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Zimbardo Psychologie .doc

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Faculty
Social Science
Discipline
Psychology
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University, School
Schw. Gmünd
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Zusammenfassung

Zimbardo

 

Psychologie

 

 

Inhalt:

 

1. Gegenstand und Ziele.. 7

Merksatz Gegenstand der Psychologie: 7

Merksatz Ziele: 7

Merksatz Beschreiben (erstes Ziel): 7

Merksatz Erklären (zweites Ziel): 7

Intervenierende Variablen: 7

Theoretische Konstrukte. 8

Merksatz Vorhersagen (drittes Ziel): 8

Merksatz Verhalten kontrollieren (viertes Ziel): 8

Die Entstehung der modernen Psychologie.. 9

Merksatz Strukturalismus (Struktur des Bewusstseins): 9

Aktuelle theoretische Perspektiven.. 10

Merksatz Biologische Perspektive: 10

Merksatz Psychodynamische Perspektive. 10

Merksatz Behavioristische Perspektive: 11

Merksatz Kognitive Perspektive (heute dominierend) 11

Merksatz Humanistische Perspektive. 11

Merksatz Evolutionäre Perspektive. 12

5. Methoden psychologischer Forschung.. 12

Objektivität 12

Reliabilität 13

Validität (Gültigkeit) 14

Kausalität, Kovariation, Koinzidenz. 14

6. Datenerhebung und Versuchsplanung.. 15

Messung von Daten: 15

7. Datenanalyse.. 17

Deskriptive Statistik. 17

Inverenzstatistik. 18

5. Lernen und Gedächtnis. 20

Die Erforschung des Lernens. 20

Klassische Konditionierung (Pawlow) 20

Operantes Konditionieren; Lernen anhand von Konsequenzen.. 22

Das Gesetz des Effekts (Thorndike): 22

Kontingente Verstärkung/Verhaltenskontingenzen: 22

Neuere Ansätze zum Lernen.. 24

Lernen (neu definiert nach Lachman 1983) 24

Gedächtnis. 25

6. Kognitive Prozesse. 30

Wie lässt sich Kognition erforschen?. 30

Sprechen und Sprachverstehen.. 31

Sprachproduktion. 31

Adressatenspezifische Ausrichtung. 31

Sprachäußerungen und Sprechfehler. 32

Visuelle Kognition.. 33

Problemlösen und Schlussfolgern.. 33

Deduktives Schließen: 34

Induktives Schließen. 34

Urteilen und Entscheiden.. 34

7. Motivation. 36

Motivation (movere) 36

Instinktverhalten. 36

Triebtheorie. 36

Kognitive Theorien. 37

Humanistische Ansätze. 37

Sexualität. 37

Sexualität im Tierreich. 37

Sexualität des Menschen. 38

Sexuelle Erregung. 39

Homosexualität 39

Aggression und Gewalt. 39

Angeborene Aggression. 40

Physiologische Grundlagen der Aggression. 40

Frustrations- Aggressions- Hypothese. 41

Aggression als provozierte Bereitschaft 41

Sozial erlerntes aggressives Verhalten. 41

Dehumanisierung. 42

Leistungsmotivation.. 42

Die Attribution von Erfolg und Misserfolg. 43

Motivation im Berufsleben. 43

8. Emotion, Stress und Gesundheit 44

Emotion. 44

Physiologie der Emotionen. 44

Emotionstheorien.. 45

Die Funktion von Emotionen.. 46

Stress. 47

Physiologische Stressreaktion. 47

Psychologische Auswirkung von Stress. 48

Bewältigung (Coping) von Stress. 50

Gesundheitspsychologie.. 51

Essen Hungern und Diät: 52

9. Soziale Einflüsse und Prozesse. 53

Der Einfluss der sozialen Situation auf das Handeln. 53

Die Konstruktion der sozialen Realität. 57

Soziale Wahrnehmung. 57

Soziale Realität und Einstellungen. 58

Soziale Beziehungen.. 59

Vorurteile. 59

Interpersonale Anziehung (Attraktion) 60

10. Entwicklung. 62

Aufgaben, Methoden und Konzepte der Entwicklungspsychologie. 62

Erklärung von Entwicklungsprozessen. 63

Individuelle Genotypen und die Umwelt 63

Lebenslange Entwicklung : 64

Die psychosozialen Entwicklungsstufen nach Erikson.. 64

Kognitive Entwicklung in der Kindheit. 66

Kognitive Entwicklung nach Jean Piaget (1896–1980) 66

Neuere Ansätze zur kognitiven Entwicklung. 67

Kognitive Entwicklung im Jugend- und Erwachsenenalter.. 68

Kognitive Veränderungen im höheren Erwachsenenalter: 68

Spracherwerb.. 69

Grammatikerwerb. 69

Sozialisation und sozial-emotionale Entwicklung.. 70

Bindung (attachment) 70

Der Einfluss der elterlichen Erziehung. 70

Entwicklung im Jugendalter.. 71

Moralentwicklung.. 73

11. Persönlichkeit 75

Definition, Forschungsstrategien, Bedeutung und Theorien. 75

Typologien und Eigenschaftstheorien.. 77

Zu Vererbbarkeit und zu Vorhersagen von Persönlichkeitseigenschaften: 78

Dynamische Persönlichkeitstheorien: 79

Die Struktur der Persönlichkeit: 80

Verdrängung und Abwehr. 81

Humanistische Theorien.. 82

Kognitive und sozialkognitive Persönlichkeitstheorien. 83

Georg Kelleys Theorie der persönlichen Konstrukte. 83

Die sozialkognitive Persönlichkeitstheorie Walter MischeIs (Schüler von Kelly) 84

Die sozialkognitive Persönlichkeitstheorie Albert Banduras. 84

Theorien über das Selbst. 85

Die dynamischen Aspekte von Selbstkonzepten. 85

Selbstwertgefühl und Selbstdarstellung: 86

Persönlichkeitstheorien im Vergleich.. 86

12. Diagnostik und Intelligenzforschung. 87

Gütekriterien, Standardisierung und Normen. 87

Diagnostische Informationsquellen. 87

Intelligenz -Grundannahmen. 88

Zur Geschichte der Intelligenzmessung. 89

Kognitionspsychologische Intelligenzkonzepte. 90

Kreativität -Definition und Messung. 91

Gebrauch und Missbrauch des Intelligenzquotienten. 91

Persönlichkeitsdiagnostik.. 92

Objektive Tests. 92

Projektive Tests. 94

Politische und ethische Probleme der angewandten Diagnostik. 95

14. Klinische Psychologie: Therapien. 96

Therapieziele und Therapieformen. 96

Der Gang zum Therapeuten. 96

Psychoanalytische/psychodynamische Therapien.. 97

Die Psychoanalyse Sigmund Freuds. 97

Aktuelle psychodynamische Ansätze. 98

Verhaltenstherapien/Verhaltensmodifikation.. 98

Gegenkonditionierung. 98

Kontingenzmanagement 99

Therapien auf der Grundlage des sozialen Lernens. 101

Kognitive Therapien.. 102

Kognitive Verhaltensmodifikation. 102

Veränderung unangemessener Überzeugung. 102

Klientenzentrierte Therapie. 103

Gruppentherapien. 104

Paar- und Familientherapie. 104

Wirksamkeit von Therapie.. 105

Die Entwicklung neuer Therapien (für psychische und körperliche Störungen) 106

Präventionsstrategien: 106

15. Erziehungsstile und Erziehungsprozesse. 107

Pädagogische Psychologie. 107

Gegenstand und Ziel der Pädagogischen Psychologie. 107

Geschichte der Pädagogischen Psychologie. 108

Tätigkeitsfelder von Pädagogischen Psychologen. 108

Elterliche Erziehungsstile.. 109

Überlegenheit des autoritativen Erziehungsstils: 110

Internalisierung von Normen und Regeln. 111

Elterliche Erziehungspraktiken nach unerwünschtem Verhalten. 112

Aggression und Aggressivität. 113

Das Early-Starter-ModelI 113

Neue Themen der Pädagogischen Psychologie.. 114

 


I. Ziele, Ansätze und Methoden der modernen Psychologie

 

1. Gegenstand und Ziele

Merksatz Gegenstand der Psychologie:

Gegenstand der Psychologie sind Verhalten, Erleben und Bewusstsein des Menschen, deren Entwicklung über die Lebensspanne und deren innere (im Individuum angesiedelte) und äußere (in der Umwelt lokalisierte) Bedingungen und Ursachen.

Kritik: Handlung und Verhalten sollte getrennt werden.

Merksatz Ziele:

Die Ziele der Psychologie als Wissenschaft sind die Beschreibung, Erklärung und Vorhersage des Verhaltens. Weiter: Verhaltenskontrolle.  Für die anwendungsorientierte Forschung steht häufig die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen im Vordergrund.

Ziel der Psychologie: Suche nach konsistenten Beziehungen zwischen Reizen und Reaktion.

Merksatz Beschreiben (erstes Ziel):

Beschreibungen sind gesammelte Daten über das Verhalten (einschließlich Erleben und Bewusstsein) und die Bedingungen unter denen es auftritt.

Daten sind Berichte über Beobachtungen. (aber z.B.  keine Gefühle.)

Beschreibung auf       Makroebene:              allgemeinste Ebene (z.B. kulturelle Unterschiede)

                                   Molekulare Ebene:     feiner, z.B.: Augenbewegungen, Geschwindigkeit

                                   Mikroebene:               Gehirnströme, Hormone

Merksatz Erklären (zweites Ziel):

Von einer Erklärung wird dann gesprochen, wenn sich die Bedingungen oder sogar die Ursachen aufweisen lassen, die ein Phänomen hervorgebracht haben.

Eine Erklärung muss die Mechanismen, die bei einer "Reiz-Reaktion“ beteiligt sind (Verständnis!) beinhalten und sie muss die Differenzen zwischen Menschen beachten.

Intervenierende Variablen:

Intervenierende Variablen sind Merkmale oder Prozesse innerhalb der Person. Sie werden vom Forscher angenommen, um beobachtete Zusammenhänge zwischen Reizen und Reaktionen verständlich zu machen.

z.B.: Ausmaß der Angst

Theoretische Konstrukte

Theoretische Konstrukte werden herangezogen, um einem ganzen Netzwerk von beobachteten Sachverhalten und Merkmalen „einen Sinn zu verleihen“. Sie sind nicht nur in einzelnen Sachverhalten oder empirischen Beziehungen verankert.

Bedeutung eines Konstrukts (z.B. Intelligenz) ergibt sich aus dem Ort, den es innerhalb des Netzwerks von empirischen Beziehungen einnimmt.

Merksatz Vorhersagen (drittes Ziel):

Vorhersagen (Prognosen) sind Aussagen über die zukünftige Auftretenswahrscheinlichkeit von Ereignissen und Zusammenhängen. Dabei werden in der Vergangenheit gewonnene Informationen auf Situationen, die in der Zukunft liegen, angewandt.

Die „base rate“ (Grundrate) ist eine statistische Maßzahl über die beobachtete Auftretenswahrscheinlichkeit eines Phänomens in einer Gruppe.

Die Trefferquote bei Vorhersagen soll größer sein als die „base rate“.

Die Erklärung bezieht sich auf die Vergangenheit und fragt hauptsächlich nach dem „Warum“, die Vorhersage bezieht sich auf die Zukunft, wichtig ist eher „ob“ etwas geschehen wird.

Merksatz Verhalten kontrollieren (viertes Ziel):

Verhaltenskontrolle geht insofern über Vorhersage hinaus, als es in der Hand des Psychologen liegt, ob das Verhalten auftritt oder nicht. Kontrolle des Verhaltens schließt ein, es herbeizuführen oder auszulösen, es aufrechtzuerhalten oder zu beenden und seine Form, Stärke oder Auftretensrate zu beeinflussen.

Wichtig für die Verhaltenskontrolle ist  das Wissen über notwendige und hinreichende Bedingungen. In Afrika und Asien liegt das oberste Ziel der Psychologie meist im Verstehen des Menschen. Das amerikanisch - europäische Ziel, so kritisieren diese, sei einseitig akzentuiert, wobei die Eroberungsmentalität widergespiegelt werden würde, und sei männlich orientiert.

Psychologie soll (anwendungsorientiert) die Lebensqualität verbessern:

Entwicklungspsychologisch: z.B. gutes Familienklima fördert soziale Entwicklung der Kinder

Sozialpsychologisch: Gruppendynamik (selbständige Arbeit in Kleingruppen) fördert das Selbstbewusstsein.

Schwierigkeit beim Abgewöhnen des Rauchens: Rauchen befriedigt orale Bedürfnisse, macht Nikotinsüchtig und wird als cool, männlich und sexy empfunden Þ komplexes Problem!


Die Entstehung der modernen Psychologie

Hermann Ebinghaus (1908): Psychologie hat lange Vergangenheit aber kurze Geschichte.

Wilhelm Wundt gründete 1879 in Leipzig das erste Laboratorium der experimentellen Psychologie.

Hermann von Helmholz (Physiker) machte die ersten Untersuchungen zur Wahrnehmung und zum Nervensystem.

Gustav Fechner untersuchte wie physikalische Erregung in Sinnesempfindung übersetzt wird.

Alle drei waren Anhänger des Determinismus.

William James: „The Principles of Psychologie“ (1890)

Merksatz Strukturalismus (Struktur des Bewusstseins):

Der Strukturalismus basiert auf der Annahme, dass alle geistigen Erfahrungen, auch die komplexesten, als Kombination einfacher Ereignisse oder Elemente verstanden werden können; und er hatte zum Ziel, diese Aufbauprinzipien aufzudecken.

Vertreter: Titscher (USA, Schüler Wundts) Þ wandte Methode der Introspektion an.

Contra:

-          reduziert komplexe Bewusstseinserfahrungen auf einfache Sinneseindrücke (reduktionistisch)

-          elementaristisch; untersucht Verhalten und Bewusstsein nicht als Ganzes, sondern die elementaren Teile.

-          mentalistisch; beschränkt sich auf verbale Berichte über Inhalte des Geistes, die vom Bewusstsein erfasst werden. Þ Was ist bei psychisch Kranken?

Merksatz Funktionalismus (Gegenbewegung) :

Der Funktionalismus bezeichnet das Bewusstsein als fortwährendes Strömen: Eigenschaft des Geistes, der in ständiger Wechselwirkung mit seiner Umwelt steht.

Grundfrage: „Was ist die Funktion oder das Ziel dieses Verhaltens?“Þ zweckgerichtet

à Es werden auch Willen und Gefühle (Einzigartigkeit jedes Individuums), nicht nur Daten beachtet.

Vertreter: John Dewey, William James


Aktuelle theoretische Perspektiven

Theoretische Perspektiven/Voraussetzungen psychologischer Theorien:

Merksatz Biologische Perspektive:

Sucht Ursachen des Verhaltens im genetischen Programm, im Gehirn, im Nervensystem oder im endokrinen System. Psychische Prozesse werden durch zugrundeliegende organische Strukturen und biochemische Prozesse erklärt.

-          Menschliches Verhalten wird anhand physiologischer und biochemischer Prozesse erklärt.

-          Komplexe Phänomene können durch Reduktion auf kleinere spezifischere Phänomene auf niedrigerer Ebene erklärt werden (Reduktionismus)

-          Verhalten und Verhaltenspotential wird durch körperliche Strukturen (meist ererbt) bestimmt

-          Erfahrung verändert Verhalten, indem Strukturen modifiziert werden.

Neurowissenschaft untersucht auf der Mikroebene (Biologie, Chemie, Pharmakologie)

Merksatz Psychodynamische Perspektive

Verhalten ist durch ererbte, biologisch festgelegte Triebe oder andere „intrapsychische“ Kräfte motiviert. Menschliches Verhalten wird aus Trieben und den Versuchen, Konflikte zwischen den persönlichen Bedürfnissen des Individuums und der Forderung der Gesellschaft nach sozial angepasstem Verhalten zu lösen, gemacht. Handlung entsteht durch das Verspüren motivationaler Kräfte, sie ist das Produkt von Spannung. Ziel der Handlung ist Spannung abzubauen/zu reduzieren. Im psychodynamischen Konzept ist Motivation der Schlüsselbegriff. Deprivationszustände, psychologische Erregung, Konflikte und Frustrationen statten das Verhalten mit Energie aus. Der Organismus hört auf zu reagieren, wenn seine Bedürfnisse erfüllt und die Triebkräfte reduziert wurden.

Vertreter: Sigmund Freud (1900) Psychoanalytiker/Makroebene.

Psyche wird durch ererbte Prinzipien in Kombination mit Erlebnissen in der Kindheit vollständig determiniert. Freud war der erste, der die irrationale Seite des Menschen, dass Handlungen von Motiven, die nicht Bestandteil der bewussten Aufmerksamkeit sind bestimmt werden können, erkannte. Gewalt ist Ausdruck primitiver Triebe.Þ instinktgeleitet

Spätere Vertreter: Erik Erikson, Margret Mahler , H. Stack Sulvian, Alfred Adler, Carl G. Jung, Erich Fromm (1947), Karen Horney,

Merksatz Behavioristische Perspektive:

Behavioristen untersuchen die ABCs of psychology: (Stimulus –Response)

Molekulare Analyseebene: Verhalten ist vollständig durch Umweltbedingungen und äußere Erfahrungen determiniert. Verhalten wird z.B. anhand von Lernprinzipien untersucht. Menschen sind grundsätzlich weder gut noch böse. Vererbung spielt keine Rolle.

Es gibt generelle, artübergreifende Verhaltensprinzipien.Þ Tierversuche erklären danach auch den Menschen

Vertreter: John B. Watson (1900) übernimmt „Klassisches Konditionieren“ von Iwan Pawlow (russ. Physiologe). Gegenstand der Psychologie ist nur das Beobachtbare (overt), das mentale entzieht sich der Wissenschaft (Skinner; begründet Verhaltensanalyse).       

!strenge Forschungsmethodik! (Verhaltenstherapien)

(20er bis 60er Jahre in England, 60er-70er Paradigma in Deutschland)

Merksatz Kognitive Perspektive (heute dominierend)

Der Begriff der Kognition, der hier primärer Gegenstand ist, umfasst alle Prozesse und Strukturen, die traditionell mit dem Etikett „geistig“ versehen wurden, also etwa die Prozesse des Wahrnehmens, Schlussfolgerns, Erinnerns, Denkens, Problemlösens und Entscheidens und die Strukturen des Gedächtnisses, die Begriffe und die Einstellungen.

Der Mensch nimmt Informationen aus der Umwelt auf (Input) (distale Stimuli), reagiert darauf aber erst nach der Informationsverarbeitung (Prozess der Kognition) (proximaler Input). Menschen reagieren nicht auf die objektive Welt, sondern auf die subjektive, von ihnen konstruierte Interpretation der Welt.

Die kognitive Perspektive ist sowohl der Molekularen Ebene (z.B. Geschw. Von Sätzen) als auch der Makroebene (z.B. Erinnerung an Ereignisse) zuzuordnen.

Fragen, die gestellt werden: Wie interpretieren Menschen Reize aus der Umwelt?;

Wie entscheiden sie sich aufgrund von Erinnerungen und Erwartungen? ;

Wie können aktuelle Erlebnisse Erinnerungen verzerren?

Gedanken sind sowohl Ergebnis als auch Ursache von Handlungen. (kognitive Therapien)

Merksatz Humanistische Perspektive

(in der Persönlichkeits- und Klinischen Psychologie)

Menschen werden weder durch starke biologisch determinierte Triebe oder Instinktkräfte getrieben noch durch allgegenwärtige Umweltdeterminanten manipuliert. Sie sind aktive Wesen, von Natur aus gut und fähig, ihren eigenen Weg zu wählen. Sie streben nach dem Guten und nach der Verwirklichung ihrer Möglichkeiten, suchen nach Veränderungen, planen ihr Leben und geben ihm eine Struktur, um eine optimale Selbstverwirklichung zu erreichen.

 

Handeln wird nicht auf Elemente oder Subprozesse reduziert, sondern es wird versucht Muster in den Lebensgeschichten der Menschen zu sehen. (Makroebene)

Der Ansatz geht von der „subjektiven Welt“ aus, zerlegt die inneren Prozesse aber nicht (wie beim kognitiven), sondern untersucht wie diese zu neuen Einsichten und Orientierungen führen.           Soll Menschen helfen ein reicheres Leben zu führen Þ Selbsterfahrungsgruppen Vertreter: Carl Rogers, Rollo May, Abraham Maslow, Charlotte Bühler

Merksatz Evolutionäre Perspektive

Der lange Evolutionsprozess ist Grundlage zur Erklärung menschlichen Verhaltens. Formen der psychischen Anpassung, die im Laufe der Menschheitsgeschichte entstanden sind, können moralisch nicht als gut oder böse bezeichnet werden. Sie sind nur Verhaltensmuster, die sich in bestimmten Umwelten nach dem Selektionsprinzip durchgesetzt haben.

(Vergleich der Theorien Zimbardo S.16 Tabelle 1.1)

5. Methoden psychologischer Forschung

Objektivität

Die Rahmenbedingungen bei Datenerhebungen sollen keine Rolle spielen. Dazu sollte ein Forscher Verfahrensregeln strikt beachten, Datenerhebungen und –analysen umfassend dokumentieren und seine Ergebnisse und Schlussfolgerungen so mitteilen, dass Replikaktionsstudien möglich sind. Je mehr die Diagnoseergebnisse verschiedener Untersucher bei den selben Personen zusammenhängen, desto größer ist die Objektivität. Nach Lienert (1969) unterscheidet man drei Aspekte der Objektivität:

Durchführungsobjektivität, Auswertungsobjektivität und Interpretationsobjektivität.

Drei Möglichkeiten zur Steigerung der Objektivität bei empirischen Untersuchungen:

§  Operationale Definition: Variablen werden durch spezifische „Beobachtungsoperationen“ definiert à Vermeidet Mehrdeutigkeit alltagssprachlicher Begriffe.

§  Standardisierung: Anwendung einheitlicher Verfahren bei Datenerhebungen. Einflüsse auf die Variabilität im Verhalten der Probanden werden dadurch gering gehalten.

§  Eine Verfälschung („bias“) ist eine Verringerung der Objektivität der Datenerhebung durch einen systematischen Fehler.

Fatalerweise können sogar die Versuchsleiter (Vl) selbst (unwissentlich) für die Verfälschung verantwortlich sein. (Erwartungen des Vl (Versuchsleitereffekt/ Rosenthaleffekt/ Pygmalioneffekt), oder Reaktion des Probanden auf den Vl)

Þ „Doppelt- Blind- Versuch“  Vl und Probanden wissen nicht welche Behandlungen (Treatment) die Versuchsteilnehmer erhalten.

Placebo- Effekt bei Probanden; dei Verhaltensreaktion wird eher durch Erwartungen der Probanden hervorgerufen, als durch tatsächliche Bedingungen (z.B. untaugliche Tabletten wirken)Þ Placebo- Kontrollen: Vergleich mit Kontrollpersonen (die erwünschtes Ergebnis nicht kennen).

Verfälschung kann auch durch den  „Hawthorne- Effekt“ verursacht werden: Menschen reagieren anders, wenn sie beobachtet werden (Gefühl des „Auserwähltseins“)

Reliabilität

Sie bezeichnet die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Messung. Bei Messwiederholung sollen identische Resultate, also konsistente oder stabile Ergebnisse erzielt werden.

Die Reliabilität wird durch Standardisierung erhöht, indem Quellen unerwünschter Variationen kontrolliert werden und viele Daten erhoben werden, so dass atypische Daten den Gesamteffekt nicht verzerren.

Wege zur Messung der Reliabilität:

§  „Retest- Reliabilität“: Die Korrelation zwischen Test und Testwiederholung bei den selben Probanden sollte möglichst hoch (optimal +1.0) sein. Problem: Effekt von Übung und Erinnerungsvermögen wird nicht ausgeschlossen.

§  „Paralleltestreliabilität“: Anwendung eines zweiten anderen Tests, der das gleiche Merkmal misst wie der eigentliche Test, um wiederum die Ergebnisse dieser beiden Messungen zu korrelieren.

§  „Testhalbierungsreliabilität“ („split- half- reliability“): Die Items eines Tests für ein Merkmal werden in zwei zufällig zusammengestellten Gruppen ausgewertet und diese Ergebnisse miteinander korreliert. Diese Bestimmung der inneren Konsistenz eines Tests hat den Vorteil, dass es keines zweiten Testdurchgangs bedarf.

Validität (Gültigkeit)

Ein psychologisches Messverfahren ist dann valide, wenn es wirklich das psychologische Merkmal misst, das es zu messen vorgibt.

Objektivität ist Voraussetzung für Reliabilität und Validität. Und Reliabilität ist Voraussetzung für Validität. Jedoch garantiert hohe Reliabilität nicht hohe Validität. Verschiedene Arten der Validität:

§  „Inhaltsvalidität/Augenscheinvalidität“: Wenn die Probanden offensichtlich erkennen, welches Merkmal in einem Test gemessen wird, und diese direkt danach gefragt werden (z.B. „sind sie intelligent ?“).

Problem: Durch mangelnde Selbstbeurteilungsfähigkeit, einen fehlenden Maßstab zur Einstufung der eigenen Fähigkeiten und durch die Antwortausrichtung nach der sozialen Erwünschtheit können die Testergebnisse verfälscht werden.

§  „Kriteriumsvalidität“: Vergleich der Werte, die Personen in einem Test erzielen mit einem anderen Kriterium, von dem wir wissen, dass es tatsächlich eng mit dem Merkmal, das unser Test messen soll zusammenhängt. Man unterscheidet hier zwischen „Übereinstimmungsvalidität“ (man kennt die Werte der Probanden in dem anderen, zu vergleichenden Merkmal schon) und „Vorhersagevalidität“ (wenn die Korrelation mit Werten die erst später erhoben werden hoch ist) – z.B. Vergleich mit Schulnoten der Vergangenheit oder der Zukunft.

§  „Konstruktvalidität“ (wenn kein geeignetes einzelnes Kriterium zum Vergleich vorliegt): Das Ausmaß indem ein Test mit den Ergebnissen anderer Tests, mit Fremdbeurteilungen („ratings“), Verhaltensmessungen oder experimentellen Ergebnissen, die bereits als valide Indikatoren des zu messenden Konstrukts gelten, zusammenhängen.

Bei der Beurteilung der Validität sollte man immer fragen, für welchen Zweck ein Test reliabel ist, und nicht allgemein die Validität bestimmen.

Kausalität, Kovariation, Koinzidenz

§  Ein Ereignis verursacht ein anderes: kausaler Zusammenhang zweier Variablen.

Überprüfung: Die Beseitigung oder Darbietung der unabhängigen Variable; verursacht oder stoppt das Verhalten und eine Verhaltensänderung tritt nur als Folge der Veränderung der unabhängigen Variablen auf (kontrolliertes Experiment).

§  Zwei Ereignisse sind korreliert (treten regelmäßig gemeinsam auf); „Kovariation“

Die Korrelation kann positiv, negativ oder kurvenlinear (umgekehrte Parabel) sein

§  Zwei Ereignisse treffen zufällig, aber nicht regelmäßig zusammen; „Koinzidenz“

Korrelationen lassen sich für Vorhersagen nutzen. Liegt eine hohe Korrelation (ein enger Zusammenhang) vor, so kann von der einen Variablen, dem Prädikator, auf die andere Variable, das Kriterium, geschlossen werden. Vorhersagen beruhen auf Zusammenhangsbeobachtungen bei einer ganzen Gruppe von Personen. Deshalb liefern sie, außer bei perfekten Korrelationen, keine Vorhersagen für einzelne Personen.

 

6. Datenerhebung und Versuchsplanung

Messung von Daten:

Messung ist die Zuordnung von Zahlen zu Objekten oder Ereignissen gemäß einer bestimmten Regel.

Skalenniveaus aufsteigend geordnet:

§  Nominalskala: Variablen werden in Kategorien eingeteilt. Diesen werden wiederum „willkürlich“ Zahlen zugeordnet, die jedoch keine Ordnung zulassen (Codezahlen).

§  Ordinalskala: Durch die Zuordnung der Zahlen zu den Personen lässt sich ein Rang bzw. Ein Wertung ablesen (Person A hat mehr Angst als Person B).

§  Intervallskala: Die numerische Relation entspricht der empirischen Relation. Gleiche Unterschiede beim Kriterium/Variable bedeuten gleiche Unterschiede bei der Zahlenzuordnung/Messwert ( Wenn A um t intelligenter als B und B um t intelligenter als C und IQ von A= 125, IQ von B=100, dann muss IQ von C=75 sein!). Ein Nullpunkt existiert nur durch Konvention (z.B. Temperatur).

§  Verhältnisskala: Proportionen im Merkmal (doppelt so...) müssen sich auch als solche im Messwert äußern. Der Nullpunkt entspricht einem tatsächlichen Nichtvorhandensein des Merkmals.

Daten werden überwiegend durch Beobachtung, Befragung, psychologische Tests oder physiologische Messungen ermittelt.

Beobachtung:

natürliche                    ó                   kontrollierte (Schaffung von Bedingungen)

direkte (mit dem Auge)         ó                   indirekte (mit Instrumenten z.B. Stoppuhr)

Befragung (oft durch Fragebogen oder Interviews):

geschlossene Fragen (Entscheidung oder Einordnung auf Skala)    ó        offene Fragen


Psychologische Tests (Fragen, Aufgaben, Aktivitäten):

Ein Test ist ein wissenschaftliches Routineverfahren zur Untersuchung eines oder mehrerer empirisch abgrenzbarer Persönlichkeitsmerkmale mit dem Ziel einer möglichst quantitativen Aussage über den relativen Grad der individuellen Merkmalsausprägung.

Physiologische Messungen: z.B. Messen der Gehirnaktivität durch Elektroden.

Untersuchungsstrategien und Versuchspläne

Im Versuchsplan (Design) einer psychologischen Untersuchung wird angegeben, welche Erhebungen vorzunehmen sind und in welcher logischen Beziehung sie zueinander und zur Fragestellung stehen.

Das kontrollierte Experiment:

Das Experiment ist eine Untersuchungsmethode, bei welcher ein bestimmtes Verhalten unter systematisch variierten Bedingungen beobachtet wird. Der Vl manipuliert eine oder mehrere Bedingungsvariablen und beobachtet deren Wirkung auf eine oder mehrere Verhaltensweisen.

 

Um äußere Einflüsse auf das Verhalten der Probanden auszuschließen werden Experimental- (werden der unabhängigen Variable ausgesetzt) und Kontrollgruppen (werden ihr nicht ausgesetzt) gebildet, zu denen die Personen zufällig zugeordnet werden (Randomisierung).

Weiterer Aspekt: „Standardisierung“.

Experimente können auch mehr als eine unabhängige Variable enthalten. Versuchspläne von Experimenten, in denen der Einfluss von mehr als einer unabhängigen Variablen untersucht wird, werden als „mehrfaktorielle Designs“ bezeichnet.

Als Haupteffekte bezeichnet man in einem „mehrfaktoriellen Design“ die Wirkung jeder Variablen. Der Interaktionseffekt/Wechselwirkung besteht darin, dass die Wirkung des einen Faktors vom Ausprägungsgrad des anderen abhängt.

Aus ethischen Gründen oder Unrealisierbarkeit kann nicht immer auf kausale Zusammenhänge untersucht werden:

Bei der Korrelationsstudie wird die Stärke des Zusammenhangs zwischen 2 Variablen gemessen. Jedoch lässt sich allein aus der Stärke des Zusammenhangs kein Rückschluss (kausal) auf dessen Richtung – was ist Ursache und was Wirkung – ziehen.

 

Evaluationsforschung wird durchgeführt, um die Effizienz und die Kosten bestimmter sozialer Programme, Therapieformen, Schulungsmaßnahmen o.ä. zu beurteilen.

7. Datenanalyse

Deskriptive Statistik

Die deskriptive Statistik dient der Ordnung und Zusammenfassung der beobachteten Daten. Zunächst wird durch die Anordnung der Daten in Häufigkeitsverteilungen und ihre tabellarische und graphische Darstellung eine Übersicht hergestellt.                                 Dann werden zur Zusammenfassung statistische Maßzahlen (Statistiken) berechnet.

Statistische Maßzahlen:

Ein einzelner repräsentativer Wert, der in der Regel die besonders häufig vorkommenden mittleren Werte einer Häufigkeitsverteilung kennzeichnet, wird als Maß (Maßzahl) der zentralen Tendenz bezeichnet.

  • Der Modalwert (M) ist der Variablenwert, der in der Stichprobe am häufigsten vorkommt. Er liefert jedoch nicht unbedingt einen zentralen Wert.

  • Der Medianwert oder Median (Mdn) teilt die Menge der geordneten Daten genau in der Mitte, so dass 50% der Messwerte darüber und 50% darunter liegen.

  • Der Mittelwert (X­) liefert das arithmetische Mittel.

Variabilitätsmaße beschreiben, wie nahe die Werte einer Verteilung beieinander liegen oder wie weit sie streuen.

Die Variationsbreite („range") gibt die Differenz zwischen dem höchsten und niedrigsten beobachteten Wert an.

Die Standardabweichung (s) gibt die Streuung der Daten um den Mittelpunkt an. Sie wird häufig als Varianz angegeben (s²).          

 

Korrelationskoeffizienten („r“ ; kurz Korrelation) beschreiben in welcher Richtung und in welchem Ausmaß die Merkmalsausprägungen zwischen zwei oder mehreren Variablen zusammenhängen.

 

Es gibt viele verschiedene Korrelationskoeffizienten (für kurvenlineare Zusammenhänge ...)

Das Wertespektrum des „Produkt Moment Korrelationskoeffizienten“ liegt zwischen +1 (perfekter proportionaler oder gleichsinniger Zusammenhang) und –1 (perfekter umgekehrt proportionaler oder gegenläufiger Zusammenhang). Die Abweichung einer beobachteten Korrelation von r = 0 ist ein Gradmesser für die Stärke der Beziehung zwischen den Variablen. Produkt Moment Korrelationen können benutzt werden, um im Rahmen von sog. Regressionsgleichungen Voraussagen von der einen Variablen auf die andere zu machen. Je höher der Koeffizient um so genauer die Vorhersage.

Inverenzstatistik

Ein Forschungsvorhaben geht von Hypothesen aus, und das zentrale Forschungsziel ist die Hypothesenüberprüfung bei der die Inferenzstatistik eine Rolle spielt.

Mit Hilfe der Inferenzstatistik werden auf der Grundlage der Beobachtungen an Stichproben Schlussfolgerungen auf die Verhältnisse in den Grundpopulationen gezogen. Die Inferenzstatistik basiert auf der Wahrscheinlichkeitstheorie – deshalb ist es möglich, das Fehlerrisiko beim Rückschluss von Stichproben auf Populationen numerisch exakt anzugeben.

Die Normalverteilung ist symmetrisch, glockenförmig, Median-, Modal- und Mittelwert sind identisch und man kann bei Kenntnis dieses Verteilungstyps angeben, wie groß der Anteil von Beobachtungen ist, der in bestimmte Intervalle der Variablenwerte fällt. Häufigkeitsverteilungen von Variablen haben meist die Form einer Normalverteilung.

Statistische Signifikanz

Signifikanz hat nicht direkt etwas mit Verallgemeinerung zu tun nur mit Bedeutsamkeit.

Voraussetzung: Die psychologischen Merkmale (hier: die Übermäßige Ich Kontrolle) müssen normal verteilt sein, so dass sich z.B. auch die Differenzen zwischen den Mittelwerten von Stichproben (bei Affekt- und Gewohnheitstätern) normal verteilen.

