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Retro-Look in der Mode

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Art / Design / History of Art

University, School

FHV Dornbirn

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Der Retro-Look in der Mode

FH Vorarlberg /// Intermedia /// Designforschung Dozentin: Dr. Corelia Lund Studentin:

Dornbirn, 05 März 2010

Innhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2. Der Begriff „Retro-Look“ und sein geschichtlicher Abriss im Kontext der Mode 3. Sichtbarmachung von Retro in den medialen Bilderwelten 4. Die Vergangenheit in der Gegenwart oder die Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen 5. Innovation, Mode, Wiederholung und das Retro-Phänomen 6. Fragebogen und Auswertung 7. Schlussbemerkung Anhang: 3 Fragebögen


1. Einleitung

Jeder von uns trägt Retro-Kleidung, ob bewusst oder unbewusst, ob original oder modern, jedenfalls ist der Retro-Look in unserem Zeitalter ein gängiges Bild auf der Straße. Nicht nur innerhalb der Kleidermode ist die Ästhetik des Retro-Looks ein beliebtes Stilmittel, sondern auch in ähnlichen Facetten der Kultur, wie zum Beispiel in der Musik, Kunst oder Architektur, aber auch in sämtlichen Designgattungen wie dem Industrie-, Grafik-, Möbel-, oder Kommunikationsdesign.

Allerdings gewinnt der Retro-Look innerhalb der Kleidung eine ganz besondere Qualität, die ihn von den anderen kulturellen Gattungen unterscheidet. "Denn mit ihr rücken Zeit, Erinnerung und Geschichte auf die eigene Haut und werden zum Medium der Körperinszenierung, die das Selbst anachronistisch im Bild vergangener Zeiten erscheinen lässt." (Jenß 2007, S. 217).

Die vorliegende Arbeit ist in fünf Kapitel unterteilt. Im ersten Kapitel wird ein geschichtlicher Überblick des Begriffs "Retro" im Kontext der Mode erläutert, wodurch die verschiedenen Auffassungen bzw. Interpretationen von Retro aufgezeigt werden. Im zweiten Kapitel wird der Retro-Look vor dem Hintergrund der Medien diskutiert, um die Beeinflussung der Medien, die einerseits die Aufrechterhaltung und andererseits die Referenzquelle für Retro-Looks gewährleisten, aufzuzeigen.

Das nächste Kapitel durchleuchtet den Retro-Look in phänomenologischer Hinsicht. Es wird versucht das Retro-Phänomen auf seine paradoxe zeitliche Wahrnehmung zu untersuchen, indem das Phänomen der Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen genauer unter die Lupe genommen wird. Das vierte Kapitel steht ganz im Zeichen der Begriffe Innovation, Mode und Gleichzeitigkeit.

Dabei wird versucht neben der Erklärung dieser Begrifflichkeiten, sie auch in Zusammenhang mit dem Retro-Phänomen zu bringen. Der letzte Teil dieser Arbeit stützt sich auf einen Fragebogen, der im Rahmen dieser Arbeit erstellt wurde. Dieser Fragebogen lässt jedoch keine fundamentale empirische Auswertung zu, vielmehr wurde er durchgeführt, um eine Vorstellung zu bekommen, wie Menschen, die sich bewusst im Retro-Look kleiden damit umgehen bzw. was ihre Motivationen sind.

2. Der Begriff „Retro-Look“ und sein geschichtlicher Abriss im Kontext der Mode

Der Begriff „Retro“ heißt auf Lateinisch „rück, zurück“ und wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erstmals in Frankreich im Kontext der Mode verwendet, um Kleidung aus einer anderen Ära, die ein sogenanntes „Revival“ erfahren, zu beschreiben. Die Kleidung aus einer anderen Ära bezog sich dabei auf die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Im Jahre 1970 wurde der Begriff Retro aus dem französischen in den englischen Sprachgebrauch überführt, in dem er als „originale Second Hand Kleidung“ bezeichnet wurde.

