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Sociology

University, School

Universität Bern

Grade, Teacher, Year

2007, Prof. Dr. C. Honegger

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Selbstinszenierung und HipHop

Das Konzept der Selbstinszenierung als neuer Baustein einer Theorie sozialer Integration und seine Bedeutung für die Jugendkultur HipHop


Arbeit im Rahmen des interdisziplinären Seminars ‚Jugendkulturen’ bei

Prof. Dr. , , lic. rer. soc. (Institut für Soziologie)

Prof. Dr. J. , Dr. (Institut für Kunstgeschichte)


Sommersemester 2007

Olten, 24.9.2007


Universität Bern, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Institut Soziologie


Eingereicht von

****

****

*****

Inhaltsverzeichnis

Einleitung 3

1 Die Veränderung gesellschaftlicher Strukturen in der Postmoderne 5

2 Stauber’s Ansatz einer Handlungstheorie sozialer Integration 8

2.1 Staubers Jugend-Konzept 8

2.2 Neue Inhalte der Gesellschaftsanalyse . 10

2.3 Das Konzept der Selbstinszenierung . 10

Selbstinszenierung und Handlungsfähigkeit 11

Selbstinszenierung und Zugehörigkeit . 11

Selbstinszenierung und Sinn 11

Funktion von Selbstinszenierungen 12

3 Selbstinszenierungen und HipHop 14

3.1 Stil, Authentizität, Battles und Selbstinszenierung . 14

3.2 Entstehung und Verbreitung des HipHop und sein Beitrag zur Bewältigung von Problemlagen 15

HipHop in New York . 15

HipHop in den USA 17

HipHop in Deutschland . 18

4 Schluss . 21

Literatur 23


Einleitung

Der Wandel westlicher Gesellschaften von modernen Industriegesellschaften zu postmodernen Dienstleistungs- oder Informationsgesellschaften geht mit einer Reihe von einschneidenden Veränderungsprozessen einher (siehe u. a. Hitzler/Bucher/Niederbacher 2005: 13f.). Diese Veränderungen werden mit Stichworten wie Individualisierung, Destandardisierung, Fragmentierung oder Pluralisierung umschrieben und haben weitreichende Konsequenzen für die Lebensbewältigung der Individuen.

Im sozialwissenschaftlichen Diskurs ist angesichts dieser Veränderungen die Forderung laut geworden, dass sich die soziologische Forschung diesen Veränderungen anzupassen habe. Damit ist insbesondere die Forderung verbunden, dass „eine den aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen angemessene Theorie sich mit anderen Inhalten als die herkömmliche Soziologie beschäftigen muss, weil sie die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen ernst nimmt und (endlich) anerkennt, dass es wichtige soziale Veränderungsdynamiken auch jenseits der vermeintlich zentralen gesellschaftlichen Institutionen gibt“ (Stauber 2004: 28).

Stauber (2004) führt als theoretischer und praktischer Zugang zu diesen „neuen Inhalten“ das Konzept der Selbstinszenierung ein. Sie will damit erfassen, dass unter den Bedingungen eines individualisierten Lebensverlaufs, wo also feste Lebenslaufmuster zur Orientierung und Sinngebung fehlen, die Subjekte „die eigene Biographie immer mehr nach aussen und nach innen, vor sich selbst, begründen müssen“ (Stauber 2004: 32).

Stauber’s Selbstinszenierungskonzept ist mit der Einschränkung behaftet, dass es anlässlich einer Untersuchung der Technoszene entstanden ist. Die Frage, ob das Konzept auch für die Analyse anderer Kontexte tauglich ist, steht damit noch offen. Um einen Ansatz für die Beantwortung dieser Frage zu liefern, stelle ich in dieser Arbeit die HipHop-Jugendkultur aus dem Blickwinkel des Selbstinszenierungskonzepts dar.

HipHop ist wie Techno spätestens seit Mitte der 90er Jahre weltweit eine der erfolgreichsten und am weitesten verbreiteten Jugendkulturen (Klein/Friedrich 2003: 84, s 2005) Den Nachweis zu erbringen, dass das Konzept der Selbstinszenierung auch im HipHop fruchtbar anzuwenden ist, wäre also mehr als nur ein erster Hinweis auf die Generalisierbarkeit des Konzepts.

