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German studies

University, School

PH Ludwigsburg

Grade, Teacher, Year

2,5, Boose, 2013

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Der Außenseiter in der Literatur am Beispiel des Landvermessers K. in Franz Kafkas Roman „Das Schloß“


Inhaltsangabe

1.            Einleitung

2.1.         Der Autor: Franz Kafka

2.2.         Das Schloß im biographischen Kontext

3.1.         Mann ohne Herkunft und Vergangenheit: Der Landvermesser K.

3.2.         Die Motiv K.s: Der Kampf

3.3.         Ein Gegner, der sich entzieht: Das Schloß

3.4.         K. und die Frauen

4.            Fazit

5.            Literaturliste


1.        Einleitung   

Mit dem Landvermesser K., der als Fremder in einer kalten Winternacht in einem namenlosen Dorf ankommt und in den nächsten Tagen einen ebenso verbissenen wie hoffnungslosen Kampf um seine Existenz führt, hat Franz Kafka eine Figur der Weltliteratur geschaffen. In seinem Fragment gebliebenen letzten Roman Das Schloss zeichnete Kafka die Erlebnisse K.s in einer düsteren und surrealen Umwelt über sieben Tage hinweg nach, ehe die Geschichte unvollendet abbricht.

K. ist ein Außenseiter in dieser Welt oder, wie es im Roman heißt, ein Fremder, der an dem Ort, in dem er beschlossen hat, in Zukunft leben zu wollen, „überzählig“ ist. Dieser Außenseiter soll auf den folgenden Seiten im Mittelpunkt stehen. Wie wird K., wie wird seine Umwelt und die Menschen, denen er begegnet beschrieben? Was verbirgt sich hinter dem Schloss und seinen Vertretern, mit denen K. den Kampf aufnehmen will? Und was ist das letztlich für ein Kampf, der hier ausgetragen werden soll?

Es ist in der Vergangenheit vielfach versucht worden, Kafkas Roman zu deuten. Erstmalig bereits von Max Brod, Kafkas Freund, der das Werk posthum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat, und in der Folge von verschiedener Seite und mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Diese Diskussionen hier erschöpfend auszubreiten, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

Vielmehr geht es um die Beschreibung des Außenseiters als literarische Figur am Beispiel des vermeintlichen Landvermessers K. Um diese zu entwickeln, scheint es zunächst notwendig, den Roman in den Kontext von Leben und Werk des Autors Franz Kafka zu stellen. Daher soll der Darstellung der Romanfigur K. ein biographischer Abschnitt auf den ersten Seiten dieser Arbeit vorangestellt werden.

Der verwendete Primärtext dieser Arbeit ist die Ausgabe von Franz Kafkas Schloß-Roman, die der Aufbau Taschenbuch Verlag 1995 herausgegeben hat.[1] Sie basiert auf der 1983 von Klaus Hermsdorf herausgegebenen zweibändigen Ausgabe Das erzählerische Werk,[2] die wiederum die von Max Brod herausgegebenen Gesammelten Werke Franz Kafkas zur Grundlage hatten.

2.1.   Der Autor: Franz Kafka


Franz Kafka wurde am 3. Juli 1883 als ältester Sohn des deutsch-jüdischen Kaufmanns Hermann Kafka und seiner Frau Julie (geb. Löwy) in Prag geboren. Die Familie war vor seiner Geburt aus einem Dorf im südlichen Böhmen in die Großstadt gezogen, in der Kafka ab 1893 das deutsche Gymnasium besuchte. Ab 1901 studierte er an der Deutschen Universität in Prag.

Nach zwei Semestern Germanistik nahm Kafka ein Jurastudium auf, das er mit der Promotion 1906 beendete. Während der Studienjahre lernte er seinen langjährigen Freund Max Brod kennen, der ihn bei der Veröffentlichung seiner Schriften unterstützte. Ebenfalls in dieser Zeit entstanden erste Texte Kafkas, die er zum Großteil selbst vernichtete, da sie seinem Anspruch nicht genügten.

