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Kanzleisprachen

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German studies

University, School

Universität Potsdam

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KANZLEISPRACHEN


Kanzleisprache als wissenschaftlicher Terminus

-         Kanzleisprache ist als wissenschaftlicher Begriff seit dem 18. Jhd. gebräuchlich

-         meint geschriebene Sprache der städtischen, fürstlichen und kaiserlichen Kanzleien im Spätmittelhochdeutschen und Frühneuhochdeutschen

-         textsortenorientiert auch Urkunden- oder der Geschäftssprache (wobei letzterer Terminus der allgemeinere, da in oder im Auftrage der Kanzleien auch verfasst:
Briefe, Rechnungsbücher, Urbücher, Amtsbücher, Registerbücher u. v. a. Aufzeichnungen

-         neben Kanzleien auch andere Texterzeuger von Geschäftssprache wie
z. B. Gerichte oder Handelskontore

-         Kanzlei- und Geschäftssprache spätmittelalterliche Schreibsprachen bzw. Schreibdialekte, enthalten auch Hinweise auf gesprochene Sprache - öffentliche Vorlesung / Proklamation von Urkunden, oft beginnend mit „allen, die es hören oder lesen…“

Von der Notwendigkeit der Entstehung von Kanzleien: die deutschsprachige Beurkundung

-         lateinische Beurkundung seit dem Merowingerreich existent,
jedoch weitgehende mündliche Rechtsprechung in deutscher Sprache

-         große Zunahme der Schriftlichkeit im 13 Jhd.
(im 12.Jhd. circa 8000 ausgestellte Privaturkunden, im 13. Jhd. ca. 70000),
deutsches Urkundenwesen entsteht,
lateinisches UW bleibt aber zunächst weiter allgegenwärtig und dominant

-         deutsche Urkundung keineswegs reines Produkt einer Übersetzung aus dem Latein,
auch keine unmittelbaren Abhängigkeiten sind festzustellen
Resultate mündlicher Verhandlungen wurden mit verschiedenen Aufzeichnungsmustern und unterschiedlichem Grad an Komprimierung schriftlich festgehalten

-         deutsche Urkunde in ihrem Sprachraum etwas Neuartiges,
Schritt zur volkssprachlichen Urkunde in Italien und Frankreich eher -
vielleicht deshalb beginnt die deutsche Urkundung im nahen allemanischen Raum (Konstanz, Zürich, Basel, Straßbourg, Freiburg)

Faktoren für Aufkommen deutschsprachiger Urkundung:
wachsende Bedeutung niederer Adel und Städtebürger, (beide keine bis wenig Lateinkenntnisse)
Komplizierung juristischer und wirtschaftlicher Prozesse (wachsende Beteiligung von Bauern, unteren Schichten am Rechtsleben)
das verlangt Schriftlichkeit und Produktion verständlicher Texte
Funktionswandel der Urkunde als solcher seit dem 12. Jhd.:
Privaturkunden gewachsene Bedeutung im Beweisverfahren der Rechtsprechung (alle Urkunden außer Pabst- und Herrscherurkunden), letztere sind Königs- und Kaiserurkunden, Fürstenurkunden besondere Gruppe der Privaturkunden

Background: zuerst auf Urkunde nur Nennung eines beweiskräftigen Zeugen,
ab Mitte 13. Jhd.

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Zeugenbenennungen mehr im Hintergrund, Urkunde als solche wurde beweiskräftig und vollzog Rechtsvorgang als solchen mit – Inhalt bekam größere Bedeutung, Anspruch an verständliche Formulierung, geeignet zum Vorlesen

Seit 13 Jdt. verstärkt Schiedsgerichtsverhandlungen – Protokollierung von Argumenten und Urteilen in Volkssprache

Aufkommen deutscher Beurkundung

-         viele Städte auf Eigeninitiative (Regensburg 1259, Augsburg 1272, Nürnberg 1287),
aber durchaus auch Bischöfe (d.h.- der Klerus) initiierten dt. Beurkundung –
im 13. Jhd. noch großer Einfluß der Geistlichkeit auf die volkssprachliche Beurkundung
(von 70 Rgnsb.

