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Ziel der folgenden
Proseminararbeit ist es, das Lied Lange
swîgen des hât ich gedâht von
Walter von der Vogelweide zu analysieren.
Um ein besseres Verständnis seiner
Arbeit zu ermöglichen, ist der eigentlichen Lyrikanalyse ein Kapitel über
Walthers Leben sowie ein Kapitel über sein Gesamtwerk vorangestellt.
Die Biographie des Dichters
wird hinsichtlich seiner Herkunft und Lebensstationen erörtert, sein Werk
überblickshaft in Minnelyrik, Sangspruchdichtung und religiöse Dichtungen bzw.
Alterslyrik eingeteilt.
Das Lied Lange swîgen des
hât ich gedâht wird schließlich im dritten und letzten Kapitel dieser
Arbeit hinsichtlich Perspektivität und Thematik, Überlieferung, Metrik und
Klang, Wortwahl, sowie Bildlichkeit analysiert.
1. Leben
Walther von der Vogelweide
wurde um 1170 geboren, das exakte Gebursdatum ist jedoch ungewiss. Der Beiname
lässt darauf schließen, dass Walther seine Kindheit in der Nähe eines Ortes, an
dem Falken abgerichtet wurden, verbracht hat. Weiters lässt sich deduzieren,
dass Walthers Beiname ursprünglich nicht für die überregionale Kommunikation
gedacht war, da sie sonst eine spezifischere Ortsangabe beinhalten hätte
müssen, wie es zur Zeit Walthers Brauch bei reisenden Adeligen und Dichtern
war.
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Neuere Ergebnisse in der Forschung von Walter Klomfer aus dem
Jahre 1987 versuchen etwa eine Herkunft in der Nähe des Stifts Zwettl zu
rekonstruieren, wo Walther auch seine Ausbildung erhalten habe.
Die vor
allem in der breiten Öffentlichkeit bekannte ‚Südtirol-Theorie’ beruht hingegen
auf einer missverstandenen Stelle in Wolframs ‚Willehalm’. [...] Gemeinhin gilt
der Vogelweidhof bei Lajen in Südtirol als seine Geburtsstätte.
Die
‚Waldviertel’-Theorie ist dagegen in ihren Grundzügen [...] auch denkbar, ihre
oben beschriebene detaillierte Ausgestaltung durch Heimatforscher ist aber
phantasievoll.
Unter all den Theorien zu Walthers Herkunft
lässt sich also keine mit hundertprozentiger Sicherheit bestätigen – auf Grund
der ungünstigen Quellenlage wird es auch weiterhin schwierig bleiben, dies zu
ändern.
Die einzige urkundliche
Erwähnung Walthers ist eine Notiz in einer Reisekostenniederschrift Bischofs
Wolfger von Erla am 12. November 1203: „Für Walther den Sänger von der
Vogelweide fünf Schilling für einen Pelzmantel.“ Der Hauptteil von
Informationen über Walther stammt deshalb entweder aus seinen eigenen Texten
oder aus Erwähnungen seiner Person von anderen Minnesängern.
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Nach dem Dahinscheiden Herzog Friedrich I. im Jahre 1198 wurde
Walther fahrender Dichter – von da an erschien er als Minnesänger und
Spruchdichter an mehreren Fürstenhöfen, unter anderem in Thüringen, Meißen,
Köln, Bayern, Passau, und Kärnten.
Historische Bedeutung bekam
Walther, unabhängig seiner Lyrik, durch seine politischen Ansichten, mit denen
er auch ein neues Kapitel der Sangspruchdichtung einläutete. Seit dem Tod
Heinrich VI. im Jahre 1197 und dem anschließend eskalierenden Konflikt zwischen
Reich und Papsttum Ergriff Walther Partei gegen die Kirche und dürfte einiges
politisches Gewicht innegehabt haben.
Im Thronstreit zwischen Otto von
Braunschweig und Friedrich von Staufen wechselte Walther häufig die Seiten, da
die Fürsten, die seine Auftraggeber waren, sich kaum für eine entscheiden
konnten.
Über die Fürsorge der Fürsten,
die ihn kurzzeitig protegierten, beschwerte sich Walther immer wieder in seiner
Lyrik. Eine feste Anstellung fand er um 1214 am Hof von Kaiser Friedrich II.,
der ihm 1220 endlich ein Lehen schenkte, welches sich wahrscheinlich bei
Würzburg befand.
