Specialised paper

Der Begriff Euthanasie

4.773 Words / ~17 pages
<
>
swopdoc logo
Download
a) trade for free
b) buy for 2.36 $
Document category

Specialised paper
Religious Studies

University, School

BORG Dreierschützengasse Graz

Author / Copyright
Text by Hartvig M. ©
Format: PDF
Size: 0.75 Mb
Without copy protection
Rating [details]

Rating 4.5 of 5.0 (6)
Live Chat
Chat Room
Networking:
0/0|0[-3.0]|0/6







More documents
Erläutern Sie den Begriff Trümmerliteratu­r anhand eines Beispiels Ihrer Wahl Kurzgeschichte der Trümmerliteratu­r (Nullpunktliter­atu­r / Heimkehrliterat­ur)­: 1947 Ende des II. Weltkrieges Es entsteht eine literarische Gesellschaft aus jungen Schriftstellern und Journalisten gebildet(Gruppe 47) Thematik : die Folgen des Krieges Alles ist in Trümmern Das was vor dem Krieg war, ist verschwunden und die Menschen wissen nicht womit beginnen. Die Menschen befinden sich am Nullpunkt Die Menschen die von der Front oder…
Euthanasie im dritten Reich Beginn der Unterdrückung der Behinderten Referat Geschichte Inhaltsverzeich­nis 1.   Einleitung und Definition. 1 2.   Warum töteten die Nazis Behinderte? 2 3.   Beginn der Euthanasie. 3 4.   Ende der Euthanasie. 5 5.   Fazit 5 6.   Quellen: 6 1. Einleitung und Definition Der Begriff Euthanasie kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie guter Tod. Ich finde diesen Begriff für solch eine Grausame Tat für welche sie dieses Wort benutzten sehr falsch. Sie nannten das Ermorden von Behinderten Euthanasie,…

Der Begriff: „Euthanasie“

Inhaltsverzeichnis


Der Begriff: „Euthanasie“. 2

Bemerkungen zur Terminologie. 2

Die Problematik. 4

Geschichtliches. 5

Die Gegenwärtige Situation. 6

Existenz von Euthanasie-Gesellschaften. 7

Intensive Diskussion um Recht und Unrecht. 8

Begründung um Umschreibung der postulierten Euthanasie. 8

Die Einwände. 9

Tendenzen im Recht. 13

Die Bedingungen. 14

Die Reaktion des Lehramts. 14

Moraltheologische Bewertungen und Regeln zum Verhalten. 15

Quellen. 17


Euthanasie (griechisch ευθανασία, von eu~ - gut, richtig, leicht, schön und thanatos - der Tod) steht für Sterbehilfe, die von einem Menschen bewusst gewollte Unterstützung durch eine andere Person bei der Herbeiführung des eigenen Todes. Es meint den „guten“ oder „schönen“ Tod-ein leichtes, sanftes Sterben, frei von körperlichen Schmerzen, aber auch von seelischen Qualen, vom Gefühl der Verlassenheit oder der Pein von Selbstvorwürfen.


Bemerkungen zur Terminologie


Nach der Antike ist das Wort offenbar wieder in Vergessenheit geraten. Auch eine gelegentliche Nennung durch Francis Bacon (1561-1626) hat es nicht geläufig werden lassen. In der herkömmlichen Moraltheologie war es jedenfalls wie die Thematik selber weithin unbekannt. Erst um die Mitte des 19.Jhs. tauchte der Terminus wieder auf. Dabei ging es zunächst schon wie bei Bacon allein um die ärztliche Hilfe beim Sterben; Eu-thanasie meinte den leichten Tod; für den qualvollen Tod stand der Ausdruck Dys-thanasie.

Gegen Ende des Jahrhunderts begegnete unter dem Namen „Euthanasie“ aber auch schon die Vorstellung, dass man unheilbar Leidende und Geisteskranke durch Tötung erlösen solle (A. Joest 1985). Fast gleichzeitig wurde das Wort zu einem Fachausdruck im Rahmen eugenischer und rassistischer Bestrebungen. Euthanasie wurde verstanden als Ausmerzung von körperlich und geistig Behinderten, für die mitunter bereits der später berüchtigt gewordene Sammelbegriff „lebensunwertes Leben“ stand.

