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Interpretation
German studies

University, School

Karl-Franzens-Universität Graz - KFU

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2, 2015, Prof. Hochegger

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Text by Anneliese E. ©
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LV.: Literarische Kultur des Mittelalters Walther von der Vogelweide Herzeliebez frouwelin Inhalt I. Einleitung II. Paraphrase III. Die handschriftlich­en Überlieferungen IV. Edition V. Metrische Transkription VI. Interpretation VII. Literaturverzei­chn­is 1. Einleitung Die vorliegende Proseminararbei­t behandelt das Mädchenlied „Herzelie­bez­ frouwelin“­. Erster Punkt in meiner Proseminararbei­t ist die Wiedergabe des Liedes im Neuhochdeutsch als eine Paraphrase. Ich werde mit einem kurzen Einblick…

Das Oeuvre Walthers von der Vogelweide


Obwohl nur ein einziges sicheres außerliterarisches Lebenszeugnis Walthers von der Vogelweide existiert, welches in Form einer Eintragung im Ausgabenverzeichnis des Passauer Bischofs Wolfger hinsichtlich eine Kaufs eines Pelzmantels besteht, gilt er als einer der einflussreichsten und bekanntesten Lieddichter des Mittelalters.1 Daher gibt es auch wenig bis keine wirklichen Anhaltspunkte, wann welches seiner Lieder genau entstanden ist.

Was jedoch bekannt ist, ist, dass Walther mit anderen Autoren seiner Zeit in Kontakt stand und auf diese in seinen Werken gelegentlich auch anspielte – sowohl wohlwollend als auch in Form von negativen Bemerkungen. Er dürfte in Österreich ausgebildet worden sein, was aufgrund mehrfacher Erwähnung und eigener Zitation als belegt gilt.2 Am Wiener Hof der Babenberger fungierte Reinmar von Hagenau, auch Reinmar der Alte genannt, vorerst als Vorbild für Walther, was jedoch bald in einer Rivalität endete, da Walther mehrfach versuchte sich von Reinmar abzuheben.

Als einer der vielseitigsten Dichter seiner Zeit widmete er sich hautsächlich der Minnelyrik, religiösen Dichtung sowie der Sangspruchdichtung.3 Da der Minnesang aber gegen Ende des 12. Jahrhunderts noch nicht über eine fixierte Gattungytypik verfügte, konnte Walther seiner Kreativität freien Lauf lassen und durch Umstellung von Strophen, Zufügungen oder Auslassungen ganz neue Formen des Minnesangs etablieren.

Walther der durchaus auch unkonventionelle Themen in den Minnesang integrierte, beherrschte sein Handwerk in außergewöhnlicher Manier, was bereits im Abschnitt der rhetorischen Mittel dieser Arbeit aufgezeigt wurde. Das vorliegende Lied lässt sich in die Gattung der Minnelyrik einordnen, da eindeutig das Grundthema des Minnesangs, die Werbung eines Mannes um eine frouwe zu erkennen ist.

Das lyrische Ich im hier analysierten Lied bittet nahezu explizit von der Frau erhört zu werden, wie es die letzte Strophe der vorliegenden Fassung des Fasung aufzeigt. Durch die Preisung, Treuebekundung und tiefste Ergebenheit in der Verszeile gern ich in allen dienen sol, doch habe ich mir dise ûz erkorn (L 53,29-30) ist der Sänger bereit, jegliches Leid zu ertragen, um von seine Auserwälten erhört zu werden.

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Si wunder wol gemachet wîp kann aber nicht nur als Frauenpreislied angesehen werden, sondern es enthält auch Elemente des Werbelieds. Walther erwähnt in L 53,25 explizit das hohe Minnelied, in dem er von hôhen sanc (L 53,28) spricht, hält sich jedoch nihct an die klassischen Regeln der Minnetradition, da er sich nicht vorwiegend auf die tugent oder güete der Frau bezieht, sondern auf kunstvolle Art den Körper der besungenen Frau beschreibt.

Der Bezug auf die äußere Schönheit der Frau steht somit sowohl der direkten Tradition des Frauenpreislieds als auch der des Werbeliedes.4 Das Lied steht wie bereits weiter oben erläutert – in der Tradition des descriptio-Verfahrens, welches die Schönheitsbeschreibung des ganzen Körpers einschließt, obwohl Walther als delikates Detail nicht nur die Gleidmaßen sondern auch das entswischent Liegende (L 54,19) beschreibt.


