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Buchanalyse: Die Nemesis der Medizin - Kritik an der Medikalisierung des Lebens: Kulturelle Iatrogenesis
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Cultural Studies

University, School

Karl-Franzens-Universität Graz - KFU

Grade, Teacher, Year

Gut, Dr. Helmut Eberhart, 2011

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Das Kulturerdteile Konzept Das Konzept der Kulturerdteile und die wachsende Kritik an ebendiesem Inhaltsverzeich­nis I. Einführung. 2 II. Das Konzept der Kulturerdteile. 3 1. Definition des Begriffes Kulturerdteile. 3 2. Merkmalskomplex­e. 3 3. Umsetzung des Konzeptes in die Praxis. 5 4. Zusammenfassung­. 7 III. Kritik am Konzept der Kulturerdteile. 8 1. Diskussionsbeit­rag von Heiner Dürr 8 1.1 Rahmenthesen. 9 2. Diskussionsbeit­rag von Karl Engelhard. 13 3. Diskussionsbeit­rag von Sabine Tröger 17 IV. Fazit 22 V. Literaturverzei­chn­is.…
501.362: Fachdidaktik Philosophie Priv.-Doz. Mag. Dr.phil. Zeder Franz WS 2011 Der Sinn des Lebens? basierend auf dem Artikel Lebensgestaltun­g. Eine neue Herausforderung für die Philosophie schriftliches Referat vorgelegt von Matrikelnummer: 0810786 ingridzamberger­@gm­x.at Abgabedatum: 23.November 2011 Inhalt 1 Einleitung 4 2 Lebensgestaltun­g 4 2.1 Wer ist Monika Sänger? 4 2.2 Eine neue Herausforderung für die Philosophie 4 2.2.1 Die antike Strebensethik 5 2.2.2 Neuzeitliche Sollensethik 5 2.2.3 Utilitarismus…

Die Nemesis der Medizin

Kritik der Medikalisierung des Lebens

Kulturelle Iatrogenesis

VU Krankheitserfahrungen und Gesundheitsstrategien aus kulturwissenschaftlicher Perspektive


Inhalt

1.Einleitung

1.1. Der Autor

1.2. Werke

1.3. Einbettung des Textes

1.4. Textgattung

1.5. Perspektive

1.6. Fragestellung

2.Inhalt

3.Diskussion

3.1. Wissenschaftliche Bewertung

3.2. Der Text im Vergleich mit anderen Schriften

3.3. Persönliche Stellungnahme    

4.Literaturliste

5.Internetrecherche zum Thema Selbsthilfegruppen für Schlaganfallpatienten


1. Einleitung:


1.1. Der Autor

Ivan Illich wurde am 4. September 1926 in Wien geboren. Sein Vater war katholischer Kroate, seine Mutter deutsche Jüdin mit spanischen und amerikanischen Vorfahren. In der NS-Zeit musste er Österreich verlassen und machte 1942 in Florenz seine Matura. Anschließend studierte er in Rom zuerst Naturwissenschaften, dann Theologie und Philosophie.

Er beendete seine Studien alle summa cum laude. 1950 wurde er zum Priester geweiht. Nach der Promotion arbeitete er als Armenpriester in den Slums von New York. Von 1956 - 1960 leitete er die Universität von Puerto Rico. Später nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

Nach vielen Auseinandersetzungen mit dem Vatikan gab er 1969 alle priesterlichen Funktionen auf. In den 1970er Jahren war Illich einer der meist beachteten Kritiker von moderner Zivilisation, Technik, Bildung und Medizin.  Als Universitätsdozent lehrte er in New York, Kassel, Berkeley und Marburg und wurde 1986 Professor an der Pennsylvania State University.

Seit Anfang der 1990er Jahre war sein Lebensmittelpunkt in Bremen, wo er an der Universität als Gastdozent lehrte. Er verbrachte aber auch jedes Jahr einige Monate an der Penn State und in Mexiko. In den letzten Jahren war er schwer krank und zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Ivan Illich starb am 2. November 2002 in Bremen.

