<
>
swopdoc logo
Download
a) trade for free
b) buy for 4.77 $
Document category

Term paper
German studies

University, School

Universität Leipzig

Author / Copyright
Text by Dorrit E. ©
Format: PDF
Size: 0.50 Mb
Without copy protection
Rating [details]

Rating 4.5 of 5.0 (6)
Live Chat
Chat Room
Networking:
0/2|0[-1.0]|2/27







More documents
Der Schriftsteller Franz Kafka unter besonderer Beobachtung des autobiografisch­en Einflusses in seine Werke Spezialgebiet Deutsch Inhalt 1.) Einleitung und Vorwort 3 2.) Kurze Biografie 3 3.) Problemkonstant­en 6 3.01) Das Vaterproblem 6 3.02) Minorität in einer Minorität: Kafkas Leben als „Ausgegrenzter“ 9 4.) Ausgewählte Werke Kafkas 9 4.01) Brief an den Vater 10 4.02) Die Verwandlung 14 4.03) Das Urteil 21 5.) Quellenverzeich­nis 25 1.) Einleitung und Vorwort Kafka verkörpert nicht nur großartige Literatur, sondern zeigt…
Inhaltsverzeich­nis Kafkas Schloss – Romantisch oder surrealistisch? Thema Seite 1. Abkürzungsverze­ic­hnis 2 2. Einleitung 3 3. Inhaltsangabe des Schloss-Romans 3-5 4. Definition und Merkmale der Romantik und des Surrealismus 5-6 und Gemeinsamkeiten und Unterschiede 5. Analyse von Kafkas Schloss hinsichtlich surrealistische­r 6-12 und romantischer Merkmale 6. Fazit 13 7. Quellen- und Literaturverzei­chn­is 14 8. Selbstständigke­it­s- und Einverständnise­rk­lärung 15 2 1. Einleitung Nur wenige Romane der…

Kunst- und Künstlerverständnis in Kafkas „Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse“


M.A. Germanistik / Kulturwissenschaften

9. Fachsemester


Inhaltsverzeichnis

1.   Einleitendes 3

2.   Selbstverständnis und Doppelleben. 4

2.1.    Zwischen Zionismus und Antisemitismus 5

2.2.    Schreiben – unersetzliches Versagen. 8

3.   Einzelner vs. Gemeinschaft 11

3.1.    Josefine. 11

3.2.    Das Volk der Mäuse. 12

4.   Musik und Weiblichkeit 15

5.   Fazit 17

6.   Literaturverzeichnis 18


1.     Einleitendes

Kafkas Erzählung „Josefine die Sängerin oder das Volk der Mäuse“ beschäftigt sich in reflektierter Weise mit dem Verhältnis von Künstler, seiner Kunst und seinem Publikum. Der Autor stellt in diesem letzten Text die zentralen Fragen, seine Kunstauffassung betreffend: Was ist Kunst? Was kann sie leisten? Kann sie verstanden werden? Welchen Platz hat der Künstler in der Gesellschaft? Kann er ernst genommen werden?

Kafka nimmt seine Künstlerfiguren selten ernst – sie werden als Tiere oder tierähnlich dargestellt (wie beispielsweise der Hungerkünstler oder natürlich Josefine), sind jedenfalls kein Teil der zivilisierten menschlichen Gesellschaft. Kunst als solches erscheint nicht als wertvoller Beitrag zur Gemeinschaft, höchstens kann das Ereignis des musikalischen Vortrags für eine Volksversammlung genutzt werden, bei dem kaum jemand noch wirklich zuhört.

Der Künstler ist lächerlich, er bildet sich einen Kunstanspruch ein, den er nicht erfüllen kann, der zumindest nicht verstanden werden kann, er bleibt für sich und findet keinen echten Anschluss. Josefine wirkt überzeichnet, geradezu hysterisch, sie wird zwar geduldet und genießt auch einen gewissen Status, der aber ungewiss ist, und letztendlich führen ihre kapriziösen Forderungen dazu, dass sie untergeht und vergessen wird.

Was sagt diese Gestaltung also über Kafkas Selbstverständnis als Künstler, wie ist seine Wahl einer weiblichen, tierischen, singenden Protagonistin zu bewerten und wie sind die Andeutungen auf das Judentum zu verstehen?

