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Sociology

University, School

Universität Konstanz

Grade, Teacher, Year

2006, Pietrow-Ennker, 2,0

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Text by Jens L. ©
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Die Rolle der Frauen in der französischen Revolution Inhaltsverzeich­nis Einleitung. 1 Französische Revolution Allgemein. 2 Die Rolle der Frauen während der Französischen Revolution. 3 Frauen Clubs 4 Olympe de Gouges 4 Charlotte Corday. 5 Marie Antoinette. 6 Zug der Marktfrauen. 7 Die Forderung nach rechtlicher Gleichstellung. 7 Schluss 7 Quellenangabe : 8 Einleitung Meine Präsentation befasst sich mit der Frage welche Rolle die Frauen während der Französischen Revolution spielten. Ich habe das Thema ausgewählt, weil ich…
Inhaltverzeichn­is Genealogie (Stammbaum) 1.1 Erläuterung Wiedergabe der Geschichte 2.1 Anhänger Rotte Korachs 2.2 Das Zelt der Offenbarung/Beg­egn­ung Landverteilung zur Zeit der Töchter Zelofhads Charakterisieru­ng Das Problem 5.1 Früher 5.2 Heute Quellenangabe Internet Bibel Bibelstellen Literatur 1.Genealogie (Stammbaum) Sonnenpriester Potiferas von On Asenath..verh. ...Joseph Ephraim Manasse..verh. Makir. verh. Gilead..verh. Hefers..verh. Zelopfad..verh. . Noa.verh. Milka.verh. Tirza..verh. Hogla.verh.…

Universität Konstanz

Geisteswissenschaftliche Sektion

Fachbereich Geschichte und Soziologie

Seminar: Kinder, Küche, Kommunismus. Frauen in der Sowjetunion.

Dozent: Prof. Dr.

Sommersemester 2006


Die Selbstwahrnehmung der sowjetischen Frauen

in der Stagnationszeit


Verfasser:

10

Tel.:

Matrikelnummer:

Studiengang B.A. Soziologie (8. Semester)

Nebenfach: Gender Studies (5. Semester)

Datum: 10.05.2008

_@email.de

Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung

2. Politische und soziale Rahmenbedingungen der Stagnationszeit (1977-1985)

3.1. Weiblichkeit

3.2. Kinder

3.3. Haushalt

3.4. Mann/Partner

3.5. Arbeit

4. Schluss

Literaturverzeichnis


1. Einleitung


Diese Hausarbeit widmet sich den sowjetischen Frauen und deren alltäglichem Leben in der kommunistischen Sowjetunion. Von vorrangiger Bedeutung für die Arbeit war der Zeitraum zwischen den Jahren 1977 bis 1985, der gerne als Stagnationszeit bezeichnet wird. Begonnen wird mit einem Abriss über die politische und soziale Situation in dieser von Stillstand gekennzeichneten Periode.

Daran schließt sich der eigentliche Hauptteil an. Vorrangig wird die individuelle Wahrnehmung der persönlichen Situation von sowjetischen Frauen untersucht. Um die Selbstwahrnehmung zu Untersuchen wurden im Wesentlichen Interviews von Hansson und Liden, Zeitungsanouncen und literarische Erzählungen zu Hilfe genommen. Die jeweiligen Zitate wurden bestmöglich in Bezug zur in der Sowjetunion propagierten Meinung gesetzt oder wurden an die von westlichen Wissenschaftlern faktischen Ergebnisse angehängt.

Aus Gründen der Knappheit und Übersichtlichkeit wurde versucht überwiegend Ansichten und Stellungnahmen zu rezitieren, die als typisch für die sowjetische Frau gelten dürften. Keinen Eingang in die Arbeit fand die Fremdwahrnehmung, insbesondere die Wahrnehmung des kapitalistischen Westens und die Einstellungen von Männern zur Rolle der Frau. Problematisch erwies sich manchmal die Platzierung einzelner Zitate.

