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Homework
Applied Linguistics

University, School

Georg-August-Universität Göttingen

Grade, Teacher, Year

2003, Joachim Grage

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Gedichtanalyse „Tränen des Vaterlandes“ von Einleitung Das Gedicht „Tränen des Vaterlandes“ von Andreas Gryphius ist ein Sonett aus dem Jahre 1636 und demnach aus der Barockzeit. Es beschreibt Deutschland zur Zeit des dreißigjährigen Krieges der während der Entstehung des Gedichts im Land tobte. Das Gedicht ist ein Antikriegsgedic­ht und wirkt auf mich auch depressiv und traurig. Gleichermaßen scheint es anklagend und warnend zu sein. In dem Gedicht erkannt man zwei stark einfließende Motive der Barockzeit wieder. Zum einen das „Memento mori“ (Bedenke das du sterben musst)  und das „Vanitas“ (Eitelkeit, Nichtigkeit, Vergänglichkeit­). Dies wird besonders im Vers  „hier durch die Schanz’ und Stadt rinnt allzeit frisches Blut“ deutlich. Inhaltswiederga­be In den ersten zwei Strophen beschreibt das lyrische Ich, was der 30 jährige Krieg in Deutschland angerichtet hat. Vielmehr, was die Soldaten an materiellen Schaden in den Städten und körperlichen Schaden an den Menschen angerichtet haben. Es spricht von Völkern, Schwertern und Geschützen die die fremden Soldaten beschreiben und von Kirchen und Rathaus als Beispiel für die Städte. Weiterhin schildert das Sonett wie die Männer (die Starken) getötet, die Jungfern (Frauen und Kinder)  geschändet und oder durch die Kriegsfolgen (Feuer und Pest) ums Leben kamen. In der dritten Strophe erzählt
Unterrichtsentw­urf Name: A. S. Ausbildungsschu­le: Friedrich-Abel-­Gym­nasium Vaihingen/Enz Fach: Deutsch erster Unterrichtsbesu­ch Fachleiter: Stufe JI Datum: Stunde: Mentorin: Betreuende Lehrerin: Thema der Unterrichtsstun­de: Die Geschichte in der Geschichte Thema der Unterrichtseinh­eit­: „Agnes“ 1. Unterrichtsvora­uss­etzungen Organisatorisch­e Rahmenbedingung­en: Die Kursstufe JI hat insgesamt zwei Doppelstunden Deutsch in der Woche. Diese finden mittwochs in der 3. und 4. Stunde sowie freitags in der 5. und 6. Stunde statt. Klassensituatio­n: Die Klasse ist durch eine heterogene Zusammensetzung gekennzeichnet. Während ungefähr ein Drittel der 22 Schülerinnen und Schüler1 regelmäßig mitarbeitet, bringen sich die weiteren zwei Drittel nur gelegentlich mit Beiträgen in sehr unterschiedlich­er Qualität ein. Vor allem einige Jungs aus den beiden hinteren Reihen brauchen hin und wieder einen persönlichen Anstoß, um sich aktiv am Unterricht zu beteiligen. In dem Kurs sind zwei Wiederholer, die aber gut integriert sind. Mustermann ist mit [.] Jahren der jüngste Schüler der Klasse. Er ist sehr intelligent und hat mehrere Klassen übersprungen. Er hat es daher auch nicht immer leicht mit den älteren Klassenkammerad­en, ist aber dennoch recht gut in die Klassengemeinsc­haf­t aufgenommen worden und wird von allen akzeptiert. Diagnostischer Aspekt:

Lars Gustafssons Roman „En biodlares död“


  1. Einleitung

Lars Gustafssons Roman „En biodlares död“ erzählt die Geschichte des krebskranken Volksschullehrers Lars Lennart Westin. Dieser verbringt seine letzten Tage in einer einsamen Hütte im schwedischen Västmanland, der Heimat des Autors.

Gepeinigt und gequält von zeitweise starken Schmerzen, beginnt Westin auf sein bisheriges Leben zurückzuschauen und es zu analysieren. Immer weiter entfernt er sich dabei von seiner eigentlichen Vergangenheit, denn Schmerz und Hoffnung sind von nun an seine ständigen Wegbegleiter. Schmerzempfinden und die Beschreibung seiner körperlichen Schmerzen sind das zentrale Thema des Romans, an dessen Ende unweigerlich der Tod wartet.

Westin beschreibt die Veränderungen, die in seinem Körper vorgehen so eindringlich, dass die Verbindung, die zwischen Körper und Geist besteht, deutlich hervortritt.

