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Der Stellenwert interkultureller Literatur in der gymnasialen Oberstufe: Eine kritische Bestandsaufnahme und mögliche Perspektiven
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Diploma thesis
German studies

University, School

Technische Universität Dortmund

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2,7, Prof. Dr. Gerhard, 2014

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Der Stellenwert interkultureller Literatur in der gymnasialen Oberstufe – eine kritische Bestandsaufnahme und mögliche Perspektiven


Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis 2

Tabellenverzeichnis 3

Einleitung_ 4

2 Theorieteil 8

2.1 Hypothesenformulierung_ 8

2.2 Beschlüsse der Kultusministerkonferenz 8

2.3 Lehrplan NRW_ 9

3 Begriffsklärungen_ 11

3.1 Interkulturalität 11

3.2 ‚Orientalism‘ 11

3.3 Hybridität 12

3.4 Interkulturelle Literaturgeschichte_ 13

3.4.1 Deutsch-türkische Literatur 14

4 Didaktik – interkulturelle Literaturdidaktik_ 15

5 Empirischer Teil 18

5.1 Aufbau der Umfrage_ 18

5.1.1 Adressatengruppe/Methodik der Umfrage_ 19

5.1.2 Erläuterung des Fragenbogens 21

5.2 Verlauf der Umfrage_ 23

5.3 Auswertung und Interpretation der Umfrage_ 24

6 Didaktische Perspektiven_ 32

6.1 „Liebesmale, scharlachrot“ – interkultureller Mehrwert 32

6.2 Didaktischer Entwurf 37

6.2.1 Vorstellung der Bücher 38

6.2.2 Warum Liebesmale und Werther?_ 38

6.2.3 Motivanalyse: Werther vs. Liebesmale_ 39

7 Fazit 51

Literaturliste_ 55

Anhang_ 60


Einleitung

Die Menschen mit Migrationshintergrund formen das zeitgemäße Bild der deutschen Gesellschaft maßgeblich mit, da der Anteil bei 19,6% an der Gesamtbevölkerung liegt. Die Bedeutung Migrationshintergrund ist die deutsche Bezeichnung für eine Bevölkerungsgruppe, die seit 1949 einwanderte. Von diesem bestimmten Teil der Bevölkerung, mit seinen nachfolgenden Generationen, ist mittlerweile jede dritte Person in Deutschland geboren.

Aufgrund dieser Gegebenheit wird festgehalten, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, was die gesellschaftliche Entwicklung mit beeinflusst. Außerdem ist es Realität, dass diese Personen durchschnittlich wesentlich jünger sind als die Menschen ohne Migrationshintergrund, das Verhältnis liegt bei 33,8 Jahren gegenüber 44,6 Jahren. Im Jahr 2008 besitzen ein Drittel der unter Fünfjährigen in der deutschen Bevölkerung einen Migrationshintergrund.

Insgesamt ist es deshalb erforderlich, dass vor allem Kinder und Jugendlichen in der Schule auf ein Zusammenleben in kultureller Vielfalt vorbereitet werden. Die deutsche Bildungspolitik hat sich dieser Entwicklung angenommen und legt die Ausbildung einer interkulturellen Kompetenz, im Deutschunterricht der gymnasialen Oberstufe, bei Schülerinnen und Schülern fest (vgl. statistisches Bundesamt, 2007).

Dazu soll dem Arbeitstitel entsprechend „der Stellenwert interkultureller Literatur in der gymnasialen Oberstufe“ in einer kritischen Bestandsaufnahme ermittelt und mögliche Perspektiven aufgezeigt werden, wie Interkulturalität im Unterricht ein- und umgesetzt werden kann. Die Arbeit besteht insgesamt aus zwei Teilbereichen, zuerst wird ein theoretischer Abschnitt erarbeitet, worauf eine empirische Umfrage folgt.

Im zweiten Teil werden dann didaktische Perspektiven entworfen, die sich aus dem ersten Teilstück ergeben. Im theoretischen Teil wird mit den Beschlüssen der Kultusministerkonferenz begonnen, die die schulische Qualität garantieren sollen. Es werden Bestimmungen erläutert, die zur Orientierung in der Unterrichtsarbeit dienen. Dabei wird der Punkt zur interkulturellen Kompetenz herausgegriffen und näher betrachtet, ob und inwieweit dieses Fachwissen im schulischen Alltag ausgebildet wird.

Die Untersuchung wird sich dabei auf die fachdidaktischen Anweisungen im Kernlehrplan des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen konzentriert. Außerdem wird sich mit dem Punkt der interkulturellen Verständigung im Kernlehrplan „Deutsch“ auseinandergesetzt.