„Sowohl seine Vita als auch der Beginn seiner Publikationstätigkeit (1970) weisen Illich als Entwicklungstheoretiker aus.“[1] Seine Thesen sollen weltweit Geltung erlangen. Für die sogenannten Entwicklungsländer seien diese besonders relevant, da jene noch die Chance hätten, den Durchgang durch das industrielle Zeitalter zu vermeiden.

Hier wird besonders deutlich, wie das Streben nach maximalem Wohlstand und maximaler Produktivität mittels nicht-konvivialer Werkzeuge durch die beginnende Modernisierung Mangel erzeugt.

Die Verallgemeinerung des westlichen Entwicklungsmodells ist Illich zufolge ein Ding der Unmöglichkeit.[2]


1.2. Werke


Im deutschsprachigen Raum wurde Ivan Illich in den siebziger Jahren durch vier Bücher bekannt: "Nemesis der Medizin", "Entschulung", "Selbstbegrenzung" und "Fortschrittsmythen".

Illich propagiert in seinen Werken nicht den Verzicht auf moderne Technik, nur „konvivial“ soll sie sein. Auch muss sie ohne Lizenz durch Experten, ohne Zwang oder Verletzung von Freiheitsrechten anderer nutzbar sein. Er nennt Telefon, Fahrrad und Post solche modernen konvivialen Werkzeuge.

In einer postindustriellen Gesellschaft, wie Illich sie sich vorstellt, können durchaus mehrere komplementäre Produktionsweisen nebeneinander existiere. Illich weist aber deutlich darauf hin, dass er „keine detaillierte Fiktion einer Zukunftsgesellschaft liefert, sondern lediglich eine Richtschnur für das Handeln vorschlägt, die dazu beiträgt, eine freiheitsmindernde Verselbständigung der menschlichen Werkzeuge zu verhindern.“ [3]

Schriften von Ivan Illich (laut Jakobeit/Ziai)

     1970 Celebration of awareness: Call for institutional revolution. New York (dt. Almosen und Folter. Verfehlter Fortschritt in Lateinamerika. München 1970; Neuauflage München 1996 u.d.T.: Klarstellungen)

     1971 Deschooling society. New York (dt. Entschulung der Ges.....[read full text]

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Der geregelte Umgang mit den Giften jeder Kultur wird durch die „pharmazeutische Invasion“ zerstört. Häufig fügen sie der Gesundheit mehr Schaden als Nutzen zu. Sie vermitteln eine Vorstellung von einem Körper der wie eine mechanisch betriebene Maschine funktioniert und ebenso reparabel ist.

In ärmeren Ländern der Welt werden Medikamente, die anderswo bereits aus dem Verkehr gezogen wurden, verkauft. 

 Wird die Medizin zu einem organisierten Betrieb und die berufliche Autonomie der Ärzte zum Monopol, dann werden die Menschen unfähig sich mit ihrer Umwelt aktiv auseinander zu setzen. Die Menschen handeln nicht mehr selbstständig und können Heilmittel nicht mehr selbstverantwortlich verwenden.

Die Menschen sind durch die industrielle Arbeit und Freizeit verstört und krank gemacht. Sie flüchten unter die ärztliche Aufsicht und werden damit gleichzeitig vom notwendigen politischen Kampf um eine gesündere Welt und gegen die Belastungen des ökonomischen Wachstums ausgeschlossen. Die ärztlichen Diagnosen lassen somit indirekt weitere teure Produkte des Industriesystems gedeihen.[6]

Die Medizin bestimmt wie sich Kranke zu verhalten haben und definiert was normal und was abnorm ist.

Der Teil des Jahreseinkommens, der nach Anweisungen des Arztes ausgegeben wird lässt einen Rückschluss über die Medikalisierung des Lebens zu.

Im Jahr 1950 war dies in den USA weniger als ein Monatseinkommen. Mitte der

siebziger Jahre mussten durchschnittliche Arbeitnehmer bereits fünf bis sieben Wochen für den Erwerb medizinischer Dienstleistungen aufwenden. Ärzte stiegen in die höchste Einkommensklasse auf.

