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Specialised paper
Biology

University, School

St. Ursula Gymnasium, Dorsten

Grade, Teacher, Year

1-, 2012

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Text by Siegfried T. ©
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Gymnasium St. Ursula . Dorsten

Lernen vor dem Hintergrund der Neurophysiologie und die praktischen Konsequenzen

Inhaltsverzeichnis

1 . Einleitung

2 . Neuronale Informationsverarbeitungsstrukturen

2.1 Das menschliche Gehirn

2.1.1 . Funktion

2.1.2    Anatomie

2.2       Nervenzellen

2.2.1    Aufbau

2.2.2    Weiterleitung

3          Lernvorgänge und ihre Bedingungen

3.1       Definition „Lernen“

3.2       obligatorisches Lernen

3.3       fakultatives Lernen

3.3.1    Habituation

3.3.2    Sensitivierung

3.3.3    Priming

3.3.4    perzeptuelles Lernen . 13

4          Lernspeicher 13

4.1       Kurzzeitgedächtnis 14

4.2       Langzeitgedächtnis 15

5          Lern- und Gedächtnistest 18

5.1       Aufbau . 18

5.2       Durchführung 19

5.3       Auswertung 20

6          Fazit 22

Literaturverzeichnis . 24

Abbildungsverzeichnis . 25

Anhang 26

Erklärung . 29

 

1        Einleitung

„Lernen vor dem Hintergrund der Neurophysiologie- und die praktischen Konsequenzen". Die Themenwahl für meine Facharbeit fiel mir nicht sehr schwer: da ich mich für die Biologie in ihrer Komplexität interessiere und mich mit einem Thema befassen wollte, dass über den schulischen Biologieunterricht hinausgeht, doch auch weil mich Gehirnvorgänge beziehungsweise die Hirnforschung anspricht, fand ich das Thema passend.

Den Aspekt des Lernens vor diesem Hintergrund zu untersuchen lag für mich nahe, da ich mich in meinem Schüler- Dasein so gut wie jeden Tag mit dem Thema "Lernen" konfrontiert sehe. Die Facharbeit bot sich mir als eine gute Gelegenheit, diesem spannenden und mysteriösen Thema ein bisschen mehr auf die Spur zu kommen. Doch zunächst gilt es, den Begriff der Neurophysiologie und des Lernens zu definieren.

Der Begriff „Neurophysiologie" beinhaltet im Grunde zwei Wörter. Das Neuron ist der Fachbegriff zur Nervenzelle, die Physiologie befasst sich mit den Lebensvorgängen der Pflanzen, Tiere und des Menschen. Daraus ergibt sich folgende Definition zur Neurophysiologie: sie ist ein Teilgebiet der Physiologie und untersucht die Funktionen des Nervensystems. Den Begriff des Lernens zu definieren, gestaltet sich schwieriger, denn es gibt viele verschiedene Definitionen und Aspekte des Lernens.

Im Rahmen meiner Facharbeit möchte ich diese untersuchen und gehe in 3.1 konkret auf eine Definition ein.

         

Die Grundlage eines jeden Lernprozesses lässt sich durch eine sogenannte Black Box beschreiben. Diese stellt vereinfacht und schematisch die Reizaufnahme durch ein Sinnesorgan oder einen Rezeptor dar, afferente Nervenzellen leiten die Erregung bis zum Zentralnervensystem weiter. Die Verarbeitung geschieht durch die motorischen oder efferenten Nervenzellen, welche die Information zum Effektor beziehungsweise Erfolgsorgan leiten und für die Reaktion auf den Reiz verantwortlich sind.

Diese Schritte eines Lernprozesses werde ich in meiner Facharbeit näher untersuchen und aufdecken. Dabei gehe ich erst auf die neuronalen Verarbeitungsstrukturen wie das Gehirn und das Neuron ein. Anschließend stelle ich Lernvorgänge und ihre Bedingungen vor, indem ich zuerst eine Definition zum Begriff des Lernens gebe und darüber hinaus zwischen obligatorischem und fakultativem Lernen unterscheide.

