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Ingeborg Bachmann - Hermetische Lyrik: Interpretation von
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German studies

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Westfälische Wilhelms-Universität Münster - WWU

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Ingeborg Bachmann – Hermetische Lyrik
Interpretation von „Früher Mittag“ und „Anrufung des Großen Bären“

Inhaltsverzeichnis

1.      Einleitung. - 1 -

2.      Programmatik der hermetischen Lyrik. - 2 -

3.      Hermetische Lyrik am Beispiel Ingeborg Bachmanns. - 4 -

3.1.       Gedichtinterpretation: „Früher Mittag“. - 6 -

3.2.       Gedichtinterpretation: „Anrufung des Großen Bären“. - 11 -

4.      Schlusswort - 14 -

5.      Literatur - 15 -

6.      Anhang (2 Gedichte) - 16 -

1.      Einleitung

Theodor Wiesengrund Adorno (1903 – 1969) schrieb in seinem Essay „Kulturkritik und Gesellschaft“ (1951):

„Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch, und das frißt auch die Erkenntnis an, die ausspricht, warum es unmöglich ward, heute Gedichte zu schreiben.“

Diese zentrale These des deutschen Philosophen und Soziologen weist daraufhin, dass nicht nur das Reine und Schöne, sondern auch Auschwitz Teil der deutschen Kultur ist. Demnach ist Kultur, die auch für die Situation in der Gesellschaft verantwortlich ist, als vielseitiger Begriff zu verstehen. Die oben angeführte meistzitierte These Adornos fechtet demzufolge nicht nur die Dichtung, sondern die gesamte Kultur in der deutschen Gesellschaft an und zeigt auf, in welch schwieriger Situation sich insbesondere die deutsche Lyrik nach der „Stunde Null“, nach dem Jahr des Zusammenbruchs des faschistischen deutschen Reichs und der zuvor mit sich getragenen Geschehnisse, befand.

Es eröffnete sich daraus die Frage, wie Lyrik nach den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges mit den damit verbundenen Massenmorden der Nationalsozialisten noch möglich und in der Lage war, das Geschehene verarbeiten und möglicherweise darstellen zu können.

In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich mich mit der „hermetischen Lyrik“, die sich in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg aus den geschilderten Bedenken entwickelte, beschäftigen. Mit der Österreicherin Ingeborg Bachmann als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der modernen hermetischen Lyrik werde ich auf eine Schriftstellerin eingehen, die die hermetische Lyrik stark beeinflusst und gelenkt hat.

Vor dem Hintergrund der schwierigen Lage der Nachkriegslyrik werde ich versuchen, die Programmatik der hermetischen Lyrik, speziell die Lyrik Ingeborg Bachmanns, herauszuarbeiten und anhand von zwei Gedichtbeispielen erläutern. Es folgt ein abschließendes Fazit der Hausarbeit, in der die wichtigsten Erkenntnisse zur Thematik der hermetischen Lyrik dargelegt werden.

 

2.      Programmatik der hermetischen Lyrik  

Der Begriff „Hermetik“ leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet ins Deutsche übersetzt „fest verschlossen“. Dieser Begriff beschreibt somit die bezeichnende Charaktereigenschaft der so genannten „hermetischen Lyrik“, einer Sonderform poetischen Sprechens, die ihren stilistischen Ursprung in Italien hatte[1].

Bereits seit der Jahrhundertwende gab es hermetische Tendenzen zu immer komplexeren Ausdrucksformen und zu immer verschlüsselteren Bildern. Dichter wie Rainer Maria Rilke und Stefan George schufen als Antwort auf die geistesgeschichtliche und naturwissenschaftliche Entwicklung eine dichterische Gegenwelt und koppelten sich somit von der gesellschaftlichen Realität, die in den Augen vieler Schriftsteller und Lyriker unüberbrückbar war, ab.

