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German studies

University, School

Ludwig-Maximilians-Universität München - LMU

Grade, Teacher, Year

1,7 Dr.Hettche, 2012

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Literarische Analyse der Gedichte „Aufschub“ und „Sklaveninsel“ von Günter Eich

Seminararbeit:

Literarische Analyse der Gedichte

„Aufschub“ und „Sklaveninsel“ von Günter Eich

07.September 2012

Ludwig-Maximilians-Universität München

Institut für Deutsche Philologie

Sommersemster 2012

(4.Fachsemester)                                     LA Gymnasium

Inhaltsverzeichnis:

1.         Einleitung & Vorwort .3

2.         Bearbeitung des Gedichts „Aufschub“ 4

            2.1       Günter Eichs Afrikareise .4

            2.2       Literarische Analyse des Gedichts „Aufschub“ 9

3.         Bearbeitung des Gedichts „Sklaveninsel“ .9

            3.1 Ankunft auf der „Sklaveninsel“ Gorée .9

            3.2 Die Historie Gorées .10

            3.3 Literarische Analyse und Vergleich des Gedichts „Sklaveninsel mit „Aufschub“

                  unter Bezugnahme auf die Erstfassung von „Sklaveninsel“ .10

4.         Resümee 14

5.         Literaturverzeichnis .15

1. Einleitung & Vorwort

Gegenstand dieser Seminararbeit wird die Interpretation der Gedichte „Aufschub“ und „Sklaveninsel“ von Günter Eich sein. Beide Gedichte stehen in direktem Zusammenhang und entstanden während einer Reise Eichs und seiner Ehefrau Ilse Aichinger nach Westafrika. Die Gedichte sollen in dieser Arbeit, wenn möglich, an entsprechenden Stellen in Relation gesetzt und interpretiert werden.

Im Zuge der Reise verfasste Eich ebenfalls die der Prosasammlung „Maulwürfen“ zugehörigen Stücke „Salz“, „Nach Bamako“ und „Zu Schiff“, welche hier jedoch nicht weiter von Relevanz sein werden.

Bevor ich mit der Gedichtanalyse beginne, möchte ich zunächst einige publizierte Meinungen und Überlegungen von Susanne Müller-Hanpft zur interpretatorischen Herangehensweise an Eichs Werke vorbringen. Das beabsichtige ich deshalb, weil Eichs Arbeit für mich als Studierenden per se nicht immer einfach zu durchschauen bzw. zu verstehen ist und war.

Im Laufe meiner Recherchen fand ich zudem heraus, dass Eich sein Werk und Schaffen nie im Sinne einer Interpretationshilfe kommentiert hat.

Müller-Hanpft schreibt: „[ .]Dem gegenüber haben sich Schriftsteller wie Samuel Beckett und Günter Eich stets geweigert, Aussagen über ihre künstlerischen Werke zu machen. [ .]“[1]

Nur in seinem Text „Der Schriftsteller vor der Realität“, aus dem Ausschnitte, laut Müller-Hanpft, seit Langem ständig wiedergegeben werden und seitdem als Interpretationshilfen angesehen werden, hat Eich je poetologische Aussagen zu seinem Werk gemacht. Des Weiteren erklärt sie: „[ .]Das bedeutet, dass der Interpret, der Rezipierende, die Unsicherheit, die er mit dem künstlerischen Produkt hat, verschleiert, indem er zu verstehen vorgibt was ihm vom Autor selbst vorgeschrieben wird. [ .] Der Rezipierende sieht seine Augabe erschöpft, wenn er das Anliegen des Autors im Werk erkannt und verstanden zu haben glaubt.“[2]

Diese Aussage von Müller-Hanpft erscheint mir ein wenig überspitzt, sie trifft jedoch durchaus den Kern des, auch von mir, beschriebenen Problems: Eich in einer bestimmten Weise verstehen und interpretieren zu wollen. Vor diesem Hintergrund also, soll meine Arbeit vor Allem der Versuch einer Interpretation sein.