Erstmals praktiziert wurde Euthanasie in dieser letzten Bedeutung zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in Deutschland. In einer perfekt organisierten Form wurden tausende von psychisch Kranken ohne und gegen ihren Willen systematisch getötet. Von daher vor allem ist das Wort „Euthanasie“ in Deutschland bekannt geworden und war danach verständlicherweise für Jahrzehnte verpönt.

In anderen Ländern, etwa in der angelsächsischen Welt, hat es diese Irritation in der Terminologie nicht gegeben. Hier hat man ungeniert auch weiterhin von Euthanasie im Sinn der ersten Bedeutung gesprochen.

Um diese für legitim gehaltene Euthanasie von der in Deutschland praktizierten abzuheben, wird der Ausdruck häufig um ein Adjektiv erweitert; es wird betont von „freiwilliger Euthanasie“ gesprochen. Ein Tun in diesem Rahmen gilt als „aktive“ Euthanasie, ein Unterlassen als „passive“. „Indirekte“ Euthanasie ist gegeben, wenn der Tod des Kranken nicht das Ziel einer Handlung ist, sondern deren Folge und lediglich hingenommen wird.

Bittet der Patient einen anderen um Euthanasie und geht dieser darauf ein, spricht man von „medizinisch assistiertem Suizid“ (wenn jemand nur Beihilfe zur Selbsttötung leistet) oder „Tötung auf Verlangen“.


Im Deutschen wird statt des Fremdworts „Euthanasie“ vielfach auch die genuin deutsche Bezeichnung „Sterbehilfe“ verwendet. Allerding begegnen dieselben Präzisierungen. Man spricht je nach dem von „aktiver“, „passiver“ und „indirekter“ Sterbehilfe. Der deutsche Terminus scheint zunächst den Vorzug zu verdienen. Denn er bringt nicht nur ein Geschehen zum Ausdruck wie Euthanasie = guter Tod, sondern deutet ein Handeln an, doch bleibt allein vom Wort her noch offen, wie und wozu diese Hilfe geleistet wird.

Free of charge
Download
Der Begriff Euthanasie
Click on download to get complete and readable text
• This is a free of charge document sharing network
Upload a document and get this one for free
• No registration necessary, gratis

De facto hat auch Sterbehilfe oft einen bedenklichen Klang: dass jemand anderen zu Sterben und Tod verhilft. Zu meinen, Euthanasie sei das ethisch nicht Vertretbare, Sterbehilfe dagegen das rechte Tun, ist zu einfach gedacht und nicht zu belegen. Von den Worten allein ist nicht schon die Lösung der ethischen Frage zu erwarten. Ebenfalls ist die Unterscheidung von „aktiv“ und „passiv“ bei Euthanasie und Sterbehilfe nicht der Schlüssel der Lösung.

Es ist nicht so, dass die „aktive“ Form jeweils benennt, was abzulehnen ist, die „passive“, was unter Umständen zu billigen. Denn „passiv“ verhält sich auch, wer mögliche Hilfe verweigert. Während die positive Zuwendung zu Sterbenden ein sehr „aktives“ Verhalten ist. Bisher nicht durchgesetzt haben sich die Ausdrücke, „Hilfe (oder Nachhilfe) zum Sterben“ und „Hilfe beim (oder im) Sterben“.

Allerdings benennen sie exakt die beiden Tatbestände, um die es hier geht. Ausdrücke, die vorerst noch unbelastet scheinen, sind schließlich „Sterbebeistand“ und „Sterbebegleitung“. Hier geht es offenbar allein um Zuwendung und Bekundung von Solidarität. Ein Verständnis nach der negativen Seite hin ist bei ihnen bislang nicht zu finden.


Die Problematik


Es sind zwei Problematiken zu unterscheiden: eine immer schon gegebene und eine durch die neuere Medizin entstandene, die allerdings zugleich noch durch einige andere Entwicklungen verschärft sind.


Immer schon bestand die Möglichkeit, dass ein menschliches Leben in einem qualvollen Zustand gerät, vor allem an seinem Ende, aber mitunter auch schon vorher, wenn Tod und Sterben noch nicht unmittelbar drohen. Von daher hat es die Frage, ob man derart Schlimme und bedrückende Situationen nicht abkürzen dürfe, im Grunde immer schon gegeben, aber gespürt wurde sie gewiss in jedem Jahrhundert.


