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Analyse und Interpretation des Buches  Der Junge im gestreiften Pyjama von John Boyne: Und Beurteilung lektürebegleitender Unterrichtsmaterialien - Einsatzmöglichkeiten des Romans im Unterricht
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Bachelor thesis
German studies

University, School

Ludwig-Maximilians-Universität München - LMU

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Universität zu Köln - Philosophische Fakultät Institut für Deutsche Sprache und Literatur II Titel der Veranstaltung: Analyse und Interpretation von aktueller Kinder- und Jugendliteratur Analyse und Interpretation des Buches: Der Junge im gestreiften Pyjama von John Boyne Inhaltsverzeich­nis­: 1. Einleitung 2. Sprachliche und stilistische Besonderheiten des Romans 3. Charakterisieru­ng ausgewählter Romanfiguren 3.1 Charakterisieru­n­g der Romanfigur Bruno 3.2 Charakterisieru­n­g der Romanfigur Schmuel…
In „Aus-Wisch“ angekommen, ist er sehr unglücklich. Das neue Haus gefällt ihm nicht und er ist sehr einsam weil er dort keine Spielkameraden hat. Auch die Soldaten, die im Haus ein- und ausgehen, machen ihm Angst. Eines Tages sieht er aus seinem Fenster ein riesiges Gelände, umgeben von einem hohen Zaun, hinter dem viele Menschen − ausschließlich Männer − sind, und die in seinen Augen alle gestreifte Pyjamas tragen. Er kann sich darauf keinen Reim machen und erhält von den Erwachsenen keine befriedigende Antwort auf seine Fragen. Bruno…

Analyse und Interpretation des Buches „Der Junge im gestreiften Pyjama“ von John Boyne

und Beurteilung lektürebegleitender Unterrichtsmaterialien

Einsatzmöglichkeiten des
Romans im Unterricht


Studienarbeit Universität München


Inhalt

Einleitung  4

A)          Analyse des Romans. 6

1.           Handlung und Autor. 6

2.           Sprachliche und stilistische Besonderheiten  des Romans. 13

3.           Sachanalyse des Romans für den Deutschunterricht. 15

4.           Charakterisierung ausgewählter Romanfiguren. 19

5.           Didaktische Eignung. 27

B) Der Roman im Deutschunterricht. 31

6.           Einsatzmöglichkeiten des Romans im Unterricht. 31

7.           Beispiel: Unterrichtsverlaufsplanung: Die Vaterfigur - Mensch oder Monstrum?  36

C) Angebotene Unterrichtsmaterialien. 49

8.           Die Analyse von Unterrichtsmaterialien. 49

9.           Einsatz verschiedener Formen von lektürebegleitenden Materialien für den Deutschunterricht  52

9.1.       Allgemeine Übersicht zu den Angeboten verschiedener Verlage. 52

9.2.       Chancen und Grenzen des Einsatzes dieser  Materialien. 58

10.         Analyse ausgewählter Begleitmaterialien. 61

10.1.     Literaturkartei Plus: Verlag an der Ruhr. 61

10.2.     EinFach Deutsch: Schöningh Verlag. 84

10.3.     Lehrerheft zum Roman des Krapp und  Gutknecht Verlags. 100

11.         Didaktische Anregungen für Auswahl und Einsatz lektürebegleitender Materialien im Deutschunterricht an Hauptschulen. 119

D) Anhang. 126

12.         Literaturverzeichnis. 126

 

Einleitung

Der Roman „Der Junge im gestreiften Pyjama“ wurde 2006 von dem irischen Autor John Boyne verfasst und handelt von einer ungewöhnlichen Freundschaft zweier Jungen in Auschwitz zur Zeit des Zweiten Weltkrieges im Zeitraum von 1942 bis 1943. Diese Freundschaft ist deshalb so besonders, da Bruno der Sohn eines deutschen Kommandanten und Schmuel ein polnischer Jude ist.

Beide leben auf der jeweils anderen Seite des Zaunes, der das Konzentrationslager in Auschwitz umgibt.

