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Franz Kafka Der Geier – Beispielinterpreta­tion

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German studies

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Franz Kafka: Der Prozess - Analyse einer Textstelle In der zu analysierenden Textstelle versuch der Protagonist des Romans Josef K. die anwesenden Leute im Publikum während der 1. Unersuchung, inklusive des Untersuchungsri­cht­ers von der Unzulänglichkei­t des gegen ihn geführten Verfahrens und der damit verbundenen Inkompetenz des Gerichts. Bereits durch die Lage des Gerichts in einer kleinen Wohnung eines Angestellten in einer heruntergekomme­nen Mietskaserne wird die Unzulänglichkei­t des Gerichts dargestellt, und…

Franz Kafka Der Geier – Beispielinterpretation


Ein Buch muss wie eine Axt sein für das gefrorene Meer in uns
(Franz Kafka)


Nur vier Jahre vor seinem Tod schrieb Franz Kafka (1883-1924) seine parabolische Erzählung „Der Geier“, die dem Leser in drastischen Bildern vor Augen führt, was ihm blüht, wenn er seine Probleme nicht aktiv zu bewältigen versucht: die Selbstvernichtung.

Kafkas Kurzgeschichte handelt von einem Mann, der sich nicht dazu imstande fühlt, sich gegen den Angriff eines Geiers aktiv zur Wehr zu setzen. Die Rettung naht lediglich in der Form eines Herrn, der zufällig vorbeikommt und dem Ich-Erzähler seine Hilfe anbietet.

Diese Rettungsaktion ist jedoch vergeblich, denn während sich der Herr auf den Nachhauseweg begibt, um sein Gewehr zu holen, startet der Geier seinen finalen Angriff, bei dem sowohl Ich-Erzähler als auch Geier sterben.
Der Beginn der Kurzgeschichte erinnert mit ihrem „Es war ein Geier […]“ (Z. 1) beinahe an ein Märchen, wäre da nicht der zweite Teil des ersten Satzes, welcher eher an eine Horrorgeschichte denn an ein Märchen der Gebrüder Grimm denken lässt.

Dem märchenhaften Anfang steht nämlich die brutale und gnadenlose Aktivität eines Geiers gegenüber:„[…] der hackte in meine Füße“ (Z.1). Dadurch, dass die näheren Umstände und die Frage, wessen Füße hier malträtiert werden, nicht genannt werden, bekommt die Kurzgeschichte einen universellen Charakter: Das Ich könnte jeder sein.

Jedem von uns könnte ein Geier die Socken und Stiefel zerfetzen und in die Füße hacken (vgl. Z. 1f.). Doch wohl kaum jemand würde sich so verhalten wie der Ich-Erzähler, für dessen Charakter eine auffällige Passivität bezeichnend ist, die sich darin äußert, dass er keinen Versuch unternimmt, sich gegen das Tier zu wehren.

Im Gegenteil: Geduldig steht er da und lässt sich seine Füße zerfetzen. Noch nicht einmal als ein Herr vorbeikommt, macht er Anstalten, diesen um Hilfe zu bitten. So ist es nämlich der Herr, der das Ich anspricht und ihm einen Lösungsvorschlag unterbreitet: „ein Schuß und der Geier is.....[read full text]

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Da sich der Ich-Erzähler aber von Anfang an einredet, gegen den Geier wehrlos zu sein, um damit seine Passivität sowohl vor sich selbst als auch vor dem Herrn zu rechtfertigen, handelt es sich wahrscheinlich auch bei der Wahrnehmung des eigenen Todes als Sieg über den Geier um eine Selbstlüge.
Doch wer oder was ist nun der Geier? Wem oder was unterwirft sich das Ich? Ist der Geier das Schicksal, gegen das man sich nicht wehren kann? Diese Deutung würde jedenfalls die Schicksalsergebenheit und Wehrlosigkeit des Ich-Erzählers erklären, der sich ohne Gegenwehr und Aufbegehren von dem Geier töten lässt.

Handelt es sich bei dem Ich aber wirklich um ein hilfloses Opfer oder trägt es nicht vielmehr eine Mitschuld an seinem eigenen Tod? Oder symbolisiert der Geier etwa eine Krankheit, der das Individuum wehrlos ausgeliefert ist – um eine Krankheit, der keine ärztliche Behandlung beikommen kann? Vielleicht handelt es sich bei dem Geier aber auch um Kafkas Vater, gegen den sich der Sohn n.....

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