2.     Selbstverständnis und Doppelleben

Kafka selbst ist sich immer sicher, die Schriftstellerei nicht als Brotberuf betreiben zu wollen, es hätte seinem „Selbstverständnis des Schreibens widersprochen“[1] davon leben zu müssen, es also ganz offiziell zu seinem Lebensinhalt zu erklären. Dennoch ist ihm der Gedanke, seinen Posten in der Versicherungsanstalt irgendwann einmal gänzlich aufzugeben, nicht völlig fremd[2].

Er hat oft das Gefühl, die Arbeit im Büro würde ihm Zeit und Muße rauben, die er zum Schreiben und Reflektieren nötig gehabt hätte[3]. Seine Anstellung ist somit einerseits hinderlich, Kafka fühlt sich eingeengt und abgelenkt von seiner eigentlichen, eigenen Arbeit, als die er das Schreiben teilweise auch bezeichnet,[4] und dennoch benötigt er eben diesen gesellschaftlich anerkannten Beruf, um seine Existenz vor sich und seiner Umwelt zumindest scheinbar zu rechtfertigen.

Obwohl er also, anders als die stolze Josefine, niemals ernstlich darum bemüht ist, sein Leben durch die Schriftstellerei zu finanzieren, ist es ironischerweise, gerade in seiner finanziellen Notlage zum Lebensende, Josefine, die „ein bisschen helfen muss“, indem ihre Geschichte verkauft wird.[5]

Dieses „Doppelleben, aus dem es wahrscheinlich nur den Irrsinn als Ausweg gibt“[6] wirkt demnach auf Kafka genauso identitätsstiftend wie -zerstörend und es ist nicht verwunderlich, dass sich dieses dialektische Verhältnis auch in seiner Kunst wiederfinden lässt – so erscheint die Hauptfigur Josefine als ambivalent, einerseits wird sie bewundert, andererseits verständnislos belächelt.

Der  Erzähler der Geschichte, ebenfalls vermutlich einer aus dem Volk der Mäuse, ist bemüht, ihre Komplexität einzufangen und kann sie doch nicht fassen, nur ihre „niemals ganz geklärte Stellung“[7] feststellen, Josefine muss unverstanden bleiben. Untypisch für Kafka, dass ein Ich-Erzähler auftritt, und doch bezeichnend für die Reflektiertheit seine Spätwerks und dessen „unaufdringliche, zurückhaltende“[8] Art, die im Gegensatz zu stehen scheint zu der „dramatischen Intensität“[9] f.....[read full text]

Download Kunst- und Künstlerverständnis in "Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse" von Franz Kafka
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis
This page(s) are not visible in the preview.
Please click on download.
Download Kunst- und Künstlerverständnis in "Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse" von Franz Kafka
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis

So wird sein verunsichertes, oft von Selbsthass gekennzeichnetes Verhältnis zu allen Teilen seiner Identität deutlich. Vor Kafka breitet sich mit diesen Einflüssen und seiner eigenen Erfahrung also ein breites Spektrum an              (Vor-)Urteilen über die jüdische Kultur aus und er bedient sich dessen, verarbeitet sie, teils scheinbar ungefiltert, teils in seiner liebevollen Ausführlichkeit ironisch gebrochen.

Er gibt diesen Klischees innerhalb des Textes sehr viel Raum, greift sie immer wieder auf und betrachtet sie fast liebevoll von allen Seiten. Immer wieder werden Fragen gestellt, die die Natur des Volkes und seine Beziehung zu Josefine klären sollen, und immer wieder werden sie verworfen und neue Fragen kommen auf, der Erzähler wird nicht müde, sich damit auseinanderzusetzen und ergeht sich in den bereits thematisierten Reflexionen.

Hierin kann man vielleicht den Autor erkennen, der seine eigene Unsicherheit immer wieder durch Diskussionen[16], und im Text durch geschickte Frage- und Antwortspiele auszumerzen versucht. Er fühlt sich einerseits dem Judentum zugehörig, andererseits möchte er ihm entkommen[17], es zeigt sich wie so oft die für ihn typische ambivalente Haltung. Kafka ist demnach nie ein „programmatischer oder gar parteipolitischer Zionist“[18], erwägt allerdings gerade im Zuge seiner fortschreitenden Krankheit, nach Palästina auszuwandern[19].

