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Wahlverhalten und Parteiensystem .doc

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Social Science
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Political Studies
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Passau
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Wahlverhalten

Ø Das Wahlrecht und seine Varianten in Deutschland

  • Wahlrecht nur in allgemeinen Zügen gesetzlich verankert: Parlamente müssen lediglich aus „allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl“ hervorgehen
  • Verhältniswahl war lange Zeit umstritten → wird für Parteienzersplitterung in WR und damit für ihr Scheitern verantwortlich gemacht
  • Seit 07.05.1956 personalisiertes Verhältniswahlrecht → Hälfte der Abgeordneten wird mit einfacher Mehrheit gewählt, andere Hälfte über die Landeslisten der Parteien
  • 2 Stimmen:
    • Erststimme (Personenstimme) → Wahlkreisabgeordneter
    • Zweitstimme (Parteienstimme) → Verteilung der Mandate zwischen den Parteien

F entsprechend ihres Zweitstimmenanteils wird jeder Partei ein Verhältnisanteil an Mandaten zugeteilt (seit 1985 nach Hare-Niemeyer-Berechnungsverfahren), die dann – nach Abzug der direkt erzielten Wahlkreismandate – aus ihren Landeslisten in der dort gegebenen Reihenfolge besetzt werden

  • Überhangmandate: in Wahlkreisen mehr Mandate, als ihr in einem Bundesland insgesamt zuständen → bleiben ohne Ausgleich → Knick in Verhältniswahlrecht
  • Fünf-Prozent-Sperrklausel: es werden nur Landeslisten solcher Parteien bei der Mandatszuteilung berücksichtigt, die mindestens 5% der gültigen Zweitstimmen in ihrem Bundesgebiet erhalten oder mindestens 3 Wahlkreise direkt gewonnen haben („Grundmandate“) → Schutz vor Vielparteiensystem
  • Bei der Wahl der Landesparlamente gelten gleiche Grundprinzipen: Verhältniswahlrecht (teils nach Hare/Niemeyer, teils nach d’Hondt) und Fünf-Prozent-Klausel.
  • Im Übrigen bestehen aber Unterschiede; in Hamburg z. B. personalisiertes, komplexes Wahlrecht
  • Kommunalwahl: Regelungen variieren von Bundesland zu Bundesland
    • Folgen Prinzip des Verhältniswahlrechts
    • Reichen von starren Listenwahlverfahren bis Personenwahlen mit drei oder soviel Personenstimmen des Wählers, wie Sitze zu vergeben sind (kumuliert → auf Kandidaten gehäuft, panaschiert → auf Kandidaten verschiedener Listen verteilt
    • Nicht überall Fünf-Prozent-Klausel
    • Wahlperiode allgemein über 5 Jahre (in Bayern 6 und Sachsen-Anhalt 4 Jahre)

 

Ø Wahlrecht und Wahlverhalten

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Rudzio, Wolfgang: Das politische System der Bundesrepublik Deutschland. Wiesbaden:20067 S. 161-167.

Ø Aktuelle Politik und bewegliches Wahlverhalten

  • Zunahme situationsbezogenen Wahlverhaltens
    • Fortschreitende Entkopplung von Sozialstruktur und Wahlverhalten
    • Rückgang der Parteiidentifikation
    • Geringer Parteibindung
      • Erosion des politisch-sozialen Milieus, die das Individuum in allen Lebensbezügen umfassten und Traditionstreue zu bestimmten Parteien erzeugten
      • Individualisierung von Lebenslagen
      • Bildungsexpansion
  • Problemlösungskompetenz und Amtsbonus
    • Kurzfristige Faktoren für Wahlentscheidungen
      • Sachthemen
      • Kandidatenthemen
    • Sachprobleme von Bedeutung
      • Problemrelevanz: Welche Probleme hält der Wähler für wichtig
      • Problemlösungskompetenz: Von welcher Partei nimmt er an, das sie diese am ehesten in seinem Sinne lösen kann

ð beide Zuordnungen in hohem Grade veränderlich, abhängig von realen

Entwicklungen, Mediendarstellungen und Parteipositionen

§  Aber:

o   Dominierende Problemrelevanz darf nicht im Sinne alleiniger Wahldetermination interpretiert werden

o   Weniger ‚wichtige’ Themen spielen durchaus eine Rolle und können in der Summe für die Wahlentscheidung ausschlaggebend werden

o   Rückkehrneigung zwischenzeitlich enttäuschter und entfremdeter Regierungswähler

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o   Was ist wichtiger bei Kandidaten Sachkompetenz oder Sympathi/Bürgernähe?

o   Präferenz für Politiker in Regierungspositionen (Amtsbonus) fördert Neigung bei jeder Opposition, als Kanzlerkandidaten Nur-Parlamentarier durch Landesminister zu ersetzen (Merkel fällt aus der Reihe) F aber Personenorientierung hat im Trend nicht zugenommen; bei Spitzenkandidaten wird wert auf Führungsqualitäten, Integrität und Themenkompetenz als auf unpolitische Merkmale

Rudzio, Wolfgang: Das politische System der Bundesrepublik Deutschland. Wiesbaden:20067 S. 181- 188.


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