Wie entsteht ästhetische Illusion?
1.1. Die „Analogiethese“: narrative
Illusion als Vorstellungs-Analogon zur lebensweltlichen Erfahrung
Versteht man unter
Illusion ausschließlich den Schein des Miterlebens einer Realität, dann
basiert sie augenfällig auf einer Analogie mit dieser lebensweltlichen
Wahrnehmung und bisherigen Erfahrung. (vgl. Wolf 1993a: 467)
1.2. Grundzüge
lebensweltlicher Erfahrung als Basis narrativer Illusion
Ausgehend von dieser
Annahme ist es naheliegend zunächst die lebensweltliche, also die für das
Individuum für real wahrgenommene Wahrnehmung und deren Vorstellungsbildung zu
untersuchen. Hierfür einige angeführte Merkmale:
·
Scheinbare
Objektivität (das wahrnehmende Medium betreffend)
·
Medialität
·
Konzeptbestimmtheit
·
Perspektivengebundenheit
und Interessengeleitetheit
·
Verdecktheit
der Mechanismen, welche die Wahrnehmung lenken
(vgl.
Wolf 1993a: 467)
Die menschliche
Wahrnehmung richtet sich nach soziokulturellen Relevanzangaben und
folgt dadurch einer gewissen Konzeptbestimmung. Um diese Konzepte zu
erfüllen, muss sich jedoch die menschliche Wahrnehmung dem Schein der Illusion
hingeben um das tatsächlich Wahrgenommenen mit dem gewünschten, bereits
erdachten Konzept in Einklang zu bringen.
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Das heißt, sie muss
schlichtweg der Realität einige Dinge hinzu- bzw. hinwegdenken,
um der in der Vorstellung, der im Kopf entstandenen Situation, zu entsprechen.
Die Wahrnehmung ist also nur scheinbar objektiv.
Eine Rolle bei der
Konzeptbestimmtheit spielt aber auch die Kausalität. Denn schon zu
Zeiten Aristoteles musste „ein Telos“ erfüllt sein um zu einem Ende zu kommen.
1.3. Von der
Wahrnehmung, Erfahrung und Vorstellung zur narrativen Illusionsbildung: die
sechs werkseitigen Illusionsprinzipien
Die werkseitigen
Faktoren der Illusionsbildung basieren auf Grundzüge lebensweltlicher
Wahrnehmung. Sechs Prinzipien lassen sich vermerken, welche als Leitlinien
jeder Illusionsbildung basieren. (siehe unten: Illusionsprinzipien!) Die
menschliche Wahrnehmung konzentriert sich zunächst auf Formen und nicht auf
Inhalte, dadurch kann etwas scheinbar anders, als der tatsächliche reale
Zustand wahrgenommen werden.
Das Hauptziel der
Illusionsbildung ist im Grunde nichts anderes als die Imitation
lebensweltlicher Wahrnehmung sowie die Reduktion zur ästhetischen
Distanz. Woraus sich folgende Unterziele erkennen lassen:
·
Wahrscheinlichkeit,
·
Verhüllen
der Künstlichkeit und
·
Erwecken
von Interesse für die Fiktionswelt. (vgl. Wolf 1993a: 468)
Illusionsprinzipien
·
die
Simulierung einer vorstellbaren, autonom wirkenden Außenwelt
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·
die
Perspektivität
·
die
Mediumsadäquatheit
·
das
Celare-artem-Prinzip
·
das
Prinzip der Interessantheit (vgl. Wolf 1993a: 468)
1. 4. Narrative
Illusionsbildung und ihre werkseitigen Faktoren an einem Beispiel: Warren Beck,
„After the War“ (1950)
Die sogenannte
Shortstory von Warren Beck folgt im Grunde den Vorstellungskriterien der
Illusionsprinzipien. Ausgehend von der Ich-Erzählperspektive, nimmt der Leser
unmittelbar am Geschehen teil. Das weckt natürlich beispielsweise auch das
Prinzip der Interessantheit. (Der Leser identifiziert sich ja mit diesem Ich!)
Quellenverzeichnis:
Wolf, Werner (1993a).
Ästhetische Illusion und Illusionsdurchbrechung in der Erzählkunst: Theorie und
Geschichte mit Schwerpunkt auf englischem illusionsstörenden Erzählen.
Buchreihe der Angelia 32. Tübingen: Niemeyer. 465–473.
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