Auch mit der Assimilation der vorherigen Generation und natürlich auch seiner eigenen beschäftigt er sich, wirft einerseits dem Vater seine „Traditionsvergessenheit“[20] vor, andererseits muss er die eigene Anpassung akzeptieren – und mit ihr das Schreiben in seiner Muttersprache Deutsch. Kafka bewegt sich zwischen den Polen dieser „kulturellen Orientierungssysteme“[21], entwickelt neben den „gesicherten Positionen von Assimilation und Zionismus“[22], also im weitesten Sinne zwischen der deutschen und der jüdischen Kultur, einen anderen, dritten Standpunkt, der allerdings von Unsicherheit geprägt ist.

Er beinhaltet die Notwendigkeit der Überwindung der Assimilation, genauso wie die Unmöglichkeit dessen[23], kann also zu keinem befriedigenden Ergebnis führen. Kafka selbst bezeichnet die deutsch-jüdische Literatur als „eine von allen Seiten unmögliche Literatur, eine Zigeunerliteratur“[24]. Demnach ist Kafka eben auch nicht vor dem oft zitierten „jüdischen Selbsthass“ gefeit, den auch schon Weininger, wohlgemerkt selbst aus jüdischer Familie und zum Protestantismus konvertiert, als typisch jüdisch verstanden haben will[25].

Auch Kafka äußert sich in ähnlicher Weise[26] und in mehreren Briefen, unter anderem an Max Brod und Milena Jesenská, kommt ein unverhohlener Antisemitismus zum Ausdruck, geprägt von Selbstgeißelung und Masochismus, in Aussprüchen wie „Um uns wächst der Antisemitismus, aber das ist gut“[27].

Für Kafka ist natürlich besonders die Sprache wichtiger Ausdruck der eigenen Identität und genau an diesem Punkt setzt unter anderem auch Wagner wieder an, wenn er schreibt, das typisch jüdische Sprechen wäre ein „zischender, schrillender, summsender und murksender Lautausdruck“[28] – ein fast tierischer also.

Die Verwendung der Tiermetapher in einem jüdischen Kontext ist für Kafka keine neue Methode der Verschlüsselung, aber gerade Mäuse, Ratten und anderes Ungeziefer wurden als „unterirdische Krankheitsüberträger“[29] im antisemitischen Diskurs oft mit Juden assoziiert. In den Lautäußerungen der Mäuse kann darüber hinaus der Bezug zum Jiddisch-Deutschen gesehen werden, das als „Mauscheln“ bezeichnet wurde.

Ursprünglich „wie Moses sprechen“[30] erinnert dieses Wort aber wohl nicht zufällig an das Volk der Mäuse und ihre Sprache, ein „Mäusedeutsch“.[31] Nimmt man eine solche Deutung für die Josefine-Erzählung an, könnte hier eher ein Bezug zur jüdisch-deutschen Bevölkerung als zum Judentum im Allgemeinen gesehen werden.[32] Kafka ist sich der besonderen Bedeutung dieser Sprachform sehr wohl bewusst und auch hier zeigt sich einmal mehr sein gespaltenes Verhältnis zum Deutsch-Jüdischen: so bezeichnet er das „Mauscheln“ in einem Brief an Brod als „die laute oder stillschweigende oder auch selbstquälerische Anmaßung eines fremden Besitzes, dem man nicht erworben, sondern durch einen (verhältnismäßig) flüchtigen Griff gestohlen hat“[33], vielleicht kann das „Mäusedeutsch“ der Geschichte also auch symbolisch für sein eigenes jüdisch-deutsches Sprechen stehen und das Gefühl, nirgends .....

Download Kunst- und Künstlerverständnis in "Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse" von Franz Kafka
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis
This page(s) are not visible in the preview.
Please click on download.
Download Kunst- und Künstlerverständnis in "Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse" von Franz Kafka
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis

Das Handwerk dagegen führt ihn zu den Menschen.“[41] Dem Judentum kann er nicht entkommen, so gespalten sein Verhältnis dazu auch ist, und so erwägt er, wenigstens das Stigma des Künstlers von sich abzustreifen – allerdings ohne Erfolg, beides haftet an ihm, zeichnet ihn aus und drängt ihn doch gleichzeitig immer wieder in die Außenseiterposition.

