Wie
beeinflussbar ist die lernersprachliche Entwicklung?
Das, was die Lehrpersonen den Lernenden im
Unterricht vermitteln und darlegen, stimmt meistens nicht mit dem,
was sie auch davon übernehmen und merken, überein. Warum ist das eigentlich
so und was man dagegen machen kann, damit der Unterschied zwischen Input
(Angebot) und Intate (Aufnahme), vor allem in dem Fremdsprachenunterricht,
nicht so groß war, das soll in dieser Arbeit erklärt werden.
Jeder Lernende stellt sich während seinem
Spracherwerbsprozess ein individuelles sprachliches System, das wir als
Lernersprache bezeichnen, auf. Die wesentlichsten Merkmale, durch die
sich Lernersprache kennzeichnet, sind die Systematizität
(Systemhaftigkeit) und die Dynamizität (Veränderlichkeit). Bei der Dynamizität
geht es um ständige Veränderung der Sprachsysteme und die Systematizität
bedeutet, dass die lernersprachliche Entwicklung an bestimmte Regeln
gebunden ist. Diese Entwicklung verläuft nicht kontinuierlich, sondern
von einem relativ stabilen Stadium (auch Plateau genannt) zum anderen.
Das heißt aber nicht, dass sich die einzelnen sprachlichen Fertigkeiten genauso
schnell entwickeln und zu der gleichen Zeit das neue Plateau erreichen.
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Ein weiterer wichtiger Begriff, der sich in
dieser Problematik auftaucht, ist die Lehrbeikeits-hypothese. Sie wurde von
Pienemann 1984 gebildet und sagt, dass der Erwerb der Fremdsprache nach
bestimmten überindividuellen Entwicklungsstufen realisiert sollte, die nicht
überspringen werden können. Bei der Applikation der Praxis treten aber viele
Probleme auf.
Nach einer von Diehl et al. (2000)
(inzwischen als DiGS-Studie) realisierten Untersuchung, an der 1800 Aufsätze
von 220 Schülern an Genfer Schulen untersucht werden, verläuft der Erwerb der
grammatischen Phänomene nicht gleichzeitig mit dem, was in der Schule
unterrichtet wird. Meistens ist es erst nach 2-3 Jahren. Der Schluss daraus
sagt, dass der Grammatikerwerb internen Gesetzmäßigkeiten unterliegt,
die durch den Unterricht nicht kurzgeschlossen und nicht geändert werden
können. (DiGS, 359) Nach Aguado ist aber die Verallgemeinerung nicht passend,
weil die Studie nicht so detailliert den Verlauf des Unterrichts dokumentiert.
Wie sehen eigentlich die individuellen
Lernstrategien der Lernenden aus? Nach den Forscherinnen gibt es drei Methoden,
die die Lernende in ihrer schriftlichen Produktion benutzen. Die erste Gruppe
der Lernenden interessiert sich nicht um die Regeln, man lernt die Wendungen
aus dem Input auswendig.
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Gruppe. Sie verwenden schon ganz früh komplexe Wendungen, die sie aus dem Input
übernahmen und memorierten (diese werden auch als Sprachbausteine oder chunks
bezeichnet), anstatt mit kleineren Elementen zu arbeiten und diese dann um
weitere Einheiten zu vergrößern. Erst nach einiger Zeit werden die chunks
analysiert und nach der Erfassung der Gesetzmäßigkeiten produktiv benutzt.
Damit also der Spracherwerb erfolgreich war, soll er unabdingbar aus der Strategie
der Memorisierung und der Strategie der Analyse bestehen.
Nach den Analysen der DiGS-Studie wurden auch
einige didaktische Implikationen geschafft, die aber nach Aguado nicht genügend
präzis formuliert sind. Es wurden eine tolerante Behandlung mit den
fehlerhaften Lerneräußerungen (das bedeutet diese nicht zu ignorieren, sondern
sie als wichtige Begleiter zu verstehen und sie entsprechend zu
behandeln) und die Verringung des Grammatikstoffs, nicht aber der
Art seiner Vermittlung, fordert. Das heißt, dass es nur den
quantitativen und nicht auch den qualitativen Verbesserungen, die
genauso wichtig und nötig sind, betrifft. Die Autorin selbst formulierte
folgendes: Ein Unterricht, in dem ein ausgewogenes Verhältnis zwischen
mitteilungs- und formbezogener Vermittlung angestrebt wird und der sowohl
implizite als auch explizite Prozesse und Verfahren gezielt miteinander
verknüpft, beeinflusst den Fremdsprachenerwerb am ehesten positiv. Aguado
(2000:57) Damit aber überhaupt etwas Neues gelernt werden kann, ist der Prozess
des subjektiv bewussten Bemerkens der Lernenden wichtig.
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und feste Sprachproduktion, anders gesagt, dass die Schüler schon sehr früh
sicher einen eigenen Output produzieren können, was aus der Sicht der
Motivationspsychologie positiv betrachtet wird. Lernpsychologisch ist noch
wichtig, dass die Lernende einen korrekten Auto-Input erzeugen.
Zum Schluss kann man zusammenfassen, dass der
Fremdsprachenerwerb ein langsamer Prozess des Erkennens und der Entwicklung von
Form-Funktions-Beziehungen und den ihnen zugrunde liegenden Regularitäten ist.
Aguado (2000:58) Damit seine Wirkung die beste war, ist ein quantitativer und
qualitativer hochwertiger Input sehr wichtig. Dazu noch sollte nach der
DiGS-Studie die Auswahl des Grammatikstoffs nach kommunikativer Notwendigkeit
erfolgen.
Zu einer Untersuchung des gesteuerten
Fremdsprachenunterrichts braucht man aber präzisere Studien, die mehr die
Lehrenden in den Forschungsprozess beteiligen.
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