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Walther von der Vogelweide .doc

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German
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Karl-Franzens-Universität Graz - KFU
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Walther von der Vogelweide

Si wunder wol gemachet wîp

L 53,25


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Proseminar-Arbeit

vorgelegt von

Graz, 2009

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung. 2

2. Überlieferung und Textgestalt 2

2.1. Strophenanordnung. 4

2.2. Vergleich der Textfassungen von Lachmann/Cormeau, Lachmann/Kuhn, Kasten und Schweikle. 5

3. Metrum und Strophenschema. 6

3.1. Metrische Transkription der 1. Strophe nach Lachmann / Cormeau. 6

4. Inhalt und Aufbau. 8

4.1. Inhalt nach der Strophenreihung von Lachmann / Cormeau, Lachmann / Kuhn, Kasten und D, N.. 8

4.2. Inhalt nach Strophenreihung von C und Schweikle. 10

5. Rhetorische und stilistische Analyse. 10

5.1. Topoi und Motive. 10

5.2. Tropen und Figuren. 11

6. Gattungszuordnung. 12

6.1. Minnelyrik. 12

6.2. Frauenpreis / Preislied. 13

7. Interpretation. 13

8. Zusammenfassung. 16

9. Literaturverzeichnis. 18

1.          Einleitung

In dieser Arbeit wird versucht, das Lied si wunder wol gemachet wîp (Lachmann / Kuhn 53,25) zu analysieren. Der Darstellung der Überlieferungssituation und der Unterschiede zwischen den Handschriften folgt ein Vergleich der Editionen von Lachmann / Kuhn, Lachmann / Cormeau, Kasten und Schweikle.

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Fortgeführt wird die Arbeit mit der weiteren Analyse des Liedes anhand von stilistischen und rhetorischen Kriterien. Nach dem Versuch der Gattungszuordnung folgt die eigentliche Interpretation und schließt mit einer Zusammenfassung der vorgestellten Inhalte ab.

Die Literatur wird nur eingangs mit vollem Titel zitiert, danach folgen Kurztitel. Zitate aus dem Lied werden mit der Lachmann-Nummer angegeben.

2.          Überlieferung und Textgestalt

Das Minnelied Walthers von der Vogelweide ist in den Handschriften A, C, D und N überliefert worden. Die Kleine Heidelberger Liederhandschrift A ist ca. 1300 im Elsass entstanden und C, die Große Heidelberger (Manessische) Liederhandschrift ist ebenfalls um 1300 in Zürich verfasst worden.

Zur Handschrift N ist folgendes relevant:

„Die 1975 vom Herausgeber aufgefundene Handschrift n hat ursprünglich zusammen mit dem einzigen überlieferten Text von »Alpharts Tod« und einer Fassung des »Wilhelm von Österreich« von Johann von Würzburg mit anderen, verlorenen Teilen eine Sammelhandschrift gebildet.

Als Schreiber nennt sich ein Johannes Lang, er datiert die Fertigstellung der Handschrift auf Palmsamstag 1449. Das Auftreten einer heldenepischen Sammelhandschrift im südhessischen Raum um die Mitte des 15. Jahrhunderts setzt einen neuen Akzent.“[1]

 

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Es weist den gleichen Strophenbestand (I-V) auf, zwischen den Handschriften gibt es jedoch Unterschiede in der Strophenreihung.

Die erste Strophe ist in allen vier Handschriften gleich. Bereits bei der zweiten Strophe gibt es einen Unterschied in A. Ab der dritten Strophe sind dann mehrere Abweichungen feststellbar. Das Lied ist insgesamt in drei verschiedenen Strophenfolgen überliefert. Die Handschriften D und N sind in der Reihung identisch.

Hervorzuheben ist, dass die beiden Fassungen D und N enger zusammen gehen, weil ihre Strophenfolge als die schlüssigste gilt. Von ihr weicht die Reihung der Handschrift C nur durch Umstellung der Endstrophe von D und N an 3. Stelle in C ab. Wiederholt wird darauf aufmerksam gemacht, dass alle vier Fassungen mit derselben Strophe beginnen und darüber hinaus die beiden Strophen 4 und 5 (nach C: C189, 190) aufeinander folgen.[3]

Handschrift A ist in fünf Verse gegliedert, die nicht fortlaufend nummeriert, jedoch durch Absätze getrennt sind. Die Strophen sind markiert durch die Nummerierung 89-93 und am Beginn der nächsten Strophe ist der Anfangsbuchstabe des ersten Wortes durch Großschreibung hervorgehoben (Initialen).

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Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass die „als anstößig empfundene“ Strophe N5 „erst von späterer Hand, Anfang des 14. Jhdt. nachgetragen wurde.“[4]

2.1.              Strophenanordnung

 

Lachmann / Cormeau: A89, A93, A90, A91, A92

C192, C193, C195, C196, C194

DN1, DN2, DN3, DN4, DN5

Lachmann / Kuhn: A89, A93, A90, A91, A92

C192, C193, C195, C196, C194

DN1, DN2, DN 3, DN4, DN5

Schweikle: A89, A93, A92, A90, A91

C192, C193, C194, C195, C196

DN1, DN2, DN5, DN3, CN4

Kasten: A89, A93, A90, A91, A92

C192, C193, C195, C196, C194

DN1, DN2, DN3, DN4, DN5

Sowohl die Edition von Lachmann / Cormeau als auch die Ausgabe von Lachmann / Kuhn folgen im Hinblick auf die Strophenreihung der Handschriften D und N. Im Lied von Schweikle gibt es eine Anordnung der Strophen laut der C-Handschrift. Zuletzt orientiert sich in der Textfassung von Kasten die Strophenabfolge an die der Handschriften D und N.