Das früheste erhaltene Werk Kafkas, „Beschreibung eines Kampfes“, stammt aus den Jahren 1904/1905. Nach einem einjährigen Pflichtpraktikum am Prager Land- und Strafgericht trat er 1908 eine Stelle in der „Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt“ des Königreichs Böhmen an. Hier arbeitete sich Kafka in den folgenden Jahren bis zu der Position eines „Obersekretärs“, vergleichbar der eines Abteilungsleiters, hoch.

1911 musste sich Kafka erstmals wegen einer Lungenerkrankung in ein Sanatorium begeben. Nach der Genesung veröffentlichte er sein erstes Buch mit dem Titel „Betrachtung“, das 18 Prosatexte versammelte. Im Jahr 1912 lernte Franz Kafka auch die aus Berlin stammende Sekretärin Felice Bauer kennen, mit der er einen regen .....[read full text]

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Der Beginn eines neuen literarischen Projekts nach langen Jahren der Stagnation hatte für Kafka eine hohe psychologische Bedeutung, wie Rainer Stach betont:

„Wohl kein anderes literarisches Werk hat Kafka mit einem derart bewussten Vorsatz zur Selbsttheraphie begonnen, mit solchen Hoffnungen auf die heilende Wirkung der schöpferischen Aufmerksamkeit, die dem nervenzerrüttenden Leerlauf der Selbstbeobachtung endlich Einhalt gebieten würde.“[5]

Die wieder aufgenommene schriftstellerische Tätigkeit löste bei Kafka eine neue Phase der allgemeinen Aktivität und empfundenen Lebensfähigkeit aus: Nur durch das Schreiben, so war Kafka nun überzeugt, konnte er seine seelischen Leiden zukünftig überwinden. Bis in den Spätsommer hinein arbeitete Kafka an seinem Roman, ihn zu vollenden gelang ihm jedoch nicht.

Im August 1922 brach er die Niederschrift ab, in der Überzeugung, sie niemals wieder aufnehmen zu können.


3.1.   Mann ohne Herkunft und Vergangenheit: Der Landvermesser K.


Wer ist K.? Über die Hauptfigur des Romans, dessen Erlebnisse, vor allem dessen lange Gespräche mit verschiedenen Dorfbewohnern und Angestellten der Verwaltung, dessen „Kampf“ der Leser begleitet, erfährt man fast nichts. Selbst sein Name wird nur abgekürzt, so als wäre er bereits bekannt oder würde keine Rolle spielen.

K. erreicht eines Nachts das namenlose Dorf, in dem in den nächsten sieben Tagen die Geschichte des Romans stattfindet. Man weiß nicht, woher er kommt und was ihn ausgerechnet hierher geführt hat. Scheinbar hat er eine lange Wanderschaft hinter sich. Zwar behauptet er im Wirtshaus, in dem er in der Nacht seiner Ankunft einkehrt, um dort eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen, er sei der vom Grafen bestellte Landvermesser.

Doch wie glaubwürdig ist diese Behauptung? Hatte er nicht gerade zuvor noch gefragt, in welches Dorf er sich den verirrt hätte? Und war er nicht überrascht gewesen, dass sich oberhalb des Dorfes ein Schloss, das Schloss des Grafen West-West, befände?[6] Die telefonische Nachfrage auf dem Schloss jedenfalls bestätigt die erwartete Ankunft eines Landvermessers und so wird K. für die Dorfbewohner unbezweifelt zum gräflichen Angestellten.

Über K.s äußere Erscheinung wird nur einmal kurz berichtet, als Schwarzer, der Sohn eines Unterkastellans das Schloss telefonisch davon in Kenntnis setzt, dass „ein Mann in Dreißigern“ und „zerlumpt“[7] im Dorf angekommen sei. Mit sich trüge er einzig einen „Knotenstock“ und einen „winzigen Rucksack“.

Das ist vielleicht der armselige Besitz eines Landstreichers, eines Wanderers vielleicht, nicht jedoch die Ausstattung, die ein ausgebildeter Landvermesser mit sich trüge, zumal dann, wenn er einem größeren beruflichen Auftrag entgegensieht.