Außerdem thematisiert der Roman das Zusammenleben von Brunos Familie. Einer Familie die zu wenig miteinander kommuniziert, sich untereinander kaum austauscht und in den entscheidenden Situationen wegsieht. Sie steht quasi stellvertretend für einen Großteil der damaligen deutschen Gesellschaft. Dieser Roman zeigt drastisch auf, welche dramatischen Folgen dieses Schweigen nach sich ziehen kann.

Diese ungewöhnliche Geschichte, in deren Zentrum die außergewöhnliche Freundschaft von Bruno und Schmuel steht, hat bereits die Aufmerksamkeit vieler Leserinnen und Leser auf sich gezogen. Egal ob man dieses Buch mag oder nicht; ob man es für glaubwürdig erachtet oder nicht; ob man Bruno die kindliche Naivität und seine Unwissenheit abnimmt oder auch nicht, in jedem Fall regt der Roman die Leserinnen und Leser zum Nachdenken an.

Doch der Roman von John Boyne zeichnet sich nicht allein durch seinen ungewöhnlichen Inhalt aus.

Das Interesse der Leserinnen und Leser wird nicht allein durch die Handlung geweckt, sondern vor allem durch die bislang noch recht ungewohnte Erzählperspektive, denn die Handlung des Romans wird zum Großteil aus der Perspektive Brunos beschrieben. Diesen Aspekt und einige weitere wichtige und auffällige sprachliche und stilistische Besonderheiten möchte ich deshalb in meiner Hausarbeit darstellen.

Dabei werde ich deren mögliche Funktionen und Wirkungsweisen berücksichtigen.

Anschließend werde ich die beiden aufeinander bezogenen Romanfiguren Bruno und Schmuel charakterisieren. Ich habe mich für diese beiden Figuren entschieden, da ihre Freundschaft im Zentrum des Romans steht und eben diese beiden Jungen auf ihre Art und Weise genauso ungewöhnlich und einzigartig sind wie ihre Freundschaft. Die Charakterisierung der Figuren wird ihre Funktion darstellen, sowohl in Bezug auf den Text, als auch auf den Leser.

Da sich meiner Meinung nach der Roman sehr gut dazu eignet als Klassenlektüre im Unterricht eingesetzt und gelesen zu werden, werde ich in dieser Arbeit auch kurz einige denkbare Anregungen und Einsatzm.....[read full text]

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Aus der Unterhaltung mit Schmuel erfährt Bruno vieles von dessen Leben, nur kann er es nicht verstehen.

Eines Tages, nach etwa einem Jahr, beschließt Brunos Mutter, die in ihrem neuen Zuhause auch sehr unglücklich ist, mit den Kindern zurück nach Berlin zu gehen. Zum gleichen Zeitpunkt erzählt Schmuel Bruno, dass er seinen Vater innerhalb des Lagers nicht mehr finden kann und Bruno bietet seinem Freund an, ihm bei Suche zu helfen. Schmuel bringt Bruno einen gestreiften Anzug mit und dieser schlüpft dann verkleidet unter dem Zaun durch.

Die beiden Jungen durchsuchen vergeblich das Lager und Bruno bekommt Angst. Plötzlich werden die Menschen innerhalb des Lagers zusammengetrieben und in eine enge Kammer gesperrt. Als Brunos Eltern sein Verschwinden bemerken, machen sie sich auf die Suche nach ihm, finden jedoch nur seine Kleider am Zaun.

Im Klappentext wird bewusst nichts von der Handlung erzählt: „Normalerweise geben wir an dieser Stelle ein paar Hinweise auf den Inhalt, aber bei diesem Buch – so glauben wir – ist es besser, wenn man vorher nicht weiß, worum es geht.“ Ebenfalls ungewöhnlich ist, dass der Autor sich am Ende des Romans zu Wort meldet: „Dies ist das Ende der Geschichte von Bruno und seiner Familie.

