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German studies

University, School

Universität Basel

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Simon, 2005

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Werkvergleich Vergleich der beiden Werke „Brigitta“ von Adalbert Stifter und  „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink Die Erzählung „Brigitta“ von Adalbert Stifter stammt aus dem 19. Jahrhundert und spielt in Ungarn. In seinem Werk geht es um die Liebe zwischen der hässlichen Frau Brigitta Marosheli und dem schönen Major Stephan Murai. „Den eigentlichen Kern der Handlung entfaltet der Autor erst nach einer langen Einleitung, die das Schema der traditionellen Rahmenhandlung variiert und zwei der insgesamt vier Kapitel des Textes…
Werkvergleich: Medea – Franz Grillparzer; Brigitta - Adalbert Stifter In diesem Werkvergleich werde ich mich zwei ganz außergewöhnlich­e­n Frauenfiguren der Zeit des Biedermeier widmen. Zum einen Medea – der Protagonistin des 3. Teils der „Das goldene Vlies“ – Trilogie, verfasst 1819 von Franz Grillparzer, und zum anderen Brigitta – die Hauptperson der 1844 von Adalbert Stifter geschriebenen Erzählung „Brigitta“. Ohne Zweifel – beide Charaktere heben sich stark von derer Umgebung ab. Ursprünglich in Kolchis aufgewachsen,‭¦

Der Epigonalitätsbegriff in Adalbert Stifters

„Nachkommenschaften“


1        Einleitung

1.1 Ziel der Arbeit

Die vorliegende Arbeit soll die Künstlernovelle „Nachkommenschaften“ von Adalbert Stifter ergründen. Mit ergründen, möchte ich vorerst auf den Hintergrund der Überschrift hinweisen, denn schon vor dem Lesen, erscheint einem die Überschrift ziemlich nüchtern. Man erwartet alles andere, als das, was Stifter uns vorführt.

Der Held Friedrich Roderer leitet uns anfangs ziemlich prompt in das Thema der Malerei ein und schafft somit ziemlich schnell den Übergang in die Komplexität seiner Familie ein. Es ist klar, dass es sich um eine Familie namens Roderer und seine Nachfahren, also seinen Nachkommen handelt. Durch Umleitung, ausgehend von der Überschrift „Nachkommenschaften“ kommen wir auf die Nachkommen, die in der deutschen Literatur gross diskutiert worden sind, wo er unter dem Begriff der „Epigonen“ verstanden wird.

Folglich geht es im ersten Kapitel der Arbeit um die Definition dieses Begriffs und ihren Begriffsableitungen. In einem Unterkapitel sollen die biographischen Daten und die Entstehung des Werkes vorangestellt werden, um danach den Übergang zur Historischen Semantik und der Sozialgeschichte der Deutschen Literatur, da „Epigonalität“ viele Dichter und Denker im 19. Jahrhundert beschäftigt hat.

Dementsprechend wird in den Unterkapiteln das Thema des Begriffs, unter verschiedenen Aspekten aufgezeigt, so dass sich ein klares Bild über die Problematik der deutschen Literaturgeschichte gebildet werden kann. Dabei ist die Frage: Was ist das Charakteristikum von epigonaler Kunst? leitend.

Nach diesen Untersuchungen, die als eine Art von Vorgeschichte für unseren Text dienen, wäre die Analyse des Textes angebracht. Darunter fällt erst mal die Analyse der Familienpolitik und des Kunstverständnisses unseres Protagonisten.

Im Kapitel der Engführung kann dann ein Vergleich von der Familiensemantik und den Malstrategien Friedrichs gemacht werden.

Ich werde die Rolle der Susanna nach der Engführung einfügen, da diese Abhandlung einen guten Übergang zur Schlussfolgerung darstellen wird.

Die Zitate aus dem Text „Nachkommenschaften“ werden alle nur mit den Seitenzahlen angeführt.