Gustafsson widmet sich somit in diesem Werk einem Thema, dass in der Literatur bis zu diesem Zeitpunkt eine eher untergeordnete Rolle gespielt hat. Zwar sind Liebesschmerzen, Sehnsuchtsqualen und der körperliche Schmerz als Mittel der Bestrafung häufig verwendete Motive, doch ist der körperliche Schmerz an sich ein in der Literatur selten dargestelltes Thema.

Und obwohl Gustafsson als Literat sowohl in Skandinavien, Deutschland und den USA vielbesprochen ist, so behandelten dennoch nur wenige Rezensionen die Schmerzdarstellung in seinem Roman „En biodlares död“ umfassend.

Auch wenn dieser Roman sicher zu einer Vielzahl verschiedener Analysen einlädt und der Leser geradezu gestoßen wird, seinen eigenen Weg zu gehen, oder wie Lars Grahn meint: „Det är precis som om man i hans böcker inbjuds till att precis här och nu uppfinna både tänkandet och talandet på nytt.“[1] – so liegt der Schwerpunkt dieser Arbeit dennoch auf der Bedeutung und der Darstellung der Schmerzen im vorliegenden Roman.

Analysiert werden in einem ersten Schritt die formale Darstellung sowie die Probleme und Grenzen der Schmerzdarstellung. Im weiteren geht es um die Bedeutung der Schmerzen im physiologischen Sinn und um die Auswirkungen dieser auf Westins Psyche. Es wird auf die Frage eingegangen, was die Schmerzen für Lars selbst bedeuten und wie er im Verlauf der Erzählung damit umgeht.

Vorrangig ist es somit das Schmerzmotiv, welches näher beleuchtet werden soll. Dennoch sollen auch andere formale Besonderheiten und kritische Ansätze des Romans ebenso mit einfließen.

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Lars Gustafssons Roman En biodlares död
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  1. En biodlares död – Einordnung in das Gesamtwerk Gustafsson

Der Roman „En biodlares död“ bildet das abschließende Werk in Gustafsson Pentalogie „Sprickorna i muren“. 1978 erscheint das Buch und wird genau wie auch die vier vorhergehenden Romane von dem Leitsatz „Vi börjar om igen. Vi ger oss inte.“[2] geprägt.

Dennoch stellt der Roman laut Ulrike Christine Sander eher eine Ausnahme innerhalb dieses Romanzyklus dar, denn anders als in den vorausgegangenen Werken, seien hier die biographischen Parallelen nicht so stark ausgeprägt. Dies werde auch darin deutlich, dass sich das primäre Verfasser-Ich bereits auf den ersten Seiten des Buches von seinem Leser verabschiedet und sich auf diese Weise deutlich von seiner fiktiven Romanfigur abgrenzt, um so die größtmögliche Distanz zwischen sich selbst und der Hauptfigur Lars Lennart Westin zu schaffen.[3]

Trotz dieses Bruches innerhalb dieser Romanfolge sind auch in diesem Werk Gustafssons eine Reihe biographischer Züge wiederzuentdecken. So heißt auch hier die Hauptfigur Lars und ist ebenso wie ihr Schöpfer am 17. Mai 1936 in Västmanland, Schweden geboren.[4]

Doch in diesem Buch herrscht, wie Lothar Baier es ausdrückt, „strengste Erzähldisziplin“, denn bereits im Prolog „ .zieht Gustafsson zwischen sich und der Figur Lars Lennart Westin einen dicken Trennungsstrich. Er will nur als Herausgeber der Aufzeichnungen auftreten, die Westin hinterlassen hat.“[5]

Gerade diese „Herausgeberfiktion“[6], wie Sander es nennt, ist der große Unterschied gegenüber den vorhergehenden Romanen. Gustafsson versucht hier anhand fiktiver Notizbuchaufzeichnungen, die genau benannt, datiert und teilweise auch charakterisiert sind, sich als Autor vollkommen zurücktreten zu lassen, um von nun an die Regie in die Hand seiner Romanfigur Lars Lennart Westin zu legen: „Den röst ni kommer att få höra från och med nu är hans, inte min, och därför tar jag avsked av er här.“[7]

  1. Darstellung der Schmerzen

3.1.  formale Darstellung der Schmerzen

Am häufigsten bedient sich Gustafsson bei der Darstellung der Schmerzen ganz einfach dem Mittel der Beschreibung. Zum ersten mal konkret taucht der Schmerz auf, als Lars Lennart Westin mit seinen Kindern, die ihn in den Sommerferien besuchen, Badminton spielt. Zunächst glaubt er, dass es sich um einen Hexenschuss handelt, doch die Schmerzen sind so intensiv, dass er im sich im gleichen Augenblick fragt: „Men finns det ryggskott som gör så djävla ont att man får blodsmak i munnen?“[8]

An dieser Stelle charakterisiert er die Schmerzen bereits in einer sehr heftigen Art und Weise und mit einem durchaus sehr starken Wort wie „djävla“, dass in der Umgangssprache häufig im Zusammenhang mit Flüchen und Schimpfwörtern gebraucht wird.