Natürlich geschah dies alles vor langer Zeit, und etwas Ähnliches könnte nie wieder passieren. Nicht in diesen Tagen. Nicht in diesem Zeitalter.“[2] Boyne untertitelt sein Werk als Fabel, weil in der Geschichte eine Moral enthalten ist: „[…] a work of fiction with a moral in the centre.“[3]


1.3.     Inhalt und eigene Meinung

John Boyne erzählt die Geschichte des neunjährigen Jungen Bruno, der zusammen mit seiner drei Jahre älteren Schwester Gretel und seinen Eltern in Berlin lebt. Bis zu dem Tag im Jahr 1943, als sein Vater, der eine hohe Anstellung bei den Nazis hat, vom Führer eine andere Aufgabe zugeteilt bekommt: Er wird oberster Kommandant im Konzentrationslager in Auschwitz.

Für Bruno bricht eine Welt zusammen, als er Berlin, sein gewohntes Umfeld, seine Freunde und seine Großeltern verlassen und nach „Aus-Wisch“ ziehen muss. Ein Ort, der ihm von Anfang an nicht gefällt.

Weg von allen Freunden und allem Vertrauten, beginnt Bruno sich in dieser Einöde furchtbar zu langweilen. Außerdem gehen täglich Soldaten in seinem Haus ein und aus, was Bruno sehr stört. Er versteht auch nicht, was sich auf der anderen Seite des Zaunes, den er von seinem neuen Zimmer aus sehen kann, passiert. Ihm fällt nur auf, dass alle Menschen dort gleich gekleidet sind und gestreifte Anzüge tragen. Neugierig macht sich Bruno nun auf den Weg, sein neues Umfeld zu erforschen und wandert, trotz des ausdrücklichen Verbots, den Zaun entlang, bis er auf der anderen Seite einen Jungen entdeckt, der in seinem Alter ist und in einem gestreiften Anzug einfach nur dasitzt.

Die beiden Jungen freunden sich heimlich an.

Bruno besucht seinen neuen Freund, einen Juden, täglich. Stundenlang reden sie miteinander und erzählen sich Geschichten aus ihrem Leben. Bruno traut sich nicht, irgendjemandem von seinem neuen Freund zu erzählen, da er spürt, dass es besser ist, wenn niemand von dieser Freundschaft weiß. Er versteht auch nicht, warum sich sein Vater und die anderen Soldaten so ablehnend gegenüber den Juden verhalten und bekommt trotz mehrmaligem Hinterfragen keine zufriedenstellenden Antworten. Nach geraumer Zeit, Bruno hat sich endlich an sein neues Zuhause gewöhnt und fühlt sich wohl, da er einen Freund gefunden hat, beschließt die Mutter wieder zurück nach Berlin zu ziehen, da „Aus-Wisch“ kein Ort sei, an dem Kinder aufwachsen sollen.

Als Bruno sich von Schmuel verabschieden will, beschließen die beiden Jungen, ein einziges Mal auf der gleichen Zaunseite miteinander zu spielen. Zusammen wollen sie auch nach dem verschwundenen Vater von Schmuel suchen. Während sie erfolglos suchen, sind plötzlich Schüsse zu hören, Menschen werden zusammengetrieben und in eine du.....

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In vielen Romanen ist das Schicksal der jüdischen Bevölkerung, die Grausamkeit des Holocaust im Zweiten Weltkrieg und überhaupt das Dritte Reich ein Thema. Dieses Buch ist anders. Es hebt sich klar von den vielen anderen ab, da es die Geschehnisse der damaligen Zeit aus der naiven Erzählperspektive eines neunjährigen Jungen schildert, der nicht versteht, was dort vor sich geht.

Der nicht dazu in der Lage ist, die Vorkommnisse mit seinen kindlichen Augen so zu sehen, wie sie in Wirklichkeit sind.

Mit diesem Buch berührt John Boyne den jugendlichen Leser, und somit auch mich, ungemein und macht ihn gleichsam unheimlich betroffen.


