgen dies mit sich zieht.6


Zu Beginn des 2. Aktes erfährt Stolzius, dass Marie mit Desportes verkehrt.

Diese Lage verschlimmert sich als er von einem anderen Soldaten, der sich als Schulfreund Desportes’ ausgibt, erfährt, dass Marie mit Desportes fliehen möchte.

Direkt als Stolzius diese Informationen erhält beschließt er einen hasserfüllten Brief an Marie zu schreiben.


Im folgenden Akt, dem 3. Akt, verlässt Desportes die Stadt, ohne sich von Marie zu verabschieden und des Weiteren mit hinterlassenen Schulden.

Wesener, Maries Vater, übernimmt die Zahlung damit seine Tochter nicht in Verruf gerät.

Währenddessen erhält Stolzius einen Brief, der Informationen über Maries Untreue enthält.

Seine Mutter bittet ihn, von der „Soldatenhure“ abzulassen. Stolzius ist aber überzeugt, dass dies nicht das echte Wesen Maries ist und sie durch Desportes manipuliert wurde.

Daraufhin heuert Stolzius, dessen Aussehen sich drastisch verändert hat, als Bursche bei Mary an.

Eben zu diesem Mary pflegt Marie den Kontakt, da er der Einzige ist, der in Verbindung mit Desportes steht und sie diesen wieder sehen möchte.

Diese Verbindung nutzt Desportes aus, um Marie mit Mary zusammen zu bringen, damit diese von ihm ablässt.

Maries Umgang mit dem männlichen Geschlecht hat auch schon das Aufsehen der Gräfin La Roche auf sich gezogen.7

Diese bietet Marie an, als Gesellschafterin am Hof zu fungieren, da sie Ähnliches erlebt hat, als sie die Liebe zu einer in der Gesellschaft höher stehenden Person anstrebte und dies ihren Ruf ruiniert hat.

Die Gräfin stellt Marie nur unter der Bedingung ein, wenn diese vom anderer Männern ablässt.


Im 4. Akt aber bricht Marie dieses von der Gräfin erteilte Verbot, indem sie sich mit Mary trifft, der zuvor seinem Bediensteten Stolzius gestanden hat, dass er unsterblich in Marie verliebt ist.

Diesen Regelverstoß ahndet die Gräfin und konfrontiert Marie damit und wirft ihr vor, leicht beeinflussbar zu sein. („Mädchen du bist wie das Bäumchen hier im Abendwinde, jeder Hauch verändert dich“)8

Daraufhin ergreift Marie die Flucht, woraufhin ihr Vater sie vergeblich sucht.

Desportes und Mary treffen sich zufällig auf einem Konzert im Anwesen der Frau Bischof aufeinander.

Stolzius schreitet dazu und bittet Mary, ihm ein „versiegeltes Zettelchen“ zu geben, welches ihm erlaubt, Rattengift in der Apotheke zu erwerben. Als Begründung trägt er ihm vor, dass die Kleidung Haudy’ durch Ratten verunstaltet wurde und man diese nun bekämpfen müsse.

Zu diesem Zeitpunkt weiß Desportes nicht, wer Stolzius ist, da er ihn vorher noch nie zu Gesicht bekam.

Im 5. Akt dinieren Desportes und Mary am Abend zusammen in dessen Wohnung. Desportes zieht über Marie her und meint, sie sei schon, bevor er sie kennen gelernt hat, eine Hure gewesen und gibt ihr darüber hinaus auch die Schuld an seiner finanziellen Lage.

Als er eine Weinsuppe servieren soll, nutzt er die Gelegenheit, diese mit Rattengift zu präparieren, da er sehr erzürnt darüber war, wie über Marie gesprochen wurde.

Desportes, dem von Stolzius kurz vor seinem Tod vorgeworfen wird, dass er Marie zur Hure machte, erliegt der Vergiftung.

Stolzius stirbt ebenfalls, da er ohne Marie nicht mehr leben will und kurz zuvor selbst das Rattengift geschluckt hat.