1.2              Definition: Epigonalität

Um die Bedeutung der Epigonalität zu verstehen, muss zuerst erklärt werden, was „Epigone“ bedeutet. Das Wort Epigone kommt aus dem griechischen epigonos und heisst Nachgeborener oder Nachahmer ohne eigene Ideen, er ist vor allem ein unschöpferischer Nachfolger.[1]

Der Ausdruck Epigonen bezeichnet in der griechischen Mythologie die „Nachkommen“ der „Sieben gegen Theben“.[2]

Im berühmten Kampf der „Sieben gegen Theben“, dem Höhepunkt des thebanischen Sagenkomplexes, gelang es dem von Adrastos angeführten Heereszug der sieben Stammesfürsten nicht, dem um seinen Thron betrogenen Sohn des Ödipus, Polyneikes, wieder zur Macht zu verhelfen. Erst zehn Jahre später war es den Epigonoi, ihren Söhnen, vergönnt, Theben zu erobern. Sie zerstörten Theben und töteten Eteokles` Sohn und Nachfolger Laodamas.

Mit Epigonalität jedoch, ist in der deutschen Literatur die Schriftstellergeneration nach Goethe gemeint. Innerhalb eines Literaturverständnisses, das über Originalität definiert wird, ist Epigone ein Kampfbegriff der heutzutage negativ gedeutet wird. Der Begriff kann aber auch als positives Potential verstanden werden, dann aber gilt sie als die Kraft der Tradition.

In der Antike war der Begriff durchaus nicht negativ besetzt. Epigonoi, das waren die Nach-Geborenen im Sinne von Nachfahren, die manchmal auch vollenden konnten, was den Vätern noch versagt blieb. Den Beinamen „Epigonos“ gaben sich auch einige griechische Künstler, ohne das es ihrem Ansehen geschadet hätte; es war ein Beiname wie der auch heute noch gebräuchlic.....[read full text]

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Diese genannte Deutsche Spielart des Realismus drückt sich in den Artikeln „Dorfgeschichten und Dorfromane“, „Österreichische Erzählliteratur“ und „Landschafts- und Naturdichtung“ aus. Dadurch, dass sich die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse des Deutschen Reichs und der schweizerischen Eidgenossenschaft anders als die in England und Frankreich waren, dürfe man deswegen weder Gutzkow mit Flaubert noch Stifter mit Balzac vergleichen.[7]

Stützend auf Lessing, Herder, Kant und Fichte, welche die Auffassung Stifters zur Geschichte beeinflussten, orientierte er sich an den „Formeln“ und „Abstraktionen“ der Philosophie. Diese bedeuteten ihm „Wirkbereich der Humanität, des Allgemein-Menschlichen. Die Liebe sei das festeste Band des geschichtlichen Zusammenhanges und die idyllische Welt der Familie, das Ideal geschichtlichen Lebens.“[8] In einer Zeit, in der das Idealbild von Mensch und Gesellschaft während der höchsten Machterlangung des deutschen Kaisertums hochstilisiert war, zeigte eine poetische Grundlage für Vergleiche und Urteile während des Niedergangs einer Nation (Revolution März 1848.) Sie sollte den Leser dazu ermuntern, wie das Studium für wissenschaftliche Geschichte, aus der Vergangenheit zu lernen, „was aus dieser Menschheit noch werden kann“.

Die Betonung typischer Züge der Gestalten in der historischen Dichtung Stifters, dass der Einzelne in das Gesamtleben integriert wird. Der Verlauf der Geschehnisse ist bedeutungsvoller als die Erlebnisse des Individuums. Sein Ausspruch: Weil die gegenwärtige Weltlage Schwäche ist, flüchte ich zur Stärke, und dichte starke Menschen, und dies stärkt mich selber.“[9] Durch die literarischen Arten des Realismus, angefangen beim Historischen Roman, über den Bildungsroman, die Stifter mit seinen Werken durchlief, wird „Nachkommenschaften“ der „Österreichischen Erzählliteratur“ zugeteilt.[10] Die Werke, die heute von den Stifterausgaben angeboten werden, sind das Ergebnis die er selbst als Reifung zur Wirklichkeit verstand.