Interpretation: Si wunder wol gemachet wîp

An der Oberfläsche scheint dieses Lied eine Aufarbeitung einer Liebesgeschichte zu sein, die aufgrund des schwärmenden Tons des lyrischen Ichs und der unzähligen Huldigungen eindeutig in die Kategorie der Lobpreiungen einzureihen ist. Bei näherer Betrachtung und wie die Analyse des Liedes bereits gezeigt hat, betritt Walther in kunstvoller Manier einen Schmalen Grat zwischen klassischer Schönheitsbeschreibung und einem leichten Ton von Ironie in diesem Lied.

Zuschnächst schein das lyrische Ich seinen Trieben zu folgen und lobt die Besungene bis in den Himmel. Er nimmt sogar in Kauf sich zu versündigen aufgrund des vielen Lobes, wobei er durch seine revocation recht schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehrt.

Ganz im Gegenteil, da die vorliegende Fassung das Lied mit den Worten beschließt, dass die Frau – wie durch ein Wunder den Mann wieder jung und gesund machen kann, wird der Stellenwert der Frau noch höher gesetzt.6 Durch dieses Bewusstsein bemerkt das lyrische Ich, dass es von der Angebeteten besessen ist und nimmt in Kauf, der Frau zu verfallen.

Die erotsichen Momente im Lied sind gezielt gestreut und verstärken bzw. untermauern das Begehren des Mannes, welches aufgrund der ausgewuchten und selikaten Wortwahl durchaus auch auf die Rezipienten überspringt. Obwohl das Bild der Frau idealtypisch, ja fast schon stereotyp wirkt, besticht das Lied durch die explizit erwähnte Situation der Beobachtung der nackten Frau die am „reinen“ Ort aus dem Bade steigt und verlieiht im dadurch eine delikate, aber doch persönliche Note.7 Gerade weil Walthers Beschreibung der Frau nicht nur die für den Minnesang üblichen Tugenden wie Sittsamkeit und Güte enthält, entsteht eine reizvolle Mischung von Tradition und Innovation.

Unbestritten ist jedoch Walthers kunvoller Umgang mit Sprache, wie auch die Tatsache, dass er neue Wege beschritt und somit Türen für nachfolgende Minnesänger und Dichter öffnete. Doch gerade wegen der scheinbaren Tabubrüche und koketten Art und Weise mit traditionellen Formen umzugehen, nimmt Walther von der Vogelweide den Platz in der heutigen Literatur ein, den er unbestrittener Weise innehat. 8


Verwendete und Weiterführende Literatur:

Textausgabe

Walther von der Vogelweide. Leich, Lieder, Sangsprüche. 15., veränd. u. um Fassungsed. erw. Aufl. d. Ausg. Karl Lachmanns. Aufgrund der 14., von Christoph Cormeau bearb. Ausgabe neu hrsg., mit Erschließungshilfen u. textkrit. Komm. vers. von Thomas Bein. Berlin, New York: de Gruyter 2013. (= De-Gruyter-Texte)



Die alte Heidelberger Liederhandschrift. Hrsg. v. Franz Pfeiffer. Stuttgart: Bibliothek des Litterarischen Vereins 1844.


Sekundärliteratur:

BAUSCHKE, Ricarda: Die ,Reinmar-Lieder’ Walthers von der Vogelweide. Literarische

Kommunikation als Form der Selbstinszenierung. Herausgegeben von Conrad Wiedemann. Heidelberg: Winter 1999


BRUNNER Horst: Geschichte der deutschen Literatur des Mittelalters im Überblick.

Stuttgart: Reclam 1997.


SCHWEIKLE, Günther: Minnesang. 2.korr.Auflage, Stuttgart: Metzler 1995. (=Sammlung Metzler. 244):


WALTHER von der Vogelweide (VL-Artikel) Gerhard Hahn: Walther von der Vogelweide. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. 2., vollig neu bearb. Aufl. Hrsg. v. Kurt Ruh [u.a.]. Bd. 10. Berlin, New York: de Gruyter 1999.


2 Brunner, Horst: Geschichte der deutschen Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit im Überblick.

Stuttgart: Reclam 2010. (= RUB 17680) S. 175f. Im Folgenden zitiert als: Brunner.

3 Brunner S. 176f

4 Schweikle, Minnesang S. 126.

5 Ebda.

6 Vgl. Bauschke, S.121

7 Ebda S.124

8 Vgl. Brunner 112.

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