<
>
swopdoc logo
Download
a) trade for free
b) buy for 8.15 $
Document category

Homework
History

University, School

Universität Konstanz

Grade, Teacher, Year

2, 2013

Author / Copyright
Text by Antonia I. ©
Format: PDF
Size: 0.16 Mb
Without copy protection
Rating [details]

Rating 5.0 of 5.0 (1)
Networking:
0/0|0[0.0]|0/7







More documents
Dystopische Jugendromane Der Unterhaltungswe­rt der Katastrophe und der pädagogische Zeigefinger Inhaltsverzeich­nis Inhaltsverzeich­nis 1. Vorbemerkung 2. Dystopische Future-Fiction 2.1 Begriffsbestimm­ung 2.2 Strukturmerkmal­e 2.3 Didaktische Funktionen 3. „Das Ende der Welt“ von Daniel Höra 3.1 Höras Weltentwurf und dessen Referentialisie­rba­rkeit 3.2 Gattungstransgr­ess­ion 3.3 Kritik 4. Erkenntnisgewin­n vs. Unterhaltungswe­rt 4.1 Die Lust an der Katastrophe und ihre Nachahmung 4.2 Das pädagogische Potential…
Inhaltsangabe Das Buch ist eine Biografie von Albert Espinosa, wo er über sein Leben und vor allem über seine Krankheit erzählt. Er hat durch den Krebs ein Bein, eine Lunge und einen Teil seiner Leber verloren. Trotz dieser Schicksalsschlä­ge ist seine Ansicht immer positiv zu denken. Dadurch hat er gelernt mit der Krankheit umzugehen. Seinen meisten Lebensmut hat er durch den „Club der roten Bänder“ gehabt. In der Serie wird Alberst Espinosa als Leo benannt, der sozusagen sein „ Alter Ego“ ist. Er ist außerdem der der Anführer dieser…

Der Einfluss der Science-Fiction-Literatur der 1970er Jahre auf die Begriffsgeschichte des „Klons“

und inwiefern Aldous Huxleys „Brave New World“ dieses Genre vorhergehend prägte


Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung 1


2. Geschichte und Begriffsgeschichte des Klonens 2


3. Der Einfluss der Science-Fiction-Literatur auf die Begriffsgeschichte des „Klons“ 6

3.1 Die Klonliteratur der 1970er Jahre in Abgrenzung zum Frankenstein-Mythos 10


4. Aldous Huxley - „Brave New World“ 11

4.1 Die Klone der schönen neuen Welt 13


5. Fazit 15


6. Literaturverzeichnis 18


1. Einleitung

Klone finden wir heute fast überall, denn der Begriff verweist, über die Wissenschaftssprache hinaus, auf verschiedenste Dinge. So beispielsweise auf ein Schaf, raubkopierte CDs oder andere Kopien und Fälschungen technischer Objekte. Auch haben sich die Klone schon seit Langem in der Populärkultur etabliert, zum Beispiel in der TV-Animationsserie „Clone High“, in welcher Klone der Weltgeschichte wie Lincoln, Kennedy oder Kleopatra gemeinsam auf die Highschool gehen.

Vor allem im Genre des Horrorfilms oder des Thrillers werden Klone thematisiert und somit auch die damit einhergehenden düsteren Zukunftsvisionen ausgemalt, wie der Klon als Organspender. Betrachtet man allerdings die Karriere des Terminus „Klon“ von der ersten Erwähnung an, ist es eher erstaunlich, dass sich der Begriff in der breiten Öffentlichkeit so einbürgern konnte und aus unserem derzeitigen Sprachgebrauch nicht mehr wegzudenken ist.

So versteht man unter einem Klon gemeinhin einen Organismus, welcher durch ungeschlechtliche Vermehrung aus der Ausgangszelle eines anderen Organismus hervorgegangen ist.“1 Somit ist die genetische Identität mit dem Organsimus der Ausgangszelle charakteristisch für den Klon. Unter einem Klon versteht sich somit nicht zwingend ein menschlicher Klon, wie uns gegenwärtig in Film und Literatur suggeriert wird.

