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Werthers Stellung in der Gesellschaft .docx

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Werthers Stellung in der Gesellschaft :
Nach Goethes Werk „Die Leiden des jungen Werther“

„Aber die Angst vor dem Unaufklärbaren hat nicht allein das Dasein des einzelnen ärmer gemacht, auch die Beziehungen von Mensch zu Mensch sind durch sie beschränkt, gleichsam aus dem Flußbett unendliche Möglichkeiten herausgehoben worden auf eine brache Uferstelle, der nichts geschieht.“
Rainer Maria RILKE

Worauf beruht überhaupt Werthers Stellung in der Gesellschaft? Um diese Frage zu beantworten, sollen wir zwar Werther als Sonderling und Außenseiter im Verhältnis zu Adeligen aber auch als Stürmer-und-Dränger betrachten, das heißt seine Vorstellung und ebenfalls sein Entweichen der Gesellschaft untersuchen.

Von woanders werden wir zuvor ins Feld führen, dass man auf Anhieb die isolierte sogar einsame Stellung Werthers wahrnehmen können. Dieser findet, als tatkräftiges, emotionales Sturm und Drang Genie in seiner Umwelt, niemanden, der ihm ebenbürtig wäre.

Und auch Wilhelm, kann ihn mit einzig an die Vernunft appellierenden Vorschlägen nicht aus seinem Weltschmerz herausführen. Die Vernunft hat keinen Platz, keine Daseinsberechtigung in den Herzensangelegenheiten Werthers. Die Einsamkeit am Rande der Gesellschaft ist selbstgewählt, da er sich ansonsten durch die "fatalen, bürgerlichen Verhältnisse" eingeengt sieht:

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Zu allererst scheint es vorwiegend, den sozialhistorischen Zusammenhang des 18. Jahrhunderts heraufzubeschwören. In besagtem Jahrhundert spielte tatsächlich der Adel eine dominierende ausschlaggebende Rolle in der Gesellschaft, sofern er über alle politische Kraft verfügte.

Er grenzte sich stark von den unteren Sozialschichten ab und vertrat eine streng hierarchische Ordnung. Meistens war nur die Herkunft entscheidend bei der Besetzung hoher Stellen am Hofe und das Selbstwertgefühl beruhte allein auf der adeligen Abstammung. Infolgedessen legten die Adeligen großen Wert auf Etikette und die Wahrung ihrer gesellschaftlichen Stellung. In Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ beziehungsweise im zweiten Buch vom am 24. Dezember geschriebenen Brief zu Briefe vom 16. März würdigt Werther den Adel nicht generell herab, sondern nur bestimmte Eigenschaften wie sein arrogantes Auftreten, die ewige Rangsucht, Oberflächlichkeit, Regelbewusstsein, Gesprächsleere, Affären und das Schmieden von Intrigen.

Ohnehin scheint er nicht hierher zu gehören: es ist eigentlich, als fühlte er sich unwohl dieser hermetischen Sozialsphäre gegenüber.
Unter anderem entwertet er den mit irgendwelchen Leuten unzufriedenen Gesandten (diesen „pünktlichsten Narr“), den er zu umständlich sogar unliebsam findet, und der niemals von den gesellschaftlichen Regelfällen abweicht, im Gegensatz zu Werther, der „gern leicht weg“ (Siehe am 24. Dezember geschriebenen Brief) arbeitet.

Darüber hinaus schreibt Werther zum Beispiel den folgenden Satz über den strengen unerträglichen und obendrein affigen Gesandten nieder:

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Das ist ein Leiden, mit so einem Menschen zu tun zu haben.“ [2]

Ebenfalls findet er Gefallen daran, die Tante von Fräulein B.. zu kritisieren, die „keinen Geist und keine Stütze hat als die Reihe ihrer Vorfahren, keinen Schirm als den Stand, in den sie sich verpalisadiert, und kein Ergetzen, als von ihrem Stockwerk herab über die bürgerlichen Häupter zu sehen“[3]. Im Gegensatz dazu schätzt Werther einige Adelige wie zum Bespiel das Fräulein B.. selbst, dem er gerne schöntut.