Es wurde versucht eine subjektive Aussage so zu platzieren, dass sie größtmögliche Aussagekraft im und durch den Kontext erhält. Einige Meinungen hätten an anderen Stellen genauso gut aufgeführt werden können, es wurde jedoch darauf verzichtet.

Gegliedert wurde der Abschnitt über die Selbstwahrnehmung in die Punkte Weiblichkeit, Kinder, Haushalt, Mann/Partner und Arbeit. Der Begriff der Weiblichkeit ist von zentraler Bedeutung in der sowjetischen Gesellschaft. Eng verstrickt mit ihm waren die Stereotypen von Männlichkeit und Weiblichkeit. Es soll geklärt werden inwieweit die verschieden Rollen auf genetische Bedingungen oder die Sozialisation rückgeführt wurden, ob sie begrüßt wurden und ob die Eltern sie an die nächste Generation weitergaben.

In enger Verbindung mit der Weiblichkeit stand der Wunsch nach eigenen Kindern. Bereits die Ein-Kind-Familie stellte für die Frau eine große Belastung dar und wie wir sehen werden ist die staatlich erwünschte Mehrkinderfamilie, trotz verbesserter sozialer Bedingungen, aus Sicht der Frau nicht zu realisieren. Neben der Zeit, die für die Versorgung der Kinder aufgewendet wurde, bestand ein wesentlicher Teil des Alltags aus der Führung des Haushalts.

Wie sich die Hausarbeit gestaltete und wie die ungleiche Verteilung zwischen den Partnern bewertet wurde ist von zentraler Bedeutung. Die Beziehung zum Partner war nicht selten kompliziert und Ehescheidungen waren an der Tagesordnung. Es soll verdeutlicht werden von welchen Vorstellungen die Ehe geprägt war und welche Rolle die Frau sich innerhalb der Beziehung beimisst.

Abgeschlossen wird der Hauptteil mit einem Blick in die Berufswelt. Hier kristallisierten sich wieder Rollenbilder heraus, die eine Benachteiligung der Frau zum Ergebnis hatten. Wie diese aussahen, in welchem Maße sie auf Akzeptanz bei der Arbeiterin stießen und welche Folgen sie für diese hatten, soll geklärt werden. Weiterhin soll geklärt werden welche Beweggründe es für die Frau gab einer solch Zeitraubenden Tätigkeit wi.....[read full text]

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3.1. Weiblichkeit


Sowjetische Psychologen und Pädagogen begrüßten die Aufrechterhaltung von spezifischen Frauen- und Männerbildern. Die Überwindung von Geschlechterdifferenzen stand für sie außer Frage. Sowjetische Forscher gingen davon aus, dass „weibliche Schwäche“ wichtig und notwendig sei und dass „weibliche Vornehmheit, wenn man so sagen darf, anzuerziehen, ist notwendig.

Parallel zu ihr soll sich ein ritterliches Verhalten der Jungen zu den Mädchen herausbilden.“5 Weiterhin sei es Aufgabe der „geschlechtlichen Erziehung“ dem Mädchen anzugewöhnen, „daß es auf sich, seine Kleidung, die Sauberkeit und Gefälligkeit derselben, auf seine Manieren und die Weiblichkeit dieser Manieren achtet.“6

In der Stagnationszeit herrschte ein biologischer Ansatz, demnach die angeborenen Anlagen der Frau für ihr Verhalten in der Gesellschaft verantwortlich sind. Aus politischer Sicht wurde dieser Ansatz begrüßt, da Frauen die sich in der Öffentlichkeit zurückhielte, den Beruf lediglich als Erwerbsquelle sahen und ihre Erfüllung in der Kindererziehung suchten, die gesellschaftliche Ordnung stabilisierten, starke und karrierebewusste Frauen das System indessen destabilisierten.7 Für Frauen wurden von dem sowjetischen Wissenschaftler Igor Kon folgende typische Anlagen genannt: Ausübung von Tätigkeiten die Genauigkeit, Geduld und feinmotorisches Geschick erfordern, gutes sprachliches Ausdrucksvermögen, Feinfühligkeit, Aufmerksamkeit, Sorge, Weichheit und Emotionalität.8 In enger Verbindung mit weiblichen Eigenschaften stand der Begriff „zenstvennost“.

