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Frauen im Jazz

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Musicology

University, School

PH Ludwigsburg

Grade, Teacher, Year

2011, Prof. Dr. Imort

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Jazz Definition: Jazzist eineMusikrichtu­ngd­ie im SüdenAmerikaset­wa um1900im Zusammentreffen afrikanischer Rhythmik und abendländischer Harmonikentstan­den­ ist. Seine Wurzeln liegen einerseitsim Blues imSpiritualund imGospelSong andererseits in den verschiedenen Volksmusikender europäischen Einwanderer und auch derMilitärmusik­. Der Name Jazz kommt ausdem französischen Chase sprich tschèß. – was so viel heißt wie - eine Formder Improvisation in der sich zwei oder mehrereSolisten ständig abwechseln.…
„Tanz und andere laute Geselligkeit, wo der Alkohol meist eine stimmungserzeug­end­e Rolle spielt, meidet ein echter Wandervogel“46V­o­r diesem Hintergrund kristallisierte­n sich jene Jugendlichen heraus, bei denen der Jazz im Vordergrund stand und die ihre gesamte Lebensweise ganz nach dem richteten, was diese Musik umfasste und ihnen bot. V. Die Jazz- und Swingjugend Die Unzufriedenheit dieser Jugendlichen, die Eingrenzung ihrer persönlichen Freiheit und ihr Streben nach Verwirklichung ihrer Individualität paarten…

Thema der Arbeit:

Frauen im Jazz

Institut für Musik

Hauptseminar: Jazzstile im soziokulturellen Kontext

Dozent: Prof. Peter Imort

,

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Frauen im Jazz? Frauen im Jazz! 4

2.1 Probleme bei der künstlerischen Entwicklung von Frauen 4

2.2 Historischer Rückblick 7

2.2.1 Ella Fitzgerald 7

2.2.2 Anita O`Day 9

2.2.3 International Sweethearts of Rhythm 9

2.2.4 Katherine „Kay“ Faulkner Swift (1897 – 1993) 10

2. 3. Zeitgenössische Jazzmusikerinnen 11 3.1 Les Belles du Swing 11

3.2 Festival WIJ (Women in Jazz) in Halle 12

3. Fazit 13

4. Literaturverzeichnis 14

1. Einleitung

„…daß Frauen bestimmte Instrumente nicht so richtig spielen können, also eben grad das Schlagzeug, Baß und Blechblasinstrumente, weil eben dazu der Dreck (die Widerspenstigkeit, E.-M. B.) fehlt, den man bräuchte, um Jazz spielen zu können.“ {BOLAY 1995, S. 40}

Dieses Vorurteil findet auch heute noch Fürsprecher unter Männern. Erst vor Kurzem hatte ein Mitstudent, selbst Musiker, gesagt, Männer könnten bestimmte Musikinstrumente besser spielen als Frauen, weil den Frauen dazu die Physis nicht ausreiche. Darauf angesprochen, verglich er das Spielen auf sog. „männlichen“ Instrumenten mit dem Sport – da würden die Männer ja auch größere Leistungen vollbringen.

Wirklich begründen konnte er es allerdings nicht.

Mit diesem Beispiel will ich zeigen, wie verbreitet auch heute noch, viele Jahre nach der Frauenbewegung der 70er Jahre und Beginn der frauenbezogenen Musikforschung, das Vorurteil ist, Männer seien bessere Musiker, zumindest auf manchen Instrumenten. Dieses alte Vorurteil hat das Leben und die Karrieren vieler Frauen geprägt und teilweise zerstört oder verhindert.

Zu Beginn dieser Seminararbeit möchte ich zunächst einige Gründe für Schwierigkeiten der Frauen in der Musik im Allgemeinen und im Jazz im Besonderen untersuchen. Anschließend mache ich einen kurzen historischen Rückblick über die Vokalistinnen und Instrumentalistinnen der vergangenen Zeiten. Anschließend stelle ich zwei zeitgenössische Beispiele der Frauen im Jazz.

