<
>
swopdoc logo
Download
a) trade for free
b) buy for 1.18 $
Document category

Miscellaneous
History

University, School

Freiburg im Breisgau

Grade, Teacher, Year

2008/2009, Prof. T. Zotz

Author / Copyright
Text by Thierry . ©
Format: PDF
Size: 0.09 Mb
Without copy protection
Rating [details]

Rating 4.5 of 5.0 (12)
Live Chat
Chat Room
Networking:
0/0|0[-3.0]|0/2







More documents
Das deutsche Reich als Kolonialmacht Gliederung: 1. Die Gründe und Entstehung der Deutschen Kolonien 2. Kolonien des Deutschen Reiches 3. Die Aufstände gegen die Kolonien 4. Der Untergang des Deutschen Kolonialreiches im ersten Weltkrieg 5. Bilder von der ehemaligen deutsch-südwest­afr­ikanisch­en Kolonie Swakopmund 6. Quellen Die Gründe und Entstehung der Deutschen Kolonien Während andere europäische Mächte schon ab dem 15. Jahrhundert begannen, Kolonien in Übersee zu gewinnen, trat Deutschland erst im 19. Jahrhundert…
Gleich zu Beginn der Geschichte Marias entflieht sie dem Zorn ihres Vaters, indem sie sich in ihr Zimmer zurückzieht. Sie schreibt einen Brief an ihren geliebten Egon und verweist darauf, dass er ihre einzige Hoffnung ist, um ihrem jetzigen Leben zu entrinnen. Doch sie wird von ihrer Mutter aus den Träumen gerissen und wird ermahnt, beim Metzger Fleisch zu besorgen, um dem Zorn des Vaters zu entgehen. Sie macht sich auf und wird dabei von der Mutter beobachtet. Dabei wird sie scheinbar von einem Waschbrett umrahmt, was die ausweglose…
Essay zur Entstehung des alemannisch-schwäbischen Herzogtums und dessen Eingliederung in das fränkische Reich


Essay zur Entstehung des alemannisch-schwäbischen Herzogtums und dessen Eingliederung in das fränkische Reich


Die Alemannen werden seit der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts erstmals als germanischer Kriegerverband in schriftlichen Quellen erwähnt. Der Prozess der Eingliederung einer Provinz der Alemannen in das fränkische Reich in den Jahren um 500 ist jedoch anhand der Quellenlage ebenso schwer rekonstruierbar und somit nachvollziehbar wie die Ethnogenese der Alemannen und deren Entwicklung von einem heterogenen Kriegerverband oder einem Mischvolk zu einem Volk mit eigener Identität.

Welche Probleme bereitet die Interpretation des historischen und archäologischen Quellenmaterials bei der Rekonstruktion der Frühgeschichte Alemanniens? Inwieweit ist anzunehmen, dass es im 7. und 8. Jahrhundert eine ‚alemannische Identität’ gegeben hat?


Das Problem mangelnder Rekonstruierbarkeit der alemannischen Frühgeschichte taucht bereits in Bezug auf die Alemannenschlacht bei Zülpich auf, in welcher der Frankenkönig Chlodwig das Alemannenheer vernichtet haben könnte.

Die verbreitete Interpretation dieses Ereignisses als entscheidender Schritt für die Eingliederung der Alemannen in das fränkische Reich basiert auf „der Zusammenführung weniger isolierter und fragmentarischer Nachrichten von unterschiedlicher Qualität“ (Keller 2001: 228) und ist insofern nicht unumstritten.

Mit Blick auf die politische Gliederung des heutigen Baden-Württemberg in der Zeit um 500 gilt allein ein Brief des Ostgotenkönigs Theoderich aus dem Jahr 506/507 eine verlässliche Quelle, aus der sich schließen lässt, dass die Alemannen zu diesem Zeitpunkt von den Franken als unterworfen und Chlodwig zur Treue verpflichtet betrachtet wurden.

Die dem Schriftstück zu entnehmende Information, dass große Teile des alemannischen Volkes vor dem Frankenkönig in das Ostgotenreich flüchteten deckt sich nicht mit Darstellungen weiterer Quellen aus dem Umfeld Theoderichs, die eher auf eine systematische Ansiedelung von Alemannen im Ostgotenreich hindeuten.