Doch ob K. ein Betrüger ist, der sich die Stelle eines gräflichen Landvermessers angemaßt hat, bleibt letztlich Spekulation. Sie wird in der Folgezeit zumindest im Dorf weder hinterfragt noch aufgeklärt. Für den Leser bleibt jedoch der Eindruck, dass sich K. eine erfundene Identität zulegt. Indiz für ein Lügenkonstrukt ist nicht zuletzt die Tatsache, dass weder die von K. angekündigten Gehilfen jemals auftauchen, noch die für die Landvermessung notwendigen Gerätschaften, die diese mit sich führen sollen.

Auch über K.s Vorgeschichte wird fast nichts bekannt. Einmal erwähnt er, dass er, wenn er „so weit von Frau und Kind reist“, dann auch „etwas heimbringen“ will.[8] K. hat also offenbar eine Familie, die er für die Erfüllung seines Auftrags verlassen hat. Und der Lohn für die kommende Arbeit soll einmal dieser .....

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Dass K. nun doch in dieser Funktion im Dorf erschienen sei, könne nur die Folge einer Fehlleitung innerhalb der Kommunikation zwischen Dorf und Verwaltung sein.

Hatte also ein Zufall, ein Missverständnis in der Verwaltung K. zu dem gemacht, was er nun war, ein Landvermesser? Die Frage wird nicht geklärt.



3.2.   Das Motiv K.s: Der Kampf


Herkunft und Vergangenheit K.s bleiben im Verlaufe des Romans unbestimmt. Umso klarer entwickeln sich für den Leser mit der Zeit die Motive des Außenseiters, der in die dörfliche Welt eindringt. Die Hauptfigur selbst spricht wiederholt davon, was sie antreibt: K. will einen Kampf führen und in diesem siegreich sein. Je länger man sein Handeln verfolgt, umso klarer wird dabei auch, K. kämpft, „um des Kampfes willen“.[11]

Die einzige kurze Episode aus dem Leben der Hauptfigur, die im Laufe des Romans berichtet wird, ist bezeichnenderweise ebenfalls die Geschichte eines Kampfes. Während einer beschwerlichen Wanderung durch hohen Schnee erinnert ihn die Dorfkirche an eine Herausforderung der Jugendzeit:

Immer wieder tauchte die Heimat auf, und Erinnerungen an sie erfüllten ihn. Auch dort stand auf dem Hauptplatz eine Kirche, zum Teil war sie von einem alten Friedhof und dieser von einer hohen Mauer umgeben. Nur sehr wenige Jungen hatten diese Mauer schon erklettert, auch K. war es noch nicht gelungen.

Nicht Neugier trieb sie dazu, der Friedhof hatte vor ihnen kein Geheimnis mehr. Durch seine kleine kleine Gittertür waren sie schon oft hineingekommen, nur die glatte, hohe wollten sie bezwingen. An einem Vormittag (…) gelang es ihm überraschend leicht; an einer Stelle, wo er schon oft abgewiesen worden war, erkletterte er, eine kleine Fahne zwischen den Zähnen, die M.....

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Sehr geehrter Herr! Sie sind, wie Sie wissen, in die herrschaftlichen Dienste aufgenommen. Ihr nächster Vorgesetzter ist der Gemeindevorsteher des Dorfes, der Ihnen auch alles Nähere über Ihre Arbeit und die Lohnbedingungen mitteilen wird und dem Sie auch Rechenschaft schuldig sein werden. Trotzdem werde aber auch ich Sie nicht aus den Augen verlieren.

