III Zivilisation und Gewalt: Über das Staatsmonopol der
körperlichen Gewalt und seine Durchbrechungen
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I.
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Zivilisation: niemals beendet und immer gefährdet
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gefährdet: Sicherung zivilisierten Standards des Verhaltens und
Empfindens in Gesellschaft hängt an bestimmten Bedingungen:
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stabile Selbstzucht der Menschen
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spezifische Sozialstrukturen: Erhaltung des gewohnten
Lebensstandards, gewaltlose Bewältigung innerstaatlicher Konflikte,
gesellschaftliche Pazifizierung
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Dieser Abschnitt handelt von Spannung zwischen Pazifizierung
und Gewalt, besonders das deutsche Problem
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Anmerkung: Opposition Zivilisation – Gewalt schränkt Bedeutung
hier auf Gewaltlosigkeit ein; zu Zivilisation gehören aber auch
spezifische Durchformung von Individuen in Gruppen: Künste, Sportspiele, Reisen
und Wanderungen
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wenn man Problem der Gewalt im Zusammenleben stellt, dann oft
falsche Fragestellung: man fragt gewöhnlich, wie ist es möglich, dass Menschen
innerhalb einer Gesellschaft andere schlagen oder erschlagen, dass sie z.B.
TerroristInnen werden?
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Anmerkung: Elias GEGEN Theorie von Lorenz, dass angeborenes
Aggressivitätspotential. Seine These: Es ist nicht die Aggressivität, die
Konflikte, es sind Konflikte, die die Aggressivität auslösen!
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es haben noch nie so viele Menschen relativ friedlich miteinander
gelebt! Gewaltniveau war früher viel höher
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Schaffung dauerhaft befriedeter Räume hängt mit der Organisierung
des sozialen Lebens in Form von Staaten zusammen
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Max Weber: Problem: Staaten dadurch charakterisiert, dass
Regierende Monopol der physischen Gewalt
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→ staatliche Form des Zusammenlebens und Pazifizierung
selbst auf Gewalt gegründet
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Monopolisierung der Gewalt = sozialtechnische Erfindung des
Menschen
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selten von einem Menschen erdacht, sondern ungeplant kollektiv
entwickelt
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durch Polizei und Militär repräsentiert
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gefährliche Waffe (z.B. Diktaturen), aber auch notwendig für
innere Pazifizierung größerer Sozialverbände
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heute: Kontrolleure des Gewaltmonopols ihrerseits von
Repräsentanten der Gesellschaft kontrolliert
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individuelle Pazifizierung hängt eng mit wachsendener
Effektivität des staatlichen Gewaltmonopols zusammen →
Persönlichkeitsstrukturen stellen sich darauf ein: Abneigung, Gewalt zu
gebrauchen
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bis ins 19.Jhd: Männer schlugen Frauen, um Willen zu haben
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heute: weder Frauen noch Kinder schlagen: Pazifizierung im Staat
= Fremdzwänge hat sich in Selbstzwänge verwandelt
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Gespaltenheit der Zivilisation: innerstaatlicher Verkehr
Gewalttätigkeit bestraft, im zwischenstaatlichen gilt anderer Kanon
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diejenigen, die Gewalttaten gegen andere Staaten begehen, hoch
geschätzt
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im zwischenstaatlichen Bereich auf „niedrigerer“
Zivilisationsstufe, nicht weil von Natur böse oder angeborene Aggressivität,
sondern weil sich bestimmte soziale Einrichtungen herausgebildet haben, die
innerstaatlich regeln, aber keine solchen Einrichtungen zwischenstaatlich
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(Widersprüche Krieg – zurück in befriedete Gesellschaft schwer
für Soldaten)
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aber innerstaatliches Monopol nicht überall in gleichem Masse
entwickelt und es bleibt verletzlich: In Krisensituationen können staatliche
autorisierte Spezialisten der Gewalttaten in einen Kampf mit staatlich nicht
autorisierten Gruppen geraten:
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2.
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noch heute Erinnerung, dass Deutsches Reich lange Zeit schwacher
Staat war, Selbstbild gelitten, nach Einigung: Gefühl der Größe, hochmütig,
„Herrenvolk"
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deutsche Entwicklung und Gebrauch von Gewalt in D nur
verständlich, wenn man Linie der Entwicklung von Ds Stellung im
zwischenstaatlichen Gefüge kennt, innerstaatliche und zwischenstaatliche
Prozesse eng verwoben!
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Aufstieg Ds 1871 zu europäischer Großmacht auch innenpolitische
Folgen
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Erniedrigung kompensiert durch Selbstwerterhöhung als Deutsche,
Angehörige des neuen dt Kaiserreichs → Veränderung im Verhaltenskanon:
von Kulturtradition zum Kriegerethos
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aber Kanon verwandelt sich im Zuge der Aneignung: verbürgerlicht:
Adelskanon nur in bestimmter Auslese übernommen: von einem
traditionsgebundenen, wenig reflektierten Verhaltensmuster zu einer durch
Reflexion erhärteten Doktrin! → Lob der Macht, auch Gewalt in
Bürgertum
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kollektives Gedächtnis sozialer Gruppen: Wunsch nach
Einigung durch Gewalt → Hochstellung der Gewalt als Kernstück der
bürgerlichen Ideologie
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Gewalt für Adlige gewohntes Handwerk, aber für Bürgertum: Romantik
der Macht, Nietzsche gibt dieser Auffassung philosophische Fassung.
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[Anhang 1: Zum Ethos des willhelminischen Bürgertums
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Nietzsche Ausnahme, Ausdruck des Kriegerethos eher in
Alltagsdenken: Veränderungen des Wortgebrauchs, Unterhaltungsromane
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Bsp Roman „Hanseaten“ 1909 Rudolf Herzog: militärische Tradition
bestimmt Verhältnis Unternehmer Arbeiter
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Idealisierung der menschlichen Härte]
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versteckte Sehnsucht, wie Adlige zu werden
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im krassen Gegensatz zu den großen deutschen Idealisten Schiller,
Goethe, die mit Denkmodellen zuvor Bürgertum beeinflusst
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idealistischer Humanismus: Identifizierung Mensch und Mensch
<> bürgerlicher Wandel, Kriegerethos: reflektierte Betontheit zugunsten
einer ausschliesslich nationalen Identifizierung
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3.
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mit Bewusstsein, dass Krieg etwas Wunderbares, zogen 1914 viele
junge Deutsche in Krieg: Stimmung der Siegesgewissheit, Traum von der künftigen
Grösse Ds
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aber: mörderisch; von beiden Seiten geplanten Offensivkriege
annulieren sich gegenseitig → Stellungskrieg, mit Eintreten der USA in
Krieg verloren, Kaiser und Fürsten verlieren machts
· Niedergang des willhelminischen Establishments →
Zugang zu entscheidenenden Kommandopositionen für Vertreter der Arbeiterschaft
= aufsteigende Aussenseitergruppe
· für gute Gesellschaft: unerträgliche Verletzung des
Selbstwertgefühls, nicht bereit, diese Situation so hinzunehmen (innen und
aussenpolitische Grösse wiedererlangen), Arbeiter und Juden nicht zur dt
Gesellschaft zugehörig betrachtet
· [Anhang 2: Kriegsbejahende Literatur der Weimarer Republik
(Ernst Jünger)
· kriegsbejahende und kriegsverneinende Literatur
· bejahend: heroische Romantik, Begeisterung
· Ernst Jünger: „In Stahlgewittern“1922; Bloem: „Volk wider
Volk“
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