Der Wendenkreuzzug 1147
(Hand-Out zum
Referat vom 13.7.07)
Definition: Der Wendenkreuzzug war ein Nebenunternehmen
des 2. Kreuzzugs gegen die „Heiden des Nordens“, die ostelbischen Slawen
(=Wenden) zwischen Elbe und Oder.
1. Wiederholung: 2. Kreuzzug 1147-1149
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Konflikte, z. T. kriegerisch zwischen den im Gefolge des 1. Kreuzzugs
gegründeten Kreuzfahrerstaaten, daneben ständige Kämpfe des normannischen
Fürstentums Antiochia von Bohémund von Tarent gegen den Erzfeind Byzanz.
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Der türkische
Heerführer und Herr von Mosul und Aleppo, Imad ad-Din Zangi, nutzt o. a.
Uneinigkeiten aus, erobert am 24. 12. 1144 Edessa und tötet dort sämtliche
Franken.
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Signalwirkung der
Zerschlagung der Grafschaft Edessa: die fremden Eindringlinge sind nachhaltig
zu schlagen und zu vertreiben.
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Papst Eugen III.
ruft umgehend zum 2. Kreuzzug ( 1147-1149) auf:
Kreuzzugsprediger: Abt
Bernhard von Clairvaux, Adressaten: Nur Fürsten und Ritter, um die Exzesse des
1. Kreuzzugs zu vermeiden.
Prominenteste Teilnehmer:
der französische König Ludwig VII,
der römisch-deutsche König Konrad III.
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Nach
verlustreichen Kämpfen in Anatolien Ankunft der dezimierten Heere in Palästina
im Frühjahr 1148, gegen den klugen Rat des Fürsten Raimund von Antiochia,
Aleppo einzunehmen, Entschluss, zusammen mit Balduin III. von Jerusalem, das
nahe, reiche Damaskus anzugreifen.
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Bei Anmarsch des
Entsatzheeres Abzug der Belagerer, der 2. Kreuzzug ist gescheitert.
2. Der Wendenkreuzzug 1147
a) Deutsch-wendische Beziehungen
Gleichgewicht der Mächte
an der christlich-heidnischen Grenze speziell auch von den Christen, z. B.
durch Unterstützung der Ausbildung des Nakonidenreichs unter Heinrich von
Lübeck, gefördet.
Nach Sturz des
Nakonidenreichs 1127 und Einfall der Abodriten in Segeberg 1137 Umschwung in
den deutsch-wendischen Beziehungen.
Begünstigende Faktoren
für den Umbruch:
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gesteigertes
Selbst- und Überlegenheitsbewusstsein der Christen nach dem 1. Kreuzzug,
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vorangehende
Friedenszeit bedingt Bevölkerungswachstum und Bedarf nach neuen Siedlungs- und
Herrschaftsgebieten,
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Slawen
widersetzen sich weiteren Missionierungsversuchen, da sie in der Vergangenheit
(Otto von Bamberg, 1124-1128) das Christentum als Knechtschaft und
Fremdherrschaft empfunden hatten.
b) Erste Kreuzzugsidee 1107/08
Erster Aufruf gegen die
heidnischen Elbslawen mit der Vorstellung der Landnahme 1107/08 ohne direkte
Auswirkungen.
Begründung: Not der
christlichen Bevölkerung und Kirche durch heidnische Überfälle, Unterwerfung
der Heiden zur Befreiung ehemals christlichen Landes, d. h.,
Verteidigungskrieg, nicht Bekehrung propagiert.
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c) Idee und Aufruf zum Wendenkreuzzug
1147
Reichstag zu Speyer
Dezember 1146: Konrad III. gibt Teilnahme am 2. Kreuzzug bekannt.
Reichstag zu Frankfurt
März 1147: Regelung der Angelegenheiten des Herrschers im Reich vor Aufbruch,
dabei Absichtserklärung der sächsischen Fürsten, nicht am Orientzug
teilzunehmen, da in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft genügend Heiden zu
bekämpfen wären.
Geistliche Billigung des
so weltlich initierten Wendenkreuzzugs und Gleichsetzung zum Orientzug bzgl.
der Lohn- und Ablassversprechen.
Konzeption und geistliche
Begründung durch Bernhard von Clairvaux, seine Forderung: „natio deleatur“ aber
wohl im übertragenen Sinne als Bekehrung der Heiden mit Zerstörung authochtoner
Herrschaftsstrukturen gemeint, häufig mit „Tod oder Taufe“ angegeben.