Die Welt u.a. in den Nachkommenschaften, war in ihrer schon gewaltsamen Stilisierung, die alle konkreten gesellschaftlichen Züge weitgehend beseitigte ist der Versuch gewesen, einen idealen Raum zu schaffen, in dem die verwirklichende menschliche Existenz beispielhafte Züge annehmen konnte. Die Wahrheit der Kunst ist daher nur dann vertreten, wenn die bezeichneten Schicksale in die identifizierbaren Details des alltäglichen Lebens eingetaucht sind, vorausgesetzt aber, wenn dessen gesellschaftliche Zuordnung leicht zustande gebracht werden kann.[11]

Drei wichtige Namen bei der Entstehung der Dorfgeschichte sind: Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848), Karl Leberecht Immermann (1796-1840) und Alexander Weill (1811-1899.) Die Naturauffassung und die skeptische Abrechnung mit dem Zeitgeist haben in den Dorfgeschichten ihre Spuren hinterlassen. Mit der Beendigung von „Die Epigonen“ Immermanns, wurde auch der leichtfertige Plan, der Erinnerung ein zeitüberdauerndes Monument zu setzen, beendet.

Selber bezeichnete Immermann sein Werk als Familienmemoiren, worin ein eindrucksvolles Bild einer Naturkatastrophe geschildert wird.[12] Der Roman handelt nämlich von den Memoiren zweier Familien und dem abenteuerlichen Lebensweg des Helden Hermann mit einer Kulturkritik verbunden, die den Höhepunkt der künstlerischen Entwicklung in der jüngsten Vergangenheit ansiedelt und daher jede Weiterentwicklung als unmöglich begreift.

Immermann, und mehr noch dem Zwang zur Originalität, auf den er reagiert, haben wir es zu verdanken, dass ein Epigone seither als besonders verabscheuenswürdiges Mitglied der menschlichen Gesellschaft gebrandmarkt ist. Die Moderne hat mit ihrem emphatischen Fortschrittsbegriff wenig Sympathie für Zeitgenossen, die nicht an ihrem „Projekt“ mitarbeiten. Unschöpferische Nachahmer werden sie gescholten.[13]

Immermann zufolge ist „jede Kunst eine historische Erscheinung“ mit einem Traditionsbezug, welcher jedoch einen „Traditionsbruch“ impliziert, da „die Modernen nicht mehr mit den Augen der Alten sehen“ könnten. Immermann litt ganz offensichtlich darunter, dass die Generationen nach Goethe offenbar zum Epigonentum verdammt waren.

Um zurück auf die Naturkatastrophe zu kommen: die Natur stellt mit ihrer Ordnung der Dinge, auch die moralische Ordnung der Welt wieder her. Norbert Miller, der die Allegorisierung mit der Göttin Natur erkannt habe, meint, sie diene als Sinnzeichen einer vorbestimmten Harmonie der Welt, die sich auch nach der fürchterlichsten St.....

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Mit seiner folgenden Aussage, charakterisiert Gutzkow metaphorisch Goethes ‚Genie’ präzise, er betont, damit werde der geheime Mittelpunkt der Jungdeutschen Literaturtheorie angedeutet: „Vergleicht man Goethes Prosa mit der oceanischen majestätischflutenden Ruhe des Weltmeeres, so ist doch nur der äussere Anblick so stille, gezähmte Leidenschaft. Goethes Anregungen sind belebend und reproduktiv, und so hat diese trügerische Ruhe eine überwältigende Unterlage, eine Wirklichkeit, gerade so wild und schroff in uns wieder auftauchend, wie der Dichter sie in sanften schlummernden Träumen erzählt.“[15]

Gutzkows Ansicht nach, aktivieren Goethes Prosa die Leser, man arbeite daran mit und unterstütze die Produktion des Gedankens. Goethes Prosa sei Ausdruck der Subjektivität, die Dinge sprächen nicht bei ihm selbst, sondern müssten sich an den Dichter wenden, um zu den Worten zu kommen. Dadurch werde aber die Individualität des Lesers zum Selbstdenken angeregt und das Gelesene gäbe dem Leser so seine produktive Freiheit und erkenne damit seine intellektuelle Gleichheit an, indem sie ihn mit dem Dichter auf eine Stufe stelle.