Es gäbe noch viel mehr Beispiele, jedoch würde es den Rahmen dieser Arbeit sprengen, auch nur auf einen Teil der sehr bekannten Musikerinnen einzugehen. Die vorgestellten Musikerinnen sollen beispielhaft für andere stehen.

Die Fragestellung, auf die ich mich bei dieser Arbeit fokussieren will, lautet: Hat sich die Situation der Frauen im Jazz verändert? Im abschließenden Fazit greife ich dann die Fragestellung auf und begründe meine Antwort.

2. Frauen im Jazz? Frauen im Jazz!

Bei Frauen im Jazz denkt man automatisch an die großen Stimmen wie Billie Holliday, Ella Fitzgerald oder Sarah Vaughan. Viele Instrumentalistinnen dagegen wurden nicht berühmt. Auch gab es zu Beginn des Jazz nicht viele Instrumentalistinnen, dies hat sich im Laufe der Zeit erst langsam geändert.

Jazz galt lange Zeit als eine Männerdomäne. Die Gründe dafür sollen im Folgenden untersucht werden.

2.1 Probleme bei der künstlerischen Entwicklung von Frauen

Warum ist es Frauen in der Vergangenheit nicht gelungen, sich künstlerisch zu etablieren? Dies gilt nicht nur für Jazz, sondern auch für andere Musikrichtungen.

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Frauen im Jazz
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Die weibliche Kreativität wurde lange verleugnet. Auch hatten Mädchen und Frauen keine Möglichkeit, eine solche Fähigkeit auszubilden. Natürlich war es für die Töchter aus gutem Haus wichtig, mindestens ein Musikinstrument zu erlernen. Allerdings wurde hier kein Wert auf Kreativität gelegt. Weder das künstlerische Können noch die Virtuosität standen im Vordergrund.

Auch unter Vertreterinnen der Frauenbewegung im 19. Jahrhundert war es nicht gern gesehen, dass Frauen sich musikalisch betätigten. Dazu schrieb Luise Büchner in ihrem Buch „Die Frauen und ihr Beruf“, dass die Musik sich „viel zu breit macht und eine Zeit in Anspruch nimmt, welche das Mädchen, wenn es sich damit begnügen wollte, einfache Piecen zu spielen, viel besser und nützlicher anwenden könnte.“ {BÜCHNER 1884, zit. nach HOFFMANN 2000, S. 17}.

Progressive Frauen warnten vor einer ästhetisierenden Bildung und wollten die kognitiven Anteile stärken.

Wenn Frauen sich musikalisch betätigt haben, waren es in der Regel Opernsängerinnen oder Sängerinnen in Bars oder in Revuen. Das öffentliche Auftreten von Frauen war gesellschaftlich nicht erwünscht. Auch hatten diejenigen Frauen, die öffentlich auftraten, oft keinen besonders guten Ruf. „Im Großbürgertum war es undenkbar, daß eine Frau öffentlich auftrat oder erwerbstätig wurde.

Da die Frauen in die Familie eingebunden wurden, konnten sie nicht in der Öffentlichkeit als Musikerin in Erscheinung treten.“ {BOLAY 1995, S. 18}.

Bei der Wahl des Instruments wurde darauf Wert gelegt, dass die Frau am Instrument nicht zu erotisch wirkt. Sie sollte sich nicht zu viel bewegen. Aus diesem Grund mussten musizierende Frauen aus einem Sortiment „typisch weiblicher“ Instrumente auswählen: Flöte, Klavier, Orgel oder eben Gesang.

Zudem kam, dass Frauen ihre Professionalität nicht ausbilden konnten. Die Gelegenheiten zum öffentlichen Auftreten beschränkten sich auf häusliche Konzerte, es gab nur wenige Ausnahmen. Sie hatten keine Möglichkeit, sich mit anderen Musikern auszutauschen, auch konnten sie ihre Wirkung auf das Publikum nicht erleben.

