Kurzum, man müsse viele Bilder verdrängen, die man im Alltag sieht.
Um diese neue Identitätsstiftung zu erreichen, die zweifelsohne Zeit braucht,
müsse man weiteres von einer statischen Bevölkerung ausgehen. Doch diese gibt
es wohl nirgendwo, und auch im Mur-und Mürztal ist eher eine Abwanderung bzw. immerwährende
Mobilität zu beobachten.
Es
gibt nun auch einige Projekte, die zur Stärkung der Identitätsbildung der
Bevölkerung beitragen sollen: Als Beispiel sei in diesem Zusammenhang auf das
Projekt „Meisterstraße“ hingewiesen. (Region Mariazeller Land Hoch-Steiermark)
Für die
Hochsteiermark sollen Handwerk und Handwerkskunst wichtige Eckpfeiler der
Tradition darstellen. Man wurde „fündig“ der Bergmanntradition der steirischen
Eisenstraße, der Lebzelter, Wachszieher und Magenlikörproduzenten des
Mariazeller Landes und auch Produkten aus Roseggers Waldheimat.
Dieses Projekt soll
neben dem Bewusstsein die Basis für eine authentische Tourismusentwicklung
herstellen. Gästen soll der Besuch einer Käserei, Umgeben von der Natur, oder
gar in den Bergen, noch dazu mit kulinarischen Genüssen verbunden, präsentiert
werden. Die Stützen eines Tourismus, der in einer Region stattfinden soll die
Großteils gerade –ausgehend von ein paar tüftelnden Köpfen-in den Prospekten
und Internetseiten erzeugt wurde, gilt es nun auch seitens der Menschen als
„real“ zu leben.
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Laut Claudia Flatscher,
Geschäftsführerin des Tourismusregionalverbandes Hochsteiermark sind immer mehr
Gäste in der Region aus der Slowakei, Tschechien und Rumänien, die Österreich
Ungarn vorziehen.
Insgesamt war in der Sommersaison 2009 ein Plus von 5,4
Prozent an Gästen zu verzeichnen. Ein Boom herrsche bei den Selbstversorger-Hütten
auf den Almen. Wie wirksam Bilder und Medien sein können zeigt auch der Anstieg
an Besuchern in Tragöss beim Grünen See, welcher bei der „Kleine-Zeitung-Aktion
"Schönstes Platzl der Steiermark" Sieger wurde. Bezüglich der
Vorlieben der Gäste geben 78 Prozent an, das gute Essen sei ihnen das
Wichtigste. Wobei es regionale Kost mit regionalen, hochwertigen Produkten sein
muss. Ravioli, Spaghetti etc. stoßen auf wenig Begeisterung. Gleich hinter dem
Essen kommen Landschaft und Natur.
Es
handelt sich bei diesem „Erzeugnis“ der Region Hochsteiermark um ein sehr
junges, und deswegen sollte die zukünftige Entwicklung und Auswirkung bzw.
Wechselwirkung mit den Menschen die auf diesem Territorium kurz-oder
langfristig leben, im Mittelpunkt einer Kulturwissenschaftlichen Beobachtung
stehen.
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Um
das Spannungsfeld zwischen der Repräsentation „nach aussen“ und der
tatsächlichen Praxis plakativ zeigen, folgendes Beispiel:
In
der Ausgabe der Hochsteiermark Journals (Ausgabe Februar 2010)- „Information
aus und für unsere Region „Hochsteiermark“:
Bericht über Genuss. Erlebnis. Leoben – Kochworkshop : Kurs
für Kochbegeisterte in der Stadt Leoben. Bei diesem Workshop gab der Koch
eine Einführung in die Zubereitung von Fisch, Meerestieren, Krustentieren.
Jakobsmuscheln, Pfefferkarpfen, Eismeersaibling mit Fenchel und Balsamico,
asiatische Zitronengrassuppe, Hummer, Seezuungen..etc.
Als
Kontrastbeispiel dazu, der Bericht über den „Ball der Steiermärker“ in Wien.
Dort wurden 600 Lebkuchen, eigenhändig von der Vizebürgermeisterin von Leoben
gebacken, angeboten. Weiteres gab es Bierwürstel und Bierleberkäse von der
Brauerei Gösser (Bez. Leoben).
