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Ruhr-Universität Bochum - RUB

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Hausarbeit zum Thema: „ Interkulturalit­ät im Gespräch zwischen Männern und Frauen“. [ ­ ­] Inhaltverzeichn­is Einleitung 3 Historischer Überblick. .4 „Sex“ und „Gender“ .5 Männer und Frauen leben in verschiedenen „Sprachwelten“&­shy.5 Intimität und Abhängigkeit...­..­.........­.. 6 Kommunikation zwischen Männern und Frauen als interkulturelle Kommunikation ..... .............. 7 Sprachliche Merkmale.......­...­........­.8 Kritische Ansätze zur Theorie von „zwei Kulturen“.....1­1 Geschlechter gleichen…

Rassismus und Ethnizität bei Männern


1. Einleitung

Männer haben's schwer, nehmen's leicht
Außen hart und innen ganz weich
Werden als Kind schon auf Mann geeicht
Wann ist ein Mann ein Mann?

( Grönemeyer 1984)


Wann ist ein Mann ein Mann? Diese Frage stellte bereits Herbert Grönemeyer in dem 1984 erschienenen Song „Männer“. Wer nun aber glaubt eine befriedigende Antwort auf diese Frage in selbigem zu finden liegt sicherlich falsch.

Doch zeichnend für eine solche Annahme ist auch der wissenschaftliche Forschungsstand, der diesem Thema zugrunde liegt. So wurde das männliche Geschlecht als Teil der soziologischen Geschlechterforschung lange Zeit vernachlässigt. (vgl. Baur 2008: 7)

In der folgenden Ausarbeitung soll Männlichkeit im Diskurs um Migration thematisiert werden. Bezugnehmend auf zwei autobiografisch-narrative Interviews[1] soll die Konstruktion von Männlichkeit dargestellt werden. Die Interviews wurden mit George aus Ruanda und Mustafa aus der Türkei geführt.[2] Beide Männer sind aus einer individuellen Motivationslage nach Deutschland migriert um hier ein neues Leben anzufangen.

Beginnen werde ich die Ausarbeitung mit einer Einführung der Begriffe Ethnizität und Migration. Anschließend soll gezeigt werden, wie Männlichkeit in diesem Kontext konstruiert und erlebt wird. In einem abschließenden Resümee werde ich meine Ergebnisse rekapitulieren und ein Fazit ziehen.


2. Ethnizität

Frederik Barth zufolge ist Ethnizität […] nicht schon immer gegeben, sie wird vielmehr erst in sozialen Interaktionen erzeugt, in denen durch konstruierte Selbst- und Fremdbilder kategoriale Abgrenzungen zwischen verschiedenen Gruppen von Menschen hergestellt werden. Diese Grenzziehungen aber sind wechselhaft, dem gesellschaftlichen Wandel unterworfen.(Neckel 1997: 265)

Eine ähnliche Definition von Ethnizität gibt auch Martina Weber. Selbst- und Fremdethnisierungen bedingen sich bei ihm wechselseitig, indem sich ethnische Gruppen über ihre kulturellen und historischen Eigenheiten in Abgrenzung zu anderen definieren (vgl.

Weber 2007: 308). Ethnizität scheint also vor allen Dingen kulturell konstruiert zu sein. Interessant dabei ist, dass ‚das Eigene‛ dabei häufig nur in Bezugnahme auf ‚das Fremde‛ definiert werden kann.

Ethnizitätskonzepte dienen somit der Beschreibung des Anderen, Verschiedenen und Fremden und machen dieses in Etnisierungsprozessen deutlich. Sie fungieren als Differenzierungskategori.....[read full text]

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Welche Folgen nun aber die Migration für die Auffassung von Männlichkeit der Interviewten hat, ist Untersuchungsgegenstand des nun folgenden Abschnitts.


4. Zur Konstruktion von Männlichkeit

Aus den Interviews mit George und Mustafa wird deutlich, wie selbstverständlich das Mann-Sein für sie ist. Ihre habituelle Sicherheit wird aber, anders als man erwarten könnte, nicht durch ein ständiges reden über Männlichkeit, sondern im Gegenteil durch die Dethematisierung des eigenen Geschlechts erkennbar.

