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Walther von der Vogelweide: Lange swîgen des hât ich gedâht .doc

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Human Science
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German
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Karl-Franzens-Universität Graz - KFU
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2008
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Walther von der Vogelweide

Lange swîgen des hât ich gedâht

Inhalt

 

Einleitung

 

1. Leben

 

2. Werk

2.1. Minnesang

2.2. Sangspruchdichtung

2.3. Religöse Dichtung, Alterslyrik

 

3. Lange swîgen des hât ich gedâht

3.1. Perspektive & Thematik

3.2. Überlieferung

3.3. Metrik

3.4. Wortwahl

3.5. Bildlichkeit

 

Conclusio

 

Literaturverzeichnis

 

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Einleitung

Ziel der folgenden Proseminararbeit ist es, das Lied Lange swîgen des hât ich gedâht von Walter von der Vogelweide zu analysieren.

Um ein besseres Verständnis seiner Arbeit zu ermöglichen, ist der eigentlichen Lyrikanalyse ein Kapitel über Walthers Leben sowie ein Kapitel über sein Gesamtwerk vorangestellt.

Die Biographie des Dichters wird hinsichtlich seiner Herkunft und Lebensstationen erörtert, sein Werk überblickshaft in Minnelyrik, Sangspruchdichtung und religiöse Dichtungen bzw. Alterslyrik eingeteilt.

Das Lied Lange swîgen des hât ich gedâht wird schließlich im dritten und letzten Kapitel dieser Arbeit hinsichtlich Perspektivität und Thematik, Überlieferung, Metrik und Klang, Wortwahl, sowie Bildlichkeit analysiert.

1. Leben

Walther von der Vogelweide wurde um 1170 geboren, das exakte Gebursdatum ist jedoch ungewiss. Der Beiname lässt darauf schließen, dass Walther seine Kindheit in der Nähe eines Ortes, an dem Falken abgerichtet wurden, verbracht hat. Weiters lässt sich deduzieren, dass Walthers Beiname ursprünglich nicht für die überregionale Kommunikation gedacht war, da sie sonst eine spezifischere Ortsangabe beinhalten hätte müssen, wie es zur Zeit Walthers Brauch bei reisenden Adeligen und Dichtern war.

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Neuere Ergebnisse in der Forschung von Walter Klomfer aus dem Jahre 1987 versuchen etwa eine Herkunft in der Nähe des Stifts Zwettl zu rekonstruieren, wo Walther auch seine Ausbildung erhalten habe.

Die vor allem in der breiten Öffentlichkeit bekannte ‚Südtirol-Theorie’ beruht hingegen auf einer missverstandenen Stelle in Wolframs ‚Willehalm’. [...] Gemeinhin gilt der Vogelweidhof bei Lajen in Südtirol als seine Geburtsstätte.

Die ‚Waldviertel’-Theorie ist dagegen in ihren Grundzügen [...] auch denkbar, ihre oben beschriebene detaillierte Ausgestaltung durch Heimatforscher ist aber phantasievoll.

Unter all den Theorien zu Walthers Herkunft lässt sich also keine mit hundertprozentiger Sicherheit bestätigen – auf Grund der ungünstigen Quellenlage wird es auch weiterhin schwierig bleiben, dies zu ändern.

Die einzige urkundliche Erwähnung Walthers ist eine Notiz in einer Reisekostenniederschrift Bischofs Wolfger von Erla am 12. November 1203: „Für Walther den Sänger von der Vogelweide fünf Schilling für einen Pelzmantel.“ Der Hauptteil von Informationen über Walther stammt deshalb entweder aus seinen eigenen Texten oder aus Erwähnungen seiner Person von anderen Minnesängern.

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Nach dem Dahinscheiden Herzog Friedrich I. im Jahre 1198 wurde Walther fahrender Dichter – von da an erschien er als Minnesänger und Spruchdichter an mehreren Fürstenhöfen, unter anderem in Thüringen, Meißen, Köln, Bayern, Passau, und Kärnten.

Historische Bedeutung bekam Walther, unabhängig seiner Lyrik, durch seine politischen Ansichten, mit denen er auch ein neues Kapitel der Sangspruchdichtung einläutete. Seit dem Tod Heinrich VI. im Jahre 1197 und dem anschließend eskalierenden Konflikt zwischen Reich und Papsttum Ergriff Walther Partei gegen die Kirche und dürfte einiges politisches Gewicht innegehabt haben.

Im Thronstreit zwischen Otto von Braunschweig und Friedrich von Staufen wechselte Walther häufig die Seiten, da die Fürsten, die seine Auftraggeber waren, sich kaum für eine entscheiden konnten.