Um Erlerntes zu speichern bedarf es dem Gedächtnis, auf das ich in Punkt 4 eingehen werde. Die praktischen Konsequenzen des Lernens untersuche ich mit meinem Lern- und Gedächtnistest und komme danach zu einem Fazit.

2        Neuronale Informationsverarbeitungsstrukturen

2.1      Das menschliche Gehirn

2.1.1      Funktion

Das Gehirn bildet den im Kopf befindlichen Teil des Zentralnervensystems.

Es ist zuständig für die individuelle und hochdifferenzierte Verarbeitung von Sinneseindrücken und steuert komplexe Verhaltensweise. Somit ist es der "Hauptintegrationsort" für jegliche Informationen, die der menschliche Organismus im  Laufe seines Lebens aufnimmt und verarbeitet.

2.1.2      Anatomie

Längsschnitt durch den Kopf nahe der Nasenscheidewand und Horizontalschnitt durch den Kopf in Höhe der Augenhöhle.[1]

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  1. Großhirn                                      
  2. Balken
  3. Thalamus
  4. Hypothalamus
  5. Hypophyse
  6. Zirbeldrüse
  7. Kleinhirn
  8. Pons (Brücke)
  9. verlängertes Rückenmark
  10. Rückenmark
  11. Sehnervenkreuzung
  12. weiche Hirnhaut
  13. innere Halsschlagader
  14. Schädelknochen
  15. Wirbelsäule

Das menschliche Gehirn eines Erwachsenen wiegt im Durchschnitt 1300 Gramm und  besteht aus Milliarden von Nervenzellen, die alle miteinander vernetzt sind. Diese hohe Komplexität ist Voraussetzung für die mannigfaltigen und vielseitigen Prozesse des menschlichen Denkens und Steuerns. Trotz der komplexen Struktur des Gehirns sind doch klar voneinander abgegrenzte Teile zu erkennen, die sich sowohl nach ihrer Anatomie, als auch nach ihren Funktionen deutlich unterscheiden lassen.

Das Gehirn besteht im wesentlichen aus fünf Teilabschnitten: dem Großhirn, welches 80% des gesamten Hirnvolumens einnimmt und den am höchsten entwickelten und komplexesten Bereich des Gehirns darstellt. Das Großhirn ist „Ursprung aller bewussten Handlungen, Sammelstation der bewussten und unbewussten Sinneseindrücke, Sitz des Gedächtnisses, der Sprachbildung und des Sprachverständnisses, der Motivation und der Emotionen".[2]

Außerdem wird das Telencephalon in das limbische System, welches wiederum in die zwei Hemisphären unterteilt ist, und die dies umgebende Großhirnrinde (Cortex) unterteilt. Hier befinden sich die Zellkörper der Nervenzellen, die Axonen der Neuronen bilden die weiße Substanz im Inneren des Großhirns.  

Das vom Großhirn umstülpte Zwischenhirn umfasst den Thalamus und den Hypothalamus. Der Thamalmus ist die zentrale Sammelstelle für  alle Sinnesinformationen und ist somit das wichtigste Zentrum für unbewusste Prozesses der Sinneswahrnehmung. Von hier erfolgt die Steuerung des unbewussten Verhaltens wie beispielsweise emotionale Aspekte der Sprache und Mimik.

Der Hypothalamus dagegen ist Steuer- und Regelzentrum für Körperfunktionen und ist eng mit dem Hormonsystem verknüpft. So werden von hier aus der Biorhythmus und die Körpertemperatur reguliert.

Das Mittelhirn „enthält die Zentren für die Aufnahme und Verarbeitung sensorischer Informationen."[3]  Hier münden die Informationen von Gehör und Augen. Das Kleinhirn ist widersprüchlich zu seinem Namen der zweitgrößte Teil des menschlichen Gehirns. Es dient der Koordination von Bewegungsabläufen und Bewegung im Raum und sorgt somit ständig für fließende Bewegungsabläufe und die Einhaltung des Gleichgewichts.

