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German studies

University, School

Universität Basel

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Parodie als Textform und literarisches Verfahren
Kleine schriftliche Arbeit


Inhalt

1    Einleitung . 2

2    Parodie als spezifische Textform 3

3    Parodie als Verfahren (Strategie zur Differenz) . 7

1        Einleitung

Cardelle de Hartmann kommt in ihrer Untersuchung zur Parodie in den Carmina Burana zu folgendem Schluss:

In den Carmina Burana erscheint die Parodie als eine Form der intertextuellen Bezugnahme, die gleichzeitig auf der Analogie mit und auf der ausgestellten Differenz zu der Vorlage basiert. Diese kann ein einzelner Text sein oder eine Textreihe, aus der gemeinsame Elemente (zum Beispiel charakteristische Szenen oder Figuren) aufgenommen werden. Die Analogie zwischen parodistischem Text und Vorlage kann in sprachlicher und stilistischer Ähnlichkeit bestehen oder inhaltlicher Natur sein, indem Stoffe, Diskurse oder Motive übernommen werden.[1]

Im Folgenden möchten wir besser verstehen, inwiefern die Parodie eine „Form der intertextuellen Bezugnahme“ ist, die sich sowohl als Analogie wie auch als Differenz zur Vorlage verhält. Cardelle de Hartmann unterscheidet zwei Möglichkeiten, wie der literaturwissenschaftliche Begriff der Parodie bestimmt werden kann.[2] Einerseits (a) als spezifische Textform und (b) als literarisches Verfahren.

Wir verstehen Letzteres besser, wenn wir verstehen, inwiefern es nicht (a) eine spezifische Textform ist. Wir wenden uns im ersten Kapitel deshalb der Gruppe der Forschenden, die den Begriff der Parodie als eine spezifische Textform bestimmen. Wir werden sehen, dass diese Auffassung, die hauptsächlich dem 19. Jahrhundert entspringt, für die Literatur des Mittelalters wenig geeignet ist.

Im zweiten Kapitel wenden wir uns der Idee zu, dass der literaturwissenschaftliche Begriff der Parodie keine spezifische Textform sondern ein literarisches Verfahren bezeichnet.


2        Parodie als spezifische Textform

Lehmann, als paradigmatisches Beispiel der ersten Gruppe, versteht Folgendes unter Parodien:

Ich verstehe hier unter Parodien nur solche literarischen Erzeugnisse, die irgendeinen als bekannt vorausgesetzten Text oder — in zweiter Linie — Anschauungen, Sitten und Gebräuche, Vorgänge und Personen scheinbar wahrheitsgetreu, tatsächlich verzerrend, umkehrend mit bewusster, beabsichtigter und bemerkbarer Komik, sei es im ganzen, sei es im einzelnen, formal nachahmen oder anführen.[3]

Dass Lehmann die Parodie als spezifische Textform auffasst, zeigt er im ersten Teilsatz. Er versteht unter Parodien „literarische Erzeugnisse“, das heisst etwas, was erzeugt wurde und nun in einer Form vorliegt. Lassen wir literarisch-nicht-textliche Erzeugnisse ausser Acht, so können wir mit Lehmann sagen, dass ein bestimmter Text eine Parodie ist. Und noch mehr: der Text ist grundlegend dadurch bestimmt, dass er eine Parodie ist.

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Es kommt dem Text nicht bloss als weitere Eigenschaft zu, dass er eine Parodie ist (wie ein Text beispielsweise parataktisch oder hypotaktisch sein kann). Sondern er ist wesentlich Parodie. Das Sein des Textes ist das Parodie-Sein. Wir können das auch so ausdrücken, dass der Begriff der Parodie eine Seinsweise des Textes bezeichnet. Der Frage, was der Text ist, werden wir demnach nur gerecht, wenn wir den Text als parodistischer verstehen, das heisst wenn wir ihn in Bezug zu seiner Vorlage (dem Prätext) verstehen.

Wenn wir uns Walther von der Vogelweides Lied Ich will iemer singen vor Augen führen, können wir das sehen. Die Herausgeber der Gesamtausgabe, drucken dieses Lied im Kapitel Parodien – Interaktionen ab.[4] Das Lied ist dadurch bereits also Parodie klassifiziert. Dem Leser wird mitgeteilt, dass das, was hier abgedruckt ist, Parodien sind.