Originalurkunden nur 6 aus der städtischen Kanzlei, Rest klerikalen Ursprungs) – ACHTUNG: FEUER, VERNICHTUNG, USW!! BEISPIEL: NIEDERLÄNDISCHE FORSCHUNG

-         13 Jhd: insgesamt ca. 4500 dtsch. Urkunden, davon nur 12 in erster Hälfte
Zurückzuführen auf wachsende Verschriftlichung der Rechtsvorgänge,
auch immer noch Zunahme lateinischer Urkunden

-         14 Jht.: beträchtliche Steigerung Ausstellung deutschsprachiger Urkunden, schließlich Verhältnis zugunsten volkssprachlicher Urkunden

-         Beispiel: Ludwig 4., der Bayer (siehe Power Point)
(Herzog von Oberbayern, Pfalzgraf bei Rhein), 1281 bis 1347
beurkundete über die Kaiserliche Kanzlei (schon unter Rudolf von Habsburg stark steigende volkssprachliche Beurkundung):

88,6 % deutsch bei Empfängern/Adressat aus dem Bayrischen
72% aller als König oder Kaiser ausgestellten Urkunden deutsch
55% deutsch beurkundet bei Adressaten aus schwäbischen, ostfränkischen Gebieten
nur 25% bei übrigen deutschsprachigen Gebieten überhaupt nicht deutsch bei fremdländischen Adressaten

Zur Funktion und Tätigkeit von Kanzleien

14 Jhd. Herausbildung von Zentralstellen der Landes- oder Stadtverwaltungen
zur Organisation des gesamten Schreibwesens
– sog. Kanzleien.

Ergänzende Anmerkung-einige Wissenschaftler setzen die Anfänge von Kanzleien um die 50 bis 100 Jahre früher an, siehe Vorbemerkung zum Feuer et cetera - BSP: Aktenfund (über städtische Gerichtsprozesse) bei Gent von 1260 in KLOSTER nahe der Stadt

In Kanzleien arbeiten

besoldete, unter Eid stehende Kanzleischreiber (Wort seit 15. Jh. belegt),

ursprünglich Kleriker,
seit 15. Jh. vermehrt juristisch gebildete Laien,

in fürstlichen Kanzleien einem Kanzler unterstehend

Dienstbezeichnungen lokal stark abweichend
(z.B.: Kanzlist, Sekretär, Notar, je nach Ort Stadt-, Land-, Klosterschreiber, auch Stadtklerk)


Aufgaben verschiedener Natur:

Führung von Rechnungsbüchern

Herstellung von Reinschriften

Abfassung von Konzepten und Protokollführung

beim Rat oder bei Gericht.

Tätigkeiten waren recht genau festgelegt.


Sprachgeschichtlich hohe Relevanz hat ihre Aufgabe,

für die Rechtsparteien gleichlautende Urkunden herzustellen
Möglichkeit zu sprachgeschichtlichen Betrachtungen und Untersuchungen


Hervorstechend:

Gelehrsamkeit der Schreiber,

oft Vielsprachigkeit, Deutsch, Latein, Englisch, Französisch, Italienisch,

Bezug zu Literatur, Kultur,

sozialpolitisches Engagement, z.B. im Schulwesen, dadurch im Rückschluss auch schulebildend als Schreiber und Verfasser eigener Standpunkte, Theorien


politisches Engagement, innen- und außenpolitisch,
Beispiel dazu: Johann Frauenburg von Görlitz (ca.1430 – 1495) und sein Einfluss auf die Stadt Görlitz
-Brauordnung
-wichtige Dekrete und Ideen zur Kriminalitätsbekämpfung – Raubritter, Handelswege der Stadt Görlitz für ihr Bier
-politische Ablehnung des Böhmenkönigs Georg von Podiebrad…
-Schaffung der politischen Distanz zu darauf folgendem Ungarnkönig Matthias Corvinus
Diarium, privat geführtes, erhaltenes Tagebuch
Secretarium, unter Verschluss geführte Aufzeichnung, zumiest Reiseaufzeichnungen, Anmerkungen zu geführten pol., wirt.

-auch politischer Theoretiker (schon Notizen zu pol. Instrumenten und Abläufen im Secretarium)

durch seine Schrift: „Anweisung, wie der Bürgermeister sich in seinem Amte halten soll“

ist autograph erhalten, vorhanden, 21 Blätter, in Holzdeckel mit Metallbeschlägen im frühen 1476 dem Görlitzer Rat überreicht


Allgemeine Merkmale der Kanzleisprachen

meisten sprachlichen Mittel aus Rechtssprache erwachsen

Der Wortschatz umfangreich und genau strukturiert

Syntax vielgestaltig und dem

gehobenen schreibsprachlichen Stil verpflichtet (Bentzinger)

Schulze (SCRIPT) stellt schon für das

13. Jh. fest,

„daß die Urkunden sehr verschiedene Arten komplexer

Sätze enthalten und daß beobachtete Unterschiede

z.T. durch bestimmte Texttypen bedingt

waren. Die Gefüge sind syntaktisch fast immer klar

Form. Für die satz- und textsyntaktische

Strukturierung steht […] ein reiches

Reservoir an Konjunktionen und Partikeln zur Verfügung.“


Die Bedeutung der Kanzleien für den Sprachausgleich


Zitat Luther:

„Kaiser Maximilian, und Kurf. Friedrich, H. zu Sachsen

etc. haben im römischen Reich die deutschen

Sprachen also in eine gewisse Sprache

gezogen.“ (WA, Tischreden, 1525).

gemeint größte Kanzleien, die kaiserliche Maximilians und die kursächsische Kanzlei.