 

Skizze:

(willkür-liches Beispiel)

 

 

 

Extrempunkte bei:            12              25                                                      13                          

(Mittelwerte)

Vor der Untersuchung gehen wir davon aus, dass die Populationen (Gruppen) identische Mittelwerte haben (keine Differenz), und somit die Mittelwertsdifferenz beider Populationen ihren Extrempunkt also bei Null hat ÞNullhypothese“ Þ diese These wollen wir verneinen!

Skizze (Kurve der Nullhypothese):

 

 

 

                                                                      

 

Man möchte einen Unterschied in einem bestimmten Merkmal  zwischen den Populationen feststellen (z.B. soll im Merkmal „Übermäßige Ich Kontrolle“ ein Unterschied zwischen Affekt- und Gewohnheitstätern auftreten)!

 

Die Auftretenswahrscheinlichkeit für beliebige Intervalle ist unter einer Normalverteilungskurve bekannt. Ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein von uns beobachteter oder noch größerer Unterschied zwischen den Stichprobenmittelwerten bei der Kurve der Nullhypothese auftritt gering (<1% oder <5%) so ist unser Stichprobenergebnis statistisch signifikant (bedeutsam). Die Nullhypothese (dass es keinen Unterschied der Populationen gibt) kann dann zurückgewiesen werden.

Skizze des Wahrscheinlichkeitsschlusses:

 

 

 

 

 

Þ je weiter unsere bei der Stichprobe erhaltene Mittelpunktsdifferenzkurve ihren Extrempunkt von Null entfernt hat, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Nullhypothese zutreffen könnte.                                                                                                                                    

 


5. Lernen und Gedächtnis

Die Erforschung des Lernens

Menschen erben (also gen. bedingt) eine Lernfähigkeit, nicht aber ob und wie dies genutzt wird.

Lernen ist ein Prozess, der zu relativ stabilen Veränderungen im Verhalten oder im Verhaltenspotential führt und auf Erfahrungen aufbaut. Lernen ist nicht direkt zu beobachten. Es muss aus den Veränderungen des beobachteten Verhaltens erschlossen werden.

Relativ stabil, da Erlerntes z.B. wieder vergessen wird. Da Erlerntes oft nicht nur durch Leistung und gleich ersichtlich wird geht es auch um die Veränderung des Verhaltenpotentials

Lernen vollzieht sich nur durch Erfahrung. Erfahrung umfasst die Aufnahme von Informationen, deren Auswertung und Umsetzung und die Äußerung von Reaktionen die die Umwelt beeinflussen.

Behaviorismus : Um zu erklären was jemand macht muss man nichts von den inneren psychologischen Zuständen verstehen.(Skinner): Komplexes menschl. Verhalten lässt sich auf einfache Prinzipien zurückführen (durch das Lernen).

Verhaltensanalyse:

  • Versucht die Ordnungsprinzipien zu finden, die den Veränderungen in den Handlungen der Menschen zugrunde liegen, als Reaktion auf Erfahrung.

  • Das Wesen des Menschen basiert auf nat.wissenschftl. Methoden und Denkprinzipien

  • Man sucht nach Regelhaftigkeiten beim Lernen, die universell bei allen Tierarten einschließl. dem Menschen auftreten.

  • Komplexe Formen des Lernens stellen Kombinationen und Weiterentwicklungen einfacher Prozesse dar (keine qualitativ anderen Phänomene).

Klassische Konditionierung (Pawlow)

Form des Lernens, bei der ein Reiz oder ein Ereignis das Auftreten eines anderen Reizes oder Ereignisses vorhersagt. Der Organismus lernt eine neue Assoziation zwischen zwei Reizen, einem der zuvor die Reaktion nicht auslöste und einem der nach den Gesetzen der Natur die Reaktion auslöste.

Jeder Reiz, der spontan ein Reflexverhalten hervorruft (z.B. Nahrung) wird als unkonditionierter Stimulus (US) bezeichnet, die Reaktion/Verhalten darauf als unkonditionierter Reflex (UR).        

Ein neutraler Reiz tritt immer wieder zusammen mit einem US auf, so dass jedes Mal die unkonditionierte Reaktion eintritt. Mit der Zeit wird der neutrale Reiz zu einem konditionierten Reiz, der, wenn dieser nun ohne den US auftritt zu einer konditionierten Reaktion führt, die der UR sehr ähnlich bzw. gleich ist.

Der Erwerb der konditionierten Reaktion

Zu den am besten erforschten Einflüssen oder unabhängigen Variablen zählen:

  • Die Anzahl der Durchgänge, die dem Organismus geboten werden

  • Der zeitl.Abstand (Kontiguität) zwischen konditioniertem und unkonditioniertem Reiz

  • Die Intensität oder Qualität eines oder beider Reize

Die wichtigsten abhängigen Variablen:

  • Die Stärke (Amplitude) der konditionierten Reaktion

  • Die Zeitdauer (Latenz) zwischen CS und CR.

  • Der Verlauf des Konditionierungsprozesses (Erwerbsrate)

  • Die Dauerhaftigkeit der CR bei Ausbleiben des US.

Der Organismus kann nur bei zeitl. Nähe beider Reize diejenige Assoziation zwischen diesen herstellen, die die Grundlage des Lernprozesses bildet. Das konditionierte Lernen gelingt dann am besten, wenn der CS „vorwärtsgerichtet“ (setzt vor dem US ein und hält an) gegeben wird.

Der Informationsgehalt (fördert die Konditionierung am meisten) hängt davon ab wie zuverlässig er den UR vorhersagt.

Konditionierungsprozesse:

Wird ein CS nicht länger in Verbindung mit dem US dargeboten, so wird die CR immer schwächer, bis sie schließlich ganz ausbleibt. Dieser Prozess heißt Löschung („Extinktion“).

Die Konditionierung ist allerdings nicht ganz gelöscht, sondern die konditionierte Reaktion tritt nach gewisser Zeit auf den CS in abgeschwächter Form auf.Þ spontane Erholung

Bei erneuten Konditionierungsdurchgängen (US + CS) kommt es zu schnellerem Wiedererlernen.Þ Ersparnis

Es ist schwieriger eine konditionierte Reaktion vollständig zu löschen als sie zu erlernen.

Reizgeneralisierung: Treten dem konditionierten Stimulus ähnliche Reize auf, so kann es sein, dass die konditionierte Reaktion ebenfalls eintritt, sozusagen als „Sicherheitspolster“ .

Reizdiskrimination: Der Organismus lernt auf Reize, die sich vom CS unterscheiden, diesem jedoch ähneln anders zu reagieren. Beim Diskriminationstraining werden diese ähnlichen Reize öfters ohne den US gegeben (negative Beispiele). Ideal ist der Prozess der Konditionierung, wenn die Diskrimination die Generalisation überwindet.

Konditionierung zweiter Ordnung:

Ein schon konditionierter Reiz (CS1) wird als unkonditionierter Reiz (US2 = CS1) in einem neuen Konditionierungsprozess eingesetzt.

1.Konditionierung: Licht (CS1Þ Futter (Speichelfluss) (CR1)

2.Konditionierung: Ton (CS2) + Licht (US2)  ►►►  Ton (CS2) Þ Speichelfluss (CR1)

Verhaltensreaktionen werden durch ein unbegrenztes Repertoire von Reizen kontrollierbar, sobald sie einmal mit anderen Reizereignissen, deren Wirksamkeit entweder naturgegeben oder lernbedingt ist, assoziiert worden ist.

Anwendungsbereiche der klassischen Konditionierung:

Einstellungen und Emotionen, gerade Furcht sind oft klassisch konditioniert. Oft ist der unkonditionierte Stimulus gar nicht mehr in Erinnerung. (Experiment „Klein Albert“ der Angst vor einer Ratte durch einen Gongschlag konditioniert bekam)

Aus einer emotionalen Konditionierung kann eine Verhaltenskonditionierung werden.

Versuche zeigen, dass sich sogar das Immunsystem beeinflussen lässt und auch die Wirkung von Drogen (in neuer Umgebung stärker, da der Körper hier keine Abwehr konditioniert hat).

Operantes Konditionieren; Lernen anhand von Konsequenzen

Das Gesetz des Effekts (Thorndike):

Die Änderung der Auftretenswahrscheinlichkeit eines Verhaltens in Abhängigkeit von den Verhaltenskonsequenzen.Þ Reiz – Reaktions- Verbindungen

Skinner entwickelt darauf aufbauend das Verfahren des operanten Konditionierens:

Dabei werden die Auswirkungen, die Operanten (Verhaltensweisen, welche die Umwelt beeinflussen) haben künstlich manipuliert.

Kontingente Verstärkung/Verhaltenskontingenzen:

Um die Wahrscheinlichkeit eines Verhaltens zu erhöhen, muss der Verstärker immer und nur auf dieses Verhalten erfolgen.

Ereignisse, welche die Reaktion eines Organismus festigen können, wenn sie in kontingenter Beziehung auftreten, werden Verstärker genannt. Verstärker werden immer empirisch definiert - durch ihre Wirkung auf die Auftretenswahrscheinlichkeiten von Verhaltensweisen.

Nimmt die Auftretenswahrscheinlichkeit einer Reaktion durch die Folge eines Reizes auf diese zu, so ist dieser Reiz ein positiver Verstärker, nimmt sie durch Entfernen oder Mindern eines Reizes zu, so ist dies ein negativer Verstärker. Das Vermeiden eines negativen Verstärkers heißt negative Verstärkung, das Verabreichen eines positiven Verstärkers positive Verstärkung.

Dreigliedrige Kontingenz zwischen diskriminativen Reizen, Verhalten (Reaktion) und Konsequenz (Skinner 1953):

Verstärkung/

Bestrafung

Diskriminativer Reiz (SD)

Reaktion/

Verhalten (R)

Nachfolgender Reiz  (S)

Konsequenz: Häufigkeit der Reaktion

Positive Verstärkung

Getränkeautomat

 

Münze einwerfen

Erfrischendes Getränk Angenehm

Nimmt zu

Negative Verstärkung

Hitze

 

Wind zufächeln

Keine Hitze Angenehm

Nimmt zu

Positive Bestrafung

Streichholz-Schachtel

Zündeln

Verbrennen Unangenehm

Nimmt ab / bleibt aus

Negative Bestrafung

Rosenkohl

 

Weigerung zu essen

Kein Nachtisch Unangenehm

Nimmt ab / bleibt aus

Reize, die den Kontext für ein Verhalten festlegen nennt man Diskriminative Reize. Diese können ebenfalls generalisiert werden (auf dem diskriminativen Reiz ähnliche Reize folgt ebenfalls die Reaktion).

Bleibt eine Verstärkung über längere Zeit aus, so kommt es zur Löschung des Verhaltens (Extinktion).

Bestrafung sollte eigentlich vermieden werden, wenn doch dann:

  • Zügig durchführen und von kurzer Dauer

  • Direkt nach der unerwünschten Reaktion/Verhalten

  • In der Intensität begrenzen

  • Sie sollte als Maßnahme gegen das unerwünschte Verhalten, nicht gegen den Charakter einer Person erkennbar sein

  • Eher Benachteiligung materieller Art, keine körperl. Züchtigung

Wird ein Mensch durch körperliche Bestrafung zurechtgewiesen lernt er, dass Aggression eine mögliche und akzeptable Methode ist Verhalten anderer zu kontrollieren.

Primäre Verstärker sind biologisch signifikante Reize, die ohne Lernen als Verstärker wirken.

Konditionierte Verstärker sind gelernt (z.B. Geld, Lob, Statussymbole).

Das „Premack Prinzip“: Jede Aktivität, die vom Organismus als positiv empfunden wird, kann als positiver Verstärker eingesetzt werden (man darf diese nur machen, wenn man ein anderes Verhalten aufweist). In der Schule: Kinder dürfen nur spielen, wenn sie bestimmte Aufgaben erledigt haben.

Partielle Verstärkung: Zu lernendes Verhalten wird nicht nach jedem Durchgang belohnt. So wird eine Reaktion widerstandsfähiger gegen Extinktion (Löschen) als bei kontinuierlicher Verstärkung. Þ

Verstärkungspläne: Verhalten wird durch Verstärkungsmuster beeinflusst, deren Quoten oder Intervalle festgelegt oder variabel sein können. Bei Quotenplänen werden nach einer bestimmten Anzahl von Reaktionen, die konstant (festgelegt) oder unregelmäßig (variabel) ist, Verstärker verabreicht. Bei Intervallplänen werden Verstärker nach einem bestimmten Zeitintervall gegeben, das ebenfalls konstant oder variabel sein kann.

Shaping und Chaining

Neue komplexe Reaktionen können durch die Verfahren des Shaping (Verhaltensformung) und Chaining (Kettenbildung) gelernt werden. Beim Shaping wird eine erwünschte neue Reaktion durch die sukzessive Verstärkung immer besserer Annäherungen an die Zielreaktion geformt. (Beispiel: Ein kleiner Junge der seine Brille nicht tragen wollte wurde zunächst schon für das Aufsetzen, dann für das Anbehalten und schließlich nur noch für das Herumlaufen mit der Brille positiv durch etwas Süßes verstärkt).

Eine Reaktionskette wird gelernt, indem man mit der letzten erwünschten Reaktion beginnt. Dafür gibt es einen primären Verstärker. Weiter ist die Vollendung jeder Einzelreaktion (bis auf die Letzte) konditionierter Verstärker der vorausgehenden Reaktion und diskriminierender Reiz für die folgende Reaktion.

Neuere Ansätze zum Lernen

Der Genotyp eines Organismus beeinflusst das Lernen:

§   Instinktneigung: gelerntes Verhalten neigt sich im Laufe der Zeit instinktivem Verhalten zu.

§   Erlernen von Geschmacksabneigungen: Jede Art diskriminiert anders (nach dem Genuss von blauem salzigen Wasser meiden Ratten salziges und Wachteln blaues Wasser).

Lernen (neu definiert nach Lachman 1983)

Lernen ist der Prozess, der zu einer relativ stabilen Veränderung von Reiz- Reakrions- Beziehungen führt; er ist eine Folge der Interaktion des Organismus mit seiner Umgebung mittels seiner Sinnesorgane.

Kognitive Einflüsse auf das Lernen

Sie zeigen sich bei der Blockierung und bei der assoziativen Konditionierung (sensorischen Präkonditionierung). Bei der Blockierung wird eine konditionierte Reaktion aufgebaut, indem ein Ton mit einem unkonditionierten Reiz - einem Schock - gepaart wird. Anschließend wird ein zusammengesetzter Reiz - Ton und Licht - mit dem Schock gepaart. Entgegen der Erwartung erfolgt keine Konditionierung des Lichtsignals. Erklären kann man dies mit dem Informationswert des Reizes. Das Lichtsignal liefert keine zusätzliche Information zu der, die der Ton bereits enthält (das Lichtsignal ist redundant).

Bei der assoziativen Konditionierung werden z.B. Ton und Licht gepaart (Das Zusammenauftreten wird konditioniert). Später wird der Ton (CS1) mit einem Schock (US) konditioniert. Die konditionierte Reaktion wird nun auch auf den Lichtreiz (CS2) folgen.

Die Reihenfolge der ersten und zweiten Phase ist gerade umgekehrt wie beim Konditionieren zweiter Ordnung.

Lernen am Modell / Beobachtungslernen (Anwendung)

Kognitive Einflüsse werden auch beim Lernen durch die Beobachtung von Modellen sichtbar. Die Vorgänge beim Beobachtungslernen kann man nur verstehen, wenn man Annahmen über kognitive Prozesse beim Beobachter macht, z. B. über Erwartungen. Beobachtungslernen kann selbst dann stattfinden, wenn die Versuchsteilnehmer keine Reaktion zeigen und keinerlei Verstärkung erhalten.

Modelle haben den stärksten Einfluss, wenn beobachtet wird, dass

  • Das Modell verstärkt wird

  • Als positiv wahrgenommen und respektiert wird (es beliebt ist).

  • Ähnlichkeiten zwischen Modell und Beobachter selbst bestehen.

  • Sich das Verhalten des Modells deutlich von den Anderen abhebt.

Weiter, wenn verstärkt wird, dass der Beobachter dem Modell Aufmerksamkeit schenkt und er kompetent genug ist das Modell nachzuahmen.

Gewalt im Fernsehen erzeugt beim Beobachter ein „psychisches Abstumpfen“/ absinken der emotionalen Erregung und eine erhöhte Wahrscheinlichkeit aggressiv zu handeln.

 

Gedächtnis

Kognitionspsychologen untersuchen das Erinnern als eine Form der Informationsverarbeitung.

Der Gebrauch des Gedächtnisses:

§  Implizit           Erinnerung ohne jegliche Anstrengung beim Denken

§  Explizit           Gezielte Anstrengungen zum Erinnern

 

Erinnern wird als ein Prozess betrachtet, der aus 3 Stufen besteht. Die Informationen, die unsere Sinne erreichen, werden enkodiert (erstmalige Repräsentation/Verarbeitung im Gehirn), gespeichert und später abgerufen (Retrieval).

Es wurde vorgeschlagen, 3 Gedächtnissysteme zu unterscheiden:

Sensorisches Gedächtnis, Kurzzeitgedächtnis und Langzeitgedächtnis.

 

Sensorisches Gedächtnis

Bei der Enkodierung für das sensorische Gedächtnis wird Reizenergie in einen neuralen Code umgewandelt. Das sensorische Gedächtnis verfügt über eine große Aufnahmekapazität, jedoch nur für kurze Dauer, meistens zu kurz um Wahrgenommenes wiederzugeben. Es erfasst Dinge, die über Sinne wahrgenommen werden; der visuelle Teil heißt „Ikonisches Gedächtnis“ (von Sperling 1960 nachgewiesen),

der auditive Teil heißt „Echoisches Gedächtnis“ (Suffixeffekt; eine Nachsilbe die gleich wie vorherige Wahrnehmungen kategorisiert wird überdeckt diese, da immer der jüngste Reiz bleibt).

Sensorische Erinnerungen sind beständig genug uns eines Sinn für Kontinuität zu geben, sind jedoch nicht eindringlich genug, um mit neuen Sinneseindrücken zu interferieren. Aufmerksamkeit und Mustererkennung helfen, sensorische Informationen in das Kurzzeitgedächtnis zu übermitteln.

Das Kurzzeitgedächtnis

Es hat eine begrenzte Aufnahmekapazität (7 +/-2 Items) und ist ohne Wiederholung nur von kurzer Dauer. Es speichert kurzzeitig Informationen, die man bewusst und explizit erinnert. Es ist Teil unserer psychologischen Gegenwart und wird oft auch als Arbeitsgedächtnis bezeichnet. Es handelt sich hierbei nicht um einen Ort im Gehirn, sondern eher um einen Mechanismus/Prozess. Es kann Material aus dem sensorischen oder aus dem Langzeitgedächtnis übermittelt bekommen. Nur im Kurzzeitgedächtnis können Informationen bewusst verarbeitet werden.

Die Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses ist begrenzt um überflüssige Informationen zu filtern. Sie kann durch Zusammensetzung unzusammenhängender Items zu Chunks (Chunking) gesteigert werden.

Einfaches (erhaltendes) Wiederholen steigert die Aufbewahrungszeit für Material im Kurzzeitgedächtnis auf unbestimmte Zeit.

 

Das Langzeitgedächtnis

Das Langzeitgedächtnis besteht aus dem gesamten Weltwissen (das man sich aus dem sensorischen und dem Kurzzeitgedächtnis angeeignet hat) einer Person und ihrem Wissen über das eigene Selbst. Seine Kapazität ist theoretisch unbegrenzt.

Bessere Einprägung unter folgenden Umständen:

  • Bedeutungsvolle Organisation ist der Schlüssel zur Enkodierung ins Langzeitgedächtnis: Je vertrauter das Material und je besser die Organisation, um so effektiver ist das Behalten.

  • Die Verarbeitungstiefe/Intensität beim Enkodieren spielt eine Rolle.

  • Der Priming Effekt besagt, dass die erste Erfahrung mit einer Information (emotional) die Erinnerung für spätere Erfahrungen vorbereitet

  • Das Prinzip der Enkodierspezifität: Je spezifischer Material hinsichtlich der zu erwartenden Abrufhinweise (retrieval cues) enkodiert wird, um so effektiver wird der spätere Abruf sein.

  • Ähnlichkeiten der Kontexte von Lernen und Abruf unterstützen ebenfalls den Abrufprozess.

Die Erinnerungsleistung wird beeinträchtigt, wenn gespeicherte Informationen durch neue Informationen in die gleiche Richtung gestört werden (Interferenz): z.B. „Apfel-Auto“ gelernt, später soll dann „Apfel-Timbuktu“ gelernt werden. (vgl. Suffixeffekt)

§  Proaktive Interferenz meint die Schwierigkeit neue Informationen, die mit alten interferieren zu speichern.

§  Retroaktive Interferenz meint, wenn neu gespeicherte Informationen es erschweren sich an alte zu erinnern.

Man unterscheidet zwei Abrufprozesse:

  • Wiedererkennen (recognition) z.B. Multiple choise: die neuen Informationen werden mit Gespeicherten verglichen (Scanning)

  • Reproduktion (recall) : selbst darauf kommen Þ schwieriger!

 

Prozedurales, semantisches und episodisches Gedächtnis:

Das semantische und das episodische Gedächtnis werden oftmals zum deklarativen Gedächtnis zusammengefasst (Endel Tulving 1972).Die Unterscheidung bezieht sich auf die Hinweisreize die nötig sind, um sich zu erinnern.

Das prozedurale Gedächtnis ist das Gedächtnis für Fertigkeiten wie Dinge getan werden. Prozedurales Wissen ist sehr schwierig zu vermitteln. Das semantische Gedächtnis ist das Gedächtnis für die grundlegende Bedeutung von Wörtern und Begriffen und das episodische Gedächtnis befasst sich mit den Erinnerungen an Ereignisse, die auf persönlichen Erfahrungen beruhen; es speichert autobiographische Informationen. Alle Informationen werden zunächst episodisch gespeichert (wie und wo man etwas gelernt hat), deshalb hilft es manchmal semantische Erinnerungen, die vergessen scheinen, wie episodische zu behandeln).

Der serielle Positionseffekt / kontextuelle Distinktheit (Getrenntheit verschiedener Informationen) (Vergleich mit Bahnschienen, die ineinander verschmelzen):

  • Primacy- Effekt: Gute Erinnerungsleistung an die ersten Ereignisse einer „Einheit“  (da sich ein neuer Kontext beim enkodieren ergab).

  • Recency- Effekt: Gute Erinnerungsleistung an die letzten Ereignisse einer „Einheit“

Verbesserung des Gedächtnisses durch (Eselsbrücken),:

§  elaboratives Wiederholen: Ausschmücken der zu enkodierenden Informationen z.B. Begriffe zu einer Situation machen

§  Chunking        Informationen in bedeutungstragende Gruppen ordnen                        z.B. 1, 4, 9, 5 Þ 1495 (Kolumbus)

§  Handlung durch ein mentales Bild fixieren

  • Loci- Methode: Items mit Orten assoziieren (z.B. Abfolge in einer Rede)

  • Akronym- Mnemotechnik (Erinnerungstechnik): Bilden eines Wortes, das aus allen Initialen der zu merkenden Wörter besteht

Metagedächtnis:

Wenn man über sein Gedächtnis nachdenkt, wie es funktioniert und welche Informationen man besitzt („warum fällt mir das jetzt nicht ein?“/das Gefühl etwas best. zu wissen), dann nennt man diese Kognition Metagedächtnis.

Strukturen im Langzeitgedächtnis

Eine wesentliche Aufgabe des Gedächtnisses besteht darin, Muster in der Interaktion mit der Umwelt zu erkennen. »Begriffe« entstehen aus der Fähigkeit, individuelle Erfahrungen zu kategorisieren (z.B. Gesichter, Tiere, gelb). Sie sind mentale Repräsentationen derartiger Kategorien. Ein „Prototyp“ entsteht aus den Erfahrungen, die wir mit Mitgliedern einer Kategorie haben. Er bildet sich als Mittelwert aus einer Menge von Beispielfällen heraus. Der Prototyp verändert sich also ständig durch neue Erfahrungen mit einer Kategorie/Repräsentanten eines Begriffes. Prototypen erscheinen uns am angenehmsten. »Begriffshierarchien« dienen dazu, Gegenstände/Begriffe, die etwas miteinander zu tun haben zu kategorisieren/logisch anzuordnen (z.B. Tier ist Oberbegriff zu Hund). Jeder Mensch verfügt über ein anderes Basisniveau – das meint die Hierarchiestufe auf der ein Gedankenprozess ansetzt Þ Menschen sehen einen Rottweiler, einige erkennen diesen als Hund, andere nur als Tier und andere erkennen auch die Rasse – das sind verschiedene Basisniveaus.

Schemata sind der begriffliche Rahmen für Gegenstände, Menschen und Situationen. Ein Schema repräsentiert unsere »durchschnittlichen Erfahrungen«, die wir in der Interaktion mit unserer Umwelt machen (z.B. Geburtstagsfeier, Küche Þ man hat Vorstellungen was dazu gehört).

Nutzung von Gedächtnisstrukturen:

  • Klassifikation: Wir können Informationen klassifizieren/einordnen.

  • Erklärung: Man kann sich momentane Erfahrungen durch frühere erklären (es ist normal, das im Restaurant ein Ober kommt)

  • Vorhersagen: Man weiß was bestimmte Dinge für Konsequenzen haben (Wenn man im Restaurant isst muss hinterher jemand dafür bezahlen)

  • Schlussfolgerungen: Über Dinge die ich nicht genau weiß kann ich
    Schlussfolgerungen anstellen (Wenn jem. Auto fährt hat er wohl irgendwann den Führerschein gemacht).

  • Kommunikation: Wir können uns über Dinge unterhalten, obwohl nicht jeder über den gleichen Prototyp eines Begriffes verfügt.

  • Rekonstruieren: Wenn man sich nicht mehr genau an etwas erinnert, darüber aber eine Aussage machen muss, rekonstruiert man automatisch auf der Grundlage allgemeiner Arten gespeicherten Wissens ( Habe ich gestern geatmet ? Þ ja)

Verzerrung  „distortion“: Erinnerungen sind häufig Collagen aus unterschiedlichen Elementen unserer Vorerfahrung. Man kann dabei nicht mehr unterscheiden welche Teile einer Erinnerung sich tatsächlich auf die zu erinnernde Information berufen, und welche Teile durch spätere Erfahrungen (z.B. Fernsehen) verzerrt wurden.

 

 


6. Kognitive Prozesse

 „Kognition“ ist ein allgemeiner Begriff für alle Formen des Erkennens und Wissens. Er umfasst z. B. das Wahrnehmen, die Mustererkennung, die Aufmerksamkeit, das Erinnern, das bildhafte Vorstellen, intelligentes Handeln, Denken und Problemlösen und das Sprechen und Sprachverstehen. Kognition bezieht sich sowohl auf den Inhalts- als auch auf den Prozessaspekt des Erkennens und Wissens. »Inhalte« der Kognition sind beispielsweise Begriffe, Tatsachen, Aussagen, Regeln und Erinnerungen. Um die Welt um uns herum zu verstehen und um in den Zwangslagen des Lebens kreative Lösungen zu finden, müssen wir mit diesen Inhalten geistige Operationen - kognitive „Prozesse“ ausführen

Wie lässt sich Kognition erforschen?

In den 5oer Jahren kam die behavioristische Position, nach der einzig das »offene« (direkt beobachtbare) Verhalten Gegenstand wissenschaftlicher Beschäftigung sein könne, ins Wanken. Forscher der verschiedenen Teilgebiete der Psychologie konnten Phänomene aufzeigen, zu deren Erklärung Reiz- Reaktions-Beziehungen nicht hinreichten.

Noam Chomsky zeigte, dass Kinder Sprache nicht allein aufgrund von Verstärkungskontingenzen erwerben können. Piaget wies auf, dass qualitative Veränderungen in den kognitiven Aktivitäten von Kindern nicht auf Veränderungen in den Beziehungen von Reizen und Reaktionen zurückgeführt werden können, und die Forscher Simon und Newell entwickelten Computerprogramme zur Simulation menschlichen Problernlösens.

Wege zur Beobachtung kognitiver Prozesse und Inhalte

Mit Hilfe der Subtraktionsmethode wollte „Donders“ die Geschwindigkeit mentaler (geistiger) Prozesse messen. Seine Annahme, Aufgaben unterschieden sich in der Anzahl der an ihrer Lösung beteiligten mentalen Schritte, sollte zu einer Schätzung der Dauer mentaler Vorgänge führen. Die Subtraktionsmethode (Wenn Vorgang A x1 Zeit braucht und Vorgang A+B x2 Zeit, dann braucht B x2- x1 Zeit) wird heute nicht mehr gebraucht, seine Prämisse, dass zusätzliche mentale Schritte zusätzliche Zeit erfordern, ist jedoch immer noch Grundlage für einen großen Teil der kognitionspsychologischen Forschung. Zwei kognitive Schritte sind z.B. Reizkategorisierung (ist Ampel rot oder grün?) und Antwortselektion (muss ich stehen oder gehen?).

Man unterscheidet zwischen kontrollierten (benötigt Aufmerksamkeit) und automatischen (keine Aufmerksamkeit) Prozessen. Ein kontrollierter und ein automatischer Prozess lassen sich gut parallel ausführen, da es in diesem Fall wenig Interferenzen zwischen den beiden Aktivitäten gibt. Bei zwei kontrollierten Prozessen gibt es wesentlich mehr Interferenzen.

In der modernen Kognitionspsychologie benutzen Forscher häufig Reaktionszeiten (die Zeit, die eine Person zur Ausführung einer bestimmten Aufgabe benötigt), um spezifische Annahmen über die Ausführung geistiger Prozesse zu prüfen, z. B. um herauszufinden, ob mentale Prozesse parallel (gleichzeitig) oder seriell (nacheinander) ablaufen. Die Kognitive Neurowissenschaft versucht zu zeigen, dass verschiedene kognitive Prozesse verschiedene Hirnstrukturen beanspruchen oder verschiedene Reaktionsmuster des Gehirns hervorrufen.  Dabei bedient sie sich folgender Verfahren:

  • Positronenemissionstomographie (PET)/Computertomographie: Eine Person bekommt eine ungefährliche radioaktive Substanz verabreicht, die sich bis ins Gehirn ausbreitet und dort von den Zellen aufgenommen wird. Geeignete Aufzeichnungsverfahren zeichnen dann die von den Zellen ausgehende Radioaktivität außerhalb des Schädels auf, während die Person geistige oder körperliche Aktivitäten verrichtet.

  • Magnetic Resonance Imaging (MRI):  Benutzt magnetische Felder und Radiowellen um Energieimpulse im Gehirn hervorzubringen. Abhängig von der Frequenz dieser Impulse richten sich bestimmte Atome nach dem magnetischen Feld aus. Wird der magnetische Impuls ausgeschaltet, so gehen die Atome in die ursprüngliche Position zurück und erzeugen dadurch Resonanzen/Vibrationen.

  • Eine dritte Sorte von Daten stammt von Menschen mit Hirnschäden. Sobald ermittelt wurde welche Hirnareale verletzt sind, kann nach Zusammenhängen zwischen den Defizitmustern und Annahmen in den kognitiven Theorien gesucht werden.

Sprechen und Sprachverstehen

Sprachproduktion

Die Erforschung der Sprachproduktion befasst sich sowohl mit den kognitiven Prozessen, die eine Sprachäußerung vorbereiten, als auch mit dem Sprechen selbst. Zur Sprachproduktion gehören auch die Verwendung von Zeichen und Schrift.

Adressatenspezifische Ausrichtung

Das, was wir mitteilen wollen, hängt von den Hörern (Sprachempfängern) ab, an die wir uns richten. Das Kooperationsprinzip ist eine Regel für die adressatenspezifische Konversation. Dazu 4 Konversationsmaximen von Grice:

  • Quantität: Mache deinen Gesprächsbeitrag so informativ wie es und nicht informativer als es erforderlich ist.

  • Qualität: Versuche einen wahren Gesprächsbeitrag zu geben. Sage nichts, für das du nicht angemessene Beweise hast.

  • Relation: Stelle sicher, dass der Hörer versteht, dass die Äußerung für das, was vorhergegangen ist, relevant ist.

  • Art und Weise: Sei klar, vermeide unklare Äußerungen und Ambiguitäten. Fasse dich kurz und ordne deine Äußerungen.

Ob man ein kooperativer Sprecher ist, hängt davon ab, ob man eine genaue Vorstellung davon hat, was der Hörer weiß und versteht z.B. von der adäquaten Beurteilung gemeinsamen Wissens Þ dies ist entweder gegeben,

  • wenn Sprecher und Hörer zu einer Gemeinschaft gehören (Clique etc.),

  • oder wenn Informationen aus der vorhergehenden Unterhaltung bekannt sind (Linguistische Kopräsenz),

  • oder wenn das Sprachobjekt physisch anwesend/unmittelbar vorhanden ist (Physische Kopräsenz).

Sprachäußerungen und Sprechfehler

Sprechfehler haben sich als Schlüssel zum Verständnis der Planungsprozesse beim normalen Sprechen erwiesen. Anhand von Sprechfehlern kann man die Reihenfolge der Planungsschritte nachvollziehen. So planen Sprecher zuerst die grammatischen Strukturen, bevor sie die inhaltstragenden Wörter in ihre Äußerungen einbauen. Ein weiterer Schluss der Analyse von Spoonerismen (Vertauschung der Anfangsbuchstaben) und anderen Sprechfehlern ist, dass während der Formulierung von Äußerungen ein Teil der kognitiven Prozesse damit befasst ist, mögliche Fehler zu erkennen und zu eliminieren (selbst beim spoonerisieren ist es unwahrscheinlich, dass man nicht existierende Wörter ausspricht).

Sprecher bringen die leichter zugänglichen Teile ihrer Mitteilungen (oder jüngste Erfahrungen) zuerst vor und hängen den Rest an.

Beim Sprachverstehen spielt das Aufheben von Ambiguität eine bedeutende Rolle. Aus verschiedenen Experimenten lässt sich schlussfolgernd sagen, dass der Situationskontext ein wichtiges und effizientes Mittel zur sprachlichen Disambiguierung darstellt. Anhand des Kontextes ordnen Hörer ihre Erwartungen darüber, was Sprecher wohl gemeint haben, neu.

Bei Ambiguitäten werden die verschiedenen Möglichkeiten in einer konstanten Reihenfolge, die sich aus der erfahrungsgemäßen Häufigkeit/Wahrscheinlichkeit von Bedeutungen ergibt, „durchprobiert“. Tritt vor einer Aussage jedoch schon ein eindeutiger Kontext auf, kann diese Reihenfolge verändert werden.

Das Resultat des Verstehensprozesses:

Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass mit Propositionen (Kernideen einer Äußerung) die Repräsentation von Bedeutungen beginnt. Hörer füllen Lücken (wenn z.B. in einem Satz nur noch „sie“ steht und nicht genau wer gemeint ist) mit Inferenzen (logischen Folgerungen), die durch Informationen aus dem Gedächtnis ermöglicht werden. Diese Inferenzen tragen dazu bei, dass die Informationen zusammenhängend und stimmig repräsentiert werden.

Visuelle Kognition

Vorstellungsbilder und visuelle Prozesse beeinflussen unsere Art zu denken. Kognitive Repräsentationen können mehr als eine Form annehmen. So können visuelle Prozesse und Repräsentationen die verbalen Fähigkeiten ergänzen. Abstrakte Dinge werden nur sprachlich im Gehirn repräsentiert, konkrete Dinge werden zusätzlich noch visuell repräsentiert. (Allan Pavio 1986). Ein Beweis hierfür liefert zum einen das Messen der Aktivität der Hirnhemisphären und zum anderen der Versuch des „mentalen Drehens“; Die Probanden mussten gedrehte Buchstaben identifizieren und brauchten um so länger, je größer die Drehung war Þ sie mussten die Buchstaben zuerst mental drehen bis sie ihrer visuellen Repräsentation entsprach.

