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Wassily Kandinsky: Der Weg in die Abstraktion .doc

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Arts & Design
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Art / Design / History of Art
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Final thesis
University, School
JBG Türkheim
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2009
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B Wassily Kandinsky: Der Weg in die Abstraktion

І. Von der Wiege zur Malerei

1. Biographisches

Am 4. Dezember 1866 wird Wassily Kandinsky in Moskau geboren. Zu jener Zeit unterlag das russische Reich einem Reformprozess, eingeleitet durch Zar Alexander II., der ein kulturelles und wirtschaftliches Hoch zur Folge hatte.

Nach dem Umzug seiner Familie in die ukrainische Stadt Odessa erhielt Kandinsky ersten Zeichen- und Musikunterricht und besuchte dort das humanistische Gymnasium. Obwohl er nur 5 Jahre in Moskau lebte, entwickelte Kandinsky eine starke innere Verbundenheit zur russischen Hauptstadt, die ihm ein Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit vermittelte.[1] Aufgrund dessen immatrikulierte er 1886 an der Moskauer Universität für Volkswirtschaft und Jura.

Im Zuge seines Studiums unternimmt er 1889 eine Forschungsreise nach Wologda in Nordrussland, wo er die traditionelle farbenfrohe Haus- und Innenraumgestaltung der russischen Bauern kennen lernte. Kandinsky selbst beschrieb diese Eindrücke folgendermaßen:

„In diesen Wunderhäusern habe ich eine Sache erlebt, die sich seitdem nicht wiederholt hat. Sie lehrten mich, im Bilde mich zu bewegen, im Bilde zu leben. […] Der Tisch, die Bänke, der im russischen Bauernhause wichtige Ofen, die Schränke und jeder Gegenstand waren mit bunten, großzügigen Ornamenten bemalt.

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Das Gefühl, im Kunstwerk spazieren zu gehen, prägt Kandinsky in künstlerischer Hinsicht ebenso wie das im Zitat erwähnte Heldenmotiv. Der in der traditionell-russischen Ikonenmalerei oft abgebildete Sankt Georg wird später zu einem Leitmotiv Kandinskys werden.

Nachdem er 1892 sein Studium beendet hat, heiratete er seine Cousine Anja Tschimiakin, welche bis 1911 seine Frau blieb.

Das Jahr 1895 ist durch zwei einschneidende Erlebnisse in Kandinskys Leben gekennzeichnet. Beim Besuch der Wagner-Oper „Lohengrin“ wird er von einem synästhetischen Erlebnis überfallen. Farben und Formen eröffneten sich vor seinem geistigen Auge analog zur Musik.

Ein weiterer Schritt in Richtung Malerei war getan. Das zweite, für Kandinskys künstlerische Entwicklung entscheidende Erlebnis, war eine Ausstellung französischer Impressionisten. Er stand vor einem Heuhaufenbild Claude Monets, ohne das Motiv zu erkennen und es erzürnte ihn, dass der Maler so undeutlich malte.

Was ihm auffiel war die ungeheure Kraft, die von den Farben ausging, eben jene Kraft durch die sich seine Werke später einmal auszeichnen werden, wobei die Prägnanz des gegenständlichen Motivs abnimmt, bis sie schlussendlich völlig in der Abstraktion verschwindet.

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„Das Zerfallen des Atoms war in meiner Seele dem Zerfall der ganzen Welt gleich. Plötzlich fielen die dicksten Mauern. Alles wurde unsicher, wackelig und weich.

Ich hätte mich nicht gewundert, wenn ein Stein vor mir in der Luft geschmolzen und unsichtbar geworden wäre. Die Wissenschaft schien mir vernichtet[.]“[3]

Die neuen Forschungsergebnisse erschütterten ihn dermaßen, dass er sich vermehrt der Kunst zuwendet, um mit ihr die Unsicherheiten und Widersprüche seiner Zeit zu verarbeiten und zu harmonisieren. Er lehnt eine Professur der Universität von Dorpat ab und widmet sich ab diesem Zeitpunkt seiner neuen Leidenschaft: der Malerei.

2. Als die Töne zu leuchten begannen

Es wird angenommen, dass Wassily Kandinsky Synästhetiker war. Synästhesie ist ein neurologisches Phänomen bei der jegliche Wahrnehmung mit einer anderen gekoppelt sein kann. Die Forschung nimmt an, dass das limbische System, welches der Verknüpfung und Auswertung von Sinnesreizen dient, als Vermittler zu verschiedenen Arealen der Großhirnrinde steht und deshalb bei der Synästhesie eine Rolle spiele.[4]

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Über den Einfluss Kandinskys synästhetischer Begabung auf den Weg ins Abstrakte lässt sich sagen, dass sie von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit war. Er sah vor seinem geistigen Auge Visualisierungen von Klängen, welche sich rein abstrakt als eine bestimmte Anordnung von Farbe und Form darstellten. Insofern kann man in seiner synästhetischen Begabung den ersten Kontakt mit visueller abstrakter Darstellung sehen.

ІІ. Die frühen Münchner Jahre

1. Biographisches

Noch im Jahre 1896, mit dreißig Jahren, zieht Kandinsky von Moskau nach München, um sich dort der Malerei zu widmen. Seine bisherige Tätigkeit brachte ihm finanzielle Unabhängigkeit, wodurch er ganz seiner Leidenschaft, der Kunst, frönen konnte.

München hatte zu jener Zeit den Ruf einer weltoffenen Kulturstadt.

Gerade deswegen entschied sich Kandinsky seinen Wohnort dorthin zu verlegen. In München hatte sich bereits 1892 die „Münchner Sezession“ gegründet, die das Ergebnis des Konflikts zwischen der Münchner Künstlergenossenschaft und der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft ist. Ein wichtiger Mitbegründer der Sezession ist Franz von Stuck, der später Kandinskys Lehrer werden sollte.

Zunächst belegte Kandinsky Mal- und Zeichenunterricht bei Anton Ažbè, durch den er zu einer impressionistischen Maltechnik kam.

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Eine Phalanx im klassischen Sinne ist eine Schlachtformation, bei der schwer bewaffnete Infanteristen in einer Reihe dicht aneinander stehend in den Kampf ziehen. Es liegt nahe, dass der Name der Künstlergruppe nicht willkürlich gewählt wurde.

Man will geeint gegen akademischen Konservatismus im Bereich der Kunst vorgehen und der avantgardistischen, nach Kandinskys Meinung noch zu wenig beachteten Kunst, wie zum Beispiel dem Spätimpressionismus, dem Jugendstil und dem Symbolismus zum Erfolg zu verhelfen.

In einer seiner Malklassen lernte Kandinsky seine zukünftige Lebensgefährtin und konstruktive Kritikerin Gabriele Münter kennen, mit der er sich 1903 verlobte. Im darauf folgenden Jahr trennt sich Kandinsky offiziell von seiner bisherigen Frau Anja Tschimiakin, welche nach Moskau zurückkehrt.

Nachdem 1903 bereits die Phalanx Malschule schloss, folgte im Jahre 1904 die Auflösung der Phalanx als Künstlergruppe. Geplagt vom Spott der Münchner Kunstszene zog sich Kandinsky zurück und widmete sich dem Studium seiner Holzschnitte, mit denen er bis dahin am meisten Beachtung erhielt.

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