Aussage des Liedes: Das Modell D, N, das als Grundlage gilt, nimmt an, dass es in L53,25 inhaltlich in erster Linie um die Beschreibung und das Lob der Schönheit einer Frau geht, also dass die laudativen Elemente im Vordergrund stehen. N und D enden beide mit erotischen Elementen. Man kann von einem Überraschungseffekt zum Schluss, einem Tabubruch sprechen. (Badszene)

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Durch die Anordnung der Strophe am Ende des Liedes wirkt das Lied sehnsüchtiger und verträumter im Vergleich zum Schluss von Handschriften D und N.

C beginnt nach der Einleitung das Haupt seiner Gepriesenen zu loben und geht in der dritten Strophe auf ihre Gliedmaßen über. Nach der Badszene geht er dann ins Detail und beschreibt ihre Wangen. Die Handschrift C endet wieder – wie in der Handschrift A – mit dem Wunsch, einen Kuss von der Auserwählten zu erhalten.

2.2.     Vergleich der Textfassungen von Lachmann/Cormeau, Lachmann/Kuhn, Kasten und Schweikle

 

Lachmann/Cormeau

Lachmann/Kuhn

Kasten

Schweikle

L 53,25

wunderwol

wunderwol

wúnder wol

wunder wol

L 53,28

vil werde in mînen hôhen sanc

vil werde in mînen hôhen sanc

vil hôhe in mînen werden sanc

vil hôhe in mînen werden sanc

L 53,29

Gern ich in allen dienen sol,

gern ich in allen dienen sol:

gérne ich allen dienen sol,

gerne ich allen dienen sol,

L 53,30

doch habe ich mir dise ûz erkorn.

doch hân ich mir dise ûz erkorn.

doch hân ich mir dise ûz erkorn

doch hân ich mir dise ûz erkorn.

L 53,33

habe ime wîs und wort

hab ime wîs unde wort

hab im wîse únde wort

hab im wîse unde wort

 

 

 

 

 

L 54,27

wunnenrîch

wünnenrîch

wunnen rîch

wünnenrîch

L 54,29

solde ez

solde ez

möhte ez

möhte ez

L 54,30

doch

ouch

ouch

ouch

L 54,33

nâhe

nâhen

nâhe

nâhe

L 54,34

möhte

mac

mac

mac

 

 

 

 

 

L 53,38

hie rkseloht, dort lilienvar.

hie rkseloht, dort liljenvar.

rkseloht, dâ lilienvar.

dâ rkseloht, dâ liljenvar.

L 54,1

Obe ichz vor sünden tar gesagen,

ob ichz vor sünden tar gesagen,

ob ichz getar von sünden sagen:

ob ichz getar von sünden sagen:

L 54,2

sô s6he ich si iemer gerner an

sô s6he ichs iemer garner an

ich s6he si iemer gerner an

ich s6he si iemer gerner an

L 54,5

mache ich si mir ze hêr,

mach ich si mir ze hêr,

máche ich mir si ze hêr,

mache ich mir sie ze hêr,

L 54,6

lop

lop

lob

lop

 

 

 

 

 

L 54,9

stüent ich ûf ûz dirre not

sô stüende ich ûf von dirre not

sô stüende ich ûf von dirre nôt

sô stüende ich ûf von dirre nôt

L 54,14

alsam ez allez balsame

alsam ez vollez balsmen

áls ez volles balsmen sî

alsam ez volez balsemen sî.

L 54,15

daz sol si lîhen mir

daz sol si lîhen mir

daz sol diu guote lîhen mir

daz sol si lîhen mir,

L 54,16

dicke sô si ez wider will,

swie dicke sô siz wider will,

swie dicke siz hin wider will,

swie dicke siz hin wider wil,.

 

gib ich ez ir

gibe ichz ir

sô gibe ichz ir

sô gibe ichz ir.

 

 

 

 

 

L 54,22

sô wæne ich mê beschowet hân

sô wæne ich mê beschowet hân

ich wæne, ich mê beschowet hân

sô wæne ich mê beschowet hân.

L 54,23

si sah mîn niht, dô sî mich schôz

si sach mich niht, dô si mich schôz

si sach mich niht, swie si mich schôz

si sach mich niht, swie si mich schôz,

L 54,24

daz stichet noch, als ez dô stach

daz mich noch sticht als ez dô stach

daz mich noch stichet als ez stach

daz mich noch stichet als ez stach

L 54,25

ich lobe die reinen stat

swann ich der lieben stat

swánne ích der lieben stat

swanne ich der lieben stat

L 54,26

dâ diu vil minneclîch ûz einem bade trat

gedenke, dâ si reinen ûz einem bate trat

gedenke, dâ si reinen ûz einem bade trat

gedenke, dâ si reine ûz einem bade trat.

3.          Metrum und Strophenschema

3.1.     Metrische Transkription der 1. Strophe nach
Lachmann / Cormeau

 

Hier folgt eine metrische Transkription der ersten Liedstrophe aus Walthers si wunder wol gemachet wîp nach der Edition von Lachmann / Cormeau.

Aufgesang

1. Stollen

Si wunderwol gemachet wîp,

x | x x | x x | x x | x Λ 4 a mv

daz mir noch werde ir habedanc!

x | x x | x x | x x | x Λ 4 b mv

2. Stollen

ich setze ir minneclîchen lîp

x | x x | x x | x x | x Λ 4 a mv

vil werde in mînen hôhen sanc.

x | x x | x x | x x | x Λ 4 b mv

Abgesang

Gern ich in allen dienen sol,

x | x x | x x | x x | x Λ 4 c mv

doch habe ich mir dise ûz erkorn.

x | x x | x x | x x | x Λ 4 d mv

ein ander weiz die sînen wol,

x | x x | x x | x x | x Λ 4 c mv


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