Über die Fürsorge der Fürsten, die ihn kurzzeitig protegierten, beschwerte sich Walther immer wieder in seiner Lyrik. Eine feste Anstellung fand er um 1214 am Hof von Kaiser Friedrich II., der ihm 1220 endlich ein Lehen schenkte, welches sich wahrscheinlich bei Würzburg befand.

Dort starb der Alte Meister um 1230. Begraben wurde er „«Ze Wirzeburg zu dem Nuwemunster in dem grashoven» [..] wie Michael de Leone in seinem Hausbuch um 1350 berichtet.“ Sein Einfluss ging aber noch weit über seinen Tod hinaus:

 

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Dem Wunsche, den er einst selbst ausgesproichen hat: >Mein Minnesang, der dien euch für, Und eure Gunst, die sei mein Teil‹, diesem Wunsch ist Erfüllung geworden weit über die Grenzen hinaus, die er ahnen konnte.

2. Werk

Die Überlieferung von Walther von der Vogelweides Werk enthält rund 500 Strophen in ca. 110 Tönen bzw. von 90 Liedern, weiters 150 Sprüche und einen Leich. Sein Schaffen lässt sich in Minnesang, Sangspruchdichtung und religiöse Lieddichtung bzw.

Alterslyrik unterteilen und wird im Folgenden in ebendieser Reihenfolge behandelt.

2.1. Minnesang

Walthers Minnesang folgt nicht einer einfach zu beschreibenden Grundstruktur. Vieles widerspricht sich, manche Positionen stehen unverträglich nebeneinander.

Die Forschung zog daraus den naheliegenden Schluß, man müsse eine Chronologie rekonstruieren, die Unvereinbarkeiten dadurch aufhebt, daß es sie in das Modell einer zeitlichen Entiwcklung einbringt. Da man nicht die geringstenen Anhaltspunkte hat, wann welches Lied gedichtet sein könnte [...] blieb nur die Möglichkeit einer relativen Chronologie, einer Art Stufenmodell.

So lässt sich Walthers Minnelyrik unter hauptsächlich qualititativen Aspekten in folgende Reihenfolge bringen: 1. Lieder, die merklich von Reinmars Tradition gekennzeichnet sind und gleichzeitig noch etwas unausgereift wirken. 2. Während Walthers Meisterschaft zunimmt, polemisiert er zunehmen gegen seinen Lehrer Reinmar. 3. Der Dichter erschafft die Mädchenlieder als revolutionäre Gegenposition zur Hohen Minne: Das Sänger-Ich sucht nicht mehr die unerreichbare Liebe einer höher gestellten Dame sondern die Liebeserfüllung bei einem einfachen Mädchen.

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Zentrale Person dieser Lieder ist die den hohen ethischen Anforderungen der Minne gerecht werdende Dame.

Nachdem Walther mit seiner ebenen Minne als Mittler zwischen Hoher und Niederer Minne aufzutreten suchte, erinnert sein minnelyrisches Alterswerk an Mahnsprüche: Klagen über die neue Zeit und den Verfall der Sitten fanden einen Platz in seinen späten Liedern.

So hat Walther von der Vogelweide durch die Vielfalt seiner Entwicklung dem Minnesang unzählige neue ästhtische Möglichkeiten eröffnet und ihn gleichzeitig geprägt wie kein anderer.

2.2. Sangspruchdichtung

In der Gattung der Spruchdichtung erzielte Walther seine größten literarischen Leistungen und erschloss darin die hohe Politik und die Religion als Themen.

In den politischen Sprüchen dominiert die Reichsthematik (Frage nach dem richtigen Herrscher), der Einfluss des Papstes wird heftig angegriffen.

Die Spruchdichtung von Walther von der Vogelweide lässt die aufschlußreichsten Theorien über seine Biographie zu. Dass der Spruch zu einer von der Gesellschaft akzeptierten Kunstform wurde, ist vor allem sein Verdienst.

Er führte sowohl inhaltliche als auch formelle Neuerungen ein: Gerade seine politische Verwendung des Sangspruchs wie im Reichston stellte eine Neuigkeit dar. Walther verstand die Spruchdichtung zwar als essentiell, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, andererseits aber auch als Abhaltung von der Minnelyrik, die er als seinen Lebenssinn ansah.

So verarbeitete er auch persönliche Anliegen und Sorgen, zum Beispiel im Unmutston oder im Wiener Hofton, in seiner Sangspruchdichtung.


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