Der Herausgeber scheint mit Lehmann eine solche Parodie-Auffassung zu teilen, nach der unter „Parodie“ eine spezifische Textform verstanden wird. Wir haben gesagt, diese Texte sind grundlegend und wesentlich Parodie. Wir können an Walthers Ich will iemer singen besser verstehen, was das heisst. Der Text ist grundlegend Parodie, heisst, dass die Parodie den Grund (des Textes) bildet.

Der Grund ist das, worauf das andere steht. Wenn der Text wesentlich Parodie, können wir sagen, dass die Parodie das Wesen des Textes ausmacht. Das Wesen ist das, auf das sich das alles andere bezieht. Und nochmals: Der Grund ist das, worauf alles andere steht.

Das gilt auch für alle Weitere, was wir über das Lied sagen. Da das „literarische Erzeugnis“ als Ganzes die Parodie ist, ist es unmöglich, dass einzelne Teile nicht-parodistisch sind. Eine Abwandlung – wie die hier vierte Strophe, die gegenüber der Vorlage ergänzt ist – bezieht sich zwingend (insofern sie Abwandlung ist) ebenfalls auf die Vorlage.


Bedingungen für eine Parodie

Als nächstes führt Lehmann Bedingungen auf, unter denen ein Text eine Parodie ist. Die Bedingungen scheinen nur alle zusammen hinreichend zu sein, d.h. alle müssen erfüllt sein, so dass der Text als Parodie gelten kann. Ein Text ist nach obigem Zitat von Lehmann genau dann eine Parodie, wenn er

(ii)     diese Nachahmung scheinbar wahrheitsgetreu ist, (Schein) – tatsächlich aber

(iii)    verzerrend, verkehrend und beabsichtigt komisch ist. (Verzerrung/Komik)

Cardelle de Hartmann führt an, dass die hier dritte Bedingung in dem von Lehmann gesammelten und dargestellten Material in sehr unterschiedlichem Mass vorhanden ist.[5] Folglich können wie bei dieser Bedingung präzisieren, dass die Nachahmung entweder verzerrend, verkehrend oder komisch sein muss. Demnach gliedert Lehmann die Parodien weiter in „kritisierende, streitende und triumphierende Parodie“ (Verzerrung / Verkehrung) und „heitere, erheiternde, unterhaltende Parodie“ (Komik).

Die Nachahmung muss so sein, als ob sie wahrhaftig wäre. Nur so kann der Karneval auch Auflehnung sein – und nur so kann die Parodie verzerrend, distanzierend sein. Im „als ob“ liegt der Schein. Der Schein stellt das wahrheitsgetreu dar, wovon er sich distanziert.

Wovon sich die Parabel distanziert, ist sein Hypotext (Prätext), der die Parodie als spezifische Textform als bekannt voraussetzt. Gérard Genette entwickelt 1982 in Palimpsestes. La littérature au second degré genaue Begrifflichkeiten, Formen von Nachahmungen und Intertextualitäten voneinander zu unterscheiden. Ausgehend des Titels lässt sich die Beziehung der Parodie zu dem vorausgesetzten Text darstellen.

beschriebenes Pergament, seltener auch Papyrus, das durch Abwaschen, Abschaben oder Abreiben mit Bimsstein von der Schrift befreit und neu beschrieben wurde (dreimal beschriebenes Pergament wird als Codex ter rescriptus bezeichnet).[7]

Die Idee der Beziehung der Parodie zum Prätext, gedacht als Palimpsest, wird im Anblick eines solchen Pergaments deutlich.


A Georgian palimpsest from the 5th or 6th century.
[8]

„Der Hypotext schimmert gewissermaßen im Hypertext durch - deshalb das Bild des Palimpsests im Titel“, sagt Cardelle de Hartmann treffend.[9]  

Ich denke, die zweite Gruppe von Forschenden, die den Begriff der Parodie als literarisches Verfahren beschreiben, setzen hier an. Was ist dieses „durchschimmern“? Wie ist es zu verstehen? Diese Gruppe nimmt zudem auf, dass das Palimpsest-beschreiben eine Tätigkeit (ein Verfahren) ist, die sowohl das Abreiben wie auch das Neubeschreiben umfasst.