Auffällig:

er spricht einerseits von deutschen Sprachen, die andererseits in eine gewisse Sprache münden


berechtigte Frage: was ist diese eine Sprache, wie nennen wir sie?


einhergehend damit auch
Bentzingers Sicht auf das beginnende 16. Jh:
kanzleisprachen stehen sich morphologisch und graphisch so nahe,

Basis gebildet für aufkommende niederhochdeutsche Sprache


getragen und gefestigt wird dieser Übergang von großflächig verbreiteten, zeitgenössischen Autoren wie z.B. Luther, Schulmeister (im weitesten Sinne Lehrer) und Grammatiker


wissenschaftliche betrachtung des prozesses des sprachausgleichs:

zwei ansichten immer im vordergrund:

einerseits dominierende rolle der örtlichen schreibtradition
andererseits dominanz der auswärtigen schreibergewohnheiten

gemeinsamkeit eruiert: herkunft des schreibers im 13/14 jh. deutlich auffälliger als im 15/ 16 jh. – dann dominant der schreibusus (besonders in höherorganisierten kanzleien)


Unter Hochdeutsch wird gemeinhin die Variante der deutschen Sprache verstanden, die als dialektunabhängige, dem Schriftdeutsch nahekommende in den Medien breite Verwendung findet. Die Region um Hannover wird oft als der Sprachraum notiert, in dem diese Variante am ehesten gesprochen wird.[1]


Sprachhistorisch kennzeichnet die hochdeutschen Dialekte, dass sie im 5. und 6. Jahrhundert die zweite Lautverschiebung mitmachten. Charakteristisch ist für sie die Lautung „Apfel“ gegenüber der niederdeutschen „Appel“, wie sie sich im Niederländischen, im Plattdeutschen (und auch im Englischen) findet.

auch natürliche Hemmnisse im sprachausgleich


Trennung von „höherer“ und „niederer“ Kanzleiarbeit im 14./

15. Jh., da Schriftverkehr stark zunehmend, Einstellung zahlreicher Schreibender mit niedrigerem Bildungsgrad – Hemmung des geregelten Sprachausgleichs, da diese Mundartliches eher ungeregelt tradieren – gefundene Unterschiede in Konzepten und Originalen einer Urkunde,


von den stadtkanzleien beginnen östliche mit sprachausgleich, vor allem nordbayrische und oberfränkische durch verstärkte integration von mitteldeutschen Einflüssen und Beziehungen zu Augsburg, Eger, Leipzig, Prag…

EINGEWORFENE FRAGE:
WAS IST DENN BEI DIESEN EBEN GENANNTEN NAMEN AUFFÄLLIG?- Habsburger, Luxemburger, Hohenzollernsche…


Im Kreissschluss zum Beginn des Referats und in Analogie zu Eingangsbeobachtungen – die wirtschaftliche Expansion, die Entwicklung des Handels, politische Machterweiterung und Identitätsfindung eines Volkes haben einen enormen Einfluss auf den zeitgenössischen Umgang mit Sprache, auf die Gewichtung der Sprache auch als Mittel des Fortschritts, als Mittel zum Fortschritt.


Generell nimmt das Md. mehr vom Obd.auf,

der Osten schreitet gegenüber dem (politisch zersplitterten) Westen voran

Das Nd. Nimmt erkennbar seit Ende des 14. Jh. einzelne hd. Sprachelemente auf, geht aber erst 1530 zum hd. über


Auch Unterschiede zwischen fürstlicher und städtischer Kanzlei innerhalb einer

Dennoch – Kanzleien sind erste „Einbruchstellen für das Hochdeutsche“, wie Bentzinger sie nennt.
Er beschreibt die Entwicklung dorthin als nicht geradlinig.


Diphthongierung, Monophthongierung haben graphische Auswirkungen…
Auch Lexik bleibt zunächst oft unterschiedlich (Südwestdeutsch: Leutpriester hält sich verhm. lange gegenüber dem im Mitteldeutschen seit Beginn des 16 Jh. üblichen Pfarrers.

Fazit


Ausblick: heutige Verwendung des Wortes „Kanzlei“

Schweiz Begriff üblich für Bezeichnung Stabsstellen von Regierungen, vgl. „Gemeindekanzlei“, „Staatskanzlei“ oder „Bundeskanzlei“

Österreich Begriff Verwaltungseinrichtungen z. B. des Bundesheeres, vgl. „Sicherheitskanzlei“, „Kanzleischreiber“, gebräuchliche Bezeichnung für Rechtsanwaltsbüros und Notariate


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