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Analyse der Kurzgeschichte Die Bestie von Bertolt Brecht
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German studies

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Karl-Franzens-Universität Graz - KFU

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Analyse der Kurzgeschichte
„Die Bestie“ von Bertolt Brecht


Studienarbeit

Karl-Franzens Universität Graz

Inhalt

1.          Die Kurzgeschichte „Die Bestie“ 3

1.1.      Entstehungsgeschichte. 3

1.2.      Einordnung in Brechts Gesamtwerk. 7

2.          Analyse der Kurzgeschichte. 10

3.          Fragen an den Text 16

3.1.      Wie ist das Verhältnis zwischen realer Vorlage und dichterischer Fiktion? 16

3.2.      Warum verzichtet Brecht auf den Akt des Wiedererkennens? 17

3.3.      Wie vermittelt der Autor den Begriff Bestie in seinem Werk und wie wird die Bestie dargestellt? 18

3.4.      Welche Bedeutung hat der Apfel? 22

3.5.      Warum werden die Darstellungen des richtigen Generals nicht filmisch festgehalten? 24

3.6.      Warum wird der General stets als „der Ähnliche“ bezeichnet? 25

3.7.      In wie weit ist der Einfluss von Brechts Theater- und Filmtheorie erkennbar? 26

4.          Bert Brecht – Biografie. 27

5.          Was kritisiert Brecht in seiner Kurzerzählung? 30

5.1.      Kritik am aristotelischen Theater als Verkörperung des Illusionstheaters 30

5.2.      Kritik am Umgang mit der Darstellung der Wirklichkeit 31

5.3.      Kritik an der kollektiven Vorstellung von Bestialität 32

6.          Quellenangaben. 34

 

1.   Die Kurzgeschichte „Die Bestie“

1.1. Entstehungsgeschichte

Brecht interessierte sich schon recht früh für das Medium Film und verfasste auch Drehbücher für einige Stummfilme. Folglich war er mit dem Entstehungsprozess auch vertraut. Es gibt Quellen, die darauf verweisen, dass Brecht engen Kontakt zur sowjetischen Filmindustrie hatte. Am 22. Juni 1928 erschien in der „Frankfurter Zeitung“ folgender Beitrag mit dem Titel „Ein Wiedererkennen“: „Die russische Filmgesellschaft Moszroprom-Ruß-Film drehte vor kurzem den Film „Der weiße Adler“, die die Pogrome in Südrussland vor dem Krieg darstellt und die Haltung der damaligen Polizei brandmarkt.

Für die Rolle des berüchtigten Gouverneurs Muratow, der als Urheber dieser Metzeleien gilt, war der Moskauer Schauspieler Kochalow gewonnen worden. Kurz vor der ersten Aufnahme verzichtete jedoch die Filmregie auf seine Mitwirkung, da die Rolle von einem neu entdeckten Darsteller gemimt werden sollte, der dem Gouverneur täuschend ähnlich sah und der für ein geringes Entgelt sich der Gesellschaft verpflichten wollte.

In der Uniform eines kaiserlichen Gouverneurs betrat der allen unbekannte Darsteller den Aufnahmeraum und man war gerade dabei die Szene zu drehen, in der Muratow die Deputation der Israeliten empfing, die ihn beschwor, dem weiteren Morden Einhalt zu gebieten. Unter den Komparsen befanden sich zwei jüdische Einwohner der Stadt, die s. Zt. Mitglieder der genannten Deputation gewesen waren.

Man hatte die Greise engagiert, um die Aufnahmen noch naturgetreuer und charakteristischer zu gestalten. Plötzlich ertönte ein markerschütternder Schrei. Die beiden Juden hatten in der Person des neuen Schauspielers den wirklichen Muratow erkannt, der aus Not die Rolle seines eigenen „Ich“ übernommen hatte, um auf der Leinwand sein früheres Tun wiederzugeben.