So schreibt Cardelle de Hartmann:

Begriffe wie Verzerrung oder Verlachen setzen die Herabwürdigung der Vorlage voraus, die erst nachgewiesen werden müsste, und auch die Komik erweist sich als schwer fassbar: Wegen der historischen Distanz ist es schwer nachzuweisen, ob etwas im Mittelalter als komisch galt.[10]

Wenn wir mit Lehmann die Parodie als spezifische Textform bestimmen, richten unser Interesse auf das Erzeugnis. Das wesentliche am Palimpsest, wie das obige Bild zeigt, ist allerdings seine Entstehung. Das Palimpsest ist wesentlich durch das Verfahren bestimmt, durch das es hergestellt wird. 

3        Parodie als Verfahren (Strategie zur Differenz)

Die zweite Gruppe der Forschenden unterscheidet sich nicht grundsätzlich von der ersten Gruppe. Beiden gemeinsam ist die Idee der Intertextualität bzw. der Beziehung eines Hypertexts zu einen Hypotext. Die Gruppen unterscheiden sich jedoch hinsichtlich dessen, wie diese Beziehung zur Parodie steht. Während Lehmann davon spricht, dass die Parodie als Bedingung „einen (als bekannt vorausgesetzten) Text mindestens nachahmt“, schreibt Cardelle de Hartmann, dass in den Carmina Burana die Parodie als „eine Form der intertextuellen Bezugnahme“ erscheint.

Die Bezugnahme der Parodie ist durch Analogie und Differenz bestimmt. Wir müssen daher verstehen, was es heisst, dass A zu B analog ist. Die Analogie ist eine Form vom Gleichheit. Wenn wir sagen, dass A analog zu B ist, sagen wir, dass A in einer bestimmten Hinsicht gleich ist wie B. Zwei weitere Formen von Gleichheit, von denen die Analogie unterschieden werden soll - ist einerseits diejenige, dass A zu B äquivok (wie das Geldinstitut gleich "Bank" ist wie die Sitzgelegenheit) ist, andererseits eine univoke Gleichheit (wenn zwei (Regentropfen) im selben Sinn gleich sind).

Die Analogie jedoch, ist eine Verschiebung. Wir können das an Metaphern sehen, die Analogien sind. Wenn wir das Kamel als Wüstenschiff bezeichnen, so tragen wir das Schiff in einen anderen (ihm fremden) Kontext. In der Wüste gibt es keine Schiffe und es kann keine geben. Es liebt eine Verschiebung des Schiffs in einen neuen (sandigen) Kontext vor.

Das zweite Element parodistischen Schreibens ist die Markierung der Differenz. Es findet nicht bloss eine Verschiebung statt, sondern die Verschiebung wird hinsichtlich der Differenz der "Lebensbereiche" selbst thematisch. Das parodistische Schreiben besteht wesentlich in einer Markierung der Differenz. So führt Cardelle de Hartmann als weitere Strategie die Verkehrung  an:

eine Figur kann sich zum Beispiel so verhalten, dass Konventionen auf den Kopf gestellt werden, oder ein Text kann in einen Kontext gesetzt werden, der die ursprüngliche Aussage in ihr Gegenteil verkehrt.[12]

So ist die Parodie unabhängig der Komik bestimmt. Eine Parodie erscheint nicht als Text, der einen anderen herabwürdigend-lächerlich macht. Die Parodie ist vielmehr eine Beziehung und Bezugnahme von Texten zu anderen, und zwar eine solche, die wesentlich durch eine Analogie gekennzeichnet ist, die die Differenz selbst thematisch macht.

[2] Ich beziehe mich im Folgenden auf Cardelle de Hartmann, C. (2014). Parodie in den Carmina burana. Zürich : Chronos Verlag. S. 17-28

[3] Lehmann, zit nach de Hartmann a.a.O., 18.

[4] Walther von der Vogelweide, hrsg., übers. und kommentiert von Günther Schweikle. Werke. Suttgart : Reclam.

[5] Ibid. 18

[6] Ibid. 19

[7] Harald Olbrich (Hg.), Lexikon der Kunst. Band 1: Mosb - Q, Leipzig: Seemann 1993, S. 24437

[8] "Georgian paliphsest V-VI cc" by Unknown - Licensed under Public Domain via Wikimedia Commons.

[9] Ibid. 21

[10] Ibid. 25

[11] Ibid. 26.

[12] Ibid. 26.


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