Neu ist die Zuspitzung der Problematik durch die Möglichkeiten der modernen Intensivmedizin, insbesondere durch die Techniken der Reanimation. Hier ist es nicht nur möglich, die Grenzen des Todes immer weiter hinauszuschieben, sondern auch den Prozess des Sterbens und damit die qualvollen Endzustände zu verlängern oder ganz neue Leidensmöglichkeiten zu schaffen.


·         Patienten im Koma befinden sich in völliger Bewusstlosigkeit, oft verursacht durch schwere Hirnverletzungen oder Hirnerkrankungen. Die meisten Komazustände sind vorübergehend, einige aber auch bleibend. Das Überleben der Patienten wird durch intensive Therapie ermöglicht.

Hier stellt sich die Frage ob es für einen Menschen erstrebenswert wäre, auf eine unbestimmte Dauer völlig bewusstlos ohne jegliche Kommunikation und nur in totaler Abhängigkeit von anderen weiterzuleben.


Der Kranke überlebt mit Hilfe intensiv-medizinischer Maßnahmen. Wenn nach sechs Monaten noch keinerlei Besserung eingetreten ist, lässt sich-nach den bisher gewonnenen Erfahrungen-keine Wendung zum Positiven hin mehr erwarten.


·         Schwerstbehinderte Neugeborene. Sie sind früher gewöhnlich nach kurzer Zeit gestorben; heute können sie noch einige Zeit am Leben gehalten werden. Das gilt auch für die Gruppe der Anencephali: Kinder ohne Großhirn, aber mit funktionstüchtigem Stammhirn. Sie sind eine Zeit lang fähig zu selbstständiger Atmung; sie schreien, weinen, saugen und öffnen die Augen.

Derart behinderte Kinder werden nur selten geboren, aber es kommen immer wieder solche Fälle vor, etwa 3-5 bei 10.000 Geburten. Diskutiert wird, ob man solche Kinder auch deshalb am Leben erhalten soll, um ihnen Organe für Übertragungen entnehmen zu können. In Amerika wird dies häufiger gefordert. Vom Ethischen her lässt sich eine Organentnahme in solchen Fällen nicht vertreten; denn auch ein anencephales Kind ist noch als lebend zu betrachten.

Erst wenn auch die Funktionen des Stammhirns erlöschen, kann jemand als definitiv tot gelten. Doch ist gerade dieses Ende hier nicht schon gegeben.


Geschichtliches


Ergänzend zu dem, was an geschichtlichen Daten bereits im Kapitel „Bemerkungen zur Terminologie“ erwähnt wurde, ist zum speziellen Thema der Euthanasie zunächst zu bemerken, dass für die eigentlich christlichen Jahrhunderte nur wenig zu finden ist. Es ist in der ganzen Zeit offensichtlich kein Thema gewesen. Es konnte angesichts der nur dürftigen medizinischen Kenntnisse und Möglichkeiten auch kaum eines werden.

Schlimme Krankheiten und schmerzhaftes Sterben hat es auch früher schon gegeben. Nur schien es damals undenkbar, dass man solche Menschen töten durfte oder sie selber zu Recht nach dem Tod verlangten.

Erste Zeugnisse eines anderen Denkens scheinen sich erst im 16.Jh. zu zeigen. So begegnet bei Martin Luther einmal der Rat, ein völlig geisteskrankes Kind nicht weiter am Leben zu erhalten: Der „Wechselbalg“ sei in der Moldau zu ertränken, denn anstelle der Seele stecke der Teufel in ihm. In diesem Fall hat ein christlicher Theologe die Tötung eines behinderten Menschen für berechtigt gehalten. Über einen solchen Einzelfall hinaus trägt Thomas Morus eine generelle Lösung vor.


Allerdings zeigt sich in der damaligen katholischen Moraltheologie bereits ein Gedanke, der als Detail der weiteren Thematik gelten kann und mit dem der Weg zu dem hingewiesen ist, was heute als Behandlungsverzicht und Behandlungsabbruch diskutiert wird. Es sind Aussagen über die Grenzen der Pflicht zum Erhalt von Leben und Gesundheit.

Hier wird bewusst die Meinung vertreten, dass jemand nicht alles, was jeweils an medizinisch-ärztlichen Hilfen gegeben ist, tatsächlich auch nutzen muss. So ist es etwa seit Franz v. Vitoria (1483/93-1546) gängige Lehre der Kasuistik, dass man außergewöhnliche Mittel, ohne schuldig zu werden, verzichten kann. Man muss sich keine teure Arznei kaufen um den Tod zu entgehen.