Konkrete Inhalte werden also besser gespeichert und erinnert Þ anschauliches Lernmaterial ist effektiver !!                 Visuelle Repräsentationen können auch durch verbale Beschreibungen erzeugt werden (z.B. Raumbeschreibung in einem Buch à „mentale Raummodelle“). Beim Erinnern werden visuelle Repräsentationen genau so „abgetastet“ wie reale Bilder - d.h. wenn ich mich in eine Szene hineinversetze brauche ich länger mich an Dinge zu erinnern, die hinter mir oder weit entfernt von mir liegen/gespeichert sind.

Problemlösen und Schlussfolgern

Viele Probleme bestehen aus der Diskrepanz zwischen dem was man weiß und dem was man wissen möchte. Der Problemraum in einer Situation wird durch 3 Faktoren, den Ausgangszustand, einen Zielzustand und eine Reihe von Operationen definiert. Selbst bei einem gut definierten Problem (z.B. algebraische Aufgaben) kann es schwierig sein, die richtigen Operationen zu finden.

Schlecht definierte Probleme haben mindestens einen unklaren Faktor (z.B. ein Buch schreiben). Hier ist die erste Aufgabe des Problemlösers den Problemraum klar zu definieren. Wissenschaftler nutzen sog. Protokolle lauten Denkens (Ericcson und Simon 1993), um die Schritte zu untersuchen, die Menschen durch einen Problemraum gehen. Eine Verbesserung der Problemlösekompetenz besteht darin, eine Repräsentation des Problems zu finden, in der jede Operation mit den vorhandenen Verarbeitungsressourcen durchgeführt werden kann. Wenn man öfter ähnliche Probleme lösen muss ist es sinnvoll, jeden Teil der Lösung zu üben, so dass diese Teile im Lauf der Zeit weniger Ressourcen erfordern. Negativ beeinflusst werden kann das Problemlösen z. B. durch funktionale Fixiertheit – die Wahrnehmung einer neuen Funktion eines Objektes wird dadurch verhindert, dass dieses bislang mit einem anderen Zweck assoziiert war.

Deduktives Schließen:

Syllogismus (Aristoteles):

Der aus drei Urteilen bestehende Schluss vom Allgemeinen auf das Besondere.

  1. Erste Prämisse            (z.B.    eine Kneipe akzeptiert alle Kreditkarten

  2. Zweite Prämisse                     die Visa-Karte ist eine Kreditkarte

  3. Schlussfolgerung                   die Kneipe akzeptiert die Visa-Karte)

Wenn ein Problem aus dem tägl. Leben bekannt ist kann man pragmatisch (anwendungsbezogen) schließen (durch das Berufen auf vorhandene „Schemata“ ).

Deduktives Schließen gelingt am besten, wenn man ein mentales Modell entwickelt.

Induktives Schließen

Vorhandene Anhaltspunkte werden verwendet, um wahrscheinliche, aber nicht sichere Schlüsse zu ziehen. (z.B. Inferenzen bei der Sprache).

Analoges Problemlösen findet statt, wenn man eine Analogie der aktuellen Situation zu früheren Situationen herstellt. Voreinstellungen zu einem Problem können dessen Lösung beschleunigen, aber auch blockieren (durch Perseverieren). Problemlöseprozesse können verbessert werden indem man selbst versucht Analogien herzustellen und Strukturen zu erkennen, ohne diese vorgegeben zu bekommen Þ Schüler müssen Probleme selbst lösen.

Die Fähigkeit zu deduktivem und induktivem Schließen zeigt, dass wir Menschen auch ohne Unterweisung einen Sinn für formale Logik haben. Deduktives Schließen betrifft die richtige Anwendung logischer Regeln, während beim induktiven Schließen die Schlussfolgerung mehr auf Wahrscheinlichkeiten als auf logischen Gewissheiten beruht.

Urteilen und Entscheiden

Beim Urteilen (judgement) werden Meinungen gebildet, Schlüsse gezogen und Ereignisse bewertet, während es sich beim Entscheiden (desicion making) um einen Prozess des Wählens zwischen Alternativen handelt. Zur Bildung effizienter Urteile werden Urteilsheuristiken wie die Verfügbarkeits-, die Repräsentativitäts- oder die Verankerungsheuristik verwendet. Das sind kognitive »Eilverfahren«, die angesichts der Begrenztheit der Verarbeitungsressourcen sinnvoll sind, jedoch auch zu Fehlern führen können.

Die Verfügbarkeitsheuristik besagt, dass ein Urteil auf der Grundlage von Informationen gebildet wird, die im Gedächtnis (am nähesten) zur Verfügung stehen. Probleme dabei sind:

  • Verzerrende Gedächtnisprozesse: z.B. erinnert man sich in Abhängigkeit von der momentanen Laune eher an gute oder schlechte Ereignisse und urteilt auch dementsprechend.

  • Verzerrte Informationen: Wenn Informationen, auf die man sich beruft gar nicht genau bekannt sind und nur geschätzt werden.

Die Repräsentativitätsheuristik geht davon aus, dass Menschen Informationen aus der Vergangenheit dazu verwenden ähnliche Situationen in der Gegenwart zu beurteilen. Eine repräsentative Möglichkeit sollte man erst wählen, wenn man alle Alternativen geprüft hat (Vorurteile).

Die Verankerungsheuristik meint, dass man sein Urteil durch einen vorgegebenen, oder selbst erstellten Anker beeinflusst. Ein Anker kann z.B. eine geschätzte Zahl sein. Diese ist dann in Ordnung, wenn sie auf gute Informationen beruht. Wenn so ein Anker allerdings falsch vorgegeben wird verwirrt er. (Bsp. Bei einer Schätzfrage wird ein Richtwert angegeben, der als zu klein oder zu groß beurteilt werden soll. Fragt man dann nach einer konkreten Zahl, schätzen diejenigen größer, die auch einen hohen Anker bekamen).

Die Art und Weise wie eine Entscheidung eingeleitet wird (wie z.B. eine Frage gestellt ist) wirkt sich stark auf den Entscheidungsprozess aus. Durch bestimmte Fragetechniken oder die Präsentation von Informationen können Akzente auf verschiedene Merkmale gesetzt werden. Der Entscheidungskontext spielt eine große Rolle und sollte auch beim Nachvollziehen von Entscheidungen berücksichtigt werden.

Eine Entscheidungsaversion wird umso wahrscheinlicher je schwieriger die Entscheidung ist, also wie viele Entscheidungsmöglichkeiten es gibt.

Menschen treffen nicht gerne Entscheidungen:

  • da sie es bedauern würden eine schlechte Wahl getroffen zu haben

  • sie nicht gerne für schlechte Ergebnisse verantwortlich sind

  • sie nicht gerne für andere entscheiden

  • weil sie Entscheidungen vermeiden wollen bei denen manche viel und andere wenig von einem begehrten Gut erhalten.

 


7. Motivation

Motivation (movere)

Dies ist die allgemeine Bezeichnung für alle Prozesse, die körperliche und psychische Vorgänge auslösen, steuern oder aufrechterhalten. Der Begriff der Motivation wird verwendet, um die Bevorzugung ganz bestimmter Handlungen, die Intensität von Reaktionen und die Persistenz des Handelns bei der Verfolgung von Zielen zu erklären. Artspezifisches und individuelles Verhalten kann durch Motivation erklärt werden.

5 Funktionen des Konzeptes der Motivation:

  • es setzt das Verhalten eines Organismus zu den biologischen Funktionen in Beziehung (z.B. Hunger, Durst)

  • es erklärt Unterschiede im Verhalten

  • es ermöglicht uns innere Zustände aus den beobachtbaren äußeren Handlungen zu schließen (z.B. auf innere oder äußere Motivation)

  • es ermöglicht die Zuweisung von Verantwortung für Handlungen (Verantwortung setzt innere Motivation voraus und die Kontrollfähigkeit eigenen Handelns)

  • es erklärt unsere Beharrlichkeit angesichts vor Widerständen.

Instinktverhalten

Nach der aus der Biologie kommenden Instinkttheorie ist Motivation angeboren und hat mechanisch ablaufende Verhaltensmuster zur Folge. Instinktverhalten kann beschrieben werden als Produkt aus internen und externen Motivationsquellen. Die interne Quelle ist das genetische Erbe, welches das artspezifische Handlungsmuster bestimmt. Die externe Quelle besteht aus den Umgebungsbedingungen, die dieses Muster zu einem bestimmten Zeitpunkt und bei bestimmten Reizmerkmalen auslösen.

Triebtheorie

Die aus der Lernpsychologie kommende Triebtheorie (»drive theory«) setzt Motivation in Beziehung zu Lernvorgängen. Die durch primäre oder sekundäre Triebe hervorgerufene Spannung aktiviert den Organismus. Erfolgreiche Reaktionen werden durch Spannungsreduktion verstärkt, erlernt und im Gedächtnis behalten. Lernen erfordert Motivation, und die Reduktion von Spannung erklärt motiviertes Verhalten. Freud (1915) unterschied zwischen Lebenstrieben (Eros, z.B. Sexualität) und Todestrieben (Aggression).

Spannungssteigernde Aktivitäten

Entgegen den Annahmen der Triebtheorie suchen Organismen jedoch auch viele Aktivitäten auf, die eher spannungssteigernd als spannungsreduzierend wirken, wobei sie anscheinend ein mittleres Erregungsniveau vorziehen. Auch die Behavioristen lieferten durch ihre Lerntheorien Gegenbeweise zu Instinkt- und Triebtheorien.

Kognitive Theorien

Gegenwärtig teilen viele Psychologen die Ansicht, dass ein großer Teil menschlicher Motivation nicht durch die objektive äußere Welt, sondern durch die subjektive Interpretation dieser Welt bedingt ist. Sobald Lebewesen über ihr Verhalten nachdenken, stellen z. B. auch Erwartungen Quellen der Motivation dar. Denkende Lebewesen können Motivationen entweder sich selbst (internen Kräften; die Arbeit war schlecht weil zu wenig gelernt) oder aber der Umwelt zuschreiben (externe Kräfte; die Arbeit war schlecht weil der Prüfer gemein war).

Humanistische Ansätze

In der Motivationsforschung postulieren humanistische Ansätze eine Hierarchie angeborener menschlicher Bedürfnisse. Erst dann, wenn niedrigere (biologische) Bedürfnisse befriedigt sind, kann ein Mensch durch höhere Bedürfnisse psychischer Art motiviert werden (Maslow 1970). Bedürfnishierarchie:

§  Biologische Bedürfnisse (Nahrung)

§  Sicherheit

§  Bindung (Zugehörigkeit)

§  Selbstwert (Gefühl etwas wert zu sein)

§  Kognitive Bedürfnisse (Wissen, Erkundung von Neuem)

§  Ästhetische Bedürfnisse (Ordnung, Schönheit)

§  Selbstverwirklichung (eigenes Potential ausschöpfen)

§  Transzendenz (Spirituelle Bedürfnisse)

Mastlows Sichtweise ist zu optimistisch; wo sind Aggression, Macht und Dominanz ?

Bei der Mangelmotivation streben Menschen nach Gleichgewicht (Equilibrium), bei der Wachstumsmotivation streben sie danach, bisherige Errungenschaften zu überschreiten und ihr Potential weiter auszuschöpfen sich selbst zu verwirklichen.

Sexualität

Sexualität im Tierreich

Die primäre Motivation für Sexualverhalten bei Tieren ist die Fortpflanzung. Die sexuelle Aktivität wird hormonell gesteuert (beim Mann sind die Androgene meist ständig vorhanden, beim Weibchen wird Östrogen meist nur in bestimmten Zyklen produziert) und folgt stereotypen, artspezifischen Mustern. Zwischen den Spezies gibt es jedoch sehr große Unterschiede. (Affen kopulieren ganz kurz -ca. 15s- , Löwen 4 Tage lang alle 30 min)

Das Sexualverhalten ist weitgehend durch Evolution vorgegeben.

Sexualität des Menschen

  • Männer könnten sich viele Male fortpflanzen (wenn genug Frauen vorhanden). Ihr Ziel ist es die Nachkommenzahl zu maximieren, indem sie sich mit möglichst vielen Weibchen paaren.

  • Frauen können höchstens ein mal im Jahr gebären. Ihr geht es darum einen hochwertigen Mann zu finden, der für das Kind sorgt.

Eine These von Evolutionspsychologen, die die Rolle der Evolution bei der Herausbildung sexueller Verhaltensmuster untersuchen, besagt, dass Männer und Frauen unterschiedliche Strategien, Emotionen und Motivationen für kurz- und langfristige Beziehungen entwickelt haben und dass diese Paarungsstrategien gegen Veränderungen beständig zu sein scheinen (halten mit der sozialen und technologischen Entwicklung nicht Schritt).

Kontrovers ist, ob Frauen auch kurzfristige Paarungsstrategien entwickelt haben.

Die 4 Phasen des sexuellen Reaktionszyklus (Masters und Johnson 1966):

  • Erregungsphase: der Penis erigiert und die Klitoris schwillt. Blut und andere Flüssigkeiten sammeln sich in den Hoden und der Vagina; der Körper rötet sich (sex flush)

  • Plateauphase: Herzschlag, Atem, Blutdruck, Drüsensekretion und Muskelspannung werden erhöht. die Brust schwillt an.

  • Orgasmusphase: Angenehme Lösung der sexuellen Spannung. Atmung und Blutdruck steigen, der Herzschlag kann sich verdoppeln. Kontraktionen im Genitalbereich (18tel sek).

  • Entspannungsphase: Der Körper kehrt in den Normalzustand zurück. Beim Mann folgt eine Refraktärphase von wenigen Minuten bis zu einigen Stunden (bis er wieder kann), Frauen sind zu multiplen Orgasmen fähig.

Þ

q  beide Geschlechter haben ähnliche sexuelle Reaktionsmuster (Frauen reagieren langsamer und Erregung hält länger an, sie sind nicht so festgelegt)

q  Viele Frauen sind zu multiplen Orgasmen fähig

q  Die Größe des Penis steht in keinem Aspekt mit der sexuellen Reaktion im Zusammenhang.

q  Störungen der sexuellen Reaktion haben meist eher psychologische als physiologische Ursachen und sind deshalb therapeutisch heilbar (Impotenz ; Frigidität)

Sexuelle Erregung

Sexuelle Erregung ist der motivationale Zustand, der durch physiologische und kognitive Reaktionen auf erotische Reize herbeigeführt wird.

Beim Menschen sind sexuelle Erregung, Sexualverhalten und Befriedigung dennoch variabel und Lernvorgängen unterworfen. Obwohl allein Berührung ein unkonditionierter Reiz für sexuelle Erregung ist, kann alles, was durch Erfahrung mit sexueller Erregung verknüpft wird, zu einem konditionierten Reiz für Erregung werden.

Schlechte Ernährung, Müdigkeit, Stress und der exzessive Genuss von Alkohol und Drogen können den Sexualtrieb und die sexuelle Leistungsfähigkeit herabsetzen.

Ein nichtsexueller Gegenstand der durch Konditionierung sexuelle Erregung hervorrufen kann wird als Fetisch bezeichnet. Jedes fassbare oder erdachte Reizereignis kann durch  vorangegangene Konditionierung sexuelle Erregung auslösen.

Sexuelle Normen und sexuelle Skripts

Wir erlernen »sexuelle Skripts«, die unser Sexualverhalten leiten und unsere Erwartungen an andere beeinflussen. Skripts sind Kombinationen von aus sozialen Normen abgeleiteten Vorschriften (was gehört sich und wird akzeptiert),individuellen Erwartungen und aufgrund von Erfahrungen bevorzugten Verhaltenssequenzen. Weichen die sexuellen Skripts von Partnern voneinander ab, so kann das zu Missverständnissen und zu Frustrationen führen.

Homosexualität

Homosexualität ist sowohl von internen als auch von externen Kräften motiviert. Sie ist keine Ableitung der Heterosexualität.

Im Falle der Homosexualität können äußere gesellschaftliche Normen gegen die inneren Gebote der Natur arbeiten (dass also biologisch homosexuelle dies nicht praktizieren, da die Abneigung gegen dieses Klientel zu sehr verinnerlicht ist). Viele Belastungen haben ihren Ursprung nicht in der sexuellen Motivation selbst -denn Homosexuelle fühlen sich mit ihrer sexuellen Orientierung wohl -, sondern in den Reaktionen der Mitmenschen auf diese sexuelle Motivation.

Aggression und Gewalt

Aggression meint aggressives Verhalten, Aggressivität meint ein Persönlichkeitsmerkmal. Gewalt ist Aggression in extremer und sozial nicht akzeptabler Form. Menschen haben ein unterschiedliches Ausmaß an Aggressivität d.h. die Bereitschaft aggressiv zu handeln.

Man unterscheidet zwischen selbstgerichteter und interpersonaler Aggression.

Warum Menschen aggressiv reagieren:

        Aggression ist Teil unseres biologischen Erbes

        Durch Besonderheiten des hormonellen Systems (z.B. auch Geschlechtsunterschiede) tritt Aggression in unterschiedlichem Ausmaß auf

        Steht mit der Erfahrung von Frustration im Zusammenhang

        Aggressives Verhalten tritt auf, wenn bestimmte emotionale Befindlichkeiten (Wut) und bestimmte aktuelle Hinweisreize vorliegen.

        Wird nach den Prinzipien des sozialen Lernens erworben.

        Aggressionen treten dann auf, wenn Menschen den anderen nicht mehr als Menschen wahrnehmen (Dehumanisierung)

Angeborene Aggression

Aggression, Todestrieb und Katharsis in der Theorie Freuds

Freud sah Aggression als angeboren und instinktiv an. Er postulierte einen Todestrieb (Thantos), dessen Energie im Körper stetig generiert wird und als Aggression nach außen gerichtet wird. Eine Möglichkeit der Ableitung dieser Energie ist die Katharsis, die in der Psychoanalyse auch als Katharsistherapie angewendet wird. Die Bedeutung der psychoanalytischen Aggressionstheorie liegt in ihrer literarischen und deskriptiven Qualität und der Möglichkeit von Ex-post-facto-Erklärungen nicht aber im Vorhersagen von Verhalten.

§  prosoziale Aggression: Aggression im Dienste sozial akzeptabler Zwecke z.B. Bestrafung anderer für Regelverletzungen

§  antisoziale Aggression: nicht „akzeptable“ Aggression

Ethologische Aggressionstheorien

K. Lorenz (1966) schloss aus Tierbeobachtungen, dass Aggression eine spontane innere Bereitschaft zum Kampf sei, die für das Überleben eines Organismus entscheidend sei. Dabei sind aggressionshemmende Befriedigungsstrategien, wie sie Tiere zeigen, beim Menschen verlorengegangen, während der Aggressionstrieb erhalten geblieben ist. Nach den Vorstellungen von Ardrey entspringt die Aggression dem Territorialverhalten, einem angeborenen Trieb, Grundbesitz zu gewinnen und zu erhalten. Überzeugende Beweise für die Richtigkeit der ethologischen Aggressionstheorien werden nicht angeführt.

Individuelle Unterschiede in der Aggressivität

Eine neuere Forschungsrichtung ist der Bereich der individuellen Unterschiede in der Aggressivität. Mit Hilfe von Zwillingsstudien konnte die Wirksamkeit genetischer Einflüsse auf die Eigenschaft Aggressivität gezeigt werden.

Physiologische Grundlagen der Aggression

Beim Menschen scheint sich der Einfluss der Hormone eher indirekt auf Aggression auszuwirken (bei Tieren direkt), da Verhaltenskontrolle stattfindet. Bei Menschen bei denen diese Verhaltenskontrolle nicht stattfindet fand man gelegentlich Verletzungen des limbischen Systems, besonders der Amygdala.

Frustrations- Aggressions- Hypothese.

Aggression ist auch als Reaktion auf Frustration –als erworbenen Trieb auf Frustration-(externe Faktoren im Gegensatz zu Freud) verstanden worden. Spezifische Umstände können dazu führen, dass sich der offene Aggressionsakt nicht gegen den Verursacher der Frustration richtet (was eigentlich normal wäre), sondern auf »ungefährlichere« Personen oder Objekte verschoben wird. Das Notwendige Entladen der Aggression (Freud; Katharsis) findet sich auch hier wieder.

Aggression als provozierte Bereitschaft

Neuere Studien (Berkowitz 1974) zeigen jedoch, dass es entscheidend von der eigenen Wahrnehmung der Frustration abhängt, wie eine Person darauf reagiert. Die Kombination situativer Hinweisreize, wie das Vorhandensein von Waffen, mit der inneren Bereitschaft (z.B. Wut), aggressiv zu reagieren, spielt bei der Auslösung feindseliger Handlungen eine wichtige Rolle.

Sozial erlerntes aggressives Verhalten

Dieses kann durch Verstärkung, soziale Normen oder die Nachahmung des aggressiven Verhaltens anderer gelernt werden (Bandura 1973). Katharsis -ein emotionales »Rauslassen« aggressiver Gefühle im Sprechen-  mag die Aggressionsneigung verringern; die (erfolgreiche) Ausführung aggressiver Akte und die Beobachtung aggressiven Verhaltens bei anderen erhöhen jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass die Person in Zukunft aggressiv reagiert. Wird bei diesem „Rauslassen“ der Wut also aggressiv gehandelt, so hat die Katharsistherapie wohl eher einen negativen Effekt.

Aggression kann auch unter Abwesenheit emotionaler Erregung auftreten, wenn die Person dadurch ein Ziel erreicht.

Alkohol steigert die Aggressionsbereitschaft, Marihuana lindert dies eher.

Kinder und Gewalt im Fernsehen

Schlechte Verhaltensmuster von Modellen werden unwahrscheinlicher nachgeahmt, wenn diese Modelle bestraft wurden. Die Wahrscheinlichkeit das Verhalten eines Modells nachzuahmen (egal ob gut oder böse) steigt in Wettkampfsituationen – wenn emotionale Erregung vorliegt.

Wenn Kinder im Fernsehen Gewaltakten zuschauen, so entwickeln sie eine negative Sichtweise der Realität. Sie sehen Gewalt als akzeptabel an, überschätzen die eigene Bedrohung durch Gewalt, werden furchtsamer und weniger bereitwillig, sich gegen von anderen ausgeübte Akte der Aggression zu stellen. (nicht kausal bewiesen – nur korrelativ)

Der Behauptung Gewalt in den Medien wirke kathartisch fehlt es an Glaubwürdigkeit.

Pornographie und sexuelle Gewalt

Es gibt keine schlüssigen Belege für eine kausale Beziehung zwischen Pornographie und sexueller Gewalt. Bestehen jedoch schon vorher negative Einstellungen und eine Neigung zur Gewalt gegen Frauen, so werden diese durch den Konsum von Pornographie verstärkt.

Dehumanisierung

Aggression wird dann wahrscheinlicher, wenn andere Personen nicht mehr als Menschen mit Gefühlen, Gedanken und Zielen wahrgenommen werden (Bandura 1975). Die psychische Verneinung menschlicher Qualitäten wird als Dehumanisierung bezeichnet. Medien können enorm dazu beitragen, dass Menschengruppen mit dehumanisierenden Gesichtern ausgestattet werden. (und sozialpsychologische Faktoren)

Moralisches Disengagement

Es ist mehr als nur Dehumanisierung erforderlich um z.B. militärische Gewalt gegen Gruppen auszuüben. Þ Moralisches Disengagement  solch verwerfliches Verhalten kann auf mehrere Weise moralisch gerechtfertigt werden:

  • Wenn es um „Freiheit“ oder „den Willen Gottes“ geht

  • Beschönigende Vergleiche können aus beklagenswerten rechtschaffende Handlungen machen z.B. durch den Vergleich mit noch extremeren Beispielen

  • Mildernde Etikettierungen können verwendet werden z.B. „bekämpfen“ Soldaten und „töten“ nicht.

  • Schädliche Auswirkungen können kognitiv verzerrt, heruntergespielt oder uminterpretiert werden

  • Die Verantwortlichkeit wird auf andere übertragen

  • Die dehumanisierten Opfer werden zu minderwertigen Wesen, denen selbst die Schuld an der eigenen Zerstörung zugeschrieben wird.

Leistungsmotivation

Leistungsmotivation wird gelernt. Bei vielen Menschen liefert das Bedürfnis, etwas zu leisten, die Energie für das Ingangsetzen und Steuern vieler Verhaltensweisen. Das Bedürfnis nach Leistung ist anhand der Phantasien untersucht worden, die Menschen in Reaktion auf Bilder mehrdeutigen Inhalts entwickelten. Menschen mit hohem „n Ach- Wert“ (Leistungsmotiv; need for achievement) gaben bei schwierigen Problemen eher auf sind aber bestrebt mit weniger Aufwand das gleiche zu erreichen – sie haben ein größeres Bedürfnis nach Leistung. Personen die in ihrer Kindheit einen höheren Leistungsdruck erfahren haben weisen später ein höheres Leistungsmotiv auf (n Ach- Wert).

Die Attribution von Erfolg und Misserfolg

Menschen schreiben ihren Erfolgen und Misserfolgen Ursachen zu. Sie halten sich selbst (internale Kontrollüberzeugung) oder externe Faktoren (externale Kontrollüberzeugung) für verantwortlich, und sie attribuieren variable oder stabile, spezifische oder globale (auf mehrere Dinge verallgemeinerbar) Ursachen.     internal                        external

stabil               Fähigkeit             Schwierigkeitsgrad

variabel Anstrengung               Glück

Diese (Kausal-)Attribution hat wiederum gravierende Auswirkungen auf die emotionalen Reaktionen und die Motivation unabhängig von den objektiven Gründen. Nimmt eine Person sich selbst als »wirksam« wahr, so sind ihre Leistungen und Bewältigungsmuster effektiver, als wenn sie sich als »unwirksam« bewertet.

 

Erfolg

Misserfolg

Pessimistischer Attributionsstil

external, variabel,

spezifisch oder global

internal, stabil, global

Optimistischer Attributionsstil

internal, stabil, global

external, variabel, spezifisch

 

Man kann einen optimistischen Attributionsstil entwickeln und einen pessimistischen ablegen. (Studenten verbesserten ihre Leistung nachdem ihnen gesagt wurde, dass ihre anfänglich schlechte Leistung vollkommen normal sei) (Attribution bei anderen)

Motivation im Berufsleben.

Die Equity- Theorie und die Erwartungstheorie versuchen zu erklären und vorherzusagen, wie Menschen sich unter verschiedenen Arbeitsbedingungen verhalten. Nach der Equity- Theorie sind Arbeitnehmer motiviert, gerechte und angemessene Beziehungen zu Personen zu unterhalten, die für sie bedeutsam sind. Die Erwartungstheorie besagt, dass Arbeitnehmer dann motiviert sind, wenn sie erwarten, dass ihre Leistungen am Arbeitsplatz den erwünschten Gewinn erbringen.

 

 

 


8. Emotion, Stress und Gesundheit

Emotion

Eine Emotion wird als ein komplexes Muster von Veränderungen angesehen, das physiologische Erregung, Gefühle, kognitive Prozesse und Verhaltensweisen umfasst. Diese treten als Reaktion auf eine Situation, die ein Individuum als persönlich bedeutsam wahrgenommen hat, auf.

Emotion schließt Gedanken, Gefühle, Erregung und Handlungen ein.

Zur Universalität von Emotionen.

Man nimmt an, dass der Mensch über ein universelles emotionales Ausdrucksrepertoire verfügt, das vermutlich zu den angeborenen Bestandteilen des evolutionären Erbes gehört. Darwin sah Emotionen als hochspezifische, koordinierte Wirkungsweisen des menschl. Gehirns an und als spezialisierte erbliche Gemütszustände, die zur Bewältigung einer bestimmten Kategorie immer wiederkehrender Situationen im Leben dienen. In kulturvergleichenden Untersuchungen fand man 7 Emotionen, die in gleicher Weise erkannt und ausgedrückt werden: Fröhlichkeit, Überraschung, Wut, Ekel, Furcht, Traurigkeit und Verachtung.

Kulturelle Einflüsse

Auch wenn das genetische Erbe, das den Ausdruck von Emotionen bis zu einem gewissen Grad bestimmt, allen Menschen gemeinsam ist, verfügen verschiedene Kulturen über unterschiedliche Standards im Umgang mit Emotionen. Das heißt, die jeweilige Kultur legt fest, welche Ausdrucksformen von Emotionen bei welchen Anlässen angemessen bzw. unangemessen sind.

Physiologie der Emotionen

Das vegetative Nervensystem bereitet den Körper durch den Sympathikus (geringere unangenehme Reizung) und den Parasympathikus (geringere angenehme Reizung) auf emotionale Reaktionen vor. Bei starker Reizung werden beide aktiviert. Der Sympathikus aktiviert die Nebennieren zur Abgabe von Hormonen (Epinephrin = Adrenalin; Angstreaktion und Flucht und Norepinephrin = Noradrenalin; Wut und Gegenwehr), die wiederum die inneren Organe zur Ausschüttung von Blutzucker, Erhöhung des Blutdrucks und Schweißproduktion veranlasst. Nach der Notsituation hemmt der Parasympathikus die Ausschüttung der aktivierenden Hormone. Die emotionale Erregung kann längere Zeit andauern, da manche Hormone immer noch im Blutkreislauf zirkulieren.

Die Koordination der hormonalen und neuralen Aspekte der Erregung erfolgt durch den Hypothalamus und das limbische System (kontrollieren Emotionen, Angriffs- Verteidigungs- und Fluchtmuster). Der Mandelkern („Tor zur Emotion“) dient als Gedächtnisfilter, indem er die von den Sinnesorganen gesendeten Informationen als bedeutend oder unbedeutend registriert. Wenn schnelles Handeln erforderlich ist, kann es sein, dass der Mandelkern eine Reaktion auslöst bevor der Kortex die Information überhaupt registriert hat. Überemotionales Handeln lässt sich damit erklären.

Bei allen komplexen Emotionen ist der Kortex über seine inneren neuralen Netze und seine Verbindungen zu anderen Körperteilen beteiligt. Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin, dass verschiedene emotionale Zentren im Kortex für die Verarbeitung positiver und negativer Emotionen verantwortlich sind. Die linke Hirnhemisphäre scheint positive Emotionen zu verarbeiten (z. B. Glück) und die rechte Hemisphäre negative, wie z. B. Ärger...

Emotionstheorien

Sie haben die Aufgabe zu erklären, wie Emotionen entstehen.

1.    Die James-Lange-Theorie (ca. 1900) (Theorie peripherer Prozesse)  der Körperreaktionen besagt, dass ein Reizereignis zuerst eine Erregung im Nervensystem und andere körperliche Reaktionen auslöst (z. B. Weinen), bevor es dann zur Wahrnehmung einer spezifischen Emotion kommt (z. B. sich traurig fühlen).

Hauptkritik: Bei gleichen viszeralen Erregungszuständen treten verschiedene Emotionen auf (z.B. Geschlechtsverkehr und Wut ; erhöhter Herzschlag)

2.    Die Cannon-Bard-Theorie (1927) besagt, dass ein Reizereignis 2 gleichzeitig ablaufende, voneinander unabhängige Reaktionen hervorbringt, die physiologische Erregung und die Wahrnehmung der Emotion. Das Gehirn vermittelt zwischen Eingangsreiz und Ausgangsreaktion.

3.    Nach der Lazarus-Schachter-Theorie der Bewertung wird angenommen, dass die Erfahrung einer Emotion aus der kognitiven Bewertung von physiologischer Erregung und auslösendem Hinweisreiz entsteht. (Wenn ich eine Frau sehe und zusätzlich unter Schwingungen stehe empfinde ich sexuelle Erregung Þ Versuch; Laufen über wackelige Brücke). Emotionale Erfahrungen können nicht nur damit erklärt werden was in einer Person vorgeht, sondern sie erwachsen auch aus ständigen Transaktionen mit der Umwelt (Lazerus 1984).

4.    Zajonc, ein Kritiker der kognitiven Bewertungstheorie der Emotion, vertritt die Auffassung, dass affektive Präferenzen und Gefühle der kognitiven Bewertung oder gar dem Erkennen eines Reizes vorausgehen bzw. dass sie unabhängig von bewusstem Erkennen sind. Es ist möglich, dass ich auf einen Reiz hin emotionale Veränderung verspüre, ohne dass ich diesen richtig wahrgenommen habe.

Die Funktion von Emotionen

Emotionen sind oft Auslöser von Handlungen, d. h., sie haben eine motivierende Wirkung. Emotionale Zustände spielen eine Rolle bei der Informationsverarbeitung und sie dienen auf sozialer Ebene allgemein der Regulierung sozialer Interaktionen.

Motivierende Funktion von Emotionen:

  • Sie spornen zum Handeln im Bezug auf ein tatsächlich erlebtes oder vorgestelltes Ereignis an

  • Sie richten das Verhalten auf spezielle Ziele und halten es aufrecht z.B. Liebe zur Frau (wollen ihr gefallen) oder zum Vaterland (sterben für es)

  • Sie können eine Rückmeldung über den eigenen motivationalen Zustand geben; durch Intensivierung bestimmter Lebenserfahrungen wird signalisiert, dass ein Ereignis von Bedeutung war

  • Sie können innere Konflikte bewusst machen; wenn ich unangemessen/überemotional auf eine Situation reagiere Þ lässt sich z.B. auf Wut oder Eifersucht schließen

Unter zu niedriger oder zu hoher emotionaler Erregung leidet die Leistung (zu wenig „Erregung“ vor einer Prüfung : lernt man nichts, bei zu viel Angst ist man blockiert). Das optimale Erregungsniveau (um optimale Leistung zu erzielen) liegt nach dem „Yerkes-Dodson-Gesetz“ bei Schwierigen Aufgaben eher niedrig und bei leichteren Aufgaben höher. (der Hochpunkt verschiebt sich also innerhalb der beiden Nullpunkte).

Soziale Funktion

  • Sie kann Menschen (Zuneigung) verbinden oder distanzieren (Verachtung).

  • Erzeugung von Mitgefühl Þ z.B. soziales Netz

  • Sie helfen bei sozialer Kommunikation: wenn jemand wütend oder gestresst ist gehe ich ihm aus dem Weg, wenn er freundlich wirkt „nähere“ ich mich.

„Ein Großteil der menschlichen Kommunikation findet in der lautlosen Sprache emotional expressiver nichtverbaler Botschaften statt“ (Buck 1984).

Kognitive Funktion

Emotionen beeinflussen

stimmungsabhängige Verarbeitung:

  • das Lernen und das Gedächtnis: man nimmt Informationen, die im Einklang mit dem inneren Zustand stehen intensiver auf und verarbeitet und speichert sie besser

  • die Urteilsfähigkeit: der Schweregrad von Schmerzen und Beschwerden bei z.B. einer Erkältung entsprechen der Stimmung einer Person (und das Essverhalten)

  • die Kreativität: ein guter Gemütszustand fördert die Kreativität

Stimmungsabhängiges Abrufen:

  • das Erinnern: man erinnert sich in einer bestimmten Verfassung eher und besser an Dinge, die im gleichen Kontext stattfanden ; wenn man traurig ist erinnert man sich eher an traurige Dinge. Depressive Menschen berichten hauptsächlich über negatives und Vergessen das Positive Þ Verzerrung

  • Ängstliche Menschen erinnern sich eher an bedrohliche Dinge Þ Beim Stroop- Wörter- Test erinnern sich nichtängstliche Personen nach dem Test eher an Wörter des neutralen Bogens, ängstliche eher an Wörter des bedrohlichen Bogens obwohl die Probanden darüber gar keine Aussage machen mussten.