Etwas später beschreibt er seinen Schmerz als taub und an einigen Tagen auch brennend oder pulsierend. Detailgenau geht er darauf ein, an welcher Stelle des Körpers er einsetzt und wie er sich fortsetzt.

Besonders kennzeichnend ist auch die gleich zu Beginn beschriebene Episode, als Westin beschreibt, wie sein eigener Hund ihn nicht erkennt. Der Leser ahnt bereits an dieser Stelle, dass das Verhalten des Hundes in einem Zusammenhang mit der Krankheit Westins stehen könnte, doch der Bienenzüchter selbst spekuliert in eine ganz andere Richtung.

Denn schließlich gibt er zuletzt eine Erklärung, die ihm zwar vollkommen wiedersinnig vorkommt, die er aber trotz dessen erwähnt: „Det finns naturligtvis en förklaring till men den är så stollig att jag inte kann tro på den. Att jag helt plötsligt börjar lukta annorlunda, på något jädrans subtilt sätt som bara hunden kan känna.“[9] Er scheint also dennoch zu glauben, dass der Hund auf irgendeine Art und Weise spürt, dass es mit der Gesundheit seines Herrn nicht zum besten steht.

Auch hier verwendet er wieder ein Wort wie „jädrans“, dass sich sprachlich auf einer anderen Ebene befindet, als die Worte, die er sonst verwendet und ganz sicher in eine Kategorie fällt, die sonst nicht zu seinem Umgangston gehört.

Fast ebenso oft wie die Beschreibung taucht in Zusammenhang mit dem Schmerz der Vergleich auf. Seine tiefe Verbundenheit mit der Natur und die Verwurzelung in seiner Heimat lassen Westin die Schmerzen mit einer Landschaft vergleichen: „Smärtan är som ett landskap.“[10] Man könnte nahezu von einer Synästhesie sprechen als er beschreibt, wie er auf seinen Spaziergängen bemerkt, wie die Landschaft um ihn herum eine seltsame Farbe durch diesen Schmerz bekommen hat und wie bestimmte Bäume, die er passiert, besonders wehtun.[11]

Worte wie „ton“, „frekvenser“, „svängningstal“, „ackord“[13] lassen den Schmerz als etwas technisches, unnatürliches erscheinen, so dass dem Leser bewusst wird, wie automatisiert das Schmerzempfinden an dieser Stelle der Krankheit bereits ist und wie sehr er sich bemühen muss, dem Leser verständlich zu machen, wie heftig er doch diesen Schmerz empfindet.

An anderer Stelle verwendet er dazu das Bild des Wasserfalls. Nach einer sehr intensiven Schmerzattacke „strömt“ der Schmerz jetzt nur noch dahin: „Det är som om den hade passerat något slags förfärligt vattenfall och nu är vi i bakvattnet, i de svarta långsamma virvlarna på andra sidan igen.“[14] Hier gelingt es Gustafsson förmlich dem Leser ein Aufatmen, fast eine Erleichterung zu entlocken, denn mit Hilfe dieses Vergleichs veranschaulicht er, wie stark doch der Schmerz gewesen sein muss, wenn er jetzt, nur noch dahindümpelnd, Westin eine solche Befreiung beschafft.

Am kraftvollsten, beeindruckendsten – vielleicht aber auch am hoffnungslosesten wirkt die Liste, in der Lars die Kunstarten nach deren Schwierigkeitsgraden sortiert. Angefangen von Erotik über Musik, Lyrik, Dramatik und vieles mehr, ordnet er insgesamt 28 verschiedene Künste in diese Aufzählung ein.

