Diploma thesis

Der Begriff des Umgreifenden bei Karl Jaspers

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Der Begriff des Umgreifenden bei Karl Jaspers: Studienarbeit zur Philosophie von Jasper
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Diploma thesis
Philosophy

University, School

Leopold-Franzens- Universität Innsbruck

Grade, Teacher, Year

1982

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Was bedeutet Weisheit? Für Karl Jaspers sind Weisheit (sophos) und Philosophie (philosophos) Gegensätze, da Philosophie das „Suchen nach der Wahrheit“ sei, bei der der Hinterfragung neu entstandener Fragen und sogar Antworten eine größere Rolle zukomme als den entsprechenden Antworten selbst, und somit Weisheit als nüchternen Besitz dieser Antworten ohne Reflexion und Forschung kontrastiere. Die Autoren des Metzler Philosophie Lexikons gehen dabei noch weiter und definieren nur die Götter als allwissend…
Essay zum Thema: Karl Jaspers: „Einführung in die Philosophie“ Der vielfach zitierte Philosoph und Psychiater Karl Jaspers, geboren am 23. Februar 1883 und verstorben am 26. Februar 1969, wurde vor allem durch seine Werke zur Religions-, Geschichts- und Intellektuellen Philosophie weltbekannt. Sentenzen wie „Der Schmerz wird zur Geburtsstätte des Menschen, der Geschichte will. Nur der Mensch, der sich innerlich dem Unheil aussetzt, kann erfahren, was ist, und den Antrieb gewinnen, es zu ändern.“ (Böck o. J.) deuten auf seine…

Der Begriff des Umgreifenden
bei Karl Jaspers


Inhaltsverzeichnis

1.            Einleitung. 2

1.1.        Vorgeschichte des Begriffs. 2

1.2.        Kant und die Idee des Umgreifenden. 3

1.3.        Die philosophische Logik. 6

2.            Das Sein in den verschiedenen Weisen des Umgreifenden. 11

2.1.        Das  Umgreifendet das wir sind oder sein  können. 13

2.2.        Das Umgreifende, das das Sein selbst ist 23

2.3.        Das Band aller Weisen des Umgreifenden in uns. 29

2.4.        Vergleichende Gegenüberstellung der verschiedenen Weisen des Umgreifenden. 32

2.5.        Die gegenseitigen Bezüge der Weisen des Umgreifenden. 38

2.6.        Das Umgreifende als Grund u. Vollendung der Wahrheit im Philosophieren. 46

3.            Schlussbemerkungen. 48


1.     Einleitung

1.1.              Vorgeschichte des Begriffs

Wenn wir mit Jaspers sagen Jede Philosophie war in der Tat eine Philosophie des Umgreifenden so bedeutet das selbstverständlich, dass dieser Begriff zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Kulturen je eigentümlich gedacht oder erfahren wurde. In der Philosophiegeschichte ist die unbedingte Realität des Umgreifenden unter sehr verschiedenen Aspekten beschrieben und benannt worden als Atman (das innere, unvergängliche Selbst) und Brahman (Weltgrund) in der alt-indischen Philosophie, als Tao in der altchinesischen Philosophie, als Logos, Unendliches, Wasser, Feuer, Luft, Sein und Gott bei den Vorsokratikern, als Kern der sittlichen Persönlichkeit bei Sokrates, als 'Idee des Guten' bei Platon, als 'unbewegter Beweger' bei Aristoteles, als 'das Eine' bei Plotin, als Gott oder Substanz bei Spinoza, als absolutes Ich bei Fichte, als Gott bei Jacobi, als absolute Indifferenz von Subjekt und Objekt und als Gott bei Schelling, als Geist, Weltgeist oder absoluter Begriff bei Hegel, als das 'Umgreifende' bei Jaspers, als transzendentale Intersubjektivität bei Husserl und als das Sein des Menschen bei Heidegger -

um nur einige der wichtigsten Begriffe und Philosophen zu nennen. Wir sehen also, dass das Philosophieren ein Denken aus dem Ganzen ist und immer in dem Versuch ist, diesen Durchbruch zum Einen und zum Ganzen zu schaffen. Die Bilder der großen Naturphilosophen: alles ist Wasser, Luft, Feuer, Geist usw. drücken ihr Bemühen aus, alles unter einer Ganzheit zu denken.

