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Die Neue Sachlichkeit in Erich Kästners Fabian

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German studies

University, School

Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Grade, Teacher, Year

1,3 , 2013

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Erich Kästner – Fabian Erstes Kapitel Der im Jahr 1931, erschienene Roman „Fabian“ von Erich Kästner, thematisiert das Leben innerhalb Deutschlands in Folge der Nachkriegszeit des 1. Weltkriegs. Die Darstellung erfolgt durch den zum Romantitel gleichnamigen Protagonisten Fabian, der aus seiner Sicht die Geschehnisse innerhalb Berlins beschreibt. Einzuordnen ist der Roman in die neue Sachlichkeit, deren Dichter orientierten sich an der Realität und stellten sie objektiv dar. Bei dem vorliegenden Textauszug handelt es sich…
Dennoch wollen die beiden nicht tatenlos zusehen, wie ihr Land, ihre Welt, ihre Gesellschaft dem Abgrund entgegen geht. Sie sehen die nahende Katastrophe und dies bürdet ihnen eigentlich die Verantwortung auf, aktiv zu werden und dem entgegen zu wirken. Doch, um selbst aktiv zu werden, müssten sie eine Lösung der Krise anbieten, die sie nicht haben. Fabian und Kästner greifen zum Äußersten, zur Karikatur. Die Satire ist der einzige Weg, der es ihnen ermöglicht zu kritisieren, ohne selbst Lösungsvorschlä­g­e präsentieren zu…

Die Neue Sachlichkeit
 in Erich Kästners Fabian


Inhaltsverzeichnis

1.      Einleitung. 2

2.      Die Neue Sachlichkeit – Grundzüge der Epoche. 4

3.      Neusachliche Motive in Erich Kästners Fabian. 6

3.1.  Die Wirtschaftslage: Arbeitsmarkt und Massengesellschaft. 6

3.2.  Die Technik und die „neuen“ Medien. 8

3.3.  Politik. 12

3.4.  Die veränderte Rolle der Frau in der Weimarer Republik. 15

3.5.  Die Figuren und ihre Beziehungen zueinander. 17

4.      Fazit – Motive einer vergangenen Epoche?. 20

5.      Quellen- und Literaturverzeichnis. 23


1.   Einleitung

„Über dieses nunmehr bald fünfundzwanzig Jahre alte Buch kursierten im Laufe der Zeit recht verschiedene Urteile, und es wurde noch von manchen, die es lobten, mißverstanden! Wird man's heute besser verstehen? Gewiß nicht!“[1]


Mit seinem erstmals am 15. Oktober 1931 bei der Deutschen Verlags-Anstalt erschienenen Roman Fabian. Geschichte eines Moralisten[2] versuchte der Verfasser Erich Kästner ein Warnsignal für den kommenden politischen Umsturz zu senden[3], dessen Vorstufe, die „Ruhe vor dem Sturm“, sich in der Arbeitslosigkeit, der seelischen Depression und politischen Unruhen äußerte.

Die Erzählung beschreibt in 24 Kapiteln, eingebettet in die übergeordnete Kritik an die zunehmende „Korruption, Perversion und Immoralität“[4] der Stadt Berlin, die letzten zehn Tage im Leben des 32-jährigen Werbetexters Dr. phil. Jakob Fabian. Durch die ständige Konfrontation mit dem Unmoralischen in Form von Untergrundkneipen oder Bordellen, sowie der Polarität der politischen Strömungen des Nationalsozialismus und Kommunismus, verwandelt sich Fabian zunehmend vom Satiriker zum Realisten, der allerdings lediglich stiller Beobachter statt aktiver Revoluzzer bleibt.[5] Nach einer Reihe von Enttäuschungen, wie der Kündigung seines Arbeitsplatzes, dem Selbstmord seines besten Freundes Labude, sowie der Trennung von seiner Freundin Cornelia, ertrinkt Fabian schließlich bei dem Versuch, einen Jungen aus der Elbe zu retten.

Inwieweit das Attribut des Nichtschwimmers als eine Metapher bezüglich seiner Lebenslage gesehen werden kann, in der er es ihm ebenfalls nicht gelingt, sich „über Wasser zu halten“, lässt Interpretationsspielraum. Allerdings schildert Kästner nicht nur das Scheitern des Einzelnen, sondern zeigt exemplarisch an der Figur des Fabian[6] „die Krise der ganzen Gesellschaft; die Arbeitslosigkeit und das damit verbundene Elend, die Krise der Führung, der politischen Parteien und ihrer zunehmenden Radikalisierung, den Verrat opportunistischer Intellektueller und den moralischen Verfall der Großstadtgesell-schaft“[7] auf.