Beim
Genussworkshop handelte es sich, abgesehen vom zubereiteten Karpfen also um
Gerichte welche für die Region Hochsteiermark „regionaluntypisch“ bekannt sind,
und mit welchen nach aussen hin nicht für die Region nicht direkt geworben werden
würde.
Ein weiteres Beispiel:
Aflenz Kurort:
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Die Mitarbeiterin des
Tourismusbüros in Aflenz Kurort, und auch sonst sehr engagierte Frau rund um
den Ort ist Regina M. So arbeitet die Aflenzerin im Rehabzentrum als
Nordic-Walking Trainerin, macht Kräuterwanderungen, veranstaltet Kräutercoach-
Ausbildungen im Ort, geht mit Kindern der umliegenden Schulen auf Kräutersuche um
diese anschließend gemeinsam zu Aufstrichen zu verarbeiten, sie arbeitet in der
örtlichen Skischule und produziert privat sämtliche Schnäpse, Liköre,
Marmeladen, Salben, Kräutersalz..etc. Sie selbst findet die Idee der
Hochsteiermark sehr gut, erkennt jedoch auch dass einige Wirte, oder Hotels im
Ort gewisse Probleme mit dem, was von Ihnen als Gastgeber erwartet wird, haben.
Kleinigkeiten sind‛s, wie sie meint. Es sei wichtig, e-Mails schnell zu
beantworten, sich auf den „moderneren“ Tourismus einzustellen- der diejenigen
Anspricht, die nur mehr ein-zwei Tage und keine Woche bleiben. Im allgemeinen
findet sie, seien vor allem die älteren Gastgeber zu wenig flexibel. Regina M.
meinte, viele haben dieses Bild von Aflenz- dem romantischen Ort, wo alle
freundlich und froh sind, Gäste zu haben, diesen gerne als König behandeln und
die schöne Landschaft mit ihm teilen wollen. Der Tourismus verlange, immer
etwas zu tun.
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Es
stellt sich also die Frage, wie erfolgreich und auf welche Art und Weise sich überhaupt
eine konzeptualisierte Region im (Unter)bewusstsein der Menschen verankert.
Als Basis steht schließlich der ökonomische Gedanke und es muss immer wieder
berücksichtigt werden, dass es sich auch bei einer perfekt konzeptualisierten,
auf Karten abgegrenzten Region letztendlich um ein Territorium handelt, welches
unter ständigem Wandel steht und sich das Handeln der dort lebenden Menschen
nicht auf einen Raum begrenzen oder verallgemeinern lässt. Die Mobilität und
das konstante „Übertreten, Eintreten“ der Menschen innerhalb und außerhalb jener
„Grenzen“ lässt die Annahme einer statischen Region nicht zu. Mit
Grenzüberschreitungen sind sowohl tatsächlich Physische Grenzen als auch
geistige Grenzen gemeint, welche man bereits beim Einschalten des Fernsehers,
dem Lesen eines Buches, dem Surfen im Internet etc. übertritt.
Hier
lässt sich die Definition von Aline Brochot, welche in der Vorlesung schon
erwähnt wurde, einfügen:
"la façon d'être ce
qu'on est là où l'on est"
Kultur sei demnach die Art und Weise wie man ist, wo man
sich gerade aufhält.
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Vgl. Ute Pietsch: Hochsteiermark
Die Bedeutung der Regionalentwicklung für eine Industrieregion auf dem Wegzur
Tourismusregion: Tourismus- und Regionalentwicklung auf „Hochsteirisch“. In : Grazer
Mitteilingen der Geographie und Raumforschung .Hg.:ÖSTERREICHISCHE GEOGRAPHISCHE
GESELLSCHAFT/ Zweigstelle Graz, Universität Graz, Heft 40, März 2007, S.14-17
Vgl. Pietsch, 2007, S.16
Quelle: Statistik Austria, Bearbeitung:
LASTAT Steiermark
Ebd.
http://www.kleinezeitung.at/steiermark/bruckandermur/tragoess/2184869/lieber-regional-ravioli.story;jsessionid=069655B7C1E59656E9869AA111165F3A.p3)
Aline Brochot et al. 2001. Cultures régionales:
Territorialité, dynamiques, enjeux. Paris, Ministère de la Cultureet de la
Communication, 6.
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