Verfestigt sich das Denken in diesen ursprünglichen Bildern, so wird es notwendig, das Denken durch seine eigene Reflexion aus dieser Verfestigung wieder herauszuführen. Knauss meint, dies scheint schon bei Anaximander der Fall gewesen zu sein, dessen Begriff des Apeiron dem Umgreifenden schon sehr nahe käme. Abgesehen von der Schwierigkeit, ob das Apeiron zu verstehen sei als Unendliches oder als Unbestimmtes, so scheint doch soviel gesichert zu sein, dass es von Anaximander in der Weise eines Umgreifenden aller in Ihm umfassten Elementarstoffe gedacht wurde.

Und zwar nicht nur als einfache Summierung aller Dinge, sondern so, dass es alles durchdringt, beherrscht regelt. Das Sein wird also wirklich als Sein und nicht als Menge aller seienden Dinge gedacht.  Platon gab dem Denken eine letzte große Einheit unter dem Begriff der Idee, nicht in einem natürlich-kosmologischen Sinn, sondern logisch-ideal. Die Ideen sind nicht Wirklichkeit, sondern gehören zu dem, was wir seither Idealität nennen.

Diese Idealität ist eine umgreifende Einheit des Sinnlichen. Das Denken in Ideen stand für Plato aber noch einmal unter einem Umgreifenden, der höchsten Idee des Einen und Guten. Diese Idee der Ideen ist gewissermaßen auch ein Umgreifendes aller Umgreifenden.

1.2.              Kant und die Idee des Umgreifenden

Die Idee des Umgreifenden in diesem platonischen Sinn hat das abendländische Denken durch die Geschichte hindurch immer wieder zusammengehalten. Die beiden Hauptstationen auf diesem Weg sind Kant und Kierkegaard. Das ist biographisch gesehen auch bei Jaspers so. Als ich in der Jugend Kants Ideenlehre studierte , wurde mir Kants Verfahren deutlich: Die Idee denkt er erstens in ihrer objektiven Bedeutung, zweitens als subjektive Triebkraft, drittens als methodischen Ursprung systematischer Forschung, Diese Idee verschiebt in dieser dreifachen Bedeutung, entsprechend dem Zusammenhang der Erörterungen, ihren Sinn, aber derart, dass ein Ganzes erwächst, in dem die Idee diesen notwendigen Wandel .....[read full text]

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Alles, was ich erkenne mit Wissenschaften, erkenne ich in den Kategorien des Verstandes; die Grenzern berühre ich nur durch die Vernunft mit ihren Ideen.

Der Schlüssel zur Auflösung der Antinomien ist die Einsicht in den Erscheinungscharakter unseres Daseins in der Welt, Alles, was uns vorkommt, ist Erscheinung, nicht Ding an sich, ist Phänomenen, nicht Noumenon. Der Kantische Gedanke befreit aus den natürlichen Glauben an das Ansichsein der Welt als der einzigen und ganzen Wirklichkeit, befreit uns aus dem Gefängnis in der Gewusstheit von Daseiendem.

Er verwehrt den dogmatischen Empirismus, der den Erfahrungsinhalt zum Sein an sich verabsolutiert. Mit der Einsicht in die Möglichkeit und Gültigkeit der Erfahrungserkenntnis wird auch deren Grenze erkannt und über die Grenze hinaus gefragt. Das philosophische Wissen um die Erscheinungshaftigkeit des Daseins hat ein Seinsbewusstsein zur Folge, das den gewohnten Realismus nicht aufhebt, sondern einschließt, aber hinter sich lässt.

Jaspers sieht sich ganz in der Tradition Kants und bringt das verschiedentlich im Vergleich mit anderen zeitgenössischen Philosophen zum Ausdrucks Vergleicht man uns und unsere Zeltgenossen, obgleich sie so winzig sind, mit den Großen der klassischen Zelt gleichsam als Urbildern, so scheint Klages mit Schelling, Heidegger mit Fichte, Nie. Hartmann mit Hegel vergleichbar, -Jünger v.m. Friedrich Schlegel.

Mir war es eigen, den Spuren Kants zu folgen, daher war ich seit meiner Jugend jederzeit 'altmodisch'.