Nichtsdestotrotz hat sich der Begriff des „Klons“ gewandelt und spätestens seit dem ersten geglückten Klonversuch an einem Säugetier, dem Schaf Dolly, hat das Klonen den Bereich der Naturwissenschaften verlassen und ist endgültig zu einem Objekt von öffentlichem Interesse aufgerückt. Gerade weil Forscher und Biologen seit Dolly der Meinung sind, dass von nun an auch Menschen geklont werden können, ist es dieses erschreckende Szenario, das zu der grundsätzlichen Assoziation vom Klonen des menschlichen Organismus führt.

Dabei wurde der Begriff des „Klons“ erstmals 1903 ins Vokabular der Pflanzenwelt eingeführt und war somit weit entfernt von einer Assoziation mit dem Klonen von Menschen. Im 20. Jahrhundert, welches gemeinhin als das „Jahrhundert des Klons“2 bezeichnet werden kann, unterzieht sich der Terminus jedoch einer weitläufigen Wandlung mit verschiedensten semantischen Prägungen.

Diese Wandlung gilt es in dieser Hausarbeit darzustellen, wobei vordergründig die These behandelt werden soll, dass vor allem die Science-Fiction-Literatur der 1970er Jahre wesentlichen Einfluss auf die Begriffsgeschichte und die bioethische Diskussion einnahm und somit auch heute noch das Bild des Klons über den wissenschaftlichen Diskurs hinaus maßgeblich prägt.

Stellt man jedoch diese These in den Vordergrund, ergibt sich die Frage nach der Darstellung des Klons in eben dieser Literatur. So kann schlussendlich herausgefunden werden, weshalb und wie sich der Begriff des „Klons“ in der Öffentlichkeit etablieren konnte.

Um das Bild des Klons darzustellen entschied ich mich für Aldous Huxleys Roman „Brave New World“, welcher, bereits 1932 veröffentlicht, als einer der ersten Romane das Motiv der Klongesellschaft in der Literatur thematisiert. Somit gilt dieses Werk als Genre prägend und war für mich aus diesem Grund besonders interessant. So lässt sich an diesem Werk beispielsweise die Frage herausarbeiten, wie Huxley den Klon darstellt, wo doch der Terminus seinen Rezipienten zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannt gewesen sein durfte.

Download Der Einfluss der Science-Fiction-Literatur der 1970er Jahre auf die Begriffsgeschichte des „Klons“ und inwiefern Aldous Huxleys „Brave New World“ dieses Genre vorhergehend prägte
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis

Da dieser Roman weiterhin die Klonliteratur insgesamt beeinflusst und somit das Genre geprägt hat, ist dieser als Quelle besonders interessant.

Insgesamt versuche ich, als Thema dieser Hausarbeit, eine Begriffsgeschichte darzustellen, welche oftmals neu geprägt und letztlich stark durch die Literatur beeinflusst wurde. Natürlich muss ich mich hierbei auf die wesentlichsten Namen und Fakten einschränken, da die gesamte Darstellung des 20. Jahrhunderts den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würde.

2. Geschichte und Begriffsgeschichte des Klonens

Die aktuelle globale Verbreitung und vielfältige Wortverwendung des Terminus „Klon“ im allgemeinen Sprachgebrauch, aber auch in der Populärkultur, war zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts noch undenkbar. Fast beiläufig erwähnte der Botaniker Herbert J. Webber 1903 erstmals den „Clon“ in einer zweiseitigen Notiz im Journal Science.

Zu diesem Zeitpunkt definierte er einen Klon als eine Gruppe von Pflanzen, „die von einer gemeinsamen Ursprungspflanze oder einem Ursprungssamen durch alle denkbaren Formen ungeschlechtlicher Vermehrung abstammten.“3 Somit bezog sich der Begriff des „Klons“ in seiner ursprünglichen Definition lediglich auf die Pflanzenwelt. Dabei entlehnte Webber das Wort aus dem Altgriechischen, welches „Spross“ bedeutet und ebenfalls die Verwandtschaft zur Pflanze aufzeigt.4

Im Gegensatz zum Begriff des „Gens“, welcher 1909 eingeführt wurde und in der gleichen „biowissenschaftlichen Umbruchszeit“5 wie der „Klon“ entstand, gab es bezugnehmend zu diesem Terminus keine theoretischen Kontroversen wie bei dem „Gen“. Dies mag daran liegen, dass das Wort „Klon“ weit weniger auf ein theoretisches Konzept, denn auf konkrete Objekte in der Pflanzenzucht referierte.6