Der Konsum von Medikamenten kennt keine Grenzen. Die Umsätze im vergangenen Jahrhundert nahmen in den USA um das Hundertfache zu. Das gilt auch für andere Medikamente wie Beruhigungsmittel.

Diese medikalisierte Sucht übertrifft sämtliche andere Vergnügungen zur künstlichen Erzeugung von Wohlgefühl. Der Mensch hat gelernt den einfachen Weg zu gehen und sich für den Zustand, den er sich wünscht, das Medikament zu kaufen, das er dazu braucht.[7]


1.4. Textgattung

Der Text gehört zu den gesellschaftskritischen Texten. Illich kritisiert sowohl das Gesundheitswesen, als auch die Medizinmaschinerie. Es geht um das Medizinsystem der Industriestaaten. Illich wendet sich vor allem auch an medizinisch nicht gebildete Menschen. Es ist ein Aufruf an die Menschen die Verantwortung für ihr Leben von den Spezialisten wieder zurückzufordern.

Es geht gegen die Täuschung, vorgegaukelt durch die Medizin, dass der Mensch durch die medizinische Technologie der totalen Reparierbarkeit immer näher komme.

Die Kritik Illichs richtet sich gegen die Institutionen und Technologien der modernen Industriegesellschaft.

„Die Nemesis der Medizin" ist Illichs erfolgreichstes Buch. Die erste Auflage dieses Buches erschien 1975 unter dem Titel „Die Enteignung der Gesundheit“ im Verlag Rowohlt. Die englische Originalausgabe hieß „Limits to Medicine“. Das Buch war zunächst nicht vorrangig als Angriff auf das Medizinsystem geplant, sondern „als ein Beitrag zur Ökonomie, zum Radikalmonopol und mit dem Zweck, verschiedene Niveaus von Kontraproduktivität zu unterscheiden“.[8]

In Anlehnung an jenes Buch das Illichs unterscheiden Autoren oft drei Ebenen d.....

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Er erlangt dadurch weltweites Ansehen, er konnte aber nichts ändern.

Heute zeigt sich, dass Illich mit seinen Warnungen vor der Bedrohung der Gesundheit durch die Ärzteschaft recht hatte. Er nannte das Recht, das sich die „Medizinbürokratie“ herausnahm „Diagnostischen Imperialismus“, dieser entschied wer Autofahren oder der Arbeit fernbleiben darf, oder wer weggesperrt werden muss.

„Tatsächlich hat die Medizin bis heute kein schlüssiges Menschenbild entwickelt. Sie kann zwar Auffälligkeiten bis in die molekulare Basis zurückverfolgen, aber weiß nicht zu sagen, was Gesundheit ist und was Krankheit.“[14]

Die schon sehr lang andauernde Diskussion über die Sozialsysteme hatte Ivan Illich bereits 1975 vorausgeahnt:

„Der Fähigkeit zur Selbstbestimmung stehen die von uns selbst geschaffenen Institutionen und die immer größer werdende Schar von Spezialisten und Experten im Wege, die den Menschen entmündigen. Wie es aussieht, werden die Institutionen sich die Macht nicht nehmen lassen.“[15]


1.6. Fragestellungen

Der Schlüsselbegriff bei Illich ist die sogenannte Iatrogenesis. Mit diesem Wort werden gesundheitsschädigende Effekte beschrieben, die durch medizinische Behandlungen hervorgerufen werden.

Iatrogenesis bedeutet allgemein:

„Alle durch die ärztliche Tätigkeit verursachten oder durch die Person und das Verhalten des Arztes bedingten Krankheiten oder Verschlimmerungen von Krankheiten und Beschwerden. So kann beim entsprechend disponierten Patienten auf Grund des fehlerhaften Verhaltens des Arztes, des Psychologen oder anderen diagnostischen und therapeutischen Personals, etwa durch ängstigende oder verletzende Bemerkungen oder durch den übertriebenen Einsatz apparativ-technischer Mittel, eine iatrogene Fixierung der Beschwerden auftreten (klinische Iatrogenesis).