1.4.     Das Buch im Vergleich zum realen
Konzentrationslager Auschwitz

In Roman ziehen Bruno und seine Familie neben ein Konzentrationslager, welches Bruno fälschlicherweise „Aus-Wisch“ nennt. Von seiner Schwester wird er deswegen oft verbessert. Im Buch wird der richtige Name, Auschwitz, aber nie genannt, da der Autor John Boyne das Lager Auschwitz nicht explizit meint, sondern die Umstände in allen Lagern zusammenfasst und beschreibt.

Schmuel und Bruno konnten sich in der Realität gar nicht unterhalten oder gar kennen lernen, da Wachposten entlang des Zaunes zu jeder Tages- und Nachtzeit positioniert waren und dieser fest im Boden verankert war, so dass man ihn nicht so einfach hätte anheben können, wie Bruno es getan hatte. Zudem war der Zaun unter Starkstrom gesetzt, deshalb „gingen“ auch viele Häftlinge aus Verzweiflung in ihn „hinein“ um an dem Stromschlag zu sterben.

Ein weiterer Unterschied ist, dass Schmuel behauptet, dass über hundert Jungen in „Aus-Wisch“ leben, allerdings wurden die meisten Kinder durch Phenolspritzen getötet, da sie nicht mehr beim Bau von Auschwitz-Birkenau gebraucht wurden. Dieser wurde nämlich schon 1943 beendet. Es gab nur einzelne Kinder im Lager die oft schwer krank waren und schnell starben, da sie durch ihren Wassermangel das verseuchte Trinkwasser zu sich nahmen, obwohl das verboten war. Demnach kann es in Auschwitz zu dem Zeitpunkt gar nicht so viele Kinder gegeben haben, es sei den Schmuel hätte sich in dem Buch verschätzt, was aber aufgrund seiner, für 9 Jahre schon sehr fortgeschrittenen Intelligenz, nicht denkbar ist.

Im vorletzten Kapitel des Buches werden Bruno und die Inhaftierten zu einem Marsch gezwungen und anschließend in eine Kammer gesperrt um vergast zu werden. Parallel dazu war dies auch eine der vielen Tötungsmethoden in Auschwitz, wobei sich die Todgeweihten aber meist .....

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Die Darstellung von Brunos Blickwinkel wird noch dadurch verstärkt, dass der Roman in einer einfachen und leicht verständlichen Sprache geschrieben ist, fast so als würde der Junge die Geschichte selbst aufschreiben. Die kindliche Naivität Brunos wird gut durch seine Sprache zum Ausdruck gebracht, indem er die Wörter „Furor“[4] und „Aus-Wisch“[5] immer falsch ausspricht und letztendlich seine Bedeutung nicht richtig einordnen kann.

Obwohl er in seiner Aussprache korrigiert wird, ändert er diese nicht und erfasst auch letzten Endes nicht ihre Bedeutung. Dies wird auch in der Umschreibung des Hitlergrußes deutlich, welchen er als normale Verabschiedungsfloskel auffasst: „>>Heil Hitler<<, sagte er, was, wie er annahm, eine andere Möglichkeit war zu sagen: Na dann, auf Wiedersehen und einen schönen Nachmittag.[6]

Im Roman ergeben sich auch immer wieder Situationen, welche für Bruno schwer oder nicht zu verstehen sind. Hier verwendet der Autor oft Umschreibungen bzw. gänzliche Auslassungen von Situationen, Zusammenhängen oder auch Beschimpfungen: „Was dann passierte, kam unerwartet und war äußerst unangenehm. Oberleutnant Kotler wurde sehr wütend auf Pavel, und keiner – nicht Bruno, nicht Gretel, nicht Mutter und auch nicht Vater – griff ein, um ihn von dem abzuhalten, was er als Nächstes tat, auch wenn niemand dabei zusehen mochte.

Auch wenn es Bruno zum Weinen brachte und Gretel erbleichen ließ.[7]

Trotz dieses Stilmittels bleiben die Geschehnisse des Romans für den Leser verständlich, da er sie durch sein eigenes Wissen ergänzt und sich so der durchdringenden Atmosphäre nicht entziehen kann. Dementsprechend macht gerade das Unausgesprochene diesen Roman so eindringlich. Im Gegensatz hierzu steht die besondere Ausformulierung und genaue Beschreibung von Details, im Besonderen Orte, Aussehen und Persönlichkeiten werden im Roman hervorgehoben.

