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Die Neue Sachlichkeit in Erich Kästners Fabian

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German studies

University, School

Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Grade, Teacher, Year

1,3 , 2013

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Erich Kästner – Fabian Erstes Kapitel Der im Jahr 1931, erschienene Roman „Fabian“ von Erich Kästner, thematisiert das Leben innerhalb Deutschlands in Folge der Nachkriegszeit des 1. Weltkriegs. Die Darstellung erfolgt durch den zum Romantitel gleichnamigen Protagonisten Fabian, der aus seiner Sicht die Geschehnisse innerhalb Berlins beschreibt. Einzuordnen ist der Roman in die neue Sachlichkeit, deren Dichter orientierten sich an der Realität und stellten sie objektiv dar. Bei dem vorliegenden Textauszug handelt es sich um das erste Kapitel des Romans. Der Protagonist Fabian sitzt in einem Cafe namens Spalteholz und studiert die Schlagzeilen der Abendblätter, welche jedoch keinerlei Wirkung auf ihn zeigen, trotz teilweise erschreckender Nachrichten. Nach Beendigung des Lesens, ruft Fabian den Kellner zu sich um zu bezahlen führt ein kurzes Gespräch mit ihm und verlässt anschließend das Cafe. Nach einer irreführenden Fahrt durch Berlin, entschließt sich der Protagonist  auf Rat seines Arbeitgebers hin Frau Sommer in der Schlüterstraße 23 aufzusuchen. Nach einer erneuten Fahrt durch Berlin erreicht er schließlich den Stadtteil, in dem sein gesuchtes Ziel liegt, welcher dem Protagonisten zu folge einem Rummelplatz gilt, der mit bunten Lichtern beschmiert sei. Am Ziel angekommen, trifft er auf einen grünlivierten Liliputaner, der ihm hilft seinen Mantel abzunehmen.
Dennoch wollen die beiden nicht tatenlos zusehen, wie ihr Land, ihre Welt, ihre Gesellschaft dem Abgrund entgegen geht. Sie sehen die nahende Katastrophe und dies bürdet ihnen eigentlich die Verantwortung auf, aktiv zu werden und dem entgegen zu wirken. Doch, um selbst aktiv zu werden, müssten sie eine Lösung der Krise anbieten, die sie nicht haben. Fabian und Kästner greifen zum Äußersten, zur Karikatur. Die Satire ist der einzige Weg, der es ihnen ermöglicht zu kritisieren, ohne selbst Lösungsvorschlä­g­e präsentieren zu müssen. Auf diesem Weg versuchen sie der Umwelt ihre Absurditäten aufzuzeigen, ohne selbst als Kritisierende in die Verantwortung genommen werden zu können. Dies ist die Rolle des satirischen Moralisten, der der ihn umgebenden Welt den Zerrspiegel vorhält, um sich selbst dahinter zu verbergen. Es ist eine Art visionärer Zerrspiegel, in dem der Gespiegelte sich selbst und die Zukunft erkennen soll. Dieser paradoxe Ausweg aus dem Handlungsdilemm­a der Intellektuellen des frühen 20. Jahrhunderts zeigte sich im Leben Kästners. Seine Schriften wurden gelesen und vom Erlös konnte er leben. Fabian hatte keinen Erfolg. In ihm zeigt sich der scheiternde Intellektuelle, der alles und am Ende sogar sein Leben verliert. Es sei noch einmal betont, dass Fabian und Kästner nicht absolut gleichzusetzen sind, doch vielleicht kann man in der Figur des Fabian die Angst