Meine Arbeit ist wie folgt gegliedert: In Teil 1 gebe ich einen Überblick über die Veränderungsprozesse in postmodernen Gesellschaften. Teil 2 dient der Darstellung von Stauber’s Konzept der Selbstinszenierung. In Teil 3 erkläre ich die Bedeutung der Selbstinszenierung für die HipHop-Kultur und zeige anhand einer Darstellung der Entstehung und Verbreitung der HipHop-Kultur auf, dass sie für ihre Akteure oft einen entscheidenden Beitrag zur Lebensbewä.....[read full text]

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Stattdessen gilt seit dann auch für Jugendliche: Standardisierte Lebensverlaufsmuster, die verlässlich zur Orientierung taugen, gibt es nur noch bedingt, jeder Lebensverlauf sieht anders aus und muss vom Individuum unter Unsicherheit geplant und umgesetzt werden. (Schäfers/Scherr 2005: 27f.) Nebst den erwähnten Unsicherheiten auf dem Arbeitsmarkt sind weitere Veränderungen für diesen Wandel der Lebensbedingungen verantwortlich bzw. mit diesem verbunden (Aufzählung unvollständig): Im Bereich der Ausbildung brachte der Wandel von der Industrie- zur Informationsgesellschaft einen Bildungszwang für alle sozialen Klassen mit sich (Klein 2004: 55).

Im Bereich der Freizeit fand eine Erweiterung des verfügbaren Freizeitbudgets (auf Tages-, Wochen-, Jahres- und Lebensniveau) und eine Verallgemeinerung der ökonomischen Mittel, die die Teilnahme am Freizeitmarkt ermöglichen, auf praktisch alle Schichten statt (Zinnecker 1987: 173). Auch was den Bereich der Sozialisation betrifft, findet Veränderung statt: Individuelle Orientierungen und Sinnsetzungen werden immer weniger in traditionellen „Sozialisationsagenturen“ (Hitzler/Bucher/Niederbacher 2005: 17) wie Familie oder Schule vermittelt, sondern vermehrt in neuartigen Vergemeinschaftungsformen, wie Peer Groups oder Szenen (Hitzler/Bucher/Niederbacher 2005: 17f.).

Diese Veränderungen haben dazu geführt, dass viele Autoren theoretische Anpassungen in der Soziologie der Jugend und der Jugendkulturen und darüber hinaus fordern und vorschlagen (siehe u. a. Zinnecker 1979: 174, Klein 2004: 60f., Hitzler/Bucher/Niederbacher 2005: 19f.). Zunächst wird kritisiert, dass das Konzept von Jugend nicht mehr angemessen sei: Das traditionelle soziologische Konzept von Jugend versteht diese als eine klar eingegrenzte Lebensphase, die durch eine Standardabfolge von Übergangsereignissen (Beginn der Pubertät, Ende der Schulzeit, Eintritt in die Erwerbsarbeit, Auszug aus dem Elternhaus, .) begrenzt ist, welche zu einer Integration der Jugendlichen in die Welt der Erwachsenen führen, und die den Charakter eines sozialen Schonraums hat.

Wie oben aufgezeigt haben die Übergangsereignisse stark an Aussagekraft für eine zeitliche Einordnung der Jugendphase verloren, von einer Integration in die Erwachsenenwelt kann man nicht mehr sprechen und damit verbunden kann die Jugendphase auch nicht mehr als Schonraum bezeichnet werden. Es werden deshalb neue theoretische Konzepte von Jugend notwendig. Zweitens muss benannt werden, welche gesellschaftlichen Institutionen die Rolle der bisherigen Sozialisationsinstanzen übernehmen – falls es denn solche gibt – und wie die Sozialisation von statten geht.