Zum Beweis setzt Gutzkow Goethes Sätze an, wonach das Schöne „nicht sowohl leistend als versprechend sei“ und daher „zur Reproduktion“ reize. [16]

Johann Wolfgang von Goethe lässt wiederum bei Faust I den Mephisto sagen (Vers 1970-1977): „Ich kann es euch nicht übel nehmen, Ich weiss wie es um diese Lehre steht. Es erben sich Gesetz’ und Rechte, Wie eine ew’ge Krankheit fort; Sie schleppen von Geschlecht zu Geschlechte, Und rücken sacht von Ort zu Ort. Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage; Weh dir, dass du ein Enkel bist!“ Darin drückt sich ein zweifaches Bedauern aus.

Die von den Vorgängern angehäuften Kulturschöpfungen werden als eine Last empfunden, weil er sie sich aneignen, sie sichten, ordnen, das Wertlose aussondern muss, um selber Besseres leisten zu können. Andererseits muss er als Spätgeborener fürchten, dass nach den Grosstaten der Alten schon alles Wesentliche getan ist und er selbst nichts neues Vortreffliches mehr hervorbringen kann.

Dieses Gefühl des Epigonentums, die beängstigende Vorstellung, den klassischen Schöpfungen der Vorgänger, insbesondere der griechischen Antike, nichts wesentlich Neues mehr hinzufügen zu können, ist ein charakteristisches Merkmal der Weimarer Klassik.[17] Es ist offensichtlich der Grund, warum Goethe oft als der Spätgeborene bezeichnet wird.

Als Goethe nämlich 1805 seinen engsten geistigen Freund und Vertrauten Schiller durch seinen Tod verliert, vollzieht sich – nach der Phase des Sturm und Drangs, der politisch-reformerischen zweiten, die bis zur italienischen Reise anhält, und der nachfolgenden „klassischen“ – der Übergang zur Spätzeit Goethes.[18] Dann als seine Mutter stirbt, wird seine wachsende Einsamkeit auch durch einen diplomatischen Verkehr, als er sogar eine Audienz mit Napoleon erhä.....

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Mitte des 19. Jahrhunderts ist Heine der einzige lebende deutsche Autor von nationaler Repräsentanz. Während der emanzipatorische Übergangscharakter des Vormärz mit seinem Spektrum an Ungleichzeitigkeiten in die Dichte und Komplexität seiner Werke einging, kommt es bei der nachfolgenden Generation zu einer Zurücknahme auf eher bescheidene Ansprüche. Nach der gescheiterten Revolution von 1848 wird die Literatur zunehmend provinziell.

Heines Epochendiagnosen grossen Formats setzen Zeiterfahrungen voraus, wie sie in Deutschland damals nicht zu machen sind. Seine zahlreichen Epigonen liefern die Beweise – in Lyrik und in Prosa. Gerade das Fehlen einer kritischen und zugleich sendungsbewussten Haltung von entsprechender Dimension liess ihre Texte auch ästhetisch kaum hochkommen.[23]

Die Rede von der Epigonalität ist bildhaft dargestellt und es gäbe eine Relation die diese bestimmt, es gäbe aber keinen absoluten Standpunkt. Somit bezeichnet Epigonalität in der ästhetischen Theorie auch nicht bloss die unschöpferische Nachahmung eines Kunstwerkes das original ist – dies wäre nur die ältere Bedeutung dessen, die mit dem Genie-Begriff der Goethe-Zeit in Verbindung steht und die ästhetische Abhängigkeit von einem freien Schöpfersubjekt bezeichnet.