Die Neue Sachlichkeit
 in Erich Kästners Fabian


Inhaltsverzeichnis

1.      Einleitung. 2

2.      Die Neue Sachlichkeit – Grundzüge der Epoche. 4

3.      Neusachliche Motive in Erich Kästners Fabian. 6

3.1.  Die Wirtschaftslage: Arbeitsmarkt und Massengesellschaft. 6

3.2.  Die Technik und die „neuen“ Medien. 8

3.3.  Politik. 12

3.4.  Die veränderte Rolle der Frau in der Weimarer Republik. 15

3.5.  Die Figuren und ihre Beziehungen zueinander. 17

4.      Fazit – Motive einer vergangenen Epoche?. 20

5.      Quellen- und Literaturverzeichnis. 23


1.   Einleitung

„Über dieses nunmehr bald fünfundzwanzig Jahre alte Buch kursierten im Laufe der Zeit recht verschiedene Urteile, und es wurde noch von manchen, die es lobten, mißverstanden! Wird man's heute besser verstehen? Gewiß nicht!“[1]


Mit seinem erstmals am 15. Oktober 1931 bei der Deutschen Verlags-Anstalt erschienenen Roman Fabian. Geschichte eines Moralisten[2] versuchte der Verfasser Erich Kästner ein Warnsignal für den kommenden politischen Umsturz zu senden[3], dessen Vorstufe, die „Ruhe vor dem Sturm“, sich in der Arbeitslosigkeit, der seelischen Depression und politischen Unruhen äußerte.

Die Erzählung beschreibt in 24 Kapiteln, eingebettet in die übergeordnete Kritik an die zunehmende „Korruption, Perversion und Immoralität“[4] der Stadt Berlin, die letzten zehn Tage im Leben des 32-jährigen Werbetexters Dr. phil.

Jakob Fabian. Durch die ständige Konfrontation mit dem Unmoralischen in Form von Untergrundkneipen oder Bordellen, sowie der Polarität der politischen Strömungen des Nationalsozialismus und Kommunismus, verwandelt sich Fabian zunehmend vom Satiriker zum Realisten, der allerdings lediglich stiller Beobachter statt aktiver Revoluzzer bleibt.[5] Nach einer Reihe von Enttäuschungen, wie der Kündigung seines Arbeitsplatzes, dem Selbstmord seines besten Freundes Labude, sowie der Trennung von seiner Freundin Cornelia, ertrinkt Fabian schließlich bei dem Versuch, einen Jungen aus der Elbe zu retten.

Inwieweit das Attribut des Nichtschwimmers als eine Metapher bezüglich seiner Lebenslage gesehen werden kann, in der er es ihm ebenfalls nicht gelingt, sich „über Wasser zu halten“, lässt Interpretationsspielraum. Allerdings schildert Kästner nicht nur das Scheitern des Einzelnen, sondern zeigt exemplarisch an der Figur des Fabian[6] „die Krise der ganzen Gesellschaft; die Arbeitslosigkeit und das damit verbundene Elend, die Krise der Führung, der politischen Parteien und ihrer zunehmenden Radikalisierung, den Verrat opportunistischer Intellektueller und den moralischen Verfall der Großstadtgesell-schaft“[7] auf.

Kästner schrieb seinen Roman in der späten Phase der Weimarer Republik, die den Zeitraum von 1918 bis 1933 umfasste und in der erstmals eine parlamentarische Demokratie im Deutschen Reich bestand. Neben politischen und wirtschaftlichen Unruhen, die in der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 gipfelten, war dieser Zeitraum aber auch von einer Vielzahl teils divergierender literarischer Strömungen gekennzeichnet.

Während die Literaturforschung den Fabian heute eindeutig der Strömung der Neuen Sachlichkeit zuschreibt, versuchte sich Kästner zeitlebens von dieser Einschätzung zu distanzieren: „Und wer die Dummheit beging, diesen Stil die „Neue Sachlichkeit“ zu nennen, den möge der Schlag treffen!“.[8]