Den fünften Teil der Grundstruktur des Hirns nimmt das Nachhirn ein. Es ist in das Rückenmark und die Brücke unterteilt. Es ist Ursprungs- und Zielgebiet für alle Hirnnerven und somit von wichtiger und zentraler Bedeutung, Vegetative Funktionen wie die Kontrolle der Atmung und der Verdauung werden kontrolliert und gesteuert. Demnach erscheint die hohe Komplexität und immense Bedeutung des Gehirns evident.

Die Nervenzellen (Neuronen) unterscheiden sich durch zahlreiche Fortsätze von anderen Zellen, die sie benötigen, um nachgeschaltete Neuronen, Drüsen-oder Muskelzellen zu erregen oder zu hemmen und um Erregungen von Rezeptoren der Sinnesorgane aufzunehmen und weiterzuverarbeiten.

Das Neuron kann in verschiedenen Formen im Zentralnervensystem (Rückenmark und Gehirn) auftreten und ist eine elementare Einheit der Informationsverarbeitung und Speicherung im Gehirn.

2.2.1      Aufbau

Obwohl das Neuron in unterschiedlicher und vielseitiger Art und Weise auftritt, haben alle Neuronen doch "drei Bauabschnitte mit speziellen Funktionen gemeinsam".[4]

Den Zellkörper bildet das Soma mit einem Durchmesser von 0,01 bis 0,1 Millimetern. In diesem sind Zellorganellen wie Zellkern, Mitochondrien und dem rauen endoplasmatisches Retikulum (ER) mit vielen Ribosomen enthalten. Der Zellkörper ist von einer schützenden Zellmembran begrenzt, die sowohl zur Abgrenzung der Zelle nach außen, als auch der Kommunikation mit Nachbarzellen dient.

Die Oberfläche des Somas ist durch sogenannte Dendriten, astartige Verzweigungen, die zur Aufnahme von Informationen dienen, stark vergrößert.

Der Zellkörper geht über in einen langen Zellfortsatz, dem Axon oder Neurit, über das Impulse vom Soma zur Periphere schnell und zielgerichtet übermittelt werden können. Markhaltige Nervenfasern sind von einer Myelinschicht umgeben, die durch Ranvier- Schnürringe unterbrochen werden.[5]

Dieser spezielle Aufbau ermöglicht die saltatorische Erregungsleitung, auf die ich in 2.3.1 noch genauer eingehen werde. Das Axon verzweigt sich in Kollaterale, die an ihrem Ende Axonendknöpfchen besitzen. Diese ermöglichen die Informationsübertragung zu benachbarten Zellen.

Das Endknöpfchen bildet zusammen mit der Zellmembran der Empfängerzelle die Verbindungsstelle zwischen zwei Neuronen. Diese Kontaktstelle nennt sich Synapse. Hier findet die Signalübermittlung durch elektrische oder chemische Impulse statt.

2.2.2      Weiterleitung

Die Weiterleitung von Informationen innerhalb unseres Organismus erfolgt durch hochkomplexe Verschaltungen der Nervenzellen. So enthält jedes einzelne Neuron Informationen von circa 10000 anderen Nervenzellen und gibt gleichzeitig diese an andere Zellen weiter. Die Übertragung von Erregung erfolgt an den Synapsen, jenen Kontaktstellen, an denen das Endknöpfchen des ersten Neurons die Erregung chemisch an die Empfängerzelle weiterleitet.

Für die Weiterleitung eines Aktionspotentials ist eine Umpolung der Ladungsverhältnisse vom Inneren (negative Ladung) und dem Äußeren (positive Ladung), dem Ruhepotential, eines Neurons verantwortlich.

Die Ursache dieser Spannungsänderung kann nur eine Änderung der Ladungsverhältnisse sein. Dies wird durch das Diffundieren der Ionen durch die Zellmembran hervorgerufen.

„Das Maximum der so entstehenden Spannungsdifferenz zum Ruhepotential ist das Aktionspotential“.[6]

Damit ein Aktionspotential erzeugt werden kann, muss der Schwellenwert der Nervenzelle durch die Somaspannung überschritten werden.

