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Zusammenfassung und Stellungnahme zum
Aufsatz:
„Wie grau ist alle Theorie, wie grün
des Lebens goldner Baum? LehrerInnenbildung im Spannungsfeld von Theorie und
Praxis“ von Georg Hans Neuweg
Zusammenfassung
Georg Hans
Neuweg stellt sich in diesem Aufsatz die Frage, ob in der Lehrer/innenausbildung
der Schwerpunkt auf Theorievermittlung oder auf eine praxisbezogene Ausbildung
gelegt werden sollte beziehungsweise, wie man Theorie und Praxis sinnvoll
miteinander verbinden kann. Der Aufsatz besteht aus drei Teilen.
Der erste widmet
sich denn „Grenzen und Problemen einer szientischen LehrerInnenbildung“, der
zweite behandelt „Irrtümer und Gefahren einer praktizistischen
LehrerInnenbildung“ und der dritte stellt „Modelle einer ausbalancierten
Wissenschafts- und Praxisorientierung“ vor. Am Schluss des Aufsatzes fasst er
alles noch einmal kurz zusammen.
Ein Problem
des Wissenschaftsprinzips sei, dass es anscheinend nicht greife beziehungsweise
seinen Weg in die Praxis nicht fände, da Lehrer/innen nur wenig im Studium
angeeignetes Wissen anwenden würden. Neuweg bezieht sich dabei auf eine Studie
von Terhart, die zeigt, dass Lehrer/innen bei pädagogischen Entscheidungen bei
denen sie nicht unter Zeitdruck stehen, sich nur zu 6,1% auf Erinnerungen an
die erste Ausbildungsphase, zu 7% auf eine bestimmte pädagogische Theorie und
zu 15,5% auf Erinnerungen an die zweite Ausbildungsphase zurückgreifen.
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Neuweg zitiert Beck, der meint, dass man, wenn man die universitäre Lehrer/innenausbildung
nur an der Wissenschaft orientieren würde, die Studienzeit sich auf zwei
Semester verkürzen würde.
Überdies meint
Neuweg, die Forschungspraxis sei zu wenig praxisorientiert und die Situationen
im Klassenzimmer gestalteten sich immer anders und einzigartig, sodass man sie
nur schwer auf eine immer und überall anwendbare Theorie herunterbrechen
könnte. Er meint auch, dass „das Problem der normativen Enthaltsamkeit der
Erziehungswissenschaften“ ein Defizit in der Technologiebasis sei, da
pädagogisches Handeln nicht nur über die Erziehungsmittel, sondern auch über
die Erziehungsziele erfordere. Und das liege außerhalb der Kompetenz der
Universitäten.
Weiters
schreibt Neuweg, dass erziehungswissenschaftliches Wissen noch keine Handlungskompetenz
begründe und Wissen oft träge bleibe. Damit das nicht geschehe, müsse zum
Wissen Kontextualisierungskompetenz hinzutreten und die Lehrer/innen müssen in
einer konkreten Situation entscheiden, wie sie verallgemeinerte Theorien
herunterbrechen können.
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Damit
universitäres Wissen aber überhaupt wirksam wird, muss es subjektive Ansichten
der Studierenden verändern und vom Prüfungs- zum Anwendungswissen werden.
Alltagstheoretisches Wissen müsse in der universitären Didaktik aufgegriffen
und mit objektiven Theorien in Verbindung gesetzt werden.
Ein großes
Problem stelle laut Neuweg vor allem die Geringschätzung alltagstheoretischen
Substitutionswissens dar, denn angehende Lehrer/innen besitzen ein großes
Vorwissen an Lehren und Lernen, da sie ja selbst zwölf beziehungsweise dreizehn
Jahre lang in die Schule gegangen sind und in ihrem zukünftigen Beruf etwas
tun, was eigentlich jeder tut, „sie machen sich anderen verständlich und
gestalten Beziehungen“.
Ein weiteres
Problem sei, dass intuitiv- improvisierendes beziehungsweise situiertes Handeln
nicht gelehrt werden kann, da es kontext- und situationsbezogen ist und nicht
mit Regeln erklärt werden kann.
Diesen
Sachverhalt ordnet Neuweg die Eigenschaft „Nichtexplizierbarkeit“ zu und der
Tatsache, dass auch dann, wenn man Regeln befolgt, es nicht mit Hilfe derer
erklärt werden kann „Nichtinstruierbarkeit“.
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Im Gegensatz
zu Schachspielern und Medizinern würden Lehrer/innen nicht mit jedem weiterem
Berufsjahr besser werden. Das Klassenzimmer stelle auch kein angemessenes
Feedbacksystem dar. Aber Erfahrungslernen ist ohne Rückmeldungen nicht möglich.
Man bräuchte Informationen über Lern- und Verständnisprozesse der Schüler/innen
und wie dies mit dem eigenen Verhalten zusammen hänge.
Im Falle der
Lehrer/innen ist Erfahrungslernen nur möglich, wenn neben dem Erfahren auch
Reflektieren tritt und die dadurch gewonnen neuen Erkenntnisse rückübersetzt
„in neues handeln und Erfahren“. Lehrer/innen seien erst dann professionell,
wenn sie ihr Verhalten und ihr Handeln regelmäßig evaluieren, reflektieren und
falls nötig verändern.
Ein weiteres
Problem sieht Neuweg darin, dass aufgrund der Tatsache, dass Expert/innen (also
erfahrene Lehrer) intuitiv handeln, nicht darauf geschlossen werden darf, dass
diese Handlungsfähigkeit auch implizit erworben werden könne.
Er zitiert
Diller, der meint, dass es nicht ausreiche, Anfänger von einem erfahrenen
Praktiker ausbilden zu lassen, da dieser auf Anfängerschwierigkeiten nicht mehr
achte und womöglich dass, was er tut, nicht erklären kann. Der Unterricht sei
oft unter didaktischen Mindeststandards angesiedelt und es entstünde die
Gefahr, dass Lehrer/innenbildung zu reiner Selbstreproduktion der Praxis
geriete und so Impulse zur Qualitätsverbesserung nicht aufkommen würden.
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Die Pädagogik
biete Theorien mit mittelbaren oder ohne instrumentellen Bezug. Zwischen diese
und die Praxis würden sich „intervenierende Variablen in form von Wahrnehmungs-
und Denkgewohnheiten, Überzeugungen, Einstellungen“ schieben. Diese würden als
Hintergrundwissen funktionieren. Man würde auf der Universität mehr wahrnehmen
als Handeln lernen.
Neuweg stellt
dann verschiedene Modelle vor, die eine ausbalancierte Wissenschafts- und
Praxisorientierung aufweisen. Beim Integrationsmodell decken sich die Bereiche
des Wissens und Denkens und die des Handelns weitgehend decken. Wissen soll
handlungssteuernd sein und Handeln sich als reflektiert ausweisen. Bereiche,
die sich nicht überschneiden, gelten als träges Wissen und blinder Routine auf
der anderen Seite.
Neuweg führt an,
dass die zweigegliederte Lehrer/innenausbildung verantworlich für das Theorie-
Praxis- Problem sei und greift dann auf Kants „Kritik der reinen Vernunft“
zurück: Begriffe ohne Erfahrung sind blind.
Das
Integrationsmodell stellt hohe Ansprüche an das Lehrpersonal, die das, das sie
lehren, auch selbst beherrschen müssen, denn wenn bloße Theoretiker Praxis
lehren, unterläuft das ja geradezu den Integrationsgedanken.
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