Stress

Eine Emotion, die viele Menschen innerhalb ihrer alltäglichen Emotionserfahrungen wahrnehmen, ist Stress. Stress ist eine Reaktion auf Stressoren; Reizereignisse – externer und interner Art - , die das Körpergleichgewicht stören und von ihm eine Anpassung verlangen. Stressempfindung ist individuell verschieden. Dies hängt von den Moderatorvariablen ab, die die Wirkung eines Stressors moderieren. Die kognitive Bewertung eines Stressors - ob er als Bedrohung oder Herausforderung gesehen wird und Ressourcen (Geld, Fertigkeiten, soziale Unterstützung) sind solche Moderatorvariablen. Stress kann sich in Verhalten, emotional, kognitiv und physiologisch äußern.

Physiologische Stressreaktion

Beim “Fight or flight Syndrom” (Cannon;1920) spielt der Hypothalamus („Stresszentrum“) eine entscheidende Rolle.

  • Zusätzlich zur  Physiologie der Emotion öffnen Muskeln die Wege durch Hals und Nase um mehr Luft in die Lungen zu lassen, und ändern den Gesichtsausdruck, dass starke Emotionen sichtbar werden.

  • Die Milz schüttet mehr rote Blutkörperchen aus um die Blutgerinnung im Falle einer Verletzung zu unterstützen

  • Das Knochenmark produziert mehr weiße Blutkörperchen um die Immunabwehr zu steigern

  • Die Hypophyse schüttet

1. das adrenokortikotrope Hormon (ACTH) aus was wiederum zur Ausschüttung von Hormonen aus der Nebenniere führt („Steroide“) die für Stoffwechselprozesse und die Zuckerproduktion (Energie für den Körper) der Leber verantwortlich sind.

2. das thyrotrope Hormon (TSH) aus, was die Schilddrüse anregt, dem Körper mehr Energie zur Verfügung zu stellen.

Andauernder Stress führt zu einem typischen Reaktionsmuster, das Selye als allgemeines Adaptationssystem bezeichnet hat. Eine Alarmreaktion, eine Phase der Resistenz und eine Phase der Erschöpfung kennzeichnen das Syndrom.

  • Bei der Alarmreaktion versucht der Körper durch die Notmaßnahmen das innere Gleichgewicht wieder herzustellen, unabhängig davon, ob ein physischer oder ein psychischer Stressor vorliegt.

  • In der Phase der Resistenz verursacht der Stressor keine physiologische Alarmreaktion mehr, da die Hormonproduktion (ACTH und Kortin) gesteigert ist. Allerdings werden hier die meisten Ressourcen des Körpers beansprucht, so dass ein weiterer neuer Reiz oder Stressor leicht eine Überreaktion auslöst.

  • Wenn der Hypophysenvorderlappen die erhöhte Hormonproduktion nicht mehr aufrecht erhalten kann kommt es zu einer Phase der Erschöpfung, bei der die Alten Symptome wieder auftreten und nun Körpergewebe schädigen können oder schlimmstenfalls zum Tod führen.

Kritik: Selye beschäftigt sich nur mit physischen Stressreaktionen.

Psychologische Auswirkung von Stress

Die Psychoneuroimmunologie hat gezeigt, dass chronischer Stress einen Einfluss auf die Immunfunktion haben kann. Positive Ereignisse steigern, negative schwächen das Immunsystem. Psychologische Stressreaktionen laufen im Gegensatz zu Physischen nicht automatisch ab, sondern sie werden erlernt. Prospektive Untersuchungen belegen einen Zusammenhang zwischen Krankheiten und einer vorausgehenden Anhäufung von bedeutenden Lebensereignissen. Als Hauptmoderatorvariable eines Stressors nimmt die kognitive Bewertung bei der Deutung einer Situation eine zentrale Stellung ein.

Lazerus unterscheidet zwischen zwei Phasen der kognitiven Bewertung von Anforderungen:

  1. Phase der primären Bewertung: Einschätzung der Ernsthaftigkeit der Anforderung ; Ist Handlung notwendig ?

  2. Phase  der sekundären Bewertung: Wenn Handlung nötig ist werden die zur Verfügung stehenden persönlichen und sozialen Ressourcen bewertet und erforderliche Handlungsmöglichkeiten genauer untersucht.

Es gibt positiven Stress („Eustress“) wie z.B. die Geburt eines Kindes oder ein Lottogewinn und negativen Stress („Distress“).

Den Einflüssen bedeutender Lebensereignisse ordneten Personen in Tests Werte zu (LCU- Werte ; life change units), die relativ zu dem Ereignis Eheschließung (Wert 50) ermittelt werden sollten. Ergibt die Summe dieser Werte mehr als 300, so besteht ein hohes Gesundheitsrisiko. (SRRS Untersuchung)

Die Reaktion auf Katastrophen läuft in 5 Phasen ab:

  1. Phase: Schock, Verwirrung, psychische Abstumpfung man kann nicht begreifen was geschehen ist.

  2. Phase: Menschen versuchen auf die Katastrophe zu reagieren; man kann sich anpassen jedoch ohne sich die eigenen Handlungen richtig bewusst zu machen.

  3. Phase: Gefühl der Bewältigung, die Energiereserven gehen langsam zur Neige

  4. Phase: Ernüchterung; Energiereserven sind erschöpft; die Tragödie wird begriffen und emotional erfasst.

  5. Phase: Ausgedehnte Erholungsphase; die Betroffenen versuchen mit der neuen Situation zurecht zu kommen.

Zu einem posttraumatischen Stresssyndrom kann es im Anschluss an Katastrophen und traumatische Ereignisse kommen. Dabei handelt es sich um eine verzögerte Stressreaktion, die ständig wiederkehrt, auch lange Zeit nach dem traumatischen Erlebnis. Sie kann gleich oder auch um Jahre verzögert auftreten (z.B. Soldaten). Typische Begleiterscheinungen sind Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche und eine gesteigerte Schreckreaktion. Hält das Syndrom an und wird chronisch, so bezeichnet man dies als „residuales Stresssyndrom“. Die klinischen Symptome werden als konditionierte Reaktionen auf ein lebensbedrohliches Reizereignis beschrieben.

Chronische Stressoren (Gegenteil: akute Stressoren mit klarem Anfang und Ende)

Chronische Stressoren psychologischer Art sind nicht immer leicht zu erkennen, da oft durch die Erinnerung an ein einziges Ereignis immer wieder Stress empfunden werden kann (z.B. Fahrrad wurde geklaut ; nun hat man ständig Angst, dass das Neue auch geklaut wird). Diskriminierte Menschen (sozial schwache oder Farbige) empfinden oft Stress, weil bestimmte Ziele für sie unerreichbar scheinen (Ansehen, gute Jobs).. Chronischer Stress bei Kindern beeinflusst die Entwicklung der Intelligenz erheblich. Þ

Der höhere Anteil von Herzerkrankungen und der geringere IQ bei schwarzen Amerikanern ist also nicht biologisch bedingt, sondern ist eine kognitive Auswirkung chronischen Stresses.

Die Forschung hat allerdings auch gezeigt, dass alltäglicher Stress (kleine Ärgernisse) unser Wohlbefinden- die psychische und physische Gesundheit, stärker beeinträchtigt, als wir uns oft vorstellen.(Lazerus 1981).

Bewältigung (Coping) von Stress

Stressbewältiger besitzen das Persönlichkeitsmerkmal Widerstandfähigkeit (hardiness). Widerstandsfähige Menschen sehen Stress eher als Herausforderung als als Bedrohung an (höhere Frustrationstoleranz: Versuch Wiebe 1991). Þ (Gesundheitsbezug)

Taxonomie der Bewältigungsstrategien (Lazerus):

  • Problemzentrierte Stressbewältigungsstrategie: Alles was am Problem selbst ansetzt; z.B. Kämpfen, Fliehen, weiterem Stress vorbeugen

  • Emotionszentrierte Stressbewältigungsstrategie: Aktivitäten, die an den körperlichen oder kognitiven Bedingungen ansetzen (Entspannung, Gedanken über sich selbst) oder Therapien.

Allgemein gilt, dass die Verfügbarkeit möglichst vieler Bewältigungsstrategien adaptiv ist, da es ums wahrscheinlicher ist, dass dann eine Strategie hilft. Eine wichtige Rolle bei der Stressbewältigung schreibt die Forschung der wahrgenommenen Kontrolle über den Stressor zu sowie der sozialen Unterstützung, die Menschen weniger anfällig für Stress macht.

Kognitive Strategien:

Die Veränderung des Denkens über bestimmte Stressoren, deren neue Etikettierung oder deren Vorstellung im Rahmen eines weniger bedrohlichen Kontextes (vielleicht sogar lustig) sind Formen kognitiver Neubewertung, die Stress reduzieren können.

Meichenbaum schlug 1977 einen 3- Phasen Stressbewältigungsprozess vor:

1. Phase:        Durch bewusste Wahrnehmung den Auslöser für den Stress herausfinden. (z.B. durch Tagebuch führen).

2. Phase:        Neue Verhaltensweisen finden, die die schlecht angepassten, unsinnigen außer Kraft setzen.

3. Phase:        Den dadurch erreichten Erfolg wirklich sich selbst zuschreiben.(optimistischer Attributionsstil).

Wichtig bei der Stressbewältigung ist die Herstellung einer wahrgenommenen Kontrolle (Versuch im Altersheim, wo Menschen denen Entscheidungs- und Verhaltenskontrolle zugestanden wird eher gesund bleiben) über einen Stressor: Man unterscheidet 4 verschiedene Kontrolltypen:

§   Informationskontrolle (wissen was zu erwarten ist)

§   kognitive Kontrolle (über das Ereignis anders und konstruktiver denken)

§   Entscheidungskontrolle (über alternative Handlungen entscheiden können

§   Verhaltenskontrolle (Maßnahmen ergreifen um die negativen Auswirkungen des Ereignisses zu reduzieren).


Soziale Unterstützung:

Unterstützung durch Freunde oder den Ehepartner kann ebenfalls zur Bewältigung von neg. Emotionen nützlich sein. Patienten mit ernsthaften Krankheiten fühlen sich durch (sozio)emotionale Unterstützung besser und Patienten mit nichtdramatischen chronischen Leiden fühlen sich eher durch konkrete Handlungen (z.B. Beratung) beholfen.

Gesundheitspsychologie

Sie erforscht die psychologischen Einflüsse auf das Gesundbleiben und auf das Erkranken sowie die Reaktionen auf das Kranksein (Taylor 1986). Ihr liegt ein biopsychosoziales Modell der Gesundheit zugrunde:

        positive bzw. negative Ereignisse können die Gesundheit beeinflussen

        Die Persönlichkeitsstruktur eines Menschen beeinflusst dessen Stressempfinden.

        Soziale Unterstützung verringert die Wahrscheinlichkeit an einer Krankheit zu sterben

Die Empfehlung von gesundheitsfördernden Gewohnheiten bezieht sich im wesentlichen auf Ernährung, Sport, Schlafgewohnheiten, Rauchen, Alkohol, Sex, Vorsorgeuntersuchungen und optimistische Lebenseinstellung. Untersuchungen zu Gesundheitskampagnen zeigen, dass sie langfristig zu Einstellungsänderungen beitragen können.

Dass jemand eine gesundheitsfördernde Maßnahme annimmt, lässt sich auf 4 Faktoren zurückführen.:                         

► wenn eine ernsthaft Gefahr besteht

► wenn die wahrgenommene persönliche Verwundbarkeit hoch ist

► wenn man in der Lage ist bedrohungsreduzierend zu handeln (Selbstwirksamkeit)

► wenn die Reaktion zur Bewältigung der Bedrohung führt

Rauchen:

Menschen die zum Typ „sensation seeking“ gehören (ständig nach etwas Neuem suchen) werden wahrscheinlicher zum Raucher als andere. Um das Rauchen aufzugeben durchläuft man 5 Stadien: Vorüberlegung, Erwägung, Vorbereitung, Handlung, Beibehalten.

Jedes Jahr sterben 500000 Menschen an, auf Tabakkonsum zurückzuführende Krankheiten.

Ernährung und sportliche Betätigung:

Der Körper sendet grundsätzlich Signale, wann mit dem Essen aufzuhören ist, die jedoch meist ignoriert werden.

Aids:

HIV ist ein Virus, der die weißen Blutkörperchen (T-Lymphozyten) angreift und so das Immunsystem beschädigt und für bestimmte Krankheiten anfälliger macht. Die Inkubationszeit kann 5 Jahre oder länger dauern. Um den Aids Virus zu bekämpfen muss man Menschen informieren, zur Prävention motivieren und ihnen die Verhaltensweisen (wie sie ihr Wissen anwenden) beibringen.

Essen Hungern und Diät:

Fettleibigkeit und Hungern:

Fettleibigkeit ist insofern vererbbar, dass die Geschwindigkeit mit der ein Körper Kalorien verbrennt, also der Grundumsatz des Stoffwechsels in hohem Maße vererblich ist. Bei manchen Menschen ist ein bestimmtes Gen, das die Aufgabe hat dem Gehirn mitzuteilen, wann genug Fett in den Körper gekommen ist nicht aktiv. Aber dennoch reicht die biologische Veranlagung nicht dazu aus, dass jemand übergewichtig wird.

„Ungehemmte Esser“ - Menschen, die sich beim Essen kein Limit setzen, neigen in Angstsituationen dazu weniger oder nichts zu essen. „Gehemmte Esser“- Menschen die auf Diät sind oder sich beim Essen ständig ein Maximum setzen neigen in Angst und Stresssituationen (nur psychischer, nicht physischer Art) zu unkontrolliertem Essen. Das Überessen kann ihnen helfen sich vom Angriff auf ihr Selbstwertgefühl abzulenken. Das ist ein Grund, warum Menschen, die durch Diäten abnehmen wollen eher zunehmen.

Essstörungen:

Wenn die Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung des eigenen Körpers und den tatsächliche Verhältnissen bei einem Menschen zu groß wird, kann es zu Essstörungen kommen.

Magersucht (Anorexie) liegt dann vor, wenn jemand 85% seines Normalgewichts wiegt und immer noch große Angst hat zu dick zu werden. Anoretikerinnen können Anfälle von Heißhunger haben und danach Erbrechen. (0,5 bis 1% der Mädchen)

Menschen mit Bulimiehaben unkontrollierte Essanfälle mit anschließenden Prozeduren zur Reinigung des Körpers (Erbrechen, Abführmittel). (1 bis 3% der Mädchen)

Frauen sind 10  mal so oft betroffen wie Männer. Beide Erkrankungen können langfristig zum Tod führen.

Es gibt Hinweise dafür, dass die Neigung zu Essstörungen genetisch vererbt wird. Die Hauptursache für das Auftreten dieser Krankheit liegt jedoch in den Erwartungen von Gesellschaft und Medien an das Idealgewicht von Frauen.

Diäten können nur dann erfolgreich sein, wenn realistische Ziele (Reaktionen und Fähigkeiten des Körpers) gesetzt werden. Die Statistik, dass nur 5% aller Diäten erfolgreich sind (Jojoeffekt) ist über 30 Jahre alt und wurde in Diätkliniken durchgeführt Þ Menschen die zuhause Fasten können schlecht erfasst werden.

Gesundheit und Persönlichkeit

Gesundheitspsychologen belegen einen Zusammenhang zwischen Charaktereigenschaften eines Menschen und der Wahrscheinlichkeit, dass dieser erkrankt. So leiden Personen des Typ A (nach Friedman u. Rosenman 1974), die sich durch Konkurrenzverhalten, Aggressivität, Ungeduld, große Hast und Feindseligkeit auszeichnen, eher an Herzerkrankungen. Das Typ B Muster umfasst alles was nicht zu Typ A gehört (weniger konkurrenzbewusst, weniger feindselig...Þ neutral) Personen (Typ C), die unbestimmt, nett, aufopfernd, gleichmütig, nachgiebig, ohne Ausdruck negativer Emotionen (Ärger), ohne Kampfgeist sind, können offensichtlich Krebserkrankungen weniger entgegensetzen. Insgesamt ist passive Akzeptanz bei einer Krankheit schlecht.

Viele Gesundheitspsychologen verweisen auf Optimismus als Schlüssel zur Gesundheit (Seligman 1991). Optimisten haben weniger Krankheiten, erholen sich schneller von bestimmten Krankheiten und leben länger.

 

9. Soziale Einflüsse und Prozesse

Das zentrale Anliegen der Sozialpsychologie ist die Erforschung sozialer Einflüsse und Prozesse. Diese werden beim einzelnen Individuum, zwischen Individuen und zwischen Gruppen untersucht. Merkmale wie Normen und Werte und die Geschichte keiner Person sind für Sozialpsychologen nebensächlich.

Der Einfluss der sozialen Situation auf das Handeln

Eine soziale Rolle ist ein sozial definiertes Verhaltensmuster, das von einer Person, die eine bestimmte Funktion in einer Gruppe hat, erwartet wird. Verschiedene soziale Situationen ermöglichen auch die Übernahme verschiedener Rollen.

Sozialpsychologen gehen davon aus, dass die wichtigsten Determinanten menschlichen Verhaltens und Erlebens in den Gegebenheiten der jeweiligen sozialen Situation zu suchen sind. Soziale Regeln werden explizit (Höflichkeitsregeln, „Rauchen verboten“) oder implizit (werden durch Interaktion mit anderen Menschen erlernt) eingeführt. Im „Stanford-Prison-Experiment“ konnte gezeigt werden, dass Studenten, denen die soziale Rolle „Wärter“ bzw. „Häftling“ nach dem Zufallsprinzip zugewiesen worden war, die der jeweiligen sozialen Rolle zugehörigen sozial definierten Verhaltensmuster übernahmen (Wärter: prosoziale Aggression, Gefangene: Rebellieren, Unterwerfung, Verlust von Würde).

Diese Verhaltensmuster waren für die Studenten schon bekannt (Mann- Frau, Vorgesetzter- Angestellter) und wurden durch den Versuch nur verstärkt.

Konformität: Die Wirkung von sozialen Normen und Informationen

Konformität meint die Tendenz eigene Verhaltensweisen und Überzeugungen an Gruppenmitgliedern auszurichten Þ entweder um gemocht zu werden (normativer Einfluss), oder um sich korrekt zu verhalten (man holt sich Informationen).

Soziale Normen:

Warum sich Personen konform verhalten, führen Sozialpsychologen auf die Wirkung von sozialen Normen zurück, d. h. auf spezifische Erwartungen für sozial angemessenes Verhalten, die das Verhalten von Personen sogar dann noch beeinflussen können, wenn die Gruppe, die die Norm hervorgebracht hat, gar nicht mehr existiert.

Kommt man in eine neue Gruppe, nimmt man zuerst die Einheitlichkeit des Verhaltens bestimmter Mitglieder wahr und zweitens beobachtet man die negativen Konsequenzen die bei Nichteinhaltung dieser Normen eintreten. Oft fühlen wir uns in einem neuen Umfeld deshalb unwohl, weil wir uns der Normen noch nicht bewusst sind. Teil einer Norm ist auch eine gewisse Toleranz gegenüber Abweichungen vom Standard.

Versuch (Sherif 1935): Beim autokinetischen Effekt (Wahrnehmungstäuschung, dass sich ein Licht bewegt) sagten die Probanden alle etwas anderes. In der Gruppe erkannten sie später die gleichen Bewegungen (obwohl es gar keine gab). Die Normen wurden sogar an hinzukommende Probanden übertragen bis die ganze „alte“ Gruppe ersetzt war.

Der Einfluss von Informationen

In den Untersuchungen von S. Asch (1940) konnte gezeigt werden, dass Personen ihr Handeln an den Informationen ausrichten, die sie von ihrer Bezugsgruppe erhalten. Die Neigung zur Konformität kann soweit gehen, dass Personen selbst dann ein konformes Urteil fällen, wenn deutlich sein müsste, dass es ein falsches Urteil ist. (Versuch; Vergleich von Strichen, von 9 Probanden war nur einer „echt“ > zu 30% ließ sich dieser vom falschen Urteil der anderen beeinflussen).

Nonkonformität und der Einfluss von Minoritäten

Trotz Konformitätsdrucks aufgrund von Majoritäten kann die abweichende Perspektive einer Minorität die Sichtweise der Majorität beeinflussen. Die Bedeutung dieser Forschungsperspektive liegt in dem Einblick in das Wechselspiel zwischen den Kräften von Gruppen, die den einzelnen formen und dem Vermögen des einzelnen, Gruppen zu stabilisieren oder auch zu verändern.

Eine Minorität erzeugt bei der Majorität eine kritischere Auseinandersetzung dieser mit ihren Normen und verursacht bei der Gruppe eine bessere Gedächtnisleistung als wenn jeder nur zustimmt.

Autorität und Gehorsam

Die moderne Sozialpsychologie entstand im historischen Kontext von Kriegen und faschistischen Ideologien. Sie befasste sich daher mit der dynamischen Kraft von Gruppen (Gruppendynamik), die den Verstand und die Handlungen von lndividuen zu verändern vermochte, und mit der Macht eines einzigen Mannes, die Massen zu beeinflussen. Kurt Lewins untersuchte (1939) in seinen Forschungsarbeiten insbesondere die Auswirkungen verschiedener Führungsstile[S1] :

§  Autokratischer Stil: Der Führer herrscht uneingeschränkt und bleibt auf deutlicher Distanz zu den Gruppenmitgliedern Þ Die Gruppenmitglieder können sehr hart arbeiten (allerdings nur wenn der Führer beobachtet) und sie neigen sehr zu Aggression und Frustration gegenüber schwächeren Gruppenmitgliedern.

  • Demokratischer Stil: Der Führer bezieht die Gruppenmitglieder in die Planung der Gruppenaktivitäten  und in Entscheidungsprozesse mit ein Þ Die Gruppenmitglieder arbeiten am effizientesten, motiviert und einfallsreich. Die Loyalität und die Freundlichkeit in der Gruppe steigt, die Gruppenmitglieder hatten mehr Spaß und es wurde öfters Lob untereinander verteilt.

  • Laisezz- faire- Stil: Die Gruppenmitglieder haben alle Freiheiten und der „Führer“ greift kaum durch Entscheidungen in das Geschehen ein Þ Die Leistung der Gruppenmitglieder ist hier am ineffizientesten. In Abwesenheit jeglicher sozialer Struktur tummeln sie sich einfach herum.

 

Er konnte zeigen, dass der demokratische Führungsstil[S2]  anderen Führungsstilen gegenüber überlegen ist und dass autoritäre Führung negative Konsequenzen hat. (Man kann nicht unbedingt davon ausgehen, dass diese Führungsstile, die im Versuch antrainiert und willentlich waren, auf natürliche Verhältnisse übertragbar sind)

Gehorsam

Am einfachsten wäre für uns das Nazi- Verhalten aufgrund dispositioneller Unterschiede zu erklären (gute Menschen ↔ böse Menschen). Bei Untersuchungen von Milgram (eine der umstrittenen Arbeiten in der Psychologie) wird deutlich gemacht, wie Situationsvariablen den Gehorsam gegenüber Autoritäten beeinflussen und unsere individuellen Werte außer Kraft setzen können. Im Experiment mussten Probanden als „Lehrer“ einen Schüler für schlechte Leistungen mit Elektroschocks von 15V bis 450V bestrafen. Die Probanden monierten immer wieder, da auch der „Schüler“ schrie (war nur vorgetäuscht), wurden aber dann vom Versuchsleiter darauf hingewiesen ihre „Pflicht“ zu erfüllen – 2/3 gingen tatsächlich gehorsam bei ihrer Bestrafung bis zu 450V. Auch bei weiteren Versuchen, wo die Probanden ihre Strafe an Hunden auslassen mussten haben 75% die höchste Stromstärke verabreicht (hier wurde nicht simuliert).

Faktoren die zum unbedingten Gehorsam beitragen:

§  Eine große räumliche Distanz zwischen Täter und Opfer

§  Die direkte Beaufsichtigung des Täters durch Autoritäten (die evtl. sogar belohnen; durch Ansehen etc.)

§  Der Aufbau eines Rollenverhältnisses, wo man sich einem anderen unterordnet. So kann man die Verantwortung von sich weisen. (z.B. der Täters als „Mitläufer“ d.h. er hilft nur der Person die dem Opfer den Schock gibt)

§  Soziale Normen stellen Erwartungen an den Täter, denen er sich nicht zu widersetzen wagt.

§  Umdefinition des Bösen zum Guten, da schlechte Taten vom Täter selten als schlecht beurteilt werden (Moralisches Disengagement und Dehumanisierung (nicht im Lehrer- Schüler Experiment))

§  Gehorsam entsteht leicht in mehrdeutigen Situationen und dann, wenn die ersten Schritte nicht schwierig sind.

Wenn man unrechtes Verhalten erklärt, muss man dies noch lange nicht entschuldigen und wenn man es versteht, muss man den Tätern noch lange nicht vergeben.

Hilfeleistung

Auch bei den Untersuchungen zur Hilfeleistung spielen Merkmale der Situation eine bedeutendere Rolle als Unterschiede zwischen Individuen (Schroeder 1995). Einer der Gründe, nicht zu helfen oder einzugreifen, liegt in der Verantwortungsdiffusion (Zerstreuung der Verantwortung), daneben hängt die Bereitschaft zur Hilfeleistung von folgenden Situationsmerkmalen ab:

  • Die Zuschauer müssen den Notfall bemerken (merken, dass ein Notfall vorliegt)

  • Die Zuschauer müssen das Ereignis als Notfall einordnen; dabei achtet man häufig auf andere Beobachter, ob diese die Situation als Notfall beurteilen

Þ da man sich im gewohnten Umfeld darüber sicherer ist greift man dann eher  ein, als in einem ungewohnten Umfeld (Versuch; U- Bahn u. Flughafen)               

  • Die Zuschauer müssen sich verantwortlich fühlen; je mehr Menschen Zeugen einer Situation sind, desto weniger fühlt sich jeder Einzelne verantwortlich.

  • Die Kosten des Helfens dürfen nicht zu hoch sein (welche Opfer muss man bringen)

Die Konstruktion der sozialen Realität

Soziale Wahrnehmung

Die Situation hat einen gewichtigen Einfluss auf das Verhalten von Menschen. In diesem Zusammenhang ist es von Bedeutung, dass Individuen die soziale Realität unterschiedlich konstruieren. Die selbe objektive Situation kann zu unterschiedlichen subjektiven Situationserfahrungen führen. Ein häufig untersuchter Prozess innerhalb des Individuums ist die soziale Wahrnehmung. Darunter verstehen wir die Art und Weise, wie wir Eindrücke von anderen Menschen gewinnen und ihr Verhalten erklären, beurteilen und bewerten. Die Forschung zur Kausalattribution versucht, die internalen und externalen Faktoren zu bestimmen, die zur Erklärung von Verhaltensursachen herangezogen werden.

Die Attributionstheorie (Heider 1958)

Sie beschreibt, welche Informationen eine Person nutzt, um Ursachenzuschreibungen (Kausalattributionen) vorzunehmen. Wenn wir dem Verhalten von Menschen Ursachen zuschreiben, verwenden wir das Kovariationsprinzip (Kelly 1967) und seine 3 Kriterien:

  • Distinktheit (Unverwechselbarkeit); ist das Verhalten für eine bestimmte Situation spezifisch ?

  • Konsens (Übereinstimmung); zeigen andere Menschen in der selben Situation das gleiche Verhalten ?

  • Konsistenz; Taucht das Verhalten in dieser Situation zum wiederholten Male auf ?

Wir setzen diese Kriterien ein, um Schlussfolgerungen darüber zu treffen, ob eine Handlung durch situative (Aufmerksamkeit auf die Situation) oder dispositionale (veranlagtes, typisches Verhalten; verallgemeinerndes Schließen; Aufmerksamkeit auf die Person) Faktoren verursacht wurde.

Übliche Fehler bei der Ursachenattribuierung

  • Der fundamentale Attributionsfehler - d. h. die Überbewertung dispositionaler und die Unterschätzung situativer Faktoren (Wenn jemand zu spät kommt ärgert man sich eher über das „typische“ Verhalten, als dass man an etwas das dazwischen kam denkt)   Versuch im Labor; Quizmaster werden gebildeter geschätzt als Kandidaten.

  • Die Verzerrung (bias), die durch den Akteur-Beobachter-Unterschied zustande kommt.

Fundamentale Attributionsfehler sind in der westlichen Kultur viel häufiger und werden bei uns schon im Kindesalter herausgebildet (Untersuchungen an Amerikanern und Indern;  Miller 1984).

Selbstdienliche Wahrnehmungsverzerrungen dienen der Erhaltung eines positiven Selbstbildes: bei Erfolgen nehmen wir dispositionale und bei Misserfolgen situative Attributionen vor. (Ausnahme: Depressive) Diese optimistische Attribution kann z.B. bei Glücksspielern negativ sein, da sie so immer weiter spielen (Gilovich 1983).

Erwartungen und sich selbst erfüllende Prophezeiungen.

Wenn eine Person nicht die Möglichkeit hat sich ein realistisches Bild von jemandem zu machen, bevor sie eine Information oder ein Urteil über diesen erhält, üben die Erwartungen den größten Einfluss aus. Unter solchen Umständen treten auch sich selbst erfüllende Prophezeiungen (self fulfilling prophecies) auf, d. h. Vorhersagen über zukünftiges Verhalten oder für bestimmte Ereignisse, die die Interaktionen so beeinflussen, das dadurch genau das produziert wird, was erwartet wurde. (Beispiel; Zuneigung)

Rosenthalversuch (1974): Lehrer bekamen über willkürlich ausgewählte Schüler gesagt, dass sie hoch begabt seien. Nach einem Jahr hatten 30% der Schüler einen IQ Zuwachs von 22 Punkten (fast alle mindestens 10 Punkte).             Warum ? :

§  Die Lehrer zeigten den ausgewählten Schülern gegenüber Anerkennung und Akzeptanz.

§  Sie stellten qualitativ höhere Anforderungen an die Schüler

§  Sie gaben klarere Rückmeldungen wie Lob und Tadel

§  Die Schüler durften sich mehr präsentieren, was ihr Selbstwertgefühl steigerte

Snyder (1984) nennt dies „Bestätigung durch Verhalten“ („behavioral confirmation“)

Soziale Realität und Einstellungen.

Eine Einstellung ist eine psychologische Tendenz, die sich durch die Bewertung eines bestimmten Gegenstandes oder einer bestimmten Situation mit einem gewissen Grad an Zustimmung oder Ablehnung ausdrückt (Eagly u. Chaiken 1993).

Unsere Einstellungen sind so etwas wie ein Kameraobjektiv, durch das wir die soziale Wirklichkeit betrachten.

Dissonanztheorie

Wenn eine Person sich im Widerspruch zur eigenen Einstellung verhält, und sie dafür nur eine minimale Rechtfertigung hat, so spricht man von kognitiver Dissonanz. Diese Dissonanz aktiviert und motiviert zu Handlungen, die zu ihrer Reduzierung führen. Oft werden die Einstellungen so geändert, dass sie besser zum vorangegangenen Verhalten passen.

Beispiel: Jemand hat zwei dissonante Kognitionen: er weiß er raucht und er weiß, dass es schädlich ist. Zur Reduzierung der Dissonanz gibt es verschiedene Möglichkeiten:

§  Änderung der Annahme, dass Rauchen schadet

§  Verhaltensänderung; Aufhören zu rauchen

§  Neueinschätzung des Verhaltens; ich rauche ja gar nicht so viel

§  Hinzufügen neuer Kognitionen; ich rauche nur leichte Zigaretten

Klassischer Versuch (Festinger und Carlsmith): Probanden mussten über etwas Langweiliges positiv urteilen. Ein Teil der Probanden (A) bekam für diese Lüge 1$, ein anderer Teil (B) 20$. Teil A löste die kognitive Dissonanz, dass sie für die Lüge unterbezahlt wurden, indem sie das Langweilige im Nachhinein doch nicht mehr so langweilig fanden. Bei Teil B ergab sich keine Dissonanz, weshalb diese weiterhin behaupteten es sei langweilig gewesen.

Einstellungsänderungen werden dadurch erzeugt, dass zuerst das Verhalten verändert wird. Unter Bedingungen großer Wahlfreiheit und niedriger Rechtfertigung wird Verhalten erzeugt, das mit der Einstellung dissonant ist.

Selbstwahrnehmung

Nach der Theorie der Selbstwahrnehmung nehmen wir uns und unser aktuelles Verhalten wahr, erinnern uns daran wie wir in der Vergangenheit in einer bestimmten Situation reagiert haben und schließen dann auf unsere inneren Zustände – Überzeugungen, Einstellungen, Motive und Gefühle – oder darauf, wie unser innerer Zustand aussehen sollte. (D.Bem 1972)

Soziale Wirklichkeiten werden durch Unterschiede der Perspektive individuell verschieden konstruiert (wird z.B. bei Erzählungen von zwei Personen über das selbe Ereignis ersichtlich). Soziale Situationen gewinnen für den Einzelnen dadurch an Bedeutung, dass sie auf der Grundlage von Erwartungen und Bedürfnissen interpretiert und enkodiert werden.

Soziale Beziehungen

Vorurteile

Als Vorurteil bezeichnet man eine gelernte Einstellung gegenüber einem Zielobjekt, bei dem negative Gefühle (Abneigung oder Angst) und negative Annahmen (Stereotype), die als Rechtfertigung für die Einstellung dienen, beteiligt sind. Dazu kommt auf der Verhaltensebene die Neigung, die Mitglieder der Zielgruppe zu kontrollieren oder zu dominieren, zu meiden oder zu eliminieren.

Eine falsche Überzeugung wird dann zum Vorurteil, wenn sie auch angesichts angemessener Gegenbeweise gegenüber Änderungen resistent ist.

Die Ursprünge von Vorurteilen führt man auf den Prozess der sozialen Kategorisierung zurück. Hierbei organisieren wir unsere soziale Umwelt, indem wir uns und andere in Gruppen einordnen. Diese Einordnung hat sich aus einer »Ich-oder-Nicht-Ich-Orientierung« zu einer »Wir-oder-Sie-Orientierung« entwickelt. Die Unterscheidungsprozesse führen zu einer Voreingenommenheit für die eigene Bezugsgruppe, den sog. In-group-Bias, und zu der Bewertung, dass die eigene Gruppe besser als die andere sei.

Vorurteile müssen nicht immer bewusst internalisiert worden sein. Haben sich Vorurteile erst einmal herausgebildet, üben sie einen großen Einfluss darauf aus, wie die fortlaufenden Erfahrungen selektiv verarbeitet, organisiert und erinnert werden.

Abbau von Vorurteilen

Aus Untersuchungen zum Abbau von Vorurteilen weiß man, dass ein Programm zur Beseitigung von Vorurteilen idealerweise die persönliche Zusammenarbeit bei der Erreichung gemeinsamer Ziele in den Vordergrund stellen sollte (Sherif 1961).

Aronson versuchte 1978 ethische Gruppierungen in Schulklassen zusammenzubringen. Er wandte dabei die „Jigsawing- Technik“ (Bandsägen- Technik), bei der man bestimmte Aufgaben nur durch Kooperation mit anderen (wie beim Sägen mit einer Bandsäge) erfüllen kann. Außenseiter konnten dadurch besser integriert werden.

Interpersonale Anziehung (Attraktion)

Je mehr man mit einer Person oder einem Objekt zu tun hat, desto mehr wird man sie oder es mögen --> „mere exposure effect“ (Zajonk 1968).

In unserer Kultur gibt es das Stereotyp, dass physisch (körperlich) attraktive Menschen „gute“ Menschen sind ; Versuch : Probanden achteten mehr auf Schönheit als auf Intelligenz.

In langfristigen Freundschaften liegt meist eine Übereinstimmung der physischen Attraktivität vor.