Bei einem niedrigen Schwellenwert werden zu jeder Zeit Aktionspotentiale erzeugt, von denen ein jedes einkommende ein ausgehendes Aktionspotential bewirkt. Liegt der Schwellenwert entsprechend hoch, „müssen die Somaspannungen mehrerer einkommender Aktionspotentiale addiert werden, um ihn zu überschreiten“.[7] Bei einem sehr hohen Schwellenwert benötigt das Neuron mehrere einkommende Aktionspotentiale für ein einzig ausgehendes. „Axone reagieren nach dem Alles- oder- Nichts- Prinzip“.[8]

Ein jedes Aktionspotential wird von Schnürring zu Schnürring eines Axons weitergeleitet. Die Signalweiterleitung durch das Axon erfolgt dann folgendermaßen:

Bildet sich ein Aktionspotential am ersten Schnürring durch den Einstrom von Natrium-Ionen, befindet sich der zweite Schnürring des Axons noch im Ruhezustand. Sobald nun der Natrium Einstrom so groß ist, dass sich das Aktionspotential vollständig ausgebildet hat, entsteht eine Potentialdifferenz am zweiten Schnürring.

Gleichzeitig muss am ersten Schnürring eine Refraktärzeit einsetzen, in der das Aktionspotential durch eine weitere Spannungsumpolung wieder zum Ruhepotential umgesetzt wird, welches dazu führt, dass die Signalweiterleitung erst nach einer kurzen Ruhepause wiederholbar ist.[9]

    

saltatorische Erregungsleitung[10]

3        Lernvorgänge und ihre Bedingungen

Im nächsten Kapitel meiner Facharbeit werde ich zunächst den Begriff des Lernens genauer betrachten und definieren. Anschließend werde ich die verschiedenen Lernvorgänge genauer voneinander differenzieren. Dabei werde ich zwar das obligatorische Lernen kurz ansprechen und erläutern, doch werde ich nicht genauer darauf eingehen, da es den Rahmen meiner Facharbeit sprengen würde und auch nicht zu meiner Definition in 3.1 passt.

Unter dem fakultativen Lernen werde ich ausgewählte Lernvorgänge wie Habituation, Sensitivierung, Priming und perzeptuelles Lernen untersuchen.

3.1      Definition „Lernen“

Lernen. Ein sehr komplexer und vielschichtiger Begriff, für den es nicht leicht ist, eine passende und hinreichende Definition zu finden. Im Allgemeinen bedeutet Lernen mehr als das Studieren und Beschäftigen mit Büchern und Texten.[11]

Nach dem Psychologen Rainer Sinz ist Gedächtnis „phänomenal nicht zu trennen von Lernen; physiologisch wird Lernen häufig geradezu unter Gedächtnisbildung subsummiert.“[12]

Oft verwendete Elemente einer Lerndefinition sind:

Lernen als Verhaltensänderung und Lernen als Modifikation neuronaler Strukturen, wie wir bereits unter Punkt 2.2.2 feststellen konnten. Man kann also Lernen „als die Fähigkeit definieren, auf Erfahrungen mit Veränderungen des Verhaltens zu reagieren.“[13]  Dies beruht „auf wiederholten Erfahrungen mit einer Situation und kann nicht auf angeborene bzw. genetisch festgelegte Reaktionstendenzen, Reifung oder vorübergehende Zustände zurückgeführt werden.“[14]

Dieser Aspekt der Definition ist relevant für den Unterpunkt des obligatorischen Lernens, auf den ich im nächsten Kapitel kurz eingehen werde.

3.2      obligatorisches Lernen

Unter obligatorischem „Lernen“ umfasst man angeborenes Verhalten. „Als angeborenes Verhalten definiert die Verhaltensforschung die Verhaltensweisen, die bei normalen Entwicklungsbedingungen ausreifen und ohne Lernprozeß vom Organismus beherrscht werden.“[15]

Jedes Kleinkind beginnt im Laufe seiner ersten Lebensjahre einen aufrechten Gang zu proben und endet meist erfolgreich. Weitere Beispiele für obligatorisches Lernen sind haptische Fähigkeiten wie Körperkoordination oder Reflexe. Obligatorisches Lernen findet sich demnach nicht nur bei uns Menschen, sondern bei allen Lebewesen. Ein gutes Beispiel bei den Tieren ist die Prägung auf das Muttertier oder die Fähigkeit auf  zielführende Nahrungssuche zu gehen.