Es gelingt Gustafsson mit einer Vielzahl von Bildern, Vergleichen und Beschreibungen den Schmerz für den Leser in einer Form darzustellen, dass es eindringlicher fast nicht mehr geht. Er vermeidet dabei jedoch, dass auf irgendeine Art und Weise Mitleid entsteht. Ebenso wenig handelt es sich um das Jammern und Winseln eines alten Mannes, der am Ende seines Lebens mit Schmerzen kämpft – es ist schlichtweg eine einfache, nüchterne und ganz besonders anschauliche Art, dem Leser den Schmerz deutlich zu machen: „Die Beschreibung der zunehmenden und nachlassenden Schmerzen ist überzeugend und zeigt noch, wo sie sich bis ins Unerträgliche steigern, einen Willen zu Proportion und Analyse.“[17]

3.2.  Probleme der Schmerzdarstellung


Gustafsson versucht, wie im vorhergehenden Kapitel verdeutlich, den Schmerz mit Hilfe von Beschreibungen, Metaphern und Vergleichen darzustellen. Dennoch stoßen sowohl Autor als auch Leser unweigerlich auf das Sprachproblem, denn Sprache kann trotz allem den Schmerz nicht darstellen. Schließlich fühlen wir keinen körperlichen Schmerz beim Lesen des Buches.

Zwar gibt es Worte, um den Schmerz zu beschreiben, dennoch kann man sich nie vollkommen sicher sein, dass die mit Worten gesendete Botschaft beim Empfänger 1:1 ankommt. Weiterhin fragt sich Lars Lennart Westin sogar: „Kanske är det för att två människor kan se samma färg, men två människor omöjligt kan känna samma smärta?“[19] Besonders deutlich tritt das Sprachproblem in der kleinen, in der Erzählung integrierten Geschichte „En värld där sanning härskar“ hervor.

Gustafsson beschreibt hier eine Zivilisation, weit weg auf einem Planeten im Universum, die sich direkt mit der Wirklichkeit befasst ohne symbolische Zwischenschaltungen. D.h. es gibt dort keine Sprache in unserem Verständnis und die Kommunikation läuft eine vollkommen andere Art und Weise ab: „På denna planet har uttrycket ´en kraftfull retorik´ verkligen en innebörd.

Vill man t. ex. säga ´en solvarm sten´ finns det bara ett sätt. Det är att lägga en solvarm sten i handen, eller rättare sagt, i klon på den person man talar med.“[20]

Kurz charakterisiert Gustafsson diese Idee als: „ .en värld där symbolen hela tiden sammanfaller med tinget .“[21]

In einer solchen Welt wie der Autor sie hier beschreibt, gäbe es wohl keine Probleme bei der Darstellung der Schmerzen, es gäbe keine Missverständnisse und jedem wäre vollkommen klar, wie dieser Schmerz, dem Westin ausgesetzt ist sich anfühlt. Ganz deutlich ist an diesem Beispiel spürbar, dass der Mensch sich mit Hilfe seiner Sprache nicht so intensiv mitteilen kann und immer etwas im verborgenen bleibt.

Die Grenzen der Sprache werden hier ganz besonders deutlich.

Ganz im Gegensatz dazu scheint Gustafssons früheres Werk „Die Maschinen“ zu stehen, denn hier kommt er zu der Auffassung, „[ .]daß die Sprache etwas vollkommen Durchsichtiges ist, das unsere Gedanken ohne Rest ausschöpft.“[22] Und obwohl dies in absolutem Widerspruch mit der zuvor beschriebenen Geschichte „En värld där sanning härskar“ steht, kommt Gustafsson laut Lothar Baier am Ende dennoch zu der Einsicht, dass die Sprache als Apparat zwar durchsichtig und erklärbar sein mag, ihre Bedeutung aber ein Geheimnis bleibt.[23]

Und diese Zuordnung funktioniert nur über Regeln, über die in der Gesellschaft eine Übereinkunft herrscht.[24]

  1. Bedeutung der Schmerzen

4.1.  physiologische Bedeutung von Schmerz


Schmerz ist eine Empfindung des Körpers, die mehr oder weniger heftig und quälend erlebt wird. Sie soll den eigenen Körper bei Schädigungen des Organismus warnen. Dennoch scheint diese Alarmfunktion unvollkommen zu sein, da gerade lebensbedrohliche Organveränderungen wie zum Beispiel Krebs erst in fortgeschrittenem Zustand Schmerz verursachen.[25]

In früheren Zeiten wurde „ . der Körper lange Zeit als natürlich, biologisch konstant und mithin geschichtslos [ .]“[26] betrachtet, doch allein die Tatsache, dass man mit einer Reihe typischer Adjektive versucht, Schmerzen zu charakterisieren und zu beschreiben, beweist, dass der im Gegenteil ein sehr instabiles System sein kann.

Im allgemeinen unterscheidet man dann zum Beispiel brennende, stechende, krampfende, ziehende oder drückende Schmerzen.