Barnabas, der Überbringer dieses Briefes, wird von Zeit zu Zeit bei Ihnen nachfragen, um Ihre Wünsche zu erfahren und mir mitzuteilen. Sie werden mich immer bereit finden, Ihnen, soweit es möglich ist, gefällig zu sein. Es liegt mir daran, zufriedene Arbeiter zu haben.[15]

K. nimmt seinen Kampf bereits am Tag nach seiner nächtlichen Ankunft im Dorf auf. Er macht sich auf den Weg zum Schloss, doch er muss erkennen, dass dieser Weg ihn keineswegs zum Ziel führt. Er erreicht das Schloss seltsamerweise nicht, bleibt im tiefen Schnee stecken und muss schließlich entkräftet umkehren. Es wird sein einziger direkter Angriff auf seinen Gegner bleiben.

Von nun an bestreitet er seinen Kampf gegen das Schloss vom Dorf aus und er richtet ihn direkt gegen denjenigen, den er für den entscheidenden Vertreter seines Gegners hält, den Beamten Klamm. Dieser wird zur entscheidenden Zielfigur für K.s Kampf. Um ihn drehen sich in den nächsten Tagen alle seine Bemühungen.

K. erobert das Herz des Ausschankmädchens Frieda, die er für die Geliebte Klamms hält und verspricht ihr nach einer gemeinsamen Nacht die Ehe. Doch es nicht die Liebe, die ihn zu diesem Schritt verleitet, sondern einzig der Wille, Klamm herauszufordern. Sobald K. erkennt, dass Frieda für Klamm von weit geringerer Bedeutung ist als er glaubte, verliert sie jedoch augenblicklich ihren Reiz:

Die Nähe Klamms hatte sie so unsinnig verlockend gemacht, in dieser Verlockung hatte sie K. an sich gerissen, und nun verwelkte sie in seinen Armen.[16]

Als sich Frieda letztlich von ihm lossagt und in die Dorfgemeinschaft zurückkehrt, nimmt K. das mehr oder weniger hin, ohne mit Überzeugung um seine ehemalige Braut zu kämpfen.

Auch das Schicksal des Schuljungen Hans, der sich Hilfe von K. bei der Genesung seiner erkrankten Mutter erhofft, interessiert K. nur insofern, dass er auch diese nur im Hinblick auf ihre vermeintlichen Verbindungen zum Schloss sieht.[17] Seine größten Hoffnungen setzt K. auf Barnabas, jenen jungen Mann, der ihm die Botschaften Klamms überbringt. Doch auch hier, wie bei Frieda und Ha.....

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Selbst das vermutliche Hauptgebäude war nicht mehr als ein besseres Wohnhaus, einzig ausgezeichnet durch einen niedrigen Turmbau.

Doch trotzdem kommen bei K. keinerlei Zweifel auf, dass hier sein mächtiger Widerpart sitzt. Seine Überzeugung wird im Laufe der Zeit bestätigt. Die Bewohner des Dorfes lassen keinen Zweifel an der allumfassenden Macht, die vom Schloss ausgeht und der sie sich wehrlos und selbstverständlich unterwerfen müssen.

Das Schloss ist ein hermetisch abgeriegelter Bereich, der sich mit großem Aufwand vor der Außenwelt beschützt. An seiner Spitze steht offenbar ein Graf namens West-West, der zwar zu Beginn des Romans erwähnt wird, dann jedoch keine weitere Rolle mehr spielt. Es ist eine bürokratisch geprägte Macht, die auf alle Dorfbewohner unbeschränkten Zugriff hat.

Dabei hat sie eine geradezu feudale, mittelalterliche Ausprägung. Dies zeigt sich beispielhaft an der Tatsache, dass die Vertreter des Schlosses ein nicht bestrittenes Zugriffsrecht auf die Frauen des Dorfes haben. Worauf sich diese Machtfülle jedoch gründet, bleibt während des gesamten Romans unklar.

Tatsächlich wirkt die Macht offenbar nur mittelbar, wie sich am Schicksal der Familie des Barnabas zeigt. In dem langen Gespräch, das Olga, die Schwester des Barnabas mit K. führt, wird der seltsame Charakter dieser Macht sichtbar.[20] Als sich die Schwester Olgas, Amalia, einem Beamten der herrschaftlichen Bürokratie verweigert, eine scheinbar unerhörte Tat, tritt das Schloss keineswegs strafend in Aktion.