Auch gab es keinen Zugang zur musikalischen Ausbildung. Im klassischen Musikbereich gibt es die Musikausbildung zwar bereits seit längerer Zeit, jedoch hatten auch hier die Frauen nur sehr eingeschränkt Zugang zu den Hochschulen. Im jazzmusikalischen Bereich gab es lange Zeit überhaupt keine Ausbildungsstätten, die Musiker lernten autodidaktisch und voneinander. Somit kann man daraus schließen, dass wenn Frauen nur wenig Kontakt zu anderen Musikern hatten, sie auch weniger gut lernen konnten.

Heute ist es für Frauen vergleichsweise leichter, sich musikalisch zu betätigen. Das Musikstudium ist selbstverständlich auch Frauen geöffnet. Hier sind die Ausgrenzungen nicht mehr so offensichtlich wie früher, sondern subtiler. Den Frauen wird eher nahegelegt, Musiklehrerin zu werden, statt die Laufbahn einer Orchestermusikerin zu ergreifen.

Häufig studieren Frauen auch Schulmusik, was allerdings verständlich ist angesichts der unsicheren Musikerkarriere, gerade im Jazzbereich. Hierzu muss allerdings angemerkt werden, dass im Schulmusikbereich es oft noch sehr „klassisch“ zugeht, es gibt nur wenige Dozentinnen und Dozenten, die Jazzmusik unterrichten. Das gilt für Instrumentalmusik. Dozentinnen und Dozenten für Jazzgesang im schulmusikalischen Bereich gibt es nur wenige.

Mir selbst sind bisher an 2 Universitäten keine begegnet.

Auch die geschlechtsspezifische Sozialisation trägt dazu bei. Mädchen sollen sich eher unterordnen, sich dem Urteil anderer beugen. Sie lernen, ihre musikalische Tätigkeit familiären Beziehungsansprüchen unterzuordnen. Die musikalische Selbstverwirk-lichung ist in der traditionellen weiblichen Geschlechterrolle nicht vorgesehen.

Lust an Musik kann so nur schwer entstehen. Damit steht im Zusammenhang, dass Kreativität eine stärkere Dominanz und Ich-Stärke erfordert, was ebenfalls nicht zur Frauenrolle passt. Bei Jazzmusik spielen Lust und Kreativität aber eine besondere Rolle. Gerade bei Jazz ist es wichtig, zu improvisieren und eine eigene stilistische Identität zu entwickeln. Hören und Nachspielen von Titeln und Improvisationen gehören genauso dazu wie das Zusammenspiel mit anderen.

Außerdem braucht man Selbstvertrauen und Durchsetzungsfähigkeit, um ein musikalisches Vorhaben zu realisieren. Mädchen lernen aber, ihre Fähigkeiten gering zu schätzen.

Jazzmusik wird zudem mit männlichen Attributen in Verbindung gebracht wie „aggressiv, wild, ekstatisch“, auch dies passt nicht zum Frauenbild.

Die Aufteilung in typisch weibliche – typisch männliche Musikinstrumente ist eine jahrhundertealte Tradition. Die typischen Jazzinstrumente sind dabei in der Regel die sog. „männlichen“ Musikinstrumente: Bass, Saxophon, Trompete, Posaune, Schlagzeug, Gitarre usw. Als einziges Instrument im Jazz wird das Klavier noch als weiblich angesehen.

Diese Sichtweise beeinflusst die Entscheidungen der Eltern und Musikpädagogen, noch bevor das Mädchen sich selbst entscheiden kann. So sind dann die Musizierenden von vornherein festgelegt. Viele Mädchen spielen z.B. Blockflöte, so sehen sie hübsch artig aus, leise und zart, das passt zum typischen Bild eines Mädchens. Natürlich gibt es viele Frauen, die sich später für ein anderes Musikinstrument entscheiden, zum Beispiel Karoline Höfler, die den Kontrabass erst im Alter von 20 Jahren für sich entdeckt hat und damit erfolgreich geworden ist.