Kästner schrieb seinen Roman in der späten Phase der Weimarer Republik, die den Zeitraum von 1918 bis 1933 umfasste und in der erstmals eine parlamentarische Demokratie im Deutschen Reich bestand. Neben politischen und wirtschaftlichen Unruhen, die in der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 gipfelten, war dieser Zeitraum aber auch von einer Vielzahl teils divergierender literarischer Strömungen gekennzeichnet.

Während die Literaturforschung den Fabian heute eindeutig der Strömung der Neuen Sachlichkeit zuschreibt, versuchte sich Kästner zeitlebens von dieser Einschätzung zu distanzieren: „Und wer die Dummheit beging, diesen Stil die „Neue Sachlichkeit“ zu nennen, den möge der Schlag treffen!“.[8]

Im Folgenden soll zunächst die Strömung der Neuen Sachlichkeit genauer definiert werden, um im Anschluss, ausgehend von den Ergebnissen, den Fabian vor dem Hintergrund der Epoche zu betrachten und Merkmale, die der Neuen Sachlichkeit entsprechen, herauszuarbeiten. Dabei stehen insbesondere die Wirtschaft, die Politik, die Figuren selbst, sowie ihre Beziehungen zueinander im Fokus der Betrachtung.

Natürlich soll parallel dazu die Sprache und der formale Aufbau in die Bearbeitung miteinbezogen werden. In einem abschließenden Fazit sollen die Ergebnisse zusammengefasst und die Frage diskutiert werden, ob mit dem Ende der Weimarer Republik auch die im Fabian geschilderten Probleme ein für allemal ihren Abschluss fanden. Für die folgende Bearbeitung wird die ungekürzte, im Deutschen Taschenbuch Verlag erschienene und 1950 überarb.....[read full text]

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Vor allem Fabian hält sich gerade so durch kleinere Tätigkeiten als Journalist und Werbetexter über Wasser, bis ihm schließlich infolge des Arbeitsplatzabbaus gekündigt wird.[25] Fabians berufliche Situation definiert sich also über die Entscheidung zwischen Können und Müssen, wobei einen Job zu finden, der Fabians Fähigkeiten gerecht wird, beinahe aussichtslos erscheint.

In einem Brief von seiner Mutter wird dieses Spannungsverhältnis deutlich:

„Macht es Dir denn wirklich Spaß, für Zigaretten Reklame zu machen?[ .] Frau Thomas meinte, es ist doch ein Jammer, daß Du solches Zeug schreibst. Aber ich sagte, das ist nicht seine Schuld. Wer heute nicht verhungern will, und wer will das schon, der kann nicht warten, bis ihm der richtige Beruf durch den Schornstein fällt.“[26]

Im Stil der Neuen Sachlichkeit wird der Beruf darüber hinaus als reiner Broterwerb begriffen, der im seltensten Fall Hobby ist. Die schlechten Arbeitsmarktbedingungen zwingen selbst promovierte Germanisten wie Fabian dazu, den nächst besten Beruf zu ergreifen. Selbst Fabians Vermieterin, „die das Vermieten früher nicht nötig gehabt hatte“[27], ist mittlerweile auf Nebeneinkünfte angewiesen.

Radikalisiert wird die schlechte Situation gut ausgebildeter Arbeitskräfte in einem Gespräch zwischen Fabian und Labude, in dem es darum geht, dass ein Sinologe seltene Exemplare aus der Bibliothek gestohlen und verkauft hat, um an Geld zu kommen: „Es steht schlimm. Jetzt räubern schon die Philologen.“[28]

Die Arbeit wird immer mehr als eine verfremdete dargestellt, mit der sich das Individuum nicht mehr identifizieren kann.[29] Fabian „tat seine Pflicht, obwohl er nicht einsah, wozu.“[30] Anstatt aber aktiv gegen die desolate Situation vorzugehen, erträgt Fabian seine Situation und reagiert vor seiner Kündigung noch mit Gleichgültigkeit[31] auf die Frage, was er tue, wenn seine Stelle abgebaut würde.[32] Als er aber tatsächlich seinen Arbeitsplatz verliert, irrt Fabian zunächst orientierungslos und ohne Perspektive durch das graue Berlin.

