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Arthur Schnitzler Fräulein Else: Analyse und Interpretation
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German studies

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Karl-Franzens-Universität Graz - KFU

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Interpretation – Fräulein Else - Arthur Schnitzler. Else im Buch zeigt eine sehr instabile Persönlichkeit, sie ist unschlüssig und widersprüchlich­. Was vor allem zum Schluss bemerkbar wird, als sie einerseits sagt, sie will sterben aber andererseits dann wieder doch nicht. Sie scheint selbstverliebt zu sein und sagt oft wie schön sie ist. Dies ist ein Indiz auf die Zeit in der das Buch geschrieben wurde. „Fräulein Else“ ist ein Werk des Ästhetizismus, der Wiener Moderne. Der Ästhetizismus setzt hohen Wert auf alles was schön ist.…
Reigen von Arthur Schnitzler Interpretation und Autorenprofil Liebesgeschicht­en sind in der Literatur oft zu finden. Egal ob in der Epik oder in der Lyrik, oder in der Dramatik ist dieses Thema oft vertreten. Doch die Rezeption einer solchen Geschichte ist immer unterschiedlich­. So wurde das Stück „Reigen“ von Arthur Schnitzler schlecht aufgenommen, es wurde sogar verboten. Das Stück entstand 1897, wurde allerdings erst 1920 uraufgeführt. Der Grund dafür ist, dass die Szenen für die damalige Zeit zu erotisch waren. Ursprünglich…

Arthur Schnitzler: Fräulein Else

Inhalt

1. Einführung. 2

1. 1 Hintergrund. 3

1.2 Inhalt und Form 3

1.3 Schnitzler und Freud. 5

2. Der Konflikt 6

3. Individuelle Konfliktlösung. 7

3.1 Rebellion. 7

3.2 Halbschlafbilder 8

3.3 Narzissmus. 9
3.4 Resignation. 10
4. Gesellschaftskritische Momente. 11
4.1 Materialismus und Arroganz. 12
4.2. Das Prinzip der Versorgungs- oder Vernunftehe. 14
4.3 Mangelnder Zusammenhalt in der Familie. 15
4.4 Erdrückende Konventionen. 17

5. „Fazit“: Elses Widersprüchlichkeiten. 18

5.1 Bürgerliche Existenz vs. femme fatale. 19

5.2 Suizidgedanken vs. Lebensfreude. 20

5.3 Vater retten vs. Vater fallen lassen. 21

6. Der mehrdeutige Schluss der Novelle. 22

Verwendete Literatur 23


1. Einführung


„Ja ich glaube, im Grunde Ihres Wesens sind Sie ein psychologischer Tiefenforscher, so ehrlich unparteiisch und unerschrocken wie nur je einer war, […]“[1] 


Diese Worte erreichten Arthur Schnitzler am 14. Mai 1922 anlässlich seines  sechzigsten Geburtstags. Sie stammen von niemand geringerem als dem von ihm geschätzten und weithin berühmten Psychoanalytiker Sigmund Freud. Sie zeugen von einer Hochachtung und einem Respekt vor einem Mann der als promovierter Mediziner und praktizierender Arzt zwar unweigerlich präzise Kenntnisse vom Körper und der Psyche des Menschen haben musste, als Literat aber trotzdem erstaunlich tiefe Einblicke in die Psyche seiner Protagonisten gibt.

Schnitzlers Monolognovelle Fräulein Else besticht dadurch, dass sie sowohl  psychologische Charakterdarstellung als auch gesellschaftskritische Studie ist und dem Leser gleichzeitig die Konfliktlösung der jungen Heldin als auch Kritik an der Wiener Gesellschaft um die Jahrhundertwende präsentiert.     


1. 1 Hintergrund

Als Fräulein Else im Oktober 1924 zunächst in der Neuen Rundschau und dann als Buch veröffentlicht wird, ist Arthur Schnitzler bereits 62 Jahre alt. Zeitgenössische wie spätere Leser haben sich oft die Frage gestellt, wie es einem Mann im fortgeschrittenen Alter gelingen kann, so tief in das Seelenleben einer 19jährigen einzudringen.

Somit wurde und wird oft versucht, seine Biographie zu durchforsten um Personen und Fakten aufzuspüren welche ihn bei seiner Arbeit an Fräulein Else inspiriert und beeinflusst haben. Ein wichtiger Bezugspunkt dabei ist seine Familie: Schnitzlers einzige Tochter Lili leidet, verstärkt noch durch die Scheidung ihrer Eltern, unter Labilität und psychischen Verstimmungen und muss wegen ihres  Essverhaltens kurzzeitig in einem Sanatorium untergebracht werden.