Prinzipiell schloss der Begriff „zenstvennost“ die Sorge um die eigene Familie und enge Freunde sowie Emotionalität ein. Ausgeweitet wurde der Begriff für die sozialistische Sowjetunion durch die Implikation der Sorge um das Kollektiv und die Gesellschaft. Neben der inneren Schönheit ist für die Verlagsangestellte Lisa die äußere Schönheit für das Ideal der Frau von Bedeutung: „Die ideale Frau ist… selbständig. (…) Und sie muß schön sein.

Auch wenn sie von Natur aus nicht schön ist, muß sie es verstehen, sich schön zu machen. Und ich glaube, die schönste Harmonie, ja die Krönung der Schöpfung, das kann nur eine Frau erreichen, weil ja die Frauen so viel schöner als die Männer sind. Wenn sie dann noch innere Schönheit hat, eine eigene Ansicht, Selbständigkeit - dann ist sie die ideale Frau.“9

Die Ingenieurin Elizaveta ging davon aus, dass verschiedenes Verhalten bei Frauen und Männern biologisch prädestiniert sei und nicht das Ergebnis einer spezifischen Sozialisation. Weiterhin marginalisiert und rechtfertigt sie diese Unterschiede: „Wir verhalten wir uns unterschiedlich, könnte man sagen, in der oder jener Situation, gegenüber den oder jenen Problemen, die es zu lösen gilt, unterschiedlich so denke ich – wir verhalten uns unterschiedlich. (…) Aber das .....

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Ende der 70er Jahre trat ein neues Thema ins Zentrum der Aufmerksamkeit hinsichtlich der Frauenfrage: „Die Angst vor dem Verlust der Weiblichkeit“14 Um dem zu begegnen sahen es die Wissenschaftler als primäre Aufgabe die feminine Weichheit und Emotionalität zu bewahren. Parallel hierzu sahen sie die Aufgabe der Männer in der stärkeren Wahrnehmung ihrer traditionellen Rolle als Beschützer der Frauen.

Folglich lag die Stärkung der traditionellen Stereotypen in ihrem Interesse.15 Dem entsprechend erzog die Arbeiterin Galina ihre Kinder geschlechtertypisch: „Ich wollte natürlich, daß der Junge mehr solche Alltagsqualitäten besitzen sollte, daß er beschützen kann, aber das Mädchen, wollte ich, daß sie sanfter sein sollte, weiblicher. „Und was ist das, Weiblichkeit?“ - „Nun, es gibt solche vulgären Mädchen… Ich mag keine Mädchen, die rauchen.

Ich würde nicht wollen, daß sie rauchen, daß sie… sich solche schroffen Bewegungen angewöhnen. Ich weiß nicht, wie ich das sagen soll.“ - „Aber dem Jungen würden Sie das Rauchen erlauben?“ - „Ja, dem würde ich… (…) Natürlich nicht in dem Alter, in dem er jetzt ist.“16 Eine ungleiche Erziehung war auch für das Zimmermädchen Lida entscheidend: „Ein Junge muss so erzogen werden, daß er mutig ist, kräftig und zäh wird.

Er darf nicht feige sein. Man darf ihn nicht verwöhnen. ( .) Zu seinem eigenen Schutz braucht er eine gewisse Härte, besonders im Beruf. Und er muß sehr, sehr früh selbständig werden. Das ist für einen Jungen viel wichtiger als für ein Mädchen. Ein Mädchen kann man natürlich ruhig ein bißchen verwöhnen. Es braucht nicht nur hübsche Kleider, sondern auch ein wenig Flitter.