Im weiteren Verlauf folgen Begriffserklärungen, die für das Thema relevant sind. Es wird zunächst der Begriff „Interkulturalität“ erläutert, daran anschließend der Forschungszweig der germanistischen interkulturellen Literaturwissenschaft eingeführt und in diesem Zusammenhang auch der Begriff „Orientalism“ besprochen, der zum Verständnis einer kulturellen .....[read full text]

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Die Analyse beginnt mit der näheren Betrachtung der Erzählweise und der Spielorte der Figuren, insbesondere wird auf die Lebensumstände der Figuren eingegangen. Es wird auf das Leben der Hauptfigur Serdar in Deutschland und auf seiner Türkeireise eingegangen, wobei seine individuelle Verbindung zur jeweiligen Gesellschaft betrachtet wird. Neben Serdar wird die zweite bedeutende Figur des Romans, Hakan, in den Blick genommen und sein Leben in der deutschen Gesellschaft besprochen.

Des Weiteren werden die sprachlichen Besonderheiten, die der Autor einsetzt, erläutert. Aufgrund der gesellschaftlichen Situationen der Figuren ergeben sich für die Interkulturalität bedeutende Handlungsmuster, die es herauszustellen gilt. Damit einhergehend wird näher auf die Persönlichkeiten der Figuren eingegangen.

Im Anschluss wird beispielhaft eine Analysemethode vorgestellt, die zur intensiveren Textarbeit im Deutschunterricht beitragen soll. Hier soll versucht werden, ein Perspektivwechsel und die Überwindung des Ethnozentrismus vorzunehmen, so dass differenzierte Denkweisen in Bezug auf interkulturelle Phänomene bei der Schülerschaft entstehen können.

Außerdem wird zur Aussage des Buches, die der Autor mit der Darstellung zur Interkulturalität der Figuren im Roman zum Ausdruck bringt, Stellung genommen. Abschließend wird bewertet, ob der Roman „Liebesmale, scharlachrot“ didaktischen Mehrwert bietet und die interkulturelle Kompetenz sowie übergeordnete pädagogische Bausteine ausgebildet werden können.

Um Feridun Zaimoglus „Liebesmale, scharlachrot“ die Möglichkeit zu geben, in den Literaturunterricht Berücksichtigung zu finden (was, wie die Umfrage zeigen wird, nicht unproblematisch ist), wird es mit Goethes im Deutschunterricht häufig verwendeten Roman „Die Leiden des jungen Werther“ ins Verhältnis gesetzt.

Durch eine Motivanalyse werden Gemeinsamkeiten aufgezeigt und daraus folgend eine didaktische Lösung präsentiert, nach der interkulturelle Literatur im Deutschunterricht einbezogen werden kann.


2 Theorieteil

2.1 Hypothesenformulierung

Die Bedeutsamkeit der interkulturellen Literatur scheint im Ansatz erkannt worden zu sein, denn die Kultusministerkonferenz fordert in ihren Rahmenvorgaben die Ausbildung einer interkulturellen Kompetenz. Es stellt sich jedoch die Frage, ob der Forderung dieses Oberpunktes tatsächlich nachgekommen wird und eine angemessene Umsetzung in der Schulpraxis erfolgt.


2.2 Beschlüsse der Kultusministerkonferenz

Am 12. Dezember 2004 vereinbarte die Kultusministerkonferenz allgemeingültige Standards, welche sich auf Grundprinzipien der Fächer und fachbezogene Kompetenzen beziehen. Damit sicherte die Konferenz in allen Ländern geltende Grundsätze zur Entwicklung und Vergleichbarkeit der schulischen Qualität in Deutschland.

Diese Prinzipien sollen beim Konzipieren des Unterrichts in den jeweiligen Jahrgangsstufen und den damit einhergehenden Schulabschlüssen berücksichtigt werden. Außerdem sollen zusätzlich übergeordnete Ziele wie die Weiterentwicklung der Persönlichkeit und die Weltorientierung der Schülerinnen und Schüler erfüllt werden (vgl. KMK, 2004, S. 5-7)

Am 18. Oktober 2012 legte die Konferenz allgemeine Ziele und fachdidaktische Grundlagen für den Deutschunterricht der Abiturjahrgänge fest, anhand der fachdidaktischen Oberpunkte gibt sie damit einen offenen Rahmen vor, der während der Analyse, Planung und Durchführung der Unterrichtsarbeit zu berücksichtigen ist. Die Zielvorstellungen sind dabei in vier Oberpunkte unterteilt.