Brecht nahm dies zur Vorlage für seine kurze Zeit später verfasste Kurzgeschichte. Anlass dafür war ein Preisausschreiben der „Berliner Illustrirten Zeitung“, an dem Brecht teilnahm. „Die kurze Novelle, die ein Thema in knappster, lebendigster Fassung zusammendrängt und in packender Steigerung ein Geschehnis spannend und bannend darstellt, ist eine Form der erzählenden Prosa, die wie wenig andere typischer Ausdrucke unserer Zeit ist.

Fremde Autoren sind in Novellen aus der Großstadt und aus der Weite der Welt mit Konzentration und diesem Tempo vorausgegangen, während die deutsche Kurzgeschichte erst im Begriff ist, sich ihren Platz im Schrifttum zu erwerben.“ Ziel war es, die deutsche Kurzprosa zu fördern und deutsche Autoren und Autorinnen zu motivieren, etwaige Defizite in dieser Gattung, in Bezug auf Thema und formalen Ausführungen, zu überwinden und dadurch neue Impulse für die deutsche Literatur auszusenden.

Dabei muss angemerkt werden, dass gerade in dieser Zeit kurze Geschichten oder Fortsetzungsromane in diversen Zeitungen oder Zeitschriften bei der Leserschaft sehr beliebt waren.

Bertold Brecht gewann mit „Die Bestie“ den ersten Preis und wurde dafür mit 3.000 Mark belohnt. Die Publikation in der „Berliner Illustrirten Zeitung“ am 9. Dezember 1928 wird meist als Erstveröffentlichung zitiert. Erst 1930 veröffentlichte man die Kurzgeschichte im Verlag Felix Bloch unter dem Titel .....[read full text]

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„Der Regiestab stand auf und fing an, auf Kochalow, der zugesehen hatte, einzureden. Alle sprachen gleichzeitig.“

Diese beiden Sätze verlagern die Aufmerksamkeit der Leserinnen auf den Regiestab. (Beim Film würde diese Kameraeinstellung „Totale“ heißen, da eine größere Gruppe bildhaft zu erfassen ist und somit die Kamera aus der Distanz aufnehmen muss.) Deren Reaktion wird genau geschildert und es folgt eine kurze Überleitung – etwa vergleichbar mit einer Überblendung beim Film oder erläuternden Kommentaren aus dem Off:

„Gruppen bildeten sich, das Wesen der Bestie wurde erörtert.“

Als nächstes „schwenkt“ die Erzählung zum laienhaften Hauptdarsteller über:

„Auf dem historischen Stuhl des Generals Muratow, [ .], saß vergessen der «Ähnliche», gequält vor sich hinstarrend, trotzdem horchte er. Er verfolgte anscheinend genau die Gespräche. Er bemühte sich, die Situation zu erfassen.“

Nun wird ausführlich auf die Reaktion des Darstellers fokussiert. Im Filmjargon würde man jetzt von einer Nahaufnahme sprechen, da die Haltung und auch das Verhalten genau beschrieben werden. Als nächstes wandert das Hauptaugenmerk auf eine Gruppe, bestehend aus den beiden Juden:

„Auch die Darsteller der jüdischen Deputation

beteiligten sich an der Erörterung.“

Die Kurzweiligkeit dieser „Halbtotalen“ lässt schon vermuten, dass die jüdischen Darsteller weniger zur Wahrheitsgetreue des Films beisteuern dürfen als sie könnten. Dennoch folgt eine längere Sequenz, in denen diese im Mittelpunkt stehen:

„Eine Zeitlang hörte man auf zwei Komparsen, alte jüdischeEinwohner der Stadt, die seinerzeit Mitglieder dergenannten Deputation gewesen waren.