Es muß ja später nett und modisch angezogen sein, und das kann es nicht früh genug lernen. Man muss ein Mädchen so erziehen, daß es lieb und nett wird. Es muß auch sanft sein und darf sich nicht prügeln. Dagegen muss ein Junge unbedingt lernen, sich zu wehren.“…Ein Mädchen soll doch weiblich sein, d.h. brav und sanft. Wenn es sich mit Jungen prügelt, behandelt man es automatisch wie einen Jungen.

Es wird hart und bleibt es auch als erwachsene Frau. Damit hat es seine Weiblichkeit verloren, und es kann dann noch so hübsch sein, seine Härte verscheucht alle Männer.“17


3.2. Kinder


Mit der Wiederzulassung der Soziologie kam die prekäre demographische Lage zum Vorschein. Man sah sich dem Problem ausgesetzt im eigenen Land zur Minderheit zu werden. Während die Geburtenrate in der RSFSR sank, nahmen die Geburten, außer in Georgien, in den zentralasiatischen und transkaukasischen Sowjetrepubliken rapide zu. Das Bevölkerungswachstum war dort in etwa drei mal so hoch.

Bedrohlich war die Situation da dies zu einem Fachkräftemangel hätte führen können und dies bei gleichzeitigem Anstieg schlecht ausgebildeter Arbeitskräfte. Der Mangel an Spezialisten und Sprachprobleme hätte zu einer Destabilisierung der Armee führen können.18 Überwiegend wünschen sich Frauen eine Familie mit 2 Kindern, die Demographen hielten die Drei-Kind-Fami.....

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So niedrig wie sie jetzt sind, können sich die Frauen den Luxus von zwei oder drei Kindern überhaupt nicht leisten.“22 Der finanzielle Aspekt war auch für das Zimmermädchen Lida ausschlaggebend für die in Russland gewöhnliche Ein-Kind-Familie: „Unter den heutigen Umständen ist es fast unmöglich, auch nur ein Kind zu ernähren. Die Kinderkleidung ist bei uns furchtbar teuer.

Man muß enorm viel Geld ausgeben, denn ein kleines Kind wie Danilo wächst nicht nur jeden Tag, nein, der wächst fast jede Stunde. Er braucht ständig neue Schuhe, neue Hemdenneue Hosen. Auch das essen für ein Kind ist sehr teuer. (…) Wegen solchen Dingen kann sich fast niemand mehr als ein Kind leisten. Ich glaube nicht, daß jemand freiwillig ein zweites Kind bekommt.“23

Die Anzahl der Kindergärten wuchs seit der Stalinzeit stetig an. Im Jahre 1928 standen nur rund 2500 Kindergärten zur Verfügung, 1932 waren es knapp 20000 und 1975 knapp 100000. Genügend Einrichtungen standen dennoch nicht zur Verfügung: Nur etwa 40% der Mütter fanden für ihre Kinder einen Kindergartenplatz im Jahr 1980.24 Die restlichen Kinder mussten während der Arbeitszeit der Mutter in der Obhut einer Babuschka oder Njanja oder standen unter Aufsicht älterer Geschwister.25 Über die desolaten Zustände in den Tagesstätten äußerte sich die Romaistin Sonja kritisch: „Die Tagesheime sind unter aller Kritik.