Es scheint, als wären dem Menschen Kafka alle Zugänge zu einem innerlich sicheren Dasein versagt und er verarbeitet diesen Zustand nicht nur theoretisch in seinen Briefen, sondern natürlich auch in seiner Kunst. Seine Existenz, oder besser: eine Legitimierung seiner Existenz als Jude und Künstler ist immer Thema in seinen Schriften und wird doch verhältnismäßig wenig beim Namen genannt.

Nach Kafka lebten die deutsch-jüdischen Schriftsteller „zwischen drei Unmöglichkeiten: der Unmöglichkeit nicht zu schreiben, der Unmöglichkeit deutsch zu schreiben, der Unmöglichkeit anders zu schreiben“[42], er fügt sogar noch die „Unmöglichkeit zu schreiben“[43] hinzu. Damit ist sein Dilemma treffend beschrieben, aber eben auch seine Inspiration, denn seine Literatur ist ja ohne diese inneren Konflikte kaum denkbar.

Der Künstler ist letztendlich die vollendete Version eines „paradigmatischen Einzelnen“[44], andere Figuren, wie Josefines Namensverwandter Josef K. aus dem „Prozess“ vielleicht eine Vorstufe. Es steckt wohl in allen Figuren Kafkas der unverstandene, jüdische Schriftsteller, anfangs zum Teil noch verborgener als zum Schluss.

Kafkas Hauptfiguren sind die Individuen im Gegensatz zur Macht der Gemeinschaft, die sich behaupten müssen, undurchdringlichen Strukturen gegenüber stehen. Sie versuchen, diese zu überwinden, zu durchschauen und scheitern daran.   Seine Texte behandeln dementsprechend oft den Gesetzesbegriff in seiner ganzen Unverständlichkeit und „anonymisierten Gewalt“[45], die Hilflosigkeit des Einzelnen gegenüber den äußeren Strukturen.

Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass es Kafka in seinem Kampf um die eigene Daseinsberechtigung ganz ähnlich ging, nicht umsonst kann gerade in seiner frühen Erzählung „Das Urteil“ der übermächtige, unterdrückende Vater als Vertreter dieser Gewalt angesehen werden.[46]

Wenn das Gesetz-Thema aber vor allem als Variation von Legitimierungsbemühungen einer Einzelnen verstanden werden kann, so ist das in den späteren Erzählungen auftauchende Problem der Kunst vielleicht „nur“ eine Erweiterung, Weiterführung des ersten[47]. Auch in diesem Bereich geht es um die zweifelhafte Möglichkeit einer „rechtmäßigen“ Existenz inmitten von Unsicherheit, hier ist sie – für den Künstler – vielleicht sogar zu erreichen, aber .....

Download Kunst- und Künstlerverständnis in "Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse" von Franz Kafka
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis
This page(s) are not visible in the preview.
Please click on download.
Download Kunst- und Künstlerverständnis in "Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse" von Franz Kafka
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis

Damit steht Josefine mit ihrer unverständlichen Kunst einer ihr unverständlichen Gesellschaftsstruktur gegenüber, die sie nicht zu durchschauen scheint, und versucht mit immer drastischeren Mitteln, ihre Forderungen durchzusetzen, „ihr Recht steht ihr außer Zweifel“ (S. 138). Im Gegensatz zum Autor scheint seine Hauptfigur keinerlei Konflikte mit dem eigenen Selbstwertgefühl zu haben, Probleme gibt es nur mit der Außenwelt.

Kafka hat also hier eine entscheidende Komponente seines persönlichen Kampfes herausgekürzt, seine Selbstzweifel und die innere Zerrissenheit.

Die Frage, ob Josefine selbst ihre Kunst vollständig versteht, kann nicht beantwortet werden, da sie ja selbst kaum zu Wort kommt – vielleicht ein Grund, warum es einen anderen Erzähler geben muss; die Unverständlichkeit der Kunst darf nicht angetastet werden, denn eben sie ist ihr entscheidendstes Merkmal.

