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Wie wichtig bleibt uns die Natur? .doc

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Environmental Science
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Environmental Sciences
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Karl-Franzens-Universität Graz - KFU
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Seminararbeit zu Qualitative Systemwissenschaften

Karl-Franzens-Universität Graz

Dr. Wolf D. Grossmann

SS 2007

LV: 605.663

1. Wie wichtig bleibt uns die Natur?

Der Mensch wird immer unabhängiger

vom Boden, auf dem er lebt. Wenn

früher ein Mensch und ein Sumpf

zusammenkamen, verschwand

der Mensch, jetzt der

Sumpf.


Otto Neurath

Vom Wandel des Naturbegriffes

Das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt unterscheidet sich in verschiedenen Kulturen und hat sich im Laufe der Geschichte immer wieder gewandelt. Es wird durch religiöse oder auch ethische Vorstellungen, durch die technischen Möglichkeiten der jeweiligen Gesellschaft und nicht zuletzt durch die Bedürfnisse der Menschen geprägt.

Die Vorstellung von einer Harmonie in der Natur ist sehr alt und findet sich in den Überlieferungen vieler Völker. Paradebeispiel dafür sind nordamerikanische Indianerstämme, die daran glauben, dass Menschen, Tiere und Pflanzen ein Ganzes bilden, das nur dann weiterlebt, wenn alle seine Teile leben.

Ganz anders waren die Vorstellungen in der Antike. Hier galt der Mensch als das höchste Wesen in der Natur. Es war seine Bestimmung, die Natur zu kultivieren, zu formen, zu zähmen und dadurch zu „verbessern“. Diese Auffassung zeigte sich z.B. in der landwirtschaftlichen Nutzung riesiger Flächen oder im Bau von schnurgeraden Straßen und Aquädukten.

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Sie hat einen Anfang und ein Ende. Der Mensch hat damit die Aufgabe einzugreifen, um sie zu schützen und zu pflegen.

Im Hochmittelalter riefen Bevölkerungszunahme und Aufschwung des Städtewesens massive Konflikte mit der Natur hervor. Die Landesherren und Stadträte reagierten pragmatisch, indem sie umweltbelastende Betriebe, wie Gerbereien oder Färbereien außerhalb der Stadtmauern und flussabwärts ansiedelten sowie Vorformen einer Kanalisation und Müllabfuhr einführten.

Die Umweltbelastungen wurden also aus der Stadt ins Umland verlagert. Die Frage nach den Ursachen wurde jedoch nicht gestellt.

Ab dem 16. Jahrhundert begann man in Europa naturwissenschaftlich zu forschen und lernte die Gesetze der Natur zu verstehen und anzuwenden. Das führte zunächst zu der Vorstellung, dass die Welt wie ein Räderwerk funktioniere, dessen Einzelteile optimal aufeinander abgestimmt seien.

Im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung, kam dann der Gedanke auf, dass sich die Natur selbst reguliere, ohne dass das Eingreifen Gottes erforderlich sei. Eine Zerstörung der Natur war nach beiden Auffassungen nicht möglich.

 

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Zugleich zog die Industrielle Revolution eine bis dahin beispiellose Belastung der Umwelt durch Schadstoffe nach sich. Technische und juristische Schutzmaßnahmen beschränkten sich allerdings genau wie im Mittelalter immer noch darauf, sichtbare und übelriechende Stoffe einzudämmen. Es dominierte nach wie vor der Glaube an die schier unbegrenzte Selbstreinigungskraft der Natur.

Nicht zuletzt wegen massiver Umweltzerstörungen veränderte sich der Blick auf die Natur im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts noch einmal grundlegend: Die Natur wurde zur Umwelt, die nicht mehr länger als vom Menschen getrennt gesehen wurde, sondern die Grundlage seines Lebens bildet.

Die gesellschaftspolitische Auseinandersetzung mit dem Thema "Umwelt" führte zur Gründung von internationalen Umweltorganisationen und „grünen“ Parteien. Veränderungen in der Umwelt werden heute wissenschaftlich erforscht, die Industrie setzt sich mit dem Umweltschutz auseinander und die Wirtschaft beginnt, die Erhaltung und Wiederherstellung der Umwelt als neuen Markt zu entdecken.

Gleichzeitig sind die Eingriffe der stetig wachsenden Weltbevölkerung in die Umwelt so groß wie nie und die Auswirkungen des „Ozonloches“ oder der globalen Erwärmung lassen sich nicht mehr durch regionale Maßnahmen beseitigen: Genau wie die Umweltprobleme ist auch die Umweltpolitik zu einer internationalen Angelegenheit geworden, die das gemeinsam Bemühen aller herausfordert.

 

 

Der Stellenwert der Natur für die Menschheit

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Für eine Zeit lang galt die heute so hochgewertete, unberührte Natur vielen lediglich als menschenlos und unkultiviert, wüst, öd und gefährlich. Erstrebenswert hingegen war eine bäuerlich-ländlich genutzte Kulturlandschaft, und der Mensch als Krone der Schöpfung kann und darf Natur auch nach seinem Ermessen gestalten - sie hat ja keine Individualität, keine Geschichte.

Natur vernichten oder gänzlich Neues schaffen jedoch kann nur der Schöpfergott. Womit der Mensch von der Folgelast seines Handelns befreit wird. (JUNGKEIT et al., 2001)

Der Mensch nimmt in seinem Verhältnis zu Natur und Umwelt verschiedene Rollen ein: Er ist einerseits ein Teil der Natur (Evolutionsprodukt) und von daher biologisch betroffen, weil er sie zum Überleben braucht. Andererseits beeinflusst er Natur und Umwelt maßgeblich.

In dieser Funktion ist er gleichermaßen verantwortlich für die Verursachung und die Bewältigung von Problemen.

Der Mensch gilt in dieser Betrachtung als Bedrohung, als potentieller Zerstörer und Feind, der Natur und Umwelt verändert und beeinflusst. Natur wird damit zum vor menschlichen Eingriffen zu Schützenden. Die Beziehung zwischen Mensch und Natur ist gestört.

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Nicht alle Einflüsse des Menschen sind zerstörerisch. Es besteht auch ein besonderes Problembewältigungspotential. In dieser Rolle tritt der Mensch als Bewahrer, Pfleger oder Vormund sowie als Gestalter auf. Allerdings zeigt sich eine deutliche Vorliebe für die Rolle des Gestalters von Natur und Umwelt.

In seiner Vorstellung vom Menschen industrieller Gesellschaften hat die Entwicklung von handlungsorientierenden Erkenntnissen und Anleitungen zur Gestaltung von Schutz und Nutzung von Natur und Umwelt höchste Priorität.

Der Mensch als Mängelwesen ist gezwungen, Natur zu bearbeiten und zu verändern, um sich am Leben zu erhalten, und wenn man die Ästhetik als Gegenbegriff zur Arbeit konzipiert, dann muss man Natur zwangsweise zweiteilen: in eine Natur, die im Produktionsprozess genutzt und zerstört wird, und in eine andere, die im Nationalpark - geschützt vor den Produktionsinteressen - bewundert wird.




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Die Gefahren, die wir selbst verschuldet haben, haben uns auch sensibel gemacht. Die progressive Unterwerfung der Natur weicht mehr und mehr dem Bewusstsein der Verantwortung für die Erhaltung und Reproduktion der Natur. Die Macht und die Möglichkeiten, die allein der Mensch hat, fordern geradezu sein Verantwortungsbewusstsein heraus.


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