Dazu müssen gegebenenfalls Lebensbereiche ins Zentrum des soziologischen Interesses gerückt werden, die bisher in der soziologischen Forschung nicht oder nicht genügend berücksichtigt wurden. Das muss drittens dazu führen, dass die bestehenden Theorien sozialer Integration so angepasst oder erweitert werden, dass sie den veränderten Lebensbedingungen gerecht werden.

Diesen Forderungen versuchen die Autoren mit verschiedenen Ansätzen nachzukommen. Klein (2004) beispielsweise meint, dass ‚Jugendlichkeit’ den Platz der Jugend übernommen habe und spielt damit darauf an, dass Jugend bzw. Jung-Sein heute eher ein „zentrales Leitbild der Gesellschaft“ (Klein 2004: 62) darstelle als eine klar abgegrenzte Lebensphase bezeichne.

Hitzler/Bucher/Niederbacher (2005) setzen den Begriff der Szene ins Zentrum ihrer theoretischen Überlegungen und wollen damit die Antwort auf die Frage geben wie die Individuen „unter den gegebenen Bedingungen der (drastisch) erhöhten Komplexität“ (Hitzler/Bucher/Niederbacher 2005: 17) Werthaltungen, Entscheidungskompetenzen, Verhaltensweisen, Deutungsmuster und Sinnwelten entwickeln können.

Ein weiterer Ansatz kommt von Stauber (2004): Ausgehend vom Konzept der ‚Selbstinszenierung’ will sie „einen Beitrag zu einer handlungstheoretisch revidierten bzw. erweiterten Theorie sozialer Integration“ (Stauber 2004: 14) zu leisten. Weil dieser Ansatz schon relativ weit entwickelt ist und weil sich das Konzept der Selbstinszenierung auch ausserhalb seines Entstehungszusammenhangs fruchtbar anwenden lässt (wie sich zeigen wird), werde ich im folgenden Abschnitt Stauber’s Ansatz erläutern.

2         Stauber’s Ansatz einer Handlungstheorie sozialer Integration

Ausgangspunkt Stauber’s sind die oben erläuterten gesellschaftlichen Veränderungen: „Übergänge junger Frauen und Männer zwischen Jugend und Erwachsensein haben sich verändert – und zwar so grundlegend, dass soziale Integration konzeptionell anders zu fassen ist, als das Sich-Integrieren oder Integriert-Werden in eine wie auch immer schon existierende Gesellschafts.“ (Stauber 2004: 13, Hervorhe.....

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Dies sei zwar aus einer strukturellen Perspektive eine Übertreibung, da es nach wie vor viele formelle und informelle Institutionen gibt, die einer traditionellen Strukturierung des Lebenslaufes entsprechen. Aus der subjektiven Handlungsperspektive sei die These allerdings zutreffend, da die tatsächlichen Lebensläufe immer weniger mit dieser Strukturierung gemeinsam haben.

Jugend (und auch das Erwachsensein) wird somit zu einer Lebenssituation, die in einem Lebenslauf immer wieder zu unterschiedlichen Zeiten in verschiedenen Lebensbereichen eintreten kann – nicht völlig unabhängig vom biologischen Alter, aber auch nicht mehr eindeutig damit verbunden.

Nach wie vor charakteristisch für die traditionelle Jugendphase ist sicher, dass in diesem Lebensalter ‚Jugend als Lebenssituation’ in praktisch allen relevanten Lebensbereichen auftritt: Im Übergang von Schule zu Beruf, bei der Ablösung von der Familie, in der Sexualität, bei der Identitäts- und Sinnsuche (etc.). Im Unterschied zum traditionellen Konzept der Jugendphase ist allerdings wie erwähnt die Gleichzeitigkeit der Übergänge in den verschiedenen Lebensbereichen nicht mehr gegeben.