In den 1910ern zeichnete sich eine erste semantische Wende des Begriffs ab. Mit dem „Klon“ war nicht mehr nur eine Gruppe von gleichursprünglichen Pflanzen gemeint, welche sich durch asexuelle Reproduktion ergaben, sondern auch eine Betonung von „genetischer Identität und Reinheit“.7 Somit nahm der Begriff Bezug auf alle ungeschlechtlich reproduzierten genetischen Kopien auch über das Feld der pflanzenzüchterischen Forschung hinaus.

Weiterhin fand eine Etablierung einer neuen experimentellen Praxislandschaft statt, womit der „Klon“ vom konkreten Objekt der Pflanzenforschung nun auch einen Weg in die Laborforschung fand.8

Mit dem Einzug des Begriffs in die Laborforschung bezog sich der „Klon“ nicht mehr nur auf ein reines Pflanzenprodukt, sondern auch auf ein technisches Objekt. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts lässt sich eine immer stärkere Verschiebung in diese Richtung feststellen, bis die Biologie schließlich verschiedenste Klone kannte. So gesellten sich zu den Pflanzenklonen insbesondere die Zell- und Bakterienklone hinzu: Die ersten Zellklone wurden Ende der 1940er Jahre von Wissenschaftlern am National Cancer Institute in den USA hergestellt, die von einer Maus abstammten.

Neben den Zell- und Bakterienklonen entstanden in den späten 1950ern und den frühen 1960ern die ersten Tierklone: Robert Briggs und Thomas King führten 1952 am Krebsforschungsinstitut von Philadelphia erstmals eine Zellkerntransplantation an Fröschen durch. 1961 gelang es schließlich John Gurdon, einem britischen Entwicklungsbiologen, durch den Transfer von Zellkernen aus Zellen eines Frosches in entkernten Eizellen Embryonalentwicklungen auszulösen und letztendlich ein ganzes Gehege von Fröschen zu klonen.10 Somit wurden erstmals über das Verfahren des Zellkerntransfers Amphibien geklont, womit schließlich die Grundlage für das spätere Klonen von Tieren geschaffen und ein neues „entwicklungsbiologisches Forschungsfeld eröffnet“11 wurde.

Ab diesem Zeitpunkt verwies der Terminus „Klon“, welcher mittlerweile auf ein technisches Objekt referierte, nicht mehr nur auf Pflanzenzucht, Zellbiologie und Bakteriengenetik, sondern auch auf Embryologie. Seit den 1970er Jahren verweist der Begriff weiterhin auch auf das Feld der Gentechnik. Nichtsdestotrotz blieb das Wort „Klon“ einer breiten Öffentlichkeit verwehrt, da er auf die biowissenschaftliche Fachwelt beschränkt blieb.

So fand eine Verwendung des Terminus vielmehr in biowissenschaftlichen Artikeln statt.12

Allerdings wurde der „Klon“, wenn auch relativ spät, auch einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Dies kulminierte in unserem derzeitigen allgemeinen Verständnis des Begriffs und den festen Einzug der Klone in die Populärkultur. Dabei gab es bereits vor der bioethischen Diskussion, die heute noch Aktualität besitzt, eine erste, weiträumige Diskussion als Reaktion auf die Ende der 1960er Jahre ansetzenden embryonalen Forschungen.

Auch zu beachten sind die vielfältigen Versuche, die Klonexperimente auf Säugetiere auszudehnen, die nach den ersten geglückten Amphibienklonen stattfanden. Ein Schüler Gurdons, Derek Bromhall, versuchte in den 1970ern - während das Klonen von Amphibien bereits als Labor-Routine galt - mithilfe des Zellkerntransfers ein Kaninchen zu klonen. Dies scheiterte jedoch bereits im Ansatz.