Schnitzler selbst stellt als Diagnose eine leichte Form von hebephrener Schizophrenie und macht sich Sorgen. 1928, noch keine zwanzig Jahre alt, wird Lili sich das Leben nehmen. Für ihren Vater, der sich ohnehin Vorwürfe macht weil er weiß, dass die schwierige familiäre Lage seiner Tochter schwer zusetzt, ist das ein Schock. Ein weiteres Frauenschicksal welches Schnitzler beschäftigt ist das seiner Bekannten Else Singer.

Sie erzählt Schnitzler von ihrem Selbstmordversuch.[2] Darüber hinaus gibt es noch die Annahme, dass auch Stephi Bachrachs Suizid Schnitzler beeinflusst hat. Schnitzler, gefangen in seiner unglücklichen Ehe zu Olga, soll in die junge Stephi sehr verliebt gewesen sein. Fest steht, dass Else und Stephi Parallelen aufweisen: aufgewachsen in einer wohlhabenden Familie, plötzliche große Finanzsorgen des Vaters, Selbstmord in jungen Jahren durch Veronal.[3] 

Der Autor selbst scheint die Versuche seiner Mitmenschen, Gemeinsamkeiten zwischen Realität und Fiktion herzustellen, nicht gern gesehen zu haben. Er hielt dazu fest: „Selbstverständlich wird man Züge des ‚Fräulein Else’ bei manchen Wesen wieder finden, die man gekannt hat, und ich selbst könnte mehr als ein weibliches Geschöpf nennen, von dem ich für die Figur der ‚Else’ zum Teil bewußt, zum Teil unbewußt, Züge geborgt habe.“[4]

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1.3 Schnitzler und Freud

Schnitzler wird gemeinhin als literarisches Pendant zu seinem Zeitgenossen Freud gesehen. Die beiden eint ihr ehrgeiziges Interesse an den psychologischen Vorgängen im Inneren des Menschen und Schnitzler setzte sich ausgiebig mit Freuds Traumdeutung und seinen Schriften zur Psychoanalyse auseinander.

Nach Freud sind Träume unterdrückte und zensierte Triebwünsche welche sich eben nur im Schlaf, in der Äußerung des Traumes, melden dürfen. Der Traum dient als Ersatzhandlung dafür, dass der Wunsch des Träumenden, meist sexueller Natur, in Wirklichkeit nicht erfüllt wird.[6]

Dass Schnitzler und Freud nicht nur im Briefkontakt stehen sondern sich auch privat treffen und  austauschen geht unter anderem aus einem Brief Schnitzlers an seinen Sohn Heinrich am 19.08.1922 hervor.

„Und neulich war ich auf dem Salzberg bei Freud, wo ich […] zu Mittag aß, mich aber nachher mit F. allein auf seiner von Nordwinden umstrichenen Veranda über alles psychologische hinaus, unterhielt, […]“[7]

Dabei teilen sie wichtige Grundannahmen wie die Ansicht, dass im Menschen wesentlich mehr Kräfte walten als die die er bewusst wahrnimmt oder die von der Polarität von Liebe und Tod (Eros und Thanatos). Kritisch allerdings sieht Schnitzler Freuds Meinung, dass der Mensch ein determiniertes Wesen sei.  Darüber hinaus kann Schnitzler die Ansichten zum Ödipuskomplex, dem Kastrationskomplex und dem Todestrieb als Gegenstück  zum Lebenstrieb nicht oder nicht vollständig nachvollziehen.

Ein weiterer Punkt der die beiden trennt ist der, dass Traumsymbole bei Freud häufig erotische Deutungen erfahren, diesen Auslegungen steht Schnitzler kritisch gegenüber.[8]

An seine Tochter Lili schreibt er am 29.10.1927:  „Ich denke du hast eine neuere Ausgabe der Traumdeutung gelesen; - ich vor bald 30 Jahren die allererste; - damals hatt’ ich (und habe heute noch) manche Bedenken (womit ich Freuds Größe nicht anzuzweifeln gedenke. -)“[9] 

Freuds Begeisterung für die Gemeinsamkeiten zwischen ihm und dem Literaten spricht deutlich aus folgenden Zeilen eines Briefes an Schnitzler vom 14. Mai 1922.