Lediglich einmal bricht Fabian aus dieser Ohnmacht aus, und zwar dann, als er sich aktiv auf die Arbeitssuche begibt, um seine Mutter und vor allem seine Freundin Cornelia nicht zu enttäuschen und ihr etwas bieten zu können. Diese Aktivität des Titelhelden hält aber nur für einen kurzen Zeitraum an, bis er schließlich von einem Pförtner erfährt, dass seine Kündigung erst zum Monatsende wirksam ist und er somit wieder in sein altes Muster der Passivität zurückfallen kann.

Dabei wird nicht nur in depressiver Weise Fabians Situation deutlich gemacht, sondern übergeordnet auch die der ganzen Stadt. Gerade auf dem Arbeitsamt wird die verzweifelte Situation skizziert, wo die Arbeitssuchenden egoistisch auf ihre eigenen Probleme fixiert sind und dabei gleichzeitig eine gleichgültige Haltung einnehmen. Ein Mann stellt beispielsweise fest, dass es mehr Geld bringt einzubrechen, als sich das Geld der Krisenfürsorge einzuteilen; ein anderer wiederum kann sich kein passendes Schuhwerk leisten und eine Frau klagt darüber, dass sie nicht weiß, was sie ihren Kindern zu essen geben soll, zumal – was ein vierter bemängelt – so viel Geld für Bewerbungsschreiben und Porto aufgebracht werden muss.[33] Trotz individueller Sorgen werden die Arbeitslosen aber beim Arbeitsamt wie Massenware an einem Fließband abgefertigt, was Fabians Schilderung demonstriert: „Hinter dem ehemaligen Ladentisch saß ein Beamter, davor standen, in langer Kette, erwerbslose Angestellte, legten, einer nach dem anderen, die Stempelkarte vor und erhielten den erforderlichen Kontrollvermerk.“[34] Die Frauen hingegen – die Mutter ausgenommen - müssen sich in Kästners Roman körperlich verkaufen, um entweder erfolgreich zu sein, oder nicht zu verhungern.[35] Die geschilderten Szenen sind dabei aber keine fiktiven, sondern die Figuren werden zum Sprachrohr des Autors[36] und damit zu einem Abbild der wirtschaftlichen Situation.[37] Kästner kritisiert vor allem die „großen politischen und wirtschaftlichen Ereignisse [ .]“[38] und leistet damit „einen leisen Widerstand gegen die Krisensituation der beginnenden dreißiger Jahre“[39].


3.2.             Die Technik und die „neuen“ Medien

Unweigerlich mit der zentralen Thematik der Arbeitslosigkeit sind auch die neuen Medien, wie Zeitung, Film und Werbung, sowie die Technik im Allgemeinen in Kästners Roman verankert. Laut Marja Rauch stellt die „Reflexion über die Funktion“[40] der neuen Techniken eine wesentliche Komponente im Fabian dar, da es sich mit diesen um neuartige Erfahrungsbereiche im Berlin der Weimarer Republik handelte, die das Leben der Menschen in besonderer .....

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Obwohl Fabian vom Redakteur die Darstellung der Realität fordert und die sensationelle Unwahrheit als Weg zur höheren Auflagenzahl kritisiert, übt er paradoxerweise selbst die Tätigkeit eines Werbetexters aus, dessen Aufgabe es ist, Produkte durch geschicktes Anpreisen an den Mann zu bringen. Selbst wenn Fabian zunächst arbeitslos ist, so bietet er mit zunehmenden Geldsorgen einer kleinen Dresdner Zeitung seine Dienste als Propagandist an, indem er „eine Beratungsstelle für Inserenten einrichten, der Kundschaft zugkräftige Texte vorschlagen und eventuell ganze Werbefeldzüge organisieren“[49] will.

Genauso wie ehemals der Redakteur Münzer, will Fabian „die Auflageziffer des Blattes durch geschickte und systematische Reklame vorteilhaft beeinflussen.“[50] Fabians Entwicklung vom ironischen Moralisten zum Realisten wird hier besonders deutlich, weil er mit fortschreitender Arbeitslosigkeit und Verzweiflung einsieht, dass er nicht die Tätigkeit ausüben kann, die er will, sondern die, die er muss, um überleben zu können.