Auffällig ist hierbei, dass der Autor zahlreiche Zusatzinformationen für den Leser kenntlich macht, indem er diese schlicht in Klammern setzt,[8] wodurch die einzelnen Situationen besser veranschaulicht werden können.

Ein weiteres wichtiges Stilmittel des Romans sind wiederkehrende Floskeln und Wiederholungen, die dem Roman Struktur verleihen. Hauptsächlich sind hier fünf Wiederholungen hervorzuheben:

·         „ . denn wer er ehrlich mit sich war – und das versuchte er immer zu sein –,“[9].

·         Der Führer hat Großes mit dem Vater vor.[10]

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Zunächst ist der Roman vom Literarischen her leicht zu lesen, beinhaltet jedoch einige Erzähllücken, welche von der lesenden Instanz nur mit ausreichendem Hintergrundwissen zum Holocaust und zur Judenverfolgung gefüllt werden können. Der Rätselcharakter dieser Auslassungen sorgt für eine große Sogwirkung und Steigerung der Lesefreude, ähnlich dem Mittel ‚suspense‘ zur Spannungserzeugung aus der Filmwissenschaft.

Demnach ist ‚suspense‘ eine „emotionale Reaktion, die typischerweise aus akuter Besorgnis um beliebte Protagonisten entspringt, die durch unmittelbar erwartete Ereignisse bedroht werden, wobei diese Besorgnis aus einer hohen aber nicht vollständigen subjektiven Gewissheit über das Eintreten der erwarteten bedauernswerten Ereignisses erwächst“[17]. Das Buch greift jedoch nicht nur die Judenverfolgung und den Holocaust auf, sondern liefert daran anschließend weitere Themenfelder, die im Kern alle innermenschliche Barrieren und Grenzziehungen thematisieren und eine Auseinandersetzung mit moralischen Fragen fordern[18].

Besonders wertvoll sind hierbei die Möglichkeiten, welche der Roman zur Perspektivenübernahme eröffnet. Der kindliche Horizont des Protagonisten beschränkt die Bilder bei der Lektüre, also die Grausamkeiten des Holocaust auf ein zumutbares Maß, sodass die SchülerInnen die fremde Erfahrungsperspektive annehmen und ausfüllen können. Gleichzeitig werden die „Gründe und Folgen verschiedener Sichtweisen“[19] durch die tragische Konsequenz des letzten Kapitels, dem Tod des Protagonisten Bruno auf der „anderen“ Seite des Zauns, greifbar und diskutabel.

In diesem Kontext kann auch „die funktionale Bedeutung von Fremdheit, die in ihrer Außerordentlichkeit, Anomalität und Abweichung die Gewissheiten, Normalitäten und Selbstverständlichkeiten der Gruppe bestätigt“ [20], zur Diskussion gestellt und somit die Zuschreibung von Fremdsein als Chiffre von Macht enttarnt werden. Im Unterrichtsgespräch bietet sich die Möglichkeit anhand der Lektüre, einen Raum für die kritische Auseinandersetzung mit Sichtweisen und Lebensentscheidungen zu eröffnen[21] und dadurch auch den Symbolcharakter des Zauns zu entschlüsseln.

Als Kernelement des Textes tritt diese Symbolik der lesenden Instanz „mit Aufforderungscharakter entgegen“ [22], was insbesondere die letzten, scheinbar beruhigenden Sätze des Buches verdeutlichen. Die lesende Instanz wird implizit dazu angehalten, die „Aktualität des Beschriebenen“ [23] zu überprüfen, sich die Frage nach Grenzziehungen in der heutigen Zeit zu stellen und Vorurteile zu entlarven.

