Er will sie von den
denaturierten Naturprinzipien, die die Gesellschaft regelt, befreien. Das ist aber
unmöglich und utopisch, eine fest und tief in der Meinungen und Sitten
etablierte Tatsache verschwinden zu lassen und das stellt Werther schmerzlich
später selbst fest:
„Dass das
Leben des Menschen nur ein Traum sei, ist manchem schon so vorgekommen, und
auch mit mir zieht dieses Gefühl herum. Wenn ich die Einschränkungen ansehe, in
welcher die tätigen und forschenden Kräfte des Menschen eingesperrt sind; wenn
ich sehe, wie alle Wirksamkeit dahinaus läuft, sich die Befriedigung von
Bedürfnissen zu verschaffen, die wieder keinen Zweck haben, als unsere arme
Existenz zu verlängern, und dann, dass alle Beruhigung über gewisse Punkte des
Nachforschens nur eine träumende Resignation ist, da man sich Wände, zwischen
denen man gefangen sitzt, mit bunten Gestalten und lichten Aussichten bemalt –
Das alles, Wilhelm, macht mich stumm.“
Sein Lebensüberdruss ist noch
verstärkt, als Werther die Erfahrung macht, dass die ländliche Bevölkerung mit
den anderen Bevölkerungen auch nicht zu unterscheiden wäre:
„Wenn du
mir fragst, wie die Leute hier sind, muss ich dir sagen: wie überall!“
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„Ich
kehre in mich selbst zurück, und finde eine Welt! Wieder mehr in Ahnung und
dunkler Begier als in Darstellung und lebendiger Kraft. Und da schwimmet alles
vor meinen Sinnen, und ich lächle dann so träumend weiter in die Welt.“
Der Held
flieht regelmäßig aus der Gesellschaft (Ablehnung der anhaftenden
Wertvorstellungen) und flüchtet sich zur Natur und Träumen aber die Diskrepanz
zwischen Einschränkungen von außen und kompensatorischer Ausweitung des Inneren
nimmt im Verlauf des Romans zu und führt zur Zerstörung seiner Welt und
infolgedessen seines Lebens.
Das Thema
„Werthers Stellung in der Gesellschaft“ scheint mit dem Ungenügen der
Hauptfigur an der bürgerlichen Welt übereinzustimmen. Werther ist der Mensch, dessen
Macht innerer Fülle im Kontrast zur äußeren eingezwängten Welt steht: die Pein
des ergreifenden Menschen in der vernunftgemäß und zweckhaft geordneten
Gesellschaft, der Konflikt zwischen bürgerlichem Verstand (z.B. Stellung zu
Albert) und dichterischem fast pantheistischem Naturgefühl werden
objektiviert. Was Werther empfindet, wird nachher an Wirkungen und
Gegenwirkungen gestaltet.
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anderer vor. Trotzdem ist er kein Befürworter der Ständeauflösung:
„Zwar
weiß ich so gut als einer, wie nötig der Unterschied der Stände ist, wie viel
Vorteile er mir selbst verschafft: nur soll er mir nicht eben gerade im Wege
stehen, wo ich noch ein wenig Freude, einen Schimmer von Glück auf dieser Erde
genießen könnte“ .
Er bekämpft die
Gesellschaft und verzärtelt sein eigenes Herz; er wendet sich den Kindern, der
Unschuld nebst der Reinheit zu, von den Menschen zur Natur, von der
Wirklichkeit zur Dichtung (zum Beispiel durch Homer oder Ossian). Er
erstrebt, einen Friedenshafen auf dem Land ja sogar in den Wipfeln zu
erreichen, von denen seine Herzensergießung sich ausdrücken kann. Sooft er sich
unter der feinen Gesellschaft befindet, hegt er eine plötzliche Selbstbesinnungsunentbehrlichkeit.
Er braucht im Freien zu sein, um seine Kunst aufzubauen, was zu seiner
Behaglichkeit und seinem Wohlfühlen beiträgt. Er wird ununterbrochen den Sinn seines
Daseins gesucht haben. Nach einem Philosophen wie Heidegger, der sich natürlich
für die deutsche Literatur interessiert hat, wäre der Sinn das Woraufhin
des Verständnisentwurfs des In-der-Welt-Seins.
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glüht in Begeisterung für die Natur, für alles Große, Gute und Wohlgestaltete.
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