2. Bearbeitung des Gedichts „Aufschub“

2.1 Günter Eichs Afrikareise

Günter Eich unternahm mit seiner Ehefrau Ilse Aichinger im April 1966 eine Reise nach Westafrika, sprich nach Nigeria und Mali; insbesondere jedoch in den Senegal, um die Insel Gorée zu besuchen. Gorée ist eine der senegalesichen Haupstadt Dakar vorgelagerte Insel und war in der Zeit der Versklavung in Westafrika, ein Umschlagplatz zur Verschiffung von Sklaven in die Neue Welt.

Auf der Reise dorthin und vor Ort entanden die beiden Gedichte „Aufschub“ und „Sklaveninsel“, sowie die drei Prosastücke aus den „Maulwürfen“: „Salz“, „Nach Bamako“ und „Zu Schiff“.

Das Gedicht „Aufschub“ lautet wie folgt:

            AUFSCHUB

1          Wir wollen die Fragen

2          aufheben, bis wir nach Dakar kommen,

3          verlassen uns auf fremde Sprachen

4          und Meeresfrüchte.

5          Wir fragen die Delphine nach ihren Erfahrungen

6          und wie sies den Sternen sagen würden,

7          .....[read full text]

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Die fremden Sprachen verstärken diesen Eindruck, denn Sprachunkenntnis kann dazu führen, sich der Situation hinzugeben, da sie kaum beeinflussbar ist und man nicht(s) versteht. Zudem kann auch der Genuss des Reisens und die Abgabe von der alltäglichen und der hier, man möchte sagen, hausgemachten Last, die das Fragenstellen mit sich bringt, gemeint sein. Hier wiederum würde die zweite Bedeutung des Wortes „aufheben, also „egalisieren“, am ehesten zutreffen.

Die Fragen werden zunächst als nichtig erklärt, so dass man sich gänzlich unbelastet, wie oben genannt, hingeben kann. Die Nennung der Meeresfrüchte in Zeile vier könnte diese Annahme stützen. Essbare Meerestiere stellen für viele Kontinentaleuropäer, wie sie Eich und Aichinger unbestritten waren, einen Inbegriff von Urlaub und Ferne dar. Führte man noch den im englischen Sprachraum erweiterten Bedeutungsrahmen von Meeresfrucht ein, also seafood, so wären alle (essbaren) Tiere aus dem Meer gemeint – auch Säuger.

In Zeile fünf tritt ein solcher Meeressäuger in Form der Delfine in Erscheinung. Man verlässt sich auf die Meeresfrucht „Delfin“. Die Kommunikation des Menschen mit der Natur stellt ein von Eich beliebtes Thema dar. Sabine Bucheit formuliert dies so: „[ .] In Eichs [ .] Lyrik werden Gespräch und Kommunikation immer wieder thematisiert und die Möglichkeit der Vermittlung zwischen Menschen sowie die Bezugnahme zwischen Mensch und Natur problematisiert. [ .]“[4]

Die Antwort auf die Fragen wird, wie Zeile fünf schon verrät, diesen Tieren überlassen. In den Zeilen 14 und 15 wird dies schließlich unterstrichen. Der Delfin gilt seit jeher als ein symbolisches Tier und ist, wie die aktuelle Forschung des 20. und 21. Jahrhunderts in zahlreichen Versuchen erkannt hat, ein außergewöhnlich intelligenter und lernfähiger Säuger – besonders in der Kommunikation mit den Menschen.

Das lyrische Wir bittet die Delfine, ihm ihre Erfahrungen mitzuteilen. Den Delfinen wird damit eine gewisse Weisheit unterstellt: der Delfin als weitgereistes Wesen, das schon viel gesehen und auch erfahren hat. Man möchte wissen, „wie sies den Sternen sagen würden“. Die Fähigkeit mit den Sternen zu kommunizieren, wird den Delfinen möglicherweise ebenso zugetraut, und zwar, um den Sternen zu sagen, „was rechts und links sei“.