Mir hat einmal ein Vater erzählt, wie es einem Sohn in Tagesheim erging. Der Junge war drei Jahre alt und die Gruppe, in der er war, war viel zu groß. Um die Gruppe zu verkleinern, öffnete das Personal absichtlich die Fenster, damit sich die Kinder erkälten. Ich habe Ähnliches schon mehrfach gehört.“26 Die Friseurin Anna wollte ihr Kind in kein Tagesheim geben, weil, so sagte sie: „Und die Tagesheimstätten sind bei uns so miserabel, daß die Kinder ständig krank sind.“27

Kindererziehung blieb weiterhin Aufgabe der Mütter. Jede siebte Mutter war 1977 allein erziehend. Gehörte der Vater noch zur Familie hielt dieser sich von der Kindererziehung fern, so blieb die Erziehung Frauensache und Russland bewegte sich auf einen Zustand der vaterlosen Gesellschaft hin.28 Problematisch wirkte sich die Zeitnot unter der Mütter litten aus. Ihnen blieb nur wenig Zeit sich den Sorgen den Kinder zu widmen und so empfanden nur 25% der befragten Jugendlichen ihr Verhältnis zu den Eltern als zufrieden stellend.29 Die Vertragsangestellte Lisa konnte ihrem Kind nicht so viel Zeit widmen wie sie für richtig erachtete: „Nein, ich bin eine ganz schlechte Mutter.

Ich erziehe meinen Sohn nur so nebenbei, ich werde müde, wenn ich mich mit ihm beschäftigen muß. Ich gebe ihm dann einen Bleistift, damit er irgend etwas zeichnet und sich selbst beschäftigt, aber ich versuche, ihm doch Freude an der Arbeit beizubringen, das ist fast das Wichtigste, was man einem Kind beibringen kann.“30

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Aber ich will nur die importierten. Sie sind wesentlich besser. Dann gibt es natürlich die Pillen. Der Arzt erlaubt mir aber keine Pillen. Meist kommt man ohne jedes Mittel aus, denn jede Frau hat ja sichere Tage. Es geht also einigermaßen, und es geschieht ja auch nicht jeden Abend.“35

Um die Frau als Mutter zu würdigen wird der 1944 eingeführte Mutterorden weiterhin verliehen. Durchwegs wird von sowjetischen Wissenschaftlern die Berufstätigkeit von Frauen nicht in Frage gestellt(synonym?), der Rolle als Mutter gilt jedoch höchste Priorität. Es wurde betont, dass die Mutterrolle selbst bei erfolgreichen Frauen im Vordergrund stehe, sie aber nicht auf den Beruf verzichten wollen, da dieser das Leben abwechslungsreicher und harmonischer werden lasse.

Ferner hätte man erforscht, dass Frauen Aufgrund ihrer spezifischen psychischen Fähigkeiten einen besseren Kontakt zu Kindern aufbauen können, als dies bei Männern der Fall sei. Der Mutterkult nahm bei einigen Forschern noch extremere Ausmaße an. Kinderlosen Frauen wurde die Schönheit abgesprochen, die ihnen in der Mutterschaft zu eigen sei, und es wurde betont, dass durch die Mutterschaft die Frau schön, weise und reich an Erfahrung werden würde.36

Das zum Idealbild der sowjetischen Frau gilt auch für die gewollte kinderlose Künstlerin Viktorija. Auf die Frage nach der idealen Frau antwortet sie: „Nicht wie ich wahrscheinlich! (…) Eine Frau sollte natürlich vor allem eine gute Frau und Mutter sein.“ – „Ist es wirklich Ihre Überzeugung, daß sie so sein sollte, oder bloß ein Stereotyp?“ – „Hm, schwer zu sagen, wissen Sie, ich habe immer das Gefühl, nicht daß ich, wie soll ich sagen, eine Art Schmarotzerin wäre, sondern, daß meine Art zu leben nicht zum Gesetz werden sollte. (…)“ - „Aber Sie haben doch gesagt, daß es für sie die richtige Entscheidung war, keine Kinder zuhaben?“ - „Ja, das stimmt.