Meuser beschreibt diesen Umstand sehr treffend indem er sagt, dass die Männlichkeit als „fraglos gegeben“ (Meuser 2006: 197) empfunden wird. Den interviewten Männern ist sehr wohl bekannt, dass die durchgeführten Interviews darauf abzielen, etwas über ihr Empfinden der eigenen Männlichkeit herauszufinden. Dennoch geht zunächst keiner von ihnen explizit darauf ein.

Das Sprechen über etwas, das ihnen als selbstverständliche biologische Tatsache erscheint, wird als irrelevant eingeschätz.....

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Neben der Dethematisierung von Männlichkeit gibt es aber noch weitere Konstruktionsmodi. Vor allem George ordnet bestimmte Lebensbereiche Mann und Frau zu. Gemäß vorherrschenden Klischees sieht er Beruf und Karriere als männliche Domäne.

Die Bereiche Familie und Ehe werden von George und Mustafa unterschiedlich bewertet. Unabhängig von der Gewichtung der einzelnen Felder, dienen sie aber alle der Konstruktion von Männlichkeit. (vgl. Huxel 2006: 89 f.) Der folgende Interviewauszug soll die Rollenzuweisung Georges verdeutlichen und ein konkretes Beispiel für sein konstruiertes Männerbild geben.

G:Mhm, wenn das Geld nicht ist, der Mann hat Problem, natürlich die Frau auch, aber der Mann noch noch eh, größer. Weil er diese Versorgerrolle. Muss eh, die Familie versorgen. (Huxel 2006: 63).


5. Das ethnisierte Geschlecht

Als ich in der Türkei gelebt habe, da war das für mich kein Thema. Türkin sein, Nationalität so, das war überhaupt kein Thema, ja. […] Das hat für mich kaum eine Rolle gespielt und dann bin ich hierher gekommen, dann bin ich zur Türkin geworden oder gemacht worden […]

(

Dieses Zitat stammt von einer türkischen Migrantin. Es soll verdeutlichen, dass Ethnisierung auf Zuschreibung basiert. Noch deutlicher werden diese Zuschreibungen in ihrer anschließenden Aussage. Hier berichtet die Frau von den Vorurteilen, denen sie in ihrem Alltag immer wieder begegnet.

Ja, eine Kopftuch tragende Türkin, die dem Mann untergeordnet ist und kein eigenes Leben hat. Die Türkei ist ein unterentwickeltes Land, die sind ganz anders.(ebd.)


Diese Zitate zeigen exemplarisch, wie Zuschreibung funktioniert und dass Frauen ebenso betroffen sind wie Männer. Dass George und Mustafa ähnliches durchlebt haben, wird sichtbar, „wenn sich die Männer auf stereotype Bilder von ‚fremder‛ Männlichkeiten beziehen, sich davon abgrenzen oder Zuschreibungen annehmenR.....

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M: […] Einmal erziehen wir unsere Mädchen unselbstständig. […] Und eh, zweitens ist das in Deutschland, die Familien aus den ländlichen Gebieten kommen aus der Türkei, haben sehr große Angst ihre Ehre in Deutschland zu verlieren. […] Eh, für ehm Türken gibt´s eine Sache, bei Mädchens, wenn die dann heiraten müssen die Jungfrau sein. […] Wir haben das eh, ich kann sagen, wir haben das nicht so gemacht. […].(vgl. Huxel 2006: 79).

Mustafa sieht sich als einen modernen und karriereorientierten Familienmenschen. Er begründet seine Lebensauffassung aber nicht mit der Migration nach Deutschland und einer damit möglicherweise einhergegangenen habituellen Veränderung, sondern mit der aufgeschlossenen Erziehung durch seine türkische Mutter.

I: Hast du als Mann was gelernt oder hat sich für dich was verändert, glaubst du, dass es für dich anders war als Mann nach Deutschland zu kommen als vielleicht für deine Frau, oder …

M: Eh, eigentlich nicht, eigentlich wirklich nicht, und ehm wir haben in der Türkei, was uns beide trifft, meine Frau und mich betrifft, und eh, genau so gelebt wie das wir in Deutschland auch leben (mhm), sie was dort auch berufstätige Frau. Also mussten wir auch zu Hause einiges zusammen tun (mhm). Eh ich bin auch ehm von meine Mama so erzogen worden (vgl. ebd.: 82).