Kafka lässt die singende Maus ihr Wesen und Streben vollkommen ernst nehmen und gibt sie damit zu einem gewissen Maß der Lächerlichkeit preis. Zwar darf über Josefine nicht gelacht werden, dennoch „fordert manches [an ihr] zum Lachen auf“ (Josefine, S. 128). Ihre übertriebenen, fast hysterischen Anflüge, die offensichtliche Fehleinschätzung der Situation und ihrer Macht werden von der Außenwelt

kaum ernst genommen. Dennoch wird sie, ob sie da ist oder schließlich verschwunden, in ihrer Eigenheit akzeptiert oder zumindest toleriert – allerdings eben auf Kosten einer eventuellen Glaubwürdigkeit. Ihr Gesang wird in Frage gestellt („Ist es denn überhaupt Gesang?“ S. 125 u.a.), und trotz eines anfänglichen Wohlwollens („Es gibt niemanden, den ihr Gesang nicht fortreißt“, S. 122) nimmt das Volk ihr letztendliches Verschwinden gelassen und „ohne sichtbare Enttäuschung“ (S. 140) auf.  Josefine kämpft verzweifelt, mit allen Mitteln, um Anerkennung, scheint nicht anders zu können, erinnert fast an einen unermüdlichen Hamster im Laufrad und dennoch erntet sie vor allem Verwunderung und Unverständnis.

Sie muss sich dem Willen des Mäusevolkes beugen steht damit nicht „außerhalb des Gesetzes“ (S. 134), aber dennoch außerhalb der Gesellschaft. Weder  kann sie integriert werden, weil ihre Lebensweise und Attitüde dies nicht zulassen würden, noch wirklich den Sonderstatus genießen, den sie eigentlich beansprucht, und so muss sie zu Grunde gehen, oder zumindest doch verschwinden, weil sie weder ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen kann (ein „wahres“ Verständnis ihrer Kunst), no.....

Download Kunst- und Künstlerverständnis in "Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse" von Franz Kafka
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis
This page(s) are not visible in the preview.
Please click on download.
Download Kunst- und Künstlerverständnis in "Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse" von Franz Kafka
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis

Nicht nur Selbstverwirklichung für Josefine soll oder kann sie sein, sondern auch Möglichkeit für ihr Publikum, sich zu versammeln, zu entspannen[49] und Wohlgefallen (S. 130) herbeizuführen. Sie erst kann das das Gefühl der Gemeinschaft konstituieren, so dass  das Volk sich auf sich selbst besinnen kann[50] und Ruhe findet, die eigene Kindlichkeit und Sorglosigkeit (wieder)entdeckt (S. 133), während es sonst fortwährend beschäftigt und ängstlich ist.

Die Sängerin ermöglicht also erst die Erfahrung von Gemeinschaft und steht diesem Gefühl als Außenseiterin dennoch entgegen, paradoxerweise wird sie aber benötigt, um diese Verbundenheit herzustellen. Josefine selbst erschafft demnach erst die Gesellschaft, die ihr schließlich in „kalter ritterlicher Haltung“ (S. 136) die Grenzen ihrer Ich-Sucht aufzeigt[51] und sie damit zum Aufgeben und Verschwinden zwingt.

Wenn das Bestreben der Gemeinschaft letztendlich also gegenüber dem Einzelnen die Oberhand hat, ist das vielleicht zu verstehen als eine Absage an den Egoismus des Einzelkämpfers im Sinne Kafkas Aphorismus „Im Kampf zwischen dir und der Welt sekundiere der Welt.“[52]

Das Volk der Mäuse in seiner Härte und Undurchdringlichkeit kann als eine Spielart von Kafkas Gesetzesbegriff betrachtet werden, es symbolisiert den  mächtigen Vater, wird sogar mit ihm verglichen.[53] Die Tiere sind nicht nur in ihrer jüdischen Lesart interessant, sie sind für Kafka von jeher unheimlich, schon 1917 spricht er in einem Brief an Felix Weltsch von dem „schrecklichen Erlebnis“ einer „Mäusenacht“[54] und beschreibt ein „schreckliches stummes lärmendes“, „gedrücktes proletarisches“ Volk, das ihn durch sein „Rascheln“ nachts schweißgebadet aufwachen ließ.

Die Mäuse erscheinen als eine übermächtige Kraft, welcher der Einzelne hilflos gegenüber steht.

Das Mäusevolk zeigt sich zwar verständnislos gegenüber Josefines kapriziösem Auftreten, gleichzeitig scheint es dieses aber zu erwarten und ihr Verhalten lässt sie ja dennoch in „ahnungsvollem Respekt“ ihre Bedeutung anerkennen (S.126). In einer klaren Reflexion über Josefine erkennt der Erzähler, dass die ihre Außergewöhnlichkeit eben darin besteht, „dass jemand sich feierlich hinstellt, um nichts anderes als das Übliche zu tun“ (S. 124).