Eine Erklärung für die unterschiedlichen Angaben könnte in den Adressaten der Quelltexte liegen, etwa darin, dass der Ostgotenkönig im Rahmen einer „diplomatischen Note“ (Keller 2001: 229) die systematisch angesiedelten Alemannen gegenüber dem Frankenkönig als Flüchtlinge beschreibt.

Free of charge
Download
Essay zur Entstehung des alemannisch-schwäbischen Herzogtums und dessen Eingliederung in das fränkische Reich
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis

Dem Brief Theoderichs ist auch nicht klar zu entnehmen, ob das Volk der Alemannen bis zu seiner Unterwerfung durch Chlodwig einen oder mehrere Könige hatte. Ein weiteres Beispiel für das Problem der Rekonstruierbarkeit der alemannischen Frühgeschichte zeigt sich auch in dem Geschichtswerk Gregors, des Bischofs von Tours.

Die Intention des Autors ist hier nicht eine Darstellung der Geschichte der Alemannen, sondern die Schilderung der Bekehrung Chlodwigs zum Christentum. Zwar erwähnt er im Rahmen einer „Bekehrungsgeschichte“ (Keller 2001: 231), die auch Züge einer Mahnrede enthält, Ereignisse, welche die alemannische Frühgeschichte betreffen und schreibt beispielsweise von einer entscheidenden Schlacht zwischen Franken und Alemannen, in welcher ein Alemannenkönig getötet und das alemannische Volk unterworfen worden sei.

Gregors Angaben beziehen sich jedoch auf ein Ereignis, das etwa 80 Jahre zurücklag, der Autor schreibt also aus der Retrospektive und „schöpft sein Wissen ersichtlich aus mündlicher Tradition“ (Keller 2001: 231). Der Quellenwert des Schriftstückes in Bezug auf die alemannische Frühgeschichte wird also zum einen durch die zeitliche Ferne des Autors zu den Ereignissen, zum anderen auch durch dessen Intention geschmälert, die darin liegt, die Herrschaft Chlodwigs und der Merowinger zu legitimieren.

Vor diesem Hintergrund könnte eine Schlacht zwischen Franken und Alemannen auch als Folge eines alemannischen Expansionsversuches auf fränkisches Gebiet bewertet werden.


Die wenigen bekannten historischen Daten gelten als Bezugspunkte bei Interpretationen archäologischen Quellenmaterials und können zugleich Ausgangspunkt für ereignisgeschichtliche Deutungen sein. Eine Rekonstruktion der Verhältnisse sollte angesichts der „trümmerhaften Überlieferung“ (Keller 2001: 234) alle erreichbaren Zeugnisse aus der Zeit um 500 berücksichtigen und Mögliches und Vermutetes ausklammern.

Eine bis in die Gegenwart vermutete schlagartige Vertreibung der Alemannen aus dem Nordteil ihres Siedlungsgebietes durch die Franken in den Jahren 496/497 oder 506/507 wird nicht durch archäologische Erkenntnisse bestätigt und kann daher als unwahrscheinlich gelten.

Auf eine Zäsur in der politischen Organisation der Alemannen um 500 könnte auch der archäologische Befund verweisen, dass Ansammelungen von Gräbern sozial und politisch herausgehobener Gruppen aus der Zeit nach 500 fehlen. Dieser Befund ist jedoch, sofern er die Auswechselung der politischen Führungsgruppen als punktuelles Ereignis bestätigen soll, kritisch zu beurteilen, da es auch Hinweise auf einen langsameren Prozess der politischen Umstrukturierung gibt.

Keller weist darauf hin, dass bei der Verbindung von aus historischen und archäologischen gewonnenen Ekenntnissen Vorsicht geboten ist:

„Zwar ist der Versuch legitim und notwendig, die […] archäologischen Befunde mit den historischen Nachrichten zu verbinden […]. Nur muss bewusst bleiben, wie weit die Zusammenschau verschiedenartiger, weitgestreuter Befunde und vor allem deren exakte Datierung bestimmt wird durch ein vorgegebenes Bild von den Vorgängen, das alles andere als gesichert ist.


Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Quellenlage zur alemannischen Frühgeschichte nur wenige Erkenntnisse als gesichert erscheinen lässt und stimmige Kombination bruchstückhafter Informationen grundsätzlich problematisch sind.

Auffallend ist auch, dass die alemannische Frühgeschichte nicht auf der Grundlage historischer Quellen alemannischen Ursprungs erfolgen kann, womit der Forschung eine wichtige Perspektive verschlossen bleibt.