Dieser Skandal beweist, wie stark das Thema des Klonens seit den späten 1970er Jahren in der Diskussion stand.13

Doch bereits Anfang der 1960er Jahre setzte unter durchaus renommierten Biowissenschaftlern eine Diskussion darüber ein, inwiefern es zukünftig möglich sein könnte, auch Klone von Menschen herzustellen. Der Nobelpreisträger und Genetiker Hermann J. Muller übertrug den Begriff des Klons bereits 1959 auf den Kontext der Eugenik. Dabei schlug er das Klonen von herausragenden Mitgliedern der Gesellschaft vor, so beispielsweise Einstein, Leonardo oder Lincoln, und propagierte dies als zukünftige „sozialistisch-eugenische Gesellschaft“14.

Auch der britische Evolutionstheoretiker John B. Sanderson Haldane übertrug zu Beginn der 1960er Jahre den Terminus, gemäß Muller, auf die menschliche Gesellschaft, wobei er explizit Bezug auf Aldous Huxleys bereits 1932 erschienenen Roman „Brave New World“ nahm. Haldane folgte durchaus Mullers Diskussionslinien und übertrug den Gedanken der klonischen Vermehrung, wie sie ursprünglich nur in der Pflanzenwelt bekannt war, als mögliche menschliche Reproduktionsform der Zukunft.

Dabei war seine angestrebte Zielrichtung, Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten zu klonen. Damit einhergehend erfuhr der Begriff des „Klons“ durch Ausführungen dieser und weiterer Biowissenschaftler im Kontext eugenischer Visionen eine neue semantische Prägung.15

Den endgültigen Anstoß für die bioethische Diskussion um das Klonen von Menschen brachte der Genetiker Joshua Lederberg. Dieser verfasste 1966 einen Aufsatz, welcher „die Möglichkeit der Übertragung der bis dahin bestehenden Klontechniken auf das Klonen von Menschen“16 beschreibt. Dabei hebt er unter anderem die positiven Aspekte des Klonens in Bezug auf Organtransplantation hervor.

Es vollzog sich ein Schritt vom Terminus zur Metapher: „aus dem technischen Objekt wurde ein epistemisches Forschungsobjekt, aus dem Terminus technicus eine zukunftsoffene Metapher.“17

In den nun diskutierten Szenarien im Kontext der Eugenik nahm die Figur des Menschenklons erstmals Gestalt an. Damit einhergehend fand in den 1960ern und 1970ern eine zunehmende Verbreitung und Popularisierung des Klon-Begriffs statt, wobei die Science-Fiction-Literatur, welche im Folgenden Kapitel noch relevant sein wird, einen entscheidenden Einfluss auf die bioethische Diskussion und die Verbreitung des Begriffs hatte.

Mittlerweile verließ der Terminus des „Klons“ den Raum der Wissenschaften und war semantisch an „Szenarien der eugenischen Kontrolle der Reproduktion, beziehungsweise der künstlichen Erschaffung des Menschen“18 gekoppelt.

Die 1970er Jahre lassen sich als „das Jahrzehnt des Klons und des Klonierens charakterisieren“19, da einerseits wesentliche Grundlagen in der Forschung geschaffen wurden, die zum heutigen Feld der Klon- und Stammzellenforschung führten. Andererseits fand in diesen Jahren ein wesentlicher Wendepunkt in der Begriffsgeschichte des „Klons“ statt, der Einzug in die Öffentlichkeit erhielt.

Die beteiligten Forscher merkten dabei an, dass dieses Verfahren von nun auch bei überlebensfähigen Embryos angewendet werden könnte.20

Des weiteren gaben Wissenschaftler im Februar 1997 bekannt, dass es ihnen gelungen sei, aus einem Euter eines ausgewachsenen Schafs eine Zelle zu entnehmen und so ein genetisch identisches Schaf zu kreieren. Von den Mitarbeitern dieser Forschungsgruppe wurde deutlich suggeriert, dass es in Zukunft auch möglich sei, weitere Vertreter der Säugetiere zu klonen, letztlich also auch den Menschen.