In Musikschulbüchern gibt es zwar Abbildungen von musizierenden Frauen, aber auch dort sind sie an den typisch weiblichen Instrumenten vertreten.

Dazu kommt, dass weibliche Instrumentalistinnen als Vorbilder fehlen. Es gibt nur wenige Frauen, die als Vorbilder gelten könnten. Sie erfahren in den Medien aber eine Darstellung, die sich mehr auf ihr Aussehen als ihr musikalisches Können bezieht: sexi hexi u. ä.

Aber auch die Tatsache, dass Jazz lange Zeit als minderwertige Musik galt, während die klassische Musik als wertvolle Musik galt und gilt, kann dazu geführt haben, dass Frauen sich weniger für diese Musikrichtung entschieden haben.

{vgl. BOLAY 1992}

2.2 Historischer Rückblick

Wenn man die Geschichte des Jazz betrachtet, findet man Frauen ebenso wie Männer. Allerdings stellt man dabei fest, dass alle Frauen, die große Berühmtheit erlangten, Vokalistinnen waren. Instrumentalistinnen sind nie besonders berühmt geworden, auch gab es derer nicht so viele. Die Gründe dafür wurden im ersten Kapitel untersucht.

2.2.1 Ella Fitzgerald – „Die Grande Dame des Jazzgesangs“ {Haskins 1992, S. 200}
Neben Billie Holliday gilt Ella Fitzgerald als eine der wichtigsten Jazzvokalistinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr musikalisches Wirken erstreckte sich über mehr als 5 Jahrzehnte. Während dieser Zeit veränderte sich nicht nur ihre Stimme, sie passte ihren Gesang auch der jeweils aktuellen Stilrichtung an.

Sie wurde am 25. April 1918 geboren. Ihren Vater lernte sie nie persönlich kennen, wusste aber von ihrer Mutter, dass er sehr musikalisch war. Nach dem Tod des Vaters zogen die Fitzgeralds Richtung Norden, nach Yonkers. So kam es, dass sie in die unmittelbare Umgebung von Harlem kam, wo in den 20er Jahren der Jazz blühte und unter anderem Lindyhop entstand.

Ella wuchs in einer typischen Arbeitersiedlung auf, ihre unmittelbare Lebensumgebung war nicht von Rassenfeindlichkeit geprägt. Sie hörte viel Musik, ihre Mutter ermutigte sie und bezahlte zunächst Klavierstunden, bis sie erkannte, dass Ella keine Fortschritte darin machte. Die Familie war knapp an Geld, nach einiger Zeit verdiente Ella auch dazu, indem sie in der Nachbarschaft half.

In der Schule hatte Ella die Grundlagen der Musikausbildung bekommen, jedoch bereute sie später, dass ihre Kenntnisse oberflächlich blieben. Sie konnte wunderbar Stimmen imitieren, dadurch war sie bei den Mitschülern sehr beliebt. Das stieg ihr zu Kopf, was ihre Mutter verurteilte. Da sie keine Schönheit war, half ihr das musikalische Talent allerdings zu einem besseren Selbstbewusstsein.

Als sie und ihre Freundinnen von einem Talentwettbewerb erfuhren, beschloss Ella, daran teilzunehmen. Sie meldete sich als Tänzerin an, jedoch versagten ihr bei der Vorstellung vor Aufregung die Beine ihren Dienst. Sie gab nicht auf und begann ein bekanntes Lied zu singen, das das Orchester begleiten konnte.

Das Publikum war begeistert, und Ella gewann den Wettbewerb. Es folgten weitere Wettbewerbe und einige wenige Engagements, doch sie hatte keinerlei Kontakte zum Showbusiness, deshalb blieb sie lange Zeit bei Talentwettbewerben hängen, die sie regelmäßig gewann. Erst Chuck Webb gelang es, sie zu entdecken. Er war sehr von ihrer Stimme angetan und nahm sie in seiner Band auf.