Am Ende des Buches ist der verzweifelte Wesener immer noch auf der Suche nach seiner Tochter, die inzwischen eine aufgrund ihres „hurenähnlichen“ Verhalten von der Gesellschaft ausgestoßen und eine am Straßenrand verweilende Bettlerin ist.

Beim Betteln begegnet sie ihrem Vater; beide erkennen sich jedoch nicht und so lehnt ihr Vater es ab, ihr Almosen zu geben. Dem vermeintlich unbekannten Mann schildert Marie ihren Leidensweg. Sodann wird ihm klar, dass seine Tochter die vermeintliche Bettlerin ist.


  1. Thematische Schwerpunkte:


Im Wesentlichen ist „Die Soldaten“ ein gesellschaftskritisches Stück, da es Marie nicht allein die Schuld an ihrer Situation gibt, sondern auch den Stand der Soldaten anprangert. Das Stück steht also in eine zentralen Position des Sturm und Drangs.

Das Stück kritisiert des weiteren den Adel, der in Form der Soldaten dargestellt wird.

Im Mittelpunkt steht das Sexualverhalten sowie die Sexualmoral der Soldaten.

Sie missbrauchen die gegebenen Vorrechte ihres Standes, um bürgerlichen Mädchen die Hoffnungen auf ein besseres Leben zu machen.

Im Endeffekt sind dies nur Verführungsstrategien der Soldaten.


  1. Bürgerliches Trauerspiel:


Das bürgerliche Trauerspiel entstand im 18. Jahrhundert und wurde in Deutschland durch Lessings Werk „Miss Sara Sampson“9 eingeführt.
Die Hauptthematik des Genres liegt auf den auf den Problemen des 3. Standes also denen der Bürger. Diese stellen im Gegensatz zu vorherigen Genres, in denen der Adel die Hauptrolle war, die Protagonisten des Stückes dar.10

Eine ständeübergreifende Liebesbeziehung zu führen, durch welche die Ehre bzw. der gesellschaftliche Status des Bürgers in Verruf gerät, ist oftmals die Haupthandlung eines bürgerlichen Trauerspiels.

Dieses Kriterium trifft auf „Die Soldaten“ zu, da der Fokus des Buches auf den von der verzweifelten Marie geführten Liebesbeziehungen mit den Adligen liegt.

Durch diese Liebesbeziehung verschlechtert sich ihr Ruf bis hin zur „Soldatenhure“, trotzdem erkennt man ihre „gute Seite“ und weiß, dass sie leicht beeinflussbar ist.


Ein weiteres, typisches Merkmal des bürgerlichen Trauerspiels ist der politische Konflikt zwischen dem Adel und den Bürgern.

Die Bürger versuchen, sich in diesem gegen die Unterdrückung und des bestimmenden, herablassenden Wesens des Adels aufzulehnen und sich somit der Ständeklausel zu widersetzen.

Das schlechte, herablassende Wesen wird von Desportes verkörpert, da er die Liebe zu Marie nur als eine kurze Affäre ansieht und nach dieser nichts mehr von der einfachen Bürgerin wissen möchte.

Stolzius verkörpert ebenso den treuen Bürger, der alles für seine Geliebte tun würde jedoch machtlos gegenüber den Adligen ist.

Dadurch bleibt ihm nur der Ausweg seines eigenen Todes sowie den von Deportes zu bewirken.

Es kommt zu einem tragischen Ende.

Gerade dieses Auflehnen führt zu einem weiterem Kriterium des Trauerspiels, dem Tod einiger Protagonisten sowie dem Selbstmord.


Aufgrund der Erfüllung dieser genre-typischen Kriterien kann man sagen, dass Jakob Michael Reinhold Lenz’ Stück, was zwar von ihm als Komödie kategorisiert wird, ein bürgerliches Trauerspiel ist.


  1. Rollenbilder im bürgerlichen Trauerspiel:


Im folgenden Abschnitt, dem Hauptteil meiner Facharbeit, analysiere ich die Rollenbilder im bürgerlichen Trauerspiel an Hand der Protagonisten des Buches „Die Soldaten“.