Die soziale Iatrogenesis liegt dann vor, wenn ein nach Wohlfahrtsprinzipien ausgerichtetes Gesundheitswesen den einzelnen Patienten zum passiven Konsumenten medizinischer Dienstleistungen macht und dadurch die natürliche Heilungskraft und den Willen des Kranken, mit seinem Leiden selbst fertigzuwerden, untergräbt. Die strukturelle (= kulturelle) Iatrogenesis ist dadurch gekennzeichnet, daß die Autonomie des einzelnen Patienten durch den ärztlichen Professionalismus gelähmt und so der Kranke systematisch dazu erzogen wird, seine Eigenverantwortung dem ärztlichen Fachmann abzutreten.“[16]

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2. Inhalt:

Ivan Illich: Kulturelle Iatrogenesis, in Ivan Illich: Die Nemesis der Medizin. Krirtik der Medikalisierung des Lebens, München 1995 (1976), 91-125

Nach der klinischen Iatrogenesis und der sozialen Iatrogenesis schreibt Illich im Teil III des Buches über die kulturelle Iatrogenesis. In der Einleitung schreibt er über die Medizin, die als „allbeherrschendes, moralisches Unternehmen“ [20] fungiere.


Das Abtöten von Schmerz

Nervenreize, die zu Schmerz führen, werden je nach Kultur und Persönlichkeit eines Menschen anders erfahren. Die Medizin-Zivilisation nimmt dem Schmerzempfinden seine persönliche Bedeutung und wandelt ihn in eine technische Frage um.  Menschen verlernen, dass  das Leiden ein Teil der Realität ist.

Traditionelle Kulturen sehen Schmerz, Schwäche und Tod als Herausforderung auf die angemessen reagiert werden muss.  Eine medikalisierte Zivilisation hingegen macht daraus Probleme, die vom Wirtschaftssystem gelöst werde sollen. Schmerz wird aus jedem subjektiven oder objektiven Zusammenhang gelöst, sodass Schmerzen nicht mit Würde, sowie in traditionellen Kulturen, ertragen werden können.

Schmerz wird nicht mehr als eine besondere Erfahrung akzeptiert. Das Industriesystem liefert medizinische Schmerztöter. Schmerz wandelt sich in die Nachfrage nach mehr Drogen, Spitälern und ärztlichen Dienstleistungen. Der Schmerz wird zum politischen Problem. Leiden ertragen zu müssen  wird als Versagen des sozio-ökonomischen Systems interpretiert. Wie Schmerz in seiner Intensität oder Qualität empfunden wird, hängt stark von der jeweiligen Kultur ab.

Umstände und Gewohnheiten bestimmen das Maß an Angst und bestimmen welche Bedeutung körperlichen Empfindungen beigemessen wird und wie intensiv sie gespürt werden. So beschreibt Illich, dass Soldaten Morphiumspritzen zurückwiesen da sie vom Militärdienst befreit werden wollten. Wären ihnen ähnliche Verletzungen im Operationssaal zugefügt worden, hätten sie solche Schmerzstillung für unbed.....

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Verbunden mit dem Mitleid ist die Gewissheit, dass jeder mit seinem Schmerz allein ist. Schmerzen, die jemand erleidet haben immer eine soziale Dimension, das heißt, die Gesellschaft in der wir leben, bestimmt mit, wie Leiden und körperliche Verletzungen als konkreter Schmerz empfunden werden. So müsste es möglich sein, die historische Dimension des Schmerzes in seinem durch die Medikalisierung bestimmten Wandel zu untersuchen.

Wahrnehmung des Schmerzes ist immer mit  einer Fragestellung verbunden. In einer Gesellschaft aber, die Anästhesie so hoch bewertet, wird diese dem Schmerz eigene Fragestellung zu ignorieren.