 Man hattedie Greise engagiert, um die Aufnahmenoch naturgetreuer und charakteristischer zu gestalten.“

Beim Lesen dieser Textpassage hat man das Gefühl, dass die Wichtigkeit der beiden Darsteller sich von Wort zu Wort reduziert – ähnlich eines „Rauszoomens“ von einem kleinen Bildteil auf einen größeren Bildausschnitt. Auch die folgenden Zeilen unterstützen diesen Eindruck:

„Sie fanden merkwürdiger Weise, dass das allererste Spiel des «Ähnlichen» nicht schlecht gewesen sei.

Sie könnten nicht sagen, wie es auf andere, Unbeteiligte, wirke, aber auf sie habe seinerzeit gerade das Gewohnheitsmäßige und Bürokratische einen entsetzlichen Eindruck gemacht.“

Langsam entzieht sich der Fokus den beiden Darsteller und die folgenden Sätze sind schon wieder allgemeinerer Natur – beim Film würde der Zoom jetzt wieder in Richtung Totale gehen:

„Diese Haltung hatte der «Ähnliche» ziemlich naturgetreu wiedergegeben. [ .] Der Hilfsregisseur lehnte das ab, .“

Im Filmjargon würde diese Dreier-Konstellation als Halbtotale bezeichnet werden. Dem folgt wieder eine „Nahaufnahme“ auf den Hilfsregisseur, der die Kompetenz der jüdischen Berater in Frage stellt und sie auch deren mindere Wichtigkeit für die Filmproduktion spüren lässt:


„«Muratow hat immer Äpfel gegessen»,  sagte er schneidend.

«Waren Sie überhaupt dabei?»“

Diese Textpassage ist ein Paradebeispiel für das montageartige Spielen mit der Sprache beziehungsweise mit dem Textaufbau in Brechts Novelle. Sie vermittelt sehr gut das Filmartige in „Die Bestie“.

Mit Sicherheit wurde der Autor durch den damals äußerst populären Stummfilm inspiriert, schließlich war dieser gerade an seinem Zenith angelangt und die Stars und Sternchen der Filmbranche füllten seitenweise das neue Massenmedium Zeitung und so fanden die laufenden Bilder immenses Interesse in der Bevölkerung.[5] In wie weit Brecht nun das Medium Film in den Mittelpunkt seiner Kurzgeschichte stellte beziehungsweise ob er dieses auch kritisieren wollte, wird noch in weitere.....

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Brecht steht im 20. Jahrhundert allerdings ziemlich alleine mit der Kombination von Erziehung und Unterhaltung im künstlerischen Bereich dar, da diese Tradition von anderen Strömungen unterminiert wurde.



2.3. Erzähler

Der auktoriale Erzähler schildert seine Eindrücke der Handlung aus einer Außenperspektive, allerdings lässt er den/die RezipientIn im Unklaren, wie viel er wirklich weiß und spielt mit seinem Wissensstand. Als LeserIn ist man unschlüssig, in wie weit man den Ausführungen vertrauen kann, da immer ein Teil der Aussagen interpretierbar bleibt beziehungsweise nicht eindeutig ist.

Der Erzähler spielt mit dem Spekulativen – dazu bedient er sich hypothetischer Adverbien, wie zum Beispiel „vielleicht“ oder „anscheinend“, und andeutungsvollen Verben, wie zum Beispiel „scheinen“:

„Die Regieanweisung hat der «Ähnliche» anscheinend vergessen.“

„Die Äpfel schienen Eindruck auf ihn zu machen.“

Des Weiteren steht der Erzähler dem Ganzen distanziert gegenüber und kommentiert das Geschehen aus der Entfernung:

„Der «Ähnliche» stellte sich nicht ungeschickt an. Er machte alles, was man ihm sagte, er machte es nicht einmal schlecht.“

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Erzähler tendenziell allwissend auftritt und sich unterschiedlicher Stilmittel bedient. Er zeigt Tendenzen zur (Selbst-)Ironie und zu Euphemismen, damit spielt er mit den RezipientInnen und möchte sie zum aktiven Lesen anstiften und macht dadurch ein mehrmaliges beziehungsweise ein multiperspektives Lesen der Kurzgeschichte unabdingbar.