1.3.              Die philosophische Logik

Der geschichtliche Hintergrund in dem dieses Werk entstand wird von Jaspers als die Zeit bittersten Leides, der Zeit des Nationalsozialismus und seines Krieges bezeichnet. Das Buch wurde geschrieben im Hinblick auf das Unheil der Unwahrheit, der verdrehten Wahrheit, des Bösen. Die Fragwürdigkeiten alles Wahren, das sich selbstgewiss allgemeingültig  ausspricht, der Hochmut des Wahrheitsbesitzes sollten ebenso klar werden wie die  Verlässlichkeit eines Grundes, der sich der direkten Objektivierung entzieht.

Es ging Jaspers darum, die Jahrtausende alten faktisch geübten Methoden des Philosophierens zu finden. Für mich war es fast, als ob ich die Welt des philosophischen Denkens in ihrem Selbstbewusstsein wieder entdeckte. Mit meiner 'philosophischen Logik' suchte ich die Darstellung des Ganzen in systematischem Zusammenhang.

Die philosophische Logik entwarf Jaspers in vier Bänden, von denen nur der erste Von der Wahrheit vollendet wurde. Der zweite über die  Kategorienlehre und der dritte über Methodologie sind entworfen, jedoch nicht mehr zur Druckreife gelangt. Den vierten über die Wissenschaftslehre hat er nicht mehr begonnen.

Jaspers stellte sich den Weg folgendermaßen vor: Aus dem umgreifenden Vorlogischen gehen wir auf Wegen des Erkennens ('Methodologie') in fasslichen Bedeutungen des Gegenständlichen und des im Gegenständlichen klar Werdenden('Kategorienlehre') durch systematische Gestalten der Wahrheit ('Wissenschaftslehre') zurück zum Ursprung ('Wahrheit').

Jaspers nennt seine philosophische Logik abwechselnd einen Grundgedanken, ein Grundwissen, eine prima philosophia, eine Philosophie der Weisen des Umgreifenden oder mit einem Selbstgebildeten Terminus Periechontologie, was Lehre vom Umgreifenden heißt. Die Idee des Umgreifenden bezeichnet Jaspers als den Hauptpunkt seiner philosophischen Versuche.

Die These ist: Wirklichkeit ist weder das Objekt noch das Subjekt, sondern das beide Umgreifende, das sich erhellt in der Spaltung von Subjekt und Objekt. In dieser Spaltung aber haben beide ihre wechselnden Gestalten, die zueinander gehören. Hier steht der erkenntnistheoretisch entsche.....

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Was so psychologisch subjektiviert, damit als etwas Zufälliges und Vorübergehendes beiläufig wurde, oder metaphysisch objektiviert, damit als übersinnliche Gewalt angesprochen wurde, das sollte mit dem Begriff des Umgreifenden in seinem ganzen Umfang getroffen werden.

Hier liegt ein wesentlicher Punkt in Jaspers' Philosophie wie eigentlich in der Existenzphilosophie überhaupt, dass sie sich nicht aus einem letzten Prinzip, einer Theorie oder dergleichen ableitet, sodass also nicht Willkür, sondern die Hinnahme des Erfahrenhabens der Grund ihrer Entfaltung ist. Diese grundlegenden Erfahrungen des Umgreifenden sind nun nicht eigentlich wissbar sondern lediglich erhellbar.

Erhellen ist ein Klären ohne zu erklären, ein Hindenken, ohne das Bedachte bestimmend zu erreichen,  ein Vergewissern, ohne zu wissen. Wie wird nun dieses erhellende Denken vollzogen?

a) Die philosophische Grundoperation

Um in den Raum der Ursprünge zu gelangen, muss ein Denken vollzogen werden, das unmöglich scheint. Wir denken in Gegenständen, auf die wir gerichtet sind. Die Aufgabe der philosophierenden Grundoperation ist zu allen Zeiten, über das nur Gegenständliche zu transzendieren zu  dem, woraus das Gegenständliche sowohl wie das auf dieses gerichtete Denken des Subjekts entspringt.

Das, was weder Gegenstand (Objekt) noch  Denkakt (Subjekt) ist, sondern beides in sich fasst, nannte ich das Umgreifende. Dieses spricht weder durch das Objekt noch durch das Subjekt für sich, sondern durch beides in einem als das, was die Transzendenz ist zugleich des Bewusstseins wie des Seins. Das ist ein schwierig zu vollziehender, das Philosophieren selbst erst klärender und eigentlich auch ermöglichender Grundgedanke, der doch wiederum, einmal begriffen, ungemein einfach, das Selbstverständlichste ist.