Ebenso ging der definitive Charakter der Übergänge verloren. Damit einhergehend haben die klassischen Sozialisationsinstanzen wie Schule und Familie ihre Funktion geändert und andere sind hinzugekommen. Junge Frauen und Männer in Übergängen sind also immer grösserer Komplexität ausgesetzt. Stauber zieht daraus folgende Schlüsse: „Die strukturelle Veränderung von Übergängen und der Individualisierungsschub, der mit ihnen einhergeht, bedeuten konkret eine erhöhte Anforderung an Eigenverantwortung und Selbstgestaltung, die jungen Frauen und Männer zugemutet wird [ .]. Es stellt sich also die Frage, die meiner Ansicht nach in der gesamten Forschung zu Übergängen junger Erwachsener noch offen geblieben ist: Wie gehen junge Erwachsene, junge Frauen und Männer mit dieser Dynamik um?“ (Stauber 2004: 26).

Stauber will aufzeigen, „wie junge Frauen und Männer in diesen Übergängen handlungsfähig werden und bleiben“ (Stauber 2004: 26) und bezeichnet dies als die theoretische Lücke, die sie mit ihrer Arbeit schliessen will.

2.2          Neue Inhalte der Gesellschaftsanalyse

Stauber geht mit Bezugnahme auf Autoren wie Zygmunt Baumann und Anthony Giddens von der Annahme aus, dass sich angesichts der rasanten Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen auch die Gesellschaftsanalyse dynamisieren muss. Damit ist insbesondere die Forderung verbunden, dass „eine den aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen angemessene Theorie sich mit anderen Inhalten als die herkömmliche Soziologie beschäftigen muss, weil sie die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen ernst nimmt und (endlich) anerkennt, dass es wichtige soziale Veränderungsdynamiken auch jenseits der vermeintlich zentralen gesellschaftlichen Institutionen gibt̶.....

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Selbstinszenierung und Handlungsfähigkeit

Die Handlungsfähigkeit der Subjekte wird einerseits dadurch eingeschränkt, dass verschiedene Abhängigkeiten länger Bestand haben (die Ausbildung dauert länger, der Auszug aus dem Elternhaus verzögert sich usw.). Andererseits ist es für die Subjekte immer mehr eine in Eigenregie zu lösende Aufgabe, Handlungsmotivation (welche ein wichtiger Bestandteil von Handlungsfähigkeit ist) aufrecht zu erhalten, da gesellschaftlich vorgegebene eindeutige Handlungs- oder Lebensgestaltungsanleitungen kaum mehr existieren.

Selbstinszenierungen dienen nun einerseits dazu, über diese beschränkte Handlungsfähigkeit hinwegzutäuschen, indem beispielsweise durch toughes Auftreten oder eine selbstbewusste Körpersprache der Eindruck von Handlungsfähigkeit erweckt wird. Selbstinszenierungen generieren aber auch Handlungsfähigkeit, indem die Lebenswelt um Bereiche erweitert wird, in denen die durch finanzielle Abhängigkeit, verlängerte Ausbildung oder fehlende gesellschaftliche Handlungsanweisungen bewirkten Beschränkungen der Handlungsfähigkeit keine oder eine kleinere Rolle spielen.

Die so erlangte Handlungsfähigkeit kann zudem ausserhalb der neuen Lebensbereiche weitere Handlungfsähigkeit generieren, da sie „im subjektiven Erleben Relevanz für die Bewältigung, manchmal auch für die Gestaltung von Übergängen“ (Stauber 2004: 53) bekommt.

Selbstinszenierung und Zugehörigkeit

In einer Zeit, in der die Bedeutung von Familie und Nachbarschaft abnimmt, in der sich Klassen- und Schichtstrukturen auflösen muss das Bedürfnis nach Zughörigkeit anderweitig befriedigt werden. So sind Selbstinszenierungen immer auch ein Bezug auf andere, auf Gruppen und Lebensstile. Die Übernahme von Merkmalen einer Gruppe führt zu Kontakten, lässt Freundschaften entstehen und motiviert zu gemeinsamen Aktivitäten.

Auf diese Weise generieren Selbstinszenierungen auch Zugehörigkeit (Stauber 2004: 54).