Sie begann zu scatten und wurde mit der Zeit Meisterin im Scatgesang. Sie wurde immer populärer und konnte 1936 eine Platte unter ihrem Namen aufnehmen, „Ella Fitzgerald and Her Savoy Eight“. Ab da wurde sie immer gefragter, verdiente mehr Geld und hatte viele Fans. Mit ihren Mitmusikern hatte sie allerdings privat nichts zu tun. Sie grenzte ihr berufliches streng von ihrem Privatleben ab.

Das Wichtigste für sie war immer das Singen. Sie wollte „eigentlich immer nur singen und möglichst vielen Menschen damit eine Freude bereiten und sonst gar nichts. That’s all.“ {RULAND 1992, S. 36}.

2.2.2 Anita O`Day (vgl. [1])

Ihre Karriere begann sie schon als Teenager, und zwar zunächst als Tänzerin. Mitte der 30er Jahre entschied sie sich dann, Sängerin zu werden.

Ab 1941 sang sie zunächst in der Big Band von Gene Krupa. Sie war die erste Bigband-Sängerin, die sich weigerte, ein für Frauen damals übliches Kleid anzuziehen; sie trug, wie die anderen Bandmitglieder, eine Banduniform. So prägte sie das Image der Band-Sängerin.

Ihr Gesang war deutlich im Swing angesiedelt, jedoch integrierte sie auch andere Stilrichtungen wie z.B. Cool Jazz in ihren Stil. Wie Billie Holiday, waren auch ihr die Texte der Lieder wichtig. Sie trat sehr selbstbewusst auf, ihr tänzerisches Talent trug ebenfalls zu ihrer charismatischen Bühnenpräsenz bei.

2.2.3 International Sweethearts of Rhythm

Die meisten Frauen, die früher (vor den 1970er Jahren) im Jazz aktiv waren, waren Vokalistinnen. Es gab allerdings auch eine erfolgreiche Frauenband, die sich „International Sweethearts of Rhythm“ nannte. „Im Jahr 1937 gründete Laurence Clifton Jones, seines Zeichens Leiter einer Schule für Waisen und arme Kinder in Piney Woods, Mississippi, die Band, die später von der Trompeterin Edna Williams geleitet wurde.

Einen Aufschwung erhielt die Band, als sie 1940 Erfolg im legendären New Yorker Apollo hatten und 1941 kurzerhand die Verbindung zur Schule auflösten, als sie erfuhren, dass acht Mädchen, die drei Jahre lang mit der Band getourt hatten, die Abschlussprüfung nicht bestehen sollten.“[2] In dieser Band spielten zwar sowohl weiße als auch schwarze Musikerinnen, die weißen Musikerinnen mussten sich allerdings dunkel schminken, weil sie ebenfalls als Schwarze ausgegeben wurden.

Die erfolgreichste Zeit dieser Band waren die 40er Jahre. Gerade die Zeit des 2. Weltkriegs hat den Frauen Möglichkeiten eröffnet, in Männerdomänen vorzudringen, wie es vorher nicht möglich war. Auch war es für Frauen damals einfacher, eine reine Frauenband zu gründen, als in einer Band zu spielen, in der auch Männer dabei waren.

2.2.4 Katherine „Kay“ Faulkner Swift (1897 – 1993) (vgl. [3])

Kay Swift war die erste Frau, die die Musik eines kompletten Broadway-Musicals geschrieben hatte – „Fine and Dandy“ (1930). Sie wurde zwar als klassische Musikerin ausgebildet, doch unter dem Einfluss von George Gershwin begann sie, sich mit populärer Musik zu beschäftigen. Sie blieb ihr Leben lang der Musik Gershwins verhaftet und arbeitete nach dessen Tod mit Ira Gershwin weiter.

Bis ins hohe Alter blieb sie musikalisch aktiv und starb mit über 90 Jahren.