Dieses in der philosophischen Grundoperation zu vollziehende gleichsam umkehrende Denken ist jenes trans-zendierende Denken, das Jaspers von Kant und mit ihm von allen großen  Philosophen ableitet. Unbefragt leben wir in der Selbstverständlichkeit der Subjekt-Objekt-Spaltung. Erst in der philosophischen Reflexion wird und dieser Tatbestand unseres Daseins bewusst.

Um nun diesen Tatbestand unseres bestimmten, auf Gegenstände gerichtete Erkennens zu überschreiten, hin auf die Bedingung der Möglichkeit alles Seienden, ist jene Grundoperation notwendig, gleichsam als ein Herausschwingen aus der Subjekt-Objekt-Spaltung in den Raum des si.....

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Daher ist der ständige Vorbehalt nötig, das Gesagte als gegenständlichen Inhalt rückgängig zu machen, um dadurch jenes Innewerden des Umgreifenden zu gewinnen, das nicht Ergebnis einer Forschung als nunmehr aufsagbarer Inhalt ist, sondern eine Haltung unseres Bewusstseins. Nicht mein Wissen, sondern mein Selbstbewusstsein wird anders.

Dieses Eindringen in das Sein, wenn wir aus dem Umgreifenden philosophieren, kann nur indirekt geschehen. Ich muss deshalb das Gesprochene im Sprechen selbst schon wieder aufheben, in seiner Gegenständlichkeit negieren,  indem ich mir bewusst bleibe, gleichsam nur vom  Zweitletzten, statt vom Letzten zu sprechen.

Jaspers zieht  daraus die Konsequenz, indem er erhellend nicht vom Sein schlechthin, sondern von Seinsweisen, nicht vom Umgreifenden schlechthin, sondern von den Weisen des Umgreifenden spricht.

Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten, diese Weisen les Umgreifenden zu vergegenwärtigen. Man könnte ausgehen von der Subjekt-Objekt-Spaltung, von den verschiedenen Erscheinungsweisen der Gegenständlichkeit, auf die wir als Subjekte gerichtet sind, und von diesen Spaltungen her jene ursprünglichen Räume erhellen.

Oder man könnte den Aufweis philosophiegeschichtlich führen. Jaspers hat sowohl diesen als auch jenen Weg beschritten. Ich möchte mich, ziemlich genau an sein Werk "Von der Wahrhei"t haltend, eine dritte Möglichkeit darstellen, die ausgeht von den schon genannten Grunderfahrungen und das Umgreifende in sieben Weisen zum Ausdruck bringt, dem Dasein, Bewusstsein überhaupt, Geist, Existenz, Vernunft, Welt und Transzendenz.


b) Einige Formulierungen in denen Jaspers das Umgreifende allgemein beschreibt

Das Umgreifende ist das von Jaspers bevorzugte Wort für das Sein. Das Umgreifende wird nicht selbst zum Gegenstand, aber kommt in der Spaltung von Ich und Gegenstand zur Erscheinung. Das Umgreifende ist also das, was sich im Gedachtsein immer nur ankündigt. Es ist das, was nicht selbst, sondern worin alles andere uns vorkommt.

Das eigentliche Sein, das weder Objekt noch Subjekt ist, sondern im Ganzen der Subjekt-Objekt-Spaltung zur Erscheinung kommt, und die Kategorien erfüllen muss, um ihnen Sinn und Bedeutung zu geben, nan.....

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Das Umgreifende des Seins, das wir sind, ist die Bedingung, unter der alles andere Sein erst Sein für uns wird. Wir sind aber in dreifacher Weise umgreifendes Sein. Wir sind Dasein in der Zeit. Wir sind das Medium des Bewusstseins  überhaupt als Stätte allgemeingültigen Wissens. Wir sind der Raum geistiger Totalitäten als zusammenbindender,  Richtung gebender, ordnender Kräfte der uns beseelenden Gehalte.

Also ist das Sein erstens an sich (als Welt und Transzendenz), zweitens das Sein, das wir sind (als Dasein, Bewusstsein überhaupt, Geist). Eine dritte Weise  des  Umgreifenden erhellt sich uns, wenn wir nach  dem Boden und Band aller dieser Weisendes Umgreifenden fragen.