Man ist auch nicht zu riskanten Operationen verpflichtet, und man wird auch nicht zum auswandern aufgefordert. Solche und ähnliche Fälle sind bis in die Neuzeit hinein ein gängiger Inhalt der katholischen Moral gewesen.


Genau dagegen hat sich jedoch die moderne Euthanasiebewegung gewandt. Sie kam im Gefolge des Sozialdarwinismus am Ende des 19.Jhs. auf, setzte stärker aber erst am Ende des Ersten Weltkriegs ein.


Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich in Deutschland erstmals wieder Stimmen für Euthanasie in den 60er Jahren entwickelt. Dabei ging es unmittelbar nur um die Tötung von Kindern, die ohne Großhirn geboren werden. Für die Mediziner W. Catel und P. Röttgen sind solche Anencephali keine Menschen, sondern lediglich, Instinkt-und Reflexwesen.


Die Gegenwärtige Situation


Es sind mehrere Punkte für die gegenwärtige Situation charakteristisch: eine hohe Zustimmung in der Bevölkerung zur Form der aktiven Euthanasie, die Existenz von Gesellschaften zur Propagierung des Gedankens, eine intensive öffentliche Debatte und ein bereits zu bemerkender Niederschlag der Diskussion in gesetzlichen Regelungen.


In Umfragen zeigt sich immer wieder ein hoher Prozentsatz von Befürwortern einer aktiven Sterbehilfe. Die Zahlen sind naturgemäß wenig konstant und nach Altersgruppen recht unterschiedlich-in jüngeren Jahren zeigt man sich eher einverstanden als in späteren oder im Ernstfall.


Als tiefere Gründe für die Option zugunsten der aktiven Sterbehilfe können gelten: a) Der Rückgang des Glaubens und der Verlust des Gedankens der Transzendenz: Wo das Leben als rein diesseitig und der Mensch als sein eigener Herr verstanden und empfunden wird, scheint es sinnlos, ein schmerzhaftes Dasein am Ende bis zum letzten Atemzug weiterzuführen.

De facto liegen die Zahlen für die Sterbehilfe dort besonders hoch, wo eine geringe Kirchenbindung ist. b) Die Prägung von Mentalität und Lebensgefühl durch die Motive von Leistung, Erfolg und Fähigkeit zu Genuss: Auch aus dieser Perspektive muss ein Zustand, in dem man zur Untätigkeit verurteilt und mit Schmerzen belastet ist, als nicht mehr lebenswert erscheinen. c) Die Faszination, die von den Gedanken der Freiheit und Emanzipation ausgeht.


Existenz von Euthanasie-Gesellschaften


In der Frage der Euthanasie ist es zu gesellschaftlichen Zusammenschlüssen gekommen. Im Bemühen um die soziale Anerkennung und gesetzliche Freigabe der aktiven Sterbehilfe verlässt man sich nicht auf die Initiativen einzelner, sondern schließt sich zusammen in eigens dazu gegründeten Gesellschaften, da sich bereits bestehende Gruppen wie etwa Parteien nur schwer dafür gewinnen lassen. Im Verbund glaubt man neue Ideen durchsetzen zu können.


1935 wurde die erste Gesellschaft für Euthanasie in England gegründet, eine zweite 1938 in den USA. Neue Gesellschaften wurden erst 1972/73 wieder gegründet (USA, Niederlanden, Australien und Schweden). Danach auch noch in vielen anderen Ländern. Diese „neuen Gesellschaften“ wurden erst so spät gegründet, weil die in Deutschland praktizierte Form auf die anderen Länder verzögernd wirkte. 1980 kam es zur Gründung der „Deutschen Gesellschaft für humanes Sterben“.

Schon Mitte der 80er Jahre war eine Ausweitung und Verlagerung der Intention zu bemerken: Man will nicht mehr nur medizinische Hilfe zu einem vorzeitigen Tod in den Endstadien des Lebens, sondern wünscht sich den Tod auch bei dauernden schweren Behinderungen, Verletzungen oder Belastungen. Damit aber verlagert sich die Thematik von der Euthanasie wieder zurück zum Problem daher es um das Recht zur Selbsttötung ganz allgemein geht.



Wie schon die Existenz der Euthanasie-Gesellschaften vermuten lässt, ist Sterbehilfe heute ein Thema, das in aller Öffentlichkeit vorgetragen und propagiert wird. Man führt eine Reihe von Gründen für sie an und versucht eine genauere Umschreibung. Gegen beides werden Einwände erhoben, die auf Schwächen und Grenzen der vorgebrachten Argumente hinweisen und die Möglichkeit einer humanen Umsetzung des Vorhabens bezweifeln.


