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Kafka und die Literaturwissensch­aft

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Literature

University, School

Karl-Franzens-Universität Graz - KFU

Grade, Teacher, Year

2, Rabelhofer, 2017

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E inführung in die französische Literaturwissen­sch­aft Kontrollfragen zum 3. Block 1) Inwiefern beeinflusste F. Malherbes Kritik an den Sonetten Philippe Desportes die französische Literatur- und Sprachgeschicht­e ? Francois Malherbe(1555- 1628) war ein Dichter und zudem ein Kritiker der Dichtung anderer. Er vertritt die Ideale der Klarheit, Ordnung und einer allgemeinen Verständlichkei­t. An den Sonetten Desportes kritisiert Malherbe die viel zu breit angelegte Wortwahl, die Mehrdeutigkeit und die Undurchschaubar­kei­t…
· Es bezieht sich auf den Sachverhalt, sowohl in der fiktionalen, als auch in der realen Welt POESIE · Gibt noch zusätzliche Regeln · Räumlicher Textaufbau · Die „ vollen“ Eigenschaften des Sprachzeichens · Kein Bericht von einem singulären Vorfall Meist diskutierte rhetorische Figur – METAPHER Substitutionsth­eor­ie: · Geht auf Aristoteles zurück, ist daher älter · Gebrauch eines „ uneigentlich­220­ (metaphorisch) verwendeten Wortes anstatt des eigentlichen · Gemeinsamkeit zw. Bildspender…

Kafka und die Literaturwissenschaft


Seminararbeit


  1. Das Objekt des Begehrens

Um die Frage, ob Theorie den Zugang zum Objekt des Begehrens öffnen vermag, zu klären, sollte zunächst einmal festgelegt werden, worum es sich beim Objekt des Begehrens handelt.

Handelt es sich dabei um die Interpretation eines Textes in seinem richtigen Sinn, ist das Objekt des Begehrens das, was der Text dem Rezipienten versucht zu sagen, ist das Objekt des Begehrens die Erkenntnis, die man aus einem literarischen Werk schöpft? Wahrscheinlich ist es von allem etwas. Das ‚Objekt des Begehrens‘ ist uns nicht automatisch zugänglich.

Möglicherweise ist es gerade die Theorie, die dabei hilfreich sein kann.

Bogdal vertritt in dieser Hinsicht die Meinung, dass Theorie sehr wohl seinen Beitrag dazu leistet. Allerdings bedarf es dafür bestimmter Bedingungen, die er wie folgt formuliert:

Theorie vermag den Zugang zum ‚Objekt des Begehrens‘ öffnen, wenn sie nicht ausschließlich auf ihren wissenschaftlichen Status reflektiert, sondern auch ihren kulturellen Gebrauchswert im Lesealltag im Auge behält und nicht zuletzt in unserer Mediengesellschaft eine differenzierte Lesefähigkeit zu bewahren hilft.“1


Aus dem Zitat Bogdals kann man nun lesen, dass Theorie nicht zu sehr in der Wissenschaft – in unserem Fall in der Literaturwissenschaft – verhaftet sein sollte.

Theorie kann zwar wissenschaftlich begründet werden, muss aber, um auf konkrete Objekte umgelegt werden zu können, auch darauf achten, den Rezipienten von literarischen Werken im Hinterkopf zu behalten. Das bedeutet, dass eine Theorie, die dem Rezipienten unverständlich bleibt, auch nicht helfen kann, zum ‚Objekt des Begehrens‘ zu gelangen. Theorie allein ist auch nicht imstande, unmittelbar auf die Interpretation eines literarischen Textes umgelegt zu werden.


Dies führt nun aber zu der Frage: Wozu dann überhaupt Literaturtheorie? Literaturtheorie ist ein wichtiger Aspekt im Umgang mit literarischen Werken, da sie viel Verschiedenes leisten kann.

Sie hilft dabei, sein eigenes Literaturverständnis zu erweitern und es in einem anderen Licht zu sehen. Stiegler benennt die hervorzuhebenden Leistungen der (Literatur-)Theorien wie folgt:

  • Theorien zeigen bestimmte Phänomene auf
    Durch Theorien ist es möglich, literarische Werke in einem a.....[read full text]

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Auffällig dabei ist aber, dass sich literaturtheoretische Schulen immer aus anderen Disziplinen speisen.7 Oft nehmen sie sich die Begrifflichkeiten aus der Philosophie, Psychologie oder Soziologie bzw. sind aus diesen Disziplinen heraus als Literaturtheorie adaptiert worden.

Die Frage „Wozu Literaturtheorie?“ bringt folgendes Zitat von Morgenroth gut auf den Punkt: „Man wird ständig aufgefordert und herausgefordert, die Grenzen der Literatur […] zu prüfen und begrifflich zu reflektieren, um an und mit Literatur die Grundfragen des menschlichen Subjekts, der Gesellschaft und der Geschichte noch einmal aufzunehmen.“8


  1. Kafka hat nicht nur die wissenschaftliche Methodik ihrer Eindeutigkeit beraubt, er hat auch die Deutbarkeit von Dichtung überhaupt ins Zwielicht der Fragwürdigkeit gerückt.“9

Dieses Zitat von Heinz Politzer wurde in der Literaturwissenschaft häufig aufgegriffen und war Anlass von Diskussionen.

Im Folgenden sollen einige Standpunkte zu diesem Zitat etwas näher vorgestellt und diskutiert werden.