In den 1970er Jahren änderte sich die Einstellung hinsichtlich des Konsums von Second Hand Ware, indem es Ausdruck einer Kritik gegenüber der massenproduzierten Mode darstellte. (Vgl. Jenß 2007, S. 141)

So wurde zunächst unter dem Begriff Retro in der Mode eine Art Revival verstanden, was ausdrückt, dass ein vergangener Modestil in seiner Wiederbelebung die Dimension der Veränderung beinhaltet, aber auch wie dem anglo-amerikanischen Sprachraum entnehmbar ist, als originaltreue, unveränderte Wiederbelebung. Auch Mode- und Kulturwissenschaftlerin Birgit Richard interpretiert Retro innerhalb der Mode als einen unveränderten nostalgischen Rückgriff auf historische Modestile und grenzt sich somit von dem Begriff Revival ab. (Jenß 2002, S. 216; zit. nach Richard 1998, S. 49-93) Mittels Interviews verweißt Heike Jenß auf ein sehr differentes und individuelles Verständnis des Schlagwortes Retro auch innerhalb der deutschen Sprache.

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Ihr Resultat lässt auf drei mögliche Interpretationen von Retro schließen. (Vgl. Jenß 2002, S. 216)

1. 2. 3.

Modemix von alter und neuer Kleidung in einem Outfit Original getreue Kleidung eines vergangenen Modestils Neu produzierte Kleidung der Modeindustrie, die vergangene Modestile kopieren

Diese unterschiedlichen Auffassungen bzw. Interpretationen von Retro zeigen, dass die Befragten weniger auf Definitionszuschreibungen als vielmehr auf den visuellen Effekt von Retro abzielen, nämlich dem RetroLook oder RetroStil, der ( .) als ein materialistischer, sichtbarer Rückgriff auf Dinge und Bilder der Vergangenheit ( .) hindeutet. (Jenß 2002, S. 217) Abgeleitet von dem englischen Begriff Look, der mit deutschen Worten bzw.

Synonymen wie Blick, Ausdruck, Aussehen, oder Stil übersetzt werden kann, handelt es sich bei dem RetroLook um einen mit dem Körper visualisierten bzw. materialisierten Ausdruck, mittels dem historische Elemente sichtbar gemacht werden. Während der RetroLook durch eine Auferstehung vergangener Modestile entsteht, entweder durch angelehnte neue oder originalgetreuer Mode der Vergangenheit und somit mittels Rückblicke in die Vergangenheit konstituiert wird, visualisiert der RetroLook selbst aber auch gleichzeitig Verknüpfungen mit der Vergangenheit.

Heike Jenß vergleicht in diesem Zusammenhang den Retro Look mit dem Flashback in der Filmtechnik, wodurch ebenfalls Retrospektiven visualisiert werden können. (Vgl. Jenß 2007, S. 144)

Während in der zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts die Wurzeln des Begriffs Retro in Bezug auf die Mode anzusiedeln sind, wurden jedoch schon im 19. Jahrhundert ähnliche Formen von Retro praktiziert. So erfuhren die stilistischen Einteilungen wie Mittelalter, Renaissance oder das Barock im 19. Jahrhundert eine Auferstehung, insbesondere im Kontext von Kunst und Literatur und wurden neu konstruiert.

Allerdings waren jene historischen Wiederbelebungen lediglich in den elitären Kreisen, sprich innerhalb des gehobenem Bürgertums, üblich und wiesen ähnliche Leitmotive wie Originalität, Individualität und Anti Konformität auf, welche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ebenfalls Motive waren. Durch den industriellen Aufschwung und den damit verbundenen neuen Produktionsformen nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich nicht nur die Qualität und Quantität der Kleidung, sondern auch der Umgang mit alter Kleidung.

Massenproduktionen und neue Distributionsformen in den späten 1950er Jahren machten Mode für eine breite Bevölkerungsschicht, selbst für jüngere Personen zugänglich. Damit einher gehend fällt auch immer mehr alte Kleidung an, wodurch der Handel mit Second Hand Kleidung stetig wächst und in den 70er Jahren einen Boom erfährt. (Vgl. Jenß 2007, S. 151-152) In dieser Zeit entwickelte sich zum ersten mal ein Retro Look auf breiter Ebene, sprich ein in Massen zu verzeichnender reproduzierter Modestil.