Ich habe meine Analyse auf vier Personen, nämlich Marie Wesener, ihren Verlobten Stolzius, ihren Vater Wesener und den adligen Baron Desportes eingegrenzt, da ich der Meinung bin, dass diese Personen wichtige charakteristische, zeittypische, soziale sowie gesellschaftliche Kennzeichen haben und sie somit sehr gut in ihre individuellen Rollenbilder einzuordnen sind.




Ich beginne mit Marie Wesener, der Tochter eines Galanteriewarenhändlers, die versucht ihren Aufstieg in der Gesellschaft durch Soldaten zu erreichen.


Meiner Meinung nach ist sie die facettenreichste Person des gesamten Stückes, da sie sozusagen zwischen zwei Parteien (der Welt des Bürgers und der des Adels) steht und ihre Meinung sich situationsbedingt ändert11 aufgrund ihres Wunsches, durch die Beziehung mit Desportes in die adlige Sphäre aufzusteigen, obwohl sie mit Stolzius verlobt ist.

Sie vertritt also keine besonderen Moralvorstellungen, die von anderen Mädchen zu dieser Zeit gepflegt wurden.


Ihre Rolle in der Männer Welt ist etwas unklar, da sie einerseits Stolzius gegenüber treu sein will ihn aber andererseits mit Desportes sowie Mary hintergeht und sich dadurch sozusagen selber belügt.

Eine gewisse Art von Leichtsinnigkeit ist zu begutachten, da Marie sich sehr leicht verführen12 lässt.

Was man aber über Marie sagen kann, ist, dass sie neben ihrer Rolle als „Soldatenhure“13 die Rolle des Kindes einnimmt.

Was primär ins Auge fällt ist Maries Naivität.

Doch sie geht noch weiter, indem sie behauptet, es sei Zufall gewesen und schmeichelt ihrem Vater mit einer gewissen Art von Raffinesse.

Marie schlüpft nun in die Rolle des unschuldigen Kindes, indem sie sich bei ihrem Vater auf den Schoß setzt und ihn umarmt.14

Man kann dies auch an ihrer Sprache erkennen denn anstatt das Wort Papa zu verwenden greift Marie auf das eher kindlich klingende „Pappa“ zurück(vgl. „Ja Papa- Lieber Pappa“)15.

Sie flüchtet sich in diese Rolle hinein in der Hoffnung, einem Kind alles verzeihen zu können.

Abschließend kann man also zu Maries Rolle sagen, dass sie sich einerseits zuhause als kindlich und unschuldig gibt und somit die Tochter - bzw. Kinderrolle einnimmt, was ihr aber nicht ganz gelingt, da ihre Schwester oft Andeutungen über ihre vielen Geliebten macht.


Vater Wesener:


Des Weiteren habe ich Maries Vater gewählt, da er eine für ein bürgerliches Trauerspiel repräsentative Person verkörpert.

Ihm ist ganz klar die Rolle des Vaters, der seine Tochter vor der „bösen Welt“ des Adels schützen möchte und an bürgerlichen Tugenden festhält, wie zum Beispiel der Ehrlichkeit, zugeschrieben.


Eben dieses zeitgenössische Handeln zeichnet Wesener aus, da er nach diesen Prinzipien also den bürgerlichen Tugenden, verfährt und Stolzius als Versprochenen seiner Tochter auswählt.

Man erkennt klar, dass er seine Tochter liebt da er sie vor Desportes schützen möchte.

Er hat Angst, dass ihr Ruf geschädigt wird und sie nicht mehr ein in der Gesellschaft etabliertes Mitglied ist, deshalb versucht er, sie zu überzeugen, dass sie den Kontakt zu Desportes lieber meiden soll.

Er versucht verbissen, sie von ihm zu trennen, doch seine väterliche Liebe verleitet ihn zu einem gravierenden Fehler.

Er hat schon den Aufstieg seiner Tochter in die adlige Gesellschaft vor Augen und somit beschließt er, ihr zu gewähren, sich mit Desportes weiter zu treffen(„Kannst noch einmal gnädige Frau werden närrisches Kind“)16.

