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Wie grau ist alle Theorie, wie grün des Lebens goldner Baum .doc

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Faculty
Social Science
Discipline
Educational Science / Pedagogy
Document category
Summary
University, School
Graz
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2008
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Zusammenfassung und Stellungnahme zum Aufsatz:

„Wie grau ist alle Theorie, wie grün des Lebens goldner Baum? LehrerInnenbildung im Spannungsfeld von Theorie und Praxis“ von Georg Hans Neuweg

Zusammenfassung

Georg Hans Neuweg stellt sich in diesem Aufsatz die Frage, ob in der Lehrer/innenausbildung der Schwerpunkt auf Theorievermittlung oder auf eine praxisbezogene Ausbildung gelegt werden sollte beziehungsweise, wie man Theorie und Praxis sinnvoll miteinander verbinden kann. Der Aufsatz besteht aus drei Teilen.

Der erste widmet sich denn „Grenzen und Problemen einer szientischen LehrerInnenbildung“, der zweite behandelt „Irrtümer und Gefahren einer praktizistischen LehrerInnenbildung“ und der dritte stellt „Modelle einer ausbalancierten Wissenschafts- und Praxisorientierung“ vor. Am Schluss des Aufsatzes fasst er alles noch einmal kurz zusammen.

Ein Problem des Wissenschaftsprinzips sei, dass es anscheinend nicht greife beziehungsweise seinen Weg in die Praxis nicht fände, da Lehrer/innen nur wenig im Studium angeeignetes Wissen anwenden würden. Neuweg bezieht sich dabei auf eine Studie von Terhart, die zeigt, dass Lehrer/innen bei pädagogischen Entscheidungen bei denen sie nicht unter Zeitdruck stehen, sich nur zu 6,1% auf Erinnerungen an die erste Ausbildungsphase, zu 7% auf eine bestimmte pädagogische Theorie und zu 15,5% auf Erinnerungen an die zweite Ausbildungsphase zurückgreifen.

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Dieses weise eine Lückenhaftigkeit auf. Neuweg zitiert Beck, der meint, dass man, wenn man die universitäre Lehrer/innenausbildung nur an der Wissenschaft orientieren würde, die Studienzeit sich auf zwei Semester verkürzen würde.

Überdies meint Neuweg, die Forschungspraxis sei zu wenig praxisorientiert und die Situationen im Klassenzimmer gestalteten sich immer anders und einzigartig, sodass man sie nur schwer auf eine immer und überall anwendbare Theorie herunterbrechen könnte.

Er meint auch, dass „das Problem der normativen Enthaltsamkeit der Erziehungswissenschaften“ ein Defizit in der Technologiebasis sei, da pädagogisches Handeln nicht nur über die Erziehungsmittel, sondern auch über die Erziehungsziele erfordere. Und das liege außerhalb der Kompetenz der Universitäten.

Weiters schreibt Neuweg, dass erziehungswissenschaftliches Wissen noch keine Handlungskompetenz begründe und Wissen oft träge bleibe. Damit das nicht geschehe, müsse zum Wissen Kontextualisierungskompetenz hinzutreten und die Lehrer/innen müssen in einer konkreten Situation entscheiden, wie sie verallgemeinerte Theorien herunterbrechen können.

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Damit universitäres Wissen aber überhaupt wirksam wird, muss es subjektive Ansichten der Studierenden verändern und vom Prüfungs- zum Anwendungswissen werden. Alltagstheoretisches Wissen müsse in der universitären Didaktik aufgegriffen und mit objektiven Theorien in Verbindung gesetzt werden.

Ein großes Problem stelle laut Neuweg vor allem die Geringschätzung alltagstheoretischen Substitutionswissens dar, denn angehende Lehrer/innen besitzen ein großes Vorwissen an Lehren und Lernen, da sie ja selbst zwölf beziehungsweise dreizehn Jahre lang in die Schule gegangen sind und in ihrem zukünftigen Beruf etwas tun, was eigentlich jeder tut, „sie machen sich anderen verständlich und gestalten Beziehungen“.

Ein weiteres Problem sei, dass intuitiv- improvisierendes beziehungsweise situiertes Handeln nicht gelehrt werden kann, da es kontext- und situationsbezogen ist und nicht mit Regeln erklärt werden kann.

Diesen Sachverhalt ordnet Neuweg die Eigenschaft „Nichtexplizierbarkeit“ zu und der Tatsache, dass auch dann, wenn man Regeln befolgt, es nicht mit Hilfe derer erklärt werden kann „Nichtinstruierbarkeit“.

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Im Gegensatz zu Schachspielern und Medizinern würden Lehrer/innen nicht mit jedem weiterem Berufsjahr besser werden. Das Klassenzimmer stelle auch kein angemessenes Feedbacksystem dar. Aber Erfahrungslernen ist ohne Rückmeldungen nicht möglich. Man bräuchte Informationen über Lern- und Verständnisprozesse der Schüler/innen und wie dies mit dem eigenen Verhalten zusammen hänge.

Im Falle der Lehrer/innen ist Erfahrungslernen nur möglich, wenn neben dem Erfahren auch Reflektieren tritt und die dadurch gewonnen neuen Erkenntnisse rückübersetzt „in neues handeln und Erfahren“. Lehrer/innen seien erst dann professionell, wenn sie ihr Verhalten und ihr Handeln regelmäßig evaluieren, reflektieren und falls nötig verändern.

Ein weiteres Problem sieht Neuweg darin, dass aufgrund der Tatsache, dass Expert/innen (also erfahrene Lehrer) intuitiv handeln, nicht darauf geschlossen werden darf, dass diese Handlungsfähigkeit auch implizit erworben werden könne.

Er zitiert Diller, der meint, dass es nicht ausreiche, Anfänger von einem erfahrenen Praktiker ausbilden zu lassen, da dieser auf Anfängerschwierigkeiten nicht mehr achte und womöglich dass, was er tut, nicht erklären kann. Der Unterricht sei oft unter didaktischen Mindeststandards angesiedelt und es entstünde die Gefahr, dass Lehrer/innenbildung zu reiner Selbstreproduktion der Praxis geriete und so Impulse zur Qualitätsverbesserung nicht aufkommen würden.

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Die Pädagogik biete Theorien mit mittelbaren oder ohne instrumentellen Bezug. Zwischen diese und die Praxis würden sich „intervenierende Variablen in form von Wahrnehmungs- und Denkgewohnheiten, Überzeugungen, Einstellungen“ schieben. Diese würden als Hintergrundwissen funktionieren. Man würde auf der Universität mehr wahrnehmen als Handeln lernen.

Neuweg stellt dann verschiedene Modelle vor, die eine ausbalancierte Wissenschafts- und Praxisorientierung aufweisen. Beim Integrationsmodell decken sich die Bereiche des Wissens und Denkens und die des Handelns weitgehend decken. Wissen soll handlungssteuernd sein und Handeln sich als reflektiert ausweisen.

Bereiche, die sich nicht überschneiden, gelten als träges Wissen und blinder Routine auf der anderen Seite.

Neuweg führt an, dass die zweigegliederte Lehrer/innenausbildung verantworlich für das Theorie- Praxis- Problem sei und greift dann auf Kants „Kritik der reinen Vernunft“ zurück: Begriffe ohne Erfahrung sind blind.

Das Integrationsmodell stellt hohe Ansprüche an das Lehrpersonal, die das, das sie lehren, auch selbst beherrschen müssen, denn wenn bloße Theoretiker Praxis lehren, unterläuft das ja geradezu den Integrationsgedanken.


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