Dieses erscheint als „ein liebeswürdiges Geschöpf“ und hat „sehr viele Natur mitten in dem steifen Leben erhalten“[4]. Werther befreundet sich außerdem mit dem Grafen von C... .

Eigentlich beruht dieser Respekt auf Gegenseitigkeit. Als Werther versäumt, nach einem Essen mit dem Grafen von C. rechtzeitig zu gehen, weil er das Fräulein B. erblickt hat, wird er als Nicht-Adliger der feinen Abendgesellschaft verwiesen. Als ihm das Ausmaß des Skandals bewusst wird, fängt ihn „das Ding erst an zu wurmen“ (am 15. März). Als er also vom Grafen C. aus der adeligen Runde vorsichtig hinauskomplimentiert wird, da sich viele Anwesende vom Bürgerlichen Werther gestört fühlen, reicht er seine Kündigung ein.

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In seinem Selbstverständnis bildet Werther aber eine Herzenselite, in der die überspannten Seelenzustände durchaus über der Herkunft stehen. Daher verlässt Werther, der sich nicht unterordnen und einschränken lassen will, gerne den Hof. Denn für ihn gehört eine Selbstentfaltung nur zum künstlerischen Müßiggang sowie dem Schwung des Herzens und des Willens; darum betrachtet er die Regeln als Hindernisse für ein Genie, als welches er sich sieht.

In der Tat ist er finanziell abgesichert und wohlhabender als so mancher verarmte Adelige.

Für Werther ist tatsächlich die feudale „herumschwadronierende“ [5] Gesellschaft des 18. Jahrhundert das Ergebnis eines Missbrauchs der Natur.

Die Hierarchie der Stände wollte nämlich, dass man durch eine natürliche Nachfolge, die Geburt, bestimmt war: ein Kind eines Fürst wurde Fürst und ein Kind eines Leibeigenen wurde Leibeigener,... Das sind strenge und enge Regeln, die Werther nicht ertragen kann, man betrachtet nicht die wahren Werte einer Person sondern seine soziale Stellung. Aber seine Kritik übt er besonders wegen seiner Liebe zu Lotte.

Sie kommen aus unterschiedlichen Ständen und Lotte wird eine vernünftige heiraten, indem sie mit Albert, der als Bürgerlicher gesellschaftlich gehorsam ist, verlobt ist, ohne ihn zu lieben. Diese Heirat stellt die Verbindung zwischen der Gesellschaft und Charlotte dar und die Prägung dieser an diese Regeln, gegen die Werther stoßen will und wird („Wer leidenschaftlich liebt, fällt aus der bürgerlichen Ordnung“[6]). Diese Einbindung will also damit andeuten, dass Werther sich auch in der Gesellschaft einlassen müsste, wenn er seine Liebe zu Charlotte verwirklichen will.

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Also preist er im Gegenteil zu dieser einen empfindsamen Individualismus an. Die Überwertung des Gefühls auf Kosten der Vernunft entspricht der Proklamation der Rechte des Individuums gegenüber der Tyrannei des gesunden Menschenverstandes, des guten Geschmacks, der guten Sitten sozusagen gegenüber der Gesellschaft[7]. Werther lässt alle Einwände Alberts nicht gelten und beansprucht leidenschaftlich das Recht auf Selbsttötung, das er als eine Erweiterung des natürlichen Todes ansieht.

Ein Mensch, dessen "Maß an Leiden" überschritten sei, erliege einer "Krankheit zum Tode", die durch äußere Umstände hervorgerufen, für Werther als unausweichlich und unheilbar gilt. Somit können wir vorbringen, dass die Vernunft, althergebrachte Werte und Stabilität für einen rationalen Mann wie Albert bestimmend sind, während Werther sich intensiv, emotional und sicher auch absichtlich unüberlegt stürzt. Wenn Albert seine vernunftbegabte Sichtweise hintangesetzt hätte, hätte er womöglich das Naturgefühl erleben können, um folgenderweise zu begreifen, weswegen Werther der Gesellschaftsunbeweglichkeit entflieht. Also übt Goethe durch Werther eine Kritik der Gesellschaft ja sogar der formelhaften Aufklärung in seinem Werk.


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