3.   Fragen an den Text

3.1. Wie ist das Verhältnis zwischen realer Vorlage und dichterischer Fiktion?

Brecht fand die Vorlage der Kurzgeschichte in einer Zeitungsnotiz. Allerdings hat er diese nicht eins zu eins übernommen, sondern der realen Geschichte die Pointe entzogen. Zwar wurde auch in der Wirklichkeit ein Film über die Pogrome in Südrussland (Mitte der 1880er bis in die 1890er unter den Zaren Alexander II. und Nikolaus II.) gedreht, doch verzichtete die Regie auf den russische Hauptdarsteller Kochalow noch vor den ersten Aufnahmen, da ein weitaus „ähnlicherer“ Darsteller gefunden worden war, der noch dazu viel weniger Salär verlangte – dies war der ech.....

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Somit gelangt die/der RezipientIn in die Situation mehr zu wissen als die Beteiligten und zwingt sie somit noch tiefer in die Handlung einzutauchen und darüber hinaus wird ein aktiveres Lesen provoziert.



3.3. Wie vermittelt der Autor den Begriff Bestie in seinem Werk und wie wird die Bestie dargestellt?

Brecht lässt die Bestie in verschiedenen Darstellungsweisen auftreten. Man kann von drei unterschiedlichen schauspielerischen Variationen sprechen.

Zunächst gibt Muratow den Gouverneur nach seinen eigenen Vorstellungen beziehungsweise seinen eigenen Erinnerungen nach. Das heißt, Muratow wiederholt sein damaliges Handeln nochmals. Hier spricht man von einer authentischen Darstellung des Geschehen, da ja eigentlich alles wahrheitsgetreu geschauspielert wird. Der „Ähnliche“ agiert im Rahmen des eigenen Ermessens und Empfindens.

Er schlüpft in die Rolle des Kleinbürgers, der sich keine Schuld aufladen möchte und es auch aus Kurzsichtigkeit heraus nicht kann. Muratow sieht seine Rolle als Scherge für etwas Größeres, eines Systems, dem er nur Folge leisten kann und als kleiner Untergebener – als „Schreibtischtäter“ – nur Befehle ausführt – ohne sich selbst dabei schmutzig zu machen.

Insofern sieht er selbst kein Blut an seinen Händen, da er ja nur Befehlsübermittler und kein ausführendes Organ in der Todesmaschinerie der Pogrome war. Seine Darstellung fügt sich der Vorstellung des kleinen Beamten: Muratow spielt ohne große Gesten, ohne direkte Grausamkeit; die Szene könnte sich fast in jedem x-beliebigen Büro abspielen. Seine „Unschuld“ unterstreicht Muratows Frage nach den Hi.....

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Die wahrheitsnahe Darstellung interessiert ihn nicht.

Was folgt, ist die psychologische Interpretation einer Bestie. Muratow wird noch mit Äpfeln versorgt, weil ja der echte General immer Äpfel gegessen hat, und das ganze Spiel beginnt von vorne. Der Regisseur orientiert sich mit seinen Anweisungen an den Publikumserwartungen, die er erfüllt wissen will. Er ermuntert seinen Darsteller zu einer verstärkten Charakterisierung und dieser fügt sich und versucht, die Vorgaben durch kantiges Auftreten und noch mehr Gleichgültigkeit der gesamten Szenerie und noch offensichtlicherer Herabwürdigung der jüdischen Deputation gegenüber Folge zu leisten:

„Schultern zurück, Brust heraus, eckige Kopfbewegungen.“

Muratow versucht dem Militärischen durch seine Körperhaltung Ausdruck zu verleihen.

„Überfliegt von der Tür aus mit einem Geierblick die sich tief verneigenden Juden.

