Die Bereiche auf Seiten des Könnens gelten nicht mehr als blinde
Routine, sondern als implizites Wissen.
Hier wird die
Lehrer/innenausbildung dreigeteilt: In der ersten Phase wird Begründungswissen
vermittelt, in der zweiten die „implizite Handlungsgrammatik der Praxis“
angeeignet werden, und zwar durch Eigenerfahrung, die dritte Phase dient der
Korrektur.
Am Ende
seines Aufsatzes merkt Neuweg noch an, dass Theorielernen nicht ständig durch
Praxis irritiert werden darf und Könnenserwerb nicht durch Einlassung auf
Wissen. Durch Interferenzen zwischen Denken und Tun verschlechtert sich die
Perfomanz, und Flexibilität wird durch Dienst nach Vorschrift verdrängt.
Stellungnahme
Im Anschluss an
die Zusammenfassung werde ich nun im Rahmen dieser Stellungnahme einige Aspekte
des Aufsatzes herausgreifen.
Neuweg
bezieht sich seinem Aufsatz auf Kant zurück (auch wenn er diesem nicht explizit
erwähnt): Begriffe ohne Erfahrung sind leer, Erfahrung ohne Begriffe blind. In
diesem einen Satz ist ausgedrückt, was die Lehrer/innenausbildung ausmachen
soll und was sie benötigt: eine theoretische und praktische Komponente. Das
Problem ist, wie Neuweg aufzeigt, dass die eine oder die andere Komponente
überbetont wird.
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Nirgendwo, außer
vielleicht in einem Familienbetrieb, bekommt man soviel vom zukünftigen Beruf
mit. Was will oder soll die Schulpädagogik den Lehramtsstudierenden denn dann
noch beibringen? Jeder zukünftige Lehrer weiß ja, wie er es einmal machen will,
hat Vorbilder, positive und negative. Er/ sie weiß, wie er/sie es sicher einmal
nicht machen will.
Theorien sind
hilfreich und kein reiner Selbstzweck, sind aber immer eine Abstrahierung eines
Prozesses, eines Vorganges. Sinn und Ziel der Theorievermittlung der
Schulpädagogik muss es sein, dass Lehramtsstudierende die gelernten Theorien
auf konkrete Situationen herunterbrechen und zur Anwendung bringen.
Und das ist
schwer möglich, da, wie Neuweg darlegt, die Situationen im Klassenzimmer oft
einzigartig seien. Und man darf nicht vergessen, dass immer wieder verschiedene
Schüler/innen mit dem Lehrpersonal agieren. Und so steigt man eben auch in
einem Klassenzimmer nie in denselben Fluss, frei nach Heraklit und Hans Georg
Neuweg.
Ich glaube,
dass bei Situationen im Klassenzimmer, die persönliche Komponente schlagend
wird. Lehramtsstudierende können alle Theorien auswendig und auch anwenden
können, im Klassenzimmer kommt es dann doch auf ihre Durchsetzungskraft an.
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Auch eine
praxisorientierte Lehrer/innenausbildung hat, wie Neuweg in seinem Aufstz
zeigt, ihre Tücken. „Erfahrung ist kein didaktischer Selbstläufer“, man wird
mit der Zeit nicht besser als Lehrer. Und wie bereits Kant sagte: Erfahrungen
ohne Begriffe sind blind.
Es muss also
immer eine Wechselspiel zwischen Handeln und Reflektieren sein. Wobei hier auch
nicht große Theorein von Nöten sind, sondern eher Überlegungen (Wie habe ich es
gemacht? Was könnte ich nächstes Mal anders machen? Warum sollte ich es anders
machen?). Wenn man das Reflektieren lässt, läuft man Gefahr, schlechte
Gewohnheiten zu perfektionieren: Erfahrungen ohne Begriffe sind blind.
Neuweg bringt
ein, meiner Einschätzung nach, schlagendes Argument gegen zu praxisbezogene
Lehrer/innenausbildung: Ohne Theorie fehlen auch Impulse zur Weiterentwicklung,
zur Innovation. Ohne Theorien wird bloß reproduziert, was da ist. Und das ist,
wie Neuweg anmerkt, nicht immer besonders gut.
Im zweiten
Teil seines Aufsatzes stellt Neuweg zwei Modelle vor. Das Motto des
Integrationsmodells ist die hier bereits zitierte Schlussfolgerung Kants. Beim
Phasenmodell werden Begriffe und Erfahrungen getrennt. Zuerst werden die
Begriffe gelernt und dann die Erfahrungen gemacht, die in einem dritten Schritt
wird das, was missglückt ist, korregiert.
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Mir erschient
das Phasenmodell geeigneter als das Integrationsmodell, und zwar aus einem
Grund: Die Lehramtstudierende sind ja nicht in erster Linie Erzieher, sie sind
Lehrende, sie bringen den schüler/innen „Schulwissen“ bei, in Chemie, Physik,
Englisch etc. Und das, was sie den Schülern beibringen sollen, müssen sie ja
auch lernen, vertiefen.
Es macht wenig
Sinn, Lehramtstudierende am Beginn des Studiums gleich an die Katheder zu
setzen und Praxiserfahrungen sammeln zu lassen (wenn von konkreter
Praxiserfahrung die Rede ist, kann es nur so geschehen). Was sollen sie denn
lehren? Eine Lehrer/innenausbildung nach dem Integrationsmodell kann nur dann
einsetzen, wenn Lehramtsstudierende bereits einen Grundstock des Wissens ihres
Faches erworben haben. Und auch ein Medizinstudierende famulieren nicht gleich
in den ersten Semestern
Eine
Lehrer/innenausbildung nach dem Phasenmodell kann bereits am Anfang des
Studiums einsetzen und mit der Fachausbildung parallel laufen und mit
ausreichendem Fachwissen in den praktischen Teil umschwenken (so wie es derzeit
auch gemacht wird).
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