Jaspers bringt das in folgendes Schema:

Das Umgreifende,

das das  Sein selbst ist»


Das Umgreifende, das wir sind


Boden und Band der Weisen des Umgreifenden


Welt

Transzendenz


Dasein

Bewusstsein überhaupt

Geist

Existenz

Vernunft


Die Gliederung des Umgreifenden beruht auf Sonderungen, die Jaspers in vier Schritten nacheinander angibt:

  1. vom Umgreifenden überhaupt zu der Scheidung des Umgreifenden, das wir sind, und des Umgreifenden, das das Sein selbst ist;
  2. von dem Umgreifenden, das wir sind, zu der Scheidung dessen, was wir sind als Dasein, Bewusstsein überhaupt, Geist;
  3. von der Immanenz zur Transzendenz;
  4. Vom  Auseinanderfallenden zur Einheit.


Eine Gruppierung im Sinne dieser Sonderung ergibt folgendes Bild:



Das Umgreifende, das wir sind:



Das Umgreifende, das das Seinselbst ist:


Das Immanente ’


Dasein

Bewusstsein überhaupt

Geist


Welt



Das Transzendente’

Existenz


Transzendenz


                                             Vernunft 




                Das Band aller Weisen des Umgreifenden in uns

Diese  Gliederung bedeutet keine zwingende Ableitung aus einem Prinzip, sondern ein Antreffen an den Grenzen, ein Hinnehmen der Weisen, in denen ursprünglich uns Sein gegenwärtig wird.

Damit möchte Jaspers deutlich machen, dass es hier nicht um ein Systemdenken geht, das dazu  verleiten würde alles unter  ein  voll ausrationalisierbares Schema zu subsumieren. Vielmehr handelt es sich  um jene Grunderfahrungen, die in einer erhellenden Darstellung des umgreifenden Ursprungs anschaulich werden sollen.

Dies ist nur  möglich, wenn  man  den Weg über die Gegenständlichkeit bestimmter Erscheinungen nimmt. Es ist in der Darstellung die Umwendung des Gedankens zu vollziehen aus dem jeweils bestimmten anschaulichen Sein heraus zu  dem, woraus und worin dieses Sein ist. Das ist möglich, weil die Erscheinung unablösbar ist von dem Sein. Das Umgreifende ist nicht ein anderes, schlechthin unzugängliches Sein, sondern in der Erscheinung für uns gegenwärtig, daher durch sie hindurch indire.....

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Dasein ist Begehren (Trieb, Drang, Wille): es kennt den Augenblick der Vollkommenheit.

Dasein ist Unruhe des Kämpfens (Wille zum Dasein, Wille zur Macht): Dasein ist getrieben in der Unruhe, sich zu erhalten und sich grenzenlos zu erweitern.

Dasein ist die umgreifende Wirklichkeit in die alles treten muss, was immer sei, um für mich zu sein. Ohne Dasein ist alles andere Nichts.


c) Das Dasein als umgreifender Ursprung und das Leben Gegenstand der Forschung.

Was Dasein ist, dessen sind wir allein in uns selbst gewiss. Aber im Raum des umgreifenden Daseins, das wir sind, begegnet uns anderes, das, für sich selbst umgreifend, Dasein ist, und werden wir uns selber als dieses Dasein, das wir sind, zum Gegenstand . Wir nennen es das Leben, das Leben des Menschen, der Tiere, der Pflanzen.

Aber was uns als Leben Gegenstand wird, ist als solcher nicht mehr das Umgreifende. In der Forschung ist nicht das umgreifende Dasein erfasst, sondern nur das gegenständliche Dasein von Objekten wie Materie des Körpers, der lebendige Leib, die Umwelten, die Seele und das Bewusstsein.

Jaspers unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen Erkennen und Erhellung:

Erkennen zerspaltet und findet aus sich das eine Ganze, wenn es dem Erkennen verloren ist, nicht wieder. Erhellung bleibt im Ganzen, kreist in sich, und findet keine fachliche Erkenntnis. Das Leben

wird in einzelnen Realitätsgestalten erkannt (z.B. physikalisch, psychologisch, soziologisch und ökologisch), trotzdem wird das Ganze des Lebens mit dem Erkennen als solchem nicht erreicht. Es ist mit dem ersten Schritt des Erkennens verloren, wird zur antreibenden Idee, aber entbehrt für immer der Erfüllung.

Denn im Ergreifen des immer bestimmten Forschungsgegenstandes ist das Umgreifende nicht als Erkenntnisgegenstand mit ergriffen, sondern preisgegeben, wenn es nicht im Forscher der umfassende Ra.....

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