Beide Männer beschreiben ihre Männlichkeit indem sie sie zu einer ethnisch-kulturell Anderen in Beziehung setzen. Dass sie die eigene Männlichkeit nur im Zusammenhang mit ihrer Migration thematisieren können, bezeugt ein weiteres Mal die habituelle Sicherheit der Männer.

Durch die Erfahrung der Migration und den damit verbundenen Ethnisierungsprozessen, erhält diese habituelle Sicherheit erstmalig Brüche. Die Zuschreibungen, mit denen George und Mustafa seit ihrer Migration konfrontiert werden, veranlassen sie dazu, Dinge neu bzw. erstmalig zu hinterfragen. Dies gilt ebenso für die Vergeschlechtlichung. Durch ethnisierende und kulturalisierende Zuschreibungen, bezogen auch auf ihre Männlichkeit, erfahren George und Mustafa eine zweite Vergeschlechtlichung.

Sie wird im Gegensatz zu der Ersten bewusst(er) erleb.....

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Weiter gilt festzuhalten, dass beide Männer Männlichkeit anhand ähnlicher Bereiche ausmachen und definieren, sie aber unterschiedlich gewichten. Familie und Beruf stellen dabei entscheidende Konstruktionsmodi dar.

Die Ausarbeitung zeigt, dass Zuschreibungen ethnischer Differenz häufig auch eine geschlechtliche Dimension haben. Dabei sind Männer und Frauen gleichermaßen betroffen, werden aber mit unterschiedlichen Vorurteilen konfrontiert. Zuschreibungen, die soziale Realität sind, müssen identifiziert und thematisiert werden. Nur so kann einer Homogenisierung bestimmter gesellschaftlicher Gruppen entgegengewirkt werden.


7. Literaturverzeichnis

Bednarz-Braun, Iris und Heß-Meining, Ulrike (2004): Migration, Ethnie und Geschlecht. Theorieansatz – Forschungsstand – Forschungsperspektiven. Wiesbaden.


Huxel, Kathrin (2006): Fremde Männlichkeiten? Zur Konstruktion von Geschlecht in biographischen Erzählungen von Migranten. Interkulturelle Studien 40. Münster.


Huxel, Kathrin (2008): Ethnizität und Männlichkeitskonstruktion. In: Baur, Nina und Luetke, Jens (Hrsg.): Die soziale Konstruktion von Männlichkeit. Hegemoniale und marginalisierte Männlichkeiten in Deutschland. Opladen. S. 61-78.


Meuser, Michael (2008): Ernste Spiele. Zur Konstruktion von Männlichkeit im Wettbewerb der Männer. In: Baur, Nina und Luetke, Jens (Hrsg.): Die soziale Konstruktion von Männlichkeit. Hegemoniale und marginalisierte Männlichkeiten in Deutschland. Opladen. S. 61-78.


Meuser, Michael (2006): Geschlecht und Männlichkeit. Soziologische Theorien und kulturelle Deutungsmuste.....

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[2] Die Interviews wurden von Katrin Huxel durchgeführt. Sie dienten als Forschungsgrundlage für ihre Arbeit „Fremde Männlichkeiten? Zur Konstruktion von Geschlecht in biographischen Erzählungen von Migranten“, erschienen im Jahre 2006 in Münster. Der Text ist wesentlicher Bezugspunkt dieser Ausarbeitung.


[3] bzw. früher Robert W. Connell

[4] Mit hegemonialer Männlichkeit bezeichnet Connell das aktuell weitgehend akzeptierte Konzept der Legitimation des Patriarchats. Dabei ist die hegemoniale Männlichkeit nach Connell gegenwärtig durch technisches Know-how oder Befehlsgewalt, die auch zusammenwirken können, bestimmt. Wichtig ist hierbei, dass Connell keineswegs Hegemonie notwendigerweise mit vollständiger Kontrolle gleichsetzt. (

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