Selbstinszenierung und Sinn

Wenn es gilt, aus immer mehr Lebensgestaltungsoptionen eine passende auszuwählen, wenn die Zukunftsaussichten gleichzeitig immer unsicherer werden und die Gefahr eines Scheiterns immer grösser, dann werden Sinnfragen immer wichtiger: Einerseits kann deren Beantwortung Voraussetzung sein für einen Entscheid zwischen verschiedenen Lebensgestaltungsoptionen, andererseits kann Unsicherheit und Perspektivlosigkeit dazu führen, dass in Frage gestellt wird, ob es sich überhaupt noch lohnt, sich für etwas einzusetzen im Leben.

Auch hier stellen Selbstinszenierungen einen Ausweg dar: die Bezugnahme auf einen bestimmten Lebensstil oder ein bestimmte (jugendkulturelle) Gruppe kann eine Handlung mit Sinn aufladen, die ohne diese Bezugnahme kaum als sinnvoll empfunden würde. Stauber nennt hier als Beispiel das Jobben in einem angesagten Szeneladen zur Überbrückung von Wartezeiten auf einen Studien.....

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3         Selbstinszenierungen und HipHop

3.1          Stil, Authentizität, Battles und Selbstinszenierung

Im HipHop dreht sich alles um ‚Stil’, oder – wie es die HipHopper selber formulieren – um ‚style’. Jeder HipHopper ist aufgefordert seinen eigenen ‚style’ zu entwickeln. Ein guter Style ist Voraussetzung dafür, in der HipHop-Gemeinschaft Anerkennung zu erlangen. Damit ein Style für gut befunden wird, muss er sowohl innovativ als auch individuell sein (Menrath 2001: 71).

Innovation entsteht dabei auf der Ebene des einzelnen Künstlers. Die Kreativität der einzelnen Akteure ist treibende Kraft dahinter (Menrath 2001: 73). Damit ist auch die Individualität sichergestellt. Wer also zu Innovationen fähig ist, hat einen guten Style bereits auf sicher. Damit aber mit diesem Style auch die Anerkennung (‚respect’) der anderen Gruppenmitglieder erworben wird, muss der Künstler ständig aktiv bleiben, muss seinen Stil aufrechterhalten und das heisst nicht nur, seine Fähigkeiten (‚skills’) zu konservieren, sondern ständig weiterzuentwickeln.

Respekt zu erlangen ist letztlich zentral, denn die Anerkennung der anderen Gruppenmitglieder ist „Bedingung und Träger der eigenen Persönlichkeit im HipHop“ (Menrath 2001: 75). Einen eigenen Stil zu erlangen und – fast noch wichtiger – diesen auch zu präsentieren ist im HipHop also von zentraler Bedeutung. Die Präsentation eines eigenen Stils ist aber nichts anderes als eine „bewusste Selbstinszenierung“ (Menrath 2001: 71).

Selbstinszenierungen sind im HipHop somit nicht nur eine implizite Notwendigkeit, sondern eine Handlungsaufforderung in aller Deutlichkeit, die keiner umgehen kann, will er in der HipHop-Gemeinschaft ernst genommen werden.

Die Bedeutung von Inszenierungen und Selbstinszenierungen im HipHop streichen auch Klein/Friedrich (2003) hervor. Sie gehen aus vom Konzept der Authentizität (oder ‚realness’), welches wie ‚style’ ein zentrales Qualitätskriterium im HipHop darstellt. Um Respekt zu erlangen muss ein HipHop-Akteur nicht nur einen guten Stil haben, er muss auch Authentizität rüberbringen.

Es geht dabei weniger darum, dass alles, was er vorgibt zu sein, auch der Realität entspricht, dass alles, was er erzählt auch wahr ist. Der Punkt ist vielmehr der: „Real ist das, was glaubhaft in Szene gesetzt wird.“ (Klein/Friedrich 2003: 9). Der Bezug zu Selbstinszenierung ist offensichtlich: „Real-Sein ist insbesondere deshalb so wichtig und auch so brisant, weil die kulturelle Praxis des HipHop auf einer Vielzahl von Inszenierungspraktiken aufbaut.

Ob in Videoclips, bei Szene-Events, im Jugendheim oder auf der Strasse – im HipHop spielen die Akteure sich gegenseitig was vor. Die Forderungen nach Authentizität und Selbst-Inszenierung gehen Hand in Hand.“ (Kl.....