Vielmehr zieht sich der zurückgewiesene Beamte zurück, er verschwindet vollkommen aus dem Blickfeld des Dorfes. Stattdessen tritt die Dorfbevölkerung als Strafinstanz auf, indem sie zukünftig die Familie Amalias sozial ausgrenzt. Sie werden zu Ausgestoßenen, was insbesondere die Eltern von Amalia, Olga und Barnabas zu körperlich und seelisch zerstörten Menschen macht.

Die Arbeit, die die Mitglieder der Behörde verrichten, scheint sinnlos und nur auf sich selbst bezogen. Was in den Schreibstuben passier.....

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Und das, obwohl K.s Anspruch offensichtlich eine Anmaßung ist, was zumindest das Schloss beurteilen kann. Es stellt ihm sogar noch zwei Gehilfen zur Verfügung, wohl wissend, dass jene von K. angekündigten Gehilfen niemals erscheinen werden. Selbst eine Bezahlung für kommende Leistungen wird ihm in Aussicht gestellt. Das Schloss nimmt K.s Kampfansage hin, „gewissermaßen als die belanglosen Rollenspiele eines Unmündigen“.[23]

Als K. Klamm, dem Vertreter der Macht die vermeintliche Geliebte Frieda entzieht, bleibt dieser passiv. Klamm nimmt selbst jetzt den Kampf nicht auf. Vielmehr wird ihre Rückkehr erst von K. verlangt, als diese K. bereits verlassen hat. Und selbst das geschieht nicht durch Klamm selbst, sondern durch einen anderen Beamten namens Erlanger, der betont, wie sehr die Arbeit Klamms dadurch „gestört“ wird, dass ihm ein fremdes Ausschankmädchen ein Bier serviert.[24]

Die Sprache, die die Behörde in der Kommunikation mit K. pflegt, ist bei alldem nur latent aggressiv. Sie schwankt zwischen höflicher Überlegenheit und deutlichen Hinweisen auf die Konsequenzen von K.s Verhalten. Die Aufgabe, K. die Unmöglichkeit eines siegreichen Kampfes klarzumachen, überlässt das Schloss seinen Handlangern, den Bewohnern des Dorfes.


3.3.   K. und die Frauen


K. betrachtet alle Menschen, denen er im Dorf begegnet,  zuvorderst unter der Prämisse ihres Nutzens für seinen Kampf. Das bezieht sich besonders auch auf sein Verhalten gegenüber den Frauen.

Die zentrale weibliche Figur des Romans ist K.s zeitweilige Braut Frieda, „ein unscheinbares, kleines, blondes Mädchen mit traurigen Augen und mageren Wangen“, das jedoch gleichzeitig über einen „Blick von besonderer Überlegenheit“[25] verfügt. Gleich im Rahmen ihrer ersten Begegnung im „Herrenhof“ kommt es zwischen K. und Frieda zu sexuellen Handlungen – von Kafka merkwürdig indirekt beschrieben.

Das schwierige eigene Verhältnis zur Sexualität scheint hier sichtbar auf. Friedas Leidenschaft für K. ist offensichtlich gepaart mit der Hoffnung, über die Liebe zu K. eine Befreiung aus ihrer Umwelt, der bedrückenden Atmosphäre der dörflichen Gesellschaft, zu erlangen. K.s folgende Bereitschaft, eine baldige Hochzeit mit Frieda einzugehen, hat jedoch nur einen Beweggrund: er will Friedas vermeintliche Nähe zu Klamm für seine eigenen Interessen nutzen.

Als K.s wahre Motive für Frieda nach und nach immer klarer zu Tage treten, wendet sie sich schließlich enttäuscht von ihm ab und kehrt an ihren alten Platz zurück. Friedas mütterliche Freundin Gardena, die Wirtin des „Herrenhofs“ und Klamm machen sie wieder zum Ausschankmädchen. Zudem wird ausgerechnet einer der beiden vom Schloss K. zugewiesenen Gehilfen, Jeremias.....

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