Begründung um Umschreibung der postulierten Euthanasie



Als Gründe für die Berechtigung der aktiven Sterbehilfe werden vier Argumente geltend gemacht: das Motiv des Mitleids, das Recht auf ein menschenwürdiges Sterben, der Gedanke der Selbstbestimmung und das Moment der Freiheit. Als nur von ihm selber vertretenes Argument erscheint die Überlegung P. Singers, dass Menschen, die kein aktuelles Selbstbewusstsein besitzen, nicht als Personen gelten können.


·         Mitleid: Man muss mitunter schon aus Mitleid den Wunsch nach Tötung erfüllen. Der Kranke leidet so sehr, dass es eine Erlösung für ihn wäre, wenn ihm zum Tod verholfen wird. Es ist im Grunde grausam, einem schwer und unheilbar Leidenden diese Hilfe zu versagen.



·         Selbstbestimmung oder Autonomie: Sie muss sich auf das Ende des Lebens erstrecken dürfen. Der Mensch wäre nicht wahrhaft autonom, wenn er hier immer nur alles hinnehmen müsste. Es steht ihm das Recht und die Weise des Todes zu. Er muss selber festsetzten dürfen wann und wie er stirbt.


·         Freiheit: Sein Leben am Ende nicht verkürzen zu dürfen, ist ein letzter Rest von Bevormundung und Repression durch Kirche und Gesellschaft. Das Verbot der aktiven Sterbehilfe widerspricht dem Freiheitsrecht des Menschen.


·         Grenze des Personseins: Lebensrecht können nur Personen haben, die über Rationalität und Selbstbewusstsein verfügen sowie über die Fähigkeit zu Beziehungen und Kommunikation. Von daher sind Menschen im Koma, Hirngeschädigte und Geisteskranke ebenso keine Personen wie Neugeborene. Ihr Anspruch auf das Leben hat darum als begrenzt zu gelten.


Bei der näheren Bestimmung der postulierten Euthanasie werden häufig zwei Grenzen genannt. Bei der ersten geht es um die Modalität der freien Zustimmung. Es muss die Bedingung der Freiwilligkeit erfüllt sein: Nur wer völlig frei das Ende seines Lebens will, soll die Erfüllung seines Wunsches finden; es darf niemand gegen seinen Willen getötet werden.


Die Einwände


·         Zum Argument Mitleid: Es ist nicht zu bestreiten, dass Mitleid mit einem Kranken nahelegen kann, ihm durch ein tödlich wirkendes Mittel ein Ende seiner Schmerzen zu bereiten. Aber abgesehen davon, dass Mitleid eine zwiespältige Größe ist und nach Ausdruck der Flucht vor eigenem Unbehagen sein kann, lässt das Miterleben der Schmerzen anderer nicht allein die Lösung der Sterbehilfe zu.

Mitleid kann auch dazu bewegen, beim Kranken auszuhalten und sein Leid mitzutragen. Vom Wort her ist dies auch der eigentliche Sinn von Mitleid. Aber selbst, wenn Mitleid als Grund für aktive zugelassen würde, bliebe immer noch unklar, bei welchem Grad von Mitleid man töten dürfte und bei welchem objektiven Leid solches Mitleid berechtigt wäre. Schließlich ist zu bedenken, dass man mit dem Eingehen auf den Todeswunsch des Kranken wahrscheinlich in vielen Fällen nur die Entscheidung eines Verzweifelten ratifizieren würde.

·         Zum Argument Menschenwürdiges Sterben: Es ist verständlich, sich und anderen einen leichten Tod zu wünschen. Denn das Sterben eines Menschen kann sehr qualvoll sein. Es ist auch zuzugeben, dass eine Lebensverlängerung unwürdig sein kann; der Kranke scheint nur noch Objekt zu sein.


·         Zum Argument Selbstbestimmung: Es ist nicht zu bestreiten, dass dem Menschen das Recht zur Selbstbestimmung zukommt, nur kann sich diese gerade nicht auch auf das eigene Ende erstrecken. Die Verfügung über Existenz als solche oder das Leben als Ganzes ist, wie im vorausgehenden Paragraphen bereits gezeigt, dem Menschen entzogen.

