Warum sind Männer
aggressiver als Frauen?
Essay
Was bedeutet eigentlich Aggression?
Aggression (lat. aggressio
Angriff) ist eine Verhaltensweise,
die durch einen Konflikt zwischen Individuen oder Gruppen entsteht. Dabei
versucht jeder seine Position dem anderen aufzudrängen. Es geht hierbei um
Respekt und Ansehen zu erlangen.
Nun stellt sich die Frage, ob die
Aggression bloß aus dem genetischen und evolutionären Faktor resultiert oder ob
es auch von der Gesellschaft beeinflusst wird. Um herauszufinden, warum Männer
mit Aggression anders umgehen als Frauen, werde ich zuerst auf den evolutionären
Aspekt eingehen. Inwieweit hat der Mensch das aggressive Verhalten von anderen
Lebewesen übernommen?
Was sagt Darwin zur menschlichen
Aggression? Anschließend werde ich mich auf den physiologischen Faktor
beziehen. Welche Auswirkung hat die Struktur des Gehirns bei Männern und
Frauen? Wie weit beeinflussen die Hormone das Verhalten des Menschen? Zuletzt wird
noch der ontogenetische Faktor
mit einbezogen. Kann die Gesellschaft die Aggression beim Menschen verstärken
oder vermindern?
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Nach Darwins Abstammungslehre ist
der Mensch mit den Lebewesen durch einen gemeinsamen Stammbaum verbunden. Das
bedeutet, dass der Mensch das Sozialverhalten von den Tieren in einigen
Situationen imitiert. Zum Beispiel reagiert der Mensch genauso wie das Tier mit
Aggressionen bei Auseinandersetzungen.
Bei den männlichen Lebewesen tritt vorwiegend die intraspezifische Aggression
auf, die bei Konkurrenz um Wohnplätze und um Nahrung hervorgerufen wird. Auch
beim Behaupten oder Erringen von Rangordnungspositionen wird diese Form von
Aggression ausgelöst.
Bei den weiblichen Wesen wird eher
die interspezifische Aggression sichtbar. Diese Art der Aggression tritt erst
auf, wenn sich das Weibchen angegriffen fühlt und sich gegen (Fress-) Feinde
schützen und verteidigen muss. Hierbei wird ein typisches Grundmuster deutlich:
die männliche Dominanz und Aggressivität einerseits und die weibliche
Unterordnung und Anpassung andererseits.
Wie
jedes andere Tier ist auch der Mensch ohne Zweifel auf seinen gegenwärtigen
hohen Stand durch einen Kampf um die Existenz gelangt, und wenn er noch höher
fortschreiten soll, muss er einem heftigen Kampf ausgesetzt bleiben. Es muss
für alle Menschen offene Konkurrenz bestehen (Charles Darwin (1871); Hervorh.
im Original).
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Die
höchste Befriedigung stellt sich [beim Menschen] ein, wenn man ganz bestimmten
Impulsen folgt, nämlich den sozialen Instinkten. [
] Die Liebe derer zu
gewinnen mit denen er zusammenlebt, [
] ist [für den Menschen] ohne Zweifel die
größte Freude auf dieser Erde (Charles Darwin (1871); Hervorh. im Original).
Nach Darwin gehört die Aggression
nicht zum primären Instinkt. Es ist für ihn kein Trieb, sondern eine
menschliche Motivation die den Wunsch nach sozialer Akzeptanz enthält.
Doch Sigmund Freud vertritt
andere Ansichten hinsichtlich der Aggression. Nach Freud hat der Mensch zwei
angeborene Triebe, den Eros (Lebenstrieb) und den Thanatos (Todestrieb) in
sich, die miteinander im Wettstreit sind.
Auch Konrad Lorenz sah den
Aggressionstrieb als primären Antrieb des Menschen. Denn anhand von
Tierbeobachtungen nahm er an, dass die Aggression eine spontane Bereitschaft
zum Kampf sei, welche für das Überleben eines Organismus entscheidend sei. Im
Tierreich kommt es selten zu Verletzungen, da sich einer von beiden Rivalen
unterwerfen wird. Dieses aggressionsausweichende Verhalten in kritischen
Momenten sah er im Menschen wieder.
Doch die moderne Neurobiologie
vertritt eher die Position von Darwin, dass die Aggression ein reaktives
Phänomen ist.
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Denn das Gehirn von Männern und Frauen
verarbeiten Reize (hören, sehen, spüren) unterschiedlich. Es liegt daran, dass
bei Frauen 11 % mehr Neuronen in den Gehirnzentren für Sprache und Hören sind
als bei Männern. Somit sind die männlichen und weiblichen Betriebssysteme den
Aufgaben gleichermaßen gewachsen, bearbeiten bloß die Ziele mit
unterschiedlichen Schaltkreisen.
Das bedeutet, dass bei Männern die
Wahrscheinlichkeit größer ist als bei Frauen, dass sie bei Auseinandersetzungen
was anderes verstehen, als wirklich gemeint wird. Dieses falsche Verständnis
verbunden mit dem zweieinhalb Mal größeren Gehirnzentrum für Aktivität und
Aggression bei Männern führt dazu, dass sie innerhalb von Sekunden Schlägerei
anzetteln. Es liegt daran, dass die Verarbeitungskapazität größtenteils im
urtümlichen Gehirnareal Amygdala stattfindet, dass Angst und Aggression auslöst.
In einer solchen Konfliktsituation hat der Mann in der Regel kein schlechtes Gewissen und fühlt sich in
seiner männlichen Rolle eher bestätigt.
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auch große Mühe bei Auseinandersetzungen von anderen den Konflikt zu
entschärfen und alles in Ordnung zu bringen.
Demnach erleben Frauen ihre eigene
Aggressivität häufig mit Schuldgefühlen jemanden verletzten zu können. Auch
sind Frauen weniger konsequent in ihrer Aggression. Sie machen schneller
Rückzieher, aus Angst davor ihre Kontrolle über sich selbst zu verlieren.
Auch
Hormone haben tiefgreifende Auswirkung auf das Verhalten bei Auseinandersetzungen.
Denn sie verändern die Wertvorstellung und die gesamte Wahrnehmung des
Menschen. Deshalb gilt das Hormon Testosteron beim Mann seit langer Zeit als
Aggressionshormon.
Denn hierzu konnten bestätigende Versuche gemacht werden. Es wurde zum Beispiel
festgestellt, dass bei Schwerverbrechern ein erhöhter Testosteronspiegel
vorhanden ist, als bei der Normalbevölkerung.
In einem anderen Versuch wurde
gezeigt, dass weibliche Tiere ein erhöhtes aggressives Verhalten aufweisen, bei
denen das männliche Hormon Testosteron injiziert wurde.
Jedoch kann heute gesagt werden,
dass Testosteron nicht notwendigerweise Aggression, sondern vielmehr als
stimmungsaufhellender Faktor gilt. Es ist ebenso möglich, dass der
Testosteronspiegel erst erhöht wird, wenn eine Provokation oder Aggression von
außen die Ausschüttung aktiviert.
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