Abmilderung des Aufrufs
durch Papst Eugen III. (ohne die Unbedingtheit Bernhardts).
Gemeinsame, neue
Zielsetzung: Bekehrung der Heiden (Missionskreuzzug).
d) Vorbereitung und Planung
Reichstag zu Nürnberg
(23. 4. 1147): Sammeltermin = 29. 6. 1147
Sammelort
= Magdeburg
Bestimmung nur eines Legaten = Anselm
von Havelberg.
Tatsächlich aber nur Sammlung eines Hauptheers unter
Albrecht dem Bären und Abmarsch ins Gebiet der Heveller und Liutizen.
Abmarsch eines kleineren,
nördlicheren Verbands unter Heinrich dem Löwen in Richtung des
Herrschaftsbereichs der Obodriten (Fürst Niklot).
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e) Reaktion der Slawen
Obodriten unter Niklot
sahen zunächst keine Gefahr für sich, offensichtlich wurde der Plan zur
Heerteilung erst nach dem Reichstag zu Nürnberg gefasst.
Nach gescheiterten
diplomatischen Bemühungen (Hilferuf an Graf Adolf von Holstein) griff Niklot
mit seiner Kriegsflotte am 26. 6. 1147 überraschend Lübeck an, verwüstete die
umliegenden Siedlungen, konnte jedoch die Burg nicht nehmen.
Abzug nach Anmarsch der
Schutztruppen Adolfs von Holstein.
Weitere Rechtfertigung
des Wendenkreuzzugs = Schutz christlichen Landes.
f) Verlauf des Wendenkreuzzugs
1. Das Hauptheer unter Albrecht dem
Bären
Operation im Gebiet der
nördlichen Liutizen und Pomeranen.
Eroberung der Ortschaft
Malchow und der Festung Dennim, einem heidnischen Heiligtum.
Erfolglose Belagerung von
Stettin, das bereits 1124-1128 von Otto von Bamberg missioniert worden war.
In Absprache mit dem
päpstlichen Legaten im Herbst 1147 Friedensverhandlungen, Ende des
Wendenkreuzzugs.
2. Das Heer unter Heinrich dem Löwen
Von diesem nördlichen
Kreuzzug sind hauptsächlich die Geschehnisse von der Belagerung der Festung
Dobin bekannt.
Heinrich erhielt bei der
Belagerung Unterstützung von dänischen Truppen.
Aufgrund mangelhafter
dänischer Kriegsführung erfolgreiche Ausfallversuche der Eingeschlossenen.
Zusätzlich Zerstörung der
vor Rügen liegenden dänischen Flotte durch die Ranen, befreundete Nachbarn der
Obodriten.
Friedensverhandlungen mit
symbolischer Taufe der Belagerten, um das Kreuzfahrtsgelübde zu erfüllen.
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Aus kirchlicher Sicht (=
Verfasser der Quellen) erfolgloser Kreuzzug, da die Heidenmission nicht
energisch genug betrieben wurde.
Aus weltlicher Sicht:
Machtdemonstration und Wahrung der Herrschaftsinteressen der mächtigsten
sächsischen Fürsten Albrechts des Bären und Heinrichs des Löwen.
Deutsche
Herrschaftsgründung im Liutizenland mit Ansiedlung deutscher Bauern unter
Auflösung slawischer Herrschaftsstrukturen (natio deleatur).
(Schein)taufen der Slawen
liefern kirchenrechtliche Grundlagen für eine ggfs. auch gewaltsame
Missionierung der Heiden.
3. Diskussion
a) War
der Paradigmenwechsel von der Befreiung der Heiligen Stätten aus heidnischer
Hand (1. Kreuzzug) zur Bekehrung der Heiden (Missionskreuzzug) der Beginn der
vielfach beschriebenen „Pervertierung“ des Kreuzfahrtgedankens?
b) Wozu war die doppelte Missionierung
der Wenden z. B. in Stettin nach dem Wirken Ottos von Bamberg 1124-1128 nötig?
4. Quellen
Bosau, Helmut von: Slawenchronik
(Chronica Slavorum), in: Ausgewählte Quellen zur
deutschen Geschichte des Mittelalters, Bd. XIX, Darmstadt 1990.
5. Literatur
Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Stuttgart
2005.
Riley-Smith, Jonathan: Wozu heilige
Kriege?, Berlin 2005.
Runciman, Steven: Geschichte der
Kreuzzüge, München 1978.
Thorau, Peter: Die Kreuzzüge, München
2005.
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