Jenß 2007, S. 133) Ab den 80er Jahren wurde der Begriff Retro mehr oder weniger im Zusammenhang mit der Postmoderne diskutiert, welche ganz im Zeichen des Pluralismus und der Heterogenität stand. Nicht das Neue und Innovative steht nun mehr im Mittelpunkt, wie es in der Moderne üblich war, sondern die Vergangenheit, die als Reichtum für neue Anwendungen bzw. Revitalisierungen vorhandener Formen und Ideen, angesehen wird. (Vgl.

Loschek 2007, S. 223-225) Die Reproduktion eines Modestils muss nicht unbedingt mit der Reproduktion von dessen Bedeutung einhergehen. So wird zum Beispiel mittels Dekontextualisierung eines vergangen Stils in einem neuen Zeitkontext meist neue Bedeutung kreiert. In den 90er Jahren ist der Retro Look vor dem Hintergrund des Dekonstruktivismus innerhalb der Postmoderne zu diskutieren, wie es Sabine Trosse mit ihrer Dissertation Geschichten im Anzug 1999 aufgezeigt hat.

Trosse vergleicht Retro mit dem Verfahren Sampling in der digitalen Musikproduktion in Anlehnung einer Entlinearisierung der Geschichte und nimmt zugleich Bezug auf Vilém Flusser, der die Wahrnehmung von Geschichte mit einer mosaik-artigen Struktur vergleicht. Trosse interpretiert Revivals weniger als ein Streben nach einer besseren Vergangenheit, sondern viel mehr als eine Mode, die ihre Zeit und Vergänglichkeit abbildet.

Ihre Arbeit verdeutlicht den Umbruch von einer historischen- zu einer dekonstruktivistischen Postmoderne innerhalb der Reto-Mode, in der es weniger um das Rekonstruieren im Sinne eines illusionistischen Historismus als viel mehr um das performative Ausstellen geht. (Vgl. Jenß 2001, S.232 - 233) Für Loschek besteht die Dekonstruktion im Design in einem Akt von ( .) De- Konstruktion, Re- Konstruktion und Transformation und heißt übertragen auf die Kleidung, ( .) dass das Nichtsichtbare, die Konstruktion, als das eigentlich Interessante und Wesentliche sichtbar gemacht wird. (Loschek 2007, S. 229) Martin Margiela, ein in den 90er Jahren bekannter dekonstruktivistischer Modedesigner verwertet zum Beispiel alte Mode nicht im Sinne eines ökologischen Vorhabens, wie es in der Hippie Zeit üblich war, sondern eines ästhetischen Vorhabens.

Die in dieser Arbeit verwendete Literatur, welche den Begriff Retro und dessen geschichtlichen Verlauf beschreibt, beschränkt sich auf das 20. Jahrhundert und geht nicht auf die erste Dekade des 21. Jahrhunderts ein. Doch gerade lässt sich innerhalb dieser Dekade eine unglaubliche Faszination gegenüber der RetroMode feststellen. Modische Rekonstruktionen aller Art , angefangen bei originalgetreuer Mode über nachgeahmte Retro Looks aus der Modeindustrie bis hin zu Modemixen alter und neuer Kleidung sind auf den Straßen der großen Modemetropolen zu entnehmen.

Es wird nicht mehr nur speziell eine kulturgeschichtliche Dekade zitiert, statt dessen bedienen sich Jugendliche nach Belieben aus dem Supermarkt of Style, den die Geschichte der Subkulturen bereitstellt ( .). (Jenß 2007, S. 147; zit. nach Polhemus 1996, S. 72) Die gegenwärtige Koexistenz der Gleichzeitigkeit ungleichzeitiger Stile ist vor allem vor dem Hintergrund der neuen Medien und den damit einhergehenden massengenerierten Bilderwelten zu betrachten, die nicht zuletzt Inspirationsquelle und Anhaltspunkt für Retro-Mode bilden.