Aspekte der Anziehung zwischen Menschen sind physische Attraktivität und Ähnlichkeit, wobei neben der Ähnlichkeit in der körperlichen Attraktivität noch Ähnlichkeiten in den Überzeugungen, Einstellungen und Werthaltungen von Bedeutung sind, da Personen, die uns ähnlich sind uns eine persönliche Bestätigung liefern (Byrne u. Clore 1970).

Unähnlichkeit erzeugt oftmals einen starken Widerwillen. Wenn man erkennt, dass jemand andere Ansichten vertritt, ruft man sich Beispiele für Auseinandersetzungen mit unähnliche Personen aus dem Gedächtnis ab, und ist nun motiviert sich fernzuhalten (Rosenbaum 1986).

Ebenso gilt die Regel der Reziprozität (dass man zurückgeben soll, was man bekommt) in Freundschaftsbeziehungen (Backman u. Secord 1959).

Weil die Überzeugung das Handeln beeinflussen kann, kann die Überzeugung dass uns jemand mag oder nicht, die Beziehung in die ein oder andere Weise verändern (Curtis u. Miller 1986). Þ Self fulfilling prophecies

Liebe

Nach einer der von Psychologen aufgestellten Theorien zu Liebesbeziehungen haben Menschen in engen Beziehungen das Gefühl, dass sie die andere Person in ihr Selbst eingeschlossen haben (Aron 1994). Über den Bestand von Beziehungen sagt das Dependenzmodell voraus, dass Menschen um so wahrscheinlicher eine Beziehung aufrechterhalten, je mehr diese wichtige Bedürfnisse erfüllt, die nicht durch jemand anderen erfüllt werden können.

Das Dependenzmodell (Abhängigkeitsmodell)

§  Das Ausmaß, in dem verschiedene Bedürfnisse in der Beziehung einer Person wichtig sind (Intimität, Sexualität, emotionales und intellektuelles Engagement).

§  Das Ausmaß, in dem diese Bedürfnisse befriedigt werden.

§  Die Frage, ob noch jemand anderes existiert, zu dem die Person eine wichtige Beziehung hat, der die Bedürfnisse ebenfalls befriedigen kann.

§  Das Ausmaß in dem die Bedürfnisse von einer anderen Person befriedigt werden.

Zur Vorhersage der Qualität von Beziehungen haben sich Bindungstypen als ziemlich genaue Prädiktoren erwiesen:

§  Sicherer Bindungstyp: ohne Ängste verlassen zu werden

§  Meidender Bindungstyp: distanziert, fühlt sich intim nicht wohl

§  Ängstlich- ambivalenter Bindungstyp: hätte gern mehr als er sich traut

Sicher gebundene Personen hatten als Erwachsene die dauerhaftesten Liebesbeziehungen.

Am Anfang einer Beziehung ist die Intensität sehr hoch („passionate love“), bei langfristigen Beziehungen nimmt die Intensität ab und die Intimität steigt („companionate love“), was jedoch nicht als Abhandenkommen der Liebe interpretiert werden kann.

Man fand auch noch bei 30 Jahre alten Paaren ein beachtliches Maß an leidenschaftlicher Liebe (Aron 1994).

 

10. Entwicklung

Aufgaben, Methoden und Konzepte der Entwicklungspsychologie

Die Aufgabe der Entwicklungspsychologie liegt darin, altersbezogene Veränderungen in den psychischen Funktionen des Menschen zu beschreiben und auch zu erklären.

Mit Hilfe von Querschnitt- und Längsschnittuntersuchungen werden Entwicklungsprozesse erfasst.

Querschnittstudien

In Querschnittstudien (Q- Studien) werden Personengruppen unterschiedlichen chronologischen Alters zu einem bestimmten Erhebungstermin beobachtet und hinsichtlich Verhaltensunterschiede verglichen.

Vorteil

§  Man kann eine große Altersspanne auf einmal untersuchen

Nachteile:

§  Konfundierung von Alters- und Kohorteneffekten (Überlagerung von Alterseffekten durch variierende politische oder soziale Einflüsse)

§  Fraglichkeit der Generalisierbarkeit der Resultate auf andere Erhebungszeitpunkte

§  Es werden keine Informationen über Entwicklungsverläufe einzelner Personen gegeben

Längsschnittuntersuchungen

In einer Längsschnittstudie (L- Studie) beobachtet man die selben Personen wiederholt – oft über Jahre hinweg.

Vorteil

§  Man kann Informationen über Entwicklungsverläufe bei einzelnen Personen beobachten und muss keine Gruppendaten erschließen.

§  Kohorteneffekte (dass altersbedingte Veränderungen mit Unterschieden in den sozialen  Bedingungen verschiedener Kohorten vermischt sein könnten) können nicht auftreten

Nachteile

§  Erfordert einen hohen zeitlichen Aufwand

§  Es werden nur Menschen untersucht, die etwa zur gleichen Zeit geboren sind Þ muss also nicht für andere Generationen gelten

Bekannteste Längsschnittstudie (70 Jahre) beschäftigt sich mit der Intelligenzentwicklung (Terman 1925- 1956, R.u.P. Sears)

Sequentielle Versuchspläne vermeiden die größten Probleme von Längsschnitt- und Querschnittuntersuchungen Þ Altersunterschiede nicht übermäßig groß (kein Kohorteneffekt) und die zeitliche Länge wird so gewählt, dass sich die beobachteten Altersabschnitte verschiedener Kohorten im Laufe der Zeit überlappen.

Die Erhebung von Normdaten ist ein Verfahren, durch das ein Vergleich möglich wird, denn Normen geben ein Durchschnittsalter an, in dem ein jeweiliges Verhalten beherrscht wird.

Durch eine 2- jährige Untersuchung von Bayley (1969) wurden die „Bayley Scales of infant development“ entwickelt (wann welche Verhaltensweisen auftauchen).

Erklärung von Entwicklungsprozessen

Die Anlage- Umwelt- Kontroverse

Während extreme Empiristen (John Locke) der Meinung sind, Entwicklung werde allein durch Stimulation aus der Umwelt gesteuert, vollzieht sich nach Meinung der extremen Nativisten (Jean Jacques Rousseau). Entwicklung allein aufgrund von Anlagen. In der aktuellen Forschung wird von einem wechselseitigen Einfluss aufeinander ausgegangen; Anlage-Umwelt-Interaktion:

Einige Theorien besagen, die Entwicklung des Menschen verläuft diskontinuierlich- in sich qualitativ unterscheidenden Stufen, andere besagen sie verläuft kontinuierlich (quantitativ). (die linke Hirnhälfte entwickelt sich diskontinuierlich, die rechte kontinuierlich).

Beispielsweise ziehen Forscher aus dem Tierreich und aus einigen tragischen »Experimenten der Natur« (»wilder Junge von Aveyron«) den Schluss, dass der Genotyp festzulegen scheint, dass bestimmte Ereignisse der Umwelt in sensiblen Perioden/Phasen vorliegen müssen, damit ein bestimmtes Verhalten gelernt werden kann.

Individuelle Genotypen und die Umwelt

Das Zusammentreffen der Eizelle und der Samenzelle legt konstitutionelle Faktoren (Reaktionstendenzen, Gemütszustände) fest, die unser Leben lang ziemlich gleich bleiben werden. Einfache Merkmale (wie z.B. die Augenfarbe) werden dominant (Gen tritt auf jeden Fall in Aktion)- rezessiv (Gen tritt nur in Aktion, wenn es in Kombination mit einem anderen gen vorkommt) vererbt, komplexe Merkmale (z.B. psychische und charakterliche Eigenschaften; Emotionalität) werden durch die Wechselwirkung vieler Gengruppen beeinflusst.

Nur 10% der ererbten Gene werden genutzt, die anderen dienen als Treuhandvermögen im falle umweltbedingter Veränderungen.

Der Genotyp legt ein Potential fest, und die Umwelt realisiert dieses Potential oder auch nicht.

 

Die Umwelt beeinflusst die Entwicklung als biochemische Umwelt (z. B. Drogen in der Schwangerschaft, Entwicklung der erreichbaren Körpergröße), aber auch dadurch, dass sich Entwicklungsaufgaben immer innerhalb eines bestimmten kulturellen Rahmens stellen.

Der Einfluss der genetischen Anlage, die allen Menschen gemeinsam ist, wird unter dem Einfluss unterschiedlicher Umweltbedingungen immer schwächer. Þ Menschen werden mit zunehmendem Alter immer unterschiedlicher.

Lebenslange Entwicklung :

Die psychosozialen Entwicklungsstufen nach Erikson

  • Die Theorie umfasst die Entwicklung vom Säuglings bis zum Greisenalter

  • Sie zeigt auf, wie qualitative Veränderungen in den zentralen Lebensthemen durchaus mit einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess vereinbar sind

  • Der kulturelle Rahmen und der soziale Kontext bei der Entwicklung eines Individuums werden in die Theorie mit einbezogen.

Im Mittelpunkt der Entwicklungstheorie von Erikson stehen 8 psychosoziale Entwicklungsstufen im Lebenszyklus, die durch Entwicklungsaufgaben gekennzeichnet sind. Die Entwicklungsaufgaben einer Stufe werden als krisenhaft erlebt und ihre Bewältigung führt zu qualitativen Veränderungen in den zentralen Lebensthemen und ist Voraussetzung für die Bewältigung der Konflikte der nächsten Stufe. Erfolge und Misserfolge können den Verlauf der nachfolgenden Entwicklung positiv oder negativ beeinflussen.

Stufe

Ungefähres Alter

Krise/Aufgabe

Angemessene Lösung

Unangemessene

Lösung

Vertrauen vs. Missvertrauen

0      – 1.5 Jahre

Urvertrauen zur Umgebung entwickeln

Durch eine stabile Beziehung zu den Eltern Þ stabiles (grundlegendes) Sicherheitsbewusstsein

Vernachlässigung Þ Angst und Unsicherheit

Autonomie vs. Selbstzweifel

1.5   –   3 Jahre

Gefühl der Selbständigkeit und  des Anerkenntseins erlangen

Schützende Eltern- Kind- Beziehung die das Kind ermutigt Herausforder-ungen aufzunehmen Þ Selbstwahrnehmung als Handelnder, fähig zur Körperbeherrschung und Verursacher von Geschehen

 

Übertriebene Kontrolle oder Kritik (z.B. zu strenge Sauberkeitserziehung) Þ Selbstzweifel an Fähig-keiten zur Kontrolle über Ereignisse

 

Initiative vs. Schuld

3      –   6 Jahre

 

Bei intellektuellen und körperl. Aktivitäten die Initiative ergreifen

Durch die Reaktionen der Eltern auf die Aktionen

Vertrauen auf eigene Initiative und Kreativität stärkt das Gefühl der Freiheit

Schuldgefühle und das Gefühl fehlenden Selbstwerts

Kompetenz vs. Minderwertigkeit

6 Jahre – Pubertät

Übergehen vom zufälligen Erkunden zur systematischen Entwicklung der Fähigkeiten

Sind die Bemühungen erfolgreich (z.B. Interaktion mit Gleichaltrigen) Þ Gefühl von Kompetenz und Vertrauen auf angemessene grundlegende soziale und intellektuelle Fähigkeiten

Durch viele Misserfolgserlebnisse (eher Zuschauer als Akteur) Þ

Mangelndes Selbstvertrauen, Gefühl des Versagens

Identität vs. Rollendiffusion

Jugend (Adoleszenz)

In der sich für sie erweiternden Welt mehrere Rollen ausprobieren

Gelingt es dabei eine eigene Identität zu finden Þ  festes Vertrauen in die eigene Person

Gelingt es nicht Þ Wahrnehmung des Selbst als bruchstückhaft; schwankendes unsicheres Selbstbewusstsein

Intimität vs. Isolierung

Junges 

Erwachsenenalter

Emotionelle, moralische und sexuelle Beziehungen zu Menschen eingehen

Gelingt das Eingehen von Kompromissen und das teilweise Aufgeben von Unabhängigkeit Þ Fähigkeit zur Nähe und zur Bindung an jemand anderen

Gelingt dies nicht Þ Gefühl der Einsamkeit, des Abgetrenntseins; Leugnung des Bedürfnisses nach Nähe

Generativität vs. Stagnation

Mittleres Erwachsenenalter

Konzentration auf sich und den Partner verringern

Interesse an Familie, Gesellschaft, künftigen Generationen das über unmittelbar persönliche Belange hinausgeht

(Bei Nichtlösen vorheriger Entwicklungsaufgaben Þ Midlife crisis) Selbstbezogene Interessen; fehlende Orientierung an der Zukunft

Ich- Integrität vs. Verzweiflung

Höheres Erwachsenenalter

Wissen um Sterblichkeit, Körperveränderung

Gefühl der Ganzheit, grundlegende Zufriedenheit mit dem Leben

Gefühl der Vergeblichkeit, Enttäuschung

 

Für Menschen in den westlichen Kulturen gilt Eriksons Stufenmodell als angemessene Beschreibung der Persönlichkeitsentwicklung über die Lebensspanne. Auf Kulturen, denen Autonomie und Individualität nicht so wichtig sind trifft Eriksons Theorie weniger zu.

Kognitive Entwicklung in der Kindheit

Kognitive Entwicklung nach Jean Piaget (1896–1980)

Piaget untersuchte, wie sich das Denken von Kindern und ihre inneren Repräsentationen der äußeren Realität von Entwicklungsstufe zu Entwicklungsstufe qualitativ verändern.

Kognitive Strukturen als Entwicklungsvoraussetzung und -ergebnis resultieren aus dem Wechselspiel der Anpassungsprozesse Assimilation und Akkommodation, die dem allgemeinen Äquilibrationsprinzip (Gleichgewichtsmodell) unterliegen.

§  Bei der Assimilation wird die Information, die das Individuum aufnimmt, so verändert, dass sie sich in vorhandene (Handlungs)schemata einfügt Þ vorhandene Fertigkeiten nutzen (z.B. Beim Übergang vom Saugen an der Brust zum Trinken aus der Flasche assimiliert das Kind die Flasche an das Saugschema)

§  Bei der Akkommodation werden die (Handlungs)schemata selbst verändert, um der Information angemessen zu sein (z.B. muss der Schnuller beim Trinken nun anders in den Mund genommen werden und die Flasche muss bestimmt gehalten werden)

Nach dem Äquilibrationsprinzip ist Entwicklung eine fortlaufende Folge von Gleichgewichts- und Ungleichgewichtszuständen, wobei das Ungleichgewicht vom Gleichgewicht auf einem höheren Niveau abgelöst wird. (Das Kind richtet die Augen auf das was es noch nicht versteht, oder kann (Ungleichgewicht) und löst es später (Gleichgewicht))

Alle Kinder erreichen, nach der Invariabilitätsannahme, 4 Stufen in derselben Reihenfolge, obwohl das Entwicklungstempo unterschiedlich sein könne. Die Stufen sind Ergebnisse der kognitiven Entwicklung – Ergebnisse von Adaptionsprozessen (Assimilation und Akkommodation), die immer dem selben Organisationsprinzip unterliegen.                              Þ funktionale Kontinuität trotz Stufen!

1.    die sensomotorische Stufe (Säuglingsalter; bis 2 Jahre): Die Fähigkeit nicht gegenwärtige Ereignisse symbolisch zu repräsentieren wird ausgebildet. Ein Kind verfügt am Ende dieser Stufe über das innere Abbild eines Gegenstandes, und es kann damit „im Geist“ umgehen ohne, dass dieser physisch präsent sein muss. Die Fähigkeit angepasst zu reagieren und die Objektpermanenz (Gegenstände werden wahrgenommen als Dinge, deren Verhalten und Existenz nicht von der Aktivität des Kindes abhängen) werden hier entwickelt.

2.    die Stufe des präoperationalen oder intuitiv-anschaulichen Denkens (Kindergartenalter     2-7): Die Aufmerksamkeit des Kindes richtet sich am Anfang auf ein Merkmal. Kinder sind naive Realisten – sie glauben alles was sie sehen. Das Kind kann nicht mehr als einen Wahrnehmungsgesichtspunkt gleichzeitig berücksichtigen. Es ist in so fern egozentrisch, dass es sich eine Szene nicht aus der Sicht eines anderen vorstellen kann und dass es glaubt alle denken und sehen so wie es. Gegen Ende dieser Stufe kann sich ein Kind z.B. vorstellen was ein, ihm gegenüber stehender sieht, oder dass ein Junge mit Mädchenkleidern nicht zum Mädchen wird. Kinder überwinden in dieser Stufe die Begrenzung auf das unmittelbar Vorhandene.

3.    die Stufe der konkreten Denkoperationen (Grundschulalter 7-11): Die Kinder erwerben auf dieser Stufe die Fähigkeit zum Schlussfolgern und logischen Denken. Sie benötigen allerdings immer noch Symbole für konkrete Gegenstände (noch keine Abstraktion). Verständnis der Invarianz von Mengen (Umfüllversuch).

4.    die Stufe der formalen Denkoperationen (ab dem Jugendalter). Die Entwicklungssequenz ist gekennzeichnet durch eine Zunahme der Fähigkeiten, geistige Operationen ausführen zu können, die nicht mehr an konkrete Probleme gebunden sind (Abstraktionen) und hypothetische Fragen zu stellen (was wäre wenn). Gedankenketten werden erschlossen.

Neuere Ansätze zur kognitiven Entwicklung.

Piagets Stufenmodell ist ein Vorbild für psychologische Theoriebildung über Entwicklungsprozesse. Dennoch hat Piaget anscheinend die kognitiven Fähigkeiten von Kindern unterschätzt. Versuch (Objektpermanenz bei 6 Monatigen): Nach der Habituation eines Ereignisses (Auto rollt an einem Klotz vorbei) trat eine Dishabituation nur dann ein wenn noch ein unmögliches Ereignis manipuliert wurde (Auto rollt durch den Klotz durch).

Das Unterschätzen der Kinder durch Piaget hat 3 Gründe:

  • er verfügte nicht über moderne Untersuchungstechniken (Herzschlag messen)

  • er verließ sich bei älteren Kindern sehr stark auf ihre Beschreibungen der Denkprozesse; Kinder können aber durchaus etwas verstehen, ohne dass die in der Lage sind es auch zu erklären.

  • In den Versuchen wurden die Kinder meist durch das äußere Erscheinen irritiert (z.B. beim Umfüllversuch wurden die Kinder von dem hohen Behälter (dem Augenschein) getäuscht. Dazu Untersuchung: Wenn Kinder Spielsachen ordnen sollen, ordnen sie diese nach Szenen (stellen z.B. ein Wohnzimmer zusammen) sollen sie die Gegenstände allerdings in Tüten ordnen (so dass sie ihre Ordnung nicht mehr sehen, der Augenschein also nicht täuscht) dann ordnen sie kategorial (wie Erwachsene; alle Stühle zusammen...).

Die Nutzung moderner Technologien in den Untersuchungen und auch die Erforschung von Metakognitionen von Kindern (wie denken Kinder über ihr Denken nach) führen zu der Vorstellung, dass Kinder elementare Theorien (eine »naive Psychologie«- „theory of mind“) erwerben, um ihre Erfahrungen zu interpretieren. Versuch: 3-jährige können z.B. die Farbe eines Spielzeugs nennen jedoch können sie die dafür erforderliche Wahrnehmungsaktivität nicht zuordnen („anschauen“). (Þ dies müssen Kinder durch geistige Prozesse herausfinden.)

Kognitive Entwicklung im Jugend- und Erwachsenenalter

Piaget ignorierte in seiner Beschreibung der Denkentwicklung Veränderungen im Erwachsenenalter. Seinen Ausführungen nach stellt das Erreichen des formal-operationalen Denkens die letzte Stufe der kognitiven Entwicklung dar. Formale Denkoperationen kennzeichnen nicht den vorherrschenden kognitiven Stil der Erwachsenen im Alltag.

Erwachsene müssen mit Inkonsistenzen, Widersprüchen und (emotionalen) Mehrdeutigkeiten umgehen. Der hieraus resultierende eher pragmatische kognitive Stil wird als »postformales Denken« bezeichnet.

 

Kognitive Veränderungen im höheren Erwachsenenalter:

Intelligenz und Gedächtnis. Untersuchungen zur Intelligenzentwicklung zeigen nur bei der Fähigkeit zum schnellen und gründlichen Lernen (fluide Intelligenz, nicht bei der kristallisierten Intelligenz) einen leichten Abbau mit fortschreitendem Alter. Für manche intellektuellen Defizite scheint eher ein mangelnder Einsatz von Fähigkeiten als Abbau verantwortlich zu sein („wer rastet, der rostet“). Der Leistungsabfall könnte auch durch negative Einstellungen gegenüber den Fähigkeiten älterer Erwachsener erklärt werden. Eine Strategie für das erfolgreiche Altern wurde von Baltes aufgedeckt: Da die Intellektuelle Leistung unterschiedlich abnimmt, kann aus psychologischer Sicht nicht das ZNS dafür verantwortlich sein.

Selektive Optimierung mit Kompensation

Um erfolgreich zu altern gibt es drei Strategien:

§   Man reduziert die Anzahl und Breite seiner Ziele von sich aus (selektiv)

§   Die Bereiche mit höchster Priorität werden besonders trainiert (Optimierung)

§   Man sucht nach alternativen Wegen um mit dem „Abbau“ fertig zu werden (Kompensation) Þ z.B. trifft sich nur mit Gleichaltrigen

Der Pianist Arthur Rubinstein konnte so bis 90 Konzerte geben.

In der Gedächtnisforschung lassen sich einige Formen der Beeinträchtigung auf biologische Vorgänge zurückführen (Zellabbau oder weniger Neurotransmitter ins Gehirn) (z.B. Altsheimer- Krankheit), bei anderen sind sich Wissenschaftler uneins (es könnte auch nur durch Einbildung kommen).

Spracherwerb

Auch beim Spracherwerb geht man davon aus, dass Kinder mit mentalen Strukturen auf die Welt kommen, die Sprachverstehen und Sprachproduktion begünstigen. Diese angeborene Prädisposition muss einerseits ausgeprägt, andererseits flexibel sein, da jedes Kind, unabhängig davon, wo es zufällig geboren wird, jede der 4000 Sprachen der Erde als Muttersprache erlernen kann. Eltern führen Kinder früh in Protodialogen (Zeigegesten „pointing“ und Weinen) in die Sprache ein, bevor sie mit der Ammensprache (Babysprache) auch affektive Botschaften verbal übermitteln. Die Ammensprache dient vor allem:

  • Der Erlangung der Aufmerksamkeit des Kindes

  • Der Kommunikation affektiver Inhalte (Gefühle)

  • Der Markierung eines Sprecherwechsels in Eltern- Kind- Dialogen

Schon Säuglinge können Phonemwechsel erkennen; Versuch: sie habituierten an ein „ba-ba-ba“ wenn es mehrmals gesprochen wurde und dishabituierten nur bei einem „pa-pa-pa“. (Bei Babies wird die (Dis)habituation an der Saugintensität und -häufigkeit gemessen). Babys haben eine Sensibilität für Lautdifferenzierungen die verloren geht (mit ca. 8 Monaten), wenn die Differenzierung in ihrer Sprache nicht verwendet wird. (Versuch mit Säuglingen und Erwachsenen verschiedener Sprachen auf Laute die in der jeweiligen Sprache nicht vorkommen).

Säuglinge gehen wie Wissenschaftler vor, sie haben zunächst immer Hypothesen darüber was ein Wort bedeuten könnte und sie nutzen das Gelernte um neue Bedeutungen zu erschließen.

Die Umfang des Wortschatzes steigt zwischen 18 Monaten und 6 Jahren rapide. Mit ca. 2 Jahren fangen Kinder an auch über psychische Dinge (Träumen, Fühlen, Hoffen...) zu reden.

Kinder denken, dass jedes Objekt nur eine Bezeichnung haben dürfe (mutual exclusivity).

Grammatikerwerb

Für den Grammatikerwerb wird eine biologische Grundlage angenommen. Obwohl Eltern ihren Kindern Grammatik nicht explizit erklären müssen, können bestimmte Sprechgewohnheiten den Stil und das Tempo des Spracherwerbs beeinflussen. (verwenden Mütter wenige Substantive, so drücken sich die Kinder expressiv aus: „will haben“).

Kinder übergeneralisieren oft grammatikalische Regeln (z.B. bei Vergangenheit), obwohl sie die richtige Form vielleicht schon kennen, diese allerdings nicht mit der Grundform verbinden.

Aus Untersuchungen zum Erwerb von Wortbedeutungen, Grammatikerwerb und dem Erlernen der Gebärdensprache ziehen Wissenschaftler (Lenneberg 1969) auch hier den Schluss, dass es sensible Phasen gibt, die den körperlichen und kognitiven Entwicklungsstufen der Kinder entsprechen. Deshalb lernt man eine Sprache im Säuglings- und Kinderalter am besten

Sozialisation und sozial-emotionale Entwicklung

Bindung (attachment)

Eltern sind die bedeutendste Sozialisationsinstanz für Kinder. Beim Verhalten und bei Gefühlen von Eltern und Kind lässt sich eine bemerkenswerte Synchronizität feststellen. Allgemeine Erfahrung und besondere Formen der Unterstützung beeinflussen sehr, inwieweit konstitutionelle Faktoren (z.B. angeborene Schüchternheit) zum Ausdruck kommen. Lächeln hängt bei Säuglingen teilweise davon ab, wie sie den sozialen Kontext beurteilen (zu sozialen Zwecken eingesetzt) und es erfolgt teilweise unabhängig von der Emotion. Ein Säugling sucht Bindungspersonen, die auf solche Signale reagieren (falls z.B. die Mutter sich abweisend verhält). Auf der Grundlage angeborener sozialer Fähigkeiten des Kindes wird zwischen dem Kind (Aussenden von Signalen) und einer verfügbaren Bezugsperson (Reaktion auf diese Signale) eine Bindungsbeziehung aufgebaut, deren frühe Funktion darin besteht, dem Kind das Überleben zu gewährleisten. Die Qualität dieser Bindung kann durch den Fremde-Situation-Test (Ainsworth 1978) bestimmt werden. (Dabei lässt die Mutter ihr 1- 2 jähriges Kind mit einer anderen Person zurück. Es wird beobachtet, wie das Kind reagiert.)

Daraus ergeben sich 4 Bindungstypen:

§  sichere Bindung; Kinder reagieren verstört  und wollen beruhigt werden.

§  die ablehnend-unsichere Bindung; die Kinder gehen auf Distanz und meiden evtl. die Mutter nach der Rückkehr.

§  die ambivalent-unsichere Bindung; die Kinder werden ängstlich und lassen sich nach der Rückkehr der Mutter kaum beruhigen, suchen jedoch Körperkontakt.

§  die desorganisiert-unsichere Bindung; die Kinder sind verwirrt und verhalten sich nach der Rückkehr der Mutter widersprüchlich (sehen Mutter nicht an).

Es konnte gezeigt werden, dass die Bindungsqualität einen Einfluss auf die weitere Entwicklung ausübt. Kinder mit sicherer Bindung sind mit 4 Jahren meist kompetenter.

Der Einfluss der elterlichen Erziehung[S3] 

Als günstig für die Entwicklung von Kindern hat sich der autoritative Erziehungsstil erwiesen, der ein hohes Maß der beiden Dimensionen Zuwendung/Wärme und Lenkung/Kontrolle[S4]  (Strukturierung) kombiniert. Als weniger günstig erwiesen sich der autoritäre (lenkend ohne Zuwendung) und der nachgiebige Erziehungsstil (Zuwendung ohne Lenkung), und am nachteiligsten für die Kinder zeigte sich eine vernachlässigende Erziehung (Desinteresse der Eltern ohne Zuwendung und ohne Lenkung) (Maccoby u. Martin). In einer Längsschnittstudie über 35 Jahre wurde herausgefunden, dass die Personen, die autoritativ erzogen wurden am emotional intelligentesten waren.

Fremdbetreuung (Day care)

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse zur Fremdbetreuung zeigt, dass sich, wenn eine qualitativ gute Betreuung in Kindertagesstätten und ein allgemeiner Einstellungswandel in der Gesellschaft gewährleistet sind, Kinderbetreuung außer Haus sogar förderlich auf die Entwicklung von Kindern auswirken kann. In einer guten Betreuungsstätte sollten auf 6 Kinder mindestens ein Erzieher fallen und diese sollten über gute Elterneigenschaften verfügen.

Biologisches und psychologisches Geschlecht

Der Befund, dass Jungen körperlich aktiver und aggressiver sind als Mädchen, wird mit biologischen Geschlechtsunterschieden (Sexualhormone) erklärt. Das psychologische Geschlecht („gender“) bezieht sich auf gelernte geschlechtsbezogene Verhaltensweisen und Einstellungen von Männern und Frauen (Geschlechtsrollen}.

Geschlechtsidentität und Geschlechtsrollenerwerb. Für das psychische Wohlergehen von Kindern ist die Erfahrung der Geschlechtsidentität wichtig, also das Erleben, männlich oder weiblich zu sein. Geschlechtsrollen sind Verhaltensmuster, die man in einer bestimmten Gesellschaft jeweils bei Männern und Frauen für angemessen hält. Die geschlechtsspezifische Sozialisation beginnt schon bei der Geburt, denn Eltern reagieren unterschiedlich auf Töchter und Söhne, wobei ihre unterschiedlichen Reaktionen auf Geschlechtsrollenstereotypen zu beruhen scheinen. In der späteren Kindheit belohnen Eltern Kinder für Verhaltensweisen, die der Geschlechtsrolle angemessen sind und bestrafen Handlungen die nonkonform mit der Geschlechtsrolle sind. Kinder fühlen sich von Anfang an eher zu Kindern des gleichen Geschlechts hingezogen.

Jean Block meint, dass Eltern ihren Mädchen Wurzeln vermitteln um zu Hause zu bleiben und ihren Söhnen Flügel um neue Abenteuer zu suchen.

 

Entwicklung im Jugendalter

Das Stadium des Jugendalters (Adoleszenz) wird zum Teil durch kulturelle Normen festgelegt. Kulturelle Erwartungen bestimmen auch manche Aspekte der psychischen Erfahrung das Jugendalters.

Die Vorstellung von der Jugendzeit als einer »Sturm-und-Drang-Periode« (Stanley Hall 1904), charakterisiert durch innere Zerrissenheit und unberechenbares Verhalten, hat sich durch Befunde nicht bestätigen lassen. Studien zeigen, dass Verhaltensprobleme in dieser Zeit nicht typisch sind, sondern ein erhöhtes Risiko für Anpassungsprobleme im Erwachsenenalter darstellen. Aggressivität in der Adoleszenzphase korreliert mit Straffällichkeiten im Erwachsenenalter. Die Selbstmordrate  ist bei Jugendlichen sehr hoch.Þ deshalb auf Anzeichen von Verwirrtheit achten.

Identitätsentwicklung wird als die wesentliche Entwicklungsaufgabe im Jugendalter angesehen (siehe Erikson). Damit ergeben sich für den Jugendlichen Veränderungen in seinen Beziehungen zu anderen. Die Autorität der Eltern wird zunehmend in Frage gestellt, während die Bedeutung der Anerkennung durch Gleichaltrige (Peers) steigt. Weil Peers zu einem immer wichtigeren Ausgangspunkt sozialer Unterstützung werden, nimmt auch die Angst vor möglicher Zurückweisung zu. Þ Konformität mit den Weltorientierungen und Verhaltensweisen der Peers (Anpassungsdruck). Diese Anerkennung durch Peers ist bei Mädchen stärker ausgeprägt, da sie sich mehr für soziale Beziehungen interessieren. Allerdings ist es bei Jungen wahrscheinlicher, dass sie sich an antisozialem Gruppenverhalten beteiligen.

Eltern, die die Peers als Konkurrenz ansehen, sollten eine Methode finden wie sie mit ihrem Kind über Freunde sprechen können. Die Beziehungen zwischen Jugendlichen und ihren Eltern sind oft konfliktreich, Autonomie und Unterstützung müssen ständig ausbalanciert werden, damit der Jugendliche eine eigene Identität aufbauen kann. Entscheidend für die Identitätsbildung ist das setzen von Zielen. Dazu müssen die Jugendlichen ihre eigenen Fähigkeiten und Interessen einschätzen können, müssen Entscheidungen treffen können und diese in die Tat umsetzen und sie müsse realistische Alternativen kennen.

Das Erwachsenenalter:

Sowohl Beziehungen als auch Leistung haben besonderen Vorrang.

Intimität und Generativität (siehe Erikson): Intimität in Liebesbeziehungen, aber auch in Freundschaften (soziale Intimität) wird als Grundvoraussetzung für psychisches Wohlbefinden angesehen (bestätigt Erikson). Bei Freundschaften kommt es besonders auf die Qualität, nicht die Quantität an. Nach der Theorie der selektiven Interaktion (Laura Carstensen) gehen ältere Erwachsene selektiv vor, d. h. sie wählen Personen aus, die Gewähr für die persönlichste emotionale Unterstützung bieten. Wenn Intimität entwickelt werden konnte, können Fragen der Generativität in den Mittelpunkt gestellt werden. Generativität meint Mitgefühl mit anderen Menschen zu haben und gute Beziehungen zu anderen pflegen.


Der Lebensabend

Als letzte Krise des Erwachsenenalters sieht Erikson den Konflikt zwischen Ich-Integrität und Hoffnungslosigkeit, wobei die meisten Menschen mit einem Gefühl der Ganzheit auf ihr Leben zurückblicken.

 

Negative Stereotype gegenüber Alten Menschen („ageism“) schränkt deren Möglichkeiten ein, isoliert sie und fördert bei ihnen ein negatives Selbstbild (z.B. übertriebenes, nicht auf Selbständigkeit abzielendes Verhalten in Altersheimen). Pat Moore verkleidete sich als Alte Dame um zu erleben was Alten widerfährt und wie sie fühlen Þ sie hatte keine Chance in unserer hektischen Welt.

Die Erforschung des hohen Lebensalters schließt die Berücksichtigung des Umgangs mit dem Tod ein. Emotionale Reaktionen auf das Sterben können individuell sehr verschieden sein (Verleugnen, Ärger, Depression, Annehmen...) und lassen sich in eine Abfolge mehrerer Phasen unterteilen. In einer Untersuchung konnte belegt werden, dass intensives Trauern sogar einen Einfluss auf das Immunsystem haben kann (die Lymphozytenbildung nimmt ab).

Trauerphasen nach Kalish (1985):

§  Schock

§  Sehnsucht: Wunsch mit dem Verstorbenen zusammen zu sein

§  Depression, Verzweiflung über den Verlust manchmal gekoppelt mit Verwirrung

§  Erholungsphase: der Tod wird in eine bedeutungsvolle Perspektive gerückt

Moralentwicklung

Beim Kind oder beim Jugendlichen wird der Aufbau eines eigenen Norm- und Wertesystems als Internalisierung bezeichnet. Moralentwicklung wird als lebenslanger Prozess der Veränderung von Normen und Werten angesehen. Normen und Werte sind Regeln die aussagen, was falsch und was richtig ist.

Kohlberg hat das moralische Urteilen untersucht. Er knüpft an Piaget an, der die Stufen des moralischen Urteilens mit den Stufen der kognitiven Entwicklung vergleicht.(ein Kind der präoperationalen Stufe achtet beim Urteilen eher auf das Handeln, ein Kind der konkreten Stufe eher auf die Intention des Handelns Þ  macht jemand unabsichtlich 10 Tassen kaputt finden es präoperationale Kinder schlimmer als wenn jemand eine Tasse absichtlich kaputt macht).

Mit der Methode des moralischen Dilemmas (Menschen bekommen eine Geschichte erzählt, bei der man abwägen muss ob gesetzestreues Handeln sinnvoll ist Þ es kommt auf die Argumentation an) hat Kohlberg (ab 1964) zu erfassen versucht, auf welchen der 3 Entwicklungsniveaus mit jeweils 2 Stufen sich eine Person befindet.