Vor allem das Experiment um das geklonte Schaf Dolly führte zu weltweiten Diskussionen in den Medien.21

Spätestens seit Dolly hat sich die Begriffsgeschichte des „Klons“ dahingehend gewandelt, dass der bis in die 1960er Jahre hauptsächlich in den Biowissenschaften verwendeten Begriff Einzug in den allgemeinen Verständnisbereich und Sprachgebrauch erhielt. Es bildete sich ein gänzlich neuer Diskurs des Klons als eine Zukunftsfigur heraus, die „gleichermaßen faszinierte wie abschreckte.“22

Anfang der 1980er Jahre lässt das Interesse am Klonmotiv allerdings wieder nach und erst im Zuge der Debatten um Dolly und das therapeutische Klonen erfreut sich das Thema erneut großer Beliebtheit. So lässt sich auch ein qualitativer Unterschied zur Massenliteratur der 70er Jahre feststellen, bedenkt man die Werke von namhaften Schriftstellern wie Kazuo Ishiguro oder Michel Houellebecq.23

Besonders bemerkenswert ist der Einfluss der Science-Fiction-Literatur auf die Begriffsgeschichte des Klonens. Dieser Terminus war bis in die 1960er Jahre, wie im vorherigen Kapitel dargelegt, aus dem öffentlichen Sprachgebrauch fast gänzlich ausgeschlossen und fand lediglich in entsprechenden biowissenschaftlichen Kontexten Verwendung. Dies änderte sich gegen Ende der 1960er Jahre mit der semantischen Übertragung des Klon-Begriffs auf die Eugenik durch Biowissenschaftler wie Muller oder Haldane.

Die Angst vor der genetischen Manipulation der Menschen führte erstmals zu weiträumigen Debatten um das Menschen-Klonen. Letzten Endes konnten die Klonphantasmen der 1970er Jahren erstmals in der Science-Fiction-Literatur verarbeitet werden.

Erst mit neuer Aktualität und vor allem seit Dolly, ist das Thema um das Klonen in Literatur und ethischer Diskussion erneut entfacht. Es scheint einen synchronen Zusammenhang zwischen Literatur und Wissenschaft zu geben, welcher sich in mehreren Funktionen abzeichnet, die der Literatur zugeschrieben werden können.

So kann die Klonliteratur durchaus als „fiktives Experimentierfeld“26 betrachtet werden, da es sich bei dem Klonieren des menschlichen Organismus bislang vor allem nicht um tatsächliches Wissen, sondern um Imagination zukünftiger Anwendungen und Entwicklungen handelt.27 Dies betrifft übrigens auch die bioethische Diskussion und deren Argumente und möglichen Konsequenzen, die allesamt spekulativer Natur sind.

Aus diesem Grund greift die Klonliteratur bekanntes wissenschaftliches Wissen nicht nur auf, sondern nimmt darüber hinaus noch die Funktion eines sogenannten „Reflexionsmediums“28 ein. Hierbei wird die Literatur als ein „Schauplatz der Reflexion betrachtet […], der es ermöglicht, blinde Flecke wissenschaftlichen Wissens darzulegen oder aber kulturelle Bezüge, in denen das Wissen generiert wurde, explizit zu machen.“29

Des Weiteren kann eine wechselseitige Beziehung von Literatur und Wissenschaft festgestellt werden. Die Literatur kann die Wissenschaft dahingehend beeinflussen, als diese ein Ursprungsort bestimmter Themen und Termini sein kann, die in der Wissenschaft und Technik erst später eine Relevanz bekommen. So verdanken sich beispielsweise gängige Begriffe wie Roboter oder Cyberspace literarischer Imagination.31 Im Gegensatz hierzu bedienten sich einige Wissenschaftler gewisser Elemente der Science-Fiction für ihre eigenen Auseinandersetzungen.32 Hierzu zählen Lederberg und Haldane,.

Letzterer wurde bei seiner eugenisch geprägten Diskussion unter anderem von Huxley geprägt.

Somit zeigt sich, dass insbesondere die Klonliteratur der 1970er Jahre wesentlichen Einfluss sowohl auf die bioethische Diskussion hatte, als auch den Begriff „Klon“ im Wesentlichen geprägt hat. Auch ein Bild des Klons hat sich über die Literatur etabliert, welches bis heute noch in neuerer Klonfiktion, Film und Populärkultur anhält. Dies zeigt sich vor allem an den Darstellungen des Klonmotivs in den Erzählungen der 1970er Jahre.

Letztlich konnte sich der Klon so ein Stück weit aus dem phantastischen und eugenischen Zusammenhang lösen, in dem er sich seit den 1960er Jahren befand und „damit auch aus dem Raum offenkundig unwirklicher Szenarien herausgeholt und dem Thema eine andere Normalität verliehen werden.“34 Zusammenfassend lässt sich schlussfolgern, dass die technische Seite nahezu ausgeklammert und „gesellschaftliche Fragen und psychologische Dimensionen in den Mittelpunkt gestellt“35 werden.