3.3      fakultatives Lernen

Fakultatives Lernen ist zwar entbehrlich, jedoch trotzdem ein großer und wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Es umschreibt jegliche Lernprozesse unseres Alltags und kann unter anderem in das assoziative, das nicht assoziative, das kognitive und das sozial kognitive Lernen unterteilt werden. Durch Erläutern der Lernformen der Habituation, Sensitiverung, Priming und des perzeptuellen Lernens beziehe ich mich nur auf den nicht- assoziativen Aspekt des Lernens.

Doch vorerst möchte ich genetisch veranlagte  „Lerndispositionen“[16] nennen, die Grundlage für einen jeden Lernprozess sind. K.H. Skrzipek erläutert die „Lernmatrix“[17] als solche, als dass „die Art des Lernens, die Lernkapazität und der Bereich, in dem gelernt wird“[18] genetisch fixiert sind. Außerdem macht er deutlich, dass einfache Lernformen durch komplexere, assoziative Prozesse gesteigert und ergänzt werden, „so daß die Lernkapazität, allgemein gesehen, zunimmt und die Verhaltensbereiche, die durch Lernen modifiziert werden können, einen immer größeren Raum einnehmen.“[19]

3.3.1      Habituation

Allgemein wird Habituation als das Nachlassen einer Reaktion auf einen spezifischen Reiz, der wiederholt aufgenommen wird, definiert. Das heißt jedoch nicht, dass eine Abschwächung der allgemeinen Reaktionsfähigkeit vorliegt, sondern lediglich „eine spezifische Veränderung der Reaktionsbereitschaft auf den wiederholt dargebotenen Reiz“[20] stattgefunden hat.

Nach Thompson und Spencer (1966) kann Habituation durch die Reizintensität, die Häufigkeit der Reizwiederholung und die Spontanerholung charakterisiert werden.[21] Lebewesen habituieren demnach schneller auf Reize geringerer Intensität als auf stärkere Reize. Auch die Häufigkeit der Wiederholung eines Reizes spielt eine große Rolle, wobei hier nicht klar definiert ist, wie oft der Reiz wiederholt werden muss, damit eine Habituation eintritt.

Darüber hinaus kann es auch zu einer sogenannten Spontanerholung kommen. Daher führt ein einziger Habituationsprozess nicht zu einer dauerhaften Verhaltensänderung.

3.3.2      Sensitivierung

Bei der Sensitivierung handelt es sich praktisch um das Gegenteil der Habituation. Es kommt bei stetiger Reizwiederholung nicht wie im Fall der Habituation zu einer Verringerung der Reaktion, sondern die ursprüngliche Reaktion wird intensiver. Bedingung dafür ist allerdings, dass während der Reizdarbietung im Organismus eine hohe physiologische Aktivierung vorliegt.[22]

Nach Thompson und Glanzmann (1976) es ist unklar, ob Sensitivierung als ein eigenständiger Lernvorgang angesehen werden kann. Doch handelt es sich mit Sicherheit um einen Prozess, der andere Lernvorgänge erheblich beeinflussen kann. Als Beispiel dafür stehen Phobien und Ängste, die durch Sensitivierung hervorgerufen werden können. Sicher ist also auch, dass bei dem Prozess der Sensitivierung die Grundstimmung der Person- ob nun angespannt oder fröhlich- eine ausschlaggebende und zentrale Rolle spielt.

Beispiel: Nehmen wir wieder das Beispiel der Person auf, die kürzlich umgezogen ist. Mittlerweile hat sie sich eigentlich an das Geräuschpensum nachmittags gewöhnt und lässt sich dadurch nicht mehr beeinträchtigen. Doch eines Tages hat diese Person Schwierigkeiten mit ihrer Facharbeit voranzukommen und ist daher angespannt und gereizt. Auf die Geräusche vom Sportplatz reagiert die Person säuerlich.