Niveau I; präkonventionelle Moral:

Stufe 1:   Orientierung an Belohnung und Bestrafung Þ Befolgen von Autoritäten und Verlangen.

Stufe 2:   Kosten- Nutzen- Orientierung (Reziprozität) Þ Befriedigung der eigenen Bedürfnisse; Austausch mit anderen

Niveau II; Konventionelle Moral:

Stufe 3:   Orientierung an wechselseitigen Erwartungen und Beziehungen Þ Anerkennung gewinnen, Kritik vermeiden.

Stufe 4:   Orientierung am sozialen System und Gewissen Þ Den Regeln gehorchen, den gesellschaftl. Nutzen beachten

Niveau III; Postkonventionelle (prinzipiengeleitete) Moral

Stufe 5:   Orientierung am sozialen Vertrag und gesellschaftl. Nützlichkeit Þ Relativierung gesellschaftl. Regeln unter dem Aspekt der Nützlichkeit für übergeordnete Prinzipien

Stufe 6:   Orientierung an ethischen Prinzipien Þ Befolgen von selbstgewählten ethischen Prinzipien

Niveau des moralischen Urteilens

Soziomoralische Perspektive

Präkonventionelle Moral

Individualistische Perspektive

Konventionelle Moral

Perspektive des Mitglieds der Gesellschaft

Postkonventionelle Moral

Der Gesellschaft vorgeordnete, prinzipiengeleitete Perspektive.

Nach Kohlberg durchlebt jeder die Stufen der Reihe nach (die ersten drei stimmen zeitlich mit Piagets Stufen überein). Jedoch kommt nur eine Minderheit tatsächlich bis zur 6. Stufe.

Von Gilligan (Kritiker Kohlbergs; 1982) wurde die Idee der Fürsorge als Aspekt der moralischen Entwicklung von Frauen eingebracht, und der Aspekt der Gerechtigkeit der männlichen moralischen Entwicklung zugeordnet (da Kohlberg auch nur Jungen untersucht hatte).

Derzeit geht man davon aus, dass sich moralische Urteile bei Männern und Frauen aus Überlegungen zur Gerechtigkeit und zur Fürsorge charakterisieren lassen. Urteilsunterschiede  bei den Geschlechtern kommen auch teilweise daher, dass Männer und Frauen Urteile in verschiedenen Situationen zu fällen haben.


Moralisches Handeln

Eine umfassende Theorie über die Bedeutung der Erziehung und der emotionalen Entwicklung für die Übernahme moralischer Normen stammt von Hoffman. Er sieht vor allem in der Empathie eine Voraussetzung für den Aufbau von moralischem Handeln. Kinder können schon in sehr frühem Alter Empathie erleben, es wird sogar vermutet, dass es sich dabei sogar um eine angeborene Reaktion handelt. Moralisches Wissen ist eine feste, in den Menschen verankerte Größe, Moralisches Handeln besteht aus speziellen Reaktionen (z.B. ist es Wahrscheinlich, dass man ertappt wird?) und hängt von den Erfordernissen der jeweiligen Situation ab (wie verlockend ist die Belohnung?).

Es zeigt sich auch im Bereich der Moral, dass Entwicklung ein lebenslanger Prozess ist.

Entwicklung ist von gesellschaftlichen und kulturellen Einflüssen, von Erziehung und Sozialisation nicht zu trennen.

 

11. Persönlichkeit

Definition, Forschungsstrategien, Bedeutung und Theorien.

Zentrale Konzepte für die Definition von Persönlichkeit sind Einzigartigkeit und konsistentes Verhalten. Unter der Persönlichkeit eines Individuums versteht man die einzigartige Konstellation von Merkmalen oder Eigenschaften, die für die Konsistenz in seinen Verhaltensweisen verantwortlich ist.

Es existieren 2 generelle Strategien zur Erforschung der Persönlichkeit, die idiographische und die nomothetische Strategie:

§  Beim idiographischen Ansatz versucht man anhand der intensiven Analyse des einzelnen Falles (z.B. Fallstudien) die Einmaligkeit einer Person zu beschreiben. Die individuellen Persönlichkeitsmerkmale werden als einzigartig angesehen.

§  Der nomothetische Ansatz beruht auf der Annahme, dass die Grundstruktur der Persönlichkeit von universellen Eigenschaftsdimensionen gebildet wird. Individuen unterscheiden sich nur im Ausmaß der Persönlichkeitseigenschaften, dieses kann korrelativ ermittelt werden.

Als Grundlage der Forschung dienen die Persönlichkeitstheorien -Annahmen über die Struktur und Funktion individueller Persönlichkeiten.

Begriffe für die wissenschaftliche Beschreibung der Persönlichkeit:

Begriff

Definition

Beispiele

Temperament

Biologisch gegebene, typische Reaktionsweise Þ Emotionalität und Aktivitätsniveau

Erregbares und aktives oder ruhiges und passives Temperament

Eigenschaft

„trait“

Konstante, überdauernde, spezifische Art des Verhaltens

Großzügigkeit, Angst, (intervenierende Variable)

Typ

Abgegrenzte Kategorie mit bestimmtem Muster von traits

Typ A neigt zu Herzkrankheiten, da mit Herausforderungen auf eine typische Art umgegangen wird

Disposition

Neigung in einer Person in bestimmten Situationen charakteristisch zu reagieren (ähnlich trait)

Person die oft lächelt u. freundlich ist hat eine „Disposition zur Freundlichkeit“

Charakter

(ähnlich Persönlichkeit) liefert Aussagen über die Moral, Werte und andere Attribute einer Person

Emotional stabiler Charakter

Charaktertypen

Beschreiben identifizierbare Verhaltensmuster, die sich früh im Leben gebildet haben

Der orale und anale Charaktertyp bei Freud

Zustand

„state“

Subjektives erlebtes Muster von Gefühlen- begleitet durch Erregung des vegetativen Nervensystems oder kognitiven Prozessen

Aufgeregtheit kurz vor einer Prüfung (Emotionality)

Stimmung

Ausgedehnter emotionaler Zustand; kann Lebensauffassung oder Auftreten für gewisse Zeit bestimmen

Euphorie, depressive Stimmung

Gewohnheit

„habbit“

Erlernte Verhaltensweise, die relativ festgelegt ist und in bestimmten Situationen mit hoher Verlässlichkeit auftritt

Gewohnheit vor jeder arbeit ein kreuz zu schlagen

 

Einstellung

Erlernte Neigung bei Bewertung und Beurteilung von Menschen und Gegenständen

Autoritäre Menschen haben oft Vorurteile gegenüber Minderheiten

Werte

Etwas das der Einzelne als wichtig und Lohnenswert einschätzt

Lebensprinzip; für autoritäre Menschen: Ordnung und Macht 

 

Typologien und Eigenschaftstheorien

Sie identifizieren und beschreiben lediglich Persönlichkeitsmerkmale.

Persönlichkeitstypen

Persönlichkeitstypen sind voneinander abgegrenzte Muster von Persönlichkeitsmerkmalen. Bei einem typologischen Ansatz werden Menschen auf der Grundlage dieser Muster in Kategorien eingeordnet.

Beispiele für 2 ältere typologische Persönlichkeitstheorien sind Hippokrates' Annahme (500 v. Chr.) eines Zusammenhangs von Körperflüssigkeiten und Temperament und W. Sheldons (1942) These über die Korrespondenz von Körperbau (Somatotyp) und Temperament.

Haben Forscher eine Person als dem Typ A, B (neutral) oder C zugeteilt, können sie z.B. Aussagen über die zukünftige Erkrankungswahrscheinlichkeit machen. Man darf jedoch nicht vergessen, dass diese Typen veränderbar sind.

Typentheorien sind „Alles oder Nichts- Phänomene“ (diskontinuierlich) und sind deshalb oft zu grob. Flexibler und differenzierter sind:

Persönlichkeitseigenschaften (kontinuierliche Dimension)

Unter Persönlichkeitseigenschaften versteht man generalisierte Handlungstendenzen, die dem Verhalten einer Person über Situationen hinweg und im Zeitverlauf Kohärenz verleihen.

Der idiographische Eigenschaftsansatz nimmt an, dass jede Person eine einmalige Kombination von Persönlichkeitseigenschaften aufweist. Eigenschaften sind die Bausteine der Persönlichkeit und die Quelle der Individualität.

Nach Allport (1937), einem Vertreter des idiographischen Ansatzes, bilden Kardinaleigenschaften (fundamentale Charakterzüge wie z.B. Macht oder Leistung), zentrale (wichtigere Merkmale wie z.B. Ehrlichkeit) und sekundäre Eigenschaften (unwichtigere Merkmale wie z.B. Vorlieben) die Struktur der Persönlichkeit. Der gleiche Reiz kann bei verschiedenen Personen unterschiedliche Reaktionen hervorrufen („Das selbe Feuer, das die Butter schmilzt, kocht das Ei hart“; Allport)

Moderne Ansätze

Aus Ergebnissen von Tests leitete Hans Eysenck (1973) 3 Dimensionen ab:

§  Extraversion: Inwieweit ist eine Person intro- oder extravertiert ?

§  Neurotizismus: Inwieweit ist eine Person emotional stabil oder labil ?

§  Psychotizismus: Inwieweit ist eine Person freundlich und rücksichtsvoll oder aggressiv und antisozial ?

Eysenck übernahm die Temperamentstypologie von Hippokrates, widersprach jedoch der Diskontinuität von Typologien.

Derzeit wird das Fünf-Faktoren-Modell (»Big Five«) (Wiggins u. Pincus; 1992) mit den folgenden Dimensionen als Beschreibung der Persönlichkeit akzeptiert:

§  Extraversion:                                energiegeladen                       ↔        ruhig

§  Verträglichkeit:                            freundlich, mitfühlend           ↔        kalt, streitsüchtig

§  Gewissenhaftigkeit:                     organisiert,                             ↔        verantwortungslos,                                              verantwortungsbewusst                     leichtfertig

§  emotionale Stabilität oder Neurotizismus:          stabil               ↔        labil                                                                                 zufrieden, ruhig                      launenhaft, besorgt

§  Offenheit für Erfahrungen:         kreativ, offen                         ↔        unintelligent                                                                    intellektuell                           einfach, oberflächlich

Die fünf Faktoren liefern jedoch lediglich eine Taxonomie zur Beschreibung und nicht zur Erklärung von Eigenschaften.

Zu Vererbbarkeit und zu Vorhersagen von Persönlichkeitseigenschaften:

Erblichkeitsstudien (Zwillings- und Adoptionsstudien; mit eineiigen und zweieiigen Zwillingen, die getrennt oder gemeinsam aufgewachsen sind) haben gezeigt, dass fast alle Persönlichkeitseigenschaften durch genetische Faktoren beeinflusst werden (20 – 60%) und dass der geteilte familiäre Einfluss (der allen Kindern innerhalb einer Familie gemeinsam ist) nur gering ist.

Untersuchungen zur Vorhersage von Eigenschaften führten zum Konsistenzparadox, dem Sachverhalt, dass Eigenschaftsbeurteilungen verschiedener Beurteiler und zu verschiedenen Zeitpunkten sich als konsistent erwiesen haben, während Beobachtungen des Verhaltens in verschiedenen Situationen sich nicht konsistent gezeigt haben.

Gründe für die Konsistenz von Persönlichkeitseinschätzungen (Bem u. Allen; 1974) - warum wir in Eigenschaften von Mitmenschen mehr Konsistenz sehen, als wir aufgrund ihrer Inkonsistenz im Verhalten eigentlich sehen dürften:

§  Jeder trägt eine implizite Persönlichkeitstheorie mit sich herum: Mit Verhaltensweisen, die wir beobachten verbinden wir mit Eigenschaften, die wir erschließen und um Verhaltensweisen vorherzusagen. Es gibt tatsächlich konsistente Eigenschaften (Intelligenz) die wir auf andere Gebiete (z.B. Aggressivität) übergeneralisieren.

§  Wir unterschätzen situationsbedingte Zwänge, die das Verhalten beeinflussen (z.B. soziale Erwünschtheit)

§  Oft verhalten sich andere so, wie sie denken, dass wir es möchten.

§  Unsere Beurteilungen berufen sich nicht nur auf beobachtetes Verhalten, sondern auch auf Erzählungen über Verhalten der Personen selbst.

§  Unsere ersten Eindrücke beeinflussen uns sehr stark und sind schwer zu widerlegen.

§  Wir setzen Konsistenz mit dem gleich was gut, stabil und zuverlässig ist.

Die aktuelle Debatte der Persönlichkeitspsychologie dreht sich darum, ob die Persönlichkeit kohärente Verhaltensmuster hervorrufen kann, und nicht mehr darum, ob es Verhaltenskonsistenz gibt. Eine Eigenschaft kann sich in verschiedenen Verhaltensweisen ausdrücken, die in verschiedenen Situationen auftreten; aber solange die Eigenschaftstheorie den Bereich der Verhaltensäußerungen präzise benennt, ist das Verhaltensmuster kohärent.

 

Dynamische Persönlichkeitstheorien:

Sigmund Freud und seine Nachfolger Alfred Adler und Carl Gustav Jung:

Psychischer Determinismus:

Freud ging von der Prämisse aus, dass Symptome auf bedeutungsvolle Weise mit Lebensereignissen zusammenhängen und durch diese determiniert wurden. Jede menschliche Handlung hat einen Zweck und einen Grund. Unsere Handlungen entspringen dem, was wir wirklich wollen. Daten erhob Freud meist durch Fallstudien. Die klinische Beobachtung und die rationale Analyse sind Schlüssel zu den Geheimnissen der pathologischen und der normalen Persönlichkeit.

Triebe und frühkindliche Erfahrung

Freud (ausgebildeter Mediziner) postulierte ursprünglich zwei Triebe:

§  Der „Ich“- Trieb dient der Selbsterhaltung (Hunger u. existentielle Bedürfnisse)

§  Der „Eros“ hängt mit sexuellem Verlangen und der Arterhaltung zusammen.(auch weitere angenehme Erlebnisse)

Freud interessierte sich in erster Linie für die sexuellen Impulse des Menschen und hat ein fünfstufiges Modell der psychosexuellen Entwicklung aufgestellt. Die Quelle der sexuellen Triebe nannte er „Libido“. Die Bedürfnisse müssen entweder direkt oder indirekt, durch Ersatzhandlungen (z.B. Phantasien, Musik) befriedigt werden.

 

 

 

Die Stufen der psychoanalytischen Entwicklung nach Freud:

Stufe

Alter

Erogene Zone

Hauptsächliche Entwicklungsaufgabe (potentielle Konfliktquelle)

Merkmale Erwachsener, die als Kinder auf dieser Stufe fixiert wurden .

Oral

0 – 1

Mund, Lippen, Zunge

 

Entwöhnung

Orales Verhalten, wie z.B. Rauchen und übermäßiges Essen, Passivität und Naivität

Anal

2 – 3

Anus

Sauberkeitserziehung

Ordentlichkeit, Geiz, Hartnäckigkeit oder das Gegenteil

Phallisch

4 – 5

Genitalien

Ödipuskomplex

Eitelkeit, Leichtsinn und das Gegenteil

Latenz

6 – 12

       -

Entwicklung der Abwehrmechanismen

(hier tritt keine Fixierung auf)

Genital

13 – 18

Genitalien

Reife sexuelle Intimität

 

 

Konzepte wie der Ödipuskonflikt ( Junge sieht Vater als sexuellen Rivalen um die Aufmerksamkeit der Mutter Þ Junge löst den Konflikt, indem er sich mit dem Vater identifiziert) und die Fixierung (zu viel Triebbefriedigung oder Frustration) machen den Stellenwert deutlich, den Freud der frühen Erfahrung für die Persönlichkeitsentwicklung beimaß.

§  Später führte Freud noch den „Todestrieb“ (Thantos) ein (durch Personen mit traumatischen Erlebnissen angeleitet) Þ Drang aller Lebewesen zu einem unorganischen Zustand zurückzukehren (verursacht aggressives und destruktives Verhalten).

Unbewusste Prozesse

Unser Handeln hat einen manifesten Inhalt, dessen wir uns bewusst sind. Es gibt aber auch einen latenten Inhalt, der uns durch unbewusste Prozesse verborgen wird. Die Bedeutungen neurotischer (durch Angst begründeter) Symptome, wie die von Träumen, Fehlleistungen und Versprechern, sind auf der unbewussten Ebene des Denkens und kognitiver Prozesse zu finden.

Die Struktur der Persönlichkeit:

Persönlichkeitsunterschiede lassen sich durch die Art und Weise wie Menschen mit ihren Trieben umgehen erklären. Den Begriff des Unbewussten hat Freud in die Psychologie eingebracht mit dem „Es“ als dem Sitz der primären Triebe – es arbeitet irrational, impulsgetrieben und drängt nach Ausdruck und unmittelbarer Befriedigung, es arbeitet nach dem Lustprinzip.

Das „Über- Ich“ ist der Sitz der Werte und der in der Gesellschaft geltenden moralischen Regeln und Normen (Gewissen). Es arbeitet nach moralischen Grundsätzen und beinhaltet auch das „Ich- Ideal“ – das Bild eines Menschen von dem was er anstreben sollte.

Wenn „Es“ und „Über-Ich“ in Konflikt geraten, kann das „Ich“ (realitätsorientierter Aspekt der Persönlichkeit) einen Kompromiss herstellen. Die Unfähigkeit solche inneren Konflikte zu lösen führt zu neurotischen Störungen.

Verdrängung und Abwehr

Verdrängung ist der grundlegende Abwehrmechanismus des „Ich“ , desgleichen werden Reaktionsbildung (angstbeladene Wünsche werden durch gegenteilige Verhaltensweisen überbetont), Projektion (Übertragung eigener unmoralischer Wünsche auf andere), Sublimierung (Befriedigung sexueller Bedürfnisse durch Ersatzhandlungen) und Verschiebung (Auslassen emotionaler Erregung an Objekten, die ungefährlicher sind als der Reiz, der die Erregung hervorrief) von allen Menschen in einem gewissen Ausmaß auf nicht annehmbare Triebe eingesetzt. Diese psychische Taktik hilft einer Person, ein positives Selbstbild beizubehalten und die eigene Angst zu reduzieren.

Der übermäßige Gebrauch einer solchen Taktik macht eine Neurose aus. Neurotiker verwenden einen Großteil ihrer psychischen Energie, um nicht annehmbare Triebe umzulenken und ihre Angst zu reduzieren, so dass zu wenig Energie bleibt um ein produktives Leben zu führen.

Die Psychoanalyse nach Freud („Postfreudianer“)

§  Den Ich- Funktionen (dem „Selbst“) der Entwicklung des Selbstkonzepts wurde ein größeres Gewicht beigemessen (weniger dem Konflikt zwischen Es und Über- Ich)

§  Aktuelle soziale Variablen (Peers, Familie) haben mehr Einfluss auf die Bildung der Persönlichkeit (Erich Fromm (1947) und Karen Horney (1939; erstmals Psychologie der Frau psychoanalytisch erkundet))

§  Eros, Libido und sexuelle Triebe wurden weniger gewichtet (A. Adler), (eher die Rolle von Liebesbeziehungen).

§  Die Persönlichkeitsentwicklung wurde als Prozess über die gesamte Lebensspanne angenommen, nicht nur während der Kindheit.

 

A. Adler (1929) hat Gefühle der Minderwertigkeit im Kindesalter als bestimmend für die menschliche Biographie angesehen. Wir kompensieren um Gefühle der Gleichwertigkeit oder überkompensieren um Überlegenheitsgefühle zu erlangen.

C.G. Jung (1959) hat das Konzept des kollektiven Unbewussten eingeführt; alle Menschen verfügen über gemeinsame Prädispositionen auf bestimmte Stimuli bestimmte Reaktionen zu zeigen. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Archetypen (primitive symbolische Repräsentationen einer bestimmten Erfahrung oder eines bestimmten Objekts) über die eine jede Person verfügt. „Animus“ ist der männliche Archetyp, den Frauen erfahren, „Anima“, der weibliche, den Männer erfahren. Der Archetyp für das Selbst ist das „Mandala“ oder der „magische Kreis“.

Wenn auch die Hauptkritikpunkte an Freuds Theorie, die mangelnde Vorhersagbarkeit (nur Rekonstruktion möglich) und die vage Formulierung der psychoanalytischen Begriffe, allgemein geteilt wird, darf deren Bedeutung für und Einfluss auf die aktuelle Diskussion in der Persönlichkeitspsychologie nicht unterschätzt werden. Beispielsweise ist der Begriff des Unbewussten weitgehend akzeptiert, und auch für die Existenz von Abwehrmechanismen gibt es Anhaltspunkte. Weitere Kritikpunkte:

§  Freud hat nie Kinder beobachtet.

§  Überwiegend Introspektion

§  Geringschätzung traumatischer Erfahrungen durch sexuellen Missbrauch (Wunsch des Kindes auf sexuellen Kontakt mit den Eltern)

§  Androzentrisches Weltbild, da männliches Verhalten als Norm gesetzt wird, ohne zu beachten, dass Frauen anders sein können.

Humanistische Theorien

Zentral für die humanistischen Ansätze ist der Begriff der Selbstverwirklichung, der ihre optimistische Sichtweise der Natur des Menschen offenbart. Dieser meint das angeborene Streben nach Selbsterfüllung und nach Realisierung des eigenen Potentials.

Humanistische Theorien bezeichnet man als:

§  Holistisch; Einzelne Handlungen einer Person werden immer durch Bezugnahme auf dessen Gesamtpersönlichkeit erklärt

§  Dispositionell; Sie konzentriert sich auf die angeborenen Qualitäten einer Person. Disposition meint hier, dass jeder über eine Neigung verfügt sich zu verwirklichen (nicht psychoanalytisch)

§  Phänomenologisch; Sie betonen die subjektive Wirklichkeitsauffassung einer Person, nicht die objektive Beobachterperspektive (vgl. Problemgesprächsführung).

§  Existentialistisch; Sie konzentriert sich auf bewusste höhere geistige Prozesse, die es einer Person ermöglichen sich den täglichen Anforderungen der Existenz zu stellen. Charakteristisch ist auch die Betonung der Freiheit.

Der Personenzentrierte Ansatz von Carl Rogers (1947, 1951, 1977):

Therapie ist „klientenzentriert“, Persönlichkeitstheorie ist „personenzentriert“. Rogers riet dem zuzuhören, was Menschen über sich sagen und welche Begriffe sie verwenden. Erfahrungen von denen eine Person annimmt, dass sie ihr „Selbst“ stützen werden positiv bewertet, gegenteilige negativ. Jeder Mensch versucht sein inneres Potential auszuschöpfen (Selbstverwirklichung). Bei Kritik sollte man darauf achten, dass man deutlich das Verhalten, und nicht die Person kritisiert.

Kritikpunkte der humanistischen Perspektive beziehen sich auf die unscharfe Begrifflichkeit, die Annahme, es handle sich um Theorien über die allgemeine menschliche Natur- es wird zu wenig auf Unterschiede im Verhalten zwischen den Menschen wertgelegt und auf die Vernachlässigung des Einflusses der Umwelt auf Verhalten, da das „Selbst als Quelle der Handlungen gesehen wird.

Humanistische Vorgehensweisen findet man z.B. bei der narrativen (über Erzählungen) Methode zur Konstruktion von Psychobiografien. Eine Psychobiografie ist der systematische Gebrauch (persönlichkeits)psychologischer Theorien, um einen Lebenslauf in eine kohärente und erhellende Lebensgeschichte zu transformieren. Meist werden dazu Fragen zu Gefühlen in bestimmten Lebenssituationen gestellt, oder Tagebücher etc. analysiert.

Kognitive und sozialkognitive Persönlichkeitstheorien.

Sie beruhen auf der Prämisse, dass Kontingenzen aus der Umwelt (die Verstärkungsgeschichte einer Person; Lerntheorien) und kognitive Prozesse das Verhalten und die Persönlichkeit beeinflussen.

Georg Kelleys Theorie der persönlichen Konstrukte

Nach G. Kelly (1955) legt das Überzeugungssystem einer jeden Person fest, wie sie denkt, fühlt und handelt. Für Kelly ist die Persönlichkeit eines Menschen dessen gesamtes System persönlicher Konstrukte. Persönliche Konstrukte sind die Überzeugungen einer Person darüber, wie zwei Dinge einander gleichen und wie sie sich von einem dritten unterscheiden. Das Glaubens- bzw. Überzeugungssystem einer Person (ihr bestand an persönlichen Konstrukten) wie sie denkt, fühlt, handelt und wie sie eine neue Situation definiert. Jede Person verfügt über eine einzigartige, idiographische Zusammenstellung an Konstrukten. Um eine andere Person zu verstehen, muss man versuchen, die Welt durch deren Konstrukte zu sehen, nicht durch die Eigenen.

Die sozialkognitive Persönlichkeitstheorie Walter MischeIs (Schüler von Kelly)

Diese betont die Bedeutung der Wechselwirkung (Interaktion) von Person und Situation.

Wie eine Person auf die Umwelt reagiert hängt von folgenden Variablen ab:

§  Kompetenz (Fähigkeiten)

§  Strategien der Enkodierung (wie sie Informationen verarbeitet kategorisiert und assoziiert)

§  Erwartungen (Antizipationen wahrscheinlicher Ergebnisse)

§  Persönliche Werte (Bedeutung die man Reizen, Ereignissen und Menschen zumisst)

§  Selbstregulierende Systeme und Pläne (Regeln, die man zur Steuerung des Verhaltens und zur Bewertung der Effektivität entwickelt hat)

Sein Ansatz hatte eine nachhaltige Wirkung auf die Frage, wann Personvariablen wichtig sind und wann eher situative Variablen wirksam werden (Handeln hängt oft von der Situation ab und lässt nicht immer einen eindeutigen Schluss auf die Persönlichkeit zu).

Die sozialkognitive Persönlichkeitstheorie Albert Banduras

Albert Bandura ist der führende Vertreter der Theorie des sozialen Lernens. Seine Beiträge beziehen sich auf den reziproken Determinismus (d. h. eine Person kann durch Rückmeldung über ihr Verhalten beeinflusst werden), auf das Lernen durch Beobachtung sowie auf das Konzept der Selbstwirksamkeit. Verhalten ist weder durch Triebe, noch durch die Umwelt determiniert. Verhalten kann von Einstellungen, Überzeugungen, oder der vorangegangenen Verstärkungsgeschichte genauso beeinflusst werden, wie von den in der Umwelt aktuell vorhandenen Reizen. Persönlichkeit, Verhalten und Umwelt stehen in wechselndem Zusammenhang und beeinflussen sich deshalb gegenseitig.

Selbstwirksamkeit

Selbstwirksamkeit (self- efficacy) ist die individuell unterschiedlich ausgeprägte Überzeugung, dass man in einer  bestimmten Situation die angemessene Leistung erbringen kann. Dieses Gefühl einer Person bezüglich ihrer Fähigkeit beeinflusst ihre Wahrnehmung, ihre Motivation und ihre Leistung in vielerlei Weise.

Die Beurteilung der Selbstwirksamkeit hängt ab von:

§  Den tatsächlichen Leistungen

§  Den Beobachtungen der Leistungen anderer

§  Überzeugungen, die wir von anderen übernommen oder selbst aufgebaut haben

§  Beobachtung unserer emotionalen Zustände, während wir über eine Aufgabe nachdenken oder uns an eine Aufgabe heranwagen (z.B. legt Ängstlichkeit eine niedrige und Aufgeregtheit eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung nahe)

Eine hohe Selbstwirksamkeit von Lehrern korreliert mit guter Schülerleistung, gerade in Mathematik. Allgemein hängt das Verhaltensergebnis von der Wahrnehmung der eigenen Fähigkeiten und von der Wahrnehmung der Umwelt ab.

Kognitive Ansätze werden kritisiert, da sie die Wirkung unbewusster Quellender Motivation auf Verhalten und Gefühl nicht in angemessener Weise würdigen und weil sie die Entstehung personaler Konstrukte und Kompetenzen nicht genau erklären.

Theorien über das Selbst.

William James unterschied 3 Bestandteile der Selbsterfahrung:

§  Das materielle Ich:           das körperliche Selbst und die uns umgebenden Objekte

§  Das soziale Ich:                unser Bewusstsein darüber wie andere uns betrachten

§  Das spirituelle Ich:           das Selbst, das seine eigenen privaten Gedanken und Gefühle

überwacht

Er ging davon aus, dass alles, was wir mit der Identität in Verbindung bringen zu einem Teil des Selbst wird (man regt sich auf, wenn ein Familienmitglied angegriffen wird).

Die dynamischen Aspekte von Selbstkonzepten

Das Selbstkonzept ist eine dynamisch mentale Struktur, die intrapersonale und interpersonale Verhaltensweisen und Prozesse motiviert, interpretiert, organisiert, vermittelt und reguliert.

Das Selbstkonzept schließt viele Komponenten ein:

§  Persönliche Erinnerungen

§  Annahmen über unsere Motive, Eigenschaften, Werte und Fähigkeiten

§  Das Ideal- Ich (wie wir gerne sein würden)

§  Das mögliche Selbst (Veränderungen, die wir in der Vorstellung vorwegnehmen).

§  Der Selbstwert: positive und negative Bewertungen über uns selbst

§  Überzeugungen darüber wie andere uns sehen

Menschen erhalten wichtige Informationen über ihr Selbstkonzept durch soziale Interaktionen. Das Selbst ist ein dynamisches Konstrukt, das seine Bedeutung vor allem in zwischenmenschlichen Beziehungen gewinnt. In gewissem Sinne kann es ohne den Austausch mit anderen Menschen gar kein Selbst geben (Markus u. Cross 1990).

Versuch: Eheleute sind mit ihrer Ehe zufriedener, wenn die Fremdbeurteilung des Ehepartners und die Eigenbeurteilung bezüglich des Selbstkonzepts hoch korrelieren- auch bei negativer Beurteilung Þ Menschen ist Selbstbestätigung so wichtig, dass sie dadurch zufrieden werden, selbst wenn es ihnen Unbehagen bereiten müsste.

Der Begriff des Selbstkonzepts hebt den kognitiven Aspekt hervor..

Selbstwertgefühl und Selbstdarstellung:

Anstatt von einem negativen Selbstkonzept können wir auch von einem niedrigen Selbstwertgefühl sprechen. Das Selbstwertgefühl ist eine verallgemeinerte Bewertung des eigenen Selbst. Eine Strategie zur Aufrechterhaltung des Selbstwertgefühls besteht in der Selbstbenachteiligung. Das Ziel dieser Strategie liegt darin, eine Ausrede für ein Versagen zu haben, die von einem Mangel an Fähigkeiten ablenkt (Angst vor Prüfung  → viele Partys feiern → Misserfolg auf die Partys schieben). Diese Strategie weist auf die Bedeutung der Selbstdarstellung hin. Snyder nennt die Tendenz, das Verhalten nach den sozialen Erfordernissen auszurichten, Selbstregulation (»self-monitoring«).

Persönlichkeitstheorien im Vergleich

Anlage und Umwelt: Die psychodynamischen Theorien (Freud) determinieren Verhalten durch die Umwelt, humanistische -, (sozial)kognitive - und Selbsttheorien legen den Schwerpunkt auf die Umwelt oder die Interaktion mit der Umwelt.

Lernprozesse oder Angeborene Gesetzmäßigkeiten

Angeboren: psychodynamische Theorie

Erfahrung der Menschen: humanistische Theorie

Durch Erlernen: (sozial)kognitive- und Selbsttheorie

Betonung der Vergangenheit, Gegenwart oder der Zukunft

Eigenschaftstheorien (Vergangenheit),

psychodynamische Theorien (frühkindliche Erfahrungen),

Sozialkognitive Theorien (vergangene Verstärkung und gegenwärtige Kontingenzen), Humanistische Theorien (Gegenwart und zukünftige Ziele),

Kognitive- und Selbsttheorien (Gegenwart und Vergangenheit und Zukunft bei Zielsetzungen)

Bewusstheit oder Unbewusstes

Unbewusst: psychodynamische Theorien

Bewusst: humanistische- und (sozial)kognitive Theorien

Innere Disposition oder äußere Situation

Die Sozialen Lerntheorien betonen situative Einflüsse, die Eigenschaftstheorien eher Dispositionen. Die anderen erlauben eine Interaktion zwischen Kräften, die dispositional und situativ sind.

 

 

 

 

12. Diagnostik und Intelligenzforschung

Psychologische Diagnostik: Ziele und Definitionen. Das Teilgebiet der Psychologie, das sich mit der Theorie, der Konstruktion und Analyse von Diagnoseverfahren befasst, bezeichnet man als Psychologische Diagnostik. Ihr Ziel ist die theorie- und kriteriengeleitete Diagnose (Beschreibung oder Klassifikation = Messung) von psychologischen Merkmalen. Die Diagnose kann zur Grundlage für die Prognose (Vorhersage) oder sogar für die Behandlung werden. Die Diagnostik liefert die Verfahren, von denen auch andere psychologische Disziplinen Gebrauch machen. Die Diagnostik ist eng mit der differentiellen Psychologie verwandt, die sich mit der Beschreibung und Erklärung von Unterschieden- besonders interindividuellen- beschäftigt. Die Alltagsdiagnostik, die jeder Mensch leistet (z.B. Beurteilung der Glaubwürdigkeit eines anderen) nennt man informelle Diagnostik, Psychologen bedienen sich der formellen Diagnostik.

Gütekriterien, Standardisierung und Normen.

Diagnoseverfahren sollten ausreichend objektiv, reliabel und valide sein. Objektiv ist ein Verfahren dann, wenn die Resultate der Diagnose vom Untersucher unabhängig sind. Die Reliabilität gibt an, wie genau ein diagnostisches Verfahren misst und die Validität sagt aus, in welchem Maße ein diagnostisches Verfahren tatsächlich das Merkmal misst, das es messen soll. Die Forderung der Standardisierung gilt dann, wenn individuelle Messwerte mit Messwerten einer »Bezugsgruppe« verglichen werden sollen. Ein solcher Vergleich wird durch die Gewinnung von Normen (statistische Vergleichsdaten) möglich. Normen oder Normdaten werden unter standardisierten Durchführungsbedingungen an repräsentativen Stichproben erhoben. 

Psychometrie meint den Teilbereich der Psychologie, in dem es um die Entwicklung grundlegender Theorien und Methoden zur Messung psychischer Merkmale geht.

Diagnostische Informationsquellen.

Nach der Art der Informationsgewinnung lassen sich die Methoden der psychologischen Diagnostik in die 4 Kategorien Interviews, Erhebungen von Lebensgeschichten und archivierten Daten, Tests und Situationsbeobachtungen einordnen:

Interviews können in unterschiedlichem Maße strukturiert bzw. standardisiert sein. Sie können durch vielfältige Informationen über die Lebensgeschichte einer Person (sekundäre Informationen; Videoaufnahmen, Leistung in der Schule oder im Beruf, medizinische Daten) und psychologische Tests ergänzt werden. Ein Interviewer sollte in der Lage sein eine enge Beziehung zum Interviewten aufzubauen und diesen in eine entspannte Haltung zu versetzen, die Richtung und das Tempo zu kontrollieren um die gewünschten Daten herauszulocken und das Interview zu einem gewünschten Abschluss zu bringen.

Tests liefern eine quantitative, normative Merkmalsbeschreibung und können leicht mit meist vorhandenen Normdaten verglichen werden.

Situationsbeurteilungen werden eingesetzt um Verhalten im natürlichen Kontext zu beurteilen um die Bedingungen und Konsequenzen unterschiedlicher Reaktionen und Gewohnheiten aufzudecken.