Damit übernahmen die Klonszenarien die Funktion eines „(bio-)ethischen Korrektiv[s]“36 und reagierten so auf die angehenden Debatten in den 70er Jahren. Zugleich wurde das Bild des menschlichen Klons nahezu in fast allen Texten negativ bewertet und somit wurde auch die Wahrnehmung dieser Thematik nachhaltig in der Öffentlichkeit beeinflusst. In diesem Zusammenhang prägte die Kulturwissenschaftlerin und Literaturkritikerin Corina Caduff den Begriff der „(Anti-)Klon-Utopien“37.

Weiterhin lassen sich die literarischen Werke in zwei grundlegende narrative Muster unterscheiden, und zwar in Erzählungen über geklonte Individuen und Erzählungen über Klongesellschaften.38 Bei den Erzählungen über Klongesellschaften ist vor allem Aldous Huxleys „Brave New World“ richtungsweisend und Genre prägend und wird aus diesem Grund im Rahmen dieser Arbeit nähere Betrachtung finden.

Diese bilden eine Folie, „vor derem Hintergrund die Leser und Leserinnen diese Erzählungen und Romane in den 1970er Jahren vermutlich rezipierten.“39

So ist man sich in der Forschung einig, dass die literarische Verarbeitung des Klonmotivs die Grundlage für „die gegenwärtige Ausgestaltung der Debatten zum Klonen gelegt habe“40, wobei weiterführend argumentiert wird, dass es vor allem „in der Tradition des Frankenstein-Mythos stehende Angst- und Schreckensszenarien waren, die entwickelt wurden und die bis heute zum Thema Klon zirkulierende Bilder im öffentlichen Raum geprägt haben.“41

In Shelleys Roman wird das Verhältnis vom menschlichen Schöpfer zu seinem Geschöpf und deren gegenseitige Abhängigkeit erstmals thematisiert. Somit wird die ethische Frage nach der Verantwortlichkeit gegenüber dem Geschöpf aufgeworfen, welches letztlich seinen Schöpfer geistig und körperlich weit übertrifft und dem es lediglich an sozialer Integration mangelt.42 Stellt man dem die Klonromane gegenüber, ist festzustellen, dass der Fokus vorrangig auf dem Klongeschöpf selbst liegt.

Somit lassen sich durchaus einige Bezüge zum ursprünglichen Frankenstein-Mythos feststellen, wobei es meistens die bereits erwähnten Angst- und Schreckensszenarien, gekoppelt mit dem Schwerpunkt auf der Psychologie des Klons sind, welche die Literatur bestimmen.

4. Aldous Huxley - „Brave New World“

Brave New World“ ist ein von Aldous Huxley (1894 – 1963) verfasster Roman, der 1932 erstmals veröffentlicht wurde. Ob es sich bei dem Roman um eine Utopie oder Dystopie handelt, wird in der Forschung durchaus verschieden verhandelt, da man den Text zwar als Warnung „against the dehumanising aspects of scientific and material process“43 lesen kann, in dem Werk jedoch Themen verhandelt werden, die Huxley in vorangegangenen Essays als positiv und erstrebenswert bewertet.

Nichtsdestotrotz änderte „Brave New World“ den Blick der Gesellschaft auf gewisse wissenschaftliche Methoden und prägte die moderne dystopische Literatur bis heute.44

In dem Roman schildert Huxley einen Zukunftsstaat des 27. Jahrhunderts, des 7. Jahrhunderts nach Ford (n.F.). Dabei entspricht das Jahr 1 jener Welt dem Jahr 1908 unserer Zeitrechnung, in dem das Model T erstmals vom Band lief. Im Jahre 141 n.F. brach ein neun Jahre anhaltender Krieg aus und danach kam es zu einem weltweiten wirtschaftlichen Kollaps. Die Regierungen bildeten eine Weltregierung und versuchten, eine Konsumideologie in der Bevölkerung durchzusetzen.


Legal info - Data privacy - Contact - Terms-Authors - Terms-Customers -
Swap+your+documents