Das schließt nicht aus, dass ein Kranker auf weitere ärztliche Behandlung verzichten kann. Eine Pflicht zum Leben um jeden Preis lässt sich nicht behaupten. Man darf als Kranker den Tod auch herbeisehnen. Paulus hat selbst als Gesunder einen solchen Wunsch gehabt: „ Denn für mich ist Christus das Leben, und Sterben Gewinn…Ich sehne mich danach, aufzubrechen und bei Christus zu sein-um wie viel besser wäre das…“ (Phil 1,21-23; vgl. auch 2 Kor 1,8) Nur Zeitpunkt und Art des Todes selber festlegen zu wollen, überschreitet das dem Menschen –als Geschöpf-Gemäße.

Zu fragen ist schließlich auch, ob man bei dem Plädoyer für Selbstbestimmung genügend die Auswirkung auf andere bedenkt. Die Ansicht, dass man nur über das eigene Leben verfüge, ist unzutreffend. Die Bestimmung über sich selbst kann auch andere zu einem solchen Schritt bewegen, vielleicht sogar Zaghafte und Ängstliche-weniger „Starke“ im Sinn 1 Kor 8 -, die sich schon aus einem geringen Anlass für den vorzeitigen Tod entscheiden.


·         Zum Argument Freiheit: Auch das Moment der Freiheit des Menschen ist selbstverständlich nicht in Frage zu stellen, aber ebenso nicht ihre Grenze am Recht der anderen. Der Gebrauch der Freiheit darf nicht zu sozialen Schäden führen. Darum darf-trotz Freiheit zum Rausch-ein Betrunkener kein Auto fahren weil er das Leben anderer gefährdet.

Unter das Nehmen von harten Drogen ist der schlimmen gesellschaftlichen Wirkung wegen sogar generell

verboten. Freigabe der aktiven Sterbehilfe aber hätte ebenfalls negative soziale Folgen. Es ist somit kein Unrecht, wenn die Freiheit des einzelnen hier-um der anderen Willen-beschränkt wird.


·         Zur Grenze des Personseins: Hier ist keinerlei Zustimmung möglich. Das Argument steht derart außerhalb des allgemein Akzeptierten, dass sich im Grunde jede weitere Diskussion erübrigt. Genannt sei jedoch der entscheidende Einwand, dass über das Person sein des Menschen nicht der aktuelle Besitz irgendwelcher Fähigkeiten entscheidet, sondern die biologische Zugehörigkeit der menschlichen Gattung.


Im zweiten Genus der Überlegungen ist auf die Unhaltbarkeit der Bedingungen und Grenzen für aktive Euthanasie hinzuweisen.


·         Zum ersten ist anzuzweifeln, ob die Bedingung der Freiwilligkeit je zu realisieren ist. Zum ersten ist ein Hindernis für sie bereits von der Situation hergegeben. Ist man im Alter oder in Krankheit tatsächlich immer völlig frei zu einer so weitgehenden Entscheidung? Oder steht man nicht eher unter dem Zwang von Ängsten und dem Druck der Umwelt? Man spürt die stummen Vorwürfe seiner Umgebung oder meint sie zumindest zu spüren und fühlt sich gedrängt zum Entschluss, sein Leben zu Ende zu bringen.

Der Kranke selber würde es von sich aus womöglich gar nicht wollen. Zu meinen, dass jemand am Ende in völlig souveräner Freiheit über seinen Tod entscheidet, ist doch wohl eine weltfremde Idealvorstellung, der Niederschlag eines wenig realistischen Menschenbildes. Die Verfechter der Euthanasie nennen eine Bedingung, die sich offenbar nur in einem geringen Maß erfüllen lässt.


·         Es kommt hinzu, dass viele zu einem freiwilligen Wunsch von vornherein nicht fähig sind: die große Zahl der sogenannten Einwilligungsfähigen. Sie sind in der gleichen objektiven Situation schwerer und qualvoller Krankheit oder schlimmer Behinderung, aber können keinerlei bewusste Entscheidung fällen-entweder noch nicht (im Falle von Neugeborenen und Kindern) oder nicht mehr (im Falle von Alter oder Bewusstlosigkeit.) De facto wird hier bereits unter Verzicht auf die Bedingung der Freiwilligkeit aktive Sterbehilfe praktiziert.


Legal info - Data privacy - Contact - Terms-Authors - Terms-Customers -
Swap+your+documents