Schmidt führt beispielsweise aus, dass Politzer damit erkannt habe, dass Kafkas Texte eine besondere Herausforderung für literaturwissenschaftliche Deutungskonzepte darstellen, da damit eine grundlegende Debatte über literaturwissenschaftliche Deutungstheorie bzw. -praxis, über methodische, angemessene und richtige Vorgehensweise bei der Interpretation, über Überinterpretation und gleichrangig nebeneinanderstehenden Deutungsmöglichkeiten angestiftet wurde, die wahrscheinlich noch länger andauern würde, da gerade Kafkas Texte immer zu neuen Problemen führen, wenn man sich mit ihnen beschäftigt.10 Allerdings führt Schmidt auch weiter aus, dass er die „Undeutbarkeit“ der Texte Kafkas in einem etwas anderen Licht sähe, da gerade Kafka zu einem jener Autoren gehöre, der eine enorme Spanne an Deutungen zugelassen und hervorgebracht habe, die noch dazu aus den unterschiedlichsten Richtungen und Disziplinen stammen.11

Auch Andringa hat sich mit demselben Zitat Politzers etwa.....

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Anders ausgedrückt kann man sagen: Man kann Kafkas Werk lesen und verstehen, ohne es zu verstehen. In diesem Sinn wird hier auch das Zitat Politzers gedeutet. Man kann die Texte Kafkas immer wieder lesen und wird immer wieder zu einer anderen Interpretation des Textes kommen. Dies wird auch durch die Legende ‚Vor dem Gesetz‘ deutlich. Kafkas Quelle für diese ist nicht eindeutig belegbar, die Forschungen der Literaturwissenschaft zeigen eine Vielzahl an möglichen Deutungen und Interpretationen.

Auch bei der eigenen Lektüre zeigt sich, dass man zu vielen unterschiedlichen Deutungen der Parabel kommen kann, legt man verschiedene Ansätze literaturtheoretischer Schulen dem Interpretationszugang zugrunde.



  1. Befindet sich die Literaturwissenschaft ‚vor dem Gesetz der Literatur‘?

Um diese Frage zu klären, sollte zunächst geklärt werden, worum es sich bei den Begriffen Literaturwissenschaft und Literatur eigentlich handelt.

Fangen wir zunächst mit dem Literaturbegriff an. Hier beginnt auch schon die Schwierigkeit, da er kulturrelational bestimmt ist. 16 Was unter Literatur verstanden wird, ist kulturell abhängig, auch über die Zeit gesehen. Literatur im Mittelalter bedeutete etwas anderes als im 19. Jahrhundert oder auch heute. Heute können beispielsweise auch Graphic Novels als Literatur gesehen werden, zumal auch viele als Literatur angesehene Texte als Graphic Novel adaptiert wurden, wie beispielsweise einige Texte von Franz Kafka, darunter „Der Prozess“ oder „Die Verwandlung“.

Was nun Literatur wirklich ist, lässt sich nicht ganz eindeutig bestimmen. Im Allgemeinen kann man aber sagen, dass „Literatur als die Gesamtheit aller Texte von bestimmten Wert“17 gesehen we.....

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Literaturverzeichnis

Allkemper, Allo; Eke, Norbert Otto: Literaturwissenschaft. 5., aktual.

Aufl. Paderborn: Wilhelm Fink 2016. (= UTB. 2590.)


Andringa, Els: Wandel der Interpretation. Kafkas ‚Vor dem Gesetz‘ im Spiegel der Literaturwissenschaft. Wiesbaden: Springer 1994. (= Konzeption empirische Literaturwissenschaft. 17.)


Bogdal, Klaus-Michael: Einleitung.

Vor dem Gesetz der Literatur. Neue Literaturtheorien in der Praxis. In: Neue Literaturtheorien in der Praxis. Textanalysen von Kafkas ‚Vor dem Gesetz‘. Hrsg. von Klaus-Michael Bogdal. Opladen: Westdt. Verl. 1993. (= WV Studium Literaturwissenschaft. 169.) S.7–10.


Metzler Lexikon Literatur.

Begriffe und Definitionen. 3., völlig neu bearb. Aufl. Hrsg. von Dieter Burdorf, Christoph Fasbender und Burkhard Moennighoff. Stuttgart: Metzler 2007.


Moennighoff.....

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1  Klaus-Michael Bogdal: Einleitung. Vor dem Gesetz der Literatur. Neue Literaturtheorien in der Praxis.

In: Neue Literaturtheorien in der Praxis. Textanalysen von Kafkas ‚Vor dem Gesetz‘. Opladen: Westdt. Verl. 1993 (= WV Studium Literaturwissenschaft. 169.), S. 8. Im Folgenden zitiert als: Bogdal, Einleitung.

2  Vgl.

Bernd Stiegler: Theorien der Literatur- und Kulturwissenschaften. Eine Einführung. Paderborn: Schöningh 2015 (= UTB. 4315.), S. 14. Im Folgenden zitiert als: Stiegler, Theorien.

3  Vgl. ebda, S. 14f.

4  Vgl. ebda, S. 15.

5  Vgl.

Claas Morgenroth: Literaturtheorie. Eine Einführung. Paderborn: Wilhelm Fink 2016 (= UTB. 4169.), S. 5. Im Folgenden zitiert als: Morgenroth, Literaturtheorie.

6  Vgl. ebda, S. 7.

7  Vgl. ebda, S. 10.

8  Morgenroth, Literaturtheorie, S. 11.

9  Heinz Politzer: Franz Kafka.

Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1980, S. IX. Im Folgenden zitiert als: Politzer, Kafka.

10  Vgl. Friedrich Schmidt: Text und Interpretation.

Zur Deutungsproblematik bei Franz Kafka. Dargestellt in einer kritischen Analyse der Türhüterlegende. Würzburg: König und Neuhausen 2007, S. 18. Im Folgenden zitiert als: Schmidt, T.....

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