Dieses Verhalten der Autoren wird auch als „Sprachskepsis“ bezeichnet. Man stellte sich der Reflexion über die Sinnstrukturen des menschlichen Daseins und man beabsichtigte sich dem „Augenblickscharakter des Daseins“ (Hoffmann 1998, S. 46) zu entziehen. Indem man immer kompliziertere sprachliche Formen und Bilder in die Dichtung einführte, versuchte man, die komplexe Wirklichkeit besser verarbeiten zu können.

Es kamen aber im Rahmen dieser Wirklichkeitsverarbeitung auch Zweifel auf, ob die Übertragbarkeit der außersprachlichen Realität in Sprache überhaupt möglich sei. Hugo von Hofmannsthal thematisierte diesen Zweifel beispielsweise in seinem „Brief des Lord Chandos“, den er in den Jahren 1901/1902 verfasste. In diesem Brief legte er dar, wie ihm das zuvor Selbstverständliche plötzlich fragwürdig erschien (vgl. Hoffmann 1998, S.....[read full text]

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Die Analyse hermetischer Gedichte darf daher nicht auf eine Deutungshypothese eingeschränkt werden. Dieses beruht darauf, dass der lyrische Text der Hermetik allein auf einen Zusammenhang im Bewusstsein des Autors verweist. Je chiffrierter die Texte und je undurchschaubarer die Inhaltswelt des Gedichtes ist, desto höher ist die Qualität des hermetischen Textes einzuordnen.  

  

3.    Hermetische Lyrik am Beispiel Ingeborg Bachmanns

Ingeborg Bachmann (1926 – 1973) war eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen und Lyrikerinnen der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur, die sich mit der hermetischen Lyrik befasste. Die Lyrik Bachmanns ist sehr vielschichtig. Sie thematisiert vorwiegend die gesellschaftliche Wirklichkeit, die in der modernen Lyrik nach 1945 immer wieder eine bedeutende Rolle spielte.

Vor allem ihre beiden veröffentlichten Gedichtbände „Die gestundete Zeit“ (1953) sowie „Anrufung des Großen Bären“ (1956), die den Kern ihrer Lyrik bilden, finden in Diskussionen über die wichtigsten Werke der modernen hermetischen Lyrik immer wieder Erwähnung. Im Folgenden werde ich mich zunächst einmal mit diesen beiden wichtigen Gedichtbänden Bachmanns befassen und anschließend zu Interpretationen zweier Gedichte der Lyrikerin, überleiten.

Der Gedichtband „Die gestundete Zeit“ wurde im Herbst 1953 in der von Alfred Andersch (1914 – 1980) herausgegebenen Buchreihe „Studio Frankfurt“ veröffentlicht (s. Albrecht/ Göttsche 2002, S. 57). Bereits der Titel des Gedichtbands, der auch Titel eines der Gedichte des Bandes ist, wirkt provokativ und ironisch.

Die Stundung von Zeit, deren Fortschreiten man normalerweise unterlegen ist, könnte hier als Machtmotiv verstanden werden. Es stellt sich die Frage, wer dazu in der Lage ist, Zeit stunden zu lassen. Der Gedanke an eine „Übermacht“ entgegen der natürlich gegebenen Verhältnisse wird hinsichtlich dieser Überlegung erzeugt und erinnert an die Politik und Ideologie des NS-Regimes (Stichwort: „Machtergreifung“).

Die Stundung von Zeit könnte allerdings auch dafür stehen, die Zeit nicht genutzt zu haben. So wäre daraus abzuleiten, dass sowohl ein politischer, als auch ein gesellschaftlicher und individueller Neuanfang zu einem bestimmten Zeitpunkt möglich gewesen wäre, die Chance aber zu diesem Augenblick vertan worden ist. Stundung von Zeit könnte aber auch für eine Schonfrist für die Menschen stehen, die ihnen gewährleistet wird, um sich auf einen Neubeginn vorbereiten zu können.

Es zeigt sich, dass der Umgang mit dem Zeitbegriff sehr wandelbar ist. Die Erkenntnis bleibt, dass schon der Titel des Gedichtbands den Leser zum Nachdenken anregt und bereits Spekulationen über eine Auslegung zulässig sind.   