Selbstbeurteilung (self- report methods; Q- Daten):

Bei Methoden der Selbstbeurteilungen beantworten die Personen Fragen oder geben Informationen über sich selbst. Die Datenerhebung ist direkt und einfach, unterliegt aber möglicherweise absichtlichen oder unabsichtliche Verzerrungen oder Ungenauigkeiten. Vorteil: Solche Erhebungen berühren persönliche Erfahrungen und Gefühle des Einzelnen. Nachteile.

Fremdbeurteilungen (observer- report method; L- Daten):

Fremdbeurteilungen können durch den Halo-Effekt (Verzerrung durch Sympathie bzw. Antipathie) und die Wirkung von Stereotypen (Stereotypeneffekt; z.B. Schwarze sind nicht so intelligent und mein Proband ist schwarz) verfälscht werden. Die Reliabilität erhöht sich, wenn mehrere Beurteiler beteiligt sind, dies ermöglicht die Berechnung von Beurteilerübereinstimmung (interrater reliability), und wenn die Beurteilungen an spezifische Handlungen gebunden sind (z.B. unruhige Körperhaltung). Beobachter, die direkte Verhaltensstichproben durchführen erstellen eine Grundrate (baseline rate), die die Auftretenshäufigkeit des problematischen Verhaltens (z.B. Wutanfälle, , soziale Isolierung) über festgelegte Zeitintervalle aufzeichnen.

Intelligenz -Grundannahmen.

Sowohl Wissenschaftler als auch die Öffentlichkeit sind sich darüber einig, dass Intelligenz verbale Fähigkeiten (Wortflüssigkeit, Verständnis beim Lesen mündliches Ausdrucksvermögen und Wortschatz) und Problemlösen (Problemlöseansätze finden und gute Entscheidungen treffen) umfasst. Man kann sich Intelligenz aber auch als eine Zusammensetzung der folgenden 3 Kompetenzen vorstellen (Phares 1984):

§  der Anpassung an neue Situationen und Anforderungen

§  des Lernens und der optimalen Nutzung von Erfahrung

§  des abstrakten Denkens, also des Gebrauchs von Symbolen und Begriffen

Zur Geschichte der Intelligenzmessung.

Der erste Versuch, Intelligenz objektiv und quantitativ zu erfassen, wurde von Binet in Frankreich zu Beginn dieses Jahrhunderts unternommen. Binet konstruierte einen Intelligenztest zur Auffindung und Klassifikation geistig zurückgebliebener Kinder, um diese Kinder besonders fördern zu können. Die Testleistung wurde in Form des Intelligenzalters (die Leistung eines Kindes in einem Test wird mit der Durchschnittsleistung von normalen Kindern, durch die ein Maßstab für jedes Alter gesetzt wurde, verglichen) angegeben.

In den Vereinigten Staaten bestand großes Interesse an der Möglichkeit zur Messung von intellektuellen Fähigkeiten, um Rekruten und besonders Immigranten (gerade zu Militärzwecken) besser beurteilen zu können. Terman adaptierte den Binet- Test an amerikanische Verhältnisse. In diese »Stanford-Revision«, die seither als Stanford-Binet-Intelligenztest bezeichnet wird, führte Terman den Intelligenzquotienten oder IQ als Altersquotienten ein.

                                                          

 

Heute wird die Intelligenz  beim „Stanford Binet Test“ durch den Abweichungsquotienten ermittelt (außer bei der nicht ausgereiften Version von Lückert in Deutschland); ein Proband muss 6 Fragen (je nach Altersstufe) mit je 2 möglichen Punkten beantworten. Die Testleistung wird mit einer Normtabelle verglichen.

Die Wechsler-Intelligenztests

Zu den am häufigsten benutzten Intelligenztests gehören die ursprünglich von David Wechsler entwickelten und dann für deutsche Verhältnisse bearbeiteten Tests: Der Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene, der HAWIE-R (die revidierte Fassung von 1991), der HAWIK-R für Schulkinder (1983) und der HAWIVA für  Vorschulkinder (1976).          D. Wechsler hat die Sprachabhängigkeit der Intelligenztests verringert, indem er sowohl sprachliche (Verbalteil und Problemlöseteil des Tests) als auch nichtsprachliche Untertests (Handlungsteil) entwickelte. Der Gesamtwert eines Testergebnisses enthält erst dann seine Bedeutung, wenn man berücksichtigt, durch welche spezifische Subtestkombination er zustande gekommen ist, da der IQ mehrdeutig ist.

Psychometrische Intelligenztheorien -die Intelligenz nach Guilford.

Psychometrische Intelligenztheorien stützen sich auf Ergebnisse aus Faktorenanalysen. Dies sind mathematisch statistische Ordnungsverfahren, die in einer Vielzahl von Einzelmerkmalen (hier Intelligenzmerkmale) Ordnung schafft. In einigen Ansätzen besteht Intelligenz aus einem allgemeinen g-Faktor (generell) und einer Anzahl spezifischer s-Faktoren (spezifisch).

Eine psychometrische Intelligenztheorie ist das Strukturmodell Guilfords in dem Intelligenzfaktoren nach Inhalt (figurale, symbolische, semantische und verhaltensmäßige [4]), Produkt (Einheiten, Klassen, Beziehungen, Systeme, Transformationen und Implikationen [6]) und Operation (Überprüfen/Bewerten, konvergentes Denken, divergentes Denken, Wissensaktualisierung und Erkennen/Auffassen [5]) klassifiziert werden. Jeder Inhalt kann sich in einer anderen Form äußern, diese 24 resultierenden Arten von Informationen können je mit verschiedenen Operationen verarbeitet werden. Damit postulierte Guilford 120 (4*6*5) intellektuelle Fähigkeiten, obwohl 1961 erst 40 bekannt waren (heute c.a. 100).

Kognitionspsychologische Intelligenzkonzepte

In der Theorie der Problemlöseintelligenz nach Earl Hunt (1983) wird Intelligenz in Begriffen kognitiver Aktivitäten definiert, die zur Lösung von Problemen benötigt werden. Er unterscheidet drei Arten von kognitiven Prozessen, in denen sich Menschen unterscheiden können:

§  Die Art und Weise, wie ein Problem kognitiv repräsentiert wird

§  Die Herangehensweise an kognitive Aufgaben

§  Die Fähigkeiten, die zur Durchführung grundlegender Informationsverarbeitungsschritte innerhalb der gewählten Strategien erforderlich sind.

Dieser Ansatz ist darauf gerichtet, die spezifischen kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten einer jeden Person so gut wie möglich nutzbar zu machen.

Gardners Theorie der „multiplen“ Intelligenz (1983, 1993)

Nach Gardner, der von einem bestimmenden Einfluss der Kultur ausgeht (die Kultur entscheidet über die Wichtigkeit der einzelnen Intelligenzen), bezieht sich Intelligenz auf  7 Möglichkeiten, die Welt zu betrachten:

Logisch- mathematisch, sprachlich (linguistisch), musikalisch, räumlich,                    körperlich- kinästhetisch, interpersonal, intrapersonal.

Die „triarchischen“ Theorie von Sternberg (1985)

Hier werden 3 Arten von Intelligenz unterschieden:

§  Komponentenbezogene: kognitive Prozesse, die an der Lösung vorgegebener Probleme beteiligt sind. Sie ist auf die Analyse von geistigen Funktionen beim Lernen und auf metakognitive Aufgaben, wie Strategienplanung und Selbstüberwachung (monitoring) von Fortschritten gerichtet. [IQ und Schulnoten]

§  Erfahrungsbezogene: Art und Weise, wie die innere mentale Welt einer Person und die äußere Umwelt zusammenhängen. Wie wird Intelligenz durch Interaktionen mit der sozialen und der physikalischen Umgebung beeinflusst ?                              [Karriereerfolg bei dem es auf Kreativität ankommt]

§  Kontextuelle Komponente: Wie Menschen ihre Umwelt beeinflussen, wie sie die Angelegenheiten des täglichen Lebens meistern und wie sie mit dem eigenen „Selbst“ umgehen.  [Effektivität in geschäftlichen Angelegenheiten und im täglichen Leben]

Kreativität -Definition und Messung.

Unter Kreativität wird die Fähigkeit zum ungewöhnlichen (originellen), aber angemessenen Handeln verstanden. Zur Messung Von Kreativität werden vor allem projektive Verfahren und Maße für divergentes Denken verwendet.

Man unterscheidet zwischen dem kreativen Prozess (Sensibilität für Gegebenheiten, die andere gewöhnlich nicht bemerken und die Fähigkeit Verbindungen zu knüpfen) und dem kreativen Produkt (Veräußerlichung in Kunstwerken, Erfindungen oder Theorien).

Kreative Menschen interpretieren z.B. Tintenkleckse eleganter und einfallsreicher.

Gebrauch und Missbrauch des Intelligenzquotienten.

Intelligenzquotienten sind valide Prädiktoren für die Vorhersage von Schulerfolg und beruflichem Status. Ist eine berufliche Position einmal erreicht, werden nichtintellektuelle Faktoren wie das Investieren von Energie, soziale Fähigkeiten und Arbeitsgewohnheiten wichtig für weitere Erfolge. Die frühere Annahme, der IQ offenbare ein angeborenes, unveränderliches Potential, wurde von der Forschung revidiert. Die Höhe des IQ kann sich in Abhängigkeit von Umwelteinflüssen verändern (Erziehungsstile, Vertrautheit mit der maßgeblichen Kultur). Ist der Abstand zwischen Test und Testwiederholung groß, so gibt es oft hohe Ergebnisschwankungen (geringe Reliabilität). Þ Heute besteht Einigkeit darüber, dass Erbe und Umwelt interaktiv bei der Festlegung der individuellen Intelligenzausprägung zusammenwirken. Die Gene begrenzen den Spielraum der Entwicklungsbreite der Intelligenz.

Wird die Umwelt maßgeblich verändert, können die Grenzen verschoben werden. (Eysenck u. Kamin 1981).

Untersuchungen ergaben:

§  Wachsen schwarze Kinder in weißen Familien auf, so ist der IQ um so größer, je früher die Kinder adoptiert wurden (Scarr u. Weinberg 1976).

§  Der sozioökonomische Status der Familie und der Bildungsstand der Mutter sind gute Prädikatoren für die Intelligenz der Kinder (Broman 1975).

§  Die Familiengröße korreliert negativ mit der Intelligenz der Kinder. Außerdem sind jüngere Geschwister weniger intelligent, gerade wenn der Abstand zum älteren Geschwister klein ist. Dies ist auf das weniger stimulierende intellektuelle Umfeld zurückzuführen (Robert Zajonc 1976) (Eltern nehmen sich in einer Großfamilie weniger Zeit für ihre Kinder).

§  Prädikator für den beruflichen Status einer Person ist das Bildungsniveau des Vaters (McCall 1977)

Verzerrungen bei Intelligenzmessung:

Intelligenz- und Schulleistungstests sind abhängig von Variablen wie kulturellen Werten, historischen Gegebenheiten, Sprachgebrauch, allgemeinen Testfertigkeiten und den eigenen Erwartungen der Personen an die eigene Effektivität.

Ein schlechter Gesundheitszustand der Mutter vor der Geburt, Mangelernährung des Kindes, Fehlen von Büchern zur Anregung der Sprache und mangelnde intellektuelle Stimulierung der Kinder, wenn die Eltern zu wenig Zeit haben, wirkt sich negativ auf die Intelligenz der Kinder aus.

Persönlichkeitsdiagnostik

Die Persönlichkeitsdiagnostik arbeitet sowohl mit objektiven (Durchführung und Bewertung ist relativ einfach mit festen Regeln) als auch mit projektiven Tests. Eine Gruppe objektiver Persönlichkeitstests sind Selbstbeurteilungsskalen, bei denen Fragen über ihre Gefühle, Gedanken und Handlungen zu beantworten haben. Drei im deutschen Sprachraum sehr gebräuchliche sind der Gießen-Test (GT), das Freiburger Persönlichkeitsinventar (FPI-R) und das NEO-Fünf-Faktoren-Inventar (NEO-FFI).

Objektive Tests

Der Gießen- Test

Der GT ist ein Persönlichkeitsfragebogen auf psychoanalytischer Grundlage (ungewöhnlich), der 1972 von Beckmann, Brähler und Richter für klinische Fragen und Zielsetzungen konstruiert wurde (1990 überarbeitet). Er betont besonders die soziale Komponente. Diese wird in sechs Skalen unterschieden:

§  soziale Resonanz: Wirkung der Person auf die soziale Umgebung

§  Dominanz:  Aggressivität, Impulsivität, Eigensinn, Herrschaftsansprüche Aggressionsunfähigkeit, Geduld, Anpassungswilligkeit, Unterordnungstendenz

(„anale Züge sadomasochistischer Prägung“; Beckmann 1983)

§  Kontrolle: Hier geht es um den intrapsychischen Individualbereich, um die Beziehung zwischen „Es“ und den Kontrollmechanismen „Ich“ und „Über- Ich“.

§  Grundstimmung: Grundlegende Stimmung der Person und Beziehung zwischen Stimmungslage und Hauptrichtung der Aggression

§  Durchlässigkeit: Fundamentale Kategorien des Kontakterlebens. Eriksons Kategorien des Urvertrauens Urmisstrauens und Autonomie Zweifel angesprochen.

§  soziale Potenz: ungesellig, bindungsunfähig zuverlässig in engen Beziehungen und angstfrei im Umgang mit dem anderen Geschlecht

Der GT- Test kann auch zur Fremdbeurteilung verwendet werden und eignet sich deswegen besonders in Arzt- Patienten- und Paarbeziehungen sowie für Familien und Gruppenangelegenheiten.

Das Freiburger Persönlichkeitsinventar (1983 1994)

Das FPI-R ermöglicht eine Selbstbeurteilung der Persönlichkeit auf 10 Standardskalen (Lebenszufriedenheit, Soziale Orientierung, Leistungsorientierung, Gehemmtheit, Erregbarkeit, Aggressivität, Beanspruchung, Körperliche Beschwerden, Gesundheitssorgen und Offenheit) mit jeweils 12 Items  und den Zusatzskalen Extraversion und Emotionalität.

Das FPI- R hat keine einheitliche theoretische Basis.

Das  NEO- Fünf- Faktoren- Inventar (Borkenau u. Ostendorf 1993)

Das NEO-FFI ist die Umsetzung des Persönlichkeitsmodells der »großen fünf« Eigenschaftsdimensionen (Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrung, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit) in einen Selbstbeurteilungsfragebogen.

Hohe Werte in:

Eigenschaften:

Items:

Neurotizismus

Nervös, ängstlich, traurig, unsicher, verlegen, um Gesundheit besorgt

Ich bin nicht leicht beunruhigt.

Manchmal fühle ich mich völlig wertlos.

Extraversion

Gesellig, aktiv, gesprächig, herzlich, optimistisch, heiter und Personen-orientiert

Ich habe gerne viele Leute um mich.

Ich bin ein fröhlicher, gut gelaunter Mensch.

Offenheit für Erfahrung

Wissbegierig, kreativ, phantasievoll, unabhängig in ihrem Urteil, bevorzugen Abwechslung

Ich probiere oft neue und fremde Speisen aus. Ich spiele gerne mit Theorien und abstrakten Ideen.

Verträglichkeit

„agreeableness“

Altruistisch, mitfühlend, verständnisvoll, wohlwollend, harmoniebedürftig, Vertrauen zur Kooperativität u. Nachgiebigkeit

Ich versuche stets rücksichtsvoll und sensibel zu handeln. Ich versuche zu jedem, dem ich begegne freundlich zu sein.

Gewissenhaftigkeit

Ordentlich, zuverlässig, hart arbeitend, diszipliniert, pünktlich, penible, ehrgeizig, systematisch

Ich halte meine Sachen ordentlich und sauber. Ich bin eine tüchtige Person, die Arbeit immer erledigt.

Da die Probanden die Fragen hinsichtlich ihrer Günstigkeit leicht durchschauen, ist die Gefahr, dass Probanden mit Interesse an einer positiven Selbstdarstellung und sozialer Erwünschtheit nicht gewissenhaft antworten.

Verhaltensdiagnostik

Die Annahme, Problemverhalten sei situationsspezifisch und würde eher durch Umweltbedingungen als durch überdauernde Persönlichkeitseigenschaften (wie bei den oberen Tests angenommen) verursacht, führte zu dem Ansatz der Verhaltensdiagnostik, bei dem spezifische Verhaltensweisen in einer natürlichen Umgebung beobachtet werden. Bei diesem Ansatz wird auch unterstellt, dass beobachtetes Verhalten durch Intervention verändert werden kann.

Projektive Tests

Bei projektiven Tests werden die Personen gebeten, auf unvollständige oder mehrdeutige Reize unterschiedlicher Art zu reagieren. Weil die Stimuli vage sind, werden die Reaktionen teilweise durch das bestimmt, was die Person in die Situation einbringt (Gefühlszustände, persönliche Motive).

Kritikpunkte an den projektiven Tests sind die unterstellte subjektive Interpretation der Reaktionen sowie Probleme mit der Reliabilität und der Validität. Deshalb werden sie am besten in Verbindung mit anderen diagnostischen Verfahren eingesetzt.

Zunächst bedienten sich die Psychoanalytiker dieser Methode (Jung nannte den Probanden Gegenstände mit denen diese weitere Wörter assoziieren sollten, um so deren unbewussten Ängste zu erfassen).

Projektive Techniken  zur Erfassung der Persönlichkeit:

§  Assoziieren (vgl. Jung)

§  Konstruieren: z.B. eine Geschichte erfinden

§  Ergänzen z.B. einen Schluss für eine Geschichte finden

§  Ordnung oder Wahl: Material in eine bestimmte Reihenfolge bringen: eine Rangreihe bilden oder eine Auswahl unter verschiedenen Möglichkeiten treffen

Ausdruck: eine Rolle vorspielen oder vorführen oder dem Selbst durch künstlerische Aktivitäten Ausdruck verleihen.     Zwei bekannte projektive Tests:

Rorschachtest (1921):

Im ersten Test werden den Probanden Tintenkleckse vorgelegt, um diese zu deuten. Im Nachtest bekommen die Personen die gleichen Bilder wieder vorgelegt und sollen sich an ihre Aussage und Reaktionen beim ersten Test erinnern. Die Antworten werden auf 3 Hauptdimensionen bewertet:

§  Auf welchen, wie großen Teil Des Tintenkleckses bezieht sich die Antwort einer Person?

§  Inhalt: Welche Objekte  und Aktivitäten werden gesehen?

§  Determinanten: Welche Aspekte des Bildes (Farbe, Schattierung) lösen die Reaktion aus.

Idealerweise verwendet ein Diagnostiker diese Daten als Quellen für Hypothesen über eine Person, die dann mit anderen Messverfahren überprüft werden. Der Test wird ebenfalls verwendet um Informationen über Bereiche zu bekommen (z.B. Sexualität) über die eine Person in objektiven Tests keine Angaben machen würde.

TAT (Thematischer Apperzeptionstest; 1938)

Den Personen werden Bilder mehrdeutiger Szenen vorgelegt zu denen sie Geschichten erfinden sollen, in denen beschrieben wird, was die Menschen tun und denken. Ein klinischer Psychologe stellt mit Hilfe der Aussagen der Personen und der Art und Weise wie diese Antworten gegeben werden Theorien über die zugrunde liegenden Bedürfnisse, Eigenschaften, Probleme und Motive der Personen auf.

Politische und ethische Probleme der angewandten Diagnostik.

Unkritische Anwendung psychologischer Diagnostik birgt Gefahren in sich. So können »objektive« Testwerte für absolut gehalten werden und dadurch Entwicklungsmöglichkeiten einschränken (z.B. schlechter IQ- Wert).

Oder ein »wissenschaftlich legitimiertes« Testresultat wird als Entscheidungskriterium verwendet, obwohl die zugrundegelegten Normen möglicherweise unangemessen sind (selten wird ein vom Computer erstelltes Testergebnis angezweifelt).

Auch die Annahme, intellektuelle Fähigkeiten seien vererbt und unveränderlich, kann zu Einschränkungen der Entfaltungsmöglichkeiten (bei einem schlechten IQ- Ergebnis) führen. Psychologische Diagnostik kann sich als Indikator der gegenwärtigen Leistungsfähigkeit und für die Vorhersage zukünftigen Verhaltens als nützlich erweisen, jedoch sollten Testergebnisse nicht als alleinige Grundlage für weitreichende Entscheidungen dienen.

So waren z.B. Wissenschaftler, die Intelligenz als Erbmerkmal determinieren pro Zwangssterilisierung und Streichung von Geldern für kompensatorische Erziehungsmaßnahmen.

Ein Diagnostiker sollte stets beachten, dass der Mensch, den er beschreibt:

§  Aus einer Lebensgeschichte hervorgegangen ist, die Ihn geprägt hat

§  Hoffnungen, Pläne und Vorsätze mit sich herumträgt, die sein zukünftiges Handeln mitbestimmen werden

§  In seinem aktuellen Handeln genauso von der derzeitigen Lebenssituation beeinflusst wird, wie durch überdauernde Merkmale.

 

14. Klinische Psychologie: Therapien

Therapieziele und Therapieformen.

Bei aller Verschiedenheit von Therapieformen besteht das gemeinsame Ziel immer darin, die psychischen Funktionen einer Person zu verändern.

Zu diesem Zweck soll eine Diagnose gestellt, die Ätiologie (Ursprünge und Zwecke der Störung) aufgedeckt, und eine Prognose (Abschätzung des weiteren Krankheitsverlaufs mit und ohne Therapie) erstellt werden, damit eine bestimmte Therapie vorgeschlagen und durchgeführt werden kann.

Biologisch- medizinische Therapien konzentrieren sich auf Mechanismen im ZNS und auf Hirnfunktionen, welche mittels chirurgischer Eingriffe, Elektroschocks oder Medikamente modifiziert werden sollen.

Psychologische Behandlungsmethoden (Psychotherapien) konzentrieren sich auf unangemessene, erlernte Verhaltensweisen; der Wörter, Gedanken, Interpretationen, und Rückmeldungen, die unsere alltäglichen Lebensstrategien lenken.

Der Gang zum Therapeuten.

Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, die Menschen veranlassen, einen Therapeuten aufzusuchen. Es hat sich aber auch gezeigt, dass es eine Reihe von Gründen gibt (z.B.  Angst vor Stigmatisierung, Herunterspielen der Notwendigkeit und des Nutzens einer Therapie), die hilfsbedürftige Personen daran hindern, einen Therapeuten aufzusuchen.

Für professionelle Hilfe wendet man sich an:

§  einen Psychologen (Psychologiestudium),

§  einen Psychiater (Mediziner mit Facharztausbildung in Psychiatrie),

§  einen Psychotherapeuten (Arzt oder Psychologe mit therapeutischer Zusatzausbildung)

§  einen Psychoanalytiker (Arzt oder Psychologe mit psychoanalytischer Zusatzausbildung)

Der kulturelle Rahmen der Therapie

Die bedeutendsten Richtungen der Psychotherapie unserer Kultur sind der psychodynamische Ansatz, die Verhaltenstherapien, die kognitiven Therapien und Therapien, die der existentialpsychologisch-humanistischen Tradition entspringen. Die meisten psychotherapeutischen Interventionen haben die Reduzierung des Leidensdrucks des Klienten und die Steigerung seines Wohlbefindens zum Ziel.

In Kulturen in denen Kooperation und Wechselweise Abhängigkeit zwischen den Menschen und das Überleben des Stammes mehr zählt als die individuellen Bedürfnisse (z.B. Afrika) werden Therapien nicht isoliert, sondern unter Einbezug der gesamten Bekannt- und Verwandtschaft durchgeführt.

Andere Kulturen behandeln psychische Störungen durch mystische Kräfte von Schamanen, die durch die Personalisierung der Probleme diese in Heilungszeremonien aus dem Körper treiben kann. In solchen Heilungszeremonien bedient man sich oft der Praxis der Dissoziation des Bewusstseins (tritt in einen anderen Bewusstseinszustand → in unserer Kultur wird dies als psychische Störung interpretiert), so dass gute Geister mit Kranken in Kontakt treten können und böse Geister ausgetrieben werden können.

Psychoanalytische/psychodynamische Therapien

Die Psychoanalytische Therapie sieht das Leiden des neurotischen Erwachsenen als das äußere Symptom innerer ungelöster Traumata und Konflikte in der Kindheit. Es ist eine „Redekur“, bei der Therapeut und Klient Probleme und Problemursachen ausführlich besprechen.

Die Psychoanalyse Sigmund Freuds

Die älteste der psychodynamischen Therapien ist die psychoanalytische Therapie nach S. Freud. Ihr Prinzip liegt in der Heilung durch Einsicht (Unbewusstes bewusst machen). Der Psychoanalytiker unterstützt den Klienten bei der Aufdeckung von Zusammenhängen zwischen aktuellen Symptomen und ursprünglichen Konflikten in der Kindheit. Die traditionelle Psychoanalyse erfordert viel Zeit, eine hohe Motivation um die Therapie durchzuhalten und die Fähigkeit der Klienten zur Introspektion.

Um verdrängte Konflikte bewusst zu machen, setzen Psychoanalytiker verschiedene Techniken ein:

§  Die freie Assoziation: Während der Klient auf der Couch liegt wird er vom Therapeuten ständig ermutigt über seine Gefühle zu sprechen. Der Therapeut hat die Aufgabe den Assoziationen bis zu ihrem Ursprung zu folgen. Die durch den Ausdruck der bisher verdrängten Gefühle zustande kommende emotionale Erleichterung wird als Katharsis bezeichnet.

§  Die Analyse des Widerstands: Themen, über die ein Klient nicht sprechen möchte (meist sexuell oder auf Eltern bezogen) sind für den Therapeuten von besonderer Bedeutung. Ziel ist es gerade diese Widerstände zu überwinden und sich diesen schmerzhaften Vorstellungen, Wünschen und Erfahrungen zu stellen.

§  Die Traumanalyse: Da im Schlaf das Über- Ich weniger über die unannehmbaren Impulse des Es wacht, können diese im Traum zum Vorschein kommen. Durch den manifesten Trauminhalt (das was wir noch wissen) versucht der Therapeut den latenten Trauminhalt, der aus den wirklichen Motiven, die teilweise so unannehmbar sind, dass sie nicht einmal „ausgesprochen“ geträumt werden können, und die darin verschleierte symbolische Bedeutung signifikanter Lebenserfahrungen  und intimer Wünsche zu erfassen.

§  Die Analyse der Übertragung und der Gegenübertragung: Durch die lange Therapie kann es passieren, dass der Klient den Therapeuten mit einer Person gleichsetzt, die in der Vergangenheit im Mittelpunkt eines sozialen Konfliktes stand und somit emotional auf den Therapeuten reagiert. Ein Therapeut kann nun seinem Klienten helfen, die gegenwärtig übertragenen Gefühle zu interpretieren. Eine Gegenübertragung (wenn der Therapeut emotional auf den Klienten reagiert) kann schädlich für den Therapieerfolg sein, wenn sie vom Therapeuten nicht rechzeitig erkannt wird.

Aktuelle psychodynamische Ansätze

Es gab allgemeine Veränderungen bei den Postfreudianern.

Nach H. S. Sullivan hat Freud die Bedeutung der sozialen Beziehungen nicht genügend gewürdigt. Deshalb sind interpersonale Beziehungen der Mittelpunkt seines Ansatzes. Beispielsweise beeinflussen sich nach Sullivan die Gefühle und Einstellungen von Therapeut und Klient wechselweise und werden im therapeutischen Gespräch thematisiert.

M. Mahler hat den psychoanalytischen Ansatz zum Verständnis von Schizophrenie im Kindesalter genutzt. Im Mittelpunkt ihres Ansatzes stehen Trennung und Individuation als Prozesse der Differenzierung der Einheit von Mutter und Kind („duale Einheit“). Wichtig ist, dass der Therapeut den Klienten empathisch durch die psychologischen Erfahrungen begleitet und dabei die Sichtweisen des Klienten akzeptiert.

Verhaltenstherapien/Verhaltensmodifikation

Der Grundgedanke der Verhaltenstherapien ist die Anwendung lernpsychologischer Prinzipien zur Beseitigung unerwünschter und zum Aufbau erwünschter Verhaltensmuster. Sie setzt am Verhalten selbst an und sieht dieses als das eigentliche erlernte Problem an und nicht als Spitze eines „Eisbergs“ der „eigentlichen“ zugrundeliegenden Störung (wie bei den Psychoanalytikern). Ein medizinisches Krankheitsbild wird abgelehnt.

Der Verhaltensbegriff, der sich hier auch auf Gedanken und Gefühle bezieht, wurde gegenüber des Behaviorismus deutlich erweitert.

Gegenkonditionierung

Neurotische Ängste und andere unerwünschte emotionale Reaktionen wurden klassisch konditioniert. Durch das Prinzip der Gegenkonditionierung beispielsweise wird nach dem Grundsatz des klassischen (?Buch nennt operational ?) Konditionierens eine neue Reaktion an die Stelle des unangemessenen Verhaltens gesetzt.                    

 

Techniken:

§  Systematische Desensibilisierung (J. Wolpe; 1958) wird vor allem bei Phobien, Prüfungsangst, Lampenfiber, Impotenz und Frigidität angewandt. Furcht wird als der Hauptgrund für fehlangepasste Vermaidungshandlungen gesehen. Der Klient stellt zu Anfang eine hierarchisch angelegte Rangreihe aller Reize, die bei ihm Furcht vor einer bestimmten Sache verursachen auf. Dann wird er einem System der progressiven Muskelentspannung unterwiesen. Nun versucht sich der Klient (im entspannten Zustand) zunächst den schwächsten Reiz seiner Rangreihe intensiv vorzustellen, ohne in Furcht zu geraten. Er arbeitet sich sukzessiv nach oben. Wie auch bei anderen Konditionierungsprozessen wirkt hier die Reizgeneralisierung; Ist die Furcht vor einem bestimmten Reiz gelöscht, so gibt es eine Generalisierung dieses Effektes auf verwandte Reize.

§  Implosion: Der Klient wird gleich mit dem schlimmsten Reiz seiner Furcht konfrontiert (durch intensives Vorstellen oder Nachstellen der Paniksituation in einem ungefährlichen Rahmen). Zunächst tritt eine Panik auf, jedoch wird nach häufiger Wiederholung des Reizes ohne dass etwas Schlimmes passier, so verliert der Reiz seine furchtauslösende Qualität.

§  Flooding (z.B. bei Agoraphobien): Der Klient wird gezwungen sich eine Kassette anzuhören, auf der die für seine Phobie schrecklichste Situation ein oder 2 Stunden lang beschrieben wird. Direkt nach dieser Terrorkassette wird der Klient mit dem realen gefürchteten Situation konfrontiert, die sich nun bei weitem nicht  als so furchterregend erweist wie vorgestellt.

Der systematischen Desensibilisierung, der Implosion und dem Flooding liegt gemeinsam die Konfrontation mit der Phobie zugrunde.

§  Aversives Lernen/Aversionstheorie: Anwendung bei Klienten, die sich zu schädlichen oder schlechten Reizen hingezogen fühlen (Drogenabhängigkeit, sexuelle Perversion, unkontrollierte Gewalt): Der Reiz (z.B. bei Pädophilen ein Bild von einem Kind) wird (als NS) zusammen mit stark unangenehmen Reizen (US; z.B. Elektroschocks oder Übelkeit erregende Medikamente) dargeboten. Der Klient entwickelt nun gegenüber des zuvor begehrten Reizes eine Aversion und meidet diesen (CR).

Kritik: dem Therapeuten wird hier zu viel Macht verliehen.

Kontingenzmanagement

Die Prinzipien der operanten Konditionierung werden immer dann eingesetzt, wenn die Häufigkeit erwünschter Handlungen gesteigert oder die Auftretensrate unerwünschter Handlungen gesenkt werden soll. Kontingenzmanagement nennt man eine Behandlungsstrategie, bei der eine Verhaltensmodifikation durch die Veränderung der Konsequenzen aus dem Verhalten erreicht werden soll.

Strategien der positiven Verstärkung

Durch Belohnung wird die Häufigkeit einer erwünschten Reaktion beeinflusst.

§  Gutschein- Verstärkungssysteme (In Pflegeheimen gibt es für erwünschtes Verhalten immer einen Gutschein, z.B. über Wochenendausgang...). Diese Strategie funktioniert nur, wenn die Belohnung nicht auch anders erreicht werden kann.

§  z.B. Shaping und Premack- effekt

§  Ein Verhaltenskontrakt ist ein Vertrag/ eine Vereinbarung wodurch Konsequenzen für bestimmte Verhaltensweisen festgelegt werden. Die Therapeutische Situation wird dadurch strukturiert, denn Therapeut und Klient wissen nun, was sie an angemessenem Verhalten erwarten können. (bei Gewichtsproblemen und auch bei Eltern- Teenagern- Problemen). Kommt es zum Vertragsbruch, ist es gerade bei Kindern und kranken Personen gut wenn der Schiedsspruch von einer dritten Partei unternommen wird (Nelson u. Mowrey; 1976)

Löschungsstrategien:

Nicht erkannte Verstärker für neurotische Verhaltensweisen werden durch eine Situationsanalyse ausfindig gemacht. Dann wird ein Programm erstellt, welches das Auftreten des Verstärkers nach dem unerwünschten Verhalten verhindert. Das unerwünschte Verhalten wird nun durch die mangelnde Verstärkung immer seltener auftreten und schließlich ausgelöscht (Extinktion). Strafe kann z.B. auch ein Verstärker sein, wenn dem Kind sonst keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. In psychiatrischen Anstalten werden manchmal die Patienten nicht mehr täglich nach ihrem Wohlbefinden gefragt, da angenommen wird, dass die besondere Zuwendung bei bizarren Schilderungen der Patienten über ihre Symptome ein Verstärker für diese sei und die Patienten eher zum Übertreiben verleite.

Bestrafung:

Wird äußerst selten angewandt, da sie dem Ziel der Selbstverantwortung einer jeden Therapie widerspricht, und dadurch die Macht von Strafe gelernt wird.

Bestrafung wird z.B. bei selbstschädigendem Verhalten von Autisten in Verbindung mit Shaping eingesetzt (Strafe für das „ständige gegen die Wand hauen des Kopfes“ um dem Kind die Zwangsjacke zu ersparen und um ihm so die Möglichkeit zu geben erwünschtes Verhalten aufzuzeigen welches dann wiederum belohnt werden kann).

Beim Bestrafen sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass sein unerwünschtes Verhalten bestraft wird, so dass nicht der Eindruck erweckt wird, er sei unerwünscht.

Therapien auf der Grundlage des sozialen Lernens.

Bei diesen Verfahren soll das Problemverhalten dadurch modifiziert werden, dass der Klient Modelle beobachtet, die für erwünschte Verhaltensweisen belohnt werden. Stellvertretendes Lernen hat sich besonders beim Abbau von Phobien und beim Aufbau sozialer Fertigkeiten als geeignet erwiesen.

Gerade das „In- vivo- Modellernen“ , bei dem der Therapeut zum Modell wird und, von dem Klienten gefürchtetes Verhalten selbst vorführt weist bei Phobien einen sehr großen Erfolg auf (Probanden mit Schlangenphobie machten so die größten Fortschritte). Auch autistische Kinder konnten so zum Sprechen gebracht werden, indem sie für das Nachsagen der Wörter des Therapeuten belohnt wurden.

Beim symbolischen Modellernen werden oft Filme mit Modellen, die das gefürchtete Verhalten aufweisen, gezeigt.

Durch die Anwendung der sozialen Lerntheorie angeregt, wurde eine therapeutische Intervention entwickelt, bei der Menschen mit unzureichenden sozialen Fertigkeiten (sozial skills) durch ein Training sozialer Fertigkeiten (bekommen Höflichkeitsregeln gezeigt, wie man Komplimente macht, Augenkontakt...,und immer das angemessene Gefühl zu zeigen) und zu wirksamerem Verhalten verholfen werden konnte.