3.3.3      Priming

Priming ist eine wichtige Form des unbewussten Lernens und kann deutliche Auswirkungen auf Einstellungen und Verhalten haben. Durch eine einmalige Präsentation eines Reizes wird die anschließende Verarbeitung desselben oder eines verwandten Reizes erleichtert. Priming kann dadurch erklärt werden, dass durch einen ersten Kontakt mit einem Reiz „Netzwerke aktiviert werden, die der Wahrnehmung, Identifikation und Verarbeitung der zugehörigen Begriffe dienen.“[23]

Auch nicht leicht zu identifizierende Reize können durch Priming und somit vorher hergestellten Verknüpfungen leichter erkannt und verarbeitet werden.

Beispiel: Die Person hat nach 20 Jahren Schulabschluss ein Ehemaligen- Treffen an der alten Schule. Leider erkennt sie keines der alten Gesichter und kann sich nur schwerlich die vielen Namen und Biografien merken. Nach dem Treffen begegnet sie Anne, einer Ehemaligen, ein weiteres Mal im Supermarkt und die beiden halten einen kleinen Plausch. Beim nächsten Ehemaligen- Treffen wird sich die Testperson besser an Anne, als an die anderen Gesichter erinnern können.

Dabei umfasst diese Lernform zwei zentrale Aspekte: die Veränderung von Reaktionen und Leistungen und die Erleichterung der Beschaffung von neuem Wissen in Zusammenhang mit einem Objekt. Den Vorgang des perzeptuellen Lernens nimmt der Mensch nicht bewusst wahr, er läuft automatisch ab und ist dem Menschen oftmals eine große Hilfe bei Lernprozessen.

Perzeptuelles Lernen erleichtert also durch Erfahrungen mit der Wahrnehmung und Identifikation mit einem ähnlichen Reiz den Erwerb von neuem Wissen über ein gleiches Objekt.[25]

So ist es viel leichter, eine neue Technik im Badminton zu erlernen, wenn man dieses schon einigermaßen beherrscht, als dass man eine ganz neue Sportart erlernen muss. Es lässt sich schließen, dass dieser Lernvorgang ein universelles Phänomen bei einer jeden Spezies, ob Mensch oder Tier, ist. Ein weiterer wichtiger Aspekt, der erst perzeptuelles Lernen ausmacht ist, dass ein Reiz allein nicht ausreicht, um Verknüpfungen oder Unterschiede zwischen Reizen feststellen zu können.

4        Lernspeicher

„Das Gedächtnis dient der Aufnahme, Enkodierung, Speicherung, Modifikation und dem Abruf von Informationen. Seine vielfältigen Funktionen erfordern die Beteiligung verschiedener Regionen des Gehirns."[26]

Lange Zeit war die Ansicht verbreitet, dass das Gedächtnis einen festen Platz im Gehirn hat. Heute gilt es jedoch als nachgewiesen, dass nahezu alle Partien in unserem Gehirn an der Informationsverarbeitung und an dem Gedächtnisaufbau beteiligt sein können. Das vom Menschen Erlernte wird im Gedächtnis über kurze oder lange Zeit verfestigt. Die Form der Informationsspeicherung lässt sich nach zwei Kriterien unterscheiden: dem Inhalt der Information und der Zeitspanne, in der sich die Information in unserem Gedächtnis einprägt.

Im Folgenden werde ich die zwei wichtigsten Gedächtnisformen nennen und erläutern und dabei auch auf die neurobiologische Grundlage des Kurz- und Langzeitgedächtnisses eingehen.

                [27]

4.1      Kurzzeitgedächtnis

Das Kurzzeitgedächtnis lässt sich weiter unterteilen in das Ultrakurzzeitgedächtnis, auch sensorisches Gedächtnis genannt, und dem Kurzzeitgedächtnis.


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