Im Gegensatz dazu umfasst Epigonalität auch das produktive Vermögen dessen, der in einer Tradition steht und arbeitet. Gert Mattenklot hat diese These in seinem Aufsatz „Das Epigonale – eine Form der Phantasie“ (1984)[24] überzeugend vertreten, Matthias Kamann hat mit seiner Dissertation „Epigonalität als ästhetisches Vermögen“[25] (1994) Mattenklots These ausgeführt und auf Grabbe, Immermann, Platen, Raabe und Stifter appliziert.


3.1 Der kritische Epigonalitätsdiskurs von Kamann

Kamann ist der Ansicht, dass mit Goethe und Schiller der Gipfel der Gattung erreicht und die Literatur fürs erste fertig ist. Sie sei nur noch Gegenstand der Kritik und der Geschichtsschreibung – also dessen, was Georg Gottfried Gervinus der Historiker (1805-1871) selbst betreibt. Gervinus fordert nämlich in seiner „Geschichte der poetischen National-Literatur der Deutschen“, die von 1835 bis 1842 in fünf Bänden erschien, in der Dichtung „das Feld eine Weile brach liegen zu lassen“, denn die Zeit der Brache sei nach der Blüte, die Zeit der Literaturgeschichtsschreibung.[26]

Die Dichtung ist „ .wenn anders aus der Geschichte Wahrheiten zu lernen sind, zu einem Ziele gekommen, von wo aus man mit Erfolg ein Ganzes überblicken, einen beruhigenden, ja einen erhebenden Eindruck empfangen und die grössten Belehrungen ziehen kann.“[27] Das erreichte Ziel, von dem er schreibt, ist „ein in der Natur der S.....

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Goethe selbst schreibt 1812, dass „die Epoche der forcierten Talente, aus der philosophischen“ hervorgegangen sei. Man nahm später an, dass sie auf die grosse ästhetische Epoche gefolgt sei. Goethe sah, dass jedermann glaubte, Poet sein zu können.[29] Dies beschreibt er nicht als Nachblüte einer grossen künstlerischen Wachstumszeit, sondern als Folge eines Prozesses, der nur „die beiden Enden der Dichtkunst“ berührte.

Das eine Ende sei der philosophische Gehalt, die Idee, an deren Betonung seines Erachtens auch Schiller und die Schlegels grossen Anteil hatten, das andere Ende die handwerkliche Seite, lyrische Formen vor allem, deren Perfektionierung er auf Voss zurückführt. Zwar hingen Nachahmung und Äusserlichkeit zusammen, doch so, dass erst die Veräusserlichung der Kunst durch Theoretiker und Tüftler jene Nachahmung in Gang gesetzt habe.

Also sei die Zerstörung der ästhetischen Balance durch die Schillersche und Vosssche Poetik bewirkt worden. Doch erst wenn durch solche „Vorarbeiten“[30] gleichwohl bedeutendster Dichter jene Extreme verabsolutiert worden sind, machen sich die Nachahmer darüber her. Goethe widmete sich aber mit keinem Wort, dass eine vollkommen ausbalancierte Kunst die Nachahmer anlockt, um von diesen dann entleert und als blosses Spielzeug benutzt zu werden.

Gefahren die Goethe sieht, gehen allein davon aus, dass es den Äusserlichkeiten angesprochenen Möchtegern-Künstlern an ästhetischem Vermögen bricht.

Wie aber ein echtes ästhetisches Vermögen, das von Identitätsfragen oder Gesinnungen unabhängig gedacht sich realisiert, erklärt Goethe nicht. Der spätere Epigonalitätsdiskurs handelte von Gesinnungen, die bei den Immermann-Kritiken zu sehen sind. Zwar brachten sie dem Epigonen-Roman ästhetische Schönheiten und Kunstfertigkeit, zugleich aber einen Mangel an positivem Gehalt und programmatischer Perspektive.

Eindeutig jedenfalls ist die Kritik an dem „Epigonen“-Roman: es wird ein „Mangel“ an demjenigen vorgeworfen, aus dessen „Überfluss“ Goethe ästhetisches Scheitern herleitet, d.h. aus den Gesinnungen und äusseren Theoremen. Die „forcierten“ Talente würden die Kluft zwischen Inhalt und äusserer Form durch „religiöse Gesinnungen“, auch romantische, und Kunstgegenstände zu schliessen versuchen, statt die wirkliche Dichtung zu gebrauchen.