Dass der zuständige Zeitungsdirektor Fabians Idee ablehnt, zeigt die zögerliche Haltung gegenüber breit angelegten Werbekampagnen. Bei Fabians Marsch durch Berlin am Anfang des Romans wird er mehrmals mit Werbung in Form von Leuchtreklamen und Flugblättern konfrontiert, die jeweils mit negativen Attributen assoziiert werden. Die Flyer werden beispielsweise als Aluminiumtaler, die bunten Lichter als Schmiererei und die Schaufenster und Laternen als fiebrig beschrieben.[51] Die Werbung als Mittel, um die Menschen zu beeinflussen, wird in Kästners Roman damit erheblicher Kritik unterworfen.

Neben der Zeitung und Werbung wird das Filmgeschäft im Fabian kritisiert, nicht zuletzt der Bestechlichkeit der Schauspieler und der Skrupellosigkeit der Produzenten wegen, was beispielhaft an der Beziehung zwischen Fabians Freundin Cornelia und dem Regisseur Makart aufgegriffen wird. Cornelia lässt sich auf eine Affäre mit dem Filmemacher ein, um eine Schauspielkarriere zu starten.

Da die Beziehung aber hauptsächlich von Makart ausgeht, und Cornelia nur mitspielt, um von ihm die Chance auf eine Rolle zu erhalten, lässt sich dieses Arrangement mit Prostitution gleichsetzen.[52] Wieder einmal verschönigt die Zeitung die Realität und lässt Cornelia zum Star werden[53], die Intelligenz und Glamour ausstrahlt, obwohl sie lediglich nur deshalb „aus dem Dreck heraus[kommt], [weil sie] sich dreckig macht.“[54]

Schließlich wird in Kästners Fabian nicht nur die mediale Revolution kritisiert, sondern auch die technische. Am deutlichsten wird dies im Dialog zwischen Fabian und dem mittlerweile mittellosen Erfinder Kollrepp. Dieser bedauert nämlich, dass er durch seine Erfindungen an der schlechten Arbeitssituation der Menschen Schuld ist.

Durch menschenersetzende Maschinen konnte in den Betrieben die Produktivität gesteigert werden, ohne neue Arbeitskräfte einsetzen zu müssen. Die Folge zeigte sich im Arbeitsplatzabbau und der Einsparung von Löhnen bei gleicher Steigerung des Gewinnes.[55] Hierbei werden die Maschinen mit Kanonen verglichen, die metaphorisch gesehen als Kriegsgerät in der Lage sind, .....

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Obwohl man nämlich mit der derzeitigen Situation unzufrieden ist, passt man sich eher an, als sich aufzulehnen.[62]

Fabian, der wenn überhaupt nur subtile Äußerungen zu seiner politischen Gesinnung zulässt, befürwortet allerdings eher die derzeitige Regierung, als eine radikale. So rät er zum Beispiel Münzer in der Redaktion auf die Frage hin, ob es nun besser sei, für oder gegen die Regierung zu schreiben, dass er dieser eher zustimmen solle.[63] Außerdem erklärt Fabian einem Kommunisten während einer Straßenschießerei mit einem Nazi, dass er dessen Freund sei, weil sie „denselben Feind [hätten], weil [er] die Gerechtigkeit liebe“[64]. Malmy hingegen betont durchaus offensichtlich, dass er eher einer harten politischen Linie zugeneigt ist, indem er für „eiserne[ .] Konsequenz“[65] plädiert und die Argumente der Kritiker der Weimarer Republik nennt[66], die den Aufstieg der Nazis begünstigt haben. Obwohl er aber weiß, dass die derzeitige Politik falsch ist, betont er dennoch, er „tue nichts mehr dagegen.“[67] Solche politischen Gegensatzpaare erscheinen immer wieder in Kästners Fabian. So wird beispielsweise einmal erwähnt, dass politische Machtkämpfe derzeit an der Tagesordnungen stehen.[68] Dabei kommt es aber ganz im Stil der Neuen Sachlichkeit nie zu hitzigen Diskussionen, sondern nur zu kühl-distanzierten Beschreibungen der Realität oder des Erlebten.   

Eine   direkte Konfrontation begegnet uns im sechsten Kapitel im bewaffneten Zweikampf zwischen einem Nationalsozialisten und einem Kommunisten. Als sich Labude und Fabian über den Ersten Weltkrieg unterhalten, an dem beide teilgenommen hatten, hören sie Schüsse und finden einen verwundeten Kommunisten vor, der von einem ebenfalls verwundeten Nationalsozialisten unter Beleidigungen angeschossen wurde.