    “[…] Ihr Ergriffensein von den Wahrheiten des Unbewußten, von der Triebnatur des Menschen, Ihre Zersetzung der kulturell-konventionellen Sicherheiten, das Haften Ihrer Gedanken an der Polarität von Lieben und Sterben, das alles berührte mich mit einer unglaublichen Vertrautheit.“ [10]


Schnitzler übernimmt nicht einfach Freuds Gedanken von einem Es, einem Ich und einem Über-Ich, er erweitert diese Theorie und spricht von Halbbewusstsein, Mittelbewusstsein und einem flukturierenden Zwischenland das zwischen bewusst Wahrgenommenem und allem Unbewussten läge.[11]


2. Der Konflikt

Die Probleme die in Fräulein Else behandelt werden sind die der Erpressung und des Zwangs. Elses Eltern nutzen das Abhängigkeitsverhältnis und die emotionale Bindung die zwischen ihnen und ihrer Tochter herrscht. Indem sie Else darlegen, dass der Vater sich aufgrund der erlittenen Schmach und aus Angst vor dem Gefängnis umbringen würde schaffen sie es, die junge Frau emotional zu erpressen.

Dass Dorsdays Angebot Else, die ja ständig in exhibitionistischen Phantasien schwelgt, in eine tiefe Krise stürzt verwundert zunächst. Er möchte sie eine Viertelstunde lang nackt betrachten können, entweder in seinem Hotelzimmer oder auf einer Lichtung im nahe gelegenen Wald.  Warum sträubt sich Else so sehr? Der Grund ist der, dass sie selbst bestimmt handeln will und sich eben in der Rolle der Kontrollierenden gefällt.  Dass sie in ihrer Phantasie nackt auf dem Balkon steht oder sich unbekleidet auf den Stufen vor ihrer Luxusvilla räkelt und jederzeit von fremden Männern betrachtet werden kann,  passt in dieses Bild der autonomen, unabhängigen Frau, die ihre Attraktivität und Erotik n.....

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Ihre Überlegungen, dass sie doch Fremdsprachen beherrsche und Klavier spielen könne wirken etwas trotzig, genau wie ihr Ausruf „Wer darf sagen, daß ich nichts gelernt habe?“[20].  Es entsteht der Eindruck, Else wolle vermitteln, dass ihr diese Fertigkeiten für ein unbekümmertes Leben in Wohlstand sehr wohl ausgereicht hätten.

Der Betrug  ihres Vaters bringt sie schließlich auf den Gedanken, dass sie doch einen Beruf hätte lernen sollen.[21] Später, als sie allein auf einer Parkbank sitzt und aus einem verwirrenden Tagtraum erwacht ist, findet sie deutliche Worte:

„Ihr wart es, könnt ich sagen, Ihr habt mich dazu gemacht, Ihr alle seid Schuld, daß ich so geworden bin, nicht nur Papa und Mama […] weil sich ja niemand um einen kümmert.“[22]

Else weiß, dass ihr Dilemma  auf die Unehrlichkeit ihres Vaters zurückgeht und kritisiert die Heuchelei und Oberflächlichkeit ihrer Familie.

   „Ein bißchen Zärtlichkeit wenn man hübsch aussieht und ein bißl Besorgtheit, wenn man Fieber hat,… und im Sommer geht man aufs Land und am Geburtstag kriegt man Geschenke und bei Tisch reden sie über allerlei. Aber was in mir vorgeht und in mir wühlt und Angst hat, habt ihr euch darum je gekümmert?“[23]

 


3.2 Halbschlafbilder

Else gelingt es, wenigstens für kurze Zeit, der Realität mit all ihrer Heuchelei und der vordergründigen Moral zu entschwinden. Dann verliert sie sich in Tagträumen und Halbschlafbildern. Es sind diese Halbschlafbilder die das ausdrücken, was die Sprache nicht zu vermitteln vermag und die das Unerhörte nicht unerhört lassen.

Sie sind „[…] Ein Sehen, das in paradoxer Weise das Unfaßliche Gestalt werden läßt.“[24] Direkt bevor der Brief ihrer Eltern sie erreicht und ihr das Ausmaß der drohenden Katastrophe bewusst wird, phantasiert sie ihren eigenen Tod. Sie reimt sich eine Zeitungsannonce zusammen die darlegt, wie sie aus dem Fenster gestürzt ist. Else scheint schon zu diesem Zeitpunkt Gefallen an der Vorstellung ihres eigenen Todes zu haben und genießt es, für sich und ohne darüber sprechen zu müssen, verschiedene Szenarien auszugestalten.  Zunächst, sie hat den Brief gerade gelesen, flammt Hoffnung auf und Else entwirft in ihrer Phantasie das Bild eines glücklichen Ausgangs: sie bittet Dorsday freundlich um die Summe und er gewährt sie ihr.