Der Gedichtband „Die gestundete Zeit“ enthält 24 Gedichte und gliedert sich kompositorisch. Die Gedichte umfassen erzählerische Elemente und sind metaphern- und klangreich. Lediglich zwei der 24 Gedichte aus „Die gestundete Zeit“ sind im Reimschema aufgebaut. „Die gestundete Zeit“ thematisiert in erster Linie die politisch-sozialen Zeiterscheinungen mitsamt ihren e.....

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Verzweiflung an der Existenz wird in dem zweiten Gedichtband sehr häufig behandelt. Bachmann kommt dieser Entfremdung mit Bildern aus der Natur, Kunst, Religion, Märchen und Liebe entgegen, die für eine Flucht in eine andere, fantasievollere Welt stehen könnten und Hoffnung auf Besserung bewirken lassen. Somit fließen in die Lyrik Bachmann sowohl negative als auch positive Aspekte ein, die sich auch in den beiden folgenden Gedichtinterpretationen abzeichnen.

3.1.                   Gedichtinterpretation: „Früher Mittag“[3]

Das Gedicht „Früher Mittag“ wurde im Jahr 1953 im Gedichtband „Die gestundete Zeit“ veröffentlicht. Die äußere Form des Gedichts, welches sich aus 37 unterschiedlich langen Versen aufbaut, ist durch eine unregelmäßige Struktur und Enjambements gekennzeichnet (= Hakenstil). Das Gedicht wird mit einer achtzeiligen Strophe eröffnet, geht dann in einen kürzeren Abschnitt über und leitet zu einer Folge von drei fünfzeiligen Strophen über, die von Einzeilern eingerahmt werden.

Es folgen daraufhin wiederum kürzere Versabschnitte, die das Gedicht abschließen.

Auffällig sind die beiden Fünfzeiler, die aufgrund der parallelen semantischen Struktur ihres Beginns (V.13, V. 18: „Sieben Jahre später“) hervorragen, über einen halben Kreuzreim verfügen und durch diese Anordnung an ein Volkslied erinnern. Innerhalb dieser beiden Strophen wird das Augenmotiv (V. 17 und V. 22)wiederholt, was zusätzlich eine parallele Struktur erzeugt.

Aber nicht nur hier sind Parallelitäten zu finden, sondern auch in der Konstruktion der beiden dreizeiligen Strophen (V. 9 – 11 und V. 33 – 35), deren Inhalt sich, betreffend der jeweils ersten Verse dieser Strophen (V. 9 und V. 33), ähnelt. Daneben gibt es auch in den beiden Einzelversen (V. 12 und V. 28) eine gleichlaufende Struktur: Die Ausdrücke emotionaler Empfindungen in Form von „Schmerz“ (V. 12) und „Hoffnung“ erfahren eine Personifizierung (= Allegorie) und werden auf diese Weise zu einem greifbareren Teil der dargestellten Situation in d.....

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Nur langsam scheint sich Frieden einzustellen, das Leben zu regenerieren und ein Aufbruch zu beginnen.

Der von Bachmann geschilderte Steinwurf (V. 7) könnte eine Anspielung auf das Bibelwort „Wer frei von Schuld ist, werfe den ersten Stein“ sein. Es stellt sich allerdings die Frage, warum die Hand vom Steinwurf entstellt ist. Möglich wäre zum einen die Vermutung, dass die Hand selbst von einem Stein getroffen worden ist und ihre Entstellung somit darauf beruht, dass sie die Schuldige war.

Zum anderen könnte der Vers aber auch so ausgelegt werden, dass die Hand frei von Schuld sein wollte und sie zu viele Steine geworfen hat, so dass es zu einer Entstellung der Hand gekommen war. Da diese Hand im erwachenden Korn verschwindet (V. 7 – 8), denke ich aber, dass die angesprochene Hand die des Täters ist, der nicht frei von Schuld ist. Das Korn wird über diese Hand (= die Schuldigen und Mitschuldigen im Nationalsozialismus) wachsen, so dass sie eines Tages nicht mehr zu sehen sein wird und in Vergessenheit gerät.