2. 3 Zeitgenössische Jazzmusikerinnen
Heute gibt es viele Jazzsängerinnen und Instrumentalistinnen, die sich nicht mehr auf einen Musikstil festlegen lassen. So ist eine der bekanntesten Jazzsängerinnen der heutigen Zeit Norah Jones, die jedoch auch Popsongs singt. Eine weitere Jazzsängerin, Liza Minelli, ist in erster Linie durch Musical- und Filmproduktion berühmt geworden. Es ist nicht leicht, hier eine trennscharfe Linie zu ziehen. Vermutlich ist es der allgemeinen Jazzentwicklung zuzuschreiben, die mit Fusion Jazz Anfang der 70er Jahre begann. Oder man kann es vielleicht mit den Worten von Jeschi Paul beschreiben: Laut, leise, Klassik, Jazz, brasilianisch, spanisch, englisch, französisch, lustig, ernst, in allen Lebenslagen. Ich singe. Mit Begeisterung, mit Liebe, mit Elan, allein, mit anderen .“ (s. [4])
2. 3.1 Les Belles du Swing (vgl. [5])

Les Belles du Swing ist eine zeitgenössische deutsche Swing-Band, die nur aus Frauen besteht. Sie wurde 2005 gegründet. Die Musikerinnen antworten zu der Frage, warum es nur Frauen sind, dass sie sich schon vorher aus anderen Projekten kannten und sich deshalb zusammengetan haben. Sie schließen die Männer nicht aus, sondern haben hin und wieder Gastmusiker.

Ihre musikalische Sozialisation war ziemlich unterschiedlich: die Bandleaderin wuchs mit Bach auf, andere kaufte sich selbst eine Gitarre und studierte später, wobei sie sich das Studium mit Gigs finanzierte, der Sängerin wurde Jazz bereits vom Vater nähergebracht, wobei sie trotzdem zunächst klassischen Gesang studierte.

Die Kontrabassistin z.B. sagt, sie hätte zu Hause gar nicht viel Musik gehört, nur bei ihrem Opa, der früher Musiker war. Die Saxophonistin hatte eigentlich zuerst mit Akkordeon angefangen, was ihr aber gar nicht gefiel. Erst spät hat sie ihre Liebe zu Saxophon gefunden.

Warum Swing? Wegen der Leichtigkeit und der Lebensfreude. Sie nehmen die „leichte Unterhaltung ernst und suchen die Schönheit und Intensität darin.“

Sie nehmen verschiedene Swing-Klassiker aus den 20er – 30er Jahren, adaptieren sie zeitgemäß mit Jazzimprovisation und mit eigenen neuen, deutschen Songtexten, oft mit einer anderen Geschichte. Die Texte handeln von heutiger Zeit, heutigen Erlebnissen und Problemen.

Das Festival „Women In Jazz“ in Halle gilt als wichtiges Zentrum dieser Entwicklung. Die Musikerinnen sind unterschiedlich in ihrer Persönlichkeit und musikalischer Entwicklung. Manche sind Autodidaktinnen, andere haben ein Hochschulstudium absolviert.

Manche haben „männliche“ Eigenschaften entwickelt, andere sind bewusst weiblich. Zunehmend sehen die Frauen im Jazz auch eine berufliche Perspektive. „Uschi Brüning: „Das ist einfach eine Musik, die immer leben wird und mit der man auch immer noch leben kann, wenn man älter ist. Musik, die immer eine Entwicklung bereit hält. Da gibt es kein Ende, kein Ankommen und das hat mich daran gereizt und reizt mich bis heute.““ (VENSKE 2009, S. 2).

VENSKE beobachtet außerdem, dass es mit mehr Frauenbeteiligung auch Veränderung im Verständnis der Musik gegeben hat. Auch heute gibt es noch Jazzer, die „Mann gegen Mann“ (ebda.) spielen, denen Soli besonders wichtig sind. Doch im Mittelpunkt der von Frauen interpretierten und komponierten Musik steht der Song.


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