Immer häufiger sind Generalisierungstechniken Bestandteil von Therapieprogrammen. Dadurch soll die Beibehaltung und Ausweitung positiver Therapieeffekte sichergestellt werden, dass das gewünschte Verhalten nicht nur in der Therapie auftritt sondern auch im realen Leben, und dort möglichst nicht nachlässt. Dazu werden die Klienten sukzessiv von den „unnatürlichen Verstärkern“ (wie z.B. Gutscheine..) auf natürliche Verstärker (z.B. soziale Anerkennung, Lob), die im realen Leben immer wieder vorkommen, umgestellt.

Die Verhaltensweisen können auf Ausflügen aus der Institution unter Anleitung der Therapeuten geübt werden.

Kognitive Therapien

Dem Ansatz der kognitiven Therapien liegt die Annahme zugrunde, dass Verhaltensprobleme und emotionale Belastungen von kognitiven Störungen herrühren. Gestört ist, was und wie wir denken. Die verschiedenen Ansätze der kognitiven Therapien gleichen sich insofern, dass sie die oft verzerrten selbstbezogenen Behauptungen über die Ursachen und die Änderungsmöglichkeiten neu zu strukturieren versuchen und unterscheiden sich darin, welche kognitiven Prozesse verändert und welche Methoden zur kognitiven Restrukturierung verwendet werden sollen.

Kognitive Verhaltensmodifikation

(verbindet Bedeutung der Einstellung [kognitive Perspektive] mit der Verhaltensänderung durch Beeinflussung der Verhaltenskontingenzen [behavioristische Perspektive])             

Grundüberzeugung: „Wir sind das, was wir uns selbst über uns sagen, und wir werden dadurch gelenkt, was wir unserer Überzeugung nach tun sollten“.

Beispielsweise wird beim Selbstwirksamkeitstraining durch das Setzen erreichbarer Ziele, durch das Entwickeln realistischer Strategien zu ihrer Erreichung und die realistische Auswertung der Rückmeldung bei den Menschen ein Gefühl der Selbstwirksamkeit hervorgerufen (Bandura 1980). Die kognitive Selbstwirksamkeitstherapie versucht, die Gedanken der Klienten über ihre eigene Wirksamkeit, zu verändern. Der Ansatz von Meichbaum (1977) unterscheidet drei Phasen:

1.    Kognitive Vorbereitung: Therapeut und Klient finden heraus, wie der Klient über das zu therapierende Problem denkt, und wie er diesem Denken Ausdruck verleiht (Verhalten).

2.    Erwerb und Einüben von Fähigkeiten: Es werden neue konstruktive, selbstbezogene Behauptungen gelernt, welche die alten selbstdestruktiven, angstauslösenden ablösen („ich kann das“...).

3.    Anwendung und Praxis des gelernten in realen Situationen: Es wird mit leichten Problemsituationen begonnen und nach und nach zu schwierigeren weitergegangen.

Veränderung unangemessener Überzeugung

Ein anderer bedeutender Ansatz ist der Versuch, Systeme unangemessener Überzeugungen, die für psychische Störungen verantwortlich gemacht werden, zu verändern. 

Typische unangemessene Überzeugungen sind:

§  Unrealistisch Einstellungen („Ein Student muss perfekt sein“)

§  Falsche Vorannahmen („Wenn ich es jedem recht mache, werde ich sehr beliebt sein“)

§  Starre regeln, die dafür sorgen, dass das Verhalten automatisch abläuft („Ich muss den Autoritäten gehorchen“)

Die kognitive Therapie der Depression (Beck 1976):

Der Therapeut hilft dem Patienten, sein Problem realistischer und flexibler zu beurteilen und zu handhaben und somit die Symptome zu reduzieren indem er:

§  Die negativen selbstbezogenen Annahmen des Klienten in Frage stellt

§  Mit dem Klienten pro- contra die automatischen Überzeugungen diskutiert

§  Die Klienten anleitet, die Schuld für Misserfolge situativen und nicht dispositionalen Faktoren zuzuschreiben

§  Mit dem Klienten Lösungen zu komplexen Aufgaben bespricht, die zu Misserfolg geführt haben.

Es wird versucht die  „abwärtsgerichtete Spirale“ der Depression (der Zwang über die eigene schlechte Stimmung nachzudenken löst Erinnerungen an schlechte Erfahrungen aus, die wiederum die depressiven Gefühle verschlimmern) zu durchbrechen.

Rational- emotive Theorie (Albert Ellis 1962):

Sie zielt auf die Steigerung des Selbstwertgefühls des Individuums und auf sein Potential zur Selbstverwirklichung ab. Sie versucht das System falscher Überzeugungen, das die persönliche Entwicklung blockiert, abzubauen. (ähnelt humanistischen Ansätzen).Existentialistisch-humanistische Therapien.

Der zentrale Bezugspunkt dieser Therapien ist die aktuelle Lebenssituation, wie sie vom Individuum erlebt wird. Sie betonen die Wertvorstellungen der Klienten, Selbstverwirklichung, die Bildung befriedigender interpersonaler Beziehungen, die psychische Weiterentwicklung und dass jeder Mensch seinen Weg frei wählen kann. Ihr Schwerpunkt liegt in der Verbesserung der Lebensqualitäten von Menschen.

 

Klientenzentrierte Therapie

In der klientenzentrierten Therapie (personenzentrierte Psychotherapie/nichtdirektive Gesprächspsychotherapie) von C. Rogers ist das Hauptziel die Förderung der Selbstverwirklichung des Menschen. Aufgabe eines Therapeuten ist es bei der Beseitigung der Blockierung, die den Ausdruck der natürlichen positiven Neigung eines jeden Menschen hemmen, zu helfen.

Das grundlegende therapeutische Prinzip ist das der uneingeschränkten positiven Wertschätzung. Empathie und Echtheit sind weitere wesentliche Aspekte der Therapie nach Rogers. Wichtig ist, dass der Therapeut den Klienten nicht bewertet, dass er keine Leistungskriterien aufstellt und dass er den Klienten nicht lenkt sondern diesen selbst Antworten finden lässt (Gesprächsführung: das Gesagte interpretierend wiederholen).

 

Gruppentherapien

In den letzten Jahren hat sich die Therapie in Gruppen verbreitet, beispielsweise auch in Selbsthilfegruppen. Gründe für eine Gruppentherapie sind:

§  Sie ist für manche Menschen weniger beängstigend, was die Machtverteilung angeht.

§  Interpersonale Fähigkeiten können bei anderen beobachtet und zugleich geübt werden.

§  Psychologische Prozesse in Gruppen können zum Therapieerfolg beitragen.

§  Die Teilnehmer verspüren Gefühle der Zugehörigkeit und des Akzeptiertwerdens.

§  Man stellt fest, dass es Leidensgenossen gibt → Universalität von menschl. Schwächen und Problemen (durch das Verbergen von Problemen vor anderen in der Gesellschaft, meinen viele sie seien mit ihrem Problem allein)

Diese Gruppenprozesse können dabei als Mittel zur Persönlichkeitsveränderung eingesetzt werden. Ursprüngliche gruppentherapeutische Ansätze, die sich weiterentwickelt haben sind:

§  Die Gestalttherapie (Fritz Perls 1969) (die Person als »Ganzheit«):                                         Das Aussprechen der Probleme in der Gruppe soll die Selbstaufmerksamkeit der Klienten erhöhen. Gefürchtete Phantasien und Träume, die als auseinandergebrochene Teile unserer Persönlichkeit gelten, müssen wieder erweckt und „ausgelebt“ werden.

§  Die Transaktionsanalyse (Eric Berne; 1967):                                                                   Es sollen manipulative Interaktionsmuster, die eine Person in ihren sozialen Beziehungen betreibt, offengelegt werden, indem Diskussionen in der Gruppe nachgespielt werden.

Selbsthilfegruppen bei tödlichen Krankheiten können den Teilnehmern helfen, während ihrer Krankheit ein möglichst erfülltes Leben zu führen und realistisch mit dem Tod umzugehen.

Paar- und Familientherapie

Bei der Paartherapie bezieht sich die Intervention auf Kommunikationsmuster zwischen Ehepartnern. Nonverbale und verbale Interaktionsstile werden aufgedeckt und beide Partner lernen wie sie erwünschte Reaktionen des anderen verstärken können und wie sie aufhören können unerwünschte Reaktionen zu verstärken.

Bei der Familientherapie wird auf das gesamte  „System Familie“ wert gelegt. Alle Familienmitglieder besuchen die Therapie. Der Schwerpunkt liegt auf interpersonalen, nicht auf intrapersonalen Störungen (Foley; 1979). Der Familientherapeutische Ansatz nimmt an, dass die Familie Störungen in den Familienmitgliedern hervorruft, nicht umgekehrt.

Wirksamkeit von Therapie

Mit Hilfe von Metaanalysen versucht die Therapieforschung, die Wirksamkeit von Therapien zu untersuchen. Diese wurde von Hans Eysenck 1952 angezweifelt, der dadurch die Diskussion entfachte. Es zeigt sich als Ergebnis, dass in den meisten Therapieverlaufsstudien mindestens kleine positive Effekte gefunden werden können, die nicht nur auf den Placeboeffekt oder Spontanremission (Störung verschwindet nach bestimmter Zeit auch ohne professionelle Intervention wieder) zurückzuführen sind. Die aktuelle Therapieforschung beschäftigt sich daher auch weniger mit der Frage, ob Therapie wirkt, sondern versucht herauszufinden, wie Therapie wirkt.

Es wurden Evaluationsstudien der verschiedenen Therapiemethoden beim Merkmal Depression durchgeführt, bei denen die medikamentöse Behandlung die besten Fortschritte, die Psychotherapien (in dieser Studie psychoanalytisch und kognitiv) aber stets ähnliche Ergebnisse erzielten. Placebo- Kontrollgruppen (mit unwirksamen Medikamenten) konnten fast keine Fortschritte verzeichnen. Jedoch weiß man dass die Effektivität der Psychotherapien individuell (hängt vom Klienten ab) verschieden ist. Probleme bei solchen Evaluationsstudien sind die nicht kontrollierbaren Rahmenbedingungen wie:

§  die Erfahrung der Therapeuten

§  die Therapiedauer

§  die Korrektheit und Präzession der Eingangsdiagnose

§  der Typ und der Schweregrad der Störung

§  die verwendeten Erfolgsmaße

§  die „Passung“ zwischen Patientenerwartung und Therapieform

§  die Länge des Zeitraums bis zu einer Nachuntersuchung zur Prüfung der Dauerhaftigkeit des Therapieerfolges.

Die Entwicklung neuer Therapien (für psychische und körperliche Störungen)

 

Bei der Entwicklung neuer Therapien kann gezeigt werden, dass vielen Menschen mit kurzzeitigen Therapien (nach 6 Monaten haben 75% messbare Fortschritte gemacht) geholfen werden kann. Für welche Therapieform sich eine Person entscheidet, sollte vor allem vom Arbeitsklima mit dem Therapeuten abhängig gemacht werden. Auch aus finanziellen Gründen entscheiden sich viele für Gruppentherapien. Die Experten sind sich darin einig, dass die beste Hilfe in der Prävention liegt.

Präventionsstrategien:

§  primäre Prävention: Es wird versucht dem Auftreten psychischer Probleme vorzubeugen, indem Menschen angemessene Bewältigungsstrategien kennenlernen, mit denen sie Probleme grundsätzlich besser angehen können.

§  Sekundäre Prävention: Die Dauer und der Schweregrad einer vorliegenden Störung soll begrenzt werden.

§  Tertiäre Prävention: Soll die Langzeiteffekte und die Rückfallgefahr einer psychischen, schon behandelten Störung, minimieren.

Dies zeigt, dass an die Stelle des bisher die Klinische Psychologie dominierenden Krankheitsmodells (befasst sich mit der Behandlung erkrankter Personen) das Leitbild des Gesundheitsmodells (Public Health; konzentriert sich auf die Beseitigung der Ursachen von Krankheiten, die in der Umwelt des Klienten zu finden sind) getreten ist.

Die Klinische Ökologie erweitert das herkömmliche Gebiet der biomedizinischen Therapie dadurch, dass Störungen wie Angst und Depression mit bestimmten Störfaktoren in der Lebenswelt (Umwelt, Ernährung, Drogengebrauch) der Menschen in Verbindung gebracht werden.

 

15. Erziehungsstile und Erziehungsprozesse

Pädagogische Psychologie

Gegenstand und Ziel der Pädagogischen Psychologie.

Die Pädagogische Psychologie nimmt eine Mittlerrolle zwischen Psychologie und Pädagogik ein, denn sie befasst sich mit den psychologischen, Aspekten von Erziehungsprozessen und Erziehungseinflüssen.

Erziehung pädagogisch definiert:

Erziehung ist die bewusste und beabsichtigte Einflussnahme auf das Handeln eines einzelnen Menschen oder einer Gruppe von Menschen (meistens Heranwachsenden) zu verstehen, wobei die Einflussnahme mit Blick auf ein bestimmtes Ziel hin erfolgt.

Erziehung psychologisch definiert:

Erziehung meint alle Erfahrungsmöglichkeiten, die innerhalb eines kulturellen Rahmensbereitgestellt werden, um die Lern- und Entwicklungsprozesse eines Menschen zu unterstützen.

Das Gebiet der Pädagogische Psychologie wird meistens in 2 Große Bereiche eingeteilt:

§  Psychologie der Erziehungs- und Sozialisationsprozesse

§  Psychologie der Lehr- und Lernprozesse sowie Unterrichtsprozesse (eigentlich Teilbereich der Erziehungsprozesse)

Innerhalb der Psychologie gehört die Pädagogische Psychologie zu den angewandten Teilfächern, denn sie greift bei vielen Fragestellungen auf die Theorien und Ergebnisse von Grundlagenfächern, wie etwa der Entwicklungspsychologie (Bereich Verhaltensstörungen), der Allgemeinen Psychologie (Lernpsychologie) und der Sozialpsychologie zurück. Trotz der Einordnung als angewandtes Fach wird aber auch in der Pädagogischen Psychologie genuine Grundlagenforschung betrieben.

Geschichte der Pädagogischen Psychologie.

Die Pädagogische Psychologie entstand etwa um die Jahrhundertwende als wissenschaftliche Disziplin. Der Entstehungsprozess wurde aus zwei Quellen gespeist:

§  zum einen aus der allgemeinen Strömung des Zeitgeistes, der auch für pädagogische und psychologische Fragestellungen eine empirische Herangehensweise forderte;

§  zum anderen aus alternativen pädagogischen Bewegungen, wie der Reformschulbewegung, die einer verbesserten pädagogischen Praxis eine fundierte Grundlage geben wollten.

Diese Nähe zur pädagogischen Praxis hat die Theoriebildung und Forschung in der Anfangsphase bestimmt. In der ersten Hälfte dieses Jahrhundert verlor die Pädagogische Psychologie jedoch zunehmend den Kontakt zu den Fragestellungen und dem Gegenstandsbereich der Pädagogik und damit auch den eigenen Forschungsgegenstand. Sie wurde immer mehr auf eine psychologische Teildisziplin reduziert, die aus dem generellen Wissensbestand der Psychologie diejenigen Erkenntnisse auswählte, die für Pädagogen geeignet zu sein schienen. In den letzten Jahrzehnten ist jedoch eine Rückbesinnung der Pädagogischen Psychologie auf die Tugenden der Anfangszeit (Forschung) zu beobachten. Unter der Bezeichnung »Instruktionspsychologie« ist eine neue Perspektive der Erforschung von Lehr- und Lernprozessen (es kommt weniger auf das Lernprodukt als auf das „wie“ an) entstanden, die Lehren und Lernen in den Besonderheiten der Unterrichts- und Schulsituation, also in pädagogischen Praxisfeldern, erforscht.

Tätigkeitsfelder von Pädagogischen Psychologen.

Tätigkeitsfelder von Pädagogischen Psychologen sind vielfältig und in einem ständigen Wandel begriffen. Zu den traditionellen Tätigkeiten gehören die Schulberatung, die Erziehungsberatung, Arbeits- und Berufsberatung, sowie Beratungs- und Bildungsarbeit in Wirtschaft, Verwaltung, Kliniken, Heimen und Verbänden.

Zu den neu entstandenen Aufgaben, die aber meistens interdisziplinär in Zusammenarbeit mit Experten aus anderen Fächern in Angriff genommen werden, gehören die Entwicklung und Erprobung neuer Lehr- und Lernmedien und die Entwicklung von Programmen und Materialien zur Gesundheitserziehung.

Besonderheiten bei der Aus- und Weiterbildung von Lehrern.

Eine klassische Aufgabe von pädagogischen Psychologen ist die Aus- und Weiterbildung von Lehrern. Hierbei taucht das Problem auf, dass reine Informationsverarbeitung von Psychologischem Wissen nachweislich kaum Auswirkungen auf das pädagogische Handeln hat (Wahl 1984). Deshalb haben pädagogische Psychologen Konzepte entwickelt, um Schritt für Schritt die »handlungsleitenden Kognitionen« (subjektiven Theorien, Alltagstheorien) von Lehrern zu verändern (Versuch: Die Interventionsvorschläge von Lehrern, Studenten und Schülern bei einem geschilderten Schulproblem unterschieden sich kaum).

Wollen Lehrer ihr Handeln in unerwarteten Ernstfällen ändern, so sind folgende Schritte notwendig (Wahl 1984):

1.        Die spontanen, automatischen, ungeeigneten Reaktionen identifizieren.

2.        Die Ebene des spontanen Reagierens verlassen und in der außerunterrichtlichen Planung (Unterrichtsplanung unter Einbezug psychologischen Wissens) und im vorgeplanten Agieren (aufgrund von speziellen Problemerfahrungen konkrete Verhaltensmuster überlegen) neue Verhaltensweisen einüben.

3.        Nun kann man wieder auf die Ebene des spontanen Reagierens zurückkehren.

Elterliche Erziehungsstile

Elterliche Erziehungsstile[S5]  sind Muster von Einstellungen, Handlungsweisen und nichtsprachlichen Darstellungsformen, welche die Art der Interaktion von Eltern mit ihrem Kind in einer Vielzahl von Situationen kennzeichnen. (Darling u. Steinberg; 1993)

Von Baumrind stammt die klassische Einteilung in 3 Typen von Erziehungsstilen:

§  den autoritativen: Eltern stellen Anforderungen an die Kinder und verlangen die Einhaltung von begründeten Regeln. Sie interessieren sich für die Kinder und ermutigen diese zu Autonomie.

§  den autoritären: Eltern fordern Einhaltung von Regeln und Gehorsam, wobei es ihnen eher um psychologische Kontrolle als darum den Kindern vernünftige Grenzen zu setzen. Es herrscht ein kaltes Klima bei dem massive Strafen eingesetzt werden. 

§  den permissiven: Eltern sind wenig lenkend und kontrollierend. Sie stellen wenig Anforderungen, geben den Impulsen der Kinder nach und bestrafen nicht.

Manche Autoren schlagen vor, den permissiven Stil in den nachgiebigen und den vernachlässigenden Erziehungsstil[S6]  zu differenzieren. Hinter dieser Unterscheidung von insgesamt 4 Erziehungsstilen stehen die Erziehungsdimensionen der Zuwendung/Wärme und der Lenkung/Strukturierung.

Verfahren zur Erfassung von Erziehungsstilen:

Ein bisher nicht befriedigend gelöstes Problem der Erziehungsstilforschung ist die Konstruktion von geeigneten Messverfahren.

Drei Arten von Verfahren zur Einschätzung des Erziehungsstils sind gebräuchlich:

§  die Selbstbeurteilung: Eltern können jedoch wissentlich (soziale Erwünschtheit) und unwissentlich (über eigene Handlung nicht im klaren) falsche Auskünfte geben.

§  die Fremdbeurteilung/Befragung der Kinder: Gefahr, dass die Kinder den elterlichen Erziehungsstil, falsch wahrnehmen (z.B. beeinflusst durch die Qualität der Eltern- Kind-Beziehung).

§  Beobachtung des Elternverhaltens in ausgewählten Situationen: Jedoch weiß man nie inwieweit die Beobachtungen repräsentativ  und typisch für das Alltagsleben sind (vor allem, wenn die Eltern wissen, dass sie beobachtet werden).

Zur Verbesserung der Datenerhebung lassen sich diese Ansätze aber auch kombinieren. Lamborn führte 1991 Untersuchungen bei Schülern durch, die nach dem eigenen Empfinden der beiden Dimensionen Lenkung/Kontrolle und Zuneigung/Wärme bei der Erziehung durch ihre Eltern gefragt wurden. Danach erfolgte die Einteilung in 4 Erziehungsstile, wie sie bei Maccoby und Martin vorgenommen wurde.

Überlegenheit des autoritativen Erziehungsstils:

Gleichgültig, ob man den autoritativen Erziehungsstil mit dem autoritären und dem permissiven oder mit dem autoritären, dem nachgiebigen und dem vernachlässigenden Stil vergleicht -eine Vielzahl von Untersuchungsergebnissen spricht dafür, dass in unserer Kultur die autoritative Erziehung den günstigsten Rahmen für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen darstellt.

Kinder oder Jugendliche, die in diesem Erziehungsklima aufwachsen, sind in der psychosozialen Entwicklung weiter, haben eine größere Bereitschaft zu prosozialem Handeln, eine größere innere Kontrollüberzeugung, weniger sowohl nach innen als auch nach außen gerichtete Verhaltensprobleme und wenig Drogenprobleme.

Begründet wird dies unter anderem durch positive Rückmeldung, die Kindern gegeben wird (Selbstvertrauen) und durch die Hilfeleistung bei der Entwicklung von Fertigkeiten.

Natürlich trifft dies nicht in jedem Einzelfall zu (Baumrind 1993).

Weiter zeigten die Untersuchungsergebnisse:

§  Vernachlässigend erzogene Kinder schlossen im Vergleich mit anders erzogenen Altersgenossen überall am schlechtesten ab.

§  Nachgiebig erzogene Kinder weisen Desinteresse an der Schule auf (schlechte Schulnoten), haben oft Disziplinprobleme (sind jedoch gegen schwere Form von Delinquenz genau so resistent), neigen zu Drogen- und Alkoholmissbrauch haben jedoch großes Vertrauen in ihre sozialen Fähigkeiten und verfügen tatsächlich über eine große soziale Kompetenz.

§  Autoritär erzogene Kinder sind gute Schüler und weisen wenig Verhaltensprobleme auf. Sie haben jedoch ein geringes Selbstvertrauen und unterschätzen ihre eigenen schulischen und sozialen Möglichkeiten.

Behauptungen, dass Erziehung keine Rolle spiele (Scarr 1992) können hiermit dementiert werden.

Trennung von Erziehungsinhalt und Erziehungskontext

Trotz dieser eindeutigen Resultate ist vorgeschlagen worden, zwischen dem Erziehungsstil und Erziehungspraktiken klarer zu trennen.

Erziehungsstile stellen den Rahmen für einzelne Erziehungsmaßnahmen dar, sie bestimmen das Klima und die Art und Weise, wie das Kind sich von den Eltern wahrgenommen und akzeptiert fühlt.

Erziehungspraktiken oder Erziehungsmaßnahmen sind die auf spezielle Sozialisationsziele bezogenen einzelnen Verhaltensweisen der Eltern (fordern, dass eine bestimmte Pflicht erfüllt wird; Interesse an Schulleistungen zeigen).

Die impliziten, naiven Theorien von Eltern über Erziehung können einen gewaltigen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes haben. Sind Eltern beispielsweise der Überzeugung, dass Erziehung einen nur sehr geringen Einfluss hat, so werden sie sich wohl kaum übermäßig engagieren. Zusätzlich können sie später auftretende Verhaltensanomalitäten auch noch darauf schieben, dass dies „in den Kindern steckte“.

Internalisierung von Normen und Regeln.

Normen, Werte oder soziale Regeln sind dann von einer Person verinnerlicht worden, wenn sie diesen Handlungsmaßstäben auch dann folgt, wenn keine „äußeren“ Anreize -etwas das Vermeiden von Strafe oder der Gehorsam gegenüber einer Autorität - vorliegen.

Genauer betrachtet, hat eine internalisierte Norm besondere Qualitäten:

§  affektiv-motivationale: z.B. ist die Verletzung einer internalisierten Norm mit dem Auftreten von besonderen „moralischen Gefühlen“ (Schuldgefühlen, Schamgefühlen) verbunden. Die „Zwickmühle“, wenn man nicht weiß ob man die Norm beachten oder dem Verlockenderen nachgehen soll, bezeichnet Hoffman als „moral encounters“.

§  kognitive Qualitäten: es können beim Abwägen, ob eine Norm eingehalten werden soll, Kognitionen auftreten, welche die negativen Folgen der Normverletzung für andere Personen antizipieren.

§  „Erlebnisqualitäten“: automatisches Handeln nach Normen, bei dem die ursprüngliche Quelle der Norm schon vergessen ist (Sozialisation in der Kindheit).

 

Elterliche Erziehungspraktiken nach unerwünschtem Verhalten.

Im Mittelpunkt der Internalisierungstheorie von Hoffman (1983)stehen elterliche Erziehungspraktiken in sogenannten „discipline encounters“. Das sind Situationen, in denen das Kind ein unerwünschtes Verhalten gezeigt hat und die Eltern anschließend dem Kind deutlich machen müssen, dass sie dieses Verhalten missbilligen.

Nach Hoffman müssen vor allem 3 Typen elterlicher Reaktion unterschieden werden:

§  Liebesentzug: Die Eltern signalisieren dem Kind, dass sie enttäuscht sind, sind für das Kind nicht ansprechbar und „drehen ihm den Rücken zu“.

Þ Aufbau eines ängstlich-rigiden Norm- und Moralsystems das zur Vermeidung von Verantwortung und Angst vor jeglicher Kritik führen kann.

§  Machtausübung: Die Eltern nutzen ihre Machtposition aus, reagieren mit Härte, drohen, befehlen und strafen.      Þ Bei Kindern wird Angst ausgelöst, wodurch eine scheinbare Einhaltung der Regeln und Normen erfolgt, jedoch nicht aus Überzeugung.

§  Induktion: Die Eltern lenken die Aufmerksamkeit des Kindes durch Erklärungen auf die negativen Auswirkungen seines unerwünschten Verhaltens für andere Menschen: Häufig werden die Hinweise auf die Folgen für das „Opfer des Fehlverhaltens“ durch Wiedergutmachungsvorschläge ergänzt. Nach Hoffman enthält jedoch jede elterliche Reaktion auch Elemente der anderen Verhaltensweisen.

Überlegenheit der Induktion (induktiven Erziehung)

Nach Hoffmann beeinflussen die Erfahrungen in discipline encounters deshalb das spätere Handeln, da diese den moral encounters strukturell ähnlich sind. In beiden –Situationen geht es um den Konflikt zwischen egoistischen Motiven und Normen. Durch das induktive Verhalten der Eltern in disciplin encounters macht das Kind die Erfahrung, dass es seine egoistischen Motive einschränken soll.

Eine ganze Reihe von Untersuchungen, u. a. eine methodisch sehr aufwendige Studie von Krevans u. Gibbs (1996), sprechen dafür, dass die induktive Erziehung (Induktion) eindeutig die Internalisierung von Normen unterstützt.

Die Studie von Krevans u. Gibbs bestätigt auch die Empathie-Meditations-Hypothese, die besagt, dass Induktion die Entstehung von empathischen Gefühlen fördert, die wiederum die Grundlage für prosoziales Handeln sind.


Wahrnehmung und Akzeptanz elterlicher Erziehungspraktiken

Ein anderer Ansatz zur Beschreibung der vielfältigen Einflüsse auf die Wirksamkeit elterlicher Erziehungsmaßnahmen legt die Unterscheidung zwischen der Wahrnehmung und der Akzeptanz der „Botschaft“ der Eltern zugrunde. Wenn ein Kind die Anweisung der Eltern weiterhin nicht befolgt, so kann das daran liegen, dass es die Mitteilung der Eltern gar nicht wahrgenommen hat; es kann aber beispielsweise auch daran liegen, dass es die Anweisung nicht akzeptiert, weil es die Forderung der Eltern für unangemessen hält.

Die Vorschläge von Darling u. Steinberg und Grusec u. Goodnow haben gemeinsam, dass sie den Inhalt der Erziehungsmaßnahmen (Was) vom Kontext (Wie) trennen wollen.

Erziehung im bidirektionalen SozialisationsmodelI.

Vor kurzem ist für das Verständnis der Moralerziehung (Normen- und Werteerziehung) ein bidirektionales Sozialisationsmodell vorgeschlagen worden (Kukzynski; 1997). Es stellt in Rechnung, dass Eltern und Kinder im Erziehungsprozess aktiv sind und wechselseitig aufeinander Einfluss nehmen. Es berücksichtigt auch, dass Normen und Werte an den Interaktionspartner kommuniziert werden - dieser Prozess wird Externalisierung (komplementärer Prozess zur Internalisierung; die Äußerung der inneren Repräsentation) genannt- was wiederum die Internalisierungsprozesse beim jeweils anderen Partner beeinflusst.

Aggression und Aggressivität

Eine Aggression ist eine Handlung, die mit der Absicht ausgeführt wird, eine andere Person psychisch oder physisch zu verletzen oder anderweitig zu schädigen. Aggressivität hingegen bezeichnet ein Persönlichkeitsmerkmal - die Eigenschaft oder Disposition, aggressiv zu reagieren.

Bei Kindern sind auch gespielte Aggressionen zu beobachten. Sie sind von ernsthaften Aggressionen zu unterscheiden, denn es handelt sich dabei um Spielhandlungen ohne (der Akteur „tut nur so als ob“), so dass die tatsächliche Schädigungsabsicht fehlt.

Frühe Determinanten der Aggressivität und des antisozialen Verhaltens.

Die Vorläufer von Aggressivität und antisozialem Verhalten im Jugendalter sind oftmals schon früh in der Kindheit zu beobachten. Sie liegen in negativen Erfahrungen, die diese Kinder in ihrer Familie dadurch machen, dass die Erziehungsmaßnahmen der Eltern (und anschließend die gesamten Familieninteraktionen) durch Zwang und Nötigung, durch Aggressivität und Feindseligkeit gekennzeichnet sind.

Das Early-Starter-ModelI

Das Early-Starter-Modell (speziell für Jungen) von Patterson (1991; soziallerntheoretische Position) greift das Konzept der »zwangausübenden«, feindseligen Erziehungsmaßnahmen auf. Es lässt sich zeigen, wie nach einfachen Lernprinzipien Kinder in diesen Familien zunächst kleinere feindselige Verhaltensweisen lernen (Mutter nörgelt → Kind reagiert aggressiv → Mutter unterlässt nörgeln [negativ verstärkt]), die jedoch spätestens bei Schuleintritt zu deutlicherem antisozialem Verhalten werden. Diese Verhaltensweisen erschweren die sozialen Beziehungen zu Gleichaltrigen und sind eine schlechte Voraussetzung für den Schulerfolg. So wachsen im Laufe der Schuljahre die Defizite der Kinder in den Fähigkeiten, soziale Probleme konstruktiv zu lösen. Gleichzeitig wächst die Wahrscheinlichkeit für schwerwiegenderes antisoziales und delinquentes Verhalten. Kinder die aufgrund dieser Faktoren aggressives Verhalten schon im Grundschulalter erlernen nennt Patterson „Early Starters“. Bei den „Late Starters“ beginnen die Mängel erst im frühen Jugendalter (Klasse 6- 8; durch Pubertät und Peers). Diese haben jedoch grundlegende soziale Haltungen und Fertigkeiten schon erworben, weshalb bei ihnen die Chance, die antisoziale Schiene wieder zu verlassen größer ist.

Die Prognosen für die Early Starters sind eindeutig schlechter, weil sie im Unterschied zu den Late Starters nie elementare soziale Fähigkeiten und Fertigkeiten erworben haben.

Längsschnittdaten (Leonard Eron 1960 –1982):

Aggression in der Kindheit und Kriminalität im Erwachsenenalter. Eine »Langzeit- Längsschnittstudie«, die sich über den Zeitraum von 22 Jahren erstreckte, liefert die empirische Bestätigung dafür, dass erhöhte Aggressivität in der Kindheit (die mit geringer Identifikation der Kinder korreliert) bis in das Erwachsenenalter einen Risikofaktor für das soziale Verhalten darstellt. Einschätzungen der Aggressivität von 8-jährigen Kindern hängen mit Kriminalitätsindizes zusammen, die erhoben wurden, als dieselben Personen 30 Jahre alt waren.

Erziehung zur Aggression - von Generation zu Generation.

In derselben Studie ließ sich bei Männern und Frauen beobachten, dass zwischen der Neigung zu harter Bestrafung, die bei ihren Eltern Jahrzehnte vorher gemessen worden war, und der eigenen Neigung zu harter Bestrafung als Erzieher von Kindern ein bedeutsamer Zusammenhang besteht. Das weist darauf hin, dass auf dem Wege über die Erziehung aggressive Grundhaltungen und Verhaltensmuster von Generation zu Generation tradiert werden. Bei Männern (jedoch nicht bei Frauen) korrelieren auch die Kriminalitätsindizes statistisch signifikant mit der Härte der Bestrafung und geringer Identifikation.

Prävention und Intervention sind dennoch durch die Aufklärung der Eltern und durch die Betreuung und veränderte Erziehung der Kinder möglich (Patterson 1997).

Neue Themen der Pädagogischen Psychologie

Da Lernen immer mehr zum lebenslangen und lebensbegleitenden Prozess (nicht nur in der Jugend) wird, hat die Pädagogische Psychologie die Chance zu einer der Schlüsselwirtschaften unserer Zeit zu werden.

Potentielle neue Aufgaben der Pädagogischen Psychologie ergeben sich ständig aus neuen technologischen Entwicklungen und aus sozialen Veränderungen:

§  Die Entwicklung und Erprobung von Lernmaterialien für Behinderte (z.B. Computer und Robotter mit Spracheingabe).

§  Die Abschätzung der Wirkung von Medieninhalten auf Kinder und Jugendliche (medienpädagogische Maßnahmen)

§  Die Entwicklung und Erprobung von allgemeinen und spezifischen Maßnahmen und Materialien zur Gesundheitserziehung

§  Die Untersuchung von Erziehungsprozessen in neuen Familienstrukturen

§  Die Analyse psychologischer Prozesse beim Zusammenleben in multikulturellen Gesellschaften

§  Die Beratung und Unterstützung der Betroffenen bei Scheidung und Familienneugründung

Der Lernerfolg beim Umgang mit neuen Medien hängt (wie bei den herkömmlichen Medien auch von den Merkmalen des Lernenden und der Lernsituation ab. Dies sind z.B. Vorwissen, metakognitive Strategien, die Motivation der Lernenden, Art, Inhalt und Kombination der Mediendarbietung aber auch äußere Einflüsse wie die Einbindung des Lernens mit Multimedia in die Lehrpläne oder die soziale Form des Arbeitens.

 

 


 [S1] Pionier dieses Ansatzes ist Lewin, verbessert wurde dieser von Baumrind, und daraufhin später von Maccoby  und Martin erweitert

 

 [S2] Baumrind versuchte die Defizite von Lewins demokratischem Stil zu verbessern

 [S3] Maccoby und Martin haben Baumrinds Typologie weiterentwickelt

 [S4] Pionier dieses Ansatzes ist Lewin, verbessert wurde er von Baumrind, und daraufhin später von Maccoby und Martin erweitert

 [S5] Baumrind versuchte die Defizite von Lewins demokratischem Stil zu verbessern

 

 [S6] Maccoby und Martin haben Baumrinds Typologie ergänzt


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