Schuldzuweisungen werden somit beendet und wie hier dem Erdboden gleichgemacht.

Der folgende Abschnitt gliedert sich in drei Verse. Diese zweite Strophe des Gedichts beginnt damit, dass beschrieben wird, dass Deutschlands Himmel, als etwas Machtvolles dargestellt, die Erde schwärzt (V. 9). Dass Deutschlands Himmel die Erde schwärzt, zeigt, dass die Geschehnisse noch ihre Schatten werfen, Folgen mit sich ziehen und noch nichts in Vergessenheit geraten ist.

Ein enthaupteter Engel des deutschen Himmels sucht ein Grab für den Hass (V. 10), was darauf hindeutet, dass auch diese himmlische Figur von Gewalt betroffen war, nun aber versucht, damit abzuschließen und Frieden zu finden. Zum ersten Mal im Gedicht wird an dieser Stelle ein Adressatenbezug hergestellt. Der enthauptete Engel „reicht dir die Schüssel des Herzens“ (V. 11), was bedeutet, dass der Engel versucht, sein gutmütiges Verhalten, die Vergebung, weiterzutragen, auch wenn er selbst von den Folgen der Gewalt gekennzeichnet ist.

Der folgende Einzeiler („Eine Handvoll Schmerz verliert sich über den Hügel“, V. 12) deutet darauf hin, dass Schmerz in dieser geschilderten Zeit noch vorhanden ist, aber allmählich verschwindet. Es wirkt hierbei so, als wenn man dem Schmerz über eine weite Entfernung in der Landschaft hinterherschauen würde. Es ist an der Zeit gekommen, von ihm Abschied nehmen zu müssen .....

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Die darauf folgende Strophe (V. 23 – 27) beginnt mit der bekannten Feststellung „schon ist Mittag“ (V. 23). Die Wendung erfährt nun eine größere Bedeutung als noch in der ersten Strophe (V. 3), in der sie durch die beiden folgenden Verse (V. 4 – 5), die ebenfalls mit dem Wort „schon“ begannen, abgeschwächt wurde.

In dieser Strophe erfolgt eine Situationsbeschreibung: Das Eisen wird gekrümmt (V. 24), die Fahne wird gehisst (V. 25) und der Adler bleibt fortan geschmiedet (V. 26 – 27). In dieser Strophe kommt zum Vorschein, dass sich etwas regt. Waffen werden geschmiedet und geschärft, was einen bedrohlichen und aggressiven Eindruck erweckt. Es könnte eine Anspielung auf das Wettrüsten im Kalten Krieg, der nach Ende des Zweiten Weltkrieges eintrat, sein.

Nach kurzer Zeit könnte sich wieder ein politischer Konflikt entwickeln. Dass das Eisen sich nicht im Feuer, sondern in der Asche krümmt, könnte bedeuten, dass das kriegerische Feuer erst kurz zuvor erloschen ist und das dass Eisen, was für Robustheit und Stärke steht, aufgrund der Auswirkungen immer noch reagiert und sich krümmt.

An diese Strophe schließt sich ein Einzeiler an, in der die Hoffnung allegorisch, in personifizierter Form, erblindet im Licht kauert (V. 28). Dieses könnte bedeuten, dass eine Hoffnung zwar vorhanden, aber aufgrund des aufkommenden Konflikts durch den Kalten Krieg, erniedrigt worden ist. Diese Hoffnung aufzubauen, ist möglich, worauf auch die nächste Strophe (V. 29 – 32) Bezug nimmt.

An dieser Stelle gibt es wieder einen klaren Adressatenbezug. Hier kommt es zu einem Appell an das „du“, die Hoffnung zu befreien, in dem ihre Fessel gelöst werden sollen (V. 29), sie die Halde herabgeführt werden (V. 30) und man ihr die Hand auf das Auge legen soll (V. 31). Es zeigt sich, dass ein Handeln möglich ist, so dass die Hoffnung auf einen Ausweg bestehen kann.