Schmerzempfindung ist in einen kulturellen Rahmen gebettet, die Kultur bietet dem Menschen Wörter, Drogen, Mythen und Vorbilder um den Schmerz als persönliche Erfahrung erleben zu können. Jede Kultur bietet nicht nur ihre eigenen psychoaktiven Arzneien und gibt religiöse oder mythische Begründungen (Karma, Kismet, Sünde) für den Schmerz, sondern auch die Anleitung Schmerz mit Würde zu ertragen und die Fähigkeit ihn zu behandeln (Mohn, Duftstoffe, Massage).

Durch die Medikalisierung wird jedoch jedes kulturelle Programm der Schmerzbehandlung aufgelöst und durch technische Bewältigung ersetzt.  Dem moderne „Medizin-Funktionär“ geht es nicht primär um Heilung sondern um Behandlung. Eine „technische Abtötung“ von Schmerz, vorgenommen durch Experten war allen europäischen Kulturen fremd. Dafür gibt es drei Gründe:

·         Schmerz als kosmische und mythische Erfahrung des Menschen von einem beschädigten Universum. 

·         Schmerz als Zeichen für das Böse in der Natur als Teil des Ganzen.

·         Schmerz als Erfahrung der Seele des Menschen die im ganzen Körper präsent ist.

Gegen den Schmerz als eine persönliche Erfahrung, die verstanden und erlitten werden musste steht die Trennung von Körper und Seele, durch eine Konstruktion des Körpers durch Descartes. Der Schmerz wird nun als Signal des Körpers verstanden um seine „mechanische Unversehrtheit“ zu wahren.

 

Erfindung und Beseitigung von Krankheit

Der große Irrtum der französischen Revolution bestand in dem Glauben, dass Ärzte den Klerus ersetzen können und dass Krankheit durch Herstellung von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verschwinden würde. Das Volk sollte zu gesunder Lebensweise angehalten werden, sodass ärztliche Betreuung weniger notwendig würde.

Dem Volk soll alle „Macht über die Gesundheit“ wiedergegeben werden. Hospitäler waren bis ins 18. Jahrhundert nur für unheilbar Kranke, Verrückte und Findelkinder. Extremisten forderten die Schließung der Krankenhäuser und Pflege aller Kranken zu hause, so wie die Reichen schon immer gepflegt wurden.  Medizin wurde zu einem politischen Problem erhoben. Krankheit wurde erst ab der Hälfte der 19. Jahrhunderts als Sachverhalt verstanden, davor als .....

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Tatsache aber ist, dass die meisten Therapien und Diagnosen das Verständnis von Laien keineswegs überfordern sobald die Effizienz der Medizin in der Alltagssprache bewertet wird. Die Befürworter einer weiteren Medikalisierung bringen aber immer den Einwand, dass der Patient zu ängstlich und emotional unfähig zu einer rationalen Selbstbehandlung sei.

 

Tod kontra Tod

Der Tod als Ware

Illich befasst sich mit dem Bild des „natürlichen Todes“. Dieses Bild war vom 16. Bis zum 20. Jhdt. sehr gebräuchlich und bezieht sich auf die Vorstellung, dass der Tod uns bei guter Gesundheit im hohen Alter unter ärztlicher Betreuung trifft. Andere Bilder sind der „primitive Tod“ und der „moderne Tod“.

Das Bild des natürlichen Todes hat sich über 500 Jahre in fünf unterschiedlichen Phasen entwickelt. Die Geschichte des natürlichen Todes ist die Geschichte der Medikalisierung des Kampfes gegen den Tod.

Der religiöse Totentanz

Für Menschen in primitiven Gesellschaften entstand der Tod durch Intervention einer unheimlichen, übernatürlichen, göttlichen, höheren Macht. Bis ins Spätmittelalter kämpfte die katholische Kirche gegen heidnische Bräuche, bei denen die Menschen nackt, rasend, ihre Schwerter schwingend über die Gräber tanzten.

Ab dem 15. Jhdt. überwiegten aber die Darstellungen der Totentänze als Spiegelbilder der Menschen. Jeder Mensch tanzt mit seiner eigenen Sterblichkeit. Diese Darstellung des Totentanzes drückt die Bereitschaft der Menschen aus, ihren Tod als Teil des menschlichen Lebens anzusehen.

Dan.....

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