Delfine orientieren sich im Meer mit Hilfe ihres Sonarsystems, ganz im Gegensatz zum Menschen, der sich früher, auf See, an den Sternen orientierte. Bis heute gelten Sternenkonstellationen in der Schifffahrt als relativ sichere Navigationshilfe. Nun aber sollen die Delfine die menschengemachte und willkürliche Klassifikation von Richtungen, also „links“ und „rechts“, den Sternen erklären.

Hier zeigt sich ein bei Eich beliebtes Motiv. Eich war auch Sprachphilosoph, indem er sich intensiv mit der Semantik auseinandersetzte. Hier also sollen die Delfine zwischen zwei grundverschiedenen Bedeutungs- bzw. Richtungssystemen als eine Art Vermittler oder auch Übersetzer fungieren; ingesamt eine sehr hoffnungsvolle Erwartung an die Delfine. Die Rolle der weitgereisten Wesen wird in den Zeilen acht und neun weiterentwickelt.

Das lyrische Wir traut den Delfinen, als Bewohner des Meeres, zu, dass ihnen der ominöse Tod des amerikanischen Dichters Hart Crane im mexikanischen Golf „überliefert“ sei. Der Delfin ist hier mit dem Menschen intellektuell quasi auf Augenhöhe. Dem Delfin wird unterstellt, eine Erzähltradition zu besitzen. Ob Eich ein besonderer Anhänger Cranes war, lässt sich nicht nachprüfen.

Während der Schiffsreise nach Westafrika mag Eich wohl der Gedanke an seinen verschollenen Kollegen gekommen sein, dessen Tod, nach weitverbreiteter Meinung, nur Selbstmord gewesen sein kann. „[ .]and committed suicide by leaping from the deck of the S. S. Orizaba somewhere off the Florida coast just before noon on April 26, 1932.[ .]“[5]

Doch dem lyrischen Wir stellen sich weitere Fragen und hier könnte man einen Sinnabschnitt innerhalb des Gedichts festmachen:  die „anderen Fragen, die zu Lande entstehn“, in Zeile elf, setzen einen klaren Kontrast. Durch die Verwendung des Wortes „Land“ wendet das lyrische Wir den Blick in die entgegengesetzte Richtung, weg vom Me.....

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Hier schließt sich ein Kreis. Wie schon in den Zeilen eins und zwei geschrieben ist, „Wir wollen die Fragen aufheben“, will man die Fragen als solche zwar, nun jedoch muss ein Anderer das Fragenstellen übernehmen. Fraglich ist, ob diese Entwicklung zum Desinteresse hin, der Last der Fragen – und deren schiere Zahl, es wurden schließlich Tagebücher damit gefüllt – zuzuschreiben ist, oder ob die Fragen tatsächlich nur zurückgehalten werden, bis zur Ankunft in Dakar.

3. Bearbeitung des Gedichts „Sklaveninsel“

3.1 Ankunft auf der „Sklaveninsel“ Gorée

Mit der Ankunft in Dakar bzw. Gorée ließe sich durchaus eine Überleitung von „Aufschub“ zu „Sklaveninsel“ herstellen. Sind die Fragen, welche, bis auf in der zweiten Strophe von „Aufschub“, nicht weiter konkretisiert werden, für den Besuch auf der Insel vorgesehen? Werden Fragen nach Gründen gestellt? Es scheinen Fragen von belastendem Charakter zu sein, sonst wäre der Drang, sie aufzuheben und aufzuschieben, nicht so stark.

Die Fragen werden zwar angenommen, jedoch für sich behalten werden. Blickt man auf die tragische Geschichte Gorées, so würde dieser Aufschub der Fragen, ob der historischen Last, verständlich. Man würde die Antworten nicht ertragen. Angekommen am Ort des Geschehens, können die Fragen, schlicht und ergreifend, nicht mehr gestellt werden.

Das Gedicht „Sklaveninsel“ lautet wie folgt:

            SKLAVENINSEL                                                     Erstfassung:[6]

1          Geschichte gilt nicht,                                                    Geschichte gilt nicht,

2          wir wollen schuldig bleiben.                                       .....