Schmerz ist jedoch nicht nur als Schutzmechanismus des Körpers anzusehen, sondern durch ihn wird auch die Verbindung zur Umwelt aufrechterhalten. Im übertragenden Sinne gilt dies auch für Lars Lennart Westin. Er selbst verachtet zu Beginn die älteren Menschen und Patienten im Wartesaal des Krankenhauses, weil sie erst durch ihre Krankheit eine Identität erhalten: „Deras sjukdom ger dem en identitet.“[27] Er versteht nicht, warum diese Menschen nicht protestieren und sich widersetzen, gegen ihre Schmerzen und gegen das System, gegen die „Abfertigung“ im Krankenhaus.

Er beginnt, sein Leben von Kindheit an zu analysieren und wird immer tiefer in diesen Sog hineingezogen. Sein eigener Schmerz überlistet ihn sozusagen und zwingt ihn, sich auch mit der Umwelt in welcher er lebt zu beschäftigen.

4.2.  psychische Auswirkungen des Schmerzes auf Lars Lennart Westin

Wie auch die Hauptfigur des Buches so gelangt ebenso der Kritiker Per Qvale zu der Einsicht, dass das Schmerzerlebnis selbst die Voraussetzung dafür ist, dass wir das Nichtvorhandensein oder das Frei sein von Schmerz als das Paradies empfinden.[28]

Lars Westin selbst stellt sich nach seinem intensiven Schmerzempfinden das Paradies als eine „schmerzfreie“ Zone vor, wobei bei ihm nicht bloß das Nichtvorhandensein von Schmerz dieses Paradies charakterisiert, sondern vielmehr das Erlebnis des nachlassenden Schmerzes für ihn zum absoluten Glückserlebnis wird. Aufgrund seiner Krankheit erkennt Westin, dass diese intensiven Schmerzen für ihn zur Voraussetzung wurden, sein „ursprüngliches“ Paradies wiederherzustellen.

Es scheint somit zuerst, als habe der Schmerz eine Reihe sehr positiver Auswirkungen auf die Hauptfigur, doch indem Westin erkennt, dass das Frei sein von Schmerzen ein so befreiendes Gefühl ist, lebt er in der ständigen Angst, sie könnten wiederkehren. Er fürchtet, bangt und ahnt. Er hofft darauf, dass die Schmerzen verschwunden bleiben und beobachtet seinen eigenen Körper genau.

Diese ständige Furcht jedoch vor der Wiederkehr der Schmerzen wird zur Belastung, so dass tagtäglich für ihn nur noch die Frage zählt, wann der Schmerz wieder einsetzen wird.

Dennoch bleiben die aus den Schmerzen resultierenden positiven Auswirkungen vordergründig, da Westin sich ausführlich mit seiner eigenen Vergangenheit auseinandersetzt, sie analysiert, um die eigenen Handlungen zu verstehen und nachvollziehen zu können. „An seiner Krankheit [Westins] reflektiert Gustafsson mit Gleichmut die Wiedergewinnung einer verlorengegangenen Ursprünglichkeit der Empfindung und Wahrnehmung.“[30] schreibt Klaus Reitz.

Dem ist zuzustimmen, denn tatsächlich handelt ein beträchtlicher Teil des Buches von Westins Wiederentdeckung der eigenen Kindheit und Jugend. Er scheint sich teilweise regelrecht in seinen Erinnerungen zu verlieren, um dann schlagartig zur Wirklichkeit zurückzukehren und sich mit seiner Krankheit auseinanderzusetzen und ihr zu begegnen.

Dennoch stellt die Tatsache, dass er den Brief nicht geöffnet hat eine Art Widerstand, ein sich Widersetzen gegen die Krankheit dar. Mit dieser Handlung hält er anfangs die Hoffnung aufrecht, es könne sich um eine harmlose Sache wie Nierensteine o.ä. handeln. Doch im Verlauf der Handlung und mit dem Zunehmen der Schmerzen schwindet diese Überzeugung.

Schließlich leidet er unter der Angst vor der Wiederkehr der Schmerzen fast genauso, wie von den eigentlichen, tatsächlichen Schmerzen: „Nu lider jag precis lika mycket av rädslan för smärtan.“[32] Er beobachtet sich selbst, seinen Körper.

Täglich wartet er darauf, das die Schmerzen abermals einsetzen könnten und diesmal noch schlimmer sein könnten. Er beginnt zu philosophieren, so dass der Leser sich teilweise dazu verleitet fühlen könnte zu glauben, dass Westin im Wahn der Schmerzen redet. Rikard Schönström sieht den Grund für diese Fantasiereisen der Hauptfigur folgendermaßen: „Gustafsson tycks alltså i sista hand [ .] vilja visa på det faktum att verkligheten trotsar varje beskrivning eller gestaltning.


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