Die nächste und vorletzte Strophe (V. 33 – 35) nimmt Bezug auf die zweite Strophe (V. 9 – 11) des Gedichts, indem zunächst beschrieben wird, dass Deutschlands Erde den Himmel schwärzt. Es kommt hier demzufolge zu einer Inversion des Beginns der zweiten Strophe. Der Himmel wird dunkler und schwärzt sich allmählich.

Während dieser Schwärzung des Himmels ist eine Wolke auf der Suche nach Worten (V. 34), deren Intention aufgrund ihrer Position im dunklen Himmel sehr schwierig zu sein vermag. Die Wolke könnte als eine Vertreterin der hermetischen Schriftsteller verstanden werden. Da sich die hermetischen Autoren in einer schwierigen literarischen Situation befanden (= geschwärzter Himmel), suchten sie nach passenden Worten oder zogen sich sogar .....

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Der Mittag könnte hier beispielsweise als zeitlicher Wendepunkt des Tages betrachtet werden und zeigen, dass ein Prozess (hier: Wettrüsten) mitten im Gange und bereits vieles geschafft worden ist. Zum Abschluss des Gedichts taucht die Formulierung erneut auf (V. 37). Sie gibt, da sie die letzten Worte des Gedichts bilden, noch einmal Anstöße zum Nachdenken. An dieser Stelle wird die Situation, in der sich das Nachkriegsdeutschland befindet, geschildert: Eine ungewisse Zukunft steht bevor.

Es gibt genügend Möglichkeiten, in der jetzigen Situation eine Veränderung hervorzurufen. Andererseits könnte „schon ist Mittag“ als bedrohliches oder überraschend schnelles Fortschreiten der Zeit gesehen werden, so dass ein Zeitdruck erzeugt wird und dementsprechend, wenn auch leise gesagt, zu einem Handeln aufgerufen wird. Es bleibt abzuwarten, inwieweit das Unsägliche im Land in der Lage dazu ist, sich zu entwickeln.      

Das Gedicht ist entsprechend der hermetischen Auslegung vielschichtig und schwierig zu dechiffrieren. Ingeborg Bachmann arbeitete mit vielen, komplexen Bildern, deren Interpretationen nicht leicht ausfindig zu machen sind. Es gibt viel Raum für Spekulationen und Sichtweisen, die den Zugang zu dem Gedicht „Früher Mittag“ sehr schwer gestalten.

Die Deutungen einiger Bilder sind mir verwehrt geblieben, wie zum Beispiel die genaue Auslegung der Figur des Märchenvogels in der ersten Strophe und die des geschmiedeten Adlers auf dem Felsen (V. 25 – 27). Es zeigt noch einmal, wie schwer der Zugang zu der Lyrik Ingeborg Bachmanns ist.

3.2.                   Gedichtinterpretation: „Anrufung des Großen Bären“

„Anrufung des Großen Bären“ ist sowohl Namensgeber des zweiten Gedichtbandes als auch ein Gedicht aus diesem Band, welcher im Jahr 1956 veröffentlicht wurde. Im Folgenden werde ich versuchen, das Gedicht „Anrufung des Großen Bären“ zu analysieren.

Das reimlose Gedicht besteht aus 28 Versen, die vier, immer kürzer werdende Strophen aufbauen. An einigen Stellen sind die Verse wie auch in dem Gedicht „Früher Mittag“ mit Enjambements miteinander verbunden (= Hakenstil). Die erste Strophe (V. 1 – 11) besteht aus elf Versen, die zweite Strophe (V. 12 – 18) aus sieben Versen und die letzten beiden Strophen (V. 19 – 23 und 24 – 28) aus jeweils fünf Versen.  

Das Gedicht wirkt zunächst sehr undurchsichtig. Auffällig ist bereits zu Beginn des Gedichts, dass der Bär den Bezugspunkt des Gedichtes darstellt. Der Große Bär erweist sich in diesem Gedicht als eine mysteriöse Figur, die nach Anrufung durch die Menschen auf die Erde kommt und eine Gefahr von Gewalt darstellt. Bei genauerer Betrachtung des Gedichts eröffnet sich ein Perspektivenwechsel .....

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