3. Sichtbarmachung von Retro in den medialen Bilderwelten

Die wohl grundlegendste Basis für die Generierung und Reproduktion von Retro–Looks sind die, seit dem stetig wachsenden technischen Fortschritts, immer mächtiger werdenden medialen Bilderwelten. Unter medialen Bilderwelten sind hier, die in den Medien, sprich Filmen, Fernsehen, Magazinen, Plakaten, Internet usw. vermittelten Bilder gemeint. Sie dienen als Referenzpunkt für Geschehnisse in der Vergangenheit.

Gerade der Film spielt als Referenz für vergangene Zeiten eine bedeutende Rolle, da er ein Speicher für historische Gesten und Körperbilder darstellt. Für eine originalgetreue Wiedergabe eines RetroLooks ist laut empirischer Untersuchung von Jenß, die ledigliche Reproduktion vestimentärer Stile zu wenig und muss darüber hinausgehen. Neben dem Film, stellt die große Vielzahl an Modemagazinen eine weitere wesentliche Inspirationsquelle für RetroLooks dar.

Ganz gezielt spielen die Redaktionen der Modemagazine mit der Historie von Modetrends, indem sie das Neue gegenüber dem Alten stellen bzw. aktuelle Modetrends in Bezug auf vergangene Mode reflektieren. Die Rezipienten werden somit ganz bewusst nicht nur durch die Modemagazine, sondern generell durch die medialen Bilderwelten hinsichtlich der Wahrnehmung der Qualität Zeit innerhalb der Mode sensibilisiert.

Beim Leser erfolgt dadurch ein Konnotationstransfer von alter zu neuer Mode. Diese assoziativ wertenden aber auch stilistischen Bedeutungen werden oft durch Stars oder Ikonen aufgeladen, die somit als eine Art kulturelle Gedächtnisstütze fungieren und demzufolge ihren Teil zur Rekonstruktion von Geschichte beitragen. (Vgl. Jenß 2001, S. 237-238)

Denn alles will im Gedächtnis bleiben und ewig wiederholbar sein. (Flusser 1983, S. 17) Die Möglichkeit ein Geschehen in seinem zeitlichen Verlauf sozusagen einzufrieren bzw. festzuhalten und es aus seiner verfließenden Zeit zum Stillstand zu bringen, gibt es seit der Entwicklung der Photographie. Vergangene Zeit kann mittels der Photographie festgehalten und zum Schauplatz der Gegenwart werden.

Walter Benjamin vermutet bereits 1935 in seinem Aufsatz Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit die Auswirkungen der Photographie, indem er zum Ausdruck bringt, dass Kunst durch die technisch mögliche Reproduzierbarkeit ihren Kultstatus und ihre Autonomie abgibt. (Vgl. Benjamin 2007, S. 24) Innerhalb der Mode scheint es jedoch als würden die repräsentierten und stetig reproduzierten Modebilder der Vergangenheit in den Medien an Kontinuität und somit auch an Kultstatus gewinnen.

Die Vorstellung oder besser die Illusion von Vergangenheit, die mehr oder weniger durch mediale Reproduzierbarkeit gewonnen und konstruiert wird, ist jedoch immer mit einem Dazuerfinden und Weglassen an Information gekennzeichnet. Die Folge sind realitätsfremde oder mitunter stereotypisierte Bilder vergangener Mode. Es ist wie ein Mythos, der sich in den digitalen Bilderwelten über die vergangene Mode eingeschrieben hat, der allerdings nach Roland Barthes immer mit dem Verlust einer historischer Eigenschaft einhergeht. (Vgl.

Jenß 2001, S. 240)

Durch die Rekonstruktion historischer Modestile innerhalb der medialen Bilderwelten kann der RetroLook ohne weiteres jederzeit dekodiert und wiederholt werden. Die Möglichkeit einer virtuellen Zeitreise in die Vergangenheit lässt alte Modestile stets abrufbar und gegenwärtig erscheinen. Heutzutage ist festzustellen, dass interessanterweise diejenigen RetroLooks generiert werden, die die TrägerInnen selbst gar nicht real erlebten, sondern nur mehr medial oder virtuell erfahren. (Vgl.