Dort starb der Alte Meister um 1230. Begraben wurde er „«Ze
Wirzeburg zu dem Nuwemunster in dem grashoven» [..] wie Michael de Leone in
seinem Hausbuch um 1350 berichtet.“ Sein Einfluss ging aber noch weit über
seinen Tod hinaus:
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Dem Wunsche, den er einst selbst ausgesproichen hat: >Mein Minnesang,
der dien euch für, Und eure Gunst, die sei mein Teil‹, diesem Wunsch ist
Erfüllung geworden weit über die Grenzen hinaus, die er ahnen konnte.
2. Werk
Die Überlieferung von Walther
von der Vogelweides Werk enthält rund 500 Strophen in ca. 110 Tönen bzw. von 90
Liedern, weiters 150 Sprüche und einen Leich. Sein Schaffen lässt sich in
Minnesang, Sangspruchdichtung und religiöse Lieddichtung bzw.
Alterslyrik
unterteilen und wird im Folgenden in ebendieser Reihenfolge behandelt.
2.1.
Minnesang
Walthers
Minnesang folgt nicht einer einfach zu beschreibenden Grundstruktur. Vieles
widerspricht sich, manche Positionen stehen unverträglich nebeneinander.
Die
Forschung zog daraus den naheliegenden Schluß, man müsse eine Chronologie
rekonstruieren, die Unvereinbarkeiten dadurch aufhebt, daß es sie in das Modell
einer zeitlichen Entiwcklung einbringt. Da man nicht die geringstenen
Anhaltspunkte hat, wann welches Lied gedichtet sein könnte [...] blieb nur die
Möglichkeit einer relativen Chronologie, einer Art Stufenmodell.
So lässt sich Walthers
Minnelyrik unter hauptsächlich qualititativen Aspekten in folgende Reihenfolge
bringen: 1. Lieder, die merklich von Reinmars Tradition gekennzeichnet
sind und gleichzeitig noch etwas unausgereift wirken. 2. Während
Walthers Meisterschaft zunimmt, polemisiert er zunehmen gegen seinen Lehrer
Reinmar. 3. Der Dichter erschafft die Mädchenlieder als revolutionäre
Gegenposition zur Hohen Minne: Das Sänger-Ich sucht nicht mehr die
unerreichbare Liebe einer höher gestellten Dame sondern die Liebeserfüllung bei
einem einfachen Mädchen.
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Zentrale Person dieser Lieder ist die
den hohen ethischen Anforderungen der Minne gerecht werdende Dame.
Nachdem Walther mit seiner
ebenen Minne als Mittler zwischen Hoher und Niederer Minne aufzutreten suchte,
erinnert sein minnelyrisches Alterswerk an Mahnsprüche: Klagen über die neue Zeit
und den Verfall der Sitten fanden einen Platz in seinen späten Liedern.
So hat
Walther von der Vogelweide durch die Vielfalt seiner Entwicklung dem Minnesang
unzählige neue ästhtische Möglichkeiten eröffnet und ihn gleichzeitig geprägt
wie kein anderer.
2.2.
Sangspruchdichtung
In der Gattung der Spruchdichtung
erzielte Walther seine größten literarischen Leistungen und erschloss darin die
hohe Politik und die Religion als Themen.
In den politischen Sprüchen dominiert
die Reichsthematik (Frage nach dem richtigen Herrscher), der Einfluss des
Papstes wird heftig angegriffen.
Die Spruchdichtung von Walther
von der Vogelweide lässt die aufschlußreichsten Theorien über seine Biographie
zu. Dass der Spruch zu einer von der Gesellschaft akzeptierten Kunstform wurde,
ist vor allem sein Verdienst.
Er führte sowohl inhaltliche
als auch formelle Neuerungen ein: Gerade seine politische Verwendung des
Sangspruchs wie im Reichston stellte eine Neuigkeit dar. Walther
verstand die Spruchdichtung zwar als essentiell, um seinen Lebensunterhalt zu
verdienen, andererseits aber auch als Abhaltung von der Minnelyrik, die er als
seinen Lebenssinn ansah.
So verarbeitete er auch persönliche Anliegen und
Sorgen, zum Beispiel im Unmutston oder im Wiener Hofton, in
seiner Sangspruchdichtung.