Nach Zettlers Einschätzung formte sich aus den kriegerischen Verbänden der Alemannen ab dem 5. Jahrhundert ein Volk (Zettler 2003: 34); im Vergleich mit dem Volk der Franken spricht er von einer „quasi aufgeschobenen Ethnogenese“ (Zettler 2003: 35).

Ihre Anfänge könnten mit der Völkerwanderung in Verbindung stehen, da die Kriegerverbände hier relativ geschlossen aus dem Elbgebiet in das Gebiet nördlich des heutigen Mainz migrierten. Allerdings ist keine Herkunftssage der Alemannen bekannt und es gibt keine Hinweise für eine politische Formierung der Kriegerverbände in dieser frühen Phase.

Das Volk der Alemannen hatte keinen Anführer, der in einer entscheidenden Schlacht zum König eines gesamten Volkes wurde, wie dies bei den Franken mit Chlodwig der Fall war. Den Quellen zufolge waren die Alemannen auch zu Beginn des 6. Jahrhunderts kein Verband unter einheitlicher Führung bzw. einem Großkönigtum und in sich nicht sehr homogen.

Um die Wende zum 8. Jahrhunderts stellt Zettler mit alemannischen Herzog Gotfried eine Zäsur fest, da dieser und seine agilolfingischen Nachkommen in Alemannien ihre Macht ausweiten konnten und als alemannische Herrscher bezeichnet werden können. Die Aufzeichnung eines Lex Alamannorum durch Gotfrieds Sohn Lantfried sowie ein seit etwa 650 erblich gewordenes schwäbisch-alemannisches Hezogtum sprechen dafür, dass es im 7. Jahrhundert, begünstigt durch die Führungsschwäche der Merowinger, eine Phase in Alemannien gab, die Emanzipationsbestrebungen und eine relative politische Eigenständigkeit kennzeichnen.

Mit der Machtübernahme der Karolinger wurde diese Phase im Rahmen zahlreicher schwäbisch/alemannisch-fränkischer Auseinandersetzungen beendet. Die Provinz Alamannia erhielt unter den Karolingern als Regnum deutlichere Konturen, ihre strategische Bedeutung für das Frankenreich wuchs und sie wurde wesentlich stärker als unter den Merowingern in das fränkische Reich eingebunden.


Der Stellenwert des Christentums bzw. des Prozesses der Christianisierung des alemannischen Volkes, der im 6. Jahrhundert in Teilen der politischen Führungsschicht einsetzte und etwa bis zum Ende des 8. Jahrhunderts dauerte, bei der Herausbildung einer schwäbisch-alemannischen Kultur und Identität ist schwer zu beurteilen.

Fest steht, dass die kirchliche Strukturierung eine integrierdende Wirkung auf das alemannische Volk hatte, da hierdurch etwa die Grenzlinien der Provinz bestimmt wurden.


Die Ethnogenese des alemannischen Volkes und der Entwicklungsprozess einer alemannischen Identität bleibt ein komplexes Forschungsfeld. Neben politischen und kulturellen Prozessen ist auch denkbar, dass wirtschaftliche Entwicklungen wie eine Verdichtung von Handelsbeziehungen innerhalb des schwäbisch-alemannischen Volkes die Entstehung einer Identität begünstigt haben könnten.




[1] Faktoren mit identitätsstiftender Wirkung könnten eine gemeinsame Kultur, ein gemeinsames Siedlungsgebiet sowie wirtschaftliche Verflechtungen und eine sich entwickelnde politische Organisationsform des ursprünglich heterogenen Kriegerverbandes der Alemannen gewesen sein.

Es ist auch anzunehmen, dass die wechselseitige Abgrenzung zwischen den alemannischen Kriegerverbänden und anderen Völkern oder ‚äusseren Feinden’ die Entstehung einer alemannischen Identität stimuliert hat. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, inwieweit im Untersuchungszeitraum z.B. eine fränkische Identität existierte.

Grundsätzlich erscheint die Überlegung sinnvoll, wie sich die Identität eines Volkes im Mittelalter, also unter anderen Rahmenbedingungen als etwa in der Neuzeit, entwickeln konnte. So ist beispielsweise anzunehmen, dass eine alemannische Identität aufgrund der eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten im gesamten Volk sehr unterschiedlich stark ausgeprägt gewesen sein wird.


Legal info - Data privacy - Contact - Terms-Authors - Terms-Customers -
Swap+your+documents