Ich bin nicht so. Aber ich fühle mich deshalb schuldig.“37 Die Mutterrolle genießt auch bei der Studentin Ljalja höchste Wichtigkeit: „Mein Beruf und meine Arbeit machen mir auch Freude, aber an erster Stelle steht doch für mich mein Kind.“38

Die Verlagsangestellte Lisa sieht in der Kinderlosigkeit das größte Desaster, vor allem für die Frau: „Nein, nein, wenn ein Mann und eine Frau bereits in den 40ern sind und man immer noch nicht Kinderstimmen in ihrem Haus hört, dann ist das ganze Leben sinnlos, es ist das Ende. Und natürlich ist die Frau dabei am unglücklichsten. Bei den Bauern war es früher so, daß man sich deswegen scheiden lassen konnte, und das finde ich richtig.

Ich finde man muss Kinder haben.“39 Auch um das sowjetische Volk zu erhalten war für sie das Kindergebären bedeutend: „Gerade weil bei uns die Geburtenzahlen so niedrig sind und die russische Nation am Aussterben ist, finde ich es wichtig.“40

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Sie weiß kaum, wie das Einkaufen vor sich geht. Ich finde ihn aber weibisch, weil er so gerne in Geschäfte geht. Es ist doch - unmännlich und sieht komisch aus.“45 Weiter sagte sie: „Wenn ich verheiratet wäre, würde ich unbedingt dafür sorgen, daß mein Mann mich nie beim Wäschewaschen sieht. Ich würde nur dann waschen, wenn er nicht zu Hause ist oder frühmorgens, wenn er noch schläft, damit ich mich duschen und herrichten kann, bevor er kommt.

Ich möchte nicht, daß er mich schwitzen sieht. Das Kochen muss man vor seinem Mann nicht verbergen, aber man sollte es ganz früh tun oder am Sonntag, am liebsten, während er noch im Bett ist. Und den Tisch sollte man decken, bevor man ihn geweckt hat, damit das Frühstück fertig ist, wenn er kommt.“46 Die Zeichnerin Mascha entschuldigt die Mehrbelastung der Frau ebenfalls: „Selbstverständlich hat ein Mann mehr Freizeit.

Nach der Arbeit, wenn ich koche oder das Kind versorge, kann er dasitzen und lesen oder sich ur ausruhen, aber wir streiten uns nicht darüber. Ich bin ja sowieso mit dem Kind beschäftigt, da kann ich ja ebenso gut die übrige Arbeit auch machen.“47 Für die Friseurin Anna war die Hausarbeit zwar keine reine Frauenaufgabe, jedoch hing für sie die Beteiligung des Mannes bedeutend von seinem guten Willen ab: „Männer müssen eben keine Windeln waschen, wenn sie keine Lust haben.

Aber ich muß, ich weiß ja, daß es niemand anders tut. Für Männer ist die Lage anders. Wenn einer keine Lust hat, kann er alles liegen und stehen lassen.48 Unterstützung von ihrem Mann erhielt die Studentin Ljalja: „Mein Mann z.B. kauft das Essen ein. Das mache ich niemals. Das ist sehr mühsam. Man muß anstehen und sehr schwer tragen, und … er kann die Böden wischen … er kann das allermeiste tun.

Wenn ich einen Abend frei sein muß um zu lernen, dann versorgt er den Jungen und kocht und macht alles, was getan werden muss. Aber ich glaube eigentlich nicht, daß es bei uns üblich ist, daß Männer so viel Hausarbeit machen wie mein Mann, ihr müsst euch bei anderen Frauen erkundigen!“49

In der Breznevzeit verbesserte sich im Vergleich zur Stalinzeit die soziale Lage der sowjetischen Bevölkerung eindeutig. Die Kommunalwohnung (Komunalka), bei der sich mehrere Familien Wohnung, Küche und sanitäre Anlagen teilten, wich der kleinen abgeschlossenen Wohnung für eine Familie. Amerikanischen Schätzungen zu Folge lebten Mitte der 70% Jahre etwa 60-70% der Familien in solchen kleinen Wohnungen.

Durchschnittlich waren lediglich ca. 4% des Einkommens für Mietkosten inklusive aller Nebenkosten zu entrichten.50

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