Der erste Punkt nennt sich „Literatur, Sprache und Kommunikation“, darin soll vor allem die produktive und rezeptive Text- und Gesprächskompetenz sowie das literaturhistorische und ästhetische Bewusstsein geschult werden. Im zweiten Bereich wird Medienkompetenz ausgebildet, hier werden unterschiedliche mediale Erscheinungsformen von Literatur un.....

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Als nächster Punkt werden grundlegende Einstellungen und Verhaltensweisen für das wissenschaftliche Arbeiten angeführt, hier ist auch die Offenheit für andere Sichtweisen anzusiedeln, die zu erlernen sind. Die zweite Säule des Lehrauftrags bezieht sich auf die persönliche Entfaltung in sozialer Verantwortlichkeit, die sich ebenfalls in mehrere Unterpunkte aufteilt.

Dabei soll etwa auch auf ein Leben in einem zusammenwachsenden Europa und einer international verflochtenen Welt vorbereitet werden (vgl. Kernlehrplan, 1999, S. XI-XV)

Anknüpfend an die übergeordneten Ziele der gymnasialen Oberstufe in Nordrhein-Westfalen wird im Kernlehrplan des Faches ‚Deutsch‘ ein Beitrag zur interkulturellen Verständigung gefordert. Dieser besteht im Einzelnen darin, dass durch  „ein reflektiertes Verständnis in der Auseinandersetzung mit Literatur, Sachtexten, Theater, Film und Medien aus verschiedenen kulturellen und historischen Kontexten“ eine fachliche Kompetenz entwickelt wird, woraus „eine ethisch fundierte Haltung durch die reflektierte und multiperspektivische Auseinandersetzung mit dem kulturell Anderen in Vergangenheit und Gegenwart“ entstehen soll (vgl. Kernlehrplan, 2013, S. 9).


3 Begriffsklärungen

Bevor analysiert werden kann, ob die Vorgaben der Kultusministerkonferenz und die Grundsätze des Kernlehrplans an den Schulen in Nordrhein-Westfalen in Bezug auf die interkulturelle Kompetenz umgesetzt werden, sollten zunächst einige Begriffe aus diesem Bereich erläutert werden.

3.1 Interkulturalität

Der zentrale Begriff der behandelten Fragestellung ist die ‚Interkulturalität‘. Zum Sinngehalt von Kultur erklärte der Germanistik- und Linguistikprofessor Ernest W.B. Hess-Lüttich, dass „aus der zweiten Bedeutung (seit Herder) der allgemeinere Begriff von Kultur als Bezeichnung für die Gesamtheit der geistigen und artistischen Leistungen einer Gemeinschaft erwächst, die für die Ausbildung ihrer Identität als sozialer Gruppe (politischer Nation, sprachlicher Gemeinschaft etc.) konstitutiv angesehen werden kann.“ (vgl. Hofmann, 2006, S. 9).

Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Doris Bachmann-Medick bezeichnet den Begriff als „eine Konstellation von Texten, die – über das geschriebene oder gesprochene Wort hinaus – auch in Ritualen, Theater, Gebärden, Festen usw. verkörpert sind“ (vgl. Hofmann, 2006, S. 10). Die Aussagen zeigen, dass der Begriff ‚Kultur‘ recht weitreichend und vielfältig interpretierbar ist, so dass das Spezifizieren des Bereiches in verschiedene Richtungen möglich ist.

Die Interkulturalität bezieht sich dabei auf die Zusammenkunft von unterschiedlichen Kulturen, wobei die kulturellen Unterschiede in den Hintergrund treten und Raum für neue Gemeinsamkeiten entsteht. Diese Übereinstimmungen bilden nach Michael Hofmann einen ‚Zwischenraum‘, „in dem vermeintlich feste Grenzen verschwinden und in einem Prozess des ‚Verhandelns‘ neue Grenzen gezogen werden können“ (vg.....