Aber nachdem sie tatsächlich mit Dorsday gesprochen hat und weiß, was dieser von ihr verlangt,  erlebt sie einen intensiven Tagtraum auf einer Bank am Waldesrand, in der Nähe des Hotels. Sie hat Visionen von der Verarmung ihrer Mutter und ihr selbst („Wir haben ja kein Geld. Keiner leiht uns was.“[25]) und vom Tod bzw. .....

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In ihrem Tagtraum verleiht sie ihrem Zwiespalt Ausdruck mit dem Wunsch: „Aber ich verkaufe mich nicht. Ein Luder will ich sein, aber nicht eine Dirne.“[29] Sie weiß um die Ausweglosigkeit ihrer Situation und macht klar, dass sie ihre Rettung im Tod sieht. Im Laufe der Ereignisse erlebt Else Bilder von ihrer Entblößung, ihrem Selbstmord und ihren Liebhabern.

Die Krise um die Erhöhung der Geldsumme verstärkt ihre Tendenz zum Erleben von Tagträumen in denen die gesellschaftlichen Konventionen doch bestehen bleiben und die allesamt um die Themen Erotik und Tod kreisen. Abschließend bleibt festzustellen, dass Elses Flucht in Halbschlafbilder und Tagträume verdeutlicht, wie sehr sie an ihrem Konflikt verzweifelt.



3.3 Narzissmus

Elses Selbstverliebtheit geht soweit, dass sie  in ihrem Hotelzimmer nackt vor dem Spiegel umherwandelt, sich zahlreiche Komplimente macht, mit ihrem Spiegelbild flirtet und es liebevoll berührt. Schmeicheleien und Schwärmereien über ihre „edle Stirn“[30] und ihre „schöne Figur“[31] wechseln sich ab mit der Überlegung wie gut es ihr doch stünde, abgenommen zu haben.

An ihre Phantasien von verschmähten Liebhaber die sich ins Meer stürzen schließt sie die rhetorische Frage: „Wozu habe ich denn meine herrlichen Schultern und meine schönen schlanken Beine?“[32]

Einmal spricht sie sich selbst an („Guten Abend, Fräulein Else, so gefallen sie mir.“[33]), ein anderes Mal spricht sie die Natur an, so als erwartete sie, dass diese miteinstimmt in ihren Lobgesang über sich selbst:[34] „Schön, schön bin ich! Schau mich an, Nacht! Berge schaut mich an! Himmel schau mich an wie schön ich bin.“[35]

Noch während sie sich im Zimmer befindet, aber doch kurz bevor sie ihren Hysterieanfall erleidet und sich auszieht, kann sie ihren exhibitionistischen Akt kaum erwarten: „Herunter das Kleid. Wer wird der erste sein? Wirst du es sein, Vetter Paul? [ .]Wirst du diese schönen Brüste küssen heute Nacht? […] Ah, wie bin ich schön […] Nackt, ganz nackt. Wie wird mich Cissy beneiden!“[36]

In seiner 1914 publizierten Arbeit  Zur Einführung des Narzißmus bezeichnet Freud den Narzissmus als  „libidinöse[n] Strebungen […] die nicht auf Objekte, sondern aufs Ich gerichtet sind.“[37],  „eine[r] aufs Ich zentrierte[n] Libido“.[38]  

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Er definiert sich nicht als Individuum sondern als Soldat und Leutnant, dies bringt ihn dazu nach einer erlittenen Beleidigung den Entschluss zum Selbstmord zu fassen.

In Fräulein Else fällt die Kritik anders aus. Statt sich auf einen Teilbereich der Gesellschaft zu konzentrieren, beleuchtet Schnitzler verschiedene Aspekte der Gesellschaft seiner Zeit. Er kritisiert das Streben nach Wohlstand,  die rein vordergründige Moral, die Heuchelei und Rücksichtslosigkeit der Wiener Gesellschaft um die Jahrhundertwende.

Dabei legt er auch Wert darauf, den fehlenden Zusammenhalt in der Familie anzuprangern. Zum besseren Verständnis ist es lohnenswert, Schnitzlers Aussagen zum Charakter des Menschen zu betrachten. Denn die  Kritik die er an seiner Zeit und seinen Zeitgenossen übt ist unerbittlich. So ist er folgender Meinung: „Die Auffassung von der ursprünglichen Güte des Menschen ist durchaus sentimental, daher unfruchtbar, wenn nicht gar gefährlich.“[42] Eine andere, ebenso unversöhnliche und äußerst pessimistische Aussage zum Thema zwischenmenschlicher Güte lautet:

    „Die meisten Wohltaten werden aus Gründen der Eitelkeit, aus Gewissensbedenken und aus mehr oder minder bewußter Angst erwiesen; am seltensten sind die Wohltaten, die ohne weiteren Umweg aus dem Herzen kommen. Aber selbst diese üben wir mehr in unserem eigenen Interesse als in dem der andern, denn sie bedeuten nichts anderes, als vorläufige Abzahlung auf eine ungeheuere Schuld, die völlig abzutragen wir niemals imstande waren.“[43]


Dass  gesellschaftskritische Momente in Schnitzlers Werk grundsätzlich zu finden sind könnte  darauf zurückzuführen sein, dass er großen Wert darauf legt, das Individuum in seinen Beziehungen und Bezügen zu anderen Menschen zu sehen. Ohne die Gesellschaft zu betrachten, zu sehen, wie welche Gruppen von Menschen aufgebaut sind und was das für den einzelnen bedeutet, macht es nach Schnitzler auch keinen Sinn eine Einzelperson zu charakterisieren.

     „Menschen kennen bedeutet noch wenig, das Wesentliche ist, in menschliche Beziehungen hineinzuschauen. Auch diese heucheln, verstellen, verschließen sich bis zur Undurchdringlichkeit. Und du kennst auch den einzelnen erst ganz, wenn du ihn in seinen vielfältigen Beziehungen zu sehen vermagst.“[44]


Bei Schnitzlers Aphorismen über die menschliche Natur fällt auf, dass Begriffe wie Verantwortung und Pflichtbewusstsein eine ebenso große Wichtigkeit haben wie etwa Individualität und Selbst.  Er vertritt die Auffassung, dass ein Handeln zum Wohl der Gesellschaft dem Einzelnen Befriedigung und eine Art von En.....

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Elses Überlegung, dass sie eventuell mehr als Sympathien für Fred empfände, wenn er eleganter wäre schließt mit der Feststellung   „Ich bin ja doch ein Snob“.[52] 

Mit dieser simplen Schlussfolgerung bekennt sie sich dazu, genau dieser Welt des schönen Scheins anzugehören. Else ist sich ihrer Arroganz also durchaus bewusst. Schnitzlers selbst hat seine Haltung gegenüber dieser Charaktereigenschaft im Buch der Sprüche und Bedenken unmissverständlich klar gemacht:

„Der Snobismus ist eine in unserer Zeit so verbreitete Erkrankung der Seele, dass man ihm fast einen epidemischen oder endemischen Charakter zusprechen und ihn nicht unzutreffend z. B. mit der Tuberkulose vergleichen kann“[53] Noch deutlicher wird er, wenn er dem Snob unterstellt sich selbst zu erniedrigen. „Der Snob ist ein Mensch, der scheinbare  Selbsterhöhung auf dem Weg tatsächlicher Selbsterniedrigung anstrebt.

Er ist im eigentlichen Sinne der Masochist der Gesellschaftsordnung.“[54] 

Ein eindeutig arrogantes Auftreten legt Dorsday an den Tag. Deutlich wird dies nicht  allein durch den Inhalt seines unmoralischen Angebots an die viel jüngere, unerfahrene und ihm ausgelieferte Else, sondern auch daran wie er es vorbringt. Er behauptet, Else hätte seine Ambitionen bemerken müssen. Damit rückt er seinen Wunsch, Else nackt zu sehen, in ein positiveres Licht und macht ihr indirekt den Vorwurf durch ihre Schönheit Schuld an seinem Verlangen zu sein. („Ja, Else, man ist eben nur ein Mann, und es ist nicht meine Schuld, daß sie so schön sind, Else[55]).  Sein gebildet anmutendes „Je vous désire.“[56] soll Else wohl besonders beeindrucken und sein daran anschließendes „Muß ich noch mehr sagen?“[57] beweist auch, wie sehr er sich in der Rolle des intellektuell höher Stehenden gefällt.

Als ob diese Aussagen noch nicht überzeugend genug wären fügt er hohle Phrasen wie „man soll niemals eine Garantie für einen anderen Menschen übernehmen, - nicht einmal für sich selbst.[58] und „daß alles auf der Welt seinen Preis hat.[59] noch ein. Else findet diese Art zu sprechen unpassend und fühlt sich an Bücher erinnert.

Dorsday aber genießt es sich eines Vokabulars zu bedienen das an romantische Dichter erinnert, wenn er zu Else sagt, er wolle „eine Viertelstunde dastehen dürfen in Andacht vor Ihrer Schönheit.“[60] und “das Sternenlicht wird Sie herrlich kleiden[61]. Er verfällt dann sofort wieder in einen bestimmenden, überheblichen Ton wenn  er, Else hat ihn gerade angespuckt, anordnet: „Nach dem Diner werden Sie mir gütlichst ihre Entscheidung kundtun.“[62]

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