Ob sie also wirklich gut oder schlecht singt oder pfeift ist gar nicht entscheidend, sondern, dass sie es mit Überzeugung tut und ihr Publikum .....

Download Kunst- und Künstlerverständnis in "Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse" von Franz Kafka
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis
This page(s) are not visible in the preview.
Please click on download.
Download Kunst- und Künstlerverständnis in "Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse" von Franz Kafka
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis

Dennoch spielt gerade das Thema der der Musik bei Kafka immer wieder eine Rolle, hier in Josefines Gesang und in ihrer Negation in der Unmusikalität der Mäuse. Auch in früheren Werken hat Kafka sich damit befasst und es ist auffällig, dass in diesem Zusammenhang oft von Tieren die Rede ist. So beispielsweise ist Gregor Samsa nach seiner Verwandlung in einen Käfer ganz überwältigt vom Violinenspiel seiner Schwester und fragt sich: „War er ein Tier, dass ihn Musik so ergriff?“[61] Offensichtlich verbindet Kafka also diese beiden Elemente miteinander, und hinzu kommt, gerade in der „Verwandlung“, auch die sexuelle Konnotation mit der die Schwester, und damit ihre Musik, belegt ist.

Kafka spricht hier ein weites Themenfeld an – Musik ist in seinen Texten verknüpft mit Animalität und Sexualität. Auch deutlich wird dieses beispielsweise in seinen Briefen an Milena Jesenská über Grillparzers Novelle „Der arme Spielmann“[62], in denen „Musikalität Züge einer sexuellen Metaphorik“[63] annimmt.

Es scheint, als wäre das Prinzip der Musikalität verbunden mit einer „natürlichen“ Lebensweise, die nur Tieren zueigen sein kann, sie scheint nach Nietzsche eine dionysische, verschmelzende Funktion[64] innezuhaben (und – auch in Nietzsches Sinne – eine zerstörerische). Erst durch Josefines Vortrag können die arbeitssamen, kultivierten Mäuse in ihre animalische, körperliche Gemeinschaft zurückkehren, ihre Kindheit zurückholen.

Für Kafka aber, gefangen in seiner intellektuellen Arbeit, ist diese Natürlichkeit, und damit auch die Musik, unerreichbar. So wie er die Musik der Natur gleichsetzt, bedeutet für ihn Literatur den Inbegriff der Kultur und auch der damit  verbundenen Zwänge. Dennoch kann die Musik hier auch sein Schreiben versinnbildlichen, in übertriebener, fast traumhafter Art.

Durch ihre Rätselhaftigkeit entzieht sie sich noch mehr dem Forschenden als die scheinbar einfacher zu fassende Schrift, sie kann schwerer in soziale Zeichen überführt werden.[65] Gerade für einen der Musik Unkundigen wie Kafka kann sie nicht vollständig verstanden oder durchdrungen werden und daher gut für die Unverständlichkeit seiner Texte stehen. Musik ist einerseits Kunst und damit Sphäre des Außenseiters, dennoch ist durch ihre natürliche Kraft in der Lage, die Grenzen zwischen Einzelnem und Gemeinschaft zu überwinden.

Sie steht für eine Verbindung von Natur (dem Pfeifen) und Kultur (den Koloraturen des Gesangs)[66]. Doch dies kann sie nur für kurze Zeit leisten, schließlich wird sie von Josefine für ihren selbstsüchtigen „Machttrieb“ missbraucht und zwingt so beide in den Untergang.[67]

Josefine behält bis zum Schluss ihren kindlichen Egoismus bei, wird fast infantilisiert in ihren übertriebenen Ansprüchen und Wutausbrüchen („sie beißt sogar“, S. 127). Doch auch ihre Körperlichkeit, und damit ihr weibliches Wesen, stehen damit in Zusammenhang. Wiederholt wird ihre „auffallend zarte Gestalt“ (Josefine, S. 124) erwähnt und nicht zuletzt ist dieser Aspekt auch für die Rezeption ihrer Kunst von ent.....

This page(s) are not visible in the preview.
Please click on download.
Download Kunst- und Künstlerverständnis in "Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse" von Franz Kafka
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis

Legal info - Data privacy - Contact - Terms-Authors - Terms-Customers -
Swap+your+documents