Jenß 2007, S. 217) So erlebt das momentan ersichtliche Revial der 80er Jahre eine Wiederbelebung, die von den in den Ende 80er und 90 Jahren geborenen Jugendlichen ausgeht. Diese Jugendlichen haben keinen wirklichen Bezug zur damaligen Zeit, allerdings wirken die 80er Jahre auf Grund der Abbildung in den Medien doch irgendwie vertraut.

4.         Die Vergangenheit in der Gegenwart oder die Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen

Geschichte und Gegenwart sind keine säuberlich von einander abgetrennte Ereignisse. Sie sind auch keine lineare Aufeinanderfolge, sondern vielmehr ist ihnen eine heterogene Form oder Wirkung inhärent. Sie sind Gegensand einer Konstruktion, die durch die gegenwärtige Wahrnehmung gebildet wird. Die Gegenwart wird erst durch die Geschichte konstruiert und umgekehrt.

Norbert Elias schreibt in diesem Zusammenhang von der Fähigkeit der menschlichen Syntheseleistung, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft „zur gleichzeitigen Erfassung dessen, was nicht gleichzeitig geschieht“, möglich macht. (Elias 1997, 47) In anderen Worten ausgedrückt ist damit indirekt die Heterogenität der Gegenwart gemeint, die Heike Jenß mit dem „Bild- und Zeitenwechsel beim Channel–Zapping“ vergleicht.

Dieses Phänomen der Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen ist vor dem Hintergrund der bebilderten Welt zu diskutieren, die durch die digitalen Medien generiert werden. Vilém Flusser umschreibt in seinem Buch „Ins Universum der Technischen Bilder“ bereits 1996 die Wirkung, die das technische Bild in Bezug auf die Geschichte ausübt. Die Wiederkehr des ewig Gleichen sieht Flusser zufolge im Programm dieser technischen Bilder: „Zu diesem spezifischen Zweck, zur Beendigung der Linearität, zur Wiederaufrichtung des magischen Zirkels und als ein ewiges, sich drehendes und alles vergegenwärtigendes Gedächtnis sind sie erfunden worden.“ (Flusser 1996, S. 66)

Indem Mode als ein Produkt der Zeit, selbst auch Zeit anzeigen kann und somit die Zeit selbst eine eigenständige Qualität innerhalb der Mode darstellt, ist auch sie vor dem Hintergrund dieser zeitlich- und räumlichen Verdichtung zu stellen. Während früher ein Look das Bild einer Saison prägte und es somit auch uniformer wirkte, sind es heute eine Vielzahl an unterschiedlichen Looks bzw.

Stilen, die gleichzeitig zirkulieren und das Landschaftsbild bunt füllen. Je nach Belieben können heutzutage Stile herausgefiltert und als Vorbild bzw. Anreiz für vestimentäre Inszenierungspraktiken genutzt werden. Die Stile der Vergangenheit werden so von ihren Zeiträumen entkoppelt und können in einen gegenwärtigen Kontext übernommen und inszeniert werden. (Vgl. Jenß 2007, S. 229) Das Retro-Phänomen kann somit als ein Teil dieser Raum/Zeit Kontraktion verstanden werden und lässt in seiner Wahrnehmung Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinander verschmelzen. (Vgl.

Jenß 2001, S.282)

Zu beachten ist jedoch, dass Retro-Looks bzw. historisch zitierte Stile im gegenwärtigen Kontext eine andere Bedeutung haben wie in der Vergangenheit, sprich als sie noch einfach nur Looks waren. Die Wahrnehmung der Geschichte, die mit der Generierung eins Retro - Looks einhergeht, ist immer mit gegenwärtigen individuellen Bedürfnissen und Interessen, sprich mit der gegenwärtigen Wahrnehmung, verknüpft und erfährt folge dessen eine andere Konnotation.


5. Innovation, Mode, Wiederholung und das Retro-Phänomen

In diesem Kapitel sollen die Begriffe Innovation, Mode und Wiederholung vor dem Hintergrund des Retro–Phänomens diskutiert werden. Zu Beginn wird versucht die einzelnen Begriffe zu erläutern, um diese anschließend im Kontext des Retro–Phänomens zu durchleuchten.