Durch dieses Handeln Weseners kann man also behaupten, dass er zwar ein strenger, an seine bürgerliche Ideologie glaubender Vertreter seines Standes ist, jedoch ist seine Liebe zu seiner Tochter übermächtig, sodass er nur in ihrem Interesse agiert.

Getrieben von der Liebe zu seiner Tochter lässt er in Lille alles, unter anderem sein gepfändetes Geschäft somit auch den geschäftlichen Ruin hinter sich und völlig außer Acht.

Das einzige, was für ihn zählt, ist, dass er seine Tochter wieder für sich hat.

All dieses verblasst, da sein einziges Glück seine Tochter ist.17

Dieses Handeln rückt Wesener in ein Bild einer Person, die aus reiner Menschlichkeit handelt.

Aus diesen Gründen steht Wesener das Rollenbild des liebenden Vaters, der die bürgerlichen Prioritäten hinter das Wohl seiner Tochter setzt, fest.


Karl Stolzius:


Karl Stolzius ist ein Tuchhändler in Armentieres und ist mit Marie verliebt.

Da sie nicht bei ihm wohnt, korrespondiert 18er mit Marie.

Er ist bedingungslos in sie verliebt. Man kann behaupten, dass seine Liebe schon in die Arte des Krankhaften übergeht.


Die Rolle von Stolzius wird schon am Anfang des Buches klar.

Man kann sagen, dass er die Rolle des krankhaft Verliebten übernimmt, der alles für seine Geliebte tun würde, da sich seine Fixiertheit im ganzen Buch über auf Marie richtet.

Er sitzt dort „mit verbundenen Kopf19 und richtet seinen Fokus nur auf den Brief und „verschlingt20 ihn mit seinen Augen.

Dieses Verhalten ist auch schon der Mutter aufgefallen, die aussagt ihm „steckt das verzweifelte Mädel im Kopf“.

Daraus kann man schließen, dass Stolzius sich durch die zwanghafte Liebe zu Marie so geändert hat, dass das Verhältnis zu seiner Mutter schon leidet.

In Bezug auf Marie und dem Verhältnis zu seiner Mutter zeichnet Stolzius auch die Naivität aus, da er immer noch und das gute in Marie glaubt, die ihm kurz zuvor einen Brief geschickt in welchem sie ihm von ihrer Beziehung zu Desportes erzählt.

Seine Mutter versucht ihm die „Soldatenhure auszureden, doch Stolzius ist der festen Überzeugung der Officier hat ihr den Kopf verrückt21“.

Im Laufe des Buches verändert sich Stolzius Verhalten, da er im 3. Akt Kontakt zu Mary sucht um auf die Welt der Soldaten einzuwirken. Man kann ihm also die Charakteristik einer intriganten Person zuschreiben.

Ihn kennzeichnet in diesem Abschnitt die Entschlossenheit, da er nur ein einfacher Bürger ist aber dennoch versucht für seine Liebe alles zu tun, selbst den Adel manipulieren.

Er hat die Entscheidung getroffen, dass wenn nicht er mit Marie leben kann, es keiner vermag.

Eben diese zwanghafte Liebe führt zum Tod.

Sein hassgeprägter Ton geht schon ins biblische über indem er zitiert: Und müssen denn die zittern, die Unrecht leiden und die allein fröhlich sein, die Unrecht tun22.


Meiner Meinung nach ist Stolzius also für ein bürgerliches Trauerspiel typischer Charakter, er durch die Liebe zu Marie nur den Tod als Ausweg sieht.

Dieses Handeln ist ein kennzeichnendes Kriterium eines bürgerlichen Trauerspiels, da der Protagonist nur durch den Tod aus der auswegslosen Situation entfliehen kann.

Vergleichbar ist Stolzius mit Ferdinand aus Kabale und Liebe.

Zwar versuchen Ferdinand und Louise eine ständeübergreifende Liebebeziehung zu führen, doch der Weg seines Leidens ist derselbe, da er keine feste Bindung mit Louise eingehen kann.

Ebenso sieht sich Ferdinand gezwungen den Weg sich selbst umzubringen zu wählen, da er im Diesseits nicht mit Louise vereint leben kann.


Desportes:



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