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3.3 Hybridität

Darüber hinaus ist in diesem Zusammenhang der Leitbegriff der „Hybridität“ bedeutend, der ebenfalls aus der postkolonialen Literaturtheorie stammt und die Überschneidungen von Kulturen oder die Unterschiede innerhalb einer Kultur hervorhebt. Nach dem russischen Literaturwissenschaftler Michail Bachtin können Texte ihren „ grammatischen (syntaktischen) und kompositorischen Merkmalen nach zu einem einzigen Sprecher“ gehören, darin vermischen sich „in Wirklichkeit aber zwei Äußerungen, zwei Redeweisen, zwei Stile, zwei ‚Sprachen‘, zwei Horizonte von Sinn und Wertung“ (vgl. Leskovec, 2011, S.52). Übertragen auf Kulturen oder darüber hinaus auf kulturelle Identitäten bedeutet die Hybridisierung somit eine sprachliche Form, bei der Sprachen ineinander verschmelzen, beispielsweise durch literarische Verfahren wie Neologismen oder Transfers von Sprachstrukturen der jeweiligen Sprachen (vgl. Leskovec, 2011, S.54-57).

Dieses Phänomen taucht bei Menschen auf, deren kulturelle Identität multikulturellen Einflüssen unterliegt. Ausschlaggebend dafür ist beispielsweise die Globalisierung von Kultur oder aber die Migration. Bezieht man sich beispielsweise auf die nachkommenden Generationen der Gastarbeitermigration in den 1950er Jahren in Deutschland, lassen sich aufgrund dessen hybride Identitäten feststellen, die eine Zugehörigkeit zu mehreren Kulturen haben (vgl. Abuzahra, 2012, S. 29-49).

Bei dieser Konstellation wird auch von einem „dritten Raum“ gesprochen, der durch diese Art der Hybridität entsteht. Das bedeutet, dass weder die einen noch die anderen kulturellen Einflüsse überwiegen, so dass man sich in keinem der jeweiligen kulturellen ‚Räume‘ mehrheitlich akzeptiert und beheimatet fühlt.

Daher gilt der ‚dritte Raum‘ als eine kulturelle Mehrfachbestimmung der Identität dieser Menschen (vgl. Hofmann, 2006, S. 13.

3.4 Interkulturelle Literaturgeschichte

Es ist aufgezeigt worden, dass die interkulturelle Literaturwissenschaft ein sehr junger Wissenschaftszweig ist. Demgegenüber besitzt die Interkulturalität in der deutschsprachigen Literatur jedoch eine lange Tradition. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der gebürtige Franzose Louis Charles Adélaide de Chamisso (1781-1838) zum deutschen Nationaldichter Adelbert von Chamisso.

Weitere Beispiele aus dem 20. Jahrhundert sind Franz Kafka oder Rose Ausländer, die die deutsche Sprache wählten, um sich literarisch zu verwirklichen. Der größte Zulauf und demzufolge die Hauptentwicklung zu einer kulturübergreifenden Literaturbewegung bezieht sich auf die in den 1950er Jahren beginnende Arbeitsmigration aus Südeuropa, darauf folgend ist das politische Exil aus Osteuropa ab 1968 zu nennen.

Außerdem kommen wegen des politischen Wandels in Lateinamerika und in Ländern des Nahen Ostens wie Libanon, Syrien und Iran in den 1970er Jahren weitere Einwanderer hinzu. Schließlich immigrieren in den 1980er Jahren vermehrt deutschstämmige Familien aus Ost- und Südosteuropa (vgl. Chiellino, 2007, S. 51).

3.4.1 Deutsch-türkische Literatur

Aufgrund der Vielfältigkeit interkultureller Literatur soll zur Veranschaulichung beispielhaft auf die deutsch-türkische Literaturentwicklung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingegangen werden. Die Autoren der 1970er Jahre reflektierten hauptsächlich das Leben der türkischen Arbeitergeneration, die im Zuge der Gastarbeiterbewegung nach Deut.....

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Hier gilt jedoch generell, dass der Erwerb der interkulturellen Kompetenz ein lebenslanger Lernprozess ist, der dabei hilft kulturelle Veränderungen nachzuvollziehen und Missverständnissen vorzubeugen.

Darüber hinaus steht vor allem der direkte Kontakt mit Menschen anderer Kulturen im Mittelpunkt, aber auch das indirekte Interesse, das darin besteht sich über andere Kulturkreise zu informieren und Ihnen gegenüber Offenheit zu zeigen.

Diese Grundvoraussetzungen werden in der Schule didaktisiert, um interkulturelle Kompetenzen auszubilden. Dazu werden Lernziele formuliert, die inhaltlich aufeinander abgestimmt sind und als Struktur für Unterrichtsinhalte dienen.

An erster Stelle gilt es wissenschaftlich fundierte Informationen zu beschaffen, die sich für den Schulunterricht eignen, dabei sind sowohl die Lehrkraft als auch die Schülerschaft aufgefordert aktiv zu werden. Zusätzlich gilt es an dieser Stelle das Interesse für die Thematik bei den Schülerinnen und Schülern zu wecken.