In der Beschreibung über epigonale Literatur sind sich Goethe und Schiller einig.[31] Die Äusserungen beziehen sich auf Urvermögen.

Grund für den Dilettantismus ist nicht nur ein Mangel an Begabung, sondern sei an bestimmten Geisteshaltungen und am Wiederholen älterer Literatur zu sehen; dabei sei es davon unabhängig, wie der Künstler dabei vorgeht. Diese Geisteshaltungen und Wiederholungen repräsentieren den Charakter der Werke.[32] Also sei das Vordergründigste, die Frage nach dem „ob“ ein Künstler aus eigener Initiative aus „Eigenem“ schafft oder sich aus anderweitigen Werken bedient und in der Wiederholung d.....

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Es sei kein Wunder, dass sich der Begriff zu einer Art Zauberwort der Kritik und der Geschichtsschreibung wurde. Er entwertete diejenigen, von denen die Sekundär-Autoren abhängen, die Schriftsteller, da die „pejorative“, gar abfällige Rede von Epigonalität die Position des Historiographen und des Kritikers stärkt.

Wenn sich Journalisten und Historiker gegenseitig als Epigonen titulieren, spräche man sich keine literarischen Kompetenzen oder Kenntnisse ab, sondern die charakterliche Fähigkeit, zu sich selbst zu kommen und alle nur mit Allem tändeln, authentisch zu empfinden und denken kritisch zu überlegen.

Eine Überwindung der Epigonenzeit sei gemäss Robert Prutz und Schmidt nur mit einer Demokratisierung der Kultur zu erreichen. Dies unterscheide zwar die epigonale Erfahrung, dass die Zeit der Vielen in der Literatur angebrochen sei, doch darin sähe man die Gelegenheit, das nationale Leben sittlich und kulturell zu heben, während weder einer volkspädagogischen noch journalistischen Literatur, zunächst gar keine Möglichkeiten gegeben würden.

Erst durch Bildung und Kultivierung des nationalen Lebens, könne man wieder an eine ernsthafte Ästhetik denken. [38]


4 Textanalyse – Familie und Kunst der Roderer

4.1              Analyse der Familienpolitik

Erkennbar ist mit grosser Wahrscheinlichkeit, dass Stifter in Anbetracht der Sozialgeschichte Deutscher Literatur, die Verhältnisse jener Zeit in seinem Werk widerspiegelt. Wie es ja bei Miller heisst, könne der Fluch des Epigonentums nur durch Unterwerfung unter das Doppelgesetz der Sittlichkeit und der Natur abgewendet werden.[39] Bezogen auf „Nachkommenschaften“, bedeutet dies, dass Stifter genau diese Position in seinem Werk zu behandeln gewusst hat.

Es gibt eine ganze Reihe von „Beweise“ für Häufigkeit, des Originals und der Dublette, der Einzigartigkeit und Erhabenheit und der Nachahmung, also der Epigonalität, die unter die Rubriken der Kunst und der Familie zu geordnet werden können. Vorerst soll die Familie in Betracht gezogen werden.

Der Text natürlich, wie denn auch, handelt von einer Familie, nämlich den Roderern, so braucht man nur die Überschrift zu beachten. Dem Leser wird die Hauptfigur, durch die eigene Vorstellung nahegebracht: „Ich bin jetzt sechsundzwanzig Jahre alt, mein Vater ist sechsundfünfzig, mein Grossvater achtundachtzig…“ (S.527-528).

Also ist hier gleich zu Anfang ein deutlicher Hinweis auf natürliche Nachkommen zu erfahren. Er nennt ja seine Vorfahren gleich mit. Die Überschrift wird quasi bestätigt: der Leser erhält den Glauben daran, dass Stifter eine Familiengeschichte liefert. Mit den Aufzählungen der Familienangehörigen der Roderers wird auf die Nachahmer, also auf die natürlichen „Epigon.....

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