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Dass der Titel „Sklaveninsel“ sich auch aus dem Inhalt des Gedichts erschließen könnte, ist erkennbar. Mit der Hintergrundinformation der Afrikareise Eichs aber, lässt sich auch der eindeutige Bezug auf Gorée herausstellen.

Besonders augenfällig ist in diesem Gedicht die erneute Verwendung des Plurals des lyrischen Ichs, wie es auch in „Aufschub“ verwendet worden ist. Auch hier gehe ich davon aus, dass es sich um Eich und seine Frau handelt. Hierbei hat das „wir“, wie im Laufe  der Ausarbeitung des Gedichts noch ersichtlich wird, eine noch verallgemeinernde Wirkung.

Es wirkt wie ein Appell an den Leser und bezieht ihn durch die persönliche Betroffenheit des lyrischen Wirs stärker mit ein. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es sich bei der im Gedicht beschriebenen Schuld um die verwerfliche Versklavung und Verschiffung tausender Afrikaner in die Neue Welt handelt.

In Zeile eins wird sofort jegliche Entschuldigung, eben für die Zeit der Versklavung von Afrikanern, die mit der Vergangenheit erklärt wird, abgeschmettert. „Geschichte gilt nicht,“ heißt es da. Dieser harsch klingende Satz stellt gleich zu Anfang klar, wie mit der Schuld umgegangen werden soll: offensiv und fast schon masochistisch.

Das lyrische Wir nimmt hierbei eine Schuld auf sich, welche vor hunderten von Jahren, von ihm völlig unbekannten Menschen, auf sich geladen worden ist.

Die Entschuldigung der Taten soll so bald auch nicht entreten, denn das „Wir“ will „schuldig bleiben“ (Z.2). Hier ist es interessant, Eichs Erstfassung von 1966 zu Rate zu ziehen, denn in dieser heißt es noch „wir wollen schuldig sein“. Eich entschied sich demzufolge nachträglich für die weitaus drastischere Formulierung. „Schuldig bleiben“ beinhaltet nicht nur die Schuld anzunehmen, sondern eben auch die (Opfer-)Bereitschaft, sie nicht mehr abzugeben.

Ebenfalls bemerkenswert ist die Platzierung der Zeile „wir wollen schuldig bleiben“. In der Erstfassung war sie noch als Schluss des Gedichts vorgesehen, nun findet sie schon an zweiter Stelle Platz, was in Zusammenhang mit der ersten Zeile beinahe wie eine Präambel für den Rest des Gedichts wirkt. Egal, was auch passiert, man wird und will schuldig beliben Fast schon trotzig wirk der Ausspruch, schuldig bleiben zu wollen, gerade so als wäre es von unbekannter Stelle eigentlich untersagt worden.

Das Wollen unterstreicht die bedingungslose Annahme der Schuld. Ganz im Gegensatz zu „Aufschub“ bleiben hier keine Fragen offen. Die Schuld ist wohl zu eindeutig. Wie in „Aufschub“ fällt die Verwendung von „wir .....

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Man lässt die Wahrheit, in ersterem Fall die Antworten, nicht an sich rankommen, behält die Fragen in seinem Inneren und verbleibt in Wartestellung.

In dieser Wartestellung zählt nun lediglich ein Fokus: der Blick „aufs Meer“ (Z.5). Durch den Umstand, dass diese beiden Wörter alleine stehen, friert der Lesestrom des Rezipienten gleichsam ein und lässt auch seinen Blick „aufs Meer“ verharren. Das Meer einerseits als eintöniges und doch wiederum stetig wechselndes Panorama, kann einigen Raum zum Nachdenken, Gedenken und Erinnern bieten.

Die Aufforderung, innezuhalten und den Blick aufs Meer zu richten, soll so lange geschehen, „bis wir zu zittern beginnen“ (Z.6). Hier können wohl zwei Ursachen für das Zittern in Frage kommen. Zum Einen ist da der Umstand des Verharrens per se. Bei wenig bzw. keiner Bewegung kühlt der Körper erfahrungsgemäß ab. Eine Folge könnte demnach rein physischer Natur.