Fabians kritische Haltung wird in seiner sarkastischen Frage an den Kommunisten deutlich, indem er fragt, ob er jetzt „nun wenigstens überzeugt“[69] sei. Als Fabian von Labude den Auftrag bekommt, ein Taxi zu rufen, folgt eine Art innerer Monolog Fabians, in dem sein Kriegstrauma deutlich wird. Die beiden Verwundeten erinnern ihn an Kriegsverletzte, die er als „entstellte[ .] Kreaturen [ohne Nasen, ohne Münder]“[70] noch bildlich vor Augen sieht.

Hierbei wird herausgestellt, dass Fabian bereits ahnt, dass es einen weiteren Krieg geben wird.[71] Fabians Passivität könnte daher auch mit der Angst vor einem erneuten Krieg erklärt werden.

Durch die Verwundung des Nazis durch einen „Steckschuß im Allerwertesten“[72] werden die politisch Rechten nur einmal mehr auf die Schippe genommen. Darüber hinaus versucht Labude, zwischen den beiden Streithähnen im Taxi zu schlichten, indem er behauptet, die linke Partei würde lediglich opponieren, während er bei der Definition der rechten Partei stockt.

Damit wird die Sinnlosigkeit der Partei betont, zumal der Nationalsozialist selber erklären muss, dass sie gegen „die Ausbeuter des Proletariats“[73] kämpfen. Auch wird dieser unterbrochen, als er bereits anfangen will, von Hitler zu sprechen, womit unterstrichen wird, dass nationalsozialistische Befürwortungen in Kästner Fabian keinen Pla.....

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Vor allem die verheiratete Irene Moll bildet einen Auftakt im Kanon des Moralitätsverlustes, indem sie Fabian verführen will, während sie mit ihrem Mann ein Abkommen über ihre Seitensprünge hat, die er dulden muss, um sie nicht zu verlieren. Dabei dirigiert sie Fabian wie beim Militär, was zwar selbstsicher, aber dennoch eher maskulin anmutet.[78] So „nötigt“[79] sie ihn, im Taxi dicht bei ihr zu sitzen, fällt im Taxi über ihn her, befiehlt ihm, bei ihr eine Tasse Tee zu trinken und ordnet schließlich an: „Du bleibst bei mir.“[80] Schließlich heißt es noch, dass Irene Moll ihren Mann schlage und immer ihren Willen durchsetze.

Auf diese Weise wird die selbstbewusste Frau am Beispiel Irenes als selbstsichere und ihre Bedürfnisse befriedigen wollende „Megäre“[81] dargestellt. Gleichzeitig werden so die Geschlechterrollen vertauscht.[82]

Obwohl Cornelia beim ersten Treffen mit Fabian noch von der großen Liebe träumt und sich nach Wärme und Geborgenheit sehnt, stellt sie letztlich ihre Karriere über ihre Beziehung mit Fabian und geht eine körperliche Liebschaft mit dem Filmemacher Makart ein, der sie im Gegenzug als Schauspielerin engagieren will. Cornelia stellt also ihre Karriere über das traditionelle Bild einer bescheidenen Ehefrau und bricht damit mit den bisherigen Vorstellungen über das Frauenbild.

Dass sich die Frau aber nicht gänzlich emanzipieren kann und aus eigener Kraft zur Autonomie gelangt, wird durch die Abhängigkeit Cornelias vom Produzenten ausgedrückt, dem gegenüber sie sich beruflich prostituieren muss, um finanziell Fuß zu fassen. Das Bild der modernen Frau wertet Kästner insofern negativ, als er die Frauen als das habgierige, das sich der Langeweile des Alltags entziehende Geschlecht skizziert.[83] Laut Britta Jürgs ist gerade die Darstellung der Frauen als das „kalte Medium der Moderne“[84] als das Merkmal der Zugehörigkeit des Romans zur Neuen Sachlichkeit schlechthin zu begreifen.