[ .] Er sucht die Theaternachrichten unterm Strich. Schlägt mit der Hand leicht den Takt zu einem Schlager. (Eröffnet das Verhör.)“

Der „Ähnliche“ offenbart sein Desinteresse und lässt die Abneigung der Bestie der Deputation gegenüber alleine durch seinen Blick erahnen. Durch diese Gleichgültigkeit wird die herzlose Haltung des Generals spürbar. Die Missbilligung der Juden gegenüber werden noch durch eine abfällige Geste des „Ähnlichen“ unterstrichen:

„Indem er die Juden mit einer gemeinen Bewegungdes Handrückens drei Meter zurückweist.“

Die Szenerie lässt die Leserschaft schon ein wenig erschaudern, weil gerade diese stumpfe Teilnahmslosigkeit am Schicksal der Juden das Grausame erst erlebbar macht – gerade weil das Kollektiv sich von einer Bestie ein solches oder zumindest ähnliches Verhalten erwartet. Für Brecht ist aber die Publikumserwartung beziehungsweise die Erfüllung dieser zu wenig – die Wechselwirkung von Erwartung und Erfüllung ist ein typisches Merkmal des bürgerlichen Theaters – und auch dem Regisseur erscheint diese Darstellung noch nicht glaubhaft genug:

„Sie werden’s nicht begreifen. Was Sie da machen, dasgeht nicht. [ .] Das ist ga.....

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Als Reaktion auf Muratows Ausführungen ist nur pures Entsetzen des Filmteams zu vernehmen. Er hat mit seinem Vorschlag die Vorstellungen des Grausamen jedes Teammitglieds übertroffen. Die Geste, die dem „Ähnlichen“ vorschwebt, übersteigt die Grenze des Erfassbaren und verleiht der Szenerie ein Unmenge an unmenschlicher Offenbarung; während der Endpunkt für die betroffenen Juden durch das Todesurteil gesetzt wird, entgegnet der Gouverneur der Deputation mit „Freundlichkeit“.

Damit hat niemand gerechnet – auch die/der LeserIn nicht - das Bestialische wird gerade in Kleinigkeiten beängstigend evident – eine simple Handlung, die der Bestie ein fast schon perverses Profil verleiht.

Gerade das Aufzeigen von Unmenschlichem im Kleinen ist eine Spezialität von Brecht. Er lässt seine Leserschaft am Prozess der „Bestien-Werdung“ teilhaben und übertrifft die kühnsten Erwartungen der RezipientInnen.

Ein wichtiges Detail, das sehr schnell überlesen werden kann, ist das Faktum, dass während der Darstellungen von Muratow eigentlich keine filmische Aktivität stattgefunden hat. Näheres wird im Folgenden erklärt.

3.4. Welche Bedeutung hat der Apfel?

Die Darstellung der Bestie in der dritten Variante beinhaltet einen sehr hohen Grad von inhumaner Grausamkeit – umgesetzt und verbildlicht in Form der Apfelschenkung. Einerseits begegnet der Gouverneur der Deputation mit totaler Ablehnung – schon erkennbar an Blick und Körperhaltung, andererseits überreicht er ein Geschenk – den Apfel. Die Weitergabe des Obstes wäre im normalen Fall ein Akt der Freundschaft beziehungsweise ein Bekundung von Sympathie oder eine gütige Geste.

Doch da dies im Angesicht der Todesurteilsunterzeichnung geschieht, ist es ein Sinnbild von Erniedrigung für die jüdische Deputation. Der Gouverneur bringt damit seine eindeutige Überlegenheit zum Ausdruck und zeigt seine „freundliche Seite“ und erwartet sich daraus resultierende Dankbarkeit. Damit stellt sich die Bestie in ein gutes Licht – obgleich der todesbringenden Handlung.[12]

Des Weiteren muss angemerkt werden, dass der Gouverneur in Wirklichkeit keine Äpfel gegessen hat – zumindest nicht dauernd, so wie es vom Hilfs.....

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