Wahrscheinlicher ist allerdings, dass die emotionale und psychische Komponente einen weitaus maßgeblicheren Anteil an der körperlichen Reaktion, in Form von Zittern, trägt oder tragen soll. Die Erschütterung ob der folgenschweren Vergangenheit des Ortes, soll so tief in das Innere des Betrachters dringen, dass sein Körper reagiert. Allerdings wird das Verharren und das sich Überlassen mit Hilfe des Wortes „beginnen“ auch ein wenig eingeschränkt.

Man erträgt nur so lange, bis das Zittern begonnen hat. Ob dieser Zustand weiter ausgehalten werden muss bzw. soll, wird nicht erwähnt.

Die Vorstellung, welche sich nun bildete, während man durch die Türe hinausstarrte, wird in den beiden letzten Zeile präsentiert. „Dort stoßen wir sie auf die Schiffe“. Zwei Aspekte ziehen hier besondere Aufmerksamkeit auf sich: die bewusste Verwendung des Tempus’ Präsens in Verbindung mit dem Personalpronomen „wir“.

Das Präsens untermalt die bis in die Gegenwart reichende Schuld. Noch weitreichender ist hingegen die Wirkung des „Wirs“. Es soll der Eindruck enstehen, dass man sich noch in diesem Augenblick, schuldig macht und persönlich am Leiden der Sklaven Schuld trägt. Diese Sklaven werden, außer in Verbindung mit dem Titel, allerdings nicht wörtlich erwähnt. Auch heute nach mehreren Hundert Jahren.

Unterstrichen wird das Ausmaß des Leids und der Brutalität, mit der damals vorgegangen wurde, durch das Wort „stoßen“. Das Wort beinhaltet eine stark gewälttätigen Konponente und drückt zudem die Wehrlosigkeit der Sklaven aus, welche sich gegen diese Handlungen nicht auflehnen (können). Zudem gibt man, wenn man stößt, eine bestimmte Richtung vor. Die Richtung ist klar: .....

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Allgemein lässt der Vergleich mit der Erstfassung erkennen, dass Eich die Wirkung des Gedichts, speziell im Hinblick auf das Schuldempfinden, wohl noch erhöhen wollte. Dies wurde unter Anderem eben durch Auslassen, Ersetzungen oder Umformulierungen erreicht.

4. Resümee:

Die gemeinsame Entstehungsgeschichte der Gedichte „Aufschub“ und „Sklaveninsel“ und deren gemeinsame Nennung in den verwendeten Gedichtbänden- und Sammlungen, zeigt, dass durchaus ein Zusammenhang zwischen beiden besteht.

Insbesondere durch die Motive der „Fragen“ und „Schuld“ in den beiden Gedichten lässt sich eine inhaltliche Brücke schlagen. Die Fragen werden sozusagen im Reisegepäck mit in den Senegal genommen. Dort angekommen allerdings, bleibt kein Raum mehr für sie. Die Schuld ist zu offensichtlich und erdrückend.

Als Zeitzeuge des Zweiten Weltkriegs hat sich Günter Eich in seinem Werk sehr häufig mit der Schuldfrage auseinander gesetzt. Im Fall der beiden Gedichte „Aufschub“ und „Sklaveninsel“ begleitet Eich die Frage nach Schuld auch auf seiner Reise und wird auf der Fahrt dorthin sowie auf Gorée zum Thema. Zeitlebens wurde Günter Eich immer wieder vorgeworfen während der Zeit des Dritten Reichs nicht deutlich vom Nationalsozialismus distanziert zu haben, sogar quasi als Unterhaltungsliterat tätig gewesen zu sein.

Nichtsdestotrotz setzte sich Eich in seinem Werk, mal direkt, mal weniger direkt, mit der Folgenschwere und den Geschehnissen .....

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