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Beliebte Themen waren unter diesen Kriterien vor allem Großstadt, Technik, Politik, Wirtschaft und Industrie, Arbeit und Arbeitslosigkeit,  Lebensumstände und Alltag[17], sowie Emanzipation und Sexualität,  die überwiegend in der Darstellungsform des Romans verarbeitet wurden.[18] Weil die neusachlichen Romane oft einen starken Gegenwartsbezug und Realitätsnähe[19] aufweisen, bezeichnet man eben jene auch als Zeitromane, die in „Orientierung an Zeitlichkeit und Faktizität“[20] vor allem die Gesellschaft zu analysieren versuchen und dabei den Romanhelden exemplarisch in den Fokus der Betrachtung stellen und dessen Schicksal konsequent verfolgen.[21] Obwohl der Held im Zentrum steht, verzichtet man im Zeitroman auf eine genaue Schilderung dessen Innenlebens, sodass das „menschliche Leben […] wie hinter Glas fixiert [erscheint].“[22] Zudem bleiben „Entwicklungsgänge, Bildungsgeschichten und Wechselbeziehungen zwischen Figuren“[23] ausgeklammert.


3.   Neusachliche Motive in Erich Kästners Fabian

3.1.             Die Wirtschaftslage: Arbeitsmarkt und Massengesellschaft

Erich Kästners Roman entstand und spielt in der späten Phase der Weimarer Republik, die von der Weltwirtschaftskrise und dem Untergang mit der Machtergreifung Hitlers 1933 gekennzeichnet war. Im Rahmen der wirtschaftlichen Unruhen wird auch das Motiv des einfachen Angestellten, der von der Arbeitslosigkeit bedroht ist und versucht, sich davor zu schützen, aufgegriffen.[24] Eben jenes Motiv der Arbeitslosigkeit ist zentral in Erich Kästners Roman Fabian.

Dabei wird nicht nur der Titelheld Fabian mit einer fehlenden beruflichen Perspektive konfrontiert, sondern parallel dazu sein Freund Labude, dessen Anstrengungen im Rahmen seiner Habilitationsschrift aufgrund eines Missverständnisses ergebnislos bleiben. Obwohl nämlich beide ausgebildete Literaturwissenschaftler sind und dem gebildeten Mittelstand und der Oberschicht angehören, üben beide keine ihrer Bildung gerecht werdenden Tätigkeiten aus.

Vor allem Fabian hält sich gerade so durch kleinere Tätigkeiten als Journalist und Werbetexter über Wasser, bis ihm schließlich infolge des Arbeitsplatzabbaus gekündigt wird.[25] Fabians berufliche Situation definiert sich also über die Entscheidung zwischen Können und Müssen, wobei einen Job zu finden, der Fabians Fähigkeiten gerecht wird, beinahe aussichtslos erscheint.

In einem Brief von seiner Mutter wird dieses Spannungsverhältnis deutlich:

„Macht es Dir denn wirklich Spaß, für Zigaretten Reklame zu machen?[ .] Frau Thomas meinte, es ist doch ein Jammer, daß Du solches Zeug schreibst. Aber ich sagte, das ist nicht seine Schuld. Wer heute nicht verhungern will, und wer will das schon, der kann nicht warten, bis ihm der richtige Beruf durch den Schornstein fällt.“[26]

Im Stil der Neuen Sachlichkeit wird der Beruf darüber hinaus als reiner Broterwerb begriffen, der im seltensten Fall Hobby ist. Die schlechten Arbeitsmarktbedingungen zwingen selbst promovierte Germanisten wie Fabian dazu, den nächst besten Beruf zu ergreifen.

Selbst Fabians Vermieterin, „die das Vermieten früher nicht nötig gehabt hatte“[27], ist mittlerweile auf Neben.....

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3.2.             Die Technik und die „neuen“ Medien

Unweigerlich mit der zentralen Thematik der Arbeitslosigkeit sind auch die neuen Medien, wie Zeitung, Film und Werbung, sowie die Technik im Allgemeinen in Kästners Roman verankert. Laut Marja Rauch stellt die „Reflexion über die Funktion“[40] der neuen Techniken eine wesentliche Komponente im Fabian dar, da es sich mit diesen um neuartige Erfahrungsbereiche im Berlin der Weimarer Republik handelte, die das Leben der Menschen in besonderer Weise geprägt haben.

