Das Verhältnis zwischen
Marie und dem Tambourmajor
(von Denise Schwarz)
Durch die kommunikationslose
und unbefriedigende Beziehung zu Woyzeck geht Marie ein Verhältnis mit dem
Tambourmajor ein.
Darüber hinaus strebt sie
einen sozialen Aufstieg an, da sie sich durch ihre niedrige gesellschaftliche
Stellung gedemütigt und unwohl fühlt.
Der Tambourmajor hingegen
verkörpert jenes Bild, welches sie von einem Mann hat. Marie geht davon aus,
dass er ihr all das geben kann, wozu Woyzeck nicht in der Lage ist. Nicht
zuletzt, weil dieser durch diverse Tätigkeiten den Lebensunterhalt für seine
Familie verdient und somit wenig freie Zeit für Frau und Kind zur Verfügung
hat.
Das elegante Aussehen des
Tambourmajors und sein souveränes Auftreten üben auf Marie eine enorme
Anziehungskraft aus, welche durch ihre ausgeprägte und unbefriedigte
Triebhaftigkeit angeregt wird. Dies kommt anhand ihrer Aussagen „Er steht
auf seinen Füßen wie ein Löw.” und „Soldaten, das sind schöne Bursch..” [1] besonders zum Ausdruck.
Der Tambourmajor weiß um
seine Wirkung auf Frauen, sodass man den Eindruck gewinnt, er sei ein eitler,
fast schon arroganter Typ Mensch, welcher schlichtweg auf die Befriedigung körperlich-sexueller
Bedürfnisse aus ist. Belegt werden kann diese Annahme mit der Antwort des
Soldaten, die er auf den Ausspruch eines Unteroffiziers gibt („Was n’
Weibsbild”) : „Teufel, zum Fortpflanzen von Kürassierregimter und zur
Zucht von Tambourmajors!”[2].
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„Und du bist auch ein
Weibsbild. Sapperment, wir wollen eine Zucht von Tambour-Majors anlegen. He?“ [4], dieses Zitat des Tambourmajors zeigt deutlich, wie
sehr er versucht Marie zu schmeicheln, damit sich das schlichte aber hübsche Mädchen,
welches sonst von ihren Dienstgebern als Magd gedemütigt wird, auf ihn einlässt.
Bezeichnend ist auch die wiederholte Aussage des Tambourmajors, dass es wünschenswert
sei eine ganze „Zucht von Tambourmajors“ anzulegen.
Die abweichenden
Selbstwahrnehmungen der beiden ist also unverkennbar.
Diese Szene des
Dramenfragments kennzeichnet insbesondere Maries Triebhaftigkeit, da sie sich
in voller Sinnlichkeit dem Imponiergehabe und den Reizen des Tambourmajors
hingibt („Rühr mich an!“) [5]
Besonders durch die
Verbindung zum Tambourmajor wird Maries innere Zerrissenheit geprägt.
Trotz überwiegender
Triebhaftigkeit und dem Wunsch endlich einen höheren Rang in der Gesellschaft
zu erreichen, gerät Marie in einen persönlichen Gewissenskonflikt, da sie ihren
Seitensprung als moralisch falsch empfindet.
Die junge Frau ist geplagt
von Selbstvorwürfen („Ich bin doch ein schlecht Mensch. Ich könnt mich
erstechen.“) [6] und
verurteilt den Treubruch. Allerdings überwiegt der triebhafte Wunsch sich als
Frau zu verwirklichen.
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