In diesem Spannungsfeld beansprucht auch das Thema der Freundschaft einen zentralen Stellenwert innerhalb der Lektüreeinheit. Die SchülerInnen haben sich bereits in der achten Klasse im Werte und Normen Unterricht mit Fragen von Moral und Ethik sowie der Entwicklung und Gestaltung der eigenen Identität im Kontext von Freundschaften auseinandergesetzt[24].

Die Gegenüberstellung der beiden Jungen, Bruno und Schmuel, sowie die Erörterung ihrer Freundschaft knüpft an dieses Vorwissen an und „bietet in besonderem Maße Gelegenheit zu Spannung in Konflikt und Bewährung, erlaubt es soziale und individuelle Gegensätze effektvoll zu inszenieren und moralische Botschaften zu übermitteln“ [25].

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Als der neunjährige Bruno in Auschwitz mit seiner Familie ankommt, ist er zunächst sehr unglücklich und gelangweilt. Außerdem vermisst er seine gewohnte Umgebung, den Lebensstandart, sowie die Großeltern und Freunde, die er in Berlin zurücklassen musste. Nach einiger Zeit entdeckt er aber sein Hobby zu forschen, dem er schon in Berlin leidenschaftlich nachgegangen ist, wieder.

Durch seine Nachforschungen möchte er herauszufinden, wer die vielen Menschen in den gestreiften Pyjamas hinter dem großen Zaun sind und was sie dort machen. Zudem versucht er zu ergründen welche Rolle in dem vorherrschenden System eigentlich seine Eltern, seine Schwester Gretel, Oberleutnant Kotler, das scheue Hausmädchen Maria, oder der Kellner Pavel, der eigentlich Arzt ist, spielen.

Während er forscht, entdeckt er eines Tages Schmuel und schließt mit ihm Freundschaft. Von diesem Tag an treffen sich die beiden Jungen fast täglich heimlich am großen Zaun, an der Stelle, an der das untere Zaunende etwas locker ist. An seinem letzten Tag in Auschwitz erfüllt sich Brunos lang gehegter Wunsch endlich einmal Schmuel auf seiner Seite des Zauns besuchen zu können.

Er erhofft sich dadurch das Geheimnis der Menschen im Pyjama lüften zu können und Schmuel dabei zu helfen seinen Vater dort wieder zu finden.

Bruno kann als eine dynamische Figur beschrieben werden, da er derjenige ist, welcher sich während dieser Geschichte am meisten verändert und weiterentwickelt. Diese Wandlung von einem naiven, unbekümmerten, neugierigen, ängstlichen Kind zu einem wissensdurstigen, nachdenkenden, mutigeren und selbst-bewussteren Jungen, verläuft zwar langsam und in kleinen Schritten, ist dem Alter und der Persönlichkeit der Figur aber angemessen.

Am besten wird diese Entwicklung deutlich, wenn man zwei Situationen miteinander vergleicht in denen Brunos Freundschaft zu Schmuel auf die Probe gestellt wird: Als Oberleutnant Kotler Bruno und Schmuel bei einer Unterhaltung im Haus des Kommandanten erwischt, stellt er sie zur Rede und bezichtigt Schmuel des Diebstahls. Schmuel der sich hilflos verteidigt, zählt auf die Hilfe von Bruno, wird aber enttäuscht, da dieser ihn aus Angst vor der wütenden, unberechenbaren Reaktion von Kotler verleugnet.[27] Zu einem späteren Zeitpunkt, als Schmuel aber ein weiteres Mal auf die Hilfe von Bruno angewiesen ist und ihn darum bittet ihn bei der Suche nach seinem Vater zu unterstützen, zeigt Bruno Mut und Stärke, trotz seiner eigenen Bedenken und Ängste, und hält sein Wort.[28]

Neben diesem Verrat an Schmuel durch den sich Bruno schuldig macht, trägt Bruno durch die Überwindung des Verlustes seines „Berliner Lebens“ und maßgeblich durch sein Begehren nach Informationen über die Menschen auf der anderen Zaunseite zur Dynamik der Handlung bei und treibt somit das Geschehen voran. Er ist quasi der Motor der Geschichte und bestimmt die dramaturg.....

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