Anschließend ist das Erlernen des Perspektivwechsels der zentrale Punkt, wobei das Kulturverständnis der eigenen Person zunächst reflektiert wird, um darauf aufbauend verschiedene Blickwinkel anderer Kulturen kennenzulernen. In einem weiteren Schritt kann die Selbstverständlichkeit der eigenen Sichtweise auf diese Art in Frage gestellt und die Problematik des Ethnozentrismus erkannt werden.

Um Ethnozentrismus überwinden zu können, bedarf es einer intensiven Beschäftigung mit unterschiedlichen kulturellen Auffassungen, die mit der Analyse von interkulturellen Begegnungen einhergehen. Unter Verwendung von kritischen Reflexionen und Stellungnahmen können sich bei den Schülerinnen und Schülern differenzierte Denkweisen entwickeln, die zu mehr Toleranz, Akzeptanz und Respekt in ihren Grundwerten und Einstellungen führen.

Dieser Lernprozess beeinflusst den zukünftigen Umgang mit anderen Kulturen positiv, so dass daraus ein verständnisvolles und konfliktlösendes Handeln resultiert, was für Solidarität .....

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Zusätzlich schult die interkulturelle Literatur das differenzierte Wahrnehmen, wobei Migrationsliteratur beispielsweise diverse Probleme anspricht, die sich mit  „Heimatverlust, Heimataneignung, Heimatlosigkeit, Vertreibung und Exodus, unterschiedliche religiöse Kontexte oder Zugehörigkeitsproblematik, Ausgrenzung“ beschäftigen (vgl. Dawidowski & Wrobel, 2006, S. 5).

Vielmals stehen Einzelschicksale der Figuren im Mittelpunkt, die fremde Lebensweisen zeigen, wobei Verständnis für deren Denken und Handeln geweckt wird (vgl. Freitag, 2007, S. 148). Mit Blick auf die Figurenkonstellationen spricht Bredella bei der interkulturellen Didaktik von einer doppelten Optik, die die Selbst- und Fremdwahrnehmung, Ort und Zeit der Handlung oder den Lebensstil betont und dementsprechend für einen multiperspektivischen Ansatz steht (vgl. Josting, 2007, S. 164).

Hinsichtlich der Perspektivendifferenz in der Interkulturalität sieht Literaturdidaktiker Dieter Wrobel grundlegend die Chance, dass diese Betrachtungsweise im Literaturunterricht in Form einer „Dauerperspektive mitlaufen“ könnte (vgl. Wrobel, 2006, S. 40).

Sowohl die Förderung der sozialen Kompetenzen, als auch des Hineindenkens in seine Mitmenschen ist demzufolge ein wichtiger pädagogischer Baustein in der Gesamtentwicklung der Schülerinnen und Schüler. Zusammenfassend stehen der interkulturellen Literaturdidaktik Möglichkeiten offen, die nachhaltige Lerneffekte erzielen.

Im Kontext der gegenwärtigen Lebenswirklichkeit der jungen Generation im 21. Jahrhundert stellt die deutsch-türkische Journalistin und Schriftstellerin Dilek Zaptcioglu fest:

„Es entsteht etwas Neues in Europa, eine Gesellschaft, die ‚durchmischt‘ ist. Die Durchmischung ist nicht unproblematisch. Aber sie ist unumkehrbar. Wir sind in eine Ära getreten, die nationale Unterschiede, Grenzen, Eigenarten, alles, was unter ‚Kultur‘ zusammengefasst wird, zur Nebensächlichkeit degradiert. Die Welt wird zu einer einzigen Welt“ (vgl. Josting, 2007, S. 147)

Damit unterstreicht Zaptcioglu, dass interkulturelle Gegenwartsliteratur ein äußerst aktuelles Thema ist, worin für Schülerinnen und Schüler ein hohes Identifikationspotenzial steckt. Die Gegenwartsnähe der Thematik kann zudem die Lesebereitschaft steigern und darüber hinaus Interesse für Literatur im Allgemeinen wecken. 

Neben den besonderen Fördermöglichkeiten einiger Kompetenzbereiche, die in der interkulturellen Literaturdidaktik möglich sind, kommt es auch zur Ausbildung des literarischen Textverständnisses. Dementsprechend können die interkulturellen Texte historisch und nach Gattungen eingeordnet werden und Vergleiche mit anderen Texten und Autoren angestellt werden (vgl.....

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