Dies geschieht vor allem durch „die Hinwendung zu unpersönlichen, zweckgebundenen Beziehungen“[85], wie sie im Falle Cornelia zu Makart und Irene Moll zu diversen Liebhabern vorzufinden sind, wodurch sich die Frauen „unabhängig von Gefühlsbindungen […] ihren Platz in der Welt [erobern].“[86]

Fabians Mutter stellt im lasterhaften Berlin, wo familiäre Werte und Bindungen kaum mehr vorzufinden sind, eine Ausnahme dar. „Die mütterliche, vor allem auf Heim und Kinder hin orientierte Frau sollte dem modernen Werteverlust entgegenwirken und in der allgemeinen Orientierungslosigkeit einen Ruhepunkt darstellen.“[87] Unterstrichen wird der Aspekt des Moralverfalls in der Großstadt auch durch die Tatsache, dass die Mutter aus dem im Gegensatz zu Berlin eher ländlich geprägten Dresden kommt.


3.5.             Die Figuren und ihre Beziehungen zueinander

In der Neuen Sachlichkeit bleiben Beziehungen zwischenmenschlicher Art vorwiegend ausgeklammert und sind, wenn überhaupt, von Distanz geprägt. Auch in Kästners Fabian begegnet uns kaum eine gesunde, gefühlsbetonte Beziehung – lässt man das Mutter-Sohn Verhältnis außen vor. Deborah Smail stellt in ihrer Arbeit White-collar Workers, Mass Culture and Neue Sachlichkeit in Weimar Berlin fest, dass „[ .] There is little evidence of the characters forming any kind of constructive relationship with others, either in the work sphere, or .....

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Im Falle einer Trennung stehe die Frau dann ganz allein da und müsse ihr Leben bei Null beginnen.[92] Beide haben bisher also noch keine positiven Erfahrungen in der Liebe gemacht und dementsprechend Vorurteile. Dass beide aber eine Beziehung eingehen und letztlich aufgrund finanzieller Aspekte scheitern, zeigt einerseits die Vergänglichkeit zwischenmenschlicher Liebesbeziehungen, andererseits den Wahrheitsgehalt der ursprünglichen Standpunkte Fabians und Cornelias.

Mit Fabians fortschreitender Arbeitslosigkeit treibt er Cornelia immer weiter in die Arme Markarts. Obwohl Cornelia beteuert, sie ginge dieses Verhältnis nur ein, um eines Tages mit Fabian glücklich zu sein, wissen beide insgeheim, dass es kein Wiedersehen geben wird. Obwohl Fabian zunächst alles unternimmt, um Cornelia zu halten, kehrt er schließlich zu seinem Ausgangspunkt zurück.[93] Cornelia fällt dabei ebenfalls wieder in ihr ursprüngliches Muster, ihr altes Leben aufgebend, zurück.

Die Beziehungen ordnen sich also den finanziellen Bedürfnissen unter, wobei die Sexualität Warencharakter annimmt und mehr wert ist, als Liebe.

Die Sexualität wird auch zur wesentlichen Stellschraube in der Ehe der Irene Moll und ihrem Mann, mit dem sie ein juristisches Abkommen über ihre Seitensprünge schließt, da er ihren Bedürfnissen offensichtlich nicht mehr gerecht werden kann. Somit wird Sex in der Beziehung zu einem entscheidenden „Gelingensfaktor“ der Ehe.

Die Ehe wird eher zur Lebensgemeinschaft als zur liebevollen Beziehung herabgewertet – für beides gleichzeitig ist offenbar kein Platz mehr. Mit dem Vertrag zwischen den Eheleuten zu vorsätzlichem Ehebruch wird dieser legalisiert und nicht mehr als Sünde betrachtet. Damit wird ein weiterer Aspekt des Moralverfalls im Fabian thematisiert. Die Ehe wird ein als ein zum Scheitern verurteiltes Konstrukt gewertet[94], es sei denn – im Falle Moll – die Bereiche Sexualität und Lebensgemeinschaft werden getrennt.

Dass die Liebe immer mehr Warencharakter annimmt, und als ein Produkt betrachtet wird, dass man verrechtlichen und kaufen kann, lässt sich schließlich am Versuch Irenes erkennen, als sie Fabian auf dessen Heimreise im Zug begegnet und ihn mittels ihres vielen Geldes zu überreden versucht, mit ihr zu kommen. Sie bietet ihm also Geld für seine Gesellschaft an.[95] Die Liebe wird immer mehr zu einer käuflichen, wobei die Frauen diese Entwicklungstendenz unterstützen.

Dabei befindet sich Fabian  gegenüber Irene Moll in der Rolle des Empfangenden, wobei er in der Beziehung zu Cornelia die Rolle des Gebenden einnimmt.[96]

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