Gleichzeitig wird damit ein typisch neusachlicher Themenkomplex bearbeitet.[41] Obwohl neue mediale Entwicklungen als etwas Positives begriffen werden, fällt die eher negative Betrachtungsweise Kästners im Fabian ins Auge.

Dies zeigt sich schon zu Beginn des Romans, als noch nicht auf die Technik selber, sondern auf deren Inhalt Bezug genommen wird. Als Fabian nämlich im  Café Spalteholz sitzt und die Zeitung überfliegt, sind darin nur negative Schlagzeilen zu lesen:

„Englisches Luftschiff explodiert über Beauvais, Strychnin lagert neben Linsen, Neunjähriges Mädchen aus dem Fenster gesprungen, Abermals erfolglose Ministerpräsidentenwahl, […] Ruhrkohlenabsatz läßt nach, […] Bevorstehender Streik von 140 000 Metallarbeitern, […] Das tägliche Pensum. Nichts Besonderes. Er nahm einen Schluck Kaffee und fuhr zusammen. Das Zeug schmeckte nach Zucker.“[42]

Die Zeitung wird damit schon zu einem Boten schlechter Nachrichten degradiert. Auffällig ist an dieser Szene auch, dass Fabian nicht von den schlechten Nachrichten bestürzt ist, da diese nichts mehr Neues sind, sondern vom Zucker in seinem Kaffee.

Scheinbar sind die bitteren Nachrichten gewöhnlicher, als der süße Geschmack.[43] Tatsächlich lässt die beinahe unaufhörliche Aneinanderreihung der Sensationsmeldungen durch die Presse die Nachrichten unwichtig wirken, obwohl jede isoliert betrachtet durchaus von Bedeutung ist.[44] Außerdem wird so schon auf den Sensationscharakter und Unterhaltungsfaktor der Zeitung aufmerksam gemacht.

Das Profitdenken der Redakteure wird vor allem dann deutlich, als Fabian mit dem Journalisten Münzer die Redaktion besucht. Hierbei gewichtet Münzer die gerade aufgenommene Rede des Reichskanzlers weniger, als eine reißerische Titelseite, wodurch er die Information der Sensation unterordnet.[45] Außerdem werden in der Redaktion regelmäßig Nachrichten erfunden oder gefälscht[46], um bei Nachrichtenmangel leere Spalten füllen zu können, um so wiederum die Aufmerksamkeit der Leser zu behalten.[47] Der Moralist Fabian kann den Sinn der Zeitung nicht verstehen, wenn man nicht einmal der Instanz, die als vertrauenswürdig gelten sollte, Glauben schenken kann und schlägt Münzer deshalb vor, das Erscheinen einzustellen.[48] Dieser entgegnet Fabian daraufhin, dass dies seinen finanziellen .....

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Neben der Zeitung und Werbung wird das Filmgeschäft im Fabian kritisiert, nicht zuletzt der Bestechlichkeit der Schauspieler und der Skrupellosigkeit der Produzenten wegen, was beispielhaft an der Beziehung zwischen Fabians Freundin Cornelia und dem Regisseur Makart aufgegriffen wird.

Cornelia lässt sich auf eine Affäre mit dem Filmemacher ein, um eine Schauspielkarriere zu starten. Da die Beziehung aber hauptsächlich von Makart ausgeht, und Cornelia nur mitspielt, um von ihm die Chance auf eine Rolle zu erhalten, lässt sich dieses Arrangement mit Prostitution gleichsetzen.[52] Wieder einmal verschönigt die Zeitung die Realität und lässt Cornelia zum Star werden[53], die Intelligenz und Glamour ausstrahlt, obwohl sie lediglich nur deshalb „aus dem Dreck heraus[kommt], [weil sie] sich dreckig macht.“[54]

Schließlich wird in Kästners Fabian nicht nur die mediale Revolution kritisiert, sondern auch die technische. Am deutlichsten wird dies im Dialog zwischen Fabian und dem mittlerweile mittellosen Erfinder Kollrepp.