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Die Folge davon war ein rasanter Zerfall der sozialen und ökonomischen Ordnung in den Schwarzenvierteln, der Ende der 60er Jahre seinen Anfang nahm (Cox 2001). Die South Bronx war dabei ein besonderes Notstandsgebiet: Die Situation war so verheerend, dass sogar der Vergleich zum Zustand Deutscher Städte nach dem zweiten Weltkrieg gezogen wird (Cox 2005). Ein ehemaliger Stadtplaner der Bronx beschreibt die Situation folgendermassen: „Es war schlimm. [ .] [Es blieben nur noch jene Bewohner], die nicht flüchten konnten.

Die Geschäftsinhaber und Hausbesitzer ließen Brände legen, um die Versicherungssumme zu kassieren. Tausende Gebäude, ganze Blocks brannten ab. Überall gab es offenen Drogenhandel, Vandalismus und Gewaltkriminalität. Und die Stadtverwaltung war korrupt. Bis in die Spitze. Fast alle hatten das Viertel aufgegeben.“ (Maass 2006). Aus dem Gesagten wird deutlich: Die South Bronx war zu Beginn der 70er Jahre eine städtische Wüste der Armut, der Gewalt und der Kriminalität.

Und die Situation ihrer Bewohner (insbesondere der Jugendlichen) war ziemlich aussichtslos: „Die einzige Möglichkeit des wirtschaftlichen Aufstiegs [bestand] im Abstieg in die Kriminalität“ (Mann 2003: 144). Ganz generell galt: Das einzige, was noch Halt und Strukturen (auch über wirtschaftliche Aspekte hinaus) versprach, waren die zahlreichen Jugendgangs, die in der South Bronx das Sagen hatten.

Mitte der 70er Jahre lösten sich dann viele dieser Gangs auf (Nelson 2006: 37). Gleichzeitig sind die kulturellen Ausdrucksformen des HipHop entstanden: Das DJ-ing, der Rap, der Breakdance und das Graffiti. Die Akteure begannen sich schon bald in Gemeinschaften zu organisieren und führten so die vier Kunstformen zu einer Jugendkultur zusammen. Die erste dieser Gemeinschaften war die Zulu Nation von HipHop-Gründervater Africa Bambaataa.

Die Zulu Nation war als „positiver Gegenpol zur, besonders Anfangs der 70er Jahre grassierenden, Ganggewalt“ (Krekow/Steiner/Taupitz 2003: 560) gedacht. Gemeinschaften wie die Zulu Nation hatten raschen Zulauf: acht Jahre nach ihrer Gründung zählte alleine die Zulu Nation in New York 40'000 Mitglieder (Krekow/Steiner/Taupitz 2003: 13).

Die Erklärungen für diese rasche Ausbreitung des HipHop auf die ganze Bronx und darüber hinaus und für die Begeisterung, mit der die neue Jugendkultur von den jugendlichen Bewohnern aufgenommen wurde, lauten oft folgendermassen: einerseits sei durch den Zerfall der Jugendgangs in den 70er Jahren eine Lücke entstanden, die durch die HipHop-Aktivitäten aufgefüllt wurde (Nelson 2006: 37).

Andererseits hätten die HipHopper auch aktiv das Ende der Gangs eingeleitet, da sie „die Sinnlosigkeit der permanenten Gewalt als erste begriffen und umzulenken versuchten.“ (Farin 1998: 46). Diese oft in nicht ausgearbeiteter Form daherkommenden Erklärungsversuche lassen sich aus der Perspektive des Selbstinszenierungs-Konzepts klar fassen: In der South Bronx der 70er Jahre ist für die jugendlichen Bewohner aufgrund der beschriebenen Umstände die Handlungsfähigkeit noch einiges mehr eingeschränkt, soziale Zugehörigkeit noch deutlich schwieriger herzustellen, und Sinn viel schwerer zu finden als für den ‚Durchschnittsjugendlichen’ einer individualisierten, post.....

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