Jedem von uns ist die Redewendung "Ach, dass ist doch nur eine Mode" bekannt. Diese etwas geringschätzige Aussage impliziert, dass das Phänomen Mode keine historische Beständigkeit aufweist, sondern mehr eine temporäre bzw. kurzfristige Erscheinung darstellt, welche abgelöst wird sobald eine Neue aufkommt. Mode wird meistens mit etwas Neuartigem, Innovativem verknüpft, welche im Gegensatz zur Mode jedoch mehr mit einer in der Zukunft beständigeren Natur charakterisiert werden. (Vgl.

Groys 1992, S. 45) Zwischen den Begriffen "Mode" und "Neu" gilt es jedoch zu unterscheiden. Modern ist etwas, das von Seiten der Gesellschaft als modern deklariert ist und aus dem neuesten Geschmack heraus etwas modernisiert, nachdem es in der Gesellschaft kommunikativ verhandelt und sanktioniert wurde. So wird zum Beispiel ein Kleidungsstück, das einem zwar gefällt aber nicht in Mode ist, nicht getragen und anders kann ein Kleidungsstück, das einem nicht gefällt aber in Mode ist, getragen werden.

Innovation ist allerdings nicht gleichzustellen mit der Annahme, dass etwas zum Vorschein kommt, was vorher verborgen war, vielmehr ist damit eine Werteumwandlung dessen zu verstehen, was man immer schon gesehen und gekannt hat. So schreibt Groys: "Die Umwertung der Werte ist die allgemeine Form der Innovation ( .)". (Groys 1992, S.14) Während gewisse kulturelle Produkte als wertvoll wahrgenommen werden, indem sie als Originalität oder als Neuheit anerkannt werden und somit als kulturell relevant gelten, werden andere (die übrigen sozusagen) als wertlos und irrelevant wahrgenommen.

Ob ein kulturelles Produkt also als relevant oder irrelevant anerkannt wird, ist eine Frage der Interpretation, durch die jedoch nicht etwas Neues geschaffen wird, was vorher noch nicht bekannt war, vielmehr wird durch sie der Wert des kulturellen Produkts einfach nur verändert bzw. umgewandelt. (Vgl. Groys 1992, S. 42) Unter diesem Licht der Neuinterpretation des bereits Vorhandenen bzw.

Gewesenen, werden die in der Gegenwart vollzogenen Reproduktionen von kulturellen Produkten im Zuge der Transformation als Produktionen anerkannt, so dass, so Groys "die angebliche Kopie in einem neuen Licht als ein originelles Bild [an]gesehen wird." (Groys 1992, S. 43)

Etwas Neues zu schaffen bzw. innovativ zu sein ist jedoch kein leichter Akt. Dieser geht immer mit einer bestimmten Kompromissbereitschaft einher. "Aller Anfang ist schwer", so heißt es. Dies rührt aus einer ganz bestimmten Angst heraus und zwar der Angst das Hinterbliebene zurückzulassen. Jeder Anfang impliziert eine Ausschließung und ein Übriglassen, indem man sich auf etwas festlegt oder etwas herausgreift und somit einen Bruch mit dem Bisherigen vollzieht.

Der Anfang verbirgt die Hoffnung auf das Neue und wendet sich von der Vergangenheit ab.(Vgl. Gronnemeyer 2000, S. 105) Um die Angst zu lindern das Vergangene einfach hinter sich zu lassen und damit zu verwischen, versucht das Neue oder die Innovation sich stets einen sicheren Platz in den Archiven des kulturellen Gedächtnisses zu sichern, damit es in Erinnerung und immer abrufbar und wiederherstellbar bleibt.

Das System des kulturellen Gedächtnisses folgt interessanterweise dabei ganz der Mode, indem es aus jeder Zeit genau das speichert, was in dieser Zeit selbst Mode war, sobald neue oder innovative Moden die Alte ablöste. Das was gerade Mode ist birgt demzufolge am meisten Potential in die kulturellen Archive der Geschichte aufgenommen zu werden als ein auf bestimmte Zeit geltender Trend. (Vgl.


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