Dieser bedauert nämlich, dass er durch seine Erfindungen an der schlechten Arbeitssituation der Menschen Schuld ist. Durch menschenersetzende Maschinen konnte in den Betrieben die Produktivität gesteigert werden, ohne neue Arbeitskräfte einsetzen zu müssen. Die Folge zeigte sich im Arbeitsplatzabbau und der Einsparung von Löhnen bei gleicher Steigerung des Gewinnes.[55] Hierbei werden die Maschinen mit Kanonen verglichen, die metaphorisch gesehen als Kriegsgerät in der Lage sind, Menschen umzubringen.

Die produktionssteigernden Maschinen in den Textilfabriken sind für die Menschen insofern „tötlich“, als dass sie ihnen ihren Arbeitsplatz rauben und sie durch Verlust ihrer Einkünfte am Hungertuch nagen lassen. Kästner stellt diese Technisierung des Arbeitsplatzes insofern negativ dar, als er den Erfinder als Sympathieträger auftreten lässt, der durch seine Großherzigkeit alles verloren hat, um die Menschen zu beschützen.

Durch diesen Kontrast werden die Maschinen in den Schatten gestellt und als „die Böse Seite“ skizziert. Mit Fabians unzureichendem Technikverständnis und -interesse[56] betont der Roman nur einmal mehr die Orientierungslosigkeit der Menschen in einer Welt voller neuer Erfindungen.


3.3.             Politik

Der Roman spielt zur Zeit der Weimarer Republik, einer instabilen Übergangsphase, die von der ständigen Konfrontation zwischen Rechtsradikalen und Kommunisten gekennzeichnet ist und schließlich in der Machtergreifung der Nation.....

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Eine   direkte Konfrontation begegnet uns im sechsten Kapitel im bewaffneten Zweikampf zwischen einem Nationalsozialisten und einem Kommunisten. Als sich Labude und Fabian über den Ersten Weltkrieg unterhalten, an dem beide teilgenommen hatten, hören sie Schüsse und finden einen verwundeten Kommunisten vor, der von einem ebenfalls verwundeten Nationalsozialisten unter Beleidigungen angeschossen wurde.

Fabians kritische Haltung wird in seiner sarkastischen Frage an den Kommunisten deutlich, indem er fragt, ob er jetzt „nun wenigstens überzeugt“[69] sei.

Als Fabian von Labude den Auftrag bekommt, ein Taxi zu rufen, folgt eine Art innerer Monolog Fabians, in dem sein Kriegstrauma deutlich wird. Die beiden Verwundeten erinnern ihn an Kriegsverletzte, die er als „entstellte[ .] Kreaturen [ohne Nasen, ohne Münder]“[70] noch bildlich vor Augen sieht.

Hierbei wird herausgestellt, dass Fabian bereits ahnt, dass es einen weiteren Krieg geben wird.[71] Fabians Passivität könnte daher auch mit der Angst vor einem erneuten Krieg erklärt werden.

Durch die Verwundung des Nazis durch einen „Steckschuß im Allerwertesten“[72] werden die politisch Rechten nur einmal mehr auf die Schippe genommen.

Darüber hinaus versucht Labude, zwischen den beiden Streithähnen im Taxi zu schlichten, indem er behauptet, die linke Partei würde lediglich opponieren, während er bei der Definition der rechten Partei stockt. Damit wird die Sinnlosigkeit der Partei betont, zumal der Nationalsozialist selber erklären muss, dass sie gegen „die Ausbeuter des Proletariats“[73] kämpfen.

Auch wird dieser unterbrochen, als er bereits anfangen will, von Hitler zu sprechen, womit unterstrichen wird, dass nationalsozialistische Befürwortungen in Kästner Fabian keinen Platz haben.


3.4.     Die veränderte Rolle der Frau in der Weimarer Republik

In Kästners Fabian fällt auf, dass kaum eine Frau mehr das Standart-Image einer mütterlichen Hausfrau verkörpert, von glücklichen Familien ganz zu schweigen. So bringt es eine Dame in einem Berliner Nachtclub auf den Punkt: „Ich war zweimal verheiratet, das genügt vorläufig.

Die Ehe ist nicht die richtige Ausdrucksform für mich. Dafür interessieren mich die Männer zu sehr.“[74]  Bezieht man den historischen Kontext in die Betrachtung mit ein, so wandelte sich das traditionelle Frauenbild in den 20er Jahren des 2.....

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Cornelia stellt also ihre Karriere über das traditionelle Bild einer bescheidenen Ehefrau und bricht damit mit den bisherigen Vorstellungen über das Frauenbild. Dass sich die Frau aber nicht gänzlich emanzipieren kann und aus eigener Kraft zur Autonomie gelangt, wird durch die Abhängigkeit Cornelias vom Produzenten ausgedrückt, dem gegenüber sie sich beruflich prostituieren muss, um finanziell Fuß zu fassen.

Das Bild der modernen Frau wertet Kästner insofern negativ, als er die Frauen als das habgierige, das sich der Langeweile des Alltags entziehende Geschlecht skizziert.[83] Laut Britta Jürgs ist gerade die Darstellung der Frauen als das „kalte Medium der Moderne“[84] als das Merkmal der Zugehörigkeit des Romans zur Neuen Sachlichkeit schlechthin zu begreifen.

Dies geschieht vor allem durch „die Hinwendung zu unpersönlichen, zweckgebundenen Beziehungen“[85], wie sie im Falle Cornelia zu Makart und Irene Moll zu diversen Liebhabern vorzufinden sind, wodurch sich die Frauen „unabhängig von Gefühlsbindungen […] ihren Platz in der Welt [erobern].“[86]

Fabians Mutter stellt im lasterhaften Berlin, wo familiäre Werte und Bindungen kaum mehr vorzufinden sind, eine Ausnahme dar. „Die mütterliche, vor allem auf Heim und Kinder hin orientierte Frau sollte dem modernen Werteverlust entgegenwirken und in der allgemeinen Orientierungslosigkeit einen Ruhepunkt darstellen.“[87] Unterstrichen wird der Aspekt des Moralverfalls in der Großstadt auch durch die Tatsache, dass die Mutter aus dem im Gegensatz zu Berlin eher ländlich geprägten Dresden kommt.


3.5.             Die Figuren und ihre Beziehungen zueinander

In der Neuen Sachlichkeit bleiben Beziehungen zwischenmenschlicher Art vorwiegend ausgeklammert und sind, wenn überhaupt, von Distanz geprägt. Auch in Kästners Fabian begegnet uns kaum eine gesunde, gefühlsbetonte Beziehung – lässt man das Mutter-Sohn Verhältnis außen vor.

Deborah Smail stellt in ihrer Arbeit White-collar Workers, Mass Culture and Neue Sachlichkeit in Weimar Berlin fest, dass „[ .] There is little evidence of the characters forming any kind of constructive relationship with others, either in the work sphere, or in the bars and clubs. Instead, most relationships are based on competition and exploitation.“[88] Weder die Beziehung Irene Molls zu ihrem Ehemann, welche auf Zugeständnisse des Mannes an seine Frau basiert, Labudes zu seiner Frau Leda, die ihn während seiner Abwesenheit betrügt, noch Fabians zu Cornelia ist nicht zum Scheitern verurteilt.

Die unrealistische Vorstellung von echter Liebe zwischen Mann und Frau wird nur einmal mehr in der zunehmenden Homosexualität im Fabian unterstrichen. Selbst Labudes Beziehung zu einem wissenschaftlichen Mitarbeiter seiner Universität, an der er seine Habilitationsschrift  eingereicht hat, ist von Missgunst geprägt und weist Parallelen zu Fabians Beziehung zu seinem Arbeitskollegen auf, der schließlich nach Fabians Kündigung dessen Preisausschreiben als seines ausgibt und damit die Prämie gewinnt.  Aus Platzgründen soll im hiesigen Punkt lediglich